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https://de.wikipedia.org/wiki/Herrschaft
Herrschaft
Herrschaft wird sozialwissenschaftlich nach dem Soziologen Max Weber definiert: Im Gegensatz zur „Macht“ setzt Herrschaft nach Weber Legitimität voraus, die erst durch die Akzeptanz der Herrschenden durch die Beherrschten sichergestellt wird (Legitimitätsglauben). Neben diesem klassischen soziologischen Verständnis wird auch in den Staatswissenschaften und Geschichtswissenschaften zwischen verschiedenen Formen der sozialen Herrschaft unterschieden, insbesondere nach Zahl und Absichten der Herrschenden. Dieter Nohlens Lexikon der Politik definiert Herrschaft als . Soziologie Der klassische sozialwissenschaftliche Herrschaftsbegriff beruht auf der Herrschaftstypologie von Max Weber. Demzufolge müssen die Beherrschten eine Legitimität der Herrschenden anerkennen, damit Herrschaft entsteht. Im Unterschied zu seiner Definition der Macht (die er als soziologisch amorph, also formlos bezeichnet) setzt Herrschaft ein bestimmtes Maß an Dauerhaftigkeit voraus; sie ist eine institutionalisierte Form von Über- und Unterordnung, die jedoch keinerlei hierarchische Strukturen voraussetzt. Dadurch, dass Weber ein Minimum an Gehorsam voraussetzt, geht seine Definition über die von Karl Marx hinaus, dessen Herrschaftsbegriff auf politischer Macht basierte. Ähnlich meint Franz Oppenheimer mit Herrschaft eine Beziehung zwischen zwei rechtsungleichen sozialen Klassen. Er unterscheidet mit Otto von Gierke die Herrschaft als vertikale Sozialbeziehung von der Genossenschaft als horizontale Beziehung. Max Webers Begriffsdefinition Der Begriff der Herrschaft wird allerdings heute in der von Max Weber durchgesetzten Bedeutung des legitimierten Machtverhältnisses verstanden. Weber war der erste, der den Begriff Legitimität mit Herrschaft zusammenbrachte. Vor Weber bezog sich Legitimität auf den Staat und die Form der Regierung. In der antiken politischen Philosophie bezog sich Herrschaft auf Gesetze, die das Zusammenleben der Menschen im Staat regelten. Im Feudalismus wurde Herrschaft als persönliche Beziehung von Herr und Vasall gedacht. Der Herr oder der Vasall konnte abtrünnig werden, dies betraf aber nicht die gottgegebene Basis der Legitimität als solche. Durch den Säkularisierungsprozess der Neuzeit stellt sich die Frage der Herrschaft im Zusammenhang mit ihrer Legitimität. Herrschaft ist nicht etwas immer schon Vorhandenes, wie in der Antike oder etwas Gottgewolltes wie im Feudalismus, sondern etwas von Menschen Gemachtes und damit auch Hinterfragbares. Max Webers typologische Antwort bringt zwar Legitimität und Herrschaft zusammen, aber es kann bei Max Weber keine illegitime Herrschaft geben. Entweder es gibt Gehorsam, dann gibt es Herrschaft oder es gibt keinen Gehorsam, dann existiert auch keine Herrschaft. Damit hat Max Weber den Blick auf die tatsächlichen Verhältnisse und das Rechtssystem geworfen. Es waren z. B. Talcott Parsons oder Norbert Elias, die Webers Frage der Herrschaft auf die Frage nach den Bedingungen der Herrschaft erweiterten. Diese Fragestellung liegt aber jenseits des Begriffs der Herrschaft. Weber unterscheidet drei Typen von Herrschaft anhand des Grundes der Akzeptanz ihrer Legitimität durch die Beherrschten: Dabei liege gemäß Weber im ersten Fall „legale Herrschaft“, im zweiten Fall „traditionale Herrschaft“ und im dritten Fall „charismatische Herrschaft“ vor. Legale Herrschaft Legale Herrschaft basiert auf den folgenden Vorstellungen: jedes Recht durch Paktierung oder Oktroyierung ist rational, zweckrational oder wertrational orientiert, jedes Recht kann mit einem Kontrakt festgestellt werden und der legale Herr ist selber diesem Recht gehorsam. Hier wird die Legitimität der Herrschaft mit einer Satzung festgestellt. Der reinste Typus der legalen Herrschaft ist die Bürokratie mit einem Verwaltungsstab. Der Verwaltungsstab besteht typischerweise aus dem Leiter, der durch Wahlen oder durch Nachfolger-Designation als solches bezeichnet wird, sowie Einzelbeamten. Hier ist der Befehlende dem Typus nach ein Vorgesetzter, der Typus des Verwaltungsstabes ist Behörde mit Beamten und endlich die Gehorchenden sind hier die Mitglieder oder auch Bürger. Aber auch außerhalb einer klassischen Bürokratie liegt legale Herrschaft immer dann vor, wenn eine Person bestimmte Handlungen bloß deshalb ausführt oder unterlässt, um einer gesetzlichen Strafe zu entgehen. Hier liegt eine klassische zweckrationale Abwägung vor, da diese Person das Gut der Ausübung einer Handlung dem Übel einer zu befürchtenden Strafe gegenüberstellt. Diese Form der Herrschaft ist im Gegensatz zu etwa charismatischer Herrschaft an Institutionen gebunden, da ohne eine funktionierende Exekutive auch kein tatsächlicher Vollzug der Strafe zu erwarten ist. Traditionale Herrschaft Traditionale Herrschaft (gelegentlich und nicht dem Wortlaut bei Weber gemäß traditionelle Herrschaft genannt) besteht, wenn die Legitimität sich stützt und geglaubt wird auf Grund der Heiligkeit altüberkommener Ordnungen und Herrengewalten. In diesem Fall wird kraft der Tradition gehorcht. Im Gegensatz zur legalen Herrschaft ist der Herrschende hier nicht der Vorgesetzte, sondern persönlich der Herr. Sein Verwaltungsstab besteht nicht aus Beamten, sondern aus persönlichen Dienern. Die Beherrschten sind nicht Mitglieder des Verbandes, sondern entweder traditionelle Genossen oder Untertanen. Und im Gegensatz zur legalen Herrschaft werden die Beziehungen des Verwaltungsstabes zum Herrn nicht durch die sachliche Amtspflicht bestimmt, sondern durch persönliche Dienertreue. Zudem wird nicht den Satzungen gehorcht, wie bei der legalen Herrschaft, sondern der Tradition oder dem durch die Tradition genannten Herrn. Seine Befehle werden sowohl durch Inhalt der Tradition als auch durch seine freie Willkür legitimiert. In vormodernen Gesellschaften ist Herrschaft außerdem durch die Vorstellung legitimiert, dass emotionale Bande Herrscher und Beherrschte verbinden. Die hierarchische Asymmetrie wurde mit der menschlichen Natur begründet, nach der nicht Interessen und Bedürfnisse, sondern Gefühle soziale Beziehungen gestalten. Als emotionale Treiber, die Herrschaft durchsetzen und sie akzeptabel machen würden, galten Liebe und Schrecken. Beide konnten positiv bewertet werden, jedoch auch zur Differenzierung guter von schlechter Herrschaft verwendet werden, so dass die Möglichkeit geschaffen wurde, Herrschaft zu kritisieren. Die Normen, denen die Herrschaft unterlagen, waren an menschliche Grundkonstitutionen angebunden. Die Praxis der Herrschaft in vormodernen Gesellschaften bedurfte der Verständigungen, die indes nicht durch willentliche Vereinbarungen und gemeinsame Nutzerwartungen entstanden, sondern durch gefühlsmäßige Gemeinsamkeiten der Herrscher und Beherrschten. Der Herr kann sowohl mit als auch ohne einen Verwaltungsstab herrschen. Jedoch ist die Herrschaft ohne Verwaltungsstab der typische Fall traditionaler Herrschaft. Formen traditionaler Herrschaft sind in der Regel: Gerontokratie: die Herrschaft des Ältesten im Verband als der beste Kenner der Tradition primärer Patriarchalismus: die Herrschaft von Einzelnen innerhalb des Hauses infolge der Erbregeln. Im Fall des Entstehens eines Verwaltungsstabes stellt sich die traditionale Herrschaft als Patrimonialismus mit ständischer Struktur dar, in der Herrengewalt herrscht. Hier wird meistens Hierarchie durch Privilegien durchbrochen. Charismatische Herrschaft Charisma ist nach Weber eine geltende Qualität einer Persönlichkeit, um derentwillen sie als mit übernatürlichen oder übermenschlichen oder mindestens spezifisch außeralltäglichen oder nicht jedem anderen zugänglichen Kräften oder Eigenschaften oder als gottgesandt oder als vorbildlich und deshalb als „Führer“ gewertet wird. Hier wird also kraft der persönlichen Qualitäten gehorcht. Als Befehlende können hier Propheten, Kriegsfürsten oder Führer auftreten. Gehorchende können für Propheten Jünger, für Kriegsfürsten die Gefolgschaft und für Führer Vertrauensmänner sein. Es gibt hier keine Hierarchie, keine Zuständigkeitsbereiche, keine Kompetenzen und kein Gehalt oder Pfründe, weil die Gehorchenden dem Freundschaftskreis des Führers angehören. Es gibt nur örtliche und sachliche Grenzen von Charisma. Die Legitimität der charismatischen Herrschaft geht verloren, wenn das Charisma verschwindet. Sie verwandelt sich im Laufe der Zeit zur traditionalen Herrschaft, wenn sie nicht bis dahin verschwindet. Staatswissenschaften Fast alle klassischen Theorien der Politischen Philosophie (mit Ausnahme des Anarchismus) setzen die Herrschaft einer Person oder eines Personenkreises über die Bevölkerung eines Staates voraus. Dabei werden in der Staatstheorie jeweils Erklärungen gegeben, wie diese Herrschaft organisiert sein solle und warum sie erforderlich wird. Darüber hinaus geben einige Klassiker jedoch auch eigene Charakterisierungen der Herrschaft an sich. Im Fokus steht dabei weniger Webers Frage, was den Bestand der Herrschaft sichere (wobei dies auch von Bedeutung ist), sondern mehr die Frage, was (moralisch) gute Herrschaft von schlechter Herrschaft unterscheide. „Legitimität“ bezieht sich hierbei nicht (wie bei Weber) auf die Gründe, aus denen die Beherrschten das Herrschaftsrecht der Herrschenden anerkennen, sondern auf diejenigen Gründe, aus denen die Herrschaft tatsächlich moralisch gerechtfertigt ist. Zudem wird von den Klassikern eine Einteilung der Herrschaftsformen vorgenommen, die auch häufig mit dem Konzept eines Verfassungskreislaufes verbunden war. Platon Platon entwirft seine politische Philosophie insbesondere im Dialog Politeia. Dort vertritt er die Ansicht, dass Staaten entstehen, wenn Gruppen von Personen beginnen sich zusammenzuschließen und dabei eine Arbeitsteilung vorzunehmen. Diese Aufgabenteilung erlaube eine Ausführung der Aufgaben in höherer Qualität: Wenn sich eine Person nur auf einen bestimmten Beruf spezialisiert, könne sie ihre Fähigkeiten in diesem Gebiet viel eher verfeinern und so z. B. bessere (oder auch einfach mehr) Schuhe herstellen als jemand, der sich mit allen Dingen selbst versorgen möchte. Dieser Vorteil der Aufgabenteilung gilt laut Platon auch für die Politik: Er schlägt ein System von drei Ständen vor. Die größte Zahl der Menschen solle in einen Handwerker- und Bauernstand fallen, welcher der praktischen Arbeit nachgehen solle. Für die Überwachung dieses Standes sowie die Verteidigung der Stadt sei der Wächterstand zuständig. Aus dem Wächterstand heraus solle sich der Stand der Regenten rekrutieren; als Regenten seien idealerweise Philosophen geeignet, Platon befürwortet hier also eine Philosophenherrschaft. Platon sieht die verschiedenen real existierenden Herrschaftsformen als Verfallsformen des idealen Staates (der „Politeia“). In der Aristokratie herrschen nur die „Besten“, also die Philosophen. Die Timokratie ist die Herrschaft der Ehrenhaften (nach Platon normalerweise die Wächter) immer noch an der Gerechtigkeit orientiert ist. Aus dieser kann sich jedoch eine Oligarchie entwickeln, wenn die Bevölkerung Ehre mit Reichtum verwechselt und so eine Herrschaft der Reichen entsteht. Wenn diese ungerecht herrschen, kann sich das Volk gegen sie erheben und es entsteht eine Demokratie, in der allerdings chaotische Zustände vorliegen. Dies kann wiederum dazu führen, dass das Volk einen Demagogen zu seinem Herrscher ernennt und eine Tyrannei entsteht. Schließlich ist auch im schlimmsten Fall noch eine Herrschaft der Ungebildeten möglich, eine Ochlokratie. Aristoteles Im Gegensatz zu Platon, der ausschließlich staatliche Herrschaft beschreibt, versucht Aristoteles in seinem Werk Politik einen umfassenderen Herrschaftsbegriff zu verwenden. Dieser trifft auch auf den Oikos (den griechischen Haushalt einschließlich Sklaven) zu. Der Oikos wird zum Zweck der Erhaltung des eigenen Lebens gegründet, da wie bei Platon hier die Vorteile der Arbeitsteilung genutzt werden können. Dabei fungieren die Sklaven als „Werkzeuge“ des Hausherren, da der Hausherr über ein planerisches Vermögen verfüge, das dem Sklaven fehle, jedenfalls wenn diese „Sklaven von Natur“ seien. Andernfalls handle es sich um solche Sklaven, die dies gerechterweise nicht sein dürften. Auch die Herrschaft des Mannes über die Frau sei insofern gerechtfertigt, als „das Männliche […] von Natur aus mehr zur Leitung geeignet[ist], als das Weibliche (wenn nicht etwa ein Verhältnis gegen die Natur vorhanden ist)“ In allen Herrschaftsverhältnissen im Oikos wie im Staat sei die Tugend der Besonnenheit erforderlich, sodass die Beherrschten ihre (v. a. intellektuelle) Unterlegenheit anerkennen und versuchen, als Beherrschte ein möglichst gutes Leben zu verwirklichen. Im Gegensatz zum Oikos wird der Staat gegründet, um nicht nur das Leben zu erhalten, sondern auch ein selbstgenügsames, autarkes Leben zu erreichen. Der Staat unterscheide sich vom Oikos nicht nur durch seine Größe, sondern auch dadurch, dass er eine „Gemeinschaft von Freien“ darstelle. Aristoteles unterscheidet dabei nach zwei Kriterien sechs Herrschaftsformen (siehe Tabelle): Erstens anhand der Zahl der Herrschenden und zweitens anhand deren Absichten. Da es im Staat um die Herrschaft über Freie geht, dürften diese nicht despotisch und im Sinne des Eigennutzes regiert werden. Legitim sind also diejenigen Herrschaftsformen, in denen die Herrschenden den Gemeinnutz im Auge haben, die übrigen Herrschaftsformen sind illegitim. Hinzu kommt jedoch, dass ein einziger Herrscher seine Absichten effektiver durchsetzen könne als die gesamte Bevölkerung, da hier nur schwierig Einigkeit herzustellen sei. Daher sei die Monarchie besser als die Aristokratie und die Politie (bzw. auch Timokratie). Bei den illegitimen Herrschaftsformen ist es entsprechend umgekehrt: Da ein Tyrann seine schlechten Absichten besser durchsetzen kann als eine demokratische Menge, sei die Tyrannei schlimmer als die Demokratie. Der Kirchenvater Augustinus erachtete jegliche Herrschaft als defiziente Form der menschlichen Gemeinschaft, die jedoch als Folge des Sündenfalls notwendig sei. Falls ohne Gerechtigkeit, sei der Staat nichts anderes als eine Räuberbande, wie er in seinem Werk De civitate Dei ausführt, ohne positive Beispiele eines gerechten Staates anzugeben. Seine Auffassung übte Wirkung im Mittelalter aus, oft in dem Sinne, dass Herrschaft gerechtfertigt wurde, da sie als nicht abwendbar vorgestellt wurde. Jedoch konnte seine Auffassung auch verwendet werden, um die Herrschaft weltlicher Herrscher zu delegitimieren und um sie einer besseren Herrschaft von Geistlichen entgegenzustellen. Machiavelli Als frühneuzeitlicher Klassiker der Staatsphilosophie gilt Niccolò Machiavelli, der vor allem in seiner Schrift Der Fürst für einen zum Teil autoritär geprägten Stil der Machtpolitik plädierte, welcher später als Machiavellismus bezeichnet wurde. Dabei legt er Wert darauf, dass ein guter Herrscher auch in der Lage sein müsse, die Macht zu erobern und sich an der Macht zu halten. Hierbei sei es hilfreich, die Liebe des Volkes zu gewinnen und als „huldreich und gnädig“ zu gelten. Dieses Ziel dürfe jedoch nicht zu sehr oben an gestellt werden, denn „[w]enn es darauf ankommt, die Untertanen in Einigkeit und Gehorsam zu erhalten, dann muß einem Fürsten der Vorwurf der Grausamkeit sehr gleichgültig sein“. Jedoch müsse ein Fürst darauf achtgeben, sich nicht den Hass des Volkes zuzuziehen, da dies seine Macht in Gefahr bringe. Vertragstheorien In der politischen Philosophie der Neuzeit wurden insbesondere in Anschluss an Thomas Hobbes Vertragstheorien zunehmend populär. Solche Theorien wurden unter anderem von Locke, Rousseau und Kant, in der Moderne auch von Rawls vertreten. Dieser Idee nach schließen die Mitglieder einer Gesellschaft einen hypothetischen Vertrag, in dem sie sich auf eine staatliche Ordnung festlegen. Die Art dieser Ordnung ist je nach Theoretiker stark unterschiedlich. So soll nach Hobbes ein Machiavellis Idealen nicht unähnlicher Souverän als Leviathan die Gesellschaft regieren. Andere Theorien verfolgen als Ideal eine weit weniger autoritär geprägte Gesellschaftsordnung. Insgesamt wird in diesen Theorien die Herrschaft eine Frage der Vertragstreue, da sich die Mitglieder der Gesellschaft an den hypothetischen Vertrag insoweit gebunden sehen, als dieser durch die staatliche Ordnung erfüllt wird. Herrschaftsformen Herrschaft kann ungeachtet der obigen Ausführung auch danach unterschieden werden, welche Personen oder Gruppen sie ausüben. Diese Interpretation findet insbesondere in der Politikwissenschaft und den Rechtswissenschaften Anwendung. Hier wird die Pluralität des Begriffes deutlich, der sowohl positiv als Herrschaft des Volkes in der Demokratie wie auch negativ, beispielsweise als NS-Herrschaft verwendet wird. Dies ist abzugrenzen zu den Regierungssystemen, die danach unterschieden werden, wer Träger der Staatsgewalt ist, sowie den Staatsformen im engeren Sinne, die nach der Stellung des Staatsoberhauptes unterschieden werden. Geschichtswissenschaft In der Geschichtswissenschaft ist Herrschaft die Ausübung der Macht über Untergeordnete und Abhängige durch Machtmittel. Herrschaft ist nur legitim, wenn über dem Herrscher und dem Beherrschten stehende Rechte zur Machtausübung eingehalten werden. Der Ursprung der Herrschaft ist in der Hausherrschaft (Gewalt des Hausherrn über die Hausgenossen) zu suchen; aus dieser entwickelte sich die Grundherrschaft. Der Ausübende der Grundherrschaft war der Adel. Die Königsherrschaft, die ihre Legitimität durch symbolische Rituale (Wahlen, Salbung, Krönung) und durch Herrschaftsinsignien repräsentierte, war im Feudalismus nur eine Sonderform der Adelsherrschaft (vgl. Lehnsherrschaft). Im Zeitalter der Stände ist die Macht des Herrschers durch erzwungene Herrschaftsverträge beschränkt. In der Neuzeit setzte sich die einheitliche Staatsgewalt durch. Die neuen Herrschaftsformen unterliegen einem fortlaufenden Prozess der Neuorientierung ihrer Legitimitätsgrundlage. Siehe auch Anarchie Fünf Herrschaftstechniken Origo gentis Soziologische Staatstheorie/Machttheorie Literatur Hartmut Aden (Hrsg.): Herrschaftstheorien und Herrschaftsphänomene. Wiesbaden 2004. Giorgio Agamben: Homo Sacer. Giulio Einaudi, Turin 1995 (dt.: Homo Sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben. Frankfurt am Main 2002). Giorgio Agamben: (Homo Sacer II) Quel che resta di Auschwitz. Bollati Boringhieri, Turin 1998 (dt.: Was von Auschwitz bleibt. Das Archiv und der Zeuge. Frankfurt am Main 2003). Murat Ates: Philosophie des Herrschenden. Eine einführende Schlussbemerkung. Wien 2015. Walter Benjamin: Zur Kritik der Gewalt und andere Aufsätze. 1965. Ralf Dahrendorf: Anfechtungen liberaler Demokratien. Festvortrag zum zehnjährigen Bestehen der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus (Stiftung-Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Kleine Reihe 19), Stuttgart 2007. Arnold Bühler: Herrschaft im Mittelalter. Reclam, Ditzingen 2013. Richard Edwards: Herrschaft im modernen Produktionsprozeß. Campus, 1981. Hans Haferkamp: Soziologie der Herrschaft. Analyse von Struktur, Entwicklung und Zustand von Herrschaftszusammenhängen. Opladen 1983, ISBN 3-531-21635-X. Peter Imbusch (Hrsg.): Macht und Herrschaft. Sozialwissenschaftliche Konzeptionen und Theorien. Opladen 1998, ISBN 3-8100-1911-9. Andrea Maurer: Herrschaftssoziologie. Eine Einführung. Frankfurt am Main/New York 2004, ISBN 3-593-37240-1. Hubertus Niedermaier: Das Ende der Herrschaft? Perspektiven der Herrschaftssoziologie im Zeitalter der Globalisierung. Konstanz 2006, ISBN 3-89669-602-5. Heinrich Popitz: Phänomene der Macht. 2. erw. Aufl., Mohr (Siebeck), Tübingen 1992, ISBN 3-16-145897-4. Werner Rösener: Grundherrschaft. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 4. München 1989, Sp. 1739–1750. Hans-Joachim Schmidt: Herrschaft durch Schrecken und Liebe. Vorstellungen und Begründungen im Mittelalter. Göttingen 2019. Wolfgang Schluchter: Aspekte bürokratischer Herrschaft. Studien zur Interpretation der fortschreitenden Industriegesellschaft. Suhrkamp, 1985. Klaus Türk, Thomas Lemke, Michael Bruch: Organisation in der modernen Gesellschaft. Eine historische Einführung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ²2006, ISBN 3-531-33752-1. Otto Ullrich: Technik und Herrschaft. Vom Handwerk zur verdinglichten Blockstruktur industrieller Produktion. Suhrkamp, 1979. Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen 1985, Teil 1, Kapitel 1, § 16; Kapitel 3. Heiner Minssen: Herrschaft. In: Heiner Minssen, Hartmut Hirsch-Kreinsen (Hrsg.): Lexikon der Arbeits- und Industriesoziologie. Nomos, Baden-Baden 2017, S. 160–162. Weblinks Christoph Lau, Andrea Maurer: Herrschaft, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 15. März 2010 Max Weber: WuG (= Wirtschaft und Gesellschaft). Teil 1, Kapitel 1, § 16: Macht und Herrschaft Max Weber: WuG. Teil 1, Kapitel 3: Die Typen der Herrschaft Eine linke politische Analyse von Herrschaftsbegriff und -kritik (schöner leben göttingen) Zu Franz Oppenheimers Herrschaftsbegriff Ohne Herrschaft ginge vieles nicht – und das wäre gut so! (PDF; 82 kB) – zur Definition und Wirkungsweise von Herrschaft, sowie Grundanforderungen emanzipatorischer Politik Andrea Maurer, Christoph Lau: Herrschaft und Macht, Version 2.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 5. Oktober 2021 Einzelnachweise Vertragstheorie Herrschaftssoziologie Staatsphilosophie Politische Philosophie
Q174834
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6381
https://de.wikipedia.org/wiki/1890
1890
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Deutsches Reich/Großbritannien 25. Januar: Der Deutsche Reichstag lehnt mit 167 gegen 98 Stimmen eine Vorlage der Regierung über die Verlängerung des Sozialistengesetzes auf unbestimmte Zeit ab. 4. Februar: Entgegen dem Rat des Reichskanzlers Otto von Bismarck und ohne dessen vorgeschriebene Gegenzeichnung werden nach dem Willen Kaiser Wilhelms II. die Februarerlasse veröffentlicht. Sie kündigen einen Ausbau des Arbeiterschutzes an. 20. Februar: Die Sozialdemokraten werden bei der Reichstagswahl 1890 in Deutschland mit 19,7 % der Stimmen erstmals stärkste Partei, erhalten jedoch aufgrund des geltenden Mehrheitswahlrechts nur 35 Sitze. Auch die linksliberalen Parteien gewinnen Stimmen hinzu, während Nationalliberale und Konservative verlieren. 18. März: Reichskanzler Otto von Bismarck reicht sein Entlassungsgesuch bei Kaiser Wilhelm II. ein, worauf der junge Monarch zuvor mehrfach gedrängt hat. Zwei Tage später ist der Rücktritt vollzogen. 20. März: Reichskanzler Otto von Bismarck wird von Kaiser Wilhelm II. entlassen, sein Nachfolger wird Leo von Caprivi. 20. März: Gründung der Antisemitischen Volkspartei 1. Juli: Helgoland-Sansibar-Vertrag: Das Deutsche Reich erhält Helgoland von Großbritannien; im Austausch dazu erkennt das Deutsche Reich die englischen Ansprüche auf Sansibar an und tritt die deutsche Kolonie Wituland an Großbritannien ab. 9. August: Die Insel Helgoland wird von den Briten in deutsche Verwaltung übergeben. 12. Oktober: Der Parteitag der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) in Halle beschließt die Umbenennung der Partei in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). Weitere Ereignisse in Europa 1. Januar: Louis Ruchonnet wird zum zweiten Mal Schweizer Bundespräsident. 23. November: Der Tod Wilhelms III. bedeutet für das Großherzogtum Luxemburg die völlige Unabhängigkeit. Wilhelms zehnjährige Tochter Wilhelmina wird Königin der Niederlande. Da in Luxemburg aber salisches Erbrecht gilt, endet die Personalunion und Adolph I. wird Großherzog von Luxemburg. Afrika 27. Februar: Carl Peters und Mwanga II. von Buganda schließen den Uganda-Vertrag, der jedoch vom Deutschen Reich nicht ratifiziert wird. 1. Juli: Das Königreich Burundi unter Mwezi IV. Gisabo wird formell in das deutsche Kolonialgebiet Deutsch-Ostafrika inkorporiert. 5. August: Ein Anglo-Französisches Abkommen steckt die beiderseitigen Interessensphären in Westafrika ab. 18. Oktober: Curt von François gründet die namibische Hauptstadt Windhoek (Windhuk). Asien 1. Juli: Erste Abgeordnetenhauswahl in Japan 29. November: In Japan tritt die Meiji-Verfassung in Kraft. Der Reichstag, ähnlich wie der preußische Landtag zusammengesetzt aus Abgeordnetenhaus und Herrenhaus, kommt zu seiner ersten Sitzung zusammen. Amerika 2. Mai: Der Westteil des unorganisierten Indianerterritoriums wird als Oklahoma-Territorium organisiert. 2. Juli: US-Präsident Benjamin Harrison setzt den vom Senat und Kongress verabschiedeten Sherman Antitrust Act in Kraft. Die Regierung erhält damit eine Möglichkeit, die Marktmacht von Monopolen einzuschränken. 3. Juli: Idaho wird 43. Bundesstaat der USA. 10. Juli: Wyoming wird 44. Bundesstaat der USA. 29. Dezember: Im Massaker bei Wounded Knee im US-Bundesstaat South Dakota töten US-amerikanische Truppen zwischen 200 und 300 Indianer vom Stamm der Lakota (Sioux). Wirtschaft 5. Februar: Mit dem Eintrag ins Handelsregister nimmt die Allianz Versicherungs-AG in Berlin ihren Geschäftsbetrieb auf. Als Gründer fungieren die meisten Aufsichtsratsmitglieder der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, der Vorstand der Münchener Rück Carl von Thieme, der das Projekt maßgeblich vorangetrieben hat, der Industrielle Heinrich Lueg sowie die Deutsche Bank. Das Aktienkapital in Höhe von 4 Millionen Mark wird schwerpunktmäßig vom Bankhaus Merck Finck & Co und der Deutschen Bank gezeichnet, der Rest von den übrigen Gründern. Wilhelm von Finck wird zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt, Hermann Pemsel zu seinem Stellvertreter. 31. Mai: In Bremen wird die Nordwestdeutsche Gewerbe- und Industrieausstellung eröffnet. Bis zu ihrer Schließung am 15. Oktober besuchen rund 1,2 Millionen Menschen die von der Freien Hansestadt Bremen, dem Großherzogtum Oldenburg und der preußischen Provinz Hannover gemeinsam organisierte Leistungsschau nach Vorbild der Weltausstellungen. 1. Juli: Das Unternehmen Kühne + Nagel wird in Bremen gegründet. 16. Juli: Das deutsche Unternehmen Deutsch-Österreichische Mannesmannröhren-Werke AG wird in Düsseldorf gegründet. 1. Oktober: Die Druckluftstrassenbahn Bern der Berner Tramway-Gesellschaft nimmt auf der der Strecke Bärengraben–Bahnhof–Friedhof ihren Betrieb auf. 17. Oktober: Ludwig Hirschhorn und Theodor Grob gründen in Zürich die Kollektivgesellschaft Hirschhorn & Grob, die heutige Bank Julius Bär. 4. November: Die erste Teilstrecke der City and South London Railway, einer Vorgängergesellschaft der späteren London Underground, wird eröffnet. Ende des Jahres: Aufgrund drastisch gefallener Rohstoffpreise kann Argentinien seine Auslandsschulden nicht mehr bedienen, worauf die Londoner Barings Bank, einer der Hauptgläubiger des Landes, in die Insolvenz gerät. In der Folge kommt es zu weiteren Krisen in Südafrika und den Vereinigten Staaten. Wissenschaft und Technik 25. Januar: Die Journalistin Nellie Bly vollendet am 73. Tag ihre Reise um die Welt auf den Spuren des Phileas Fogg in Jules Vernes Roman Reise um die Erde in 80 Tagen. 4. März: Die im Vorjahr fertiggestellte Forth Bridge über den Firth of Forth bei Queensferry in Schottland wird als Teil der Bahnstrecke Edinburgh–Dundee feierlich eröffnet. Die Auslegerbrücke hat bei ihrer Eröffnung die größte Spannweite aller Brücken weltweit. 15. Mai: Die mit Wasserkraft betriebenen Elektricitäts-Werke Reichenhall nehmen als erstes Wechselstrom-Kraftwerk in Deutschland den Betrieb auf. 3. Juli: An der Bahnhofstraße in Zürich werden die Potinklumpen gefunden, die aus miteinander verschmolzenen keltischen Münzen bestehen. 1. Oktober: Die erste Linie der Berner Tramway wird eröffnet. Sie führt vom Bärengraben über den Bahnhof zum Bremgartenfriedhof. An beiden Endstellen befindet sich eine Drehscheibe zum Wenden der Fahrzeuge. Gefahren wird mit druckluftbetriebenen Fahrzeugen, kurz «Lufttram», nach dem System des Pariser Ingenieurs Louis Mékarski. 9. Oktober: Clément Aders Eindecker Éole fliegt etwa 50 m weit, dann wird das Fluggerät beim Absturz zerstört. 6. Dezember: Der französische Mediziner Charles Richet impft erstmals Immunserum bei einem Menschen. Emil von Behring veröffentlicht gemeinsam mit Kitasato Shibasaburō den Aufsatz Über das Zustandekommen der Diphtherieimmunität und der Tetanusimmunität bei Thieren. Dieser gilt als Grundlage der Serumtherapie gegen die Diphtherie. Gründung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft Kultur ab 1890: Entstehung des Jugendstils und Beginn der Wiener Moderne. Bildende Kunst 11. August: In Antwerpen wird das Königliche Museum der Schönen Künste eröffnet, das Kunstwerke vorwiegend des 16. und 17. Jahrhunderts beherbergt. Vincent van Gogh malt u. a. die Gemälde Porträt des Dr. Gachet und Das weiße Haus bei Nacht. Literatur Oscar Wildes Roman Das Bildnis des Dorian Gray erscheint erstmals in einer Ausgabe von Lippincott’s Monthly Magazine. Knut Hamsun gelingt mit dem erstmals in seiner Gänze veröffentlichten Debütroman Hunger der literarische Durchbruch. Die Novelle La Fête à Coqueville (Das Fest in Coqueville) von Émile Zola erscheint zusammen mit drei anderen Texten verlegt von Ernest Flammarion in Paris. Jacob August Riis veröffentlicht die Fotodokumentation How the Other Half Lives. Musik und Theater 4. Januar: Die Uraufführung der Operette Der arme Jonathan von Karl Millöcker erfolgt am Theater an der Wien in Wien. Das Libretto stammt von Hugo Wittmann und Julius Bauer. 15. Januar: Das Ballett Dornröschen in der Choreographie von Marius Petipa mit der Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski hat seine Uraufführung am Mariinski-Theater in Sankt Petersburg. 13. Mai: Das lyrische Drama Dante von Benjamin Godard wird an der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt. 17. Mai: Die Oper Cavalleria rusticana (Sizilianische Bauernehre) von Pietro Mascagni mit dem Libretto von Giovanni Verga hat ihre Uraufführung am Teatro Costanzi in Rom. Die Oper wird zum größten Erfolg des Komponisten. 19. Oktober: In Berlin findet mit Henrik Ibsens Stützen der Gesellschaft die erste Theateraufführung der am 23. Mai von Otto Brahm, Bruno Wille und anderen gegründeten Freien Volksbühne statt. Sie hat zum Ziel, gesellschaftlich und sozial schwächer gestellten Bevölkerungsgruppen Zugang zu Bildung und zum kulturellen Leben zu ermöglichen. 4. November: Die Oper Fürst Igor von Alexander Porfirjewitsch Borodin wird drei Jahre nach dem Tod des Komponisten an der Hofoper in Sankt Petersburg uraufgeführt. 19. Dezember: Die Oper Pique Dame von Pjotr Iljitsch Tschaikowski auf ein Libretto seines jüngeren Bruders Modest Tschaikowski, das auf der gleichnamigen Erzählung des russischen Dichters Alexander Puschkin basiert, wird am Mariinski-Theater in Sankt Petersburg uraufgeführt. Sonstiges 14. Mai: Die Typographische Gesellschaft München (tgm) wird im Rokokosaal des Hackerbräuhauses in München gegründet. 15. Mai: Auf dem Romanplatz im Münchener Vorort Nymphenburg erfolgt die Eröffnung des Volksgartens Nymphenburg, zu seiner Zeit der größte Vergnügungspark Deutschlands. 31. Mai: Das Ulmer Münster erhält die Kreuzblume aufgesetzt. Die gotische Kirche mit dem höchsten Kirchturm der Welt ist damit 513 Jahre nach der Grundsteinlegung vollendet. Gesellschaft 6. August: William Kemmler wird als erster Mensch auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Er wurde zum Tode verurteilt, nachdem er für schuldig befunden worden war, seine Freundin Matilda Ziegler mit einer Axt ermordet zu haben. 30. Oktober: In Japan wird ein Kaiserliches Erziehungsedikt erlassen. Durch das Edikt wird der Schwerpunkt des im Rahmen der Meiji-Restauration gegründeten japanischen Erziehungssystems weg von der ursprünglich amerikanisch geprägten Wissensbildung zurück auf eine moralische Schulung nach konfuzianischem Vorbild gelegt. Diese Veränderung ist ein Zugeständnis an die gewachsenen konservativen Kräfte im Land und zahlreiche Proteste in der Bevölkerung. Das Edikt wird vom Kaiserlichen Hofministerium an alle Schulen des Landes verschickt. 14. Dezember: Im Deutschen Kaiserreich wird von liberal und humanistisch gesinnten Bürgern der Verein zur Abwehr des Antisemitismus gegründet, um der wachsenden Judenfeindlichkeit öffentlich entgegenzutreten. Rudolf von Gneist ist erster Vorsitzender des Vereins. Religion 2. Mai: Kaiser Wilhelm II. etabliert den Evangelischen Kirchenbauverein als Einrichtung zum Schaffen neuer Sakralbauten in Deutschland. 20. November: Die Enzyklika Catholicae ecclesiae richtet Papst Leo XIII. an die Missionare in Afrika und formuliert darin Aussagen gegen die Sklaverei. Katastrophen 2. Januar: Das 1882 von Edison zur Elektrifizierung New Yorks in Betrieb genommene Kraftwerk an der Pearl Street in Manhattan wird durch ein Feuer weitgehend zerstört. 22. Februar: Der zwei Jahre alte Walnut-Grove-Staudamm am Hassayampa River in Arizona, USA, bricht nach mehrtägigen Regenfällen. Durch die Flutwelle kommen zwischen 50 und 150 Menschen um. 28. Februar: In der Torres-Straße an der Küste von Queensland sinkt das Passagierschiff Quetta nach der Kollision mit einem bislang nicht verzeichneten Unterwasserfelsen. 134 der 292 Menschen an Bord sterben. Es ist bis heute das schwerste Schiffsunglück in der Geschichte von Queensland. 4. September: Ein Großbrand verursacht schwere Schäden in der griechischen Stadt Thessaloniki. Das europäische Viertel brennt vollständig nieder. 20.000 Menschen werden obdachlos. 10. November: Das britische Royal-Navy-Schiff HMS Serpent strandet in der Nähe des spanischen Cabo Vilán und geht in stürmischer See unter. 172 Seeleute sterben bei dieser Katastrophe, drei können sich an Land retten. Für die in den nächsten Tagen an Land getriebenen Toten wird von den Einheimischen der Cemiterio dos Ingleses errichtet. Natur und Umwelt 25. September: US-Präsident Benjamin Harrison setzt mit seiner Unterschrift das Gesetz über die Errichtung des Sequoia Nationalparks in Kalifornien in Kraft. Fauna und Flora, darunter Riesenmammutbäume, sollen geschützt und für die Nachwelt erhalten werden. 1. Oktober: Der Yosemite-Nationalpark in der Sierra Nevada, einer der berühmtesten Nationalparks in den USA, wird gegründet. Der Naturschützer John Muir hat sich jahrelang für den Schutz dieser Landschaft eingesetzt. Historische Karten und Ansichten Geboren Januar 1. Januar: Max Gablonsky, deutscher Fußballspieler und Leichtathlet († 1969) 1. Januar: Charley Jordan, US-amerikanischer Blues-Sänger, Gitarrist und Songschreiber († 1954) 1. Januar: Franz Spunda, österreichischer Lehrer und Schriftsteller († 1963) 3. Januar: Bruno Kastner, deutscher Schauspieler († 1932) 5. Januar: Sarah Aaronsohn, Spionin († 1917) 5. Januar: Ermanno Amicucci, italienischer Journalist († 1955) 7. Januar: Antal Molnár, ungarischer Komponist und Musikwissenschaftler († 1983) 7. Januar: Maurice McLoughlin, US-amerikanischer Tennisspieler († 1957) 7. Januar: Henny Porten, deutsche Filmschauspielerin († 1960) 8. Januar: Joel Bennett Clark, US-amerikanischer Politiker und Richter († 1954) 8. Januar: Rudolf Medek, tschechischer Schriftsteller und Soldat († 1940) 8. Januar: Fritz Saxl, österreichischer Kunsthistoriker († 1948) 9. Januar: Manuel Andrada, argentinischer Polospieler († 1962) 9. Januar: Karel Čapek, tschechischer Schriftsteller († 1938) 9. Januar: Kurt Tucholsky, deutscher Journalist und Schriftsteller († 1935) 11. Januar: Ludwig von Andok, deutscher Maler († 1981) 11. Januar: Oswald de Andrade, brasilianischer Schriftsteller († 1954) 11. Januar: Bud Scott, amerikanischer Jazzmusiker († 1949) 12. Januar: Otto Groß, deutscher Schwimmer († 1964) 14. Januar: Adolf Armbruster, deutscher Landwirt († 1972) 14. Januar: Arthur Holmes, englischer Geologe († 1965) 14. Januar: Maria Kurenko, russische Sängerin († 1980) 16. Januar: Maura Böckeler, deutsche Benediktinerin, Schriftstellerin und Forscherin über Hildegard von Bingen († 1971) 16. Januar: Karl Freund, deutscher Kameramann († 1969) 18. Januar: Jeanne Demons, kanadische Schauspielerin († 1958) 18. Januar: Charles Drouin, französischer Autorennfahrer († 1974) 19. Januar: Élise Rivet, französische Nonne, die Flüchtlinge versteckte und der Résistance half († 1945) 20. Januar: Rudolf Ahorn, deutscher Fußballspieler († 1914) 21. Januar: Hertha Spielberg, deutsche Malerin († 1977) 21. Januar: Mauricio Galvao, deutscher Hockeyspieler († 1945) 22. Januar: Fred M. Vinson, US-amerikanischer Politiker († 1953) 25. Januar: Karl Adler, deutscher Musikwissenschaftler († 1973) 26. Januar: Grantly Dick-Read, englischer Arzt († 1959) 28. Januar: José Martínez, argentinischer Musiker und Bandleader († 1939) 29. Januar: Marguerite Canal, französische Komponistin († 1978) 30. Januar: Peter Jensen, deutscher Politiker († 1969) 30. Januar: Emy Roeder, deutsche Bildhauerin und Malerin († 1971) 31. Januar: Adolf Bach, deutscher Germanist († 1972) 31. Januar: René Marie, französischer Autorennfahrer († 1971) Februar 3. Februar: Paul Scherrer, Schweizer Physiker († 1969) 4. Februar: Horațiu Dimitriu, rumänischer Maler († 1926) 5. Februar: Cyril Asquith, britischer Jurist († 1954) 5. Februar: Stanisława Zawadzka, polnische Opernsängerin und Gesangspädagogin († 1988) 6. Februar: Ernst Wilhelm Lotz, deutscher Lyriker des Expressionismus († 1914) 9. Februar: Hanns Hopp, deutscher Architekt († 1971) 10. Februar: Boris Leonidowitsch Pasternak, russischer Dichter und Schriftsteller († 1960) 10. Februar: Fanny Kaplan, russische Anarchistin und Sozialrevolutionärin († 1918) 11. Februar: Jan de Vries, niederländischer Germanist und Religionswissenschaftler († 1964) 11. Februar: Heinz Werner, deutscher Psychologe († 1964) 12. Februar: Charles Cellérier, Schweizer evangelischer Geistlicher († 1966) 13. Februar: René Labouchère, französischer Flieger und Autorennfahrer († 1968) 15. Februar: Klara Maria Faßbinder, Aktivistin der deutschen Frauen- und Friedensbewegung († 1974) 15. Februar: Robert Ley, Politiker der NSDAP († 1945) 17. Februar: Ronald Aylmer Fisher, britischer Genetiker, Evolutionstheoretiker und Statistiker († 1962) 18. Februar: Edward Arnold, US-amerikanischer Schauspieler deutscher Abstammung († 1956) 18. Februar: Wladimir Michailowitsch Korezki, russischer Jurist († 1984) 18. Februar: Adolphe Menjou, US-amerikanischer Schauspieler († 1963) 20. Februar: Ferdinand Herbst, deutscher evangelischer Theologe († 1950) 20. Februar: Georg Thomas, deutscher General († 1946) 22. Februar: Alfred Cooper, britischer Politiker, Diplomat und Autor († 1954) 22. Februar: Hinatsu Kōnosuke, japanischer Lyriker, Übersetzer und Literaturwissenschaftler († 1971) 22. Februar: Francis Samuelson, 4. Baronet, britischer Autorennfahrer († 1981) 24. Februar: Suekichi Aono, japanischer Literaturwissenschaftler und -kritiker († 1961) 25. Februar: Myra Hess, britische Pianistin († 1965) 27. Februar: Freddie Keppard, US-amerikanischer Kornettist († 1933) März 1. März: Benito Quinquela Martín, argentinischer Maler († 1977) 1. März: Heinz Hilpert, deutscher Theaterregisseur († 1967) 2. März: Egbert Reimsfeld, deutscher Ruderer († 1952) 3. März: Tsubota Jōji, japanischer Kinderbuchautor († 1982) 5. März: Wilhelm Boden, deutscher Jurist und Politiker († 1961) 6. März: Albrecht Graf von Bernstorff, deutscher Diplomat und Widerstandskämpfer († 1945) 6. März: Adolfo Salazar, spanischer Komponist, Musikkritiker und -wissenschaftler († 1958) 8. März: Johannes Albers, deutscher Politiker († 1963) 8. März: George M. Humphrey, US-amerikanischer Geschäftsmann und Politiker († 1970) 8. März: Oswald von Nell-Breuning, deutscher katholischer Theologe (SJ) und Nationalökonom († 1991) 9. März: Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, Regierungschef und Außenminister der Sowjetunion († 1986) 11. März: Vannevar Bush, US-amerikanischer Wissenschaftler († 1974) 11. März: W. Lee O’Daniel, US-amerikanischer Politiker († 1969) 12. März: Idris (Libyen), König von Libyen (1951–1969) († 1983) 12. März: William Dudley Pelley, US-amerikanischer Antisemit († 1965) 12. März: Willy Walb, deutscher Ingenieur, Automobilrennfahrer und Rennleiter († 1962) 13. März: Frank Thiess, deutscher Schriftsteller († 1977) 13. März: Fritz Busch, deutscher Dirigent († 1951) 15. März: Ignacio Asúnsolo, mexikanischer Bildhauer († 1965) 15. März: Gertrud Kurz, Gründerin und Leiterin eines Schweizer Flüchtlingshilfswerkes († 1972) 15. März: Joseph Neuhäuser, deutscher Komponist († 1949) 15. März: Wilhelm Petersen, deutscher Komponist († 1957) 16. März: Anton Plankensteiner, österreichischer Landeshauptmann von Vorarlberg († 1969) 18. März: Gunnar Andersen, norwegischer Fußballspieler und Skispringer († 1968) 20. März: Lauritz Melchior, dänischer Heldentenor († 1973) 20. März: Beniamino Gigli, italienischer Opernsänger und Filmschauspieler († 1957) 20. März: Elna Jørgen-Jensen, dänische Balletttänzerin und Choreographin († 1969) 20. März: Franz Winkler, österreichischer Politiker († 1945) 21. März: C. Douglass Buck, US-amerikanischer Politiker († 1965) 21. März: Albert Johannsen, deutscher Maler († 1975) 22. März: Ewald von Kleist-Schmenzin, deutsches Mitglied des Widerstands gegen Hitler († 1945) 23. März: Augustus Bertelli, britischer Unternehmer und Autorennfahrer († 1979) 23. März: Adolf Julius Merkl, österreichischer Staats- und Verwaltungsrechtler († 1970) 23. März: Eugène Ryter, Schweizer Gewichtheber († 1973) 23. März: Andrej Stojanow, bulgarischer Komponist, Pianist und Musikpädagoge († 1969) 26. März: Harry von Arnim, deutscher Offizier († 1941) 26. März: Joseph De Luca, italienisch-amerikanischer Musiker († 1935) 26. März: Franz Schauwecker, deutscher Schriftsteller und Publizist († 1964) 28. März: Erwin Mehl, österreichischer Sportwissenschaftler († 1984) 28. März: Paul Whiteman, US-amerikanischer Orchesterchef und Bandleader († 1967) 29. März: Harold Spencer Jones, britischer Astronom († 1960) 31. März: Benjamin Willard Adams, US-amerikanischer Leichtathlet († 1961) 31. März: William Lawrence Bragg, britischer Physiker und Nobelpreisträger († 1971) April 1. April: Heinrich Otto Meisner, deutscher Archivar und Historiker († 1976) 1. April: Bertha Wrage, deutsche Malerin († unbekannt) 2. April: Agnes Straub, deutsche Schauspielerin († 1941) 5. April: Harold Elmer Anthony, US-amerikanischer Zoologe und Paläontologe († 1970) 5. April: Jean Bobescu, rumänischer Violinist, Dirigent und Musikpädagoge († 1981) 5. April: Ernesto Joaquim Maria dos Santos, brasilianischer Volksmusiker († 1974) 6. April: André Danjon, französischer Astronom († 1967) 6. April: Anton Herman Gerard Fokker, niederländischer Flugzeugkonstrukteur († 1939) 7. April: Victoria Ocampo Aguirre, argentinische Schriftstellerin, Übersetzerin, Kulturmanagerin und Feministin († 1979) 8. April: Hans Böhm, deutscher Politiker († 1957) 8. April: Zbigniew Drzewiecki, polnischer Pianist und Musikpädagoge († 1971) 14. April: Scott R. Beal, US-amerikanischer Regieassistent († 1973) 14. April: Friedrich Wilhelm Kritzinger, deutscher Ministerialdirektor in der Reichskanzlei († 1947) 15. April: Billy DeBeck, US-amerikanischer Comiczeichner († 1942) 16. April: Walter Tausk, deutscher Handelsvertreter und Schriftsteller, NS-Opfer († 1941) 16. April: Nikolai Sergejewitsch Trubetzkoy, russischer Linguist und Ethnologe († 1938) 17. April: Art Acord, US-amerikanischer Schauspieler und Rodeo-Champion († 1931) 17. April: Carl Krayl, deutscher Architekt († 1947) 17. April: Johnny Alexander St. Cyr, US-amerikanischer Banjo-Spieler und Gitarrist († 1966) 18. April: Alexander Granach, österreichisch-US-amerikanischer Theater- und Filmschauspieler († 1945) 18. April: Herbert Sonnenburg, deutscher General († 1966) 20. April: Adolf Schärf, österreichischer Bundespräsident († 1965) 21. April: Benno Landsberger, deutscher Assyriologe († 1968) 23. April: Georges Casse, französischer Autorennfahrer († 1948) 24. April: Guy Cordon, US-amerikanischer Politiker († 1969) 25. April: Camilio Mayer, deutscher Hochseilartist († 1972) 26. April: Joseph H. August, US-amerikanischer Kameramann († 1947) 26. April: Rudolf Grob, Schweizer evangelischer Geistlicher und Direktor einer Heilanstalt († 1982) 29. April: Daisy Fellowes, französische Autorin und Redakteurin sowie Gesellschaftsberühmtheit († 1962) 29. April: Franz Mueller-Darß, deutscher Forstmann und SS-Standartenführer († 1976) 30. April: Ludwig Adamovich, österreichischer Jurist und Justizminister († 1955) Mai 1. Mai: Franz Wiedemeier, deutscher Politiker († 1970) 2. Mai: Edward Elmer Smith, US-amerikanischer Science-Fiction-Schriftsteller und Chemiker († 1965) 3. Mai: Soma Morgenstern, österreichisch-jüdischer Schriftsteller galizischer Abstammung († 1976) 4. Mai: Arthur Kolnik, galizisch-jüdischer Illustrator und Maler († 1972) 6. Mai: Friedrich Oehlkers, deutscher Botaniker († 1971) 6. Mai: Oskar Rümmele, deutscher Politiker († 1975) 7. Mai: Huug de Groot, niederländischer Fußballspieler († 1957) 8. Mai: Theodor Asholt, deutscher Politiker († 1969) 8. Mai: John Meehan, US-amerikanischer Drehbuchautor († 1954) 8. Mai: Arthur Winkler-Hermaden, österreichischer Geologe († 1963) 10. Mai: Alfred Jodl, deutscher Generaloberst und Berufsoffizier († 1946) 10. Mai: Clarence Brown, US-amerikanischer Filmregisseur († 1987) 10. Mai: Jan Egbertus Jonkers, niederländischer Strafrechtler († 1971) 11. Mai: Willie Applegarth, britischer Leichtathlet und Olympiasieger († 1958) 12. Mai: Kurt Student, deutscher Luftwaffenoffizier († 1978) 14. Mai: Johannes Reinwaldt, dänischer Radrennfahrer († 1958) 14. Mai: Rosa Young, US-amerikanische Pädagogin († 1971) 15. Mai: Rudolf Kopf, österreichischer Jurist und Politiker († 1971) 17. Mai: Stewart Hoffman Appleby, US-amerikanischer Politiker († 1964) 17. Mai: Walter Flanigan, US-amerikanischer Footballfunktionär († 1962) 19. Mai: Hans Ahrbeck, deutscher Erziehungswissenschaftler, Pädagoge und Hochschullehrer († 1981) 19. Mai: Ho Chi Minh, vietnamesischer Revolutionär und Staatsmann († 1969) 20. Mai: Giuseppe Agostini, kanadischer Dirigent und Komponist († 1971) 22. Mai: Erich Schultze, deutscher Schwimmer († 1938) 23. Mai: Dennis H. Robertson, englischer Ökonom († 1963) 23. Mai: Herbert Marshall, britischer Filmschauspieler († 1966) 23. Mai: Julius Scheuble, erster Präsident der Bundesanstalt für Arbeit († 1964) 25. Mai: Alexander Jakowlewitsch Arossew, russisch-sowjetischer Schriftsteller, Politiker und Diplomat († 1938) 30. Mai: Paul Czinner, ungarischer Autor, Filmregisseur und -produzent († 1972) 30. Mai: Roger Salengro, französischer Politiker († 1936) 31. Mai: Hilla von Rebay, elsässische Malerin († 1967) 31. Mai: Harry Hines Woodring, US-amerikanischer Politiker († 1967) Mai: Kârale Andreassen, grönländischer Maler, Zeichner und Katechet († 1934) Juni 2. Juni: Luigi Arrigoni, italienischer Erzbischof († 1948) 3. Juni: Baburao Painter, indischer Filmregisseur († 1954) 3. Juni: Paul Luchtenberg, deutscher Politiker und Pädagoge († 1973) 5. Juni: Anton Werkgartner, österreichischer Gerichtsmediziner († 1970) 5. Juni: Ernst Flückiger, Schweizer Schuldirektor, Heimatforscher und Bühnenautor († 1969) 5. Juni: Konrad Frühwald, deutscher Politiker († 1970) 5. Juni: Wilhelm Fraenger, deutscher Kunsthistoriker († 1964) 7. Juni: Erik Peterson, deutscher römisch-katholischer Theologe († 1960) 7. Juni: Fred Endrikat, deutscher Schriftsteller und Kabarettist († 1942) 9. Juni: José Antonio Ramos Sucre, venezolanischer Lyriker und Diplomat († 1930) 10. Juni: Charles Marchand, kanadischer Folksänger († 1930) 12. Juni: Egon Schiele, österreichischer Maler des Expressionismus († 1918) 12. Juni: Théophile Alajouanine, französischer Psychiater († 1980) 13. Juni: Hans Nachtsheim, deutscher Zoologe und Genetiker († 1979) 15. Juni: Wilhelm Leuschner, deutscher Politiker, Reichstagsabgeordneter, Widerstandskämpfer, NS-Opfer († 1944) 16. Juni: Stan Laurel, englischer Komiker und Filmschauspieler →Laurel und Hardy († 1965) 17. Juni: Adachi Hatazō, japanischer General († 1947) 17. Juni: Ludlow Griscom, US-amerikanischer Ornithologe und Botaniker († 1959) 19. Juni: Carl-Anton Schaefer, deutscher Politiker († 1974) 21. Juni: Lewis H. Brereton, US-amerikanischer Generalleutnant († 1967) 21. Juni: Alvin Olin King, US-amerikanischer Politiker († 1958) 21. Juni: Frieda Riess, deutsche Fotografin († 1955) 21. Juni: Kurt C. Volkhart, deutscher Ingenieur, Konstrukteur und Rennfahrer († 1959) 24. Juni: Freddy Charlier, belgischer Eishockeyspieler und Automobilrennfahrer († 1929) 25. Juni: Hans Marchwitza, deutscher Arbeiterdichter, Schriftsteller und Kommunist († 1965) 26. Juni: Fritz Uphoff, deutscher Maler († 1966) Juli 1. Juli: Fritz Haas, österreichischer Kraftwerkbauer († 1968) 2. Juli: Amedeo Varese, italienischer Fußballspieler († 1969) 3. Juli: Biagio Nazzaro, italienischer Automobil- und Motorradrennfahrer († 1922) 4. Juli: Otto Feick, deutscher Erfinder des Rhönrads († 1959) 4. Juli: Adam Sołtys, polnischer Komponist, Dirigent und Musikpädagoge († 1968) 8. Juli: Walter Hasenclever, deutscher Schriftsteller († 1940) 8. Juli: Hanns Johst, deutscher Dramatiker und Lyriker und Funktionär der NSDAP († 1978) 8. Juli: Leopold Zahn, österreichischer Kunsthistoriker, Schriftsteller und Biograf († 1970) 9. Juli: Fritz von Twardowski, deutscher Diplomat († 1970) 10. Juli: Wera Michailowna Inber, russisch-sowjetische Schriftstellerin († 1972) 11. Juli: Fritz Elsas, deutscher Politiker und Widerstandskämpfer († 1945) 11. Juli: Arthur Tedder, britischer Luftwaffengeneral († 1967) 11. Juli: Aimé Vassiaux, französischer Autorennfahrer († 1967) 12. Juli: Anton Kuh, österreichischer Journalist, Schriftsteller und Vortragskünstler († 1941) 12. Juli: René Barbier, belgischer Komponist und Professor († 1981) 16. Juli: Wilhelm Buddenberg, deutscher Maler († 1967) 16. Juli: Carlos Carmelo Kardinal de Vasconcelos Motta, Erzbischof von Aparecida († 1982) 16. Juli: Theodor Hetzer, deutscher Kunsthistoriker († 1946) 17. Juli: Robin Christian Andersen, österreichischer Maler († 1969) 17. Juli: Paul Gros, französischer Autorennfahrer († 1961) 18. Juli: Georges Boréal, französischer Autorennfahrer († 1959) 18. Juli: Charles Erwin Wilson, US-amerikanischer Politiker († 1961) 18. Juli: Frank Forde, australischer Politiker und Premierminister († 1983) 19. Juli: Georg II., griechischer König († 1947) 19. Juli: Peter Wiepert, deutscher Bauer, Heimatforscher, Autor († 1980) 20. Juli: Albert Arnheiter, deutscher Ruderer († 1945) 20. Juli: Richard Billinger, österreichischer Schriftsteller († 1965) 20. Juli: Wilhelm Corsten, deutscher Historiker und Domherr in Köln († 1970) 20. Juli: Enrico Giaccone, italienischer Automobilrennfahrer († 1923) 20. Juli: Giorgio Morandi, italienischer Maler und Grafiker († 1964) 20. Juli: Gonzalo Roig, kubanischer Komponist († 1970) 21. Juli: Eduard Dietl, deutscher General († 1944) 22. Juli: Rose Kennedy, Mutter von John Fitzgerald Kennedy († 1995) 23. Juli: Joan Amades i Gelats, katalanischer Ethnologe und Folklorist († 1959) 23. Juli: Bruno Asch, deutscher Politiker († 1940) 27. Juli: Karl Heinrich Ernst Assmann, deutscher Bibliothekar († 1970) 27. Juli: Erich Dunskus, deutscher Schauspieler († 1967) 30. Juli: Ludwig Schwamb, deutscher Jurist und Politiker, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus († 1945) 31. Juli: Georg Amberger, deutscher Leichtathlet († 1949) 31. Juli: Anne-Cécile Rose-Itier, französische Autorennfahrerin († 1980) August 1. August: Walter Bud, deutscher Maler und Grafiker († 1915) 1. August: Archer Taylor, US-amerikanischer Volkskundler († 1973) 2. August: Arnold Kübler, Schweizer Schriftsteller († 1983) 3. August: Louis Charavel, französischer Autorennfahrer († 1980) 3. August: Konstantin Stepanowitsch Melnikow, russischer Architekt († 1974) 3. August: Charles Edison, US-amerikanischer Politiker († 1969) 3. August: Josef Friedrich Perkonig, österreichischer Schriftsteller († 1959) 4. August: Erich Weinert, deutscher Schriftsteller († 1953) 5. August: Rudolf Benkendorff, deutscher Meteorologe († 1973) 5. August: José Dera Avelino, philippinischer Politiker († 1986) 5. August: Erich Kleiber, österreichischer Dirigent († 1956) 5. August: Hans Gál, österreichischer Komponist († 1987) 5. August: Naum Gabo, russischer Künstler († 1977) 7. August: Elizabeth Gurley Flynn, US-amerikanische Aktivistin der Arbeiterbewegung und Politikerin († 1964) 9. August: Emmy Brode, deutsche Kunstmalerin († 1967) 10. August: Wsewolod Michailowitsch Abramowitsch, russischer Flugpionier und Fluglehrer († 1913) 10. August: Gerd Fricke, deutscher Hörspielregisseur, Hörspielsprecher, Hörfunkmoderator und Schauspieler († 1968) 10. August: Richard Sedlmaier, deutscher Kunsthistoriker und Hochschullehrer († 1963) 11. August: Aaslaug Aasland, norwegische Juristin und Politikerin († 1962) 11. August: Heinrich Weitz, deutscher Politiker, Präsident des deutschen Roten Kreuzes († 1962) 12. August: Stella Harf, deutsche Schauspielerin († 1979) 13. August: Alfred Ahner, deutscher Maler und Zeichner († 1973) 13. August: Josef Fučík, tschechischer Maler († 1955) 13. August: Friedrich Ernst Peters, deutscher Schriftsteller († 1962) 13. August: Li Zongren, chinesischer General, Politiker, Vizepräsident († 1969) 14. August: Bruno Tesch, deutscher Chemiker und Unternehmer; Zyklon-B-Produzent († 1946) 15. August: Elvin Morton Jellinek, US-amerikanischer Arzt und Erforscher der Alkoholkrankheit († 1963) 15. August: Jacques Ibert, französischer Komponist († 1962) 15. August: Elizabeth Bolden, US-amerikanische Supercentenarian († 2006) 17. August: Harry Hopkins, US-amerikanischer Politiker († 1946) 18. August: Maurice Podoloff, US-amerikanischer Jurist und Sportmanager († 1985) 18. August: Walther Funk, deutscher Journalist und Politiker († 1960) 19. August: Auguste Viktoria von Hohenzollern-Sigmaringen, deutsche Prinzessin; Ehefrau des letzten Königs von Portugal († 1966) 19. August: Konrad Knudsen, norwegischer Journalist und Politiker († 1959) 20. August: Cees ten Cate, niederländischer Fußballspieler († 1972) 20. August: H. P. Lovecraft, US-amerikanischer Schriftsteller († 1937) 23. August: May Harrison, britische Violinistin († 1959) 24. August: Duke Kahanamoku, hawaiischer Schwimmer, Surfer und Schauspieler († 1968) 24. August: Franz Joseph Philipp, deutscher Kirchenmusiker und Komponist († 1972) 27. August: Man Ray, US-amerikanischer Maler und Fotograf († 1976) 27. August: Alfons Wagner, deutscher Metallurg, Aufsichtsratsvorsitzender der BMW AG († 1978) 28. August: Ivor Gurney, englischer Komponist († 1937) 29. August: Richard Gardiner Casey, australischer Politiker († 1976) 30. August: Leo Cherniavsky, kanadischer Geiger ukrainischer Herkunft († 1974) September 1. September: Herbert Goldschmidt, deutscher Kommunalpolitiker († 1943) 1. September: Arthur W. Upfield, britisch-australischer Kriminalromanautor († 1964) 3. September: Friedrich Altrichter, deutscher Offizier und Militärschriftsteller († 1948) 4. September: Michał Rola-Żymierski, polnischer Politiker und Militär († 1989) 5. September: Johann Josef Demmel, Bischof der Alt-katholischen Kirche in Deutschland († 1972) 6. September: Manfred Gurlitt, deutscher Autor und Komponist († 1972) 9. September: Arthur Drey, deutscher Lyriker, Dramatiker, Essayist († 1965) 9. September: Kurt Lewin, deutsch-US-amerikanischer Psychologe († 1947) 9. September: Francis Bousquet, französischer Komponist († 1942) 9. September: Werner Otto Bachmann, deutscher Mediziner und Hochschullehrer († 1953) 9. September: Marriner S. Eccles, US-amerikanischer Unternehmer und Vorsitzender des Federal Reserve Boards († 1977) 9. September: Harland D. Sanders, Gründer des Systemgastronomie-Unternehmens Kentucky Fried Chicken († 1980) 10. September: Elsa Schiaparelli, italienisch-französische Modeschöpferin († 1973) 10. September: Franz Werfel, österreichischer Schriftsteller († 1945) 11. September: Marius Ulfrstad, norwegischer Komponist († 1968) 12. September: Erich Lehmann, deutscher Leichtathlet († 1917) 12. September: Karl Peter Röhl, deutscher Maler, Grafiker und Designer († 1975) 15. September: Thomas C. Chattoe, kanadischer Organist, Chorleiter und Musikpädagoge († 1982) 15. September: Agatha Christie, britische Schriftstellerin († 1976) 15. September: Frank Martin, Schweizer Komponist († 1974) 16. September: Ernst Deutsch, deutscher Schauspieler († 1969) 18. September: Vladimír Ambros, tschechischer Komponist († 1956) 18. September: Tsuchiya Bunmei, japanischer Lyriker († 1990) 20. September: Kathleen Parlow, kanadische Geigerin und Musikpädagogin († 1963) 20. September: Richard Sjöberg, schwedischer Leichtathlet († 1960) 21. September: James P. Hogan, US-amerikanischer Filmregisseur († 1943) 21. September: Max Immelmann, deutscher Kampfflieger im Ersten Weltkrieg († 1916) 23. September: Friedrich Paulus, deutscher General († 1957) 25. September: Grigori Michailowitsch Semjonow, russischer General; Anführer der Weißen im Russischen Bürgerkrieg († 1946) 25. September: Hans Vogt, deutscher Ingenieur; Erfinder des Lichttonverfahrens († 1979) 27. September: Giuseppe Aiello, italo-US-amerikanischer Mobster († 1930) 29. September: Ahmad Kasravi, iranischer Sprachwissenschaftler, Historiker und Philosoph († 1946) 30. September: André Gobert, französischer Tennisspieler († 1951) 30. September: Higashiyama Chieko, japanische Schauspielerin († 1980) Oktober 1. Oktober: Eduard Fiedler, deutscher Politiker († 1963) 1. Oktober: Stanley Holloway, britischer Schauspieler († 1982) 2. Oktober: Friedrich Griese, deutscher Schriftsteller († 1975) 2. Oktober: Groucho Marx, US-amerikanischer Komiker († 1977) 4. Oktober: Wladimir Beklemischew, russischer Zoologe und Ökologe († 1962) 4. Oktober: Gladys Pyle, US-amerikanische Politikerin († 1989) 5. Oktober: Kasimir Edschmid, deutscher Schriftsteller († 1966) 6. Oktober: Phyllis Gardner, englische Künstlerin († 1939) 8. Oktober: Henrich Focke, deutscher Flugzeug- und Hubschrauberkonstrukteur († 1979) 8. Oktober: Edward Vernon Rickenbacker, US-amerikanischer Automobilrennfahrer, Unternehmer und Jagdflieger im Ersten Weltkrieg († 1973) 9. Oktober: Jānis Mediņš, lettischer Komponist († 1966) 10. Oktober: Maurice Deprez, französischer Autorennfahrer († 1970) 11. Oktober: August Herman Andresen, US-amerikanischer Politiker († 1958) 11. Oktober: Fanny Jensen, dänische sozialdemokratische Politikerin († 1969) 14. Oktober: Louis Delluc, französischer Filmemacher, Schriftsteller und Kritiker († 1924) 14. Oktober: Dwight D. Eisenhower, US-amerikanischer Politiker; Präsident der USA († 1969) 15. Oktober: Homer Martin Adkins, US-amerikanischer Politiker († 1964) 16. Oktober: Michael Collins, irischer Freiheitskämpfer und Politiker († 1922) 17. Oktober: Magda Bäumken, deutsche Schauspielerin († 1959) 17. Oktober: Ernst Blass, deutscher Schriftsteller († 1939) 17. Oktober: Carl Buchheister, deutscher Maler († 1964) 21. Oktober: Gerrit Engelke, deutscher Arbeiterdichter († 1918) 23. Oktober: Eberhard Wildermuth, deutscher Politiker († 1952) 24. Oktober: Kathleen Lockhart Manning, US-amerikanische Komponistin († 1951) 24. Oktober: Thomas Tien Ken-sin, chinesischer Erzbischof von Peking und Kardinal († 1967) 27. Oktober: Max Jungnickel, deutscher Schriftsteller († 1945) 27. Oktober: Heinrich Niebes, deutscher Politiker († 1966) 28. Oktober: Josef Lense, österreichischer Mathematiker († 1985) 29. Oktober: Hans-Valentin Hube, deutscher Generaloberst der Wehrmacht († 1944) 29. Oktober: Abram Iljitsch Jampolski, russischer Geiger und Musikpädagoge († 1956) 29. Oktober: Alfredo Ottaviani, italienischer römisch-katholischer Kardinal († 1979) 30. Oktober: Ernst Adams, deutscher Politiker († 1973) 30. Oktober: Jakow Eschpai, russischer Komponist und Pädagoge († 1963) November 1. November: Rudolf Henggeler, Schweizer Benediktiner und Historiker († 1971) 2. November: Georg Harms-Rüstringen, deutscher Künstler († 1955) 2. November: Kishida Kunio, japanischer Dramatiker († 1954) 4. November: István Déván, ungarischer Leichtathlet und Wintersportler († 1977) 4. November: Klabund, Künstlername des deutschen Schriftstellers Alfred Henschke († 1928) 6. November: Alfonso Castaldo, italienischer Geistlicher; Erzbischof von Neapel und Kardinal († 1966) 6. November: Bentley Collingwood Hilliam, englischer Sänger, Songwriter, Komponist und Schauspieler († 1968) 7. November: Josef Behrens, deutscher Ingenieur und Erfinder († 1947) 7. November: John B. Hollister, US-amerikanischer Politiker († 1979) 8. November: Karl Harrer, deutscher Journalist; Gründungsmitglied der Deutschen Arbeiterpartei († 1926) 8. November: Ernst Schneller, deutscher Lehrer und KPD-Reichstagsabgeordneter († 1944) 10. November: Achmad Mochtar, indonesischer Molekularbiologe († 1945) 10. November: Carl F. W. Borgward, deutscher Ingenieur und Autokonstrukteur († 1963) 12. November: Kurt Hoffmann, deutscher Ruderer († 1976) 13. November: Stanislav Novák, tschechischer Geiger († 1945) 13. November: Albert Stohr, deutscher Geistlicher; Bischof von Mainz († 1961) 16. November: Gyula Feldmann, ungarischer Fußballspieler und -trainer († 1955) 16. November: Elpidio Quirino, philippinischer Politiker und Staatspräsident († 1956) 17. November: Jean Édouard Andreau, französischer Ingenieur und Aerodynamiker († 1953) 20. November: Hermann Adler, deutscher Offizier († 1967) 20. November: Robert William Armstrong, US-amerikanischer Schauspieler († 1973) 21. November: Jeanne Mammen, deutsche Malerin († 1976) 22. November: El Lissitzky, russischer Maler, Grafikdesigner, Architekt, Typograph, Fotograf († 1941) 22. November: Kosta Manojlović. serbischer Komponist und Musikethnologe († 1949) 22. November: Harry Pollitt, britischer Kommunist und Generalsekretär der Communist Party of Great Britain († 1960) 22. November: Charles de Gaulle, französischer General und Politiker († 1970) 26. November: Christian Dauvergne, französischer Automobilrennfahrer († 1954) 26. November: Aleksander Wielhorski, polnischer Pianist und Komponist († 1952) 27. November: Hugo ten Hövel, deutscher Politiker († 1953) 27. November: Toyoshima Yoshio, japanischer Schriftsteller († 1955) Dezember 3. Dezember: Spencer Wishart, US-amerikanischer Automobilrennfahrer († 1914) 4. Dezember: Karl Angerstein, deutscher Offizier († 1985) 4. Dezember: Gerhard Krahmer, deutscher Archäologe († 1931) 5. Dezember: Katharina Aline Ahlmann, deutsche Unternehmerin († 1963) 5. Dezember: George Howard Earle, US-amerikanischer Politiker († 1974) 5. Dezember: Fritz Lang, österreichisch-US-amerikanischer Regisseur und Drehbuchautor († 1976) 6. Dezember: Rudolf Schlichter, deutscher Künstler († 1955) 7. Dezember: Rudolf Bella, ungarischer Komponist († 1973) 8. Dezember: Bohuslav Martinů, tschechischer Komponist der Moderne († 1959) 8. Dezember: Theodor Pool, estnischer Politiker († 1942) 9. Dezember: Guillaume Gagnier, kanadischer Hornist und Kontrabassist († 1962) 9. Dezember: Leon Phillips, US-amerikanischer Politiker († 1958) 10. Dezember: Karl-Heinrich Bodenschatz, deutscher Militär, General der Luftwaffe und Adjutant Hermann Görings († 1979) 10. Dezember: Byron Ingemar Johnson, kanadischer Politiker († 1964) 10. Dezember: Zeki Velidi Togan, baschkirischer Historiker und Politiker († 1970) 11. Dezember: Carlos Gardel, argentinischer Tango-Sänger († 1935) 11. Dezember: Mark Tobey, US-amerikanischer Maler († 1976) 12. Dezember: Kazimierz Jósef Stanislaw Ajdukiewicz, polnischer Philosoph und Logiker († 1963) 12. Dezember: Theodor Neubauer, deutscher Widerstandskämpfer, operative illegale Leitung der KPD († 1945) 13. Dezember: Stanley Gardner, kanadischer Pianist und Musikpädagoge († 1945) 14. Dezember: Sigurd Hoel, norwegischer Schriftsteller († 1960) 15. Dezember: Gerhard Arndt, deutscher Landwirt und Politiker († 1963) 15. Dezember: Federico Callori di Vignale, italienischer römisch-katholischer Geistlicher; Kardinal († 1971) 17. Dezember: Pierre Chami, libanesischer Erzbischof († 1967) 17. Dezember: Joachim von Preußen, Sohn von Kaiser Wilhelm II. († 1920) 18. Dezember: Edwin Howard Armstrong, US-amerikanischer Elektroingenieur und Erfinder († 1954) 20. Dezember: Jaroslav Heyrovský, tschechischer Physikochemiker († 1967) 21. Dezember: Hermann Joseph Muller, US-amerikanischer Biologe und Genetiker; Nobelpreisträger († 1967) 21. Dezember: Mikalaj Aladau, weißrussischer Komponist († 1972) 21. Dezember: James A. Noe, US-amerikanischer Politiker († 1976) 22. Dezember: Heinrich Luhmann, deutscher Pädagoge und Heimatdichter († 1978) 22. Dezember: Nol van Berckel, niederländischer Fußballspieler († 1973) 23. Dezember: Johannes Hoffmann, deutscher Politiker († 1967) 24. Dezember: Martin Rosebery d’Arguto, polnischer Musikpädagoge, Komponist und Dirigent († 1942) 24. Dezember: Amerigo Bartoli, italienischer Maler und Karikaturist († 1971) 25. Dezember: Robert Ripley, US-amerikanischer Comiczeichner und Weltreisender († 1949) 26. Dezember: Heinrich Landrock, deutscher Ruderer († 1948) 27. Dezember: Emil Dovifat, deutscher Publizistikwissenschaftler und Universitätsprofessor († 1969) 28. Dezember: Viktor Lutze, Stabschef der SA († 1943) 29. Dezember: Käthe Dorsch, deutsche Schauspielerin († 1957) 29. Dezember: Yves Nat, französischer Pianist und Komponist († 1956) 30. Dezember: Artur Mahraun, deutscher Gründer und „Hochmeister“ des Jungdeutschen Ordens († 1950) 30. Dezember: Lanoe Hawker, britischer Kampfflieger im Ersten Weltkrieg († 1916) 31. Dezember: Karl Artelt, deutscher Politiker († 1981) 31. Dezember: Friedrich Nowack, deutscher Politiker (SPD) († 1959) Genaues Geburtsdatum unbekannt Jan Appel, deutscher Revolutionär († 1985) Harry William Hugh Armytage, britischer Artillerieoffizier († 1967) Karl Assmann, österreichischer Jurist, Fußballspieler und Mitgründer von SK Sturm Graz († 1958) Anton von Avanzini, österreichischer Politiker († 1969) Albert Duquesne, kanadischer Schauspieler († 1956) Broadus Farmer, kanadischer Geiger und Musikpädagoge († 1959) Papa Charlie Jackson, US-amerikanischer Blues-Musiker († 1938) Otto Georgi, chilenischer Maler († 1969) Teodoro Gutiérrez Calderón, kolumbianischer Lyriker und Schriftsteller († 1958) Philip Dalton Hepworth, britischer Architekt († 1963) Alfredo Lobos, chilenischer Maler († 1917) Fernando Meza, chilenischer Maler († 1929) Fritz Rosen, deutscher Grafiker († 1980) Carlo Salamano, italienischer Automobilrennfahrer († 1969) Guillermo Vergara, chilenischer Maler († 1943) Geboren um 1890 Paquita Escribano, spanische Sängerin († um 1970) Gestorben Januar/Februar 3. Januar: Ole Andreas Bachke, norwegischer Jurist und Politiker (* 1830) 3. Januar: Karl von Hase, evangelischer Theologe, großherzoglich sächsischer Wirklicher Geheimrat (* 1800) 3. Januar: Charles-Marie Panneton, kanadischer Pianist, Musikpädagoge und Komponist (* 1845) 4. Januar: Karl Wilhelm Philipp von Auersperg, böhmisch-österreichischer Politiker und Ministerpräsident (* 1814) 6. Januar: Józef Nikorowicz, polnischer Komponist (* 1827) 7. Januar: Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, Ehefrau Kaiser Wilhelms I., deutsche Kaiserin und Königin von Preußen (* 1811) 7. Januar: Hans Matthison-Hansen, dänischer Komponist und Organist (* 1807) 7. Januar: George Lemuel Woods, US-amerikanischer Politiker (* 1832) 8. Januar: Elbridge G. Lapham, US-amerikanischer Politiker (* 1814) 9. Januar: Anton Friedrich von Tröltsch, deutscher Arzt und Professor für Ohrenheilkunde (* 1829) 10. Januar: Ignaz von Döllinger, deutscher katholischer Theologe (* 1799) 10. Januar: Johann Baptist Reiter, österreichischer Porträt- und Genremaler (* 1813) 12. Januar: Olympe Audouard, französische Frauenrechtlerin (* 1832) 14. Januar: Karl von Gerok, deutscher Theologe und Lyriker (* 1815) 17. Januar: Salomon Sulzer, österreichischer Kantor und Kirchenmusiker (* 1804) 19. Januar: Georg Albert, Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt und preußischer General (* 1838) 20. Januar: Franz Lachner, deutscher Komponist (* 1803) 21. Januar: Nathan Marcus Adler, deutsch-britischer Rabbiner (* 1803) 24. Januar: Harrison H. Riddleberger, US-amerikanischer Politiker (* 1844) 25. Januar: Pieter de Jong, niederländischer Orientalist (* 1832) 30. Januar: Hayreddin Pascha, Großwesir des Osmanischen Reiches (* 1822/23) 30. Januar: Karl Merz, US-amerikanischer Komponist (* 1836) 3. Februar: Christoph Buys Ballot, niederländischer Wissenschaftler, Begründer der Meteorologie in den Niederlanden und Initiator der internationalen Klimaforschung (* 1817) 3. Februar: Heinrich Vieweg, deutscher Verlagsbuchhändler (* 1826) 4. Februar: Antoine d’Orléans, Herzog von Montpensier, französischer Offizier und spanischer Thronprätendent (* 1824) 4. Februar: Fletcher Stockdale, US-amerikanischer Jurist, Gouverneur von Texas (* 1823 oder 1825) 11. Februar: Friedrich Heinrich Eduard Kochhann, deutscher Politiker (* 1805) 12. Februar: Nicolai-Peter Ahlmann, deutscher Politiker (* 1809) 13. Februar: Chalifa ibn Said, Sultan von Sansibar (* 1852) 17. Februar: Arvid Ahnfelt, schwedischer Literaturhistoriker (* 1845) 17. Februar: Christopher Latham Sholes, US-amerikanischer Buchdrucker, Journalist und Erfinder (* 1819) 18. Februar: August Hartel, deutscher Architekt (* 1844) 18. Februar: Gyula Andrássy, Politiker in Österreich-Ungarn (* 1823) 22. Februar: Carl Bloch, dänischer Maler (* 1834) 27. Februar: Christoph Moufang, Diözesanadministrator von Mainz (* 1817) März/April 2. März: James E. English, US-amerikanischer Politiker (* 1812) 3. März: Adalbert von Bredow, preußischer Generalleutnant (* 1814) 5. März: Johann Baptist Arbinger, deutscher Politiker (* 1819) 7. März: Karl Rudolf Friedenthal, deutscher Politiker, Jurist und Unternehmer (* 1827) 8. März: Hermann Conradi, deutscher Schriftsteller des Frühnaturalismus (* 1862) 18. März: Johann Georg Halske, deutscher Unternehmer (* 1814) 19. März: John S. Hager, US-amerikanischer Politiker (* 1818) 4. April: Giovanni Corsi, italienischer Opernsänger (* 1822) 4. April: Eduard Dössekel, Schweizer Jurist und Dichter (* 1810) 8. April: Friedrich Strampfer, österreichischer Schauspieler und Theaterdirektor (* 1823) 11. April: Joseph Merrick, Engländer, bekannt als „Elefantenmensch“ (* 1862) 13. April: Samuel J. Randall, US-amerikanischer Politiker (* 1828) 13. April: Johann Joachim Schlegel, deutscher Unternehmer, Gründer der Schlegel Brauerei AG in Bochum (* 1821) 20. April: John Henry Gurney, englischer Bankier und Amateur-Ornithologe (* 1819) 30. April: Gustav Biedermann, tschechischer philosophischer Schriftsteller (* 1815) Mai/Juni 3. Mai: James Burnie Beck, US-amerikanischer Politiker (* 1822) 7. Mai: James Nasmyth, englischer Ingenieur und Astronom, Erfinder (* 1808) 17. Mai: Elisha Dyer, US-amerikanischer Politiker (* 1811) 21. Mai: Eduard von Fransecky, preußischer General der Infanterie (* 1807) 23. Mai: Louis Victor Antonio Artan de Saint-Martin, niederländisch-belgischer Maler (* 1837) 25. Mai: Eduard von Wattenwyl, Schweizer evangelischer Geistlicher (* 1815) 28. Mai: Carlos Céleo Arias López, Präsident von Honduras (* 1835) 28. Mai: Otto Mengelberg, deutscher Historien- und Porträtmaler und Lithograf (* 1817) 28. Mai: Victor Ernst Nessler, deutscher Komponist (* 1841) 13. Juni: Christian Friedrich Arnold, deutscher Architekt und Akademieprofessor (* 1823) 19. Juni: Heinrich Wilhelm Stoll, deutscher Altphilologe (* 1819) 24. Juni: Benjamin Samuel Williams, englischer Handelsgärtner (* 1824) 26. Juni: Kosta Panica, bulgarischer Freiheitskämpfer und Militär (* 1857) 29. Juni: Alexander Parkes, britischer Chemiker (* 1813) 30. Juni: Samuel Parkman Tuckerman, US-amerikanischer Komponist (* 1819) Juli/August 3. Juli: Gilman Marston, US-amerikanischer Politiker und Armeeoffizier (* 1811) 4. Juli: Philipp Friedrich Arnold, deutscher Anatom und Physiologe (* 1803) 7. Juli: Henri Nestlé, deutscher Unternehmer (* 1814) 10. Juli: Thomas Clay McCreery, US-amerikanischer Politiker (* 1816) 11. Juli: Carl Steffeck, deutscher Maler von Tierbildern und Grafiker (* 1818) 12. Juli: Friedrich Wilhelm Kritzinger, deutscher Theologe, Pädagoge, Autor (* 1816) 13. Juli: John C. Frémont, US-amerikanischer Entdecker, Generalmajor und Politiker (* 1813) 15. Juli: Gottfried Keller, Schweizer Dichter und Schriftsteller (* 1819) 18. Juli: Lydia Becker, britische Frauenrechtlerin (* 1827) 18. Juli: Christian Heinrich Friedrich Peters, deutscher Astronom (* 1813) 29. Juli: Vincent van Gogh, niederländischer Maler (* 1853) 30. Juli: Ferdinand Schmidt, deutscher Schriftsteller und Volkspädagoge (* 1816) 3. August: Louise-Victorine Ackermann, französische Schriftstellerin und Mitglied der Parnassiens (* 1813) 6. August: William Kemmler, US-Amerikaner, erster Mensch, der auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde (* 1860 oder 1861) 9. August: Eduard von Bauernfeld, österreichischer Lustspieldichter (* 1802) 11. August: John Henry Newman, britischer katholischer Theologe und Kardinal, zuvor anglikanischer Pfarrer und Theologe (* 1801) 12. August: Heinrich Otte, deutscher evangelischer Geistlicher, Mittelalterarchäologe sowie Kunst- und Kirchenhistoriker (* 1808) 22. August: Vasile Alecsandri, rumänischer Dichter, Dramatiker und Politiker (* 1821) 27. August: Milledge Luke Bonham, Brigadegeneral der Konföderierten Staaten im Sezessionskrieg (* 1813) 30. August: Nicolás Ruiz Espadero, kubanischer Pianist und Komponist (* 1832) 30. August: Marianne North, britische Malerin (* 1830) September/Oktober 3. September: Christian Ludwig Landbeck, deutsch-chilenischer Ornithologe (* 1807) 4. September: Edward Noyes, US-amerikanischer Politiker (* 1832) 8. September: Isaac P. Christiancy, US-amerikanischer Jurist und Politiker (* 1812) 11. September: Eduard Degener, deutsch-US-amerikanischer Politiker (* 1809) 16. September: Carl Franz Wilhelm Edel, deutscher Jurist und Politiker (* 1806) 24. September: John William Clark Watson, Politiker der Konföderierten Staaten (* 1808) 28. September: Ludwig Wilhelm, Fürst zu Bentheim und Steinfurt (* 1812) 29. September: Alphonse Karr, französischer Journalist, Schriftsteller und Satiriker (* 1808) 2. Oktober: Philip F. Thomas, US-amerikanischer Politiker (* 1810) 4. Oktober: Catherine Booth, Frau William Booths, des Gründers der Heilsarmee (* 1829) 4. Oktober: Hugo Henckel von Donnersmarck, deutsch-österreichischer Unternehmer (* 1811) 7. Oktober: John Hill Hewitt, US-amerikanischer Komponist, Lyriker und Zeitungsverleger (* 1801) 7. Oktober: Maharero, traditioneller Führer der Herero (* 1820) 11. Oktober: Mathias Auinger, österreichischer Paläontologe (* 1810) 12. Oktober: William Young Sellar, schottischer Altphilologe (* 1825) 14. Oktober: Friedrich von Hassel, preußischer Generalleutnant (* 1833) 15. Oktober: Christian Wilhelm Ludwig von Abeken, deutscher Politiker (* 1826) 18. Oktober: Friedrich Wilhelm August Carl von Arnim, preußischer Verwaltungsbeamter (* 1814) 19. Oktober: Émile Léonard Mathieu, französischer Mathematiker (* 1835) 20. Oktober: Richard Francis Burton, britischer Konsul, Forscher, Übersetzer, und Orientalist (* 1821) 26. Oktober: Carlo Collodi, italienischer Schriftsteller („Pinocchio“) (* 1826) November/Dezember 3. November: Ulrich Ochsenbein, Schweizer Politiker (* 1811) 4. November: Helena Demuth, Haushälterin von Jenny und Karl Marx (* 1820) 8. November: César Franck, französischer Komponist (* 1822) 8. November: Sophie Wörishöffer, deutsche Schriftstellerin (* 1838) 9. November: Johann Theodor Friedrich Avé-Lallemant, deutscher Musiklehrer, Musikkritiker und Musikschriftsteller (* 1806) 22. November: Wilhelm Henneberg, deutscher Tierernährungsphysiologe (* 1825) 23. November: Kathinka Hedwig Agerskov, dänische Genremalerin (* 1859) 23. November: Thomas Rhodes Armitage, britischer Mediziner (* 1824) 23. November: Wilhelm III., niederländischer König (* 1817) 26. November: James Milton Smith, US-amerikanischer Politiker (* 1823) 1. Dezember: Auguste Cornelius, deutsche Schriftstellerin (* 1826) 9. Dezember: Otto Michaelis, deutscher Wirtschaftsliberaler, Journalist und Politiker (* 1826) 14. Dezember: Gottlieb Samuel Studer, Schweizer Bergsteiger, Panoramazeichner und Autor (* 1804) 15. Dezember: James Croll, schottischer Naturforscher (* 1821) 15. Dezember: Sitting Bull, indianischer Häuptling (* um 1831) 21. Dezember: Niels Wilhelm Gade, dänischer Komponist und Dirigent (* 1817) 21. Dezember: Johanne Luise Heiberg, dänische Schauspielerin (* 1812) 26. Dezember: Heinrich Schliemann, deutscher Kaufmann und Entdecker von Troja (* 1822) 27. Dezember: Woldemar Frege, deutscher Jurist und Hochschullehrer (* 1811) 27. Dezember: Walter Grimshaw, britischer Autor von Schachproblemen (* 1832) 29. Dezember: Si Tanka, besser bekannt als Big Foot, Häuptling der Minneconjou-Lakota-Indianer (* 1815) 31. Dezember: Hyacinthe Aube, französischer Admiral und Gouverneur von Martinique (* 1826) Weblinks
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https://de.wikipedia.org/wiki/Interlingua
Interlingua
Interlingua ist eine internationale Plansprache, die auf dem gemeinsamen Wortschatz der europäischen Sprachen basiert und eine extrem vereinfachte Grammatik aufweist. Interlingua wird als das „moderne Latein“ beworben und gilt in der öffentlichen Wahrnehmung neben Esperanto als wichtigste internationale Plansprache. Wörter, die international verbreitet sind, werden Internationalismen genannt. Das sind Wörter, die in gleicher Bedeutung und gleicher oder ähnlicher Form in mehreren Sprachen vorkommen, wie z. B. Medizin, Musik, Nation, Radio, System, Telefon, Theater. Diese Internationalismen sind hauptsächlich griechisch-lateinischen (gräkolatinen) Ursprungs. Theoretisch können so mindestens 850 Millionen Sprecher romanischer Sprachen inklusive Zweitsprecher Interlingua grundlegend verstehen. Zudem Sprecher, die Latein oder eine romanische Sprache als Fremdsprache erlernt haben. Sprecher nicht-romanischer, europäischer Sprachen verstehen auf Anhieb viele Interlingua-Vokabeln durch die eigenen Fremd- und Lehnwörter. Hier ist insbesondere die englische Sprache zu nennen, deren Wortschatz zu mehr als 50 % lateinischen Ursprungs ist. Interlingua ist das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung, die von 1924 bis 1951 von europäischen und amerikanischen Sprachwissenschaftlern der International Auxiliary Language Association (IALA) erzielt wurde. 1951 wurde Interlingua mit der Herausgabe des Interlingua-English Dictionary sowie der Grammatica complete de interlingua veröffentlicht. An der Herausgabe beider Werke war der deutsch-amerikanische Philologe und Übersetzer Alexander Gode maßgeblich beteiligt. Name Der Name „Interlingua“ leitet sich von inter (inter für ‚zwischen, mitten, unter‘) und lingua (lingua für ‚Sprache‘) ab und steht damit für die Idee einer neutralen Zwischensprache und nicht für eine alle Sprachen der Welt umfassenden Universalsprache. Der Name Interlingua kann horizontal verstanden werden, als Brückensprache zwischen den verschiedenen Muttersprachen, aber auch vertikal als Zwischensprache zwischen den unregelmäßigen bzw. sehr komplexen natürlichen Sprachen und einer logischen und systematischen Idealsprache. Ursprünglich bezeichnete Interlingua alle internationalen Plansprachen der naturalistischen Schule. Später wurde der Begriff zum Synonym für Latino sine flexione. Verwechslungsgefahr besteht zudem mit Interlingue, die zur Präzisierung Interlingue-Occidental genannt wird. Diese Plansprachenprojekte gehen ineinander über. Mit Zustimmung der Academia pro Interlingua, einer Akademie für naturalistische Plansprachen, durfte die International Auxiliary Language Association den Namen Interlingua für ihr Plansprachenprojekt verwenden. Historischer Kontext Als Folge der Zunahme internationaler Beziehungen wurde ab der Mitte des 19. Jahrhunderts das Problem internationaler Verständigung immer brennender. Die Schöpfer der Welthilfssprachen wollten einen Ausweg zeigen und legten daher Wert auf leichte Erlernbarkeit, hohes aktives und passives Sprachvermögen, Internationalität sowie Neutralität im Sinne von keines Volkes Sprache. Die neutrale International Auxiliary Language Association (IALA; deutsch: Internationale Hilfssprachengesellschaft) wurde 1924 in New York u. a. von der Mäzenin und Esperantosprecherin Alice Vanderbilt Morris mit dem Ziel mitgegründet, die wissenschaftliche Basis für die Auswahl einer bestehenden Plansprache bzw. die Fusion bereits bestehender Plansprachen wie Esperanto (1887), Latino sine flexione (1903), Ido (1907), Esperanto II (1910), Occidental (1922) und Novial (1928) zu schaffen. Die Entwicklung einer eigenen Plansprache war anfänglich nicht das Ziel. Nachdem die IALA keine der untersuchten Plansprachen für geeignet hielt bzw. die Vertreter der verschiedenen Plansprachen sich nicht auf eine gemeinsame Plansprache einigen konnten, beschloss die IALA 1934 selbst, eine eigene Plansprache zu entwickeln, die 1951 unter dem Namen Interlingua veröffentlicht wurde. 1953 löste sich die IALA daraufhin auf. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Englisch als Weltverkehrssprache die international bedeutendste Weltsprache. Theorie Für die Sprachwissenschaftler der International Auxiliary Language Association (IALA) lag die Lösung der Sprachenfrage nicht in der Konstruktion einer Universalsprache. Sie lehnten daher jede Form einer Plansprache ab, deren Vokabular künstlich konstruiert wurde, weil solche Sprachen zu abstrakt und damit schwer zu erlernen und zu beherrschen sind. Auch kam für die IALA eine Mischung von Sprachmaterial verschiedenster Sprachen innerhalb des eigenen Kulturraumes bzw. mit Sprachen anderer Kulturräume zu einer neuen Plansprache wegen der Willkürlichkeit der Auswahl sowie mangelnder Kohärenz einer solchen Sprache nicht in Frage. Vielmehr sind die Sprachwissenschaftler der IALA durch Beobachtung zu der Erkenntnis gelangt, dass genügend Sprachmaterial bereits in den europäischen Sprachen latent existiert, das, mit Abweichungen in der Aussprache oder Orthographie, z. B. aus international verwendeten Begriffen wie „Information“, „Politik“, „Bibliothek“, „Philosophie“, „Restaurant“, „Automobil“ aber auch aus Wörtern wie „Kaffee“, „Kakao“ oder „Joghurt“ usw. besteht. In der Sprachwissenschaft wird dieses Phänomen Internationalismen genannt. Erste Schätzungen gingen von bis zu 6000 international verwendeten Vokabeln aus, die größtenteils griechisch-lateinischen Ursprungs sind. Die Gruppe der anglo-romanischen Sprachen ist die durch Wissenschaft, Technik, Handel, Diplomatie, Kolonisation, Migration, Bildung, Kultur, christlicher Mission, Sport etc. die global weitestverbreitete europäische Sprachengruppe und damit Quellsprachen für viele Fremd- und Lehnwörter zahlreicher weiterer Sprachen („Sprachenexporte“). Daher wird aus den anglo-romanischen Sprachen das internationale Sprachmaterial extrahiert, welches folglich nicht willkürlich, sondern objektiv, kohärent, leicht zu erlernen und leicht zu beherrschen sei. Eine schematisierte Grammatik, die die Objektivität des Vokabulars entstellt, sei kontraproduktiv, so dass nur eine minimale und rationale Grammatik, so die Logik, die Ursprünglichkeit und Natürlichkeit des internationalen Vokabulars unterstütze. Für die IALA sollte die internationale Sprache ein Mittel der Kommunikation zum Ideenaustausch und zur Völkerverständigung sein, nicht aber ein zwingendes Mittel zur Erreichung des Weltfriedens. Wortschatz Europas Sprachgeschichte ist durch drei Verkehrssprachen oder Linguae francae gekennzeichnet: Latein (abnehmend seit dem späten Mittelalter bis 1867, als Ungarn als letztes Land Latein als Amtssprache aufgibt), Französisch (vom Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 bis zum Versailler Vertrag 1918) und Englisch (seit 1918). Diese drei Verkehrssprachen (Gebersprachen) haben im Wortschatz der europäischen Sprachen (Nehmersprachen) deutliche Spuren hinterlassen. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich in der Historie der Wissenschaftssprache. Auswahl Der Wortschatz wird in drei Schritten gewonnen: Auswahl, Standardisierung und Registrierung. Interlingua soll auf dem größtmöglichen internationalen Wortschatz aufbauen (vgl. Internationalismus (Sprache)). Daher werden Wörter in folgenden Sprachen auf Internationalität geprüft: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch. Deutsch und Russisch dienen als Kontrollsprachen. Die Theorie geht davon aus, dass außerhalb dieser großen europäischen Sprachen kein Wort international sein kann. Die „Regel der Drei“ bzw. die „Regel der Zwei+“ beschreibt die genaue Methode: Korrespondiert ein Wort in mindestens drei der vier Spracheinheiten (italienisch [ita], spanisch [spa] / portugiesisch [por], französisch [fra], englisch [eng]) in Form und Inhalt oder aber in mindestens zwei Spracheinheiten plus Deutsch [deu] und/oder Russisch [rus], ist es zu akzeptieren. Beispiele: [deu] Patrimonium, [eng] patrimony, [fra] patrimoine, [ita] patrimonio, [spa] patrimonio, [por] património, [rus] наследие [deu] Pate, [eng] godfather, [fra] parrain, [ita] padrino, [spa] padrino, [por] padrinho, [rus] крестный отец [deu] Patron, [eng] patron, [fra] patron, [ita] patrono, patrocinatore, [spa] patrono, patrocinador, [por] patrono, patrocinador, [rus] патрон, покровитель [deu] Patriarch, [eng] patriarch, [fra] patriarche, [ita] patriarca, [spa] patriarca, [por] patriarca, [rus] патриарх Standardisierung In der Regel wird etymologisch vorgegangen. Dabei wird die gesamte Wortfamilie untersucht, nicht lediglich ein isoliertes Wort. Damit erhält man den genauen Prototyp, der für die Ableitung der Wortfamilie grundlegend ist (hier patr-). Damit ergeben sich für Interlingua in o. a. Fällen: patrimonio, patrino, patrono und patriarcha. Das bedeutet auch, dass die Zahl der Varianten, also Beispiele in weiteren Sprachen als den vier genannten Spracheinheiten, unerheblich ist, weil in der Regel auf das Etymon zurückgegriffen wird, z. B.: dt. Form; frz. forme, it. span. kat. tschech. slowak. slowen. ungar. poln. kroat. lett. litau. forma, dän. schwed. eng. ndl. form, bündnerroman. furma, ir. foirm usw. In Interlingua heißt das entsprechende Wort forma. Registrierung In wenigen Fällen, bei denen keine der beiden Regeln greift, bezieht sich Interlingua auf das Lateinische, oder aber das Wort der Referenzsprachen, welches die größtmögliche Internationalität oder die größtmögliche Übereinstimmung mit der Systematik aufweist, wird registriert. Das Interlingua-English Dictionary wurde 1951 mit fast 27.000 Vokabeln veröffentlicht. Das aktuelle Vokabular wird auf über 60.000 Wörter geschätzt. Grammatik Die Interlingua-Grammatik ist eine rationale Minimal-Grammatik, die die Objektivität des internationalen Vokabulars nicht verändern will und die Spracherlernung sowie die Sprachbeherrschung erleichtern soll: regelmäßige Konjugation der Verben Endung der Verben auf -ar, -er und -ir Kürzung der Verben haber (haben) und esser (sein) im Präsens zu ha und es kein Konjunktiv (Möglichkeitsform) keine Verlaufsform wie im Englischen (I am calling …) kein grammatisches (Genus), sondern nur ein biologisches Geschlecht (Sexus), daher nur ein bestimmter (le) und ein unbestimmter Artikel (un) Pluralbildung mit -s bzw. -es keine Übereinstimmung von Substantiv und Adjektiv in Genus, Sexus und Numerus: un seniora belle, duo senioras belle, le senior belle, le seniores belle (Deklination) Adverbbildung auf -mente Ableitungen, z. B. exportar, exportation, exportator, exportabile normale Wortstellung SVO: Subjekt – Verb – Objekt (isolierender Sprachbau) Konjugation der Verben parlar (sprechen), vider (sehen) und audir (hören): Natürlichkeit versus Schematik Um die Entwicklung der internationalen Plansprache empirisch absichern zu können, verschickte die IALA von 1944 bis 1947 an 3000 Sprachlehrer weltweit einen 98-seitigen Fragebogen. Dieser präsentierte verschiedene Modelle der Ausgestaltung der künftigen Sprache. Dabei ging es auch um die Grundsatzfrage, ob eine natürliche oder eine schematische Grammatik den Anforderungen an eine internationale Plansprache am ehesten gerecht würde. Die Rückmeldungen sollen 350 betragen haben. Laut der IALA war die Zahl derer, die ein schematisches Modell ablehnten, eindeutig. Im General Report von 1945 findet sich ein Beispieltext, der die Grundsatzfrage verdeutlicht. Es handelt sich um einen Auszug aus der Rede von Hon. Cordell Hull, gehalten in Dumbarton Oaks am 21. August 1944: Nach dem naturalistischen Modell: Nach dem schematischen Modell (Minimum): Nach dem schematischen Modell (Medium): Phonetik und Orthographie Die Schreibweise des Interlingua basiert auf den 26 Buchstaben des lateinischen Alphabets ohne diakritische Zeichen oder Akzentuierungszeichen. Interlingua hat keine phonematische Orthographie. Es gibt einige Digraphen, z. B. in Wörtern alt-griechischer Herkunft wegen der besseren Wiedererkennung (z. B. philosophia). Die Norm der Aussprache ist kontinental und die Akzentuierung liegt als Hauptregel auf dem Vokal vor dem letzten Konsonanten. Textbeispiele Quelle: Zeitschriftenmagazin PANORAMA, 2012; Herausgeber: Union Mundial pro Interlingua Entwicklung als Sprache Interlingua wird durch den Sprachtod des Lateins als „modernes Latein“ und neutrale, internationale Brückensprache seit 1955 von der Non-Profit-Organisation Union Mundial pro Interlingua (UMI) u. a. mit der Ausrichtung von Konferenzen gefördert. 30 medizinische Fachjournale, darunter so renommierte wie Journal of the American Medical Association, Circulation, Circulation Research und American Heart Journal usw., publizierten zu der Zeit von Alexander Gode die Inhaltsangaben ihrer wissenschaftlichen Artikel in Interlingua. Ebenso diente Interlingua bei 10 wissenschaftlichen Konferenzen als Kommunikationsmittel. Das internationale Vokabular wurde in den 1960er Jahren in Schweden im Rahmen des Schulfachs allmän språkkunskap (allgemeine Sprachkunde) als Alternative zum Lateinunterricht angeboten. Die Debatten um den Lateinunterricht sind seit Jahrzehnten von ähnlichen Positionen geprägt: die Wertschätzung einer sprachlichen und kulturellen Grundlage für höhere Bildung steht der Skepsis gegenüber, ob dieser Aufwand noch modernen Ansprüchen genügt. Einen Ausweg aus dem Dilemma bietet nach Ansicht der Union Mundial pro Interlingua (UMI) Interlingua, die das kulturelle Erbe des Lateins mit modernen Kommunikationsanforderungen weiterentwickle. Interlingua ist nach ISO 639-1 der Internationalen Organisation für Normung gekennzeichnet. Interlingua befindet sich damit in der Liste der entwickeltesten Sprachen (im Sinne des Wortschatzes) weltweit. Seit der Veröffentlichung der grundlegenden Werke 1951 hat sich durch Sprachwandel eine Vielzahl von grammatischen und stilistischen Änderungen ergeben. Daneben gibt es zahlreiche Publikationen als E-Books. Das aktuelle Vokabular wird auf über 60.000 Wörter geschätzt. Das Standard-Lehrwerk Interlingua – Instrumento moderne de communication international wurde auch ins Chinesische und Japanische übersetzt. 2004 übersetzte die UMI den Vertrag über eine Verfassung für Europa, um die Leistungsfähigkeit von Interlingua als Arbeits- bzw. Amtssprache der Europäischen Union zu demonstrieren. Die Stadt Kirchheimbolanden in Rheinland-Pfalz hat ihr Stadtportrait im Internet auch auf Interlingua veröffentlicht. Interlingua ist eine offizielle Wettbewerbssprache bei der Stenografie-Weltmeisterschaft. Die Österreichische Nationalbibliothek dokumentiert in der weltweit größten Fachbibliothek für Plansprachen an die 500 Plansprachen, von denen Esperanto und Interlingua die wichtigsten sind. 2017 wurde das gemeinnützige „Erasmus-Institut für Interlingua e.V.“ als Sprachpflegeverein für den deutschsprachigen Raum gegründet. Durch das Internet erfährt Interlingua eine allmähliche Verbreitung. Nutzen und Vorteile Befürworter der Interlingua sehen für Nutzer neben den grundsätzlichen Vorteilen einer Plansprache folgende spezifischen Vorteile: Interlingua kann zu einem besseren Verständnis der Fremd- und Lehnwörter in der eigenen Muttersprache beitragen. Interlingua kann den persönlichen englischen Wortschatz erweitern. Interlingua kann zur direkten Kommunikation mit Menschen genutzt werden, die Spanisch, Portugiesisch oder Italienisch sprechen. Interlingua kann an das kulturelle Erbe anknüpfen und zur europäischen Identität beitragen. Interlingua kann als neutrale und kosteneffiziente Arbeitssprache in Europäischen und Internationalen Organisationen genutzt werden. Interlingua kann als Sprachpropädeutikum im Fremdsprachenunterricht nützlich sein (Interkomprehension). Interlingua kann der afrikanischen und asiatischen Sprachenwelt einen Zugang zur Wissenschafts- und Technologieterminologie schaffen sowie eine profunde Basis für weitere Studien europäischer Sprachen bieten. Interlingua-Sprecher Die Zahl der Sprecher ist in ihrer Gesamtheit unbekannt. Einige herausragende Interlingua-Sprecher waren: James M. Buchanan, amerikanischer Wirtschaftsnobelpreisträger 1986 Eugen Wüster, Begründer der Terminologiewissenschaften Giovanni Blandino (1923–2011), ehemaliger italienischer Jesuitenpater und Professor für Theologie (korrespondierte mit Papst und Kardinälen in Interlingua) Alexander Gode, Philologe und Direktor bei der IALA André Martinet, Linguist und Direktor bei der IALA Siehe auch Internationalismus (Sprache) Liste lateinischer Lehn- und Fremdwörter im Deutschen Liste griechischer Wortstämme in deutschen Fremdwörtern Wissenschaftssprache Literatur Lehrbuch Wörterbuch André Schild: Grundwörterverzeichnis Deutsch–Interlingua = Vocabulario elementari. Selbstverlag, Basel 1966, Interlingua und ihre Geschichte Presseartikel Interlingua versus Esperanto Die Zeit vom 18. Oktober 1951 (abgerufen am 1. Oktober 2014) Miteinander reden Wochenend-Journal der Augsburger Allgemeinen vom 5. Juli 2008 (abgerufen am 1. Oktober 2014) Künstliche Sprachen Spiegel-Online vom 25. November 2008 (abgerufen am 16. Juli 2016) Man spricht Interlingua Schwäbisches Tagblatt vom 13. August 2009 (abgerufen am 16. Juli 2016) Interlingua wissen.de (abgerufen am 6. April 2015) Eine für Alle Chiffre-Magazin.de (abgerufen am 2. November 2014) Europa braucht eine gemeinsame Sprache treffpunkteuropa.de (abgerufen am 9. Juli 2016) Weblinks Startseite von Wikisource in Interlingua Entstehung und Wesen von Interlingua Interlingua in Österreich Interlingua in Deutschland Kurzfilm: Was ist Interlingua? (deutsch) – Erklärvideo auf YouTube (veröffentlicht am 1. Juni 2019), Dauer: 3:07 Einzelnachweise Einzelsprache Plansprache
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https://de.wikipedia.org/wiki/CNBC
CNBC
CNBC (ursprünglich eine Abkürzung für Consumer News and Business Channel; übersetzt: Verbrauchernachrichten- und Wirtschaftskanal) ist eine Gruppe von Nachrichtensendern. Sie gehören zur Senderfamilie von NBCUniversal, einer Tochtergesellschaft von Comcast. CNBC und seine internationalen Ableger übertragen Wirtschaftsnachrichten und informieren live vom Geschehen an den Finanzmärkten. Nach eigenen Angaben erreichen die Sender insgesamt rund 390 Millionen Zuschauer weltweit. Geschichte Am 17. April 1989 riefen NBC und Cablevision den US-amerikanischen Sender Consumer News and Business Channel ins Leben. Das Programm wurde in den Studios in Fort Lee, New Jersey produziert. Im Mai 1991 fusionierte der Sender mit dem Konkurrenzkanal FNN (Financial News Network). Zuvor hatte CNBC mit einem Mangel an Zuschauern zu kämpfen. Der Platzhirsch FNN geriet in finanzielle Schieflage. Im Rahmen der Vereinigung verkaufte nicht nur der einstige Miteigentümer Cablevision seine Anteile an NBC. Auch der ursprüngliche Name Consumer News and Business Channel fiel weg. Bis Mitte der 1990er Jahre hieß der Kanal CNBC/FNN. 1995 fasste der Sender auch auf dem asiatischen Kontinent Fuß, gründete den Wirtschaftskanal CNBC Asia. Ein Jahr später folgte der Sender CNBC Europe. 1997 vereinbarten CNBC und Dow Jones & Company eine strategische Partnerschaft. Diese sah eine enge inhaltliche Zusammenarbeit mit der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires und der Zeitung The Wall Street Journal vor. Im gleichen Jahr fusionierten CNBC Asia und CNBC Europe mit den zu Dow Jones gehörenden Nachrichtensendern ABN (Asia Business News) und EBN (European Business News). Fortan trugen CNBC und seine internationalen Ableger stets die Unterzeile A Service of NBC and Dow Jones (ein Service von NBC und Dow Jones). Mit dem Boom des Internets und den daraus resultierenden Technologien und Geschäftsfeldern erreichte der Sender immer mehr Zuschauer. Im Jahr 2003 wechselte der Kanal seine Studios, zog nach Englewood Cliffs, New Jersey. Dort erfolgte die vollständige Umstellung auf digitale Videoproduktion. Außerdem sendet CNBC US seit dem 10. Oktober 2007 das High Definition Programm CNBC HD+. Ende 2005 verkaufte Dow Jones seine Anteile an CNBC Asia und CNBC Europe an NBC. Unangetastet blieb allerdings die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Sender. CNBC ist mit einem Gewinn von über 333 Millionen Dollar im Jahr 2007 (bei einem Umsatz von rund 510 Millionen Dollar) der zweitprofitabelste Kabelsender von NBC Universal in den USA. Am 15. Oktober 2007 erhielt CNBC in den Vereinigten Staaten Konkurrenz durch den ähnlich konzipierten Wirtschaftssender Fox Business Network vom Medienmogul Rupert Murdoch. Dieser plant sein Programm auch weltweit zu verbreiten. Der Auftritt des Börsenmoderators Rick Santelli, einem ehemaligen Hedge-Fonds-Manager am 19. Februar 2009 gilt als ein wichtiger Moment in der Etablierung der Tea Party. Live von der Börse sah der tobende Rick Santelli nicht mehr die Banken, die mit Milliarden von der Regierung gerettet wurden als die Schuldigen der Finanzkrise, sondern die Hausbesitzer „loser“, die in Schieflage geraten waren. Er meinte dabei: „The government is promoting bad behaviour“. Anschließend rief er vor laufender Kamera: „We’re thinking of having a Chicago Tea Party in July. All you capitalists who want to show up at Lake Michigan, I’m going to start organizing“. Programm Gesendet wird börsentäglich live zwischen 0:30 Uhr und 23 Uhr (Eastern Standard Time). Nachts und am Wochenende sendet CNBC Interviews (z. B. in den Reihen The Brave Ones, The Leadership League und CNBC Meets: Defining Values), Nachrichtenkommentarformate (z. B. Meet the Press – Aufzeichnungen von NBC News), Dokumentationen (z. B. in den Reihen Sustainable Energy und Shaping the Future), Dauerwerbesendungen und Shows wie die Tonight Show (aktuell mit Jimmy Fallon), The Apprentice, Deal or No Deal sowie 1 vs. 100 – Produktionen des Schwestersenders NBC. Börsentägliche Sendungen: CNBC International Am 9. Dezember 1997 haben Dow Jones und NBC ein Gemeinschaftsunternehmen verkündet, um internationale Versionen von CNBC einzuführen. Die Primärbetriebe sind CNBC Europe aus London und CNBC Asia aus Hongkong und Singapur. Seit dem 1. Juni 2007 sendet CNBC Africa, dessen Hauptquartier sich in Sandton, Johannesburg befindet. Täglich stellen die Mitarbeiter ein neun Stunden Wirtschaftsprogramm für Afrika zusammen. Die restliche Zeit wird das Programm größtenteils von CNBC Europe übernommen. Allerdings gibt es auch einige Sendungen von CNBC Asia und CNBC (US). NBC Universal hat auch einen Kanal für Lateinamerika (CNBC Latin America), auf dem das Live-Programm vom U.S-CNBC, und seit der Fusion mit NBC Universal das CNBC World Live-Programm, übertragen wird. Es gibt auch eine Reihe von lokalen CNBC-Diensten, wie die japanische Version (Nikkei-CNBC), die türkische Version (CNBC-e) und die südkoreanische Version (SBS-CNBC). Die internationalen CNBC-Varianten übertragen dieselbe Art von Programm wie CNBC U.S. sowie dessen Haupt-Wirtschaftssendungen. CNBC Europe- und CNBC Asia-Sendungen können in Nordamerika über den Kabelsender CNBC World gesehen werden. In Indien ist CNBC Asia bei der „Television Eighteen“ Firma vertreten, die einen englischsprachigen Wirtschaftsnachrichtensender namens „CNBC TV18“ und einen Hindi Wirtschaftsnachrichtensender namens „Awaaz“ veranstalten. CNBC TV18 ist zudem Indiens meistgesehener englischer Nachrichtensender. In Deutschland war CNBC Europe bis 2009 bei der Börsen-Berichterstattung an einer Kooperation mit N24 beteiligt. Seither kooperiert N24 bei seinen Börsennachrichten mit dem Deutschen Anleger Fernsehen. Weblinks CNBC Fotos von dem CNBC-Hauptquartier in New Jersey CNBC International CNBC Asia CNBC-e Turkey SBS-CNBC Nikkei CNBC CNBC Africa CNBC-Berichterstattung in der Satire – Beitrag aus The Daily Show, 4. März 2009 Einzelnachweise Englischsprachiger Fernsehsender (Vereinigte Staaten) Abkürzung Sendestart 1989 NBCUniversal Englewood Cliffs Unternehmen (Bergen County) Medienunternehmen (New Jersey)
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https://de.wikipedia.org/wiki/Fortaleza
Fortaleza
Fortaleza [], amtlich , ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Ceará mit fast 2,7 Millionen Einwohnern. Fortaleza ist die fünftgrößte Stadt Brasiliens. In Fortaleza beginnt die längste brasilianische Autobahn BR-116. Fortaleza ist der Geburtsort der Schriftsteller José de Alencar und Rachel de Queiroz, des Komikers Chico Anysio und des ehemaligen Präsidenten Humberto Castelo Branco. Geschichte Bis etwa 1000 n. Chr. wurde die Region von dem indigenen Volk der Tapuias, bewohnt. Sie wurden zu dieser Zeit von dem Volk der Tupi aus Amazonien in das Innere des Kontinents verdrängt. Die Tupi waren vor allem die Potiguara, die später von José de Alencar im Buch „Iracema“ porträtiert wurden. Die spanischen Seefahrer Vicente Yáñez Pinzón und Diego de Lepe landeten in Ceará noch vor der Reise des portugiesischen Seefahrers Pedro Álvares Cabral nach Brasilien im Jahr 1500. Diese Erkenntnisse wurden vermutlich auf Grund des Vertrags von Tordesillas (1494) nicht offiziell publik gemacht. Die ersten Potiguaras kamen um 1597/1598 in die heutige Stadt Fortaleza. Ab 1603 begannen die Portugiesen die Besiedlung des Ceará. Im Jahr 1631, am Anfang der Regierung des deutschen Prinzen Johann Moritz von Nassau-Siegen, versuchten die Holländer, ihr Fort São Sebastião zu erobern, aber diese gemeinsame Aktion mit den Potyguaras schlug fehl. 1637 gab es die Niederländischen Invasionen in Brasilien, und Fort São Sebastião wurde mit der Hilfe von Indianern erobert. Im Jahre 1644 wurde das Fort von Einheimischen zerstört. Die Niederländer wurden getötet oder vertrieben. 1649 gab es eine neue niederländische Expedition in Ceará, die vorher mit den Eingeborenen verhandelt worden war. Ein Fort Forte Schoonenborch wurde an den Ufern des Baches Riacho Pajeú gebaut. Zu dieser Zeit begann die Geschichte von Fortaleza, unter dem Kommando des früheren niederländischen Kommandeurs Matthias Beck. Mit dem Rückzug der Niederländer 1654 wurde die Festung umbenannt. 1726 wurde die Festung auf den Status eines Vila angehoben. 1799 wurde Ceará von Pernambuco abgetrennt und Fortaleza zur Hauptstadt des neuen Staats gewählt. Während des 19. Jahrhunderts wurde Fortaleza mit dem Export von Baumwolle und neuen direkten Schifffahrtsrouten nach Europa finanziell stärker. 1824 war ein besonderes Jahr für Fortaleza, mit sozialen Unruhen aufgrund einer republikanischen Revolution während der monarchistischen Periode, der sogenannten Confederação do Equador. Fortaleza war das Zentrum zweier großer Bewegungen in Brasilien: Der Abolitionisten und der Republikanischen Bewegung, die die Sklaverei in Ceará 1884 – vier Jahre früher als im Rest Brasiliens – abschafften und Bewegungen für die Verbreitung der modernistischen Ideen in der brasilianischen Literatur brachten. Bevölkerungsentwicklung der Stadt Immigranten Im frühen 20. Jahrhundert kamen die Einwanderer vor allem aus Portugal. Syrisch-libanesische Einwanderer bildeten ebenfalls eine starke Gemeinschaft in Fortaleza. Auch Spanier, Italiener, Engländer und Franzosen wurden eingebürgert. Laut einer genetischen Studie im Jahr 2011 war die Mehrheit der Bevölkerung Fortalezas überwiegend europäischer Abstammung (> 70 %), mit großen Anteilen afrikanischer und indianischer Herkunft. Städtepartnerschaften Fortaleza unterhält folgende Städtepartnerschaften: Energie-, Wasser- und Abwasser Das Leitungswasser hat keine Trinkwasserqualität. Abwasser wird von den privatisierten Firmen Cagece verarbeitet. Elektrische Energie für Fortaleza erzeugt vor allem ein Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk mit einer Kapazität von 319 Megawatt, das von der chilenischen ENEL Américas etwa 50 Kilometer außerhalb in der Nachbarstadt Caucaia betrieben wird. Zum Teil wird es mit Biogas betrieben, das aus Abfällen der Metropole Fortaleza gewonnen wird. Der Bundesstaat Ceará ist brasilianischer Vorreiter bei der Verstromung von Windenergie, dort soll der erste Offshore-Park Brasiliens gebaut werden. Die Winde wehen dort wie im gesamten Nordosten besonders kräftig und konstant, was günstig für eine gleichmäßige Stromerzeugung ist. Gesundheit 2005 gab es 70 Krankenhäuser. Das bedeutendste Krankenhaus ist das Instituto José Frota (Jota F), sowie das größte von der Landesregierung betriebene Krankenhaus für Notfälle, das Hospital Geral de Fortaleza. Die Gesundheitsdienste werden durch zwei Einheiten der Farmácia Popular do Brasil ergänzt. Tourismus Fortaleza ist ein beliebtes Touristenziel. Das tropische Klima, die Küste und viele Sehenswürdigkeiten ziehen Touristen aus dem In- und Ausland an. Die Stadt hat 15 Strände mit einer Länge von 36 Kilometern. Der bekannteste Stadtstrand ist der Praia de Iracema; er wurde vom Schriftsteller José de Alencar nach dem Roman Iracema benannt. Die Stadt ist unter anderem über den internationalen Flughafen Pinto Martins – Fortaleza erreichbar. Risikobereiche und Sicherheit Brasilien insgesamt und speziell der Nordosten gehören zu den kriminellsten Regionen weltweit. Es gibt Slums in fast allen Bezirken der Stadt. Die Stadtteile Bom Jardim, Mondubim, Bairro do Barra Ceará, Park Brothers, Pirambu, Praia do Futuro, Jorge Henrique und Antônio Bezerra waren 2007 die gefährlichsten Stadtteile Fortalezas. Am von Touristen stark frequentierten kilometerlangen Sandstrand Praia do Futuro haben Anwohner Warnschilder vor den wiederholten Übergriffen auf Fußgänger und Fahrzeuge aufgestellt, bei denen es regelmäßig auch zu Schusswaffengebrauch kommt. Im ersten Halbjahr 2015 wurden im gesamten Bundesstaat Ceará im Durchschnitt 11,6 Tötungsdelikten pro Tag gezählt, die große Mehrzahl dieser Taten wurde in Fortaleza sowie den Vorstädten begangen. Laut neuester Berichte ist die Anzahl der Omnibus-Überfälle in den letzten zwei Jahren um 309 % gestiegen. Die Polizei habe die Sicherheitslage nach Ansicht der Bevölkerung nicht mehr im Griff. Überfälle und Morde werden auch am helllichten Tag und an stark frequentierten Orten begangen. Laut Berechnungen aufgrund von Statistiken des Secretaria da Segurança Pública e Defesa Social (SSPDS) vom August 2015 kommt es alle 13 Minuten in der Stadt zu einem bewaffneten Überfall. Dies umfasst nur die per Anzeige gemeldeten Überfälle. Die Dunkelziffer ist erheblich höher, da oft keine Anzeige bei der Polizei durch die Opfer erfolgt. Über die Vielzahl der Gewaltverbrechen wird in der lokalen Presse kaum noch berichtet. Nur besonders außergewöhnliche Fälle sind noch Pressemeldungen wert. Kleine Delikte werden kaum noch angezeigt. Sehenswürdigkeiten Beach Park Beira-Mar Caixa Cultural Fortaleza Casa José de Alencar Centro de Artesanato do Ceará Centro de Convencões Centro Dragão do Mar Emcetur Estacão Ferroviária João Felipe Estádio Plácido Aderaldo Castelo Estoril Feira de Artesanato da Beira-Mar Mercado Central de Fortaleza Mercado do Mucuripe Museu de Fortaleza Museu do Ceará Museu Histórico e Antropológico do Ceará Parque Ecológico do Cocó Passeio Público de Fortaleza Pólo comercial da Avenida Monsenhor Tabosa Ponte dos Ingleses Praça do Ferreira Praça Portugal Praia de Iracema Praia do Futuro Praia do Titanzinho Shopping Aldeota Shopping Del Paseo Shopping Iguatemi Teatro José de Alencar Ereignisse Am 9. Juli 1980 wurde der 10. nationale Eucharistische Kongress eröffnet, der von Papst Johannes Paul II. und 120.000 Menschen besucht wurde. Im Juli 2005 wurden in Fortaleza die Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage abgehalten. Am 5. August 2005 fand in Fortaleza der größte Bankraub der brasilianischen Geschichte statt. Die Täter drangen durch einen selbst gegrabenen Tunnel in die dortige Filiale der Zentralbank ein und erbeuteten mehr als 150 Millionen Real (rund 55 Millionen Euro). Einige Täter wurden gefasst, der Drahtzieher jedoch noch nicht. Von umgerechnet über 50 Millionen Euro des Bankraubes fehlt bis heute jede Spur. Klimatabelle Söhne und Töchter der Stadt Zu sehr bekannten Personen, die in Fortaleza geboren wurden, zählen der Befreiungstheologe und Erzbischof von Olinda und Recife Hélder Câmara (1909–1999) und die Schriftstellerin Rachel de Queiroz (1910–2003). Weblinks Website der Stadtpräfektur, Prefeitura Municipal (brasilianisches Portugiesisch) Website des Stadtrats, Câmara Municipal (brasilianisches Portugiesisch) Literatur Eustógio Wanderley Correia Dantes: Fortaleza et le Ceará. Essai de géopolitique d'un espace de colonisation tardive. De la découverte à mutation touristique contemporaine. Paris 2000. Iêda Maria Maia Pires: Les professeurs d'éducation infantile du système public de la municipalité de Fortaleza (Brésil) et leurs pratiques culturelles. Paris 2008. Paula dos Santos, Birgit Laue, Terese Parreira Vincente: „Denn im Mutirão arbeiten alle Menschen zusammen ...“. Sozialer Wohnungsbau in Fortaleza, Brasilien (= ASA-Texte. Band 9). FDCL, Berlin 1998. Einzelnachweise Ort in Ceará Município in Ceará Hauptstadt eines brasilianischen Bundesstaates Ort mit Seehafen Millionenstadt Gegründet 1726
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https://de.wikipedia.org/wiki/Fleischflosser
Fleischflosser
Die Fleischflosser (Sarcopterygii), auch Muskelflosser, sind eine der zwei Klassen der Knochenfische (Osteichthyes). Der wissenschaftliche Name dieses Taxons leitet sich von einem gemeinsamen Merkmal seiner Vertreter ab, dem Sarcopterygium (Gr.: sarx, sarko- = Fleisch, pterygion, Diminutiv von pteryx = Flügel, Flosse), einem Flossentyp mit fleischigem Stiel. Die Fleischflosser haben ihre Bedeutung vor allem dadurch, dass unter ihren fossilen Vertretern die Vorfahren der Landwirbeltiere (Tetrapoda) zu finden sind. Kladistisch gesehen beinhalten die Fleischflosser somit auch alle Landwirbeltiere (Tetrapoda) einschließlich der Säugetiere, wie die Menschen. Heute existieren noch zwei Gruppen, die Lungenfische (Dipnoi) mit sechs Arten und die Quastenflosser (Coelacanthimorpha) mit zwei Arten. Im Sinne der Kladistik sind die Fleischflosser paraphyletisch (keine geschlossene Abstammungsgemeinschaft), wenn der Begriff die Landwirbeltiere (Tetrapoda) nicht mit einschließt. Die Blütezeit der Fleischflosser ist, sieht man von den Landwirbeltieren ab, bereits lange vorüber. Fossil lassen sich die Sarcopterygii seit dem Oberen Silur vor 415 Millionen Jahren nachweisen. Im Devon waren die ursprünglich marinen Fleischflosser weltweit verbreitet und besiedelten mehrmals unabhängig voneinander das Süßwasser. Die Onychodontiformes, die Porolepiformes (von denen allerdings die Dipnoi abstammen dürften) und die Elpistostegalia starben am Ende des Devons aus, die Rhizodontiformes am Ende des Karbons und die Osteolepiformes am Ende des Perms. Merkmale Namensgebendes Kennzeichen der Fleischflosser ist der fleischige Flossenlobus der paarigen Flossen, der allerdings auch, mit einer völlig anderen inneren Anatomie, bei den Flösselhechten und einigen fossilen Strahlenflossern (Actinopterygii) auftritt. Als gemeinsames Merkmal der Klasse gilt der Bau des Flossenskeletts, das eine einzige, zum Körper verlaufende, monobasale, knöcherne Achse hat, die mit dem Schulter- und dem Beckengürtel verbunden ist und an der seitlich Radialia liegen. Dieser Knochen entspricht dem Oberarmknochen (Humerus) und Oberschenkelknochen (Femur) bei den Landwirbeltieren, ist zu ihnen also homolog. Bei den Quastenflossern gilt dieser Flossenaufbau auch für die zweite Rückenflosse und die Afterflosse. Das Skelett fossiler Formen war stärker verknöchert als das der heutigen. Viele besaßen sogar Wirbelkörper. Der hohe Knorpelanteil im Skelett der rezenten Arten ist also sehr wahrscheinlich sekundär. Neu ist auch die Vena cava caudalis, die untere Hohlvene, in der das Blut des Hinterkörpers in Richtung Herz fließt. Die ursprünglichen Venae cardinales sind reduziert. Fleischflosser haben Kosmoidschuppen. Die Cosminschicht besteht aus Schmelz und Dentin und war bei den fossilen Formen von Porenkanälen durchzogen. Der einschichtige Schmelz zeigte, ebenfalls nur bei den fossilen Formen, auf seiner Unterseite hexagonale Abdrücke der Epidermiszellen. Der Schädel der Fleischflosser entspricht dem der ursprünglichen Landwirbeltiere. Eine Ausnahme ist der der Lungenfische (Dipnoi), dessen Anatomie so verschieden ist, dass man die Einzelknochen des Lungenfischschädels kaum mit den Einzelknochen der sonstigen Sarcopterygierschädel homologisieren kann. Um das Auge haben die Fleischflosser einen Knochenring aus mindestens fünf Einzelknochen. Außer den Lungenfischen und Landwirbeltieren haben seit jeher alle Fleischflosser einen zweigeteilten Schädel: ein vorderer Teil war gegenüber dem hinteren vorne hebbar, damit mit dem Maul besser nach Beute geschnappt werden konnte. Das Gelenk verlief hinter der Hypophyse etwa auf Höhe des Trigeminus-Austritts quer durch den Kopf. Das Gehirn war meist zu klein, um davon betroffen zu sein. Ein eigenes Muskelpaar (M. basicranialis) sorgte für die Absenkung, die Rückkehr in die Ausgangslage, beim Zubeißen. Die Hebung des Vorderteils geschah mittelbar durch die Maul-Öffnung, wobei die Suspensorien vom Gaumen her nach oben drückten. Bei den Strahlenflossern wird ähnliches „eleganter“ durch Aufwärtsdrehung (vorne) des ganzen Schädels erreicht – die Fleischflosser vermieden aber durch die Schädel-Zerlegung sozusagen das „Schwindeligwerden“, da die Labyrinthe des Gleichgewichtsorgans sich im hinteren Schädelabschnitt befinden. Für aktive Schwimmer ist ein zerlegter Schädel (als „Bug“) hingegen unbrauchbar, ebenso für Fische mit Quetschgebiss (Lungenfische) und für Landtiere. Das (fossilisierte) Gelenk machte allerdings große Deutungsschwierigkeiten. Man hielt es zuerst für ein Artefakt, das heißt Bruch an einer Schwachstelle, oder dann für eine Fehlanpassung. Zwei Jahre vor Entdeckung der Latimeria stand 1936 aber durch Hermann Aldinger fest, dass diese Sarcopterygier einen durch ein großes Gelenk zweigeteilten Schädel hatten. Das Ausmaß dieser Beweglichkeit mag unterschiedlich gewesen sein. Erik Jarvik vertrat die Ansicht, dass dieses Cranialgelenk über keine Beweglichkeit verfüge, nachdem er bei dem Rhipidistier Eusthenopteron solche Basicranialmuskeln rekonstruierte. Diese Rekonstruktion ist anerkannt, während seine Annahme über die fehlende Beweglichkeit nicht geteilt wird. Systematik Die innere Systematik der Fleischflosser ist nicht unumstritten. Genetische Untersuchungen sowie die Existenz eines Lymphatischen Systems bei beiden Taxa deuten darauf hin, dass die Lungenfische den Landwirbeltieren näher stehen als die Quastenflosser. Die fossilen, zu den Landwirbeltieren führenden Formen werden als Rhipidistia bezeichnet. Das folgende Kladogramm zeigt die wahrscheinlichen Verwandtschaftsverhältnisse (nach Yu Xiaobo et al. (2010) und Brian Swartz (2010)) (Rezente Taxa in Fettschrift): Literatur Peter Ax: Das System der Metazoa III. Ein Lehrbuch der phylogenetischen Systematik. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg • Berlin, 2001, ISBN 3-8274-1179-3. Joseph S. Nelson: Fishes of the World. 4. Auflage. John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7. Hans-Peter Schultze: Sarcopterygii, Fleischflosser. In: Wilfried Westheide & Reinhard Rieger: Spezielle Zoologie Teil 2: Wirbel und Schädeltiere. 1. Auflage, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg • Berlin, 2004, ISBN 3-8274-0307-3. Volker Storch, Ulrich Welsch: Systematische Zoologie. Fischer, 1997, ISBN 3-437-25160-0. Einzelnachweise Weblinks The Tree of Life Web Project More About Lobe-Fins: Sarcopterygii
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https://de.wikipedia.org/wiki/Pontevedra
Pontevedra
Pontevedra ist eine Stadt im Nordwesten Spaniens. Sie gehört der gleichnamigen Provinz Pontevedra an, die sich innerhalb der autonomen Region Galicien befindet. Zudem liegt die Stadt an der Ría de Pontevedra und am Atlantischen Ozean. Pontevedra hat Einwohner (Stand ) und ist Provinzhauptstadt. Seewärts, südwestlich vorgelagert ist die Morraza-Halbinsel. Geographische Beschreibung Pontevedra gliedert sich in 18 Parroquias. Die Stadt liegt tief in einer Ria, der Ría de Pontevedra, an der Mündung des Flusses Lérez. Die ihr vorgelagerten Sandbänke schützen die Stadt vor den Unbilden des Meeres, was sowohl die Stadt selbst als auch ihre Bewohner prägte. Pontevedra liegt im Zentrum der Rías Baixas. Nur wenige Kilometer entfernt findet sich der See Castiñeiras, der Aussichtspunkt Couto Redondo, die Strände der Halbinseln Morrazo und Sanxenxo, das Fischerdorf Combarro oder die Illas Cíes und die Insel A Toxa. In dem Bezirk gibt es vier Gebirgszonen. Sie sind durch zwei geographische Falten gebildet, die zur Hauptstadt hin zusammenlaufen. Die erste ist eine Senke, die sich von Carballo bis Tui erstreckt und die Verkehrsachse Westgaliciens bildet. Die zweite Senke bildet das Flussbett für den Lérez. Dieser Gemeindebezirk dehnt sich am tiefsten, im landesinneren gelegenen Punkt der Ría aus, deren Namen sie auch trägt. Er nimmt die Flusstäler des Lérez und des Tomeza ein und grenzt im Süden, in Ponte Sampaio, an die Mündung des Flusses Verdugo. Der wasserreiche Fluss Lérez ist der wichtigste Fluss der Region. Die Gezeiten des Meeres wirken sich auch auf seine Mündung aus, was der Grund für die Anlegung des Hafens war, um den sich später die Stadt entwickelte. Während des gesamten Jahres regnet es bei angenehmen Temperaturen nur mäßig. Geschichte Der Legende nach wurde Pontevedra von Teukros, einem griechischen Helden des Trojanischen Krieges, um 1200 v. Chr. gegründet. Geschichtlich belegt ist dagegen die Präsenz der Römer, so dass davon auszugehen ist, dass die Stadt aus einer römischen Siedlung hervorgegangen ist. Die Römer nannten die Siedlung Ad Duos Pontes (Zu den zwei Brücken) und später Pontis Veteris (Alte Brücke), woraus sich Pontevedra entwickelte. Ein Beweis dafür, dass Pontevedra schon seit dem frühen Paläolithikum besiedelt ist, sind die auf den Terrassen der Flussufer gefundenen Äxte. Es gab auch eine Kultur der Castros (befestigte Anlagen), wie beispielsweise die an den Ausgrabungsstätten Mouronte und Salcedo gefundenen Reste zeigen. Dort fand man auch bronzene Angelhaken und Steine, die zum Fischfang benutzt wurden. Das tief mit der Stadt verwurzelte Wahrzeichen Pontevedras ist die dem griechischen Baumeister Teukros zugeschriebene römische Brücke. Dieser soll nach dem Trojanischen Krieg nach Westen gereist sein, um die Kleinstadt zu gründen. Es waren jedoch die Römer, die die Vorgängerin der heutigen Brücke Burgo über den Lérez bauten und die römische Vila Turoqua an der Römerstraße XIX gründeten. Im 12. Jahrhundert, unter der Herrschaft Fernando II., wird die Stadt in einem Dokument des Klosters Poio das erste Mal unter ihrem heutigen Namen – Pontem Vetris – erwähnt. Dieser Name weist auf die alte römische Brücke hin. Im Laufe der Zeit wurden weitere Brücken über den Lérez gebaut. Die Schaffung dieser Verkehrsverbindungen gehörten zu den Voraussetzungen für das Wachstum und die flächenmäßige Ausdehnung der Stadt. Während des 14. Jahrhunderts stärkten neue Privilegien die Vorstadt Pontevedras. Diese betrafen vor allem die Hafentätigkeiten sowie die Fischerei. Die Sardinenfischerei bildet das wichtigste wirtschaftliche Standbein: ihr Fang, der Verkauf des frischen Fisches ins Binnenland, das Pökeln, das Räuchern und der Export über den Seeweg. Dadurch wurde Pontevedra zum wichtigsten Hafen Galiciens. Die höchste wirtschaftliche und soziale Blüte erlebt Pontevedra während des 16. Jahrhunderts, vor allem durch seine für die Atlantikrouten strategisch günstige Lage und durch den sozialen Frieden. Im krassen Gegensatz dazu steht die Krise der Stadt während des 17., 18. und 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit verlor der Hafen an Bedeutung, klimatisch bedingte Katastrophen suchten Galicien während dieser Epoche heim, und das Bürgertum investierte sein Kapital lieber in sicherere Anlagen. Nach zwei Jahrhunderten der Dekadenz und Krise erlebt Pontevedra seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Etappe des wirtschaftlichen und demographischen Aufschwungs. 1999 verbannte Pontevedra Kraftfahrzeuge aus seinem historischen Zentrum und schuf so eine 300.000 m² (0,3 km²) große Fußgängerzone. Die autofreie Innenstadt verwandelte Pontevedra in eine barrierefreie Stadt, deren Lebensqualität ausgezeichnet wurde mit dem „Intermodes“-Preis 2013, dem „Habitat“-Preis 2014 und dem „Excellence Prize“ des Center for Active Design in New York City 2015. Demografische Entwicklung Sehenswürdigkeiten Das Zentrum Pontevedras bildet die von drei Plätzen umgebene Plaza Ferrería. Der Name stammt von den Eisenschmieden, die vor langer Zeit unter den Kolonnaden ihrer Arbeit nachgingen. Zusammen mit dem berühmten Brunnen Ferrería und dem Konvent San Francisco bilden sie einen für die Stadt charakteristischen Komplex. Die Basilika Santa Maria mit ihrer Plateresco-Fassade veranschaulicht die Macht der Fischereizunft und der Handelsschifffahrtsvereinigung (Gremio de Mareantes), die sich besonders in der Vorstadt Moureira konzentrierten. Pontevedra als Hauptstadt des portugiesischen Jakobsweges war ein obligatorisches Etappenziel für Millionen Pilger, die sich an dem Brunnen Ferrería erfrischten. Die Virxe Peregrina (jungfräuliche Pilgerin) symbolisiert die enge Verbindung der Stadt mit dem Jakobuskult. Die Kirche der Schutzpatronin dieser Stadt ist eine originelle Konstruktion des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Ihr Stil ist eine Symbiose aus Barock und Klassizismus mit portugiesischem Einfluss. Sie hat einen runden, einer Jakobsmuschel ähnelnden Grundriss. Das fünf Gebäude umfassende Provinzmuseum beherbergt eine wertvolle Sammlung keltischer Goldschmiedearbeiten und Utensilien des Neolithikums so wie eine Gemälde- und Bernsteinsammlung. Zu den Sakralbauten zählen die Kirche San Bartolomeo, das Kloster Santa Clara, das Kloster San Francisco und die Ruinen der Kirche San Domingos. In den Außenbezirken der Stadt befindet sich das Benediktinerkloster Lérez, dessen Kreuzgang aus dem 16. Jahrhundert zum Teil noch erhalten ist. Seine neoklassizistische Kirche mit der barocken Fassade stammt aus dem 18. Jahrhundert. Zu den Pazos (Adelsstammhäusern) als Zeugnissen der höfischen Architektur zählen die Casa del Barón (früher Pazo de Maceda), heute ein Parador National, sowie Gandarón und Miradores in Salcedo, der Pazo Lourizán, der Pazo Pedreira in Campañó und das Herrenhaus Santa Maria in Xeve. Die Illa das Esculturas de Pontevedra ist ein Skulpturenpark. Freizeit-Aktivitäten Pontevedra bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten für den Aktivurlaub, z. B. Wanderungen auf dem Jakobsweg oder auf Wegen zwischen den Rías, ausgehend von der Brücke Sampaio bis zur Stadt. Kanufahrer, Ruderer sowie Radfahrer finden hier hervorragende Voraussetzungen, um ihrem Sport nachzugehen. Feste und Veranstaltungen Pontevedra ist eine Stadt mit tief verwurzelten Traditionen. Zu seinen besonderen Festen gehört das der Maios, ein Fest zum Frühlingsanfang, und das Begräbnis des Loro Ravachol (Papagei), ein Spektakel zum Ende des Karnevals, bei dem das populäre Maskottchen geehrt wird, das seinem Herrn, Don Perfecto Feijoo, die Besuche in seiner Apotheke ankündigte. An diesem Tag und aus diesem Anlass versammeln sich dort viele Bewohner Pontevedras mit ihren Haustieren. Das Fest zu Ehren der Pilgerin im August wird unter anderem mit Stierkämpfen in der einzigen Arena Galiciens gefeiert. Die Stadt ist weiterhin Veranstaltungsort für kulturelle Ereignisse, wie der Internationalen Kunstbiennale. Im Teatro Principal finden neben Theatervorstellungen auch klassische Konzerte statt, die von der Philharmonischen Gesellschaft organisiert werden. Die Pfarreien feiern ebenfalls ihre Volksfeste. Folgende sind besonders erwähnenswert: Am 8. März ist das Caldo-Fest (typisch galicischer Eintopf) in Mourente. Am 11. Juli ist der Tag San Bieitiño de Lérez. Am 29. und 30. September sowie am 1. Oktober feiert Marcón den Tag des Heiligen Michael. Am 11. November ist das Fest zu Ehren San Martiños in Salcedo. Am 30. November findet in Xeve und in Lourizán das Fest zu Ehren des Heiligen Andreas statt. Am 1., 8., 15. und 23. jeden Monats ist Markttag in Pontevedra. Im Oktober finden die Baumesse, die Tourismusmesse und die Expovoda statt. Der Viehmarkt und eine Ausstellung und Verkauf von landwirtschaftlichen Maschinen und Produkten wird am 1. und 15. jeden Monats abgehalten. Sport Der Verein Club Cisne de Balonmano spielt in der ersten spanischen Handball-Liga. Dort war auch der SD Teucro 18 Saisonen lang vertreten. Söhne und Töchter der Stadt Manuel Quiroga Losada (1892–1961), Geiger Eduardo Fajardo (1924–2019), Schauspieler María Inmaculada Paz-Andrade (1928–2022), Physikerin und Hochschullehrerin Jorge Castillo (* 1933), Künstler José Méndez (1937–2021), Ruderer und Sportfunktionär Francisco Millán Mon (* 1955), Politiker und Diplomat Ana María Penas (* 1971), Kanutin Marcos Serrano (* 1972), Radrennfahrer David García (* 1977), Radrennfahrer Óscar Pereiro (* 1977), Radrennfahrer Lourdes Domínguez Lino (* 1981), Tennisspielerin Diego Castro (* 1982), Fußballspieler Celso Míguez (* 1983), Automobilrennfahrer Alexandre Chan Blanco (* 1993), amerikanisch-spanischer Handballspieler Teresa Abelleira (* 2000), Fußballspielerin Carlos Álvarez Domínguez (* 2003), Handballspieler Weblinks Concello de Pontevedra — Offizielle Website der Stadt Pontevedra (spanisch) Informationen zu Pontevedra (galicisch, spanisch, englisch, französisch) Einzelnachweise Ort in Galicien Ort mit Seehafen Provinzhauptstadt in Spanien Conjunto histórico-artístico Stadt in Spanien
Q12411
89.929735
6774
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1780
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Europa 16. Januar: In der Seeschlacht bei Kap St. Vincent während der Belagerung von Gibraltar vernichtet eine britische Flotte unter Admiral George Rodney, 1. Baron Rodney ein spanisches Geschwader und kann Verstärkungen in das von Spaniern und Franzosen belagerte Gibraltar bringen. Von den neun spanischen Linienschiffen werden sechs erobert, ein weiteres versenkt. 2. Juni: Unter der Führung von Lord George Gordon brechen in London die Gordon Riots aus. Die schweren Unruhen gegen die Emanzipation der Katholiken fordern bis zu ihrer endgültigen Niederschlagung am 17. Juni 285 Todesopfer. 20. November: Großbritannien erklärt den Niederlanden den Krieg. Der vierte englisch-niederländische Krieg dauert bis 1784. 29. November: Nach dem Tod der Kaiserin Maria Theresia wird ihr Sohn Joseph II. zum alleinigen Regenten des Habsburgerreiches. Nordamerika April: Bei der Gouverneurswahl in New York wird George Clinton wiedergewählt. 29. Mai: Im Gefecht von Waxhaw besiegen britische Kavalleristen unter dem Befehl von Banastre Tarleton eine Einheit der Kontinentalarmee Virginias. 15. Juni: Die Verfassung von Massachusetts wird beschlossen und tritt am 25. Oktober in Kraft. Massachusetts schreibt in seiner Verfassung eine Freiheitsklausel fest, die als Verbot der Sklaverei interpretiert wird. 16. August: Die Schlacht von Camden endet mit einem vollständigen Sieg der britischen Truppen unter Charles Cornwallis über eine zahlenmäßig überlegene amerikanische Armee unter Horatio Gates. 18. August: In der Schlacht von Musgrove Mill besiegen etwa 300 Mann einer patriotischen Miliz eine aus 300 Mann loyalistischer Milizen und 300 Mann britischer Soldaten aus dem nahe gelegenen Fort Ninety Six bestehende Einheit. Die Schlacht stellt einen frühen Wendepunkt auf dem südlichen Kriegsschauplatz des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges dar. 2. Oktober: Der britische Offizier John André wird in Tappan, New York, als Spion gehängt. 7. Oktober: Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg setzen sich in der Schlacht am Kings Mountain die Kolonisten gegen eine Einheit der britischen Truppen unter Patrick Ferguson durch. Pennsylvania beschließt die stufenweise Freilassung aller Sklaven. Sklaven, die nach 1780 geboren sind, werden fortan bei der Vollendung des 28. Lebensjahres freigelassen. Die Underground Railroad wird gegründet, ein informelles Netzwerk aus Gegnern der Sklaverei in den Vereinigten Staaten, das flüchtigen Sklaven Schutz und Unterstützung gewährt. Lateinamerika Ausbruch des größten andinen Indianeraufstandes unter Führung von José Gabriel Condorcanqui, der sich nach dem letzten Inkaherrscher Túpac Amaru benennt. Der Aufstand erfasst größere Gebiete im heutigen Peru, Ecuador, Bolivien und im Norden Argentiniens. Wirtschaft 1. Januar: In Preßburg erscheint die erste ungarische Zeitung Magyar hímondó (Ungarischer Kurier). 12. Januar: Die von Salomon Gessner gegründete Zürcher Zeitung erscheint mit ihrer Erstausgabe. Wissenschaft und Technik 16. April: Die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster wird eröffnet. 4. Mai: Die American Academy of Arts and Sciences wird gegründet. Die Transylvania University in Lexington, Kentucky, wird gegründet. Kultur Literatur 6. September: Johann Wolfgang von Goethe schreibt mit Bleistift an die Holzwand einer Jagdhütte auf dem Kickelhahn bei Ilmenau in Thüringen Wandrers Nachtlied – Ein Gleiches. Gotthold Ephraim Lessing veröffentlicht Die Erziehung des Menschengeschlechts. Musik und Theater 7. April: In Bordeaux wird das von Victor Louis im Stil des italienischen Klassizismus errichtete Grand Théâtre eröffnet, das von Zeitgenossen als größtes und schönstes Theater in Frankreich bezeichnet wird. Gespielt wird bei der Festveranstaltung Jean Racines Drama Athalie aus dem Jahr 1691. 4. Juni: Die Uraufführung der Oper La finta Amante von Giovanni Pacini findet in Mogiljow am Dnjepr statt. 23. September: Die Oper Adelheit von Veltheim von Christian Gottlob Neefe wird in Frankfurt am Main uraufgeführt. Johann Andreas Cramer, Kanzler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, gibt in Altona das Cramersche Gesangbuch heraus. In einem englischen Kinderbuch wird erstmals das Weihnachtslied The Twelve Days of Christmas veröffentlicht. Sonstiges 12. November: In Wolfersdorf, einem Ort in der Hallertau, missachten vier Bauernburschen ein Tanzverbot. Der Volkstanz Zwiefacher wird deshalb im Gerichtsprotokoll erstmals dokumentiert. Gesellschaft Der englische Zeitungsverleger und Sozialreformer Robert Raikes gründet in Gloucester die erste Sonntagsschule. Religion Die von Dominikus Zimmermann im Stil des Rokoko errichtete Frauenkirche in Günzburg wird geweiht. Der buddhistische Xumi-Fushou-Tempel, einer der Acht Äußeren Tempel in Chengde in der chinesischen Provinz Hebei, wird im Baustil der Han-Chinesen und der Tibeter zur Feier des 70. Geburtstags des Kaisers Qianlong errichtet, zu der der VI. Penchen Lama der Gelug-Tradition des tibetischen Buddhismus, einer der beiden religiösen und politischen Führer Tibets, seine Glückwünsche überbringen kommt. Katastrophen 8. Januar: Die iranische Stadt Täbris und rund 400 Dörfer in der Region werden durch ein schweres Erdbeben zerstört, wobei mindestens 50.000 Menschen das Leben verlieren. 18. September: Einem schweren Stadtbrand in Gera fällt so gut wie die gesamte Altstadt zum Opfer. 10. bis 16. Oktober: Rund 22.000 Menschen sterben, als der Große Hurrikan von 1780 über die Karibikinseln Martinique, St. Eustatius und Barbados hinwegfegt. Dazu verlieren tausende von Seeleuten ihr Leben in Seenot. 31. Oktober: Das britische Kriegsschiff Ontario versinkt mit 130 Menschen an Bord in einem Sturm im Ontariosee. Es gibt keine Überlebenden. Natur und Umwelt 19. Mai: Im Gebiet von Neuengland ist es untertags ungewöhnlich dunkel. Die Gründe für den Dark Day sind bis heute nicht genau geklärt. Sport 4. Mai: Das erste Derby im Pferdesport wird im englischen Epsom ausgetragen. Historische Karten und Ansichten Geboren Erstes Quartal 3. Januar: Johann Christian Woyzeck, deutscher Perückenmacher, Vorlage für die Hauptfigur in Büchners Drama „Woyzeck“ († 1824) 4. Januar: Théophile Marion Dumersan, französischer Bühnenautor, Lyriker, Librettist und Numismatiker († 1849) 8. Januar: Franz Ludwig von Könitz, deutscher Offizier, Gutsbesitzer und Landtagsabgeordneter († 1840) 10. Januar: Martin Lichtenstein, deutscher Physiker, Forscher und Zoologe († 1857) 13. Januar: Vinzenz Adelmann, deutscher Mediziner († 1850) 13. Januar: Pierre Jean Robiquet, französischer Chemiker († 1840) 14. Januar: Henry Baldwin, US-amerikanischer Politiker und Jurist († 1844) 15. Januar: John Leeds Kerr, US-amerikanischer Politiker († 1844) 15. Januar: Cornelius P. Comegys, US-amerikanischer Politiker († 1851) 21. Januar: Rai San’yō, japanischer Historiker und Dichter († 1832) 28. Januar: Giovanni Battista Velluti, italienischer Opernsänger, letzter der großen Kastraten († 1861) 29. Januar: Gustav Kalixt von Biron, deutscher Generalleutnant in den Koalitionskriegen († 1821) 29. Januar: Marianne von der Mark, illegitime Tochter des preußischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm II. († 1814) 31. Januar: Ignaz Bruder, deutscher Orgelbauer († 1845) 2. Februar: Jan van den Bosch, niederländischer Generalleutnant († 1844) 11. Februar: Karoline von Günderrode, deutschsprachige Schriftstellerin († 1806) 14. Februar: Johann Friedrich Naumann, deutscher Naturkundler und Begründer der Vogelkunde in Mitteleuropa († 1857) 18. Februar: Johann Georg Daniel Arnold, deutscher Jurist und Schriftsteller († 1829) 19. Februar: Friedrich Heinrich von der Hagen, deutscher Germanist († 1856) 26. Februar: August Thieme, deutscher Dichter († 1860) 26. Februar: Christian Samuel Weiss, deutscher Mineraloge und Kristallograph († 1856) 8. März: Thomas Carr, US-amerikanischer Musikverleger, Komponist und Organist († 1849) 10. März: Eberhard Gottlieb Graff, deutscher Sprachforscher († 1841) 10. März: Juan José Landaeta, venezolanischer Komponist († 1814) 17. März: Thomas Chalmers, schottischer Schriftsteller und Begründer der Freien Kirche Schottlands († 1847) 17. März: August Crelle, deutscher Mathematiker, Architekt und Ingenieur († 1855) 19. März: Miloš Obrenović, Fürst von Serbien († 1860) 19. März: Franz Theremin, deutscher evangelischer Theologe († 1846) 20. März: José Joaquín de Olmedo, ecuadorianischer Jurist, Politiker und Chef der Übergangsregierung von 1845 († 1847) 26. März: Julius Eduard Hitzig, deutscher Schriftsteller und Kammergerichtsrat († 1849) 27. März: Vincenz von Augustin, österreichischer Feldzeugmeister († 1859) 29. März: Johann Georg Bausback, deutscher Jurist († 1851) Zweites Quartal 7. April: William Ellery Channing, US-amerikanischer Redner, Theologe und Autor († 1842) 10. April: George Armistead, US-amerikanischer Lieutenant Colonel († 1818) 10. April: Léon Dufour, französischer Arzt und Naturforscher († 1865) 14. April: Joseph von Winiwarter, österreichischer Jurist und Hochschullehrer († 1848) 16. April: Otto August Rühle von Lilienstern, preußischer General († 1847) 26. April: Gotthilf Heinrich von Schubert, deutscher Wissenschaftler († 1860) 29. April: Charles Nodier, französischer Schriftsteller († 1844) 30. April: Karl Christian Gottlieb Sturm, deutscher Agrarökonom († 1826) 1. Mai: Hubert Auer, Fürstbischöflicher Delegat, Propst und Dompropst († 1836) 1. Mai: Christine Friederike Auguste, Kurfürstin von Hessen († 1841) 1. Mai: Philipp Konrad Marheineke, deutscher Theologe († 1846) 1. Mai: John McKinley, US-amerikanischer Politiker und Jurist († 1852) 9. Mai: William J. Duane, US-amerikanischer Politiker († 1865) 10. Mai: Angelica Catalani, italienische Opernsängerin († 1849) 11. Mai: Karl Benedikt Hase, deutscher Altphilologe und Bibliothekar († 1864) 14. Mai: Gian Menico Cetti, Schweizer Übersetzer († 1817) 14. Mai: Jules de Polignac, Premierminister von Frankreich († 1847) 20. Mai: Bernardino Rivadavia, argentinischer Staatsmann und erster Präsident († 1845) 21. Mai: Elizabeth Fry, britische Reformerin des Gefängniswesens († 1845) 28. Mai: Antonie Brentano, möglicherweise Beethovens Geliebte († 1869) 2. Juni: Heinrich Leonhard Heubner, deutscher lutherischer Theologe († 1853) 16. Juni: Christian Gottlieb Kühn, deutscher Bildhauer († 1828) 21. Juni: Martin D. Hardin, US-amerikanischer Politiker († 1823) Drittes Quartal 1. Juli: Carl von Clausewitz, preußischer General und „Kriegsphilosoph“ († 1831) 1. Juli: Ludwig Philipp von Bombelles, österreichischer Diplomat († 1843) 3. Juli: Friedrich Johann Gottlieb Lieder, deutscher Porträtmaler und Lithograf († 1859) 5. Juli: Francesco Antommarchi, französischer Arzt († 1838) 6. Juli: Jean Baptiste Bory de Saint-Vincent, französischer Naturwissenschaftler, Botaniker und Oberst († 1846) 9. Juli: Ephraim Bateman, US-amerikanischer Politiker († 1829) 10. Juli: Franz Ignatz Cassian Hallaschka, mährischer Naturforscher, Mathematiker, Physiker und Astronom († 1847) 15. Juni: Theodor Graf Baillet von Latour, österreichischer Kriegsminister († 1848) 18. Juni: Michael Henkel, deutscher Komponist († 1851) 18. Juli: Bartolomeo Ferrari, italienischer Bildhauer († 1844) 25. Juli: Christian Theodor Weinlig, deutscher Musiklehrer, Komponist und Chordirigent († 1842) 10. August: Friedrich Joseph Haass, deutsch-russischer Mediziner († 1853) 16. August: Jakob Joseph Wandt, von 1842 bis 1849 der dritte Bischof von Hildesheim († 1849) 17. August: Ignaz Paul Vitalis Troxler, Schweizer Arzt, Politiker und Philosoph († 1866) 19. August: Pierre-Jean de Béranger, französischer Dichter († 1857) 21. August: Jernej Kopitar, slowenischer Sprachwissenschaftler und Slawist († 1844) 29. August: Jean-Auguste-Dominique Ingres, französischer Maler des Klassizismus († 1867) 3. September: Georg Heinrich Lünemann, deutscher Altphilologe und Lexikograf († 1830) 3. September: Heinrich Christian Schumacher, dänisch-deutscher Astronom († 1850) 8. September: Sebald Brendel, deutscher Jurist und Hochschullehrer († 1844) 8. September: George Troup, US-amerikanischer Politiker († 1856) 22. September: Joseph Agricol Viala, französischer Nationalgardist († 1793) 23. September: Julie Philippine Clara Auguste Anschel, deutsche Schriftstellerin und Schauspielerin († 1826) 24. September: Hendrik Tollens, niederländischer Schriftsteller flämischer Herkunft († 1856) 25. September: Charles Robert Maturin, irischer protestantischer Geistlicher († 1824) 28. September: Élie Decazes, französischer Staatsmann († 1860) Viertes Quartal 1. Oktober: Göran Wahlenberg, schwedischer Botaniker († 1851) 5. Oktober: Benedict Arnold, US-amerikanischer Politiker († 1849) 6. Oktober: John Chambers, US-amerikanischer Politiker († 1852) 15. Oktober: Siegmund Peter Martin, deutscher Politiker († 1834) 17. Oktober: Ludwig Wilhelm Zimmermann, deutscher Chemiker, Mineraloge und Hochschullehrer († 1825) 20. Oktober: Pauline Bonaparte, Schwester von Napoleon Bonaparte († 1825) 22. Oktober: John Forsyth, US-amerikanischer Politiker († 1841) 23. Oktober: Joseph Alois Graf von Attems-Heiligenkreuz, österreichischer Feldmarschalleutnant und Landkomtur des Deutschen Ordens († 1871) 25. Oktober: Freeman Walker, US-amerikanischer Politiker († 1827) 28. Oktober: Ernst Anschütz, deutscher Theologe, Pädagoge und Dichter († 1861) 29. Oktober: Carl Friedrich Emil von Ibell, nassauischer Regierungspräsident des Herzogtums Nassau († 1834) 3. November: Victor Dourlen, französischer Komponist († 1864) 4. November: Philippe-Paul de Ségur, französischer Oberst († 1873) 8. November: Samuel Foot, US-amerikanischer Politiker († 1846) 9. November: Martin Anwander, österreichischer Orgelbauer († 1838) 12. November: Pieter Retief, burischer Voortrekker († 1838) 13. November: Ranjit Singh, erster Herrscher des geeinigten Punjab († 1839) 15. November: Heinrich Friedrich Theodor Kohlrausch, deutscher Pädagoge und Historiker († 1867) 16. November: James FitzGibbon, britischer Offizier († 1863) 22. November: Conradin Kreutzer, deutscher Komponist († 1849) 26. November: María Teresa de Borbón y Vallabriga, Gräfin von Chinchón und Markgräfin von Boadilla del Monte († 1828) 28. November: Karl Wilhelm Ferdinand Solger, deutscher Ästhetiker († 1819) 1. Dezember: Bernhard Rudolf Abeken, deutscher Philologe und Schulmann († 1866) 2. Dezember: August von der Embde, deutscher Maler († 1862) 2. Dezember: Otto von Münchhausen, preußischer Landrat († 1872) 5. Dezember: Heinrich August Schott, deutscher lutherischer Theologe († 1835) 10. Dezember: Johann Friedrich von Türckheim, elsässisch-französischer Politiker († 1850) 13. Dezember: Johann Wolfgang Döbereiner, deutscher Chemiker († 1849) 14. Dezember: Karl Robert von Nesselrode, russischer Diplomat und Staatsmann († 1862) 16. Dezember: Iver Hesselberg, norwegischer Pfarrer und Autor († 1844) 20. Dezember: John Wilson Croker, englischer Parlamentsredner, Dichter und Journalist († 1857) 26. Dezember: Mary Somerville, schottische Astronomin und Mathematikerin († 1872) 29. Dezember: Jakob Moralt, deutscher Musiker († 1820) 30. Dezember: Johann Friedrich Heinrich Schlosser, deutscher Jurist und kaiserlicher Rat († 1851) 31. Dezember: Nehemiah R. Knight, US-amerikanischer Politiker († 1854) 31. Dezember: Gideon Tomlinson, US-amerikanischer Politiker († 1854) Genaues Geburtsdatum unbekannt Johann Adam Ackermann, deutscher Landschaftsmaler († 1853) Michael Friedrich Adams, deutsch-russischer Botaniker und Naturwissenschaftler († 1838) Francis Vyvyan Jago Arundell, britischer Geistlicher und Forschungsreisender († 1846) Atçalı Kel Mehmet Efe, osmanischer Zeybek († 1830) Daniel Martin, US-amerikanischer Politiker († 1831) Ignaz Stupan von Ehrenstein, österreichischer Hofrat († 1840) Thomas Hill Williams, US-amerikanischer Politiker († 1840) Geboren um 1780 Friedrich Haberkorn, deutscher Sänger, Schauspieler und Theaterdirektor († 1826) Gestorben Erstes Halbjahr 1. Januar: Johann Ludwig Krebs, deutscher Komponist und Organist (* 1713) 10. Januar: Francesco Antonio Vallotti, italienischer Komponist, Musiktheoretiker und Organist (* 1697) 21. Januar: Johann Gottlieb Frenzel, deutscher Jurist, Historiker und Philosoph (* 1715) 24. Januar: Hiraga Gennai, japanischer Gelehrter, Erfinder und Schriftsteller (* 1728) 24. Januar: Christian Ludwig von Hagedorn, deutscher Kunsttheoretiker und -sammler (* 1712) 31. Januar: Jonathan Carver, US-amerikanisch-englischer Entdecker (* 1732) 4. Februar: Giovanni Battista Passeri, italienischer Archäologe (* 1694) 14. Februar: William Blackstone, englischer Jurist (* 1723) 16. Februar: Johann Aloys I. zu Oettingen-Spielberg, Fürst des Fürstentums Oettingen-Spielberg (* 1707) 17. Februar: Alexius Scheltinga, russischer Forschungsreisender (* 1717) 18. Februar: Kristijonas Donelaitis, litauischer Schriftsteller (* 1714) 22. Februar: Francesco III. d’Este, Herzog von Reggio und Modena (* 1698) 3. März: Joseph Highmore, britischer Maler (* 1692) 22. März: Anna Maria Theresia von der Recke zu Steinfurt, Äbtissin im Stift Nottuln (* vor 1723) 26. März: Karl I., Herzog von Braunschweig (* 1713) 2. April: Anna Wilhelmine, Prinzessin von Anhalt-Dessau (* 1715) 11. April: Moritz Wilhelm von der Asseburg, preußischer Generalmajor (* 1698) 21. April: Carl Deichman, norwegischer Fabrikbesitzer und Büchersammler (* 1700 oder 1705) 21. April: Ferdinand Zellbell, schwedischer Komponist (* 1719) 21. April: Johann Samuel Wiesner, deutscher evangelischer Theologe, Pädagoge und Orientalist (* 1723) 23. April: Maria Antonia von Bayern, bayerische Kunstmäzenin und Komponistin, Malerin und Dichterin (* 1724) 18. Mai: Charles Hardy, britischer Gouverneur der Provinz New York (* um 1714) 21. Mai: Franz Balthasar Schönberg von Brenkenhoff, preußischer Staatswirt (* 1723) 26. Mai: Hans von Ahlefeldt, deutscher Geheimrat und Amtmann (* 1710) 2. Juni: Józef Baka, polnischer Jesuitenpater, Missionar, Prediger und Dichter (* 1707) 3. Juni: Thomas Hutchinson, letzter ziviler Gouverneur der Province of Massachusetts Bay (* 1711) 18. Juni: Johann Philipp Seuffert, deutscher Orgelbauer (* 1693) 19. Juni: Odano Naotake, japanischer Maler (* 1750) 20. Juni: Johann Gottlob Böhme, deutscher Historiker (* 1717) 30. Juni: Karl Paul Ernst von Bentheim-Steinfurt, deutscher Adliger (* 1729) Zweites Halbjahr 1. Juli: Stephen Crane, Delegierter von New Jersey im Kontinentalkongress (* 1709) 4. Juli: Karl Alexander von Lothringen, deutscher Hochmeister des Deutschen Ordens (* 1712) 8. Juli: Gerhard Schöning, norwegischer Historiker (* 1722) 21. Juli: Friedrich Christian Struve, deutscher Mediziner und Hochschullehrer (* 1717) 3. August: Étienne Bonnot de Condillac, französischer Philosoph der Aufklärung (* 1714) 6. August: Joseph Wanton, Vizegouverneur der Colony of Rhode Island and Providence Plantations (* 1730) 17. August: Ferdinand Stosch, deutscher reformierter Theologe (* 1717) 19. August: Johann von Kalb, deutsch-US-amerikanischer General während der Amerikanischen Revolution (* 1721) 27. August: Johann Wilhelm Fuhrmann, deutscher evangelischer Theologe und Hochschullehrer (* 1750) 4. September: John Fielding, britischer Richter, The Blind Beak of Bow Street (* 1721) 6. September: Françoise Basseporte, französische Malerin (* 1701) 8. September: Jeanne-Marie Leprince de Beaumont, französische Schriftstellerin (* 1711) 8. September: Enoch Poor, US-amerikanischer Brigadegeneral in der Kontinentalarmee im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (* 1736) 15. September: Jacob Rodrigues Pereira, portugiesischer Gehörlosenlehrer, der erste Lehrer von tauben Schülern in Frankreich (* 1715) 16. September: Heinrich IX., Graf Reuß zu Köstritz (* 1711) 23. September: Ernst Friedrich III., Herzog von Sachsen-Hildburghausen (* 1727) 2. Oktober: John André, britischer Offizier (* 1750) 6. Oktober: Ignaz Sichelbarth, deutsch-böhmischer Jesuiten-Missionar und Maler (* 1708) 14. Oktober: Johann Georg Fischer, deutscher Orgelbauer (* 1697) 19. Oktober: Johann Heinrich Roth, deutscher Baumeister (* 1729) 12. November: Johann Gottfried Weller, deutscher evangelischer Geistlicher und Historiker (* 1712) 17. November: Bernardo Bellotto, italienischer Maler (* 1721) 29. November: Maria Theresia, römisch-deutsche Kaiserin, Erzherzogin von Österreich, Königin von Ungarn, Kroatien und Slawonien, Königin von Böhmen sowie Herzogin von Parma, Mailand und Luxemburg (* 1717) 29. November: Hieronymus David Gaub, deutscher Mediziner und Chemiker (* 1705) 1. Dezember: Johan Ihre, schwedischer Sprachforscher (* 1707) 14. Dezember: Ignatius Sancho, englischer Komponist und Schriftsteller afrikanischer Herkunft (* 1729) 21. Dezember: Christiana Regina Hetzer, erste Hausherrin des Gohliser Schlösschen zu Leipzig (* 1724) Genaues Todesdatum unbekannt Heinrich Bernhard Austin, preußischer Beamter und Gutsbesitzer (* 1723) Johann Baptist Georg Neruda, böhmischer Violinist, Dirigent und Komponist (* 1707) Weblinks
Q7716
307.684526
314469
https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinde
Gemeinde
Als Gemeinde oder politische Gemeinde (auch Kommune) bezeichnet man Gebietskörperschaften (territoriale und hoheitliche Körperschaften des öffentlichen Rechts), die im öffentlich-verwaltungsmäßigen Aufbau von Staaten meistens die kleinste räumlich-administrative, also politisch-geographische Verwaltungseinheit darstellen. Arten von Kommunen und Siedlungsformen Als Gemeindeebene oder Kommunalebene bezeichnet man die politische Ebene, die dem Gebiet einer kommunalen Gebietskörperschaft zugeordnet ist. In Deutschland gehören zur Kommunalebene auch die Landkreise. In manchen Staaten wird der Begriff in der LAU-2, in anderen Staaten als LAU-1-Ebene eingeordnet. Die Begriffe Kommunalebene und Gemeindeebene sind daher oft nicht synonym. Zu beachten ist, dass in Deutschland zwar jede Stadt eine Gemeinde, aber nicht jede Gemeinde eine Stadt ist. Heute besitzen Städte oft nur noch ein einziges Vorrecht im Vergleich zu anderen Gemeinden, und zwar das, sich „Stadt“ nennen zu dürfen. In manchen Ländern Deutschlands können nur bestimmte Städte (kreisfreie Städte und Städte mit einem Sonderstatus) Vorzüge gegenüber anderen Gemeinden erhalten. Zu den Kommunen gehören in einigen Bundesländern auch Märkte und Flecken, Gebietskörperschaften mit einem eigenen offiziellen Status. Siedlungsformen ohne offiziellen Status sind Dörfer, Bauerschaften bzw. Weiler (und solche Stadtviertel, die nicht als Stadtbezirk im rechtlichen Sinn gelten), wie z. B. Kiez. Politik und Verwaltung in Kommunen Bei Kommunalwahlen werden in der Bundesrepublik Deutschland im Zuge der kommunalen Selbstverwaltung als Vertretung der einheimischen Bevölkerung nicht nur Stadt- und Gemeinderäte, sondern auch die Abgeordneten von Kreistagen und (in größeren Städten und Stadtstaaten) Vertreter der Stadtbezirke sowie oftmals auch (Ober-)Bürgermeister und Landräte gewählt. Die Gemeindeverwaltung ist die Gesamtheit aller Organe, Ämter und Behörden der Gemeinde. Das Gebäude des Verwaltungssitzes wird im deutschen Sprachraum regional unterschiedlich Rathaus, Stadthaus, Gemeindehaus oder Gemeindeamt genannt. Die kleinsten Kommunen Deutschlands (Dierfeld in Rheinland-Pfalz und Wiedenborstel in Schleswig-Holstein) sind aus ehemalige Gutshöfen entstanden. Geschichte Im späten 11. Jahrhundert setzte im westlichen Teil des Heiligen Römischen Reiches eine Bewegung ein, die in den Quellen mit den Begriffen coniuratio oder communio bezeichnet wird. In Le Mans verbreitete sich im Jahre 1070 eine „Verschwörung, die sie Kommune nannten“. Später beschworen die Bürger von Cambrai im Jahre 1077 eine schon lange geplante „Kommune“. Sie nutzten die Abwesenheit des bischöflichen Stadtherrn. Sie beschworen untereinander durch Eid, dem Bischof den Eintritt in die Stadt zu verwehren, wenn er die neue Eidgenossenschaft nicht anerkennt. Zwar wurde diese erste Kommune niedergeschlagen und wieder aufgelöst; dennoch zog sich der Kampf der Bürger von Cambrai um Wehrhoheit, Gerichtsbarkeit und städtische Selbstverwaltung bis in die 20er Jahre des 13. Jahrhunderts. Aber auch in anderen Städten des deutschen Sprachraums gab es kommunale Bewegungen. So 1074 in Köln gegen den Erzbischof von Köln und 1073 in Worms. In beiden Fällen ging es um die Erreichung größerer Freiheiten vom feudalen Stadtherrn, insbesondere von geistlichen Herren. Der Stadtherr übte mit seinen Dienstleuten und Amtsträgern die Gerichts- und Verwaltungsbefugnisse in der Stadt aus, er hatte Gewalt über die Befestigungen der Stadt, übte Markt- und Zollrechte aus und bezog Einnahmen daraus. Sehr oft gehörte dem Stadtherrn auch der Grund und Boden der Stadt, sodass für dessen Nutzung für Bauten und die Wirtschaftstätigkeiten Abgaben zu zahlen waren. Weiterhin standen viele Bürger in einem persönlichen Abhängigkeitsverhältnis zum Stadtherrn. Quellen zufolge kritisierten insbesondere die zu Reichtum gelangten Kaufleute die Herrschsucht der Stadtherren. Die vielschichtigen Gründe führten aber dazu, dass nicht nur die Kaufleute und Handwerker aufbegehrten, sondern sich auch in die Stadt geflüchtete hörige Bauern, Ministeriale und abhängige Dienstleute dem Kampf um die Kommune anschlossen. In der Schweiz hat sich wegen fehlender bzw. schwacher Zentralmächte ein ausgeprägter Kommunalismus entwickelt. Bis heute gilt die Schweizer Gemeinde als Ausgangspunkt der politischen Selbstverwaltung und Selbstbestimmung. Schweizer Gemeinden verfügen über ein hohes Maß an Autonomie, einschließlich der Steuerautonomie. Der Historiker Peter Jósika bezeichnet das in der Schweiz praktizierte System der kommunalen Selbstbestimmung als Vorbild für die Überwindung nationalistischer und zentralistischer politischer Strukturen sowie den Aufbau eines zukünftigen Vereinten „Europas der Regionen“. Rechtliche Situation nach Staat Deutschland In Deutschland benutzt man für Orte oder Städte als politische Gemeinde oder Ortsgemeinde meist den einfachen Ausdruck „Gemeinde“, der aber auch andere regionalspezifische Gemeindeformen beinhaltet. Die Gemeindeordnungen werden von den Ländern beschlossen. Interkommunale Kooperationen, die eine eigene Rechtspersönlichkeit erfordern, erfolgen im Rahmen eines Gemeindeverbandes. In Deutschland wird die Gemeinde in der LAU-2-Ebene (der früheren NUTS5) eingeordnet, während die Verwaltungsgemeinschaften in LAU-1 eingereiht werden. Österreich In Österreich benutzt man meist den einfachen Ausdruck Gemeinde, der aber auch andere regionalspezifische Gemeindeformen beinhaltet. Sämtliche Gemeinden in Österreich werden bei LAU-2 eingeordnet. Die LAU-1-Ebene wird nicht verwendet. Schweiz Die Bezeichnung politische Gemeinde (, , , ) wird in der Schweiz aufgrund einer intensiveren Präsenz der Bezeichnungen weiterer Gemeindearten sehr viel häufiger, verbindlicher und auch amtlich benutzt. Ferner kann dort darunter auch die Gesamtheit aller stimmberechtigten Einwohner einer politischen Gemeinde verstanden werden; der Begriff der ‚Gemeinde‘ bezeichnet dann die Stimmgemeinde bzw. umgangssprachlich das Stimmvolk. Gemeindebegriffe in der Schweiz: Politische Gemeinde, auch Einwohnergemeinde, Munizipalgemeinde, , Munizipalgemeinde (Kanton Thurgau) Bürgergemeinde, auch Burgergemeinde, Ortsgemeinde, Ortsbürgergemeinde, , Burgergemeinde Korporationsgemeinde Einheitsgemeinde Gemischte Gemeinde Pfarrgemeinde Kirchgemeinde Schulgemeinde Feuerschaugemeinde Bäuert Fraktionsgemeinde Viertelsgemeinde Zivilgemeinde Liechtenstein Liechtenstein gliedert sich seit 1808 in elf Politische Gemeinden, kurz Gemeinde genannt. Sie bilden die untere Stufe im zweistufigen staatlichen Verwaltungsaufbau. Belgien Die untere Ebene des belgischen Verwaltungssystems stellen die 589 Gemeinden Belgiens dar. Wie in Deutschland handelt sich hierbei um LAU-2-Einheiten, ehemals NUTS-5. Unterhalb dieser Ebene werden die bis zur Gemeindefusion im Jahr 1977 selbständigen Gemeinden heute als Teilgemeinden bezeichnet. Weitere Länder Albanien: siehe Bashkia, Komuna Brasilien: siehe Liste (Gemeinden in Brasilien) China: siehe Gemeinde (China) Dänemark: siehe Kommune (Dänemark) Finnland: siehe Gemeinde (Finnland) Frankreich: siehe Gemeinde (Frankreich) Italien: siehe Italienische Gemeinden Iran: siehe Dehestan Jugoslawien und dessen Nachfolgestaaten Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Nordmazedonien: siehe Opština Kanada: siehe Rural municipality Kolumbien: siehe Municipio (Kolumbien) Kosovo: siehe Liste der Gemeinden des Kosovo Niederlande: siehe Gemeinde (Niederlande) Norwegen: siehe Kommune (Norwegen) Osttimor: siehe Gemeinde (Osttimor) Polen: siehe Gmina Portugal: siehe Freguesia Schweden: siehe Gemeinde (Schweden) Slowakei: siehe Gemeinde (Slowakei) Spanien: siehe Municipio Südafrika: siehe Gemeinde (Südafrika) Japan: siehe Gemeinde (Japan) Ukraine: siehe Hromada (Verwaltungseinheit) Vereinigte Staaten: siehe Town, City, Township Siehe auch Amtlicher Gemeindeschlüssel Gemeindefreiheit Gemeindefreies Gebiet Gemeinden der Staaten Europas Literatur Weblinks Einzelnachweise Verwaltungsrecht
Q15284
1,999.934732
869995
https://de.wikipedia.org/wiki/Isofix
Isofix
Isofix (auch ISOFIX) ist ein besonders sicheres und einfach zu bedienendes Befestigungssystem für Kindersitze in Automobilen, bei dem eine starre Verbindung zwischen Karosserie und Kindersitz hergestellt wird. Das System ist nach der Norm ISO 13216 standardisiert, wonach es seinen Namen bekam. 2013 wurde durch ECE R 129 die Isofix-Befestigung erstmals für einige Kindersitzkategorien gesetzlich zur Pflicht. Durch die ECE R 145 wurde das System für alle Fahrzeuge in den Vertragsstaaten der UN ECE eingeführt. Man unterscheidet dabei die Isofix-Systeme in „fahrzeugspezifische Zulassung“ und „Universal-Zulassung“. Bei der fahrzeugspezifischen Zulassung ist zu prüfen, ob der betreffende Sitz für das betreffende Fahrzeug zugelassen ist. Sitz- und Fahrzeughersteller veröffentlichen entsprechende Listen. Geschichte Die International Organization for Standardization definierte den Standard ISO 13216 (Isofix-Halterung) erstmals im Jahr 1990 und gab das System für die drei Gruppen 0, 0+ und 1 frei. 1995 kündigte Ford an, fortan seine Fahrzeuge mit Isofix-Halterungen auszustatten. Das Unternehmen wagte diesen Vorstoß, nachdem beim bisherigen Entwicklerkonsortium Stillstand herrschte. Im Oktober 1995 bekam das System seine Zulassung durch die Europäische Kommission und die FIA. Seit der Jahrtausendwende wurde das System nahezu bei allen Fahrzeug- und Kindersitzherstellern eingeführt. Ab September 2013 durften nur noch Kindersitze, die die Norm ECE R129 erfüllten, verkauft werden (Isofix-Pflicht für bestimmte Kategorien). Neuwagen mussten in Deutschland ab November 2014 mit Isofix ausgestattet sein. Die Erfindung des Systems wird werbewirksam beansprucht. Britax Römer suggeriert, zusammen mit Volkswagen Erfinder des Systems zu sein, und schreibt auf seiner Website: 1997 haben wir in Zusammenarbeit mit Volkswagen den ersten ISOFIX-Kindersitz der Gruppe 1 auf der IAA vorgestellt. Später wurde diese Entwicklung eine internationale Anforderung für PKWs und Kindersitze. Eine Publikation von Volkswagen wird folgendermaßen zitiert: „Die Firma Volkswagen war maßgeblich daran beteiligt, die Befestigung für einen Auto-Kindersitz zu entwickeln, der allen Sicherheitsanforderungen entspricht. Die firmeninternen Erfahrungen hatten Vorbildcharakter und flossen in die Erarbeitung der internationalen Norm ISO 13216-1 ein,- heute bekannt unter der Bezeichnung ISOfix-System.“ Aufbau Die Isofix-Verbindung besteht fahrzeugseitig aus zwei Haltebügeln mit einer Stärke von 6 mm, die sich im Abstand von 280 mm im Spalt zwischen Lehnen- und Sitzfläche befinden. Der Kindersitz wird in diese Befestigungen verhakt. In Europa sind hierfür ausschließlich starre Befestigungsbügel, sogenannte Rastarme, am Kindersitz erlaubt, die über eine Klickfunktion in den Haltebügel greifen. Dieses starre System (engl.: rigid system) unterscheidet sich merklich vom US-amerikanischen Latch-System (Lower Anchors and Tether for Children). Dabei wird der Kindersitz mit Hilfe von gespannten Gurtbändern mit den Haltebügeln verbunden. Wegen der weichen Gurtbänder wird dieses System auch als „Soft“-Isofix bezeichnet. Zusätzlich zur Befestigung an den Haltebügeln muss bei der „Universal-Zulassung“ eine zweite Fixierung erfolgen, um eine ungewünschte Rotation des Sitzes um die Haltebügel zu verhindern. Hierfür gibt es verschiedene Systeme: Top Tether (oberer Haltegurt) Dabei handelt es sich um ein zusätzliches Gurtband, das über die Sitzlehne geführt wird und mit einem Haken an einem Bügel am Fahrzeug befestigt und danach gespannt wird. Support leg (Stützfuß) der den Kindersitz gegen den Wagenboden abstützt. Ein Stützfuß ist nur dann wirksam, wenn er direkt auf dem Bodenblech aufsteht. Low Tether (unterer Haltegurt) Für rückwärts gerichtete Systeme (Reboarder) werden hier Gurtbänder eingesetzt, die den Kindersitz zum Boden hin abspannen. Vorteile Isofix-Kindersitze zeichnen sich durch eine besonders einfache Bedienung aus, wodurch das Risiko einer falschen Befestigung minimiert wird. Falsche Gurtführung zählt bei konventionellen Kindersitzen zu den häufigsten Ursachen für Unfall-Verletzungen trotz Kindersitz. Weiterhin wird durch die starre Verbindung mit der Karosserie das Risiko eines Nachgebens der Gurte und eines Aufpralls des Kindes bei einem Unfall minimiert. Aus diesen Gründen schneiden Kindersitze mit Isofix-Halterung bei Crash-Tests im Allgemeinen besser ab als ansonsten identische Sitze mit konventioneller Gurthalterung. Das System wird daher von Verkehrssicherheitsexperten und Unfallforschern allgemein empfohlen. Darüber hinaus ist die feste Verankerung auch von Vorteil, wenn man den Sitz leer – ohne Kind – mitführt. Je nach Hersteller können manche Isofix-Kindersitze auch konventionell mit Gurt befestigt werden, wenn in einem der genutzten Fahrzeuge keine Isofixvorrichtung vorhanden ist. Nachteile Isofix-Kindersitze ließen sich per 2007 meist nur auf den äußeren Plätzen befestigen; die Mittelposition ist aber ansonsten aus Sicherheitsgründen vorzuziehen. Teilweise sind keine montagefreundlichen Öffnungen für die Isofix-Haltebügel vorhanden. Dann erhöht sich durch tiefliegende Haltebügel am Fahrzeug und scharfkantige Verschlüsse am Kindersitz die Gefahr für Schäden an den Sitzbezügen. Außerdem sind Kindersitze mit Isofix häufig etwas teurer. Naturgemäß lassen sich die Sitze nicht horizontal verschieben, somit ist die Montage von drei Kindersitzen auf der Rücksitzbank nur selten möglich. Isofix-Gurt Inzwischen werden auch Isofix-Gurte verkauft. Diese Gurte dienen dazu einen Kindersitz, anstatt mit den Sicherheitsgurten des Autos, an der Isofix-Halterung zu sichern. Das deutsche Kraftfahrtbundesamt empfiehlt allerdings, von einer Verwendung solcher Gurte abzusehen. Das Amt hat festgestellt, dass mögliche Verletzungen schwerer ausfallen könnten. Firmen vertreiben diese Gurte im Internet und haben üblicherweise ihre Firmensitze in Fernost. Weblinks Kinder sichern im Auto - Unfallforschung der Versicherer GDV Autokindersitz.at – Was genau ist ISOFIX? Isofix - Jugendverkehrsschule Mannheim Einzelnachweise Fahrzeugsicherheit
Q1320419
216.004537
89621
https://de.wikipedia.org/wiki/Humangenomprojekt
Humangenomprojekt
Das Humangenomprojekt (HGP, ) war ein internationales Forschungsprojekt von 1990 bis 2003. Es wurde im Herbst 1990 mit dem Ziel gegründet, das Genom des Menschen vollständig zu entschlüsseln, d. h. die Abfolge der Basenpaare der menschlichen DNA auf ihren einzelnen Chromosomen durch Sequenzieren zu identifizieren. Die vollständige Sequenzierung des Genoms dient der Erforschung vieler biologischer Prozesse. Angestrebt wurde ein besseres Verständnis von Erbkrankheiten und der molekularen Mechanismen der Krebsentstehung. Durch Vergleich des menschlichen Erbguts mit dem anderer Lebewesen erhoffen sich Wissenschaftler zudem Erkenntnisse zur Evolution. Zielsetzung des Projekts Die Ziele des Projekts waren unter anderem: die komplette Basensequenz eines Menschen soll analysiert werden; die Sequenz der etwa 3 Milliarden Basenpaare der DNA zu finden; relevante Technologien, wie Datenanalyse, zu entwickeln und verbessern; ethische, rechtliche und soziale Fragestellungen, die infolge des Projekts auftreten würden, anzusprechen. Geschichte Das Projekt wurde in den USA im Oktober 1990 von Luigi Luca Cavalli-Sforza im Rahmen eines öffentlich finanzierten internationalen Forschungsverbunds gegründet. Geleitet wurde das HGP zuerst von James Watson, einem der Entdecker der DNA-Struktur. 1992 verließ er das Projekt jedoch nach einem Streit mit NIH-Chefin Bernadine Healy, weil er Healys Versuche ablehnte, Gensequenzen patentieren zu lassen. Sein Nachfolger wurde der renommierte Genetiker Francis Collins. Am Projekt nahmen zu Beginn über 1.000 Wissenschaftler in 40 Ländern teil. Ziel war die Sequenzierung des menschlichen Genoms bis 2005. 1992 veröffentlichte das Projekt Genkarten für die Chromosomen 21 und Y. Im Juni 1995 schloss sich auch Deutschland dem internationalen Humangenomprojekt der Human Genome Organisation an und nahm seine Arbeit 1996 auf. Das Deutsche Humangenomprojekt (DHGP) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert. Die Human Genome Organisation bekam 1998 durch die neu gegründete US-Firma Celera private Konkurrenz. Bis 1999 erfolgte die Sequenzierung des Chromosoms 22. 2000 wurde das Chromosom 21 vollständig sequenziert, wodurch die Möglichkeiten zur Erforschung der Auswirkungen einer Trisomie 21 wuchsen. Das HGP fand in der Öffentlichkeit einen vorläufigen Höhepunkt, als im Februar 2001 beide Forschungsunternehmungen die Sequenzierung des menschlichen Genoms verkündeten, die in den Medien häufig als „Entschlüsselung“ tituliert wurde. Erfasst wurden bis dato nur 83 % des Genoms – und dies nur von 23 der 46 Chromosomen normaler menschlicher Zellen, wobei sich das vom Vater und der Mutter ererbte Genom nicht wesentlich unterscheiden. 2003 wurde die Fertigstellung im Rahmen der angelegten Maßstäbe verkündet. Das Deutsche Humangenomprojekt beendete erfolgreich im Juni 2004 seine Aktivitäten. Auf die Arbeiten des Deutschen Humangenomprojekts aufbauend, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung seit 2001 das Nationale Genomforschungsnetz (NGFN), um genetische Ursachen häufiger Krankheiten aufzuklären. Als Nachfolgeprojekt startete das National Human Genome Research Institute (NHGRI) das ENCODE-Projekt. Seit Mai 2021 gilt das menschliche Genom als vollständig entschlüsselt. Es umfasst 19.969 Gene. Zu Beginn wurden mindestens 100.000 Gene erwartet, um alle Merkmale des menschlichen Körpers kodieren zu können. Zukünftige Aufgaben Das Humangenomprojekt war Ausgangspunkt weiterer Forschungsprojekte wie dem 1000-Genome-Projekt. Fast alle erblichen Krankheiten entstehen durch Defekte in einem oder mehreren Genen; dieser Zusammenspiel bedarf der Aufklärung, um zum Beispiel entsprechende Medikamente oder Therapien zu entwickeln. Nach der Entzifferung des Genoms gibt es nun auch Anstrengungen die Gesamtheit der DNA-Modifizierungen, sowie das Transkriptom, Proteom und Metabolom des Menschen zu entschlüsseln. Literatur Weblinks Management des Human Genome Projects innerhalb des US-amerikanischen National Institute of Health archivierte Webseite im Archiv der LOC Link zum komplett entschlüsselten Genom bei Gutenberg.org History of the Human Genome Project (englisch, Genetics in History; u. a. die Geschichte des Human Genome Project) Nationales Genomforschungsnetz NGFN Einzelnachweise Bioinformatik Humangenetik Internationales Forschungsprojekt
Q192446
98.687702
41490
https://de.wikipedia.org/wiki/Oder
Oder
Die Oder [] ( ([]), , , , ) ist ein mitteleuropäischer Strom, der in Tschechien entspringt, durch Polen fließt und einen Teil der Grenze zwischen Polen und Deutschland bildet. Sie mündet durch das Stettiner Haff und um die Inseln Usedom und Wolin herum in die Ostsee. Die Grenze entlang der Oder ist ein Ergebnis des Zweiten Weltkriegs. Die Oder ist 866 Kilometer lang (898 Kilometer bis Świnoujście (Swinemünde)). Zu ihren Nebenflüssen gehören die Lausitzer Neiße und die Warthe, die als längster Nebenfluss die Länge des Flusssystems auf 1045 Kilometer verlängert. Der mittlere Abfluss beträgt an der Mündung in das Stettiner Haff 574 m³/s, womit die Oder nach Rhein, Donau, Inn und Elbe der fünftgrößte Fluss in Deutschland ist. Ihr Einzugsgebiet ist im Westen und Südwesten von dem der Elbe, im Osten von dem der Weichsel und im Süden von dem der Donau begrenzt. Verlauf Die Oderquelle befindet sich in Tschechien anderthalb Kilometer nordwestlich von Kozlov am Fidlův kopec (Fiedelhübel) im mährischen Odergebirge. Die ersten 31 Kilometer ihres Laufs führen durch den Truppenübungsplatz Libavá. Ab dessen Grenze bildet sie von der Einmündung der Budišovka an bis Ostrava die historische Provinzialgrenze zwischen Schlesien (linksseitig) und Mähren (rechtsseitig). Bei Bohumín überquert der Fluss in 195 m.ü.m. an der Einmündung der Olsa die Grenze zwischen Tschechien und Polen. Der Flusslauf auf tschechischem Gebiet hat eine Länge von 131 Kilometern und umfasst ein Einzugsgebiet von 10.288 Quadratkilometern. Auf ihrem weiteren Lauf fließt die Oder durch Schlesien, Niederschlesien und dessen Hauptstadt Breslau. Ab der Neißemündung bei Ratzdorf nördlich von Guben in Brandenburg markiert ihre Mitte bis zum Abzweig der Westoder nördlich von Schwedt/Oder die Grenze zwischen Polen und Deutschland und wird entsprechend als Grenzoder bezeichnet. Die Oder fließt durch Frankfurt (Oder), Słubice und Kostrzyn nad Odrą (Küstrin). Zwischen den Städten Lebus und Oderberg durchfließt die Oder das knapp 60 Kilometer lange und 12 bis 20 Kilometer breite Oderbruch, passiert dann das Polder-Gebiet bei Schwedt, bevor sie sich bei Fluss-Kilometer 704 am Wehr Marienhof in die beiden Arme Westoder (poln.: Odra Zachodnia) und Ostoder (poln.: Odra Wschodnia) teilt. Die Westoder ist bis Mescherin Grenzfluss, ehe sie wie die Ostoder beidseitig auf polnischem Territorium weiterfließt. Das Gefälle der letzten 30 Kilometer vor Stettin beträgt nur noch wenige Zentimeter. Ab Fluss-Kilometer 730,5 heißt die Ostoder Große Reglitz (poln.: Regalica). Auf Höhe des Dammschen Sees vereinigen sich Ost- und West-Oder. Als so genanntes Papenwasser (poln.: Roztoka Odrzańska) fließt die Oder durch Police (Pölitz), bevor sie in das zur Ostsee gehörende Stettiner Haff mündet. Das Einzugsgebiet der Oder umfasst hier 118.890 km². Laut polnischem Gesetz gilt die Oder ab der Hakenterrasse als inneres Meeresgewässer und zählt ab dort nicht zu den Binnengewässern. Die Grenzstrecken der Oder und der Westoder sind Bundeswasserstraßen der Wasserstraßenklasse IV mit einer Gesamtlänge von 179 Kilometern, für die das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde zuständig ist. Da das Stettiner Haff eine Meeresbucht ist, sind dessen drei Verbindungsarme zum offenen Meer Meeresarme. Sie befördern zwar als Mündungsarme der Oder überwiegend Oderwasser nach Norden, haben aber auch einen nennenswerten Einstrom von Seewasser ins Haff, besonders bei starkem Nordwind. Abzulesen ist das an den rückwärtigen (haffseitigen) Deltabildungen, besonders ausgeprägt bei der Swine. Lage dieser Meeresarme und Inseln: Peenestrom (bis zur Einmündung des Peeneflusses Der Strom) zwischen deutschem Festland und der Insel Usedom (polnisch Uznam), Świna (deutsch Swine) zwischen den Inseln Usedom und Wollin (polnisch Wolin), mit der Schifffahrtsstraße, Kanał Piastowski, bis 1945 Kaiserfahrt, gebaut 1875 bis 1880, Dziwna (deutsch Dievenow) zwischen der Insel Wollin und dem polnischen Festland. Der Gesamtabfluss der Oder erfolgt zu 15 % über den Peenestrom, zu 73 % über die Swine und zu 12 % über die Dziwna. Schiffsverkehr Die Oder ist auf 717 Kilometern bis Koźle (deutsch Cosel) in Polen schiffbar. Dort schließt der Gleiwitzer Kanal an, der als Anfang des Donau-Oder-Kanals gedacht war. Durch Begradigung wurde die Oder, die von der Ostsee flussaufwärts durch das Stettiner Haff bis nach Stettin (Szczecin) für Seeschiffe befahrbar ist, seit etwa 1850 von 1.040 Kilometer auf 866 Kilometer Länge verkürzt. Eine weitgehende Kanalisierung des Flusses erfolgte in zwei Phasen: 1888–1897 und 1907–1922. Um den Fluss für größere Schiffe befahrbar zu machen, wurden Staustufen und Schleusen angelegt, wobei an den Staustufen zugleich die Wasserkraft für die Erzeugung elektrischen Stroms genutzt wurde. Gegenwärtig sind sieben Wasserkraftwerke in Betrieb, das größte gehört zur Staustufe Brzeg Dolny und hat eine Leistung von 9,7 MW. Seit Juli 2007 verkehrt nach 62 Jahren wieder gelegentlich eine Fähre zwischen dem deutschen Ort Güstebieser Loose und der polnischen Ortschaft Gozdowice (deutsch Güstebiese). Als Fahrzeug dient ein Motorschiff mit Schaufelradantrieb. Hoch- und Niedrigwasserereignisse Extremereignisse im 20. und 21. Jahrhundert 1997 kam es zum bis dato größten Oderhochwasser. Zuletzt trat im Mai 2010 die Oder an vielen Stellen in Polen und Deutschland über die Ufer. Im unteren Bereich der Oder (z. B. Hohensaaten) dominieren die Eishochwasser. Auswahl Hochwasserereignisse Juli/August 1496, August 1501 (in Teilabschnitten), August/September 1515, März 1565, Juli 1675, März/April 1698, März/April 1709, Juni/Juli 1736, April 1785, August/September 1813, März 1830, September 1831, März 1838 (in Teilabschnitten), August/September 1854, Februar/März 1876, März 1891, Juni/Juli 1902, Juli 1903, Oktober 1915 (in Teilabschnitten), Juni 1926, Oktober/November 1930, März/April 1940, März/April 1947, Januar 1982 (extremer Aufstau durch Eis am Unterlauf), Juli/August 1997, Mai/Juni 2010. Auswahl Niedrigwasserereignisse 1473, 1590, 1616, 1719, September/Oktober 1811, Oktober 1824, Oktober 1834, September 1835, September 1842, Juli bis Oktober 1893, Juli bis Oktober 1904, Juli bis Oktober 1911, Juli bis November 1921, Juni/Juli 1922, Juni/Juli/August 1930, Mai bis August 1934, Juli/August/September 1935, Juli bis Oktober 1992, Juni bis Oktober 2003, August bis November 2004, Juli/August 2006, Juli bis November 2015 und seit Juli 2018. Natur, Landschaft, Umwelt Umwelt- und Naturschutz 1996 gründeten Deutschland, Polen und Tschechien die „Internationale Kommission zum Schutz der Oder gegen Verunreinigung“ (IKSO). In dem Vertragswerk verpflichteten sich die Staaten auf ein Sofortprogramm zur Reduzierung der Schadstoffbelastung der Oder und ihres Einzugsbereichs. Eine der daraufhin erfolgten Maßnahmen ist beispielsweise der Bau gemeinsam genutzter Kläranlagen. Von besonderer Bedeutung für den Naturschutz an der Oder ist außerdem der 1995 gegründete Nationalpark Unteres Odertal. Die Oder ist eingebunden in die Kampagne Lebendige Flüsse der Deutschen Umwelthilfe. Diese Kampagne setzt sich bundesweit dafür ein, dass Flüsse und Bäche wieder in naturnahe Landschaften verwandelt werden. Umweltkatastrophe 2022 Eine Verschmutzung der Oder fand vermutlich am 27. oder 28. Juli 2022 bei Opole in Polen statt. Warnungen an die deutschen Umweltbehörden sowie an die Öffentlichkeit – über ein beobachtbares Fischsterben – erfolgten durch die polnische Seite mehrere Tage lang nicht. Anfang August passierte das giftige Wasser Frankfurt (Oder). Es kam zu einem Massensterben. Mehrere Tonnen toter Fische wurden geborgen. Es wurden auch Biber, Enten und andere Vögel tot aufgefunden. Die langfristigen Auswirkungen auf die Flussfauna sind noch nicht absehbar. Die Stadt Frankfurt und andere Landkreise haben am 12. August 2022 sowohl das Baden als auch das Angeln in der Oder verboten. In Polen laufen Ermittlungen in Bezug auf ein mögliches Umweltverbrechen. Die polnische Polizei lobte für Hinweise, die zur Ergreifung möglicher Täter führen, eine Summe von umgerechnet 210.000 Euro aus. An der Universität Wien wurde in Wasserproben ein Gift einer Mikroalge als mögliche Ursache nachgewiesen. Politische Bedeutung Durch den ersten Paragraphen des Artikels 331 des Friedensvertrags von Versailles wurde die Oder ab dem Zufluss der Oppa zusammen mit Elbe, Memel und Donau zum internationalen Fluss erklärt. Die Oder wurde unter die Verwaltung der Internationalen Oderkommission gestellt. Diese Kommission bestand aus je einem Vertreter von Polen, Preußen, der Tschechoslowakei, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Dänemark und Schweden. Erneute politische Bedeutung erlangte die Oder seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Rahmen des Potsdamer Abkommens wurde 1945 etwa ein Viertel des deutschen Staatsgebietes in den Grenzen von 1937 de facto abgetrennt und unter vorläufige polnische bzw. sowjetische Verwaltung gestellt. 1990 wurde die Oder-Neiße-Linie als deutsche Ostgrenze bestätigt, als die Bundesrepublik Deutschland im Zwei-plus-Vier-Vertrag und im Deutsch-Polnischen Grenzvertrag auf alle Ansprüche auf ehemals deutsche Gebiete östlich dieser Linie verzichtete. Name Vermutlich führte der Frankfurter Professor Jodocus Willich 1543 das lateinische Wort Viadrus – fälschlich – als Name für die Oder ein. Der Name ist nicht aus der Antike überliefert. Er war schon Objekt etymologischer Spekulationen, wobei die Spekulierenden seine neulateinische Herkunft nicht kannten. Von den antiken Autoren erwähnen Plinius der Ältere in seiner Naturalis historia und Pomponius Mela in De situ orbis von den Zuflüssen der Ostsee allein die Weichsel und Tacitus in seiner Germania keinen einzigen. Claudius Ptolemäus ortet in seiner Geographike Hyphegesis westlich der Weichsel drei weitere Flüsse, die in die Ostsee münden. Die von ihm angegebenen geografischen Längen lassen trotz Unterschieden seines Gradnetzes vom heutigen eine gute relative Lokalisation seiner Namen zu. Danach entspricht der Swine ein Fluss namens Συήβος (Suebos, lat.: Suevus). Eine Quellkoordinate für diesen Fluss gibt er nicht an, erwähnt den Suebus aber bei der Aufzählung der Völker als Grenze zwischen Semnonen und Burgunden im Binnenland, womit klar ist, dass der damalige Suebus die heutige Oder ist. Einen Fluss namens Οὐιαδούα (oder Οὐιλδούα, grafische Ähnlichkeit von Α und Λ), lateinisch also Viadua bzw. Vildua, lokalisiert Claudius Ptolemäus zwischen Suebos und Vistula, von der Weichsel doppelt so weit entfernt wie von der Swine. Historiker vermuten, dass dieser Fluss der Wieprza (dt.: Wipper) entspricht, die auf halber Distanz zwischen Swine und früherer Weichselmündung in die Ostsee mündet. In altkirchenslawischen Texten heißt der Fluss Vjodr. Lateinische Dokumente des Mittelalters nennen den Fluss einhellig Oddara (Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum) bzw. Oddera (Dagome Iudex). Dem entsprechen auch in geringer lautlicher Abwandlung die heutigen Namen im Deutschen („Oder“, schles. Dialekt auch „Uder“) wie in den slawischen Sprachen: , (schlesischer Dialekt Uodra, niedersorbisch Wodra, obersorbisch Wódra). Der Namenforscher Jürgen Udolph vermutet als Namensherkunft das illyrische Wort Adra in der Bedeutung von „Wasserader“ unter Verweis auf ein ähnliches Wort im Sanskrit. Somit wäre avestisch adu- (als ‚Wasserlauf‘) als Ursprungswort denkbar. Das idg. Wort ist auch im Thrakischen als urda "Strom, Bach" belegt. Das deutsche Wort „Ader“ bedeutete noch im Althochdeutschen nicht nur „Blutgefäß“ oder „Rinnsal“, sondern auch Sehne, Nerv und allgemein „Eingeweide“, ähnlich das altgriechische Wort ήτορ (étor) „Herz“, „Lunge“ oder „Seele“. Ein weiterer (eher volksetymologischer) Erklärungsversuch leitet den Namen Oder/Odra vom polnischen drzeć, przezierać her, was so viel heißt wie „reißen, durchdringen, vordrängen“, etwa im Sinne von „Durchbruch zum Meer“. Nebenflüsse Reihenfolge flussabwärts Alternativ: Nach Staaten und Alphabet geordnete Liste Kanalverbindungen Gleiwitzer Kanal: Stadt Gliwice Oder-Spree-Kanal (Teilstrecke der Spree-Oder-Wasserstraße): Oder – Kanal – Spree – Kanal – Dahme – Spree Warthe – Netze – Kanał Bydgoski – Brda (Brahe) – Weichsel Oder-Havel-Kanal (Teilstrecke der Havel-Oder-Wasserstraße): Westoder – Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße (Kanal parallel zur Oder) – Oderberger Gewässer – Kanal – Havel Finowkanal, noch befahrbarer Vorgänger des Oder-Havel-Kanals Regionen Die Oder durchfließt oder passiert unter anderen diese Regionen: Land Lebus Oderbruch Neumark (östlicher Teil des Landes Lebus, poln. Lubuskie) Neuenhagener Oderinsel Uckermark Nationalpark Unteres Odertal im Naturraum „Untere Odertalniederung“ Ortschaften Hauptfluss Stettiner Haff und Mündungsarme Am Stettiner Haff (Oderhaff): Wollin (Polen) Nowe Warpno (Neuwarp, Polen) Ueckermünde (Deutschland) Am Peenestrom: Usedom (Deutschland) Lassan (Deutschland) Wolgast (Deutschland) Peenemünde (Deutschland) An der Swine Świnoujście (Swinemünde, Polen) An der Dievenow: Wolin (Wollin, Polen) Kamień Pomorski (Cammin, Polen) Dziwnów (Dievenow, Polen) Liste der Oderquerungen Eisenbahnbrücke Wrocław Nadodrze Eisenbahnbrücke Wrocław Różanka Jahrtausend-Brücke Breslau Autobahnbrücke A8 Brücke Brzeg Dolny Brücke Lubiąż Eisenbahnbrücke Ścinawa Brücke Ścinawa Brücke Ciechanów Brücke der Toleranz Głogów Eisenbahnbrücke Głogów Fähre Bytom Odrzański Brücke Nowa Sól Autofähre Milsko-Przewóz Brücke S3 Brücke Cigacice Eisenbahnbrücke Wyszyna Autofähre Pomorsko Autofähre Czerwieńsk-Brody Eisenbahnbrücke Nietkowice Brücke Krosno Odrzańskie Autofähre Połęcko Autobahnbrücke Frankfurt A12/A2 Eisenbahnbrücke Frankfurt Grenzbrücke Słubice-Frankfurt Oderbrücke Küstrin (B1) Eisenbahnbrücke Küstrin Autofähre Güstebieser Loose - Gozdowice Europabrücke Neurüdnitz-Siekierki (nur Radfahrer und Fußgänger) Grenzbrücke Osinów Dolny-Hohenwutzen Grenzbrücke Krajnik Dolny-Schwedt Grenzbrücke Gryfino-Mescherin (Westoder) Ost-Oder-Brücke Gryfina (Ostoder) Autobahnbrücke A6 (Westoder) Ost-Oder-Brücke Autobahn A6 (Ostoder) Eisenbahnbrücke Regalicą (Ostoder) Brücke D31 Stettin-Dziewoklicz (Westoder) Gryfitów-Brücke D31 (Ostoder) Eisenbahnbrücke Stettin-Dziewoklicz (Westoder) Eisenbahnbrücke Stettin (Westoder) Langebrücke (Dlugi-Brücke) Stettin (Westoder) Nowocłowo-Brücke D10 Stettin (Ostoder) Cłowy Brücke Stettin (Ostoder) West-Oder-Brücke (Labudy-Brücke) Stettin (Westoder) Fähre Swinemünde - Kasibor (Swine) Stadtfähre Swinemünde (Swine) Literatur Der Oderstrom, sein Stromgebiet und seine wichtigsten Nebenflüsse. Eine hydrographische, wasserwirtschaftliche und wasserrechtliche Darstellung. Herausgegeben vom Bureau des Ausschusses zur Untersuchung der Hochwasserverhältnisse. 3 Textbände, 1 Bd. Kartenbeilagen, 1 Bd. Tabellen und Anlagen. Reimer, Berlin 1896. Jürgen Udolph, Wojciech Nowakowski: Oder. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der germanischen Altertumskunde. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, begründet von Heinrich Beck, Herbert Jankuhn, Hans Kuhn und Reinhard Wenskus, redigiert von Rosemarie Müller, 35 Bände und 2 Register-Bände, Berlin/New York (1968–)1973–2008, Band 21 (2002), S. 546–549. Joachim Schneider: Über die Herkunft und Varianten des Flussnamens Oder. In: Mitteilungen des historischen Vereins zu Frankfurt (Oder). 2003, H. 1, S. 7–14. Uwe Rada: Die Oder: Lebenslauf eines Flusses. 1. Auflage, Kiepenheuer, Berlin 2005, ISBN 3-378-01079-7. Karl Schlögel, Beata Halicka (Hrsg.): Oder-Odra: Blicke auf einen europäischen Strom. Peter Lang, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-631-56149-2. Karl Spiegelberg: Das Oderstromsystem. Von der Quelle bis zum Haff. Eine europäische Kulturlandschaft mit wissenschaftlicher Akribie dokumentiert. 2., erweiterte und verbesserte Auflage, Viademica-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-939290-10-0. Ludwig Zöller (Hrsg.): Die Physische Geographie Deutschlands. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2017, ISBN 978-3-534-26868-9, 6 Flussgeschichte Mitteleuropa – Veränderung, Überraschung, Krimi. 6.6 Oder- und Weichselsystem, S. 139–141. Weblinks Wasserstands- und Durchflussanzeige auf tschechischem Gebiet Wasserstands- und Durchflussanzeige auf polnischem und deutschem Gebiet WWF-Oder-Auen-Atlas Das Sommerhochwasser der Oder 1997 (PDF; 6,54 MB) Das Sommerhochwasser der Oder 2010 (PDF; 5,53 MB) Einzelnachweise Fluss in Brandenburg Bundeswasserstraße Grenzfluss Fluss in Polen
Q552
199.257493
3178491
https://de.wikipedia.org/wiki/USB-Stick
USB-Stick
Ein USB-Stick () bezeichnet allgemein ein kompakt gebautes elektronisches Gerät, das über den Universal Serial Bus (USB) mit einem anderen Gerät, beispielsweise einem PC, verbunden wird. Dabei sind der USB-Stecker (meist Typ A) und das Gehäuse direkt miteinander verbunden und bilden eine mechanische Einheit ohne verbindendes Kabel. Im Speziellen bezeichnet USB-Stick die häufigste Ausprägung des Gerätes, den USB-Speicherstick. Der israelische Ingenieur Dov Moran gilt als Erfinder des USB-Sticks, den er mit seiner Firma M-Systems entwickelte. Ende 2006 wurde M-Systems für 1,6 Milliarden US-Dollar an die SanDisk Corp. verkauft. Die Miniaturisierung der USB-Sticks geht seit etwa 2010 so weit, dass der ursprüngliche Stick auf eine Platine reduziert werden kann, die vollständig in einen USB-Anschluss eingeschoben werden kann. Die meisten Geräte sind jedoch aus Gründen der Handhabung entweder etwas länger gestaltet oder besitzen die Form eines USB-Steckers mit kurzem Griff, um das Verlustrisiko zu verringern. Anwendungen Eine der häufigsten Anwendungen des USB-Sticks sind USB-Speichersticks (kurz „USB-Sticks“), eine Form der USB-Massenspeicher. Diese Wechseldatenträger nutzen Flash-Speicher zur Speicherung der Daten. Verfügbar sind auch kleine Speicherkartenleser, die häufig als „Adapter“ für Speicherkarten oder als Speichersticks mit austauschbarem bzw. erweiterbarem Speicher vermarktet werden. Ein weiterer großer Anwendungsbereich sind Adapter für den drahtlosen Datenaustausch. Hier wird eine Vielzahl unterschiedlicher Protokolle und Standards unterstützt. Zu nennen sind vor allem Adapter für den Anschluss an ein lokales Funknetzwerk („Wireless-Adapter, WLAN-Stick“) oder für den Internetanschluss über das Mobilfunknetz („UMTS-Stick“, siehe UMTS-Modem). Darüber hinaus existieren Adapter für den Datenaustausch über kurze Distanz per Infrarot (z. B. IrDA) oder Bluetooth bis hin zu einfachen Empfängern für drahtlose Mäuse und Tastaturen. Sonstige Anwendungen sind Empfangsgeräte für digitalen Rundfunk (z. B. DVB-T-Stick) sowie kompakte Geräte zur Datenkonvertierung, beispielsweise zur Konvertierung von analogen Video- und Audio-Signalen. Neben universell einsetzbaren Speichergeräten existieren auch Geräte, die den eingebauten Datenspeicher nur intern nutzen. Dazu zählen Kopierschutzstecker (Dongle), Geräte zum Identitäts- und Altersnachweis für den Jugendschutz oder Security-Tokens (z. B. SecurID). Weiterhin gibt es Datenaufzeichnungsgeräte (Datenlogger) für unterschiedliche physikalische Parameter wie Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit, Taupunkt und GPS-gestützte Geräte zur Protokollierung des Standortes (GNSS-Logger). Aufgrund des stetig sinkenden Preises werden USB-Sticks mittlerweile auch als Werbemittel eingesetzt, indem sie z. B. in Form von Kfz-Schlüsseln mit aufgespielten Werbevideos, technischen Daten und Bildergalerien der angepriesenen Waren an potentielle Kunden als Werbeartikel abgegeben werden. Weblinks Einzelnachweise Hardware (Gerät)
Q1647694
151.878958
2100773
https://de.wikipedia.org/wiki/Montanwissenschaften
Montanwissenschaften
Als Montanwissenschaften (in Österreich; teilweise auch Montanistik und Montanwesen) oder Berg(bau)wissenschaften bzw. Bergbaukunde (in Deutschland) wird die Lehre vom Bergbau bezeichnet. Dazu gehört Bergbau im weiteren Sinne (einschließlich Tunnel-/Stollenbau, Fels-/Gesteinsbau), Markscheidewesen, Hüttenwesen, Aufbereitung und Mineralogie sowie jene Kenntnisse und Techniken, die sich mit dem Auffinden von Rohstoffen in der Erdkruste, dem günstigen Betrieb von Bergwerken und der Verhüttung von Erzen sowie der Grundlagen- und Anwendungsforschung zu Bautätigkeiten unterhalb des Bodens beschäftigen. Teilweise gehören auch Aspekte der weiterverarbeitenden Industrie (siehe Sekundärsektor) zu den Bereichen der Montanwissenschaften. Geschichte der Fachdisziplin Der Name Montanwissenschaft (sowie Montanwesen) ist eine Wortzusammensetzung mit dem Adjektiv montan als Bestimmungswort. Die Wurzel in der Wortableitung Montanistik ist dasselbe Adjektiv, das vom lateinischen montanus ins Deutsche entlehnt wurde und auf das Substantiv mons ‚Berg‘ zurückgeht. Das Adjektiv wird auch in zahlreichen anderen deutschen Wörtern, die das Berg- und Hüttenwesen betreffen, verwendet. Ihre Wurzeln haben die Montanwissenschaften neben dem Siedlungs- und Straßenbau im Bergland, der wohl bis in die Anfänge der Kultur zurückreicht, und dem Bergbau auf Bodenschätze, der von erstem über Steinauflesen hinausgehenden Abbau von der Jungsteinzeit in die Bronzezeit leitet, speziell in den beiden militärischen Fachgebieten der Mineure und Sappeure als Teile der Pioniertruppe, zu deren Aufgaben sowohl der Bau von Befestigungen auch in schwierigem Gelände wie auch die Belagerungstechnik derselben gehörten. Spezialisten in diesen Truppengattungen sind seit der Antike nachweislich. Als eigene wissenschaftliche Disziplin in Europa gilt die Montanwissenschaft seit dem Hochmittelalter. Prägend dafür waren vor allem: Ulrich Rülein von Calw (1465–1523), Verfasser des ersten gedruckten Werkes über Montanwissenschaften, Ein nützlich Bergbüchlin der Geowissenschafter und Mineraloge Georgius Agricola (1494–1555), er gilt als Vater der modernen Montanwissenschaften, den Volkswirt und Freiberger Berghauptmann Friedrich Anton von Heynitz (1725–1802), der Gründer der Bergakademie Freiberg, und der Südtirol/steirische Bergbau-Pionier Peter Ritter von Tunner (1809–1897), auf den die Montanuniversität Leoben zurückgeht. Fachbereiche Als Montanist kann man sich – in mehr angewandt-technischer (etwa als Montaningenieur, Bergingenieur, Bergbauingenieur, Rohstoffingenieur) oder mehr grundlagenwissenschaftlicher Ausrichtung (etwa als Ingenieurgeologe oder Geomechaniker) in verschiedene Fachrichtungen spezialisieren, u. a.: Tiefbautechnik (wie Tunnelbau, technischer Untertagebau von Stollen und Kavernen für Anlagen oder Lagerung einschließlich Entsorgung, der Hohlraumbau), insbesondere der Felsbau (technischer Grundbau im Fels) Bergbau: Untertagebau- und Tagebautechnik Markscheidewesen (Vermessung unter Tage einschließlich Lagerstättenkunde) Aufbereitungstechnik der Rohstoffe Tiefbohrtechnik (insbesondere in Erdöl- und Erdgasgewinnung) Ausbildung Die Montanwissenschaft hat in den deutschsprachigen Ländern eine große Tradition. In Lehre und Forschung ist die Bergbauwissenschaft an mehreren deutschsprachigen Universitäten wie der Montanuniversität Leoben in Österreich und in Deutschland vor allem an der Technischen Universität Clausthal und der Technischen Universität Bergakademie Freiberg vertreten. Die TU Freiberg und die TU Clausthal wurden mit einem Schwerpunkt in den Bergbauwissenschaften gegründet. Die dort ausgebildeten Bergbauingenieure haben trotz des in im deutschen Sprachraum stark reduzierten Bergbaus weltweit gute Berufsaussichten. An der RWTH Aachen bietet die Fakultät für Georessourcen und Materialtechnik die Studiengänge Georessourcenmanagement und Rohstoffingenieurwesen an. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen der geologischen Exploration (Auffindung), Rohstoffgewinnung (Bergbau), Aufbereitung und Recycling. Typischer allgemeiner Abschluss ist beispielsweise Diplomingenieur der Montanistik/montanistischen Wissenschaften (Dipl.-Ing. mont.) respektive Doktor der Montanistik/montanistischen Wissenschaften (Dr.-Ing.) mit dem Titelzusatz rerum montanarum. Heute gibt es auch etliche speziellere Abschlüsse. Einzelnachweise Bergbau Markscheidewesen Montangeologie Tunnelbau !
Q1370637
96.908105
44290
https://de.wikipedia.org/wiki/Angelsachsen
Angelsachsen
Die Angelsachsen waren ein germanisches Sammelvolk, das ab dem 5. Jahrhundert Großbritannien besiedelte und zunehmend beherrschte. Ab der Mitte des 6. Jahrhunderts war die angelsächsische Kultur auf der Insel bereits dominant, da die römisch-keltische bzw. romano-britische Bevölkerung teils verdrängt und teils assimiliert worden war. Als angelsächsische Periode wird die Zeit britischer Geschichte von etwa 450 bis 1066 angesehen, als schließlich die Normannen das Land eroberten. Das Sammelvolk der Angelsachsen bestand hauptsächlich aus Sachsen und Angeln. Als Verband treten diese Stämme mit aus Jüten, Friesen und Niederfranken bestehenden Gruppen ab dem 5. Jahrhundert auf. Zur Ethnogenese der Angelsachsen kam es, als sie nach ihrer Einwanderung von Teilen der keltisch-romanischen Vorbevölkerung Britanniens aufgenommen wurden. Aus diesem Völkerverband bildete sich zunächst eine angelsächsische Kultur heraus. Später, ergänzt um Skandinavier, Dänen und im 11. Jahrhundert frankophone Normannen, formierte sich im Laufe der Zeit und dieser Entwicklungen im Hochmittelalter eine kulturell-ethnische Konstellation, die später als englische Nation und Kultur interpretiert wurde. Das Angelsächsische hat seine wesentlichen sprachlichen Wurzeln in der altsächsischen Sprache. Trotz 1500-jähriger unterschiedlicher Entwicklung finden sich noch viele Gemeinsamkeiten zwischen der englischen und der niedersächsischen Sprache. Oft wird der Begriff im übertragenen Sinn in Bezug auf die Bewohner der Britischen Inseln und auf die englischsprachigen Völker in Nordamerika und Ozeanien (US-Amerikaner, Kanadier, Australier, Neuseeländer) genutzt. Herkunft der Angelsachsen Angeln und Sachsen Die Angelsachsen sind im Wesentlichen die Nachkommen zweier kontinentalgermanischer Stämme: Die Angeln wurden schon während der hohen römischen Kaiserzeit bei Tacitus 98 n. Chr. als Anglii und später bei Claudius Ptolemäus (2. Jahrhundert) als Angeiloi (Ἄγγειλοι) schriftlich erwähnt und siedelten wohl im Nordosten des heutigen Bundeslandes Schleswig-Holstein, wo es noch die Landschaft Angeln gibt. Die Angeln werden von Tacitus in dessen Beschreibung der historisch-geografischen Verhältnisse Nordgermaniens mit anderen Stämmen zusammen aufgezählt. Stämme, die auf den dänischen Inseln, an der Ostseeküste und an der unteren Elbe zu lokalisieren sind und zusammen eine nördliche politisch-kultische Gruppe im Suebenverband bildeten, bei Ptolemaios eben als Suēboi Angeiloi (Συήβοι Ἄγγειλοι). Die antiken Sachsen sind nicht zu verwechseln mit den späteren Sachsen des Hochmittelalters und den Bewohnern des heutigen Bundeslandes Sachsen. Vielmehr handelt es sich um die Vorläufer des späteren Stammesherzogtums Sachsens (Altsachsen), welches im Gebiet des heutigen Niedersachsen sowie in Holstein, Westfalen und Ostfalen angesiedelt war. Die Altsachsen der beginnenden Völkerwanderungszeit waren sprachlich und in ihrer materiellen Kultur sehr viel enger mit den Friesen verwandt. Tacitus erwähnt in seiner Germania die Sachsen nicht, aber er zählt den Stamm der Chauken auf, die an der unterelbischen Nordseeküste siedelten und die auch Plinius der Ältere kennt, während Ptolemaios die eigentlichen Sachsen (Saxones, gr. Σάξονες) „… im Nacken der kimbrischen Halbinsel“ (wohl das heutige Holstein) lokalisiert. Im 3. Jahrhundert war die Vereinigung beider Völker zum nun größeren Stammesverband der Sachsen vollzogen. Der Wandel beschleunigte sich mit der Vereinigung zum großen sächsischen Stammes- und Volksverband mit der Assimilierung kleiner Stämme und Überresten einstiger bedeutender Stämme wie der Cherusker im 3./4. Jahrhundert. Die sächsischen Gruppen, die später einen Teil der Angelsachsen bildeten, trennten sich bereits vor der Bildung des Großvolks der frühmittelalterlichen Sachsen durch die Übersiedlung nach Britannien ab. Angeln und Sachsen waren wahrscheinlich eng miteinander verwandt, da sie der gleichen kontinentalgermanischen Kultgruppe der Ingwäonen angehörten oder entstammten, trotz bestehender kultureller Unterschiede wie unter anderem bei den Bestattungsriten. Der genaue Verlauf der angelsächsischen Ethnogenese ist wie bei allen gentes der spätantiken Völkerwanderungszeit umstritten. Dies gilt für die Frage, wie und ob materielle Kultur und Ethnizität zusammenhängen. Die Stammesgruppen der Jüten waren zur damaligen Zeit von der Sprache und vom Kult her offenbar den westgermanischen Stämmen zugehörig. Die heutigen Jüten, auf Dänisch Jyder, sind hingegen wohl nordgermanischen Ursprungs und mit diesen Jüten nicht zu verwechseln. Die Friesen sind aus ihrer angestammten Heimat wohl nur mit Kleinstgruppen an der Bildung der Angelsachsen beteiligt gewesen. Besonders die Ortsnamenforschung hat Siedlungsräume dieser friesischen Siedlergruppen fixiert. Der spätantike Historiker Prokop (6. Jahrhundert) erwähnt die Friesen in seinem Werk über die Gotenkriege Justinians und nennt sie Φρίσσονες (Frissones). Ein fränkischer Anteil wird nur vermutet, unter anderem auf Basis unsicherer Ableitungen von Ortsnamen und der Analyse altenglischer Literatur und daran festgemachter Indizien – z. B. im Beowulf-Epos. Diese fränkischen Siedler kamen aber vermutlich erst mit der letzten Einwanderungswelle gegen Ende des 5. Jahrhunderts auf die britische Insel. Der Name Die Herkunft und die Entwicklung hin zur Namensbildung Angelsachsen ist heute nicht mehr nachvollziehbar; dennoch lassen die vorhandenen Quellen Rückschlüsse zu, die daraus abgeleitete Annahmen plausibel machen. Grundsätzlich scheint bei den Kolonisten, besonders bei den Jüten und Angeln, die Bindung zu den kontinentalen Verwandten recht schnell Lockerungen unterworfen gewesen zu sein, bis hin zum Abbruch. Beda Venerabilis (gest. 735), ein bedeutender angelsächsischer Gelehrter, lokalisierte die Jüten nach der Wanderung in Kent und gab sie in der Namensform Iutae wieder, die nicht aus heimischer altenglischer Überlieferung stammt. Die altenglische Form wäre *Eotas (vgl. Eotenas, bezeugt in Beowulf, Zeilen 1068–1159), wobei diese aber nirgends überliefert ist. Beda kannte also den korrekten Namen nicht mehr. Um 700 dürften nur noch schwache Erinnerungen an den Namen und die damit in Verbindung stehende „Urheimat“ existiert haben. Alfred der Große gab in seiner Übersetzung von Bedas Kirchengeschichte dann Iutae mit Gēatas wieder, dem Namen der Gauten aus Schweden. Die häufige altenglische Form Ongle für Angle gab Alfred statt mit der korrekten Form Angli mit dem Namen der Landschaft wieder, Angel. Auch er kannte somit selbst nicht mehr die Namen für die alten Stämme. Die Sachsen in Britannien behielten dagegen Kontakte zum Festland im Zusammenhang mit der dominanten kontinentalen Ausbreitung des Stammesverbandes. Die Sachsen der Insel nannten zur Unterscheidung des englischen Zweigs diese Eald-seaxan, Altsachsen. Beda war nicht mehr klar, dass Angeln und Sachsen unterschiedliche Stämme waren. Er bezeichnete sie als Angli sive (vel) Saxones, als seien sie ein und dieselben unter verschiedenen Namen. Alfred berichtigte Beda hierin durch ein ond beziehungsweise durch ein „oder“. Bedas Grundlage für seine Wiedergaben und Annahmen mögen tradierte Sprüche und Merkreime in der Form des Stabreims gewesen sein. Dieser Typus eines Dreiklangs passt zu dem alten Muster germanischer Abstammungssagen wie der Stammbaum des Mannus in Tacitus’ Germania, Kapitel 2. Der Name der Angeln dominierte schließlich den der Sachsen als vereinheitlichter Name für alle Germanen auf der britischen Insel, vielleicht zur besseren Unterscheidung von den kontinentalen Sachsen (denn jene Angeln, die nicht nach Britannien gezogen waren, waren von anderen Stämmen assimiliert worden, so dass keine Verwechslungsgefahr bestand). Die angelsächsischen Könige nannten sich rex Anglorum, oder rex Anglorum Saxonum. Papst Gregor I. nannte den König Æthelberht von Kent – selbst jütischer Abstammung – in einem Brief von 601 rex Anglorum. Um 1000 verdrängte der aus dem altnordischen und von den Wikingern eingeführte Begriff für Land und Volk, Englar und Englaland dann die älteren einheimischen Bezeichnungen wie unter anderem Āngelþeod („Angelvolk“). Diese neue Form tritt sowohl in den altnordischen Texten als auch in den angelsächsischen auf und führte schließlich zur Herausbildung der Kurzform England. Die romanisierten Kelten haben die eindringenden Germanen dagegen insgesamt nach den Sachsen benannt, kymrisch Sais („Engländer“) für die Menschen und saesneg für die Sprache. Die lateinischen Schreiber des Kontinents haben anfänglich die Begriffe Saxones und lingua Saxonica verwendet. Ein Hauptgrund für die Durchsetzung des Angelnamens mag ein politisch-kulturelles Übergewicht der Angeln in den ersten Jahrhunderten gewesen sein. Um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, wurde durch die Außenwahrnehmung sehr früh der Begriff Angelsachsen gebildet – bei Beda noch nicht direkt und klar, bei Paulus Diaconus um 775 Angli Saxones in der Bedeutung von „die englischen Sachsen“, um eine Unterscheidung zu den festländischen Sachsen darzustellen. Letztlich ist die Bildung des Namens Angelsachsen ein Produkt aus mehreren zusammenfließenden Faktoren: Zum einen ist es eine gelehrte lateinische Form, sodann eine Folge des Verlustes der angestammten kontinentalen Wurzeln, und schließlich haben auch das Vergessen der ursprünglich klaren Stammesidentität und die Außenwahrnehmung noch Anteil daran. Anfänge bis zur Besiedlung der britischen Insel Erste kriegerische Invasionen von sächsischen Gruppen ins römische Britannien fanden nachweislich in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts statt. Sächsische Gefolgschaften (neben fränkischen Gruppen) auf Beutezug und Piraten landeten auf beiden Seiten der Kanalküste (siehe auch Sachsenküste). Einfälle von iro-schottischen Stämmen zwangen die römische Militärverwaltung zur Reform der militärischen Infrastruktur, des Verteidigungs- und Befestigungswesens. Das führte nach Ansicht vieler Forscher unter anderem dazu, dass Befehls- und strategische Verantwortlichkeiten auf sächsische Führer übertragen wurden; sie dienten demnach unter dem comes litoris Saxonici (Befehlshaber der sächsischen Küste) als Foederaten. Der Schluss liegt nahe, dass zumindest seit dem späten 4. Jahrhundert germanische Verteidiger in römischen Diensten samt ihren Familien in Südbritannien siedelten, also vor dem eigentlichen Hauptstrom der germanischen Besiedlung respektive Eroberung ab der Mitte des 5. Jahrhunderts. Diese siedelten südlich entlang der Themse im heutigen Großraum London, in Essex, Kent und waren an der Ostküste stationiert. Andere Forscher dagegen gehen davon aus, dass die „Sachsenküste“ der Abwehr sächsischer Angriffe diente und daher nicht mit sächsischen foederati besetzt gewesen sei, nehmen aber ebenfalls an, dass erste sächsische Söldner schon im späten 4. Jahrhundert in Britannien dienten. Eskalierende Bürgerkriege im weströmischen Reich und der zeitweilige Zusammenbruch der römischen Rheingrenze im Jahre 406/407 n. Chr. durch den Rheinübergang einiger germanischer Kriegergruppen führten unter Kaiser Honorius (reg. 395–423) und dem Usurpator Konstantin III. (reg. 407–411) zum Abzug der meisten regulären römischen Truppen aus Britannien um das Jahr 407. Obwohl Honorius Britannien nicht aufgab, sah er sich gezwungen, die Insel weitgehend sich selbst zu überlassen. Das entstandene Machtvakuum und die ungeregelten politischen Verhältnisse boten idealen Raum und Möglichkeiten für eine Zuwanderung vom Festland. Ab Beginn des 5. Jahrhunderts gab es offenbar zunehmend Übersiedlungen auf die britischen Inseln von der norddeutsch-niederrheinischen Tiefebene aus, die sich im Laufe der Zeit verstärkten und sich ab etwa 450 zum Hauptstrom der Auswanderung nach Britannien entwickelten, wobei das Ausmaß der Zuwanderung umstritten ist. Für den Zeitraum vom frühen 5. Jahrhundert bis in die Zeit um 600 liegen aber auch Quellen für die Vorgänge in Britannien vor. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt (im Anschluss an den Bericht des Gildas), dass die römisch-keltische Zivilbevölkerung der Insel nach dem Abzug der kaiserlichen Truppen auf eigene Faust angelsächsische foederati anwarb, um ihr Land gegen Pikten und Skoten zu verteidigen. Vielleicht hat dabei der „Tyrann“ Vortigern eine Rolle gespielt, der gemäß späterer Tradition zwei (wohl nicht historische) sächsische Anführer namens Hengest und Horsa (‚Hengst‘ und ‚Pferd‘) ins Land gerufen haben soll. Um 440 scheint es dann zu einem Aufstand der sächsischen Söldner gekommen zu sein, die in der Folgezeit weiteren Zuzug vom Kontinent erhielten und die Romano-Kelten langsam zurückdrängten. Die Briten hatten sehr lange unter römischem Kultureinfluss gelebt und wurden im 4. Jahrhundert allmählich Christen. Sie waren zwar vermutlich nicht in dem hohen Maße romanisiert wie die gallischen Kelten, und zudem gab es in Britannien große soziale und geografische Unterschiede in der Annahme der lateinischen Sprache und Zivilisation. Die Angeln und Sachsen aber stammten überwiegend aus Gebieten, die kaum von der römischen Zivilisation berührt worden waren. Die Briten waren für diese anlandenden Krieger demzufolge romanische Fremdvölker (altenglisch Wealh, neuhochdeutsch Welsch – daher der Name von Wales). Für viele christliche Romano-Briten wiederum waren die überwiegend heidnischen Angelsachsen Barbaren. Es kam zu einer teilweisen Verdrängung durch die vorrückenden Angelsachsen, aber auch einem freiwilligen Zurückweichen der keltischstämmigen Bevölkerung im Südosten. Es soll zu Blutbädern unter der römisch-britischen Stadtbevölkerung gekommen sein (unter anderem in Chester im Jahre 491), wenngleich es neueren Befunden zufolge wohl nicht zur massenhaften Vertreibung der Romano-Briten kam. Um 500 konnten die Romano-Briten unter Führung des Ambrosius Aurelianus den Vormarsch der germanischen Eroberer für einige Jahrzehnte stoppen, beispielsweise in der (nicht genau datierbaren oder lokalisierbaren) Schlacht von Mons Badonicus um 500. Diese Ereignisse sind vielleicht ein Ursprung der Artussage. Anschließend, so Gildas, stoppte die weitere angelsächsische Landnahme zunächst, doch war dies nur eine Atempause. Ein Teil von ihnen wich in die Bretagne aus oder zog sich in die Höhen- und Erdbefestigungen zurück (Wansdyke, Bokerley Dyke). Teile der Briten wurden versklavt (angelsächsisch Wealas), eine große Zahl scheint auch übergelaufen zu sein und die Sitten und Sprache der Eindringlinge übernommen zu haben. Nach der entscheidenden Schlacht von Deorham 577 wurden die Gebiete der kornischen und der walisischen Kelten durch die wieder vordringenden Angelsachsen aufgespalten. In Städten wie London, York und Lincoln blieb ein Teil der romano-keltischen Bevölkerung sesshaft, da die Angelsachsen diese Orte anfangs offenbar mieden. Die Orte wurden später von den Briten geräumt, die römischen Villen hingegen wurden von den nachrückenden Germanen kaum weitergenutzt. Eine DNA-Untersuchung an 285 bestatteten Personen aus dem Zeitraum 450–1066 ergab, dass ein Muster an immer neuen Migrationsbewegungen über die Nordsee von der späten Römerzeit bis ins 11. Jahrhundert feststellbar ist. Die letzten größeren kontinentaleuropäischen Ankünfte im achten Jahrhundert gehen nahtlos in die Wikinger-Migration über. Während Männer lokaler und migrantischer Herkunft ähnlich bestattet wurden, wurden Frauen migrantischer Abstammung öfter mit Grabbeigaben bestattet als Indigene. Die zuwandernden Familien vermischten sich mit der damals in Großbritannien lebenden Bevölkerung – von Region zu Region und von Gemeinde zu Gemeinde jedoch in unterschiedlichem Maße. In Apple Down in West Sussex etwa wurden sie getrennt bestattet. Im 8. Jahrhundert profilierte sich schließlich Mercia als Vormacht, König Offa von Mercia gilt manchen als erster König von England. Die mercische Vorherrschaft wurde jedoch im frühen 9. Jahrhundert durch Wessex gebrochen, das unter Egbert von Wessex zum mächtigsten angelsächsischen Reich aufstieg. Siedlungsgeschichte in England Etwa 300 Jahre nachdem die Römer England verlassen hatten, schrieben angelsächsische Gelehrte wie Beda Venerabilis über die Einwanderung der Angeln und Sachsen nach England. Die Germanen besiedelten anfangs ein geschlossenes Gebiet, dessen Keimzelle ihnen mutmaßlich im Rahmen ihrer Anwerbung als foederati zugewiesen worden war. Neue genetische Untersuchungen zeigen, dass die frühmittelalterliche Zuwanderung enorm war. Die Bevölkerung in Ost- und Südengland dürfte zu etwa 75 Prozent aus Einwandern bestanden haben, deren Vorfahren aus Kontinentaleuropa stammten. Nach linguistischen (unter anderem die Ortsnamenforschung) und archäologischen Befunden blieb nach dem Beginn der angelsächsischen Revolte nur ein geringer Rest der romanokeltischen Bevölkerung ansässig (andere Forscher erklären das Verschwinden römisch-keltischer Gräber hingegen damit, dass sich die Vorbevölkerung schnell assimiliert habe). Als Einfallstore gelten die Themse, der Humber, der Wash und entlang der alten Römerstraße der Icknield-Way. Am Anfang des 6. Jahrhunderts wurde das germanisch beherrschte Gebiet des Südostens durch die heutigen Grafschaften Hampshire, das östliche Berkshire, das südliche Buckinghamshire, das nordöstliche Bedfordshire und Huntingdonshire umgrenzt. Westlich dieser Linie lag keltisch besiedeltes Land, und die weitere Ausweitung der angelsächsischen Machtsphäre auf jene westlichen und in der Folge auf weitere Gebiete bezog dann die keltische Bevölkerung in die sich herausbildenden germanischen Staaten oder angelsächsischen Königreiche mit ein. Grundsätzlich gilt, dass das Ausmaß der angelsächsischen Einwanderung in Britannien unklar ist, zumal die Interpretation des archäologischen Befundes, wie erwähnt, umstritten ist. Fest steht, dass in Britannien noch im 6. Jahrhundert lateinische Inschriften gesetzt wurden. Angelsächsische Stämme Nach Beda siedelten die gentes ethnisch getrennt. Die Angeln ließen sich primär nördlich der Themse in East Anglia, dem Gebiet der Mittelangeln, Mercia und an der Ostküste bis südlich von Edinburgh nieder. Die Sachsen gründeten Essex, Wessex und Sussex im Tal der Themse und südlich bis zum Ärmelkanal. Die Jüten siedelten vornehmlich in Kent und auf der Insel Wight. Diese strikte ethnische Aufteilung ist aber umstritten, da man eher von einer ethnisch vermischten Siedlung bzw. Eroberung unter Führung von Gefolgschaften ausgehen muss und dies dem germanischen Brauch und Vorgehen eher entspricht. Siedlungswesen und -formen Ähnlich wie am Rhein übernahmen die Neuankömmlinge offenbar nur selten die römischen Siedlungsformen. In ihren Gebieten waren die Germanen aus den oben geschilderten Umständen auf eine eher mobile Siedlungsweise in Siedlungen von weilerartigem Typus angewiesen. In diesen Siedlungen herrschten von der Art und Anzahl her das Grubenhaus und das Hallenhaus vor. Die Grubenhäuser dienten vermutlich mehrheitlich als Lagerräume oder als Webhäuser und seltener als Wohnraum. Zu den größten Siedlungen des 4. bis 5. Jahrhunderts gehört der Fundort Mucking in Essex mit 200 Grubenhäusern und 30 Hallenhäusern. Die „mobile“ Anlage der Gebäude zeigt sich besonders daran, dass die repräsentativeren als Pfostenbauten errichteten Hallenhäuser von der Größe nicht mit den kontinentalen sächsisch-niedergermanischen Wohnstallhäusern vergleichbar sind. Diese anfänglichen Siedlungen, die später zum Teil städtisches Wesen erlangten (wie z. B. Hamwic), wurden oft neben alten zerstörten und verödeten Römerstädten angelegt. Die Landwirtschaft wurde in derselben Weise wie auf dem Kontinent betrieben, archäologisch nachgewiesen ist der Anbau von Gerste, Hafer und Flachs sowie Waid als Grundstoff für das Färben von Leinen und anderen Bekleidungsstoffen. Die Viehhaltung umfasste Schweine, Schafe und Rinder sowie Pferde, Ziegen und Haushühner. Katzen und Hunde wurden als zusätzliche Haustiere gehalten. Die Feldarbeit wurde durch einscharige Pflüge bestellt, geerntet wurde mit Sicheln, Hippen und Sensen. Aus dem 5. Jahrhundert sind zahlreiche Keramiken gefunden worden, die reichhaltig an ornamentalen Verzierungen sind, aber ohne Nutzung einer Töpferscheibe hergestellt wurden. Bedeutend ist hierbei die auf einem Standfuß stehende Buckelkeramik. Diese Form fand besonders in den Midlands und im Themsegebiet die größte Verbreitung und wird in der Regel den Sachsen zugewiesen. Die sich unterscheidenden regional eingeschränkten Keramikformen den jeweiligen Teilvölkern wie den Angeln und Jüten und deren Siedlungsräume zuzuweisen, ist nur bedingt möglich. Nachweisbar ist aber ein reger Austausch und enge Beziehungen mit dem Festland anhand der Gefäßformen in Ostengland und aus dem Elbe-Weser-Gebiet des 5. Jahrhunderts. Anglische Formen finden sich hingegen im nordöstlichen England. Die an den Keramiken erkennbaren regionalen Unterschiede setzten sich in der Kleidung und kunsthandwerklichem Schmuck fort, besonders die deutliche Stilisierung der Kleidung als Tracht durch die unterschiedliche Verwendung und Anzahl der verwendeten Fibeln. Im nördlichen anglischen Bereich wurde eine „Drei-Fibel-Tracht“ getragen, gegenüber einer „Zwei-Fibel-Tracht“ im südlichen sächsischen Siedlungsgebiet. Die daraus abgeleitete Grenze, die sogenannte Anglo-Saxon-Line, die grob zwischen Angeln und Sachsen trennte, ist erst nach den Phasen der Landnahme anzusetzen. Erst die spätere kontrollierte Einnahme der Ländereien führte zu einer deutlich erkennbaren Trennung zwischen mehrheitlich sächsisch oder anglisch besiedelten Regionen. Die Toten wurden im sächsischen Raum wie auf dem Festland unverbrannt in ihrer Tracht beigesetzt. In den anglischen Siedlungsräumen und auch in Wessex wurde teilweise die Totenverbrennung durchgeführt, und in Kent wurden die Toten in Hügelgräbern beigesetzt. Gesellschafts- und Staatshierarchie Adel und Klerus sowie freie Bauern mit eigenem Landbesitz zählten zu den Freien (Ceoris), indigene (keltisch-romanische) Briten, niedere Bauern und Knechte zu den Unfreien (Theows; vgl. althochdeutsch: thionōn, „dienen“). Hohe Adelige und Geistliche bildeten den Rat der Weisen (Witenagemot). Dieser wählte den König, der politisches und militärisches Oberhaupt war. Meist wurde die Königswürde aber an den erstgeborenen Sohn weitergegeben. Der König erließ Gesetze, entschied Rechtsstreitigkeiten und erhob Steuern. Die Mitglieder der königlichen Gefolgschaft (Gesith von altenglisch sīþ, „Reise“) setzten sich aus Adeligen (Thegn/Thane) zusammen, die mindestens 240 Hektar Land besaßen. Diese mussten im Kriegsfall für den König ein bis zwei Monate im Jahr Milizen (Fyrd) ausheben. Daneben verfügte der König über eine eigene Armee (Huscarls). Das angelsächsische Staatsgefüge wurde verwaltungsmäßig in Shires eingeteilt, dem ein Ealdorman aus dem Hochadel vorstand, höchster Verwaltungsbeamter eines Shire war der Sheriff. Wikingerzeit Zu Beginn des 9. Jahrhunderts nahmen die gewaltsamen Einfälle und Raubzüge der Wikinger zu, die Epoche der Wikingerzeit in den angelsächsischen Reichen begann. Zunächst gelangen den Angelsachsen durchaus einige Abwehrerfolge, bevor die Intensität der Angriffe zunahm. Besonders verheerend waren die Folgen des großen Wikingereinfalls von 866 (Großes Heidnisches Heer). Im Norden Englands etablierten sich die Dänen im Danelag. Die angelsächsische Sprache wurde deshalb auch durch das Dänische beeinflusst. Alfred der Große konnte die Wikinger im Jahr 878 zwar zurückschlagen und weite Teile des angelsächsischen Englands vereinen, die Wikingergefahr blieb aber auch in der Folgezeit bestehen. Dennoch stellt Alfreds Regierungszeit einen Höhepunkt der angelsächsischen Geschichte dar, in der es zu einer kulturellen Neuentfaltung kam. Die folgenden angelsächsischen Könige Englands mussten sich aber wieder mit äußeren Bedrohungen und inneren Konflikten beschäftigen. Im frühen 11. Jahrhundert beherrschte Knut der Große ein Nordseereich, zu dem auch England gehörte, wenngleich Knuts Reich nach seinem Tod wieder rasch zerfiel. Im Jahre 1066 wurde das Gebiet der Angelsachsen von den Normannen erobert. Gleichwohl hielten sich angelsächsische Kultur und Sprache noch längere Zeit, bis eine Vermischung mit der französischen Sprache der Normannen eintrat. Ein Beispiel für die Auseinandersetzung zwischen Angelsachsen und Normannen ist die Sagengestalt Robin Hood, der den Widerstand der Angelsachsen gegen die Normannenherrschaft symbolisierte. Kultur der Angelsachsen Die Kulturfrage der Angelsachsen ist untrennbar verbunden mit der Entstehung des frühen, christlichen Englands. Durch den Primat des Christentums wurde die Staatsorganisation nach römischem Vorbild vom Adel, wie vergleichbar zuvor bei den merowingischen Franken, angenommen; ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Baustein für die angelsächsischen Kleinkönigreiche. Das aufblühende klerikale Schrifttum (für das 8. Jahrhundert besonders hervorzuheben sind die umfassenden Werke des gelehrten Geistlichen Beda Venerabilis), die Mission, die immer staatspolitische Berührungen und daher streckenweise symbiotische Züge aufwies, bildet den Abschluss der heidnischen angelsächsischen Zeit der Besiedlung und Konsolidierung und begleitet und fördert die Bildung dessen, was als „englisch“ identifiziert und verstanden wurde. Die Christianisierung der Angelsachsen ist ein Prozess, der das ganze 7. Jahrhundert umfasst: Sie begann 597 mit der Ankunft von Missionaren der römisch-katholischen Kirche unter Führung des Augustinus von Canterbury, des späteren ersten Erzbischofs von Canterbury, die von Papst Gregor dem Großen ausgesandt wurden und verstärkte sich durch die Ankunft von iro-schottischern Missionaren ab den 630er Jahren. Waren die ersten germanischen Übersiedler nach den Föderaten in ihrer Kultur nicht zu unterscheiden von den kontinentalen Stammesmitgliedern, so setzte gerade die Konsolidierung des 6.–7. Jahrhunderts im Gleichklang mit der iro-keltischen christlichen Mission die Schritte der kulturellen Transformation hin zur eigenständigen christlichen Kultur germanischer Prägung. Zur selben Zeit, als die Inselangeln und -sachsen neue Wege beschritten, verblieben die kontinentalen Verwandten in ihrem tradierten und gewohnten Kultus. Die eintretende Entfremdung war die natürliche Folge. An den Keramikfunden des 6. Jahrhunderts wird deutlich, wie sich mit der Form, insbesondere die sich verändernde Ornamentik bis zum Verlust sämtlicher Verzierungen bei Funden in Kent, die Menschen wandelten. Die sakrale Architektur und Formgebung, die bildlichen Darstellungen prägten und formten die Vorstellungen und den Sinn der Menschen für die Beherrschung der neuen christlichen Form mit dem unverkennbaren germanischen Erbe. Hinzu kommt der starke monastische Einfluss aus den Klöstern heraus auf die Alltagskultur der ländlichen Bevölkerung, beispielsweise in der qualitativen Verbesserung der landwirtschaftlichen Anbautechniken. Sprache und Schrift Das Neuenglische gehört zum anglo-friesischen Zweig der westgermanischen Sprachgruppe. Die drei ethnischen Hauptteile der Angelsachsen sind sprachlich deshalb eng verwandt, da sie der kontinentalgermanischen ingväonischen Kultgruppe angehörten oder entstammten. Altenglisch, das dem Altsächsischen ähnlich ist, stellt demnach eine wesentliche Wurzel der englischen Sprache dar. Trotz 1500-jähriger unterschiedlicher Entwicklung, sind Gemeinsamkeiten zwischen dem Englischen und dem Niederdeutschen, das sich aus dem Altsächsischen entwickelt hat, noch zu erkennen. Angelsächsische Kunst Galt die Zeit der Angelsachsen bezüglich ihrer Kunst lange Zeit als Dark Age, so hat vor allem der Grabfund von Sutton Hoo Ende der 1930er Jahre in Wissenschaftskreisen Aufmerksamkeit erregt, denn hierbei kamen sowohl in handwerklicher Hinsicht als auch in künstlerischer Hinsicht äußerst qualitätvolle Dinge zutage. Religiöse Bekenntnisse Heidnische Religion Die heidnische Periode der Germanen in Britannien dauerte etwa 150 Jahre (ab Mitte des 5. Jahrhunderts betrachtet). Im Wesentlichen führten die ersten Siedler ihren gewohnten religiösen Ritus wie in der alten Heimat fort. Der Ortsnamenforschung zufolge wurden als Hauptgottheiten dieselben verehrt, wie sie für die kontinentalen Sachsen (niedergermanische Stämme) im sächsischen Taufgelöbnis der karolingischen Zeit aufgezählt wurden: Tíw, Þunor und Wóden. Gleichfalls wurde der Kult und die Verehrung von Muttergottheiten, vergleichbar den Matronen der römischen Niederrhein-Region, praktiziert. Kultisch-magische Orte wie Quellen, markante Steine/Felsen und Bäume wurden für öffentliche wie private Opferriten genutzt, Orte mit ehemaliger keltischer Nutzung übernommen. In Verbindung mit dem religiös-kultischen Ritus stehen auch die Vorstellungen von Dämonen/Geisterglauben, Wesen der niederen Mythologie wie Feen, Riesen und anderen. Fragmente beziehungsweise nur spärliche Hinweise aus späterer christlicher Dichtung lassen Rückschlüsse auf die örtlichen heidnischen Vorstellungen zu. Mythische Sagen als solche sind, abgesehen vom Epos Beowulf, nicht überliefert. Falls es sie gegeben hat, sind sie verloren gegangen. Lediglich die Abstammungssage (siehe Origo gentis) der Angelsachsen ist durch Beda erhalten. Er berichtet, dass die Sachsen vom britischen König Vortigern gerufen wurden und mit drei Schiffen unter dem mythischen Brüderpaar Hengest und Horsa an der Küste Britanniens anlandeten. Diese Art von Herkunftssagen sind auch bei den Goten oder Langobarden verbreitet, Tacitus berichtete in der Germania (Kap. 2) von der mythischen Abstammung der Germanen. Christianisierung Die Christianisierung begann um 597 mit der Entsendung von 40 Missionaren durch Papst Gregor den Großen und dem Ausbau respektive der Reorganisation der englischen Kirche durch Erzbischof Theodor von Canterbury, welche Ende des 7. Jahrhunderts – im Gegensatz zum Festland – weitgehend abgeschlossen war. Sie bildet den eigentlichen Abschluss der angelsächsischen Phase in Bezug auf die kontinentale und pagane Herkunft in Verbindung mit dem Entstehen der frühenglischen Gesellschaft beziehungsweise einer beginnenden englischen Identität. Die diesbezüglich bei weitem wichtigste Quelle ist Bedas umfassende Historia ecclesiastica gentis Anglorum. Die Angelsachsen hatten zuvor mehrere Königreiche gebildet (Heptarchie). Die Hinwendung zum Christentum war wie anderen Ortes im germanischen Kulturraum und immer eine Frage der machtpolitischen Opportunität der herrschenden angelsächsischen Adelsschicht. Im Volk erhielten sich die heidnischen Brauchtümer und wurden von klerikaler Seite aus geduldet und teilweise bei empfundener Kompatibilität im kirchlichen Kultus übernommen. Wie überall im germanischen Kontext wurden ebenfalls ehemalig pagane Kultorte in christliche umgewandelt durch die Errichtung von Kapellen und die organisatorische Einsetzung von Kirchspielen um diese Orte. Siehe auch Geschichte Englands Liste der Herrscher Englands Altenglische Literatur Literatur Michael Lapidge, John Blair, Simon Keynes, Donald Scragg (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. 2. Aufl. Wiley-Blackwell, Chichester 2014. James Campbell (Hrsg.): The Anglo-Saxons. Penguin, London u. a. 1991 (orig. 1982). James M. Harland: Ethnic Identity and the Archaeology of the aduentus Saxonum. A Modern Framework and its Problems. Amsterdam University Press, Amsterdam 2021. Heinrich Härke: Die Entstehung der Angelsachsen. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Altertumskunde – Altertumswissenschaft – Kulturwissenschaft: Erträge und Perspektiven nach 40 Jahren Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-027360-1, S. 429–458 (Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 77). Nicholas J. Higham, Martin J. Ryan: The Anglo-Saxon World. Yale University Press, New Haven 2013. Carly Hilts: Writing early medieval England :Tracing the first echoes of Anglo-Saxon voices In: Current archaeology, Nº. 346, 2019 ISSN 0011-3212, Harald Kleinschmidt: Die Angelsachsen. Beck, München 2011. (Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR, Bd. 4). Henrietta Leyser: A Short History of the Anglo-Saxons. I.B. Tauris, London/New York 2017. Marc Morris: The Anglo-Saxons: A History of the Beginnings of England. Pegasus, New York 2021. Jürgen Udolph: Die Landnahme Englands durch germanische Stämme im Lichte der Ortsnamen. In: Edith Marold, Christiane Zimmermann (Hrsg.): Nordwestgermanisch. De Gruyter, Berlin/New York 1995, ISBN 3-11-014818-8, S. 223–270 (Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde 13). Weblinks Umfassende Bibliographie (PDF; 6,0 MB) Angeln und Sachsen als elitäre Herrscherklasse − Was die Gene heutiger Engländer über die Gesellschaftsstruktur im frühen Mittelalter aussagen Fakten über die grösste Zuwanderung Anmerkungen Geschichte Englands in der Antike Historische europäische Ethnie ! ! Frühmittelalter
Q32768
294.57789
50643
https://de.wikipedia.org/wiki/Ahorne
Ahorne
Die Ahorne (Acer) bilden eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Rosskastaniengewächse (Hippocastanoideae) innerhalb der Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Je nach Autor gibt es 110 bis 200 Ahorn-Arten. Sie sind in gemäßigten und tropischen Gebieten in Eurasien, Nordafrika, Zentral- und Nordamerika weit verbreitet. Viele Arten werden vielseitig genutzt. Beschreibung und Ökologie Erscheinungsbild und Blätter Bis auf zwei Arten sind Ahorn-Arten sommergrüne Bäume oder Sträucher. Die gegenständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die meist einfache Blattspreite ist meist handförmig gelappt. Manche Arten besitzen unpaarig gefiederte Blattspreiten, mit drei oder fünf Blättchen, zum Beispiel der Eschen-Ahorn (Acer negundo). Es liegt meist eine handförmige Nervatur vor, selten ist Fiedernervatur. Der Blattrand ist glatt oder gezähnt. Es sind keine Nebenblätter vorhanden. Das Laub vieler Arten besitzt eine intensive Herbstfärbung. Blütenstände und Blüten Die Blüten stehen in schirmtraubigen oder doldigen, seltener traubigen oder großen rispigen Blütenständen zusammen. Die Blüten sind selten zwittrig, sondern meist funktional eingeschlechtig. Die radiärsymmetrischen Blüten sind meist fünfzählig, nur selten vier- oder sechszählig, mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Es sind meist fünf, selten vier oder sechs Kelchblätter vorhanden. Es sind meist fünf, selten vier oder sechs Kronblätter vorhanden, selten fehlen sie. Es sind meist acht, selten vier, fünf, zehn oder zwölf freie Staubblätter vorhanden. Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Je Fruchtblatt gibt es selten eine, meist zwei Samenanlagen. Der Griffel ist meist zweigabelig und es sind zwei Narben vorhanden. Die Blütenformel lautet:   . Früchte und Samen Es werden Spaltfrüchte gebildet, die als zwei geflügelte Nussfrüchte (Samara) abfallen. Beim ausgereiften Samen ist kein Endosperm vorhanden. Der öl- oder stärkehaltige Embryo besitzt eine verlängerte Radicula und zwei flache oder gefaltete, grüne Keimblätter (Kotyledonen). Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 13; es liegt meist Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 26 vor. Ökologie Man unterscheidet zwischen insekten- und windbestäubten Arten. Bei insektenbestäubten (Entomophilie) Arten ist am Grunde der Blüten ein Diskus vorhanden, denn er dient der Anlockung von Insekten. Die Teilfrucht führt durch ihre spezielle aerodynamische Form (Monopteros) beim Herunterfallen zu Autorotation, dieses bewirkt ein langsameres Absinken der Samen und eine großflächige Verteilung der Diasporen durch den Wind. Systematik und Verbreitung Taxonomie Die Gattung Acer wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 1054 und 1754 in Genera Plantarum, 5. Auflage, S. 474 aufgestellt. Als Lectotypus wurde 1913 Acer pseudoplatanus durch N. L. Britton in A. Brown: Ill. Fl. N.U.S. 2. Auflage, 2, S. 494 festgelegt. Synonyme für Acer sind: Argentacer , Negundo , Saccharodendron , Rulac , Rufacer . Äußere Systematik Molekularbiologische Untersuchungen ergaben, dass die Gattung Acer zur Unterfamilie Hippocastanoideae innerhalb der Familie der Sapindaceae gehört. Sie wurde früher in die selbstständige Familie der Rosskastaniengewächse (Hippocastanoiceae) gestellt. Verbreitung und Evolution Die initiale Radiation innerhalb der Gattung Acer erfolgte am Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren. Fossilfunde von Laubblättern und Früchten erlauben die Entwicklung der Gattung Acer durch die darauffolgenden geologischen Epochen gut nachzuverfolgen. Die ältesten Fundorte sind nicht deckungsgleich mit dem Zentrum der Artenvielfalt der rezenten Arten. Der älteste Fossilfund stammt aus Alaska des Tertiärs. Die rezenten Arten, die in Nordamerika, in Europa und im Mittelmeerraum vorkommen stammen aus Wanderbewegungen aus Asien seit dem Miozän. Das Zentrum der Artenvielfalt und die Areale der ursprünglichsten Arten zeigen dennoch, dass der Ursprung der Gattung Acer in Asien liegt. Die Gattung Acer ist auf der Nordhalbkugel in Nordafrika, Eurasien, Zentral- und Nordamerika weitverbreitet. Ihre Arten gedeihen in gemäßigten, subtropischen und tropischen Gebieten, in den Tropen aber nur im Gebirge. Viele rezente Ahorn-Arten weisen eine holarktische Verbreitung auf. 80 % der etwa 129 bis 156 Arten (Stand 2020) kommen in Asien vor. 99 Arten kommen in der Volksrepublik China vor, 61 davon nur dort. 13 Arten kommen in Nepal und acht Arten in Pakistan vor. Weniger als 20 % der Arten haben ihre Verbreitungsgebiete in Nordamerika. Seit den Eiszeiten sind in Europa nur noch wenige Ahorn-Arten heimisch. Im deutschen Sprachraum kommen neben Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) und Feld-Ahorn (Acer campestre) auch Französischer Ahorn (Acer monspessulanum), Schneeball-Ahorn (Acer opalus) und Tatarischer Steppen-Ahorn (Acer tataricum) wild vor. Innere Systematik Die Gattung Ahorn (Acer) umfasst 110 bis 200 Arten. Die Gliederung der Gattung Ahorn (Acer) wird kontrovers diskutiert. Die Gattung Acer wurde nach morphologischen Merkmalen durch Pax 1885, Pax 1886, Pojárkova 1933, Momotani 1962, Ogata 1967, de Jong 1976, Delendick 1981, Delendick 1982, Mai 1984, de Jong 1994 in Untergattungen, Sektionen und Serien gegliedert. Die Anzahl und der Umfang der Sektionen verändert sich je nach Stand der Wissenschaft. Molekulargenetische Daten machen neue Gliederungen erforderlich. Li et al. 2006 erstellten eine Gliederung, die nachfolgend nach den jeweiligen Erkenntnissen verändert wurde. Beispielsweise wird in folgende Sektionen (sect.) gegliedert, die teilweise nochmals feiner in Serien (ser.) unterteilt werden: Sektion Acer : Sie enthält etwa drei Serien auf der Nordhalbkugel: Serie Acer: Sie enthält etwa sechs Arten: Acer caesium Bei manchen Autoren gibt es zwei Unterarten, bei anderen gelten diese als Synonym: Acer caesium subsp. caesium (Syn.: Acer luteolum , Acer molle nom. illeg.): Sie gedeiht im Hindukusch sowie im Himalaya und ist vom nördlichen Indien, Pakistan und Nepal bis China verbreitet. Acer caesium subsp. giraldii (Syn.: Acer giraldii ) Sie kommt nur im zentralen China vor. Griechischer Ahorn (Acer heldreichii ): Die zwei Unterarten sind in der südwestlichen, südlichen, zentralen und zentral-östlichen Balkanhalbinsel verbreitet. Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus ): Er ist von Südwest- über Mittel- bis Nord-, Ost- sowie Südosteuropa und im Kaukasusraum verbreitet. Er ist in vielen Gebieten der Welt ein Neophyt. Acer sosnowskyi : Sie kommt nur in Georgien sowie Abchasien vor. Kaukasus-Ahorn (Acer trautvetteri , Syn.: Acer heldreichii subsp. trautvetteri ): Er ist im Kaukasusraum und in der Türkei verbreitet. Samt-Ahorn (Acer velutinum ): Er kommt in Georgien, Aserbaidschan und Nachitschewan vor. Er wird als Zierpflanze verwendet. Acer yangbiense : Sie wurde 2003 erstbeschrieben. Diese seltene, stark gefährdete Art gedeiht in Mischwäldern in Tälern in Höhenlagen von etwa 2400 Metern nur in Yangbi im westlichen Yunnan. Serie Monspessulana : Sie enthält etwa acht Arten: Granada-Ahorn (Acer granatense , Syn.: Acer opalus subsp. granatense , Acer opalus subsp. hispanicum , Acer hispanicum ): Von den zwei Unterarten kommt nur in Marokko und die andere auf Mallorca sowie im südlichen Spanien vor. Balkan-Ahorn (Acer hyrcanum ): Es gibt viele Unterarten: Acer hyrcanum subsp. hyrcanum: Sie ist von der Balkanhalbinsel bis Westasien, im Kaukasusraum und zum Libanon sowie nördlichen Iran verbreitet. Acer hyrcanum subsp. intermedium : Sie kommt vom ehemaligen Jugoslawien über Albanien sowie Bulgarien bis Griechenland vor. Acer hyrcanum subsp. keckianum : Sie kommt vom westlichen asiatischen Teil der Türkei bis Syrien und zum Libanon vor. Acer hyrcanum subsp. reginae-amaliae : Sie kommt im zentralen Griechenland und im westlichen asiatischen Teil der Türkei vor. Acer hyrcanum subsp. sphaerocarpum : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei vor. Acer hyrcanum subsp. stevenii : Dieser Endemit kommt nur in Utchan Gorge auf der Krim vor. Acer hyrcanum subsp. tauricolum : Sie kommt vom asiatischen Teil der Türkei bis Syrien und zum Libanon vor. Acer iranicum : Sie wurde 2020 aus dem nördlichen Iran erstbeschrieben. Acer mazandaranicum : Sie wurde 2008 aus dem Iran erstbeschrieben. Französischer Ahorn, Burgen-Ahorn (Acer monspessulanum ): Die vielen Unterarten sind im Mittelmeerraum verbreitet: Acer monspessulanum subsp. assyriacum : Sie kommt vom nördlichen Irak bis nördlichen Iran vor. Acer monspessulanum subsp. cinerascens : Sie kommt von der südöstlichen Türkei über Transkaukasien und dem Irak bis zum westlichen Iran vor. Acer monspessulanum subsp. ibericum : Sie kommt von der östlichen Türkei über den Kaukasusraum bis zum nördlichen Iran vor. Acer monspessulanum subsp. microphyllum : Sie kommt von der südlichen Türkei bis Syrien und Libanon vor. Acer monspessulanum subsp. monspessulanum: Sie ist von Mittel- (auch in Deutschland) und Südeuropa bis Nordafrika und in der Türkei verbreitet. Acer monspessulanum subsp. oksalianum : Sie kommt von der südöstlichen Türkei bis nordwestlichen Iran vor. Acer monspessulanum subsp. persicum : Sie kommt nur im zentralen Iran vor. Acer monspessulanum subsp. turcomanicum : Sie kommt nur vom nordöstlichen Iran bis südlichen Turkmenistan vor. Syrischer Ahorn (Acer obtusifolium): eine von zwei immergrünen Ahorn-Arten. Sie kommt im Taurus-Gebirge der Türkei, in Syrien, im Libanon, in Israel und vielleicht auf Zypern vor. Schneeball-Ahorn (Acer opalus ): Es gibt zwei Unterarten: Acer opalus subsp. obtusatum (Syn.: Acer obtusatum , Acer opalus var. obtusatum ): Sie kommt im nördlichen Algerien, Albanien, früheren Jugoslawien, Griechenland, Italien (inklusive Sizilien) und Korsika vor. Acer opalus subsp. opalus: Sie kommt in Deutschland (nur kleines Gebiet), der Schweiz (nur kleines Gebiet), Italien, Frankreich (inklusive Korsika) und Spanien vor. Kreta-Ahorn (Acer sempervirens , Syn.: Acer orientale auct.): Er ist eine der beiden immergrünen Acer-Arten und hauptsächlich in Griechenland im Bereich der Ägäis verbreitet, einzelne Vorkommen gibt es in der Türkei. Acer undulatum : Sie kommt in der Türkei vor. Serie Saccharodendron : Sie enthält etwa acht Arten, die von Kanada über die USA und Mexiko bis Guatemala vorkommen: Acer binzayedii : Sie wurde 2017 aus Mexiko erstbeschrieben. Acer floridanum : Sie kommt in den südlichen-zentralen bis südöstlichen USA vor. Acer grandidentatum : Die etwa zwei Unterarten sind von den zentralen USA bis Mexiko verbreitet. Acer leucoderme : Sie kommt in den südöstlichen USA vor. Schwarz-Ahorn (Acer nigrum ): Sie ist im östlichen Nordamerika verbreitet. Zucker-Ahorn (Acer saccharum ): Er ist von Kanada über die USA bis Mexiko und Guatemala weitverbreitet. Er wird als Zierpflanze verwendet. Je nach Autoren gibt es mehrere Unterarten: Acer saccharum subsp. ozarkense Sie kommt von Mexiko bis Guatemala vor. Acer saccharum subsp. saccharum: Sie ist von Kanada bis zu den USA verbreitet. Acer skutchii : Sie kommt von den mexikanischen Bundesstaaten Tamaulipas sowie Chiapas bis Guatemala vor. Sektion Arguta : Sie enthält nur vier bis fünf Arten im Himalaya, in China und in Japan: Acer acuminatum : Sie ist im südlichen Tibet, nördlichen Indien, Kaschmir, Nepal und Pakistan verbreitet. Feinzähniger Ahorn (Acer argutum ): Er kommt nur auf den japanischen Inseln Honshū sowie Shikoku vor. Acer barbinerve (Syn: Acer barbinerve var. chanbaischanense , Acer diabolicum subsp. barbinerve ): Sie kommt im östlichen Russland, in Nordkorea und in den chinesischen Provinzen Heilongjiang, Jilin sowie Liaoning vor. Acer stachyophyllum : Es gibt etwa zwei Unterarten: Acer stachyophyllum subsp. betulifolium : Sie kommt in Myanmar und in den chinesischen Provinzen südliches Gansu, westliches Henan, westliches Hubei, Ningxia, südliches Shaanxi, Sichuan sowie Yunnan vor. Acer stachyophyllum subsp. stachyophyllum: Sie kommt im nördlichen Indien, in Bhutan, Myanmar, Nepal, im südlichen bis südöstlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen Hubei, Sichuan, nordwestliches Yunnan vor. Sektion Ginnala : Sie enthält nur eine Art: Tatarischer Steppenahorn (Acer tataricum ): Es gibt vier bis fünf Unterarten: Acer tataricum subsp. aidzuense (Syn.: Acer aidzuense , Acer aidzuense var. yezoense , Acer ginnala var. aidzuense , Acer ginnala var. yezoense , Acer subintegrum , Acer tataricum var. aidzuense ): Sie kommt von Sachalin über die Kurilen bis Japan vor. Feuer-Ahorn oder Amur-Ahorn (Acer tataricum subsp. ginnala ): Er ist in China, im östlichen Russland, in der Mongolei, Korea und in Japan verbreitet. Acer tataricum subsp. semenovii : Sie ist in Südwestasien, Afghanistan, im südlichen Russland sowie im westlichen Xinjiang verbreitet. Acer tataricum subsp. tataricum: Sie ist vom östlichen Mittel- über Ost- und Südosteuropa bis Westasien und bis zum nördlichen Iran verbreitet. Acer tataricum subsp. theiferum : Sie gedeiht in lichten Wäldern unterhalb einer Höhenlage von 1800 Metern in den chinesischen Provinzen Anhui, nördliches Guangdong, Henan, Hubei, Jiangsu, Jiangxi, Shaanxi sowie Zhejiang. Sektion Glabra : Sie enthält nur noch eine Serie: Serie Glabra: Sie enthält nur eine Art: Kahler Ahorn (Acer glabrum ): Er ist im westlichen bis zentralen Nordamerika weitverbreitet. Es gibt Fundortangaben für die kanadischen Provinzen Alberta sowie British Columbia und die US-Bundesstaaten Alaska, Washington, Montana, Oregon, Nebraska, Colorado, Wyoming, Nevada, Utah, Kalifornien sowie New Mexico. Es gibt vier bis fünf Unterarten: Acer glabrum var. diffusum : Sie kommt in den westlichen US-Bundesstaaten Arizona, Nevada, Utah sowie Kalifornien vor. Acer glabrum var. douglasii Acer glabrum subsp. glabrum Acer glabrum var. neomexicanum : Sie kommt von Utah über New Mexico bis zum mexikanischen Bundesstaat Chihuahua vor. Sektion Hyptiocarpa : Sie gibt es bei Davis 2021 nicht. Sie enthält nur zwei Arten in Südostasien: Acer laurinum (Syn.: Acer chionophyllum , Acer decandrum , Acer garrettii , Acer laurinum subsp. decandrum , Acer longicarpum , Acer macropterum , Acer niveum , Acer philippinum ): Das weite Verbreitungsgebiet dieser relativ seltenen Art reicht bis in die Südhalbkugel. Sie ist vom südlichen Indien über Myanmar, Thailand, Kambodscha, Laos, Vietnam, Malaysia bis Indonesien, auf den Philippinen und in den chinesischen Provinzen südwestliches Guangxi, Hainan, südöstliches Tibet, nordwestliches sowie südliches Yunnan verbreitet. Acer pinnatinervium (Syn.: Acer jingdongense , Acer machilifolium ): Diese sehr seltene, gefährdete Art kommt im nördlichen Indien, in Thailand, im südwestlichen Tibet sowie in Yunnan vor. Sektion Indivisa : Sie enthält nur eine Art: Hainbuchenblättriger Ahorn (Acer carpinifolium ): Sie gedeiht in Höhenlagen von 200 bis 1500 Metern nur auf den japanischen Inseln Honshū (westlicher Teil), Shikoku und Kyushu. Sektion Lithocarpa : Serie Lithocarpa: Von den etwa neun asiatischen Arten kommen acht in China vor, sechs davon nur dort: Acer amamiense : Sie wurde aus 2000 aus dem japanischen Nansei-shoto erstbeschrieben. Acer diabolicum : Sie gedeiht in den Bergen im zentralen bis südlichen Japan. Acer kungshanense (Syn.: Acer franchetii var. acuminatilobum , Acer kungshanense var. acuminatilobum ): Dieser Endemit gedeiht in Mischwäldern in Tälern in Höhenlagen von 2000 bis 3200 Metern nur im nordwestlichen sowie südlichen Yunnan. Acer leipoense (Syn.: Acer leipoense subsp. leucotrichum , Acer longipedicellatum ): Dieser gefährdete Endemit gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 2000 bis 2700 Metern nur im südwestlichen Sichuan. Acer lungshengense (Syn.: Acer lichuanense ): Sie gedeiht in Mischwäldern in Tälern in Höhenlagen von 1500 bis 1800 Metern in den chinesischen Provinzen nordöstliches Guangxi, südöstliches Guizhou, südwestliches Hubei sowie nordwestlichen Hunan. Acer sinopurpurascens : Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 700 bis 1000 Metern in den chinesischen Provinzen südliches Anhui, nordöstliches Hubei, nördliches Jiangxi sowie nordwestliches Zhejiang. Acer sterculiaceum : Sie ist im nördlichen Indien, in Bhutan, im südlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen Guizhou, südwestliches Henan, nordwestliches Hubei, Hunan, südliches Shaanxi, Sichuan sowie Yunnan verbreitet. Acer thomsonii : Sie ist im nördlichen Indien, in Bhutan, Nepal, Myanmar, Thailand, im südlichen Tibet und im südlichen Teil in der chinesischen Provinz Yunnan verbreitet. Acer tsinglingense : Sie gedeiht in lichten Wäldern in Höhenlagen von 1200 bis 1500 Metern in den chinesischen Provinzen südöstliches Gansu, südwestliches Henan sowie Shaanxi. Acer yangbiense : Dieser seltene und stark gefährdete Endemit gedeiht in Mischwäldern in Tälern in Höhenlagen von etwa 2400 Metern nur in Yangbi im westlichen Yunnan. Serie Macrophylla : Oregon-Ahorn (Acer macrophyllum ): Er ist im westlichen Nordamerika von Alaska über British Columbia, Washington und Oregon bis Kalifornien verbreitet. Sektion Macrantha : Sie enthält etwa 18 Arten im Himalaya, in China (elf Arten), Taiwan (zwei Arten), Japan, im östlichen Russland und Nordamerika: Roter Schlangenhaut-Ahorn (Acer capillipes ): Er kommt nur auf den japanischen Inseln Honshu sowie Shikoku vor. Er wird als Zierpflanze verwendet. Acer caudatifolium (Syn.: Acer kawakamii , Acer taiton-montanum ): Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 200 bis 2100 Meter nur in Taiwan. Acer chienii : Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 2200 bis 3000 Metern nur im nordwestlichen Yunnan. Weißdornblättriger Ahorn (Acer crataegifolium ): Er kommt nur auf den japanischen Inseln Honshu, Kyushu sowie Shikoku vor. Er wird als Zierpflanze verwendet. Davids-Ahorn (Acer davidii ): Sie ist in Myanmar und weiten Teilen Chinas verbreitet. Sie wird als Zierpflanze verwendet. Acer forrestii : Sie gedeiht in Mischwäldern in Tälern in Höhenlagen zwischen 3000 und 3800 Metern nur im südwestlichen Sichuan sowie nordwestlichen Yunnan. Sie wird von manchen Autoren auch als Unterart Acer pectinatum subsp. forrestii zu Acer pectinatum gestellt. Acer komarovii : Sie kommt im nördlichen Korea, östlichen Russland und in den chinesischen Provinzen Jilin sowie Liaoning vor. Acer laxiflorum : Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 1800 bis 2500 Metern nur in Sichuan sowie Yunnan. Sie wird von manchen Autoren auch als Unterart Acer pectinatum subsp. laxiflorum zu Acer pectinatum gestellt. Acer maximowiczii (Syn.: Acer urophyllum ): Sie gedeiht in Mischwäldern in Tälern in Höhenlagen von 1800 bis 2500 Metern in den chinesischen Provinzen südwestliches Gansu, nordöstliches Guangxi, Guizhou, westliches Henan, westliches Hubei, Hunan, südwestliches Qinghai, südwestliches Shaanxi, südwestliches Shanxi sowie Sichuan. Sie wird von manchen Autoren auch als Unterart Acer pectinatum subsp. maximowiczii zu Acer pectinatum gestellt. Acer metcalfii : Sie gedeiht in Mischwäldern an Fließgewässern in Höhenlagen von 800 bis 1500 Metern im nördlichen Guangdong, nordöstlichen Guangxi, südöstlichen Guizhou sowie südlichen Hunan. Kleinblütiger Ahorn (Acer micranthum ): Er kommt nur auf den japanischen Inseln Honshu, Kyushu sowie Shikoku vor. Acer morrisonense (Syn.: Acer rubescens ): Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 1800 bis 2200 Metern nur im östlichen sowie südlichen Taiwan. Acer pectinatum nom. illeg. und nom. superfl. (es ist neuer gültiger Name erforderlich): Sie kommt vom nordöstlichen Indien über Bhutan, Nepal und dem nordöstlichen Myanmar bis China vor. Streifen-Ahorn (Acer pensylvanicum ): Er ist im östlichen bis zentralen Nordamerika weitverbreitet. Es gibt Fundortangaben in den kanadischen Provinzen Nova Scotia, Ontario sowie Quebec und in den Nordamerikanischen Bundesstaaten Minnesota, Wisconsin, Connecticut, Maine, Massachusetts, Michigan, New Hampshire, New Jersey, New York, Ohio, Pennsylvania, Rhode Island, Vermont, West Virginia, Georgia, Kentucky, Maryland, North Carolina, South Carolina, Tennessee, Virginia. Rotnerviger Schlangenhaut-Ahorn (Acer rufinerve ): Er kommt nur auf den japanischen Inseln Honshu, Kyushu sowie Shikoku vor. Er wird als Zierpflanze verwendet. Acer sikkimense (Syn.: Acer hookeri , Acer medogense , Acer pluridens ): Sie kommt von Assam, Nepal, Sikkim, Bhutan über das nördliche Myanmar und südöstliche Tibet bis Yunnan vor. Koreanischer Schlangenhaut-Ahorn (Acer tegmentosum ): Er kommt in Sibirien, Korea und in den chinesischen Provinzen Heilongjiang, Jilin sowie Liaoning vor. Acer tschonoskii : Sie kommt auf den japanischen Inseln Hokkaidō, Honshu, Kyushu sowie Shikoku vor. Sektion Negundo : Sie enthält zwei Serien mit insgesamt nur drei Arten im östlichen Asien und Nordamerika: Serie Cissifolia: Cissusblättriger Ahorn (Acer cissifolium ): Er kommt auf den japanischen Inseln Hokkaidō, Honshū, Kyushu sowie Shikoku vor. Er wird als Zierpflanze verwendet. Henrys Ahorn (Acer henryi , Syn.: Acer cissifolium subsp. henryi , Acer henryi var. serratum ): Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 500 bis 1500 Metern in den chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Gansu, Guizhou, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, südlichen Shaanxi, südlichen Shanxi, Sichuan sowie Zhejiang. Serie Negundo Eschen-Ahorn (Acer negundo ): Sie ist in Nordamerika verbreitet und in vielen Gebieten der Welt ein Neophyt. Sektion Oblonga : Sie enthält etwa 15 Arten im Himalaya, in China (14 Arten), Laos, Thailand, Vietnam und Japan: Acer albopurpurascens (Syn.: Acer hypoleucum , Acer litseifolium ): Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von 400 bis 2000 Metern nur in Taiwan. Dreispitz-Ahorn, Dreispitziger Ahorn (Acer buergerianum ): Er ist in weiten Teilen Chinas, Taiwan und Japan verbreitet. Acer cordatum : Die zwei Varietäten gedeihen in Wäldern in Tälern in Höhenlagen von 200 bis 1200 Metern in den chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hainan, Hubei, Hunan, Jiangxi, Sichuan, Yunnan sowie Zhejiang. Acer coriaceifolium (Syn.: Acer cinnamomifolium ): Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von 1500 bis 2500 Metern in den chinesischen Provinzen südliches Anhui, Fujian, Guangdong, nördliches Guangxi, Guizhou, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, südöstliches Sichuan sowie Zhejiang. Acer gracilifolium : Sie gedeiht in Mischwäldern in der Nähe von Fließgewässern in Höhenlagen von 300 bis 1000 Meter nur im südöstlichen Gansu sowie nördlichen Sichuan. Acer lucidum (Syn.: Acer laikuanii , Acer pehpeiense , Acer wuyishanicum ): Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von 500 bis 1000 Metern in den chinesischen Provinzen Fujian, nördliches Guangdong, nördliches Guangxi, Jiangxi sowie östliches Sichuan. Acer oblongum : Die zwei Varietäten sind vom nördlichen Indien über Kaschmir, Pakistan, Bhutan, Nepal, Laos, Myanmar, Thailand, weite Teile Chinas und Vietnam bis zum südlichen Japan verbreitet. Sie wird als Zierpflanze verwendet. Acer paihengii : Sie gedeiht in Lorbeerwäldern in Höhenlagen von 700 bis 1100 Metern nur im südöstlichen Yunnan. Acer paxii : Sie gedeiht in Bergwäldern in Höhenlagen von 1500 bis 2500 Metern in den chinesischen Provinzen zentrales bis nördliches Guangxi, Guizhou, südwestliches Sichuan, nordwestliches Yunnan. Acer poliophyllum : Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 1000 bis 1800 Metern nur im südwestlichen Guizhou sowie südöstlichen Yunnan. Acer shihweii : Dieser sehr seltene Endemit gedeiht in dichten Wäldern in Höhenlagen von etwa 1400 Metern in Guizhou nur in Pingba. Acer sycopseoides : Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von 600 bis 2100 Metern nur im nördlichen Guangxi, südlichen Guizhou sowie zentralen Yunnan. Acer yinkunii : Diese seltene Art gedeiht in lichten Wäldern in Höhenlagen von 1000 bis 2000 Metern nur in Guangxi. Acer yui : Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 1800 bis 2000 Metern nur im südlichen Gansu sowie nordwestlichen Sichuan. Sektion Palmata : Sie enthält etwa 35 Arten. Sie sind vom nördlichen Indien über Bhutan, Nepal, Thailand, Myanmar China (34 Arten), Korea, Vietnam und Japan bis zum südöstlichen Russland verbreitet; sie kommen auch im westlichen Nordamerika vor. Nach molekulargenetischen Untersuchung kann 2011 keine Gliederung in Serien erfolgen: Acer calcaratum : Sie kommt in Myanmar, Thailand, Vietnam und im südlichen Yunnan vor. Acer campbellii : Die zwei Varietäten sind im nördlichen Indien, in Bhutan, Myanmar, Nepal, Vietnam, südlichen Tibet, südlichen Sichuan und im nordwestlichen Yunnan verbreitet. Acer ceriferum (Syn.: Acer anhweiense , Acer robustum non ): Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von 700 bis 2000 Metern in den chinesischen Provinzen Anhui, südliches Gansu, Henan, westliches Hubei, südliches Shaanxi, Shanxi, Sichuan sowie Zhejiang. Acer chapaense : Sie kommt in Vietnam vor. Acer chingii (Syn.: Acer sinense subsp. chingii ): Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von 1200 bis 2000 Metern in den chinesischen Provinzen nördliches Guangxi sowie südliches Guizhou. Weinblatt-Ahorn (Acer circinatum ): Er ist im westlichen Nordamerika von der kanadischen Provinz British Columbia über die US-Bundesstaaten Washington sowie Oregon bis Kalifornien verbreitet und ist in vielen Gebieten der Welt ein Neophyt. Er wird als Zierpflanze verwendet. Acer confertifolium (Syn.: Acer john-edwardianum ): Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 500 bis 1000 Metern in den chinesischen Provinzen östliches Fujian, nordöstliches Guangdong, südöstliches Jiangxi. Acer crassum : Dieser Endemit gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von etwa 1000 Metern nur im südöstlichen Yunnan. Acer duplicatoserratum : Sie gedeiht in sommergrünen Wäldern in Höhenlagen von 200 bis 2000 Metern in Taiwan und in den chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Guizhou, südliches Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Shandong sowie Zhejiang verbreitet. Da das Unterscheidungsmerkmal „flaumige Behaarung“ in den Populationen Übergänge aufweist, reicht es nicht aus, um Varietäten zu unterscheiden. Acer elegantulum (Syn.: Acer olivaceum , Acer yaoshanicum ): Sie gedeiht im Gebirge in Wäldern, meist in Tälern in Höhenlagen von 200 bis 1400 Metern in den chinesischen Provinzen südliches Anhui, Fujian, Guangxi, Guizhou, Hunan, Jiangxi sowie Zhejiang. Acer erianthum (Syn.: Acer oxyodon , Acer stachyanthum ): Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 1000 bis 2300 Metern in den chinesischen Provinzen südliches Gansu, nördliches Guangxi, westliches Hubei, südliches Shaanxi, Sichuan sowie Yunnan. Acer fabri (Syn.: Acer fargesii , Acer prainii ): Sie ist in Vietnam und in den chinesischen Provinzen Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hainan, Hubei, Hunan, Jiangxi, Sichuan sowie Yunnan verbreitet. Acer fenzelianum : Sie kommt in Vietnam und im südlichen Yunnan vor. Acer flabellatum (Syn.: Acer gracile , Acer mapienense , Acer shangszeense ): Sie ist in Vietnam, Myanmar und in den chinesischen Provinzen Guangxi, Guizhou, westliches Hubei, Jiangxi, Sichuan sowie Yunnan verbreitet. Acer hilaense : Dieser Endemit gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von etwa 1500 Metern nur im westlichen Yunnan. Japanischer Ahorn (Acer japonicum ): Er kommt in Japan natürlich vor und wird beispielsweise in China angepflanzt. Acer kuomeii : Sie gedeiht in Bergwäldern meist in Tälern in Höhenlagen von 1300 bis 2300 Metern nur in den chinesischen Provinzen westliches Guangxi sowie südöstliches Yunnan. Acer kwangnanense (Acer fengii ): Dieser Endemit gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 1000 bis 1500 Metern nur im südöstlichen Yunnan. Acer kweilinense (Syn.: Acer huangpingense ): Sie gedeiht in lichten Wäldern in Höhenlagen von 1000 bis 1500 Metern nur in den chinesischen Provinzen nordöstliches Guangxi sowie südöstliches Guizhou. Acer laevigatum : Die zwei Varietäten sind im nördlichen Indien, in Bhutan, Nepal, Myanmar, Vietnam, im südlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen Guangdong, Guangxi, Guizhou, westlichen Hubei, Hunan, nördlichen Shaanxi, Sichuan sowie Yunnan verbreitet. Acer linganense : Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 600 bis 1300 Metern in den chinesischen Provinzen südliches Anhui sowie Zhejiang. Acer miaoshanicum : Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 900 bis 1200 Metern nur in den chinesischen Provinzen nordöstliches Guangxi sowie südöstliches Guizhou. Acer oligocarpum (Syn.: Acer foveolatum ): Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 1400 bis 1600 Metern im südlichen Tibet sowie in Yunnan. Olivers Ahorn (Acer oliverianum , Syn.: Acer lanpingense , Acer schneiderianum ): Sie gedeiht in Wäldern in Tälern in Höhenlagen von 1000 bis 2000 Metern im zentralen bis nördlichen Taiwan und in den chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, südliches Gansu, Guizhou, südliches Henan, westliches Hubei, Hunan, Jiangxi, südliches Shaanxi, Sichuan, Yunnan sowie Zhejiang. Acer osmastonii Fächer-Ahorn (Acer palmatum ): Er ist in Südkorea und auf den japanischen Inseln Hokkaidō, Honshu, Kyushu sowie Shikoku beheimatet. Viele Sorten werden in den gemäßigten Gebieten weltweit als Zierpflanzen verwendet. Bei manchen Autoren gibt es Unterarten, eine davon ist ein Endemit auf Honshu. Acer pauciflorum (Syn.: Acer changhuaense , Acer pubipalmatum ): Sie gedeiht in lichten Wäldern in Höhenlagen von 500 bis 1000 Metern nur in den chinesischen Provinzen südliches Anhui sowie Zhejiang. Koreanischer Fächer-Ahorn (Acer pseudosieboldianum ): Er ist im östlichen Russland, in Korea und in den chinesischen Provinzen Heilongjiang, südöstliches Jilin sowie östliches Liaoning verbreitet. Acer pubinerve : Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von etwa 100 Metern in den chinesischen Provinzen südliches Anhui, nördliches Fujian, Guangdong, nördliches Guangxi, südliches Guizhou, östliches Jiangxi sowie Zhejiang. Acer pubipetiolatum : Die zwei Varietäten gedeihen in Mischwäldern, in Tälern und an Hängen des tropischen Karstes in Höhenlagen von 800 bis 2600 Metern nur in den chinesischen Provinzen südwestliches Guizhou sowie Yunnan. Acer serrulatum : Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von 1000 bis 2000 Metern nur im zentralen bis nördlichen Taiwan. Shirasawas Fächer-Ahorn (Acer shirasawanum ): Er kommt nur auf den japanischen Inseln Honshu sowie Shikoku vor. Er wird als Zierpflanze verwendet. Siebolds Fächer-Ahorn (Acer sieboldianum ): Er ist auf den japanischen Inseln Hokkaidō, Kyushu, Honshū sowie Shikoku verbreitet. Er wird als Zierpflanze verwendet. Acer sinense : Sie gedeiht in Wäldern in Tälern in Höhenlagen von 500 bis 2500 Metern in den chinesischen Provinzen Fujian, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Henan, Hubei sowie Sichuan. Acer sino-oblongum : Dieser Endemit gedeiht in immergrünen Wäldern in nahe der Küste nur in der chinesischen Provinz Guangdong. Acer tonkinense : Sie ist in Myanmar, Thailand, im nördlichen Vietnam, südöstlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen Guangxi, südliches Guizhou sowie südöstliches Yunnan verbreitet. Acer tutcheri : Von den zwei Arten kommt eine nur in Taiwan vor und die andere ist in den chinesischen Provinzen Fujian, Guangdong, Guangxi, südliches Hunan, südliches Jiangxi sowie südliches Zhejiang verbreitet. Sie gedeihen in Wäldern in Höhenlagen von 300 bis 1000 Metern. Acer wangchii : Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 700 bis 1500 Metern nur in den chinesischen Provinzen nördliches Guangxi sowie Guizhou. Acer wilsonii (Syn.: Acer angustilobum , Acer sichourense , Acer taipuense ): Sie ist Myanmar, Thailand, Vietnam, Tibet und in den chinesischen Provinzen nördliches Guangdong, nördliches Guangxi, Guizhou, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, südliches Shaanxi, östliches Sichuan, Yunnan sowie Zhejiang verbreitet. Sektion Parviflora : Sie enthält zwei Serien: Serie Distyla : Sie enthält nur eine Art: Acer distylum : Es ist ein Endemit auf der japanischen Insel Honshū. Serie Parviflora: Sie enthält nur eine Art: Acer nipponicum : Sie kommt auf den japanischen Inseln Honshū, Kyushu sowie Shikoku vor. Er wird als Zierpflanze verwendet. Sektion Pentaphylla : Sie enthält nur noch eine Serie: Serie Pentaphylla: Sie enthält nur eine Art: Acer pentaphyllum : Diese sehr seltene, gefährdete Art gedeiht in Mischwäldern in Tälern in Höhenlagen von 2300 bis 2900 Metern nur im südwestlichen Sichuan. Sektion Platanoidea : Sie enthält 15 bis 16 Arten in Europa, China (zwölf Arten), Japan und Russland: Acer acutum : Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von 800 bis 1100 Metern in den chinesischen Provinzen südliches Anhui, südliches Henan, Jiangxi sowie Zhejiang. Acer amplum : Es gibt etwa vier Unterarten: Acer amplum subsp. amplum: Sie gedeiht in Wäldern in Tälern in Höhenlagen von 1000 bis 2000 Metern in den chinesischen Provinzen südliches Anhui, Fujian, nordwestliches Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hubei, Hunan, Jiangxi, Sichuan, Yunnan sowie Zhejiang. Acer amplum subsp. bodinieri : Sie kommt in Vietnam und in den chinesischen Provinzen Guangxi, Guizhou, Hunan sowie Yunnan vor. Acer amplum subsp. catalpifolium : Diese Neukombination erfolgte 2008. Sie gedeiht in Mischwäldern in Tälern in Höhenlagen von 500 bis 2000 Metern in den chinesischen Provinzen nordöstliches Guangxi, nördliches Guizhou sowie Sichuan. Acer amplum subsp. tientaiense : Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 700 bis 1000 Metern in den chinesischen Provinzen Fujian, Jiangxi sowie Zhejiang. Feld-Ahorn, auch Maßholder genannt (Acer campestre , Syn.: Acer affine , Acer austriacum , Acer bedoei , Acer collinum , Acer leiocarpon , Acer microcarpon , Acer molle , Acer campestre subsp. hebecarpum , Acer campestre var. leiocarpon non , Acer campestre subsp. leiocarpum non ): Er ist vom nordwestlichen Afrika über Europa bis zum Kaukasusraum bis dem nördlichen Iran Pakistan verbreitet. Er wird in den gemäßigten Gebieten fast weltweit angepflanzt. Kolchischer Ahorn (Acer cappadocicum ): Sie kommt im südlichen Italien, in Südwestasien: nordöstliche Türkei, Kaukasien, nördlicher Iran; Himalaya: im nördlichen Indien, in Kaschmir, Pakistan, Nepal, Bhutan, Tibet; Japan und in den chinesischen Provinzen Guizhou, westliches Hubei, südliches Shaanxi sowie Sichuan vor. Es gibt etwa zwei Unterarten. Acer chunii : Von dieser seltenen Art gibt etwa zwei Varietäten: Acer chunii subsp. chunii Sie gedeiht im lichten Wald in Höhenlagen von 800 bis 1200 Metern in den chinesischen Provinzen Fujian sowie nördliches Guangdong. Acer chunii subsp. dimorphophyllum : Dieser Endemit gedeiht im lichten Wald in Höhenlagen von 1000 bis 2500 Metern nur im südwestlichen Sichuan. Acer divergens : Sie kommt von der östlichen Türkei bis Transkaucasien vor. Acer fulvescens : Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von 1800 bis 3200 Metern in Sichuan sowie südöstlichen Tibet. Acer lobelii : Sie kommt von vom zentralen bis südlichen Italien vor. Acer longipes (Syn.: Acer pashanicum ): Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 300 bis 1600 Metern in den chinesischen Provinzen Chongqing, nördliches Guangxi, südliches Henan, Hunan, westliches Hubei, Jiangxi sowie südliches Shaanxi. Acer miaotaiense (Syn.: Acer yangjuechi ): Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 700 bis 1600 Metern in den chinesischen Provinzen südöstliches Gansu, südwestliches Henan, nordwestliches Hubei, südliches Shaanxi sowie Zhejiang. Miyabes Ahorn (Acer miyabei , manchmal eine Unterart von Acer miaotaiense): Er soll in Japan und China vorkommen, aber in der Flora of China ist er ein Synonym. Acer okamotoanum : Dieser Endemit kommt in Südkorea nur in Kyongsang Puk vor. Acer pictum : Die fünf bis acht Unterarten sind in Asien verbreitet: Acer pictum subsp. dissectum (Syn.: Acer marmoratum , Acer pictum var. dissectum , Acer pictum var. connivens , Acer pictum var. marmoratum ): Sie kommt vom zentralen bis ins südliche Japan vor. Acer pictum subsp. glaucum : Dieser Endemit kommt nur im zentralen Honshu vor. Acer pictum subsp. macropterum : Sie gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 1900 bis 3300 Metern im südöstlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen südöstliches Gansu, westliches Sichuan sowie Yunnan. Acer pictum subsp. mayrii Sie kommt von Sachalin über das nördliche bis ins zentrale Japan vor. Acer pictum subsp. mono Sie ist in Japan, im östlichen Russland, in Korea, in der Mongolei, in der Inneren Mongolei und in den chinesischen Provinzen Anhui, Gansu, Hebei, Heilongjiang, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jilin, Liaoning, Shaanxi, Shanxi, Sichuan, Yunnan sowie Zhejiang verbreitet. Acer pictum subsp. pictum: Sie kommt in Japan sowie Korea vor. Sie wird beispielsweise in China angebaut. Acer pictum subsp. pubigerum : Diese Neukombination erfolgte 2008. Sie gedeiht in Lorbeerwäldern in Höhenlagen von 700 bis 1200 Metern in den chinesischen Provinzen südliches Anhui sowie Zhejiang. Acer pictum subsp. savatieri : Sie kommt nur auf den japanischen Inseln zentrales Honshu sowie Shikoku vor. Acer pictum subsp. taishakuense : Dieser Endemit kommt nur im Taishaku-kyo Tal auf Honshu vor. Spitz-Ahorn, auch Spitzblättriger Ahorn genannt (Acer platanoides ): Er ist von Südwest- über Mittel- und Nord- bis Ost- sowie Südosteuropa und im Kaukasusraum, West- sowie Mittelasien weitverbreitet. Es gibt Fundorte von Spanien, Frankreich, Belgien über Deutschland, Polen, die ehemalige Tschechoslowakei und Österreich bis Ungarn, in der Schweiz, Italien, im ehemaligen Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, Albanien, Griechenland, Finnland, Norwegen, Schweden, Estland, Lettland, Litauen, Belarus, dem europäischen Teil Russlands, Ukraine, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Dagestan, Ciskaucasien, Kirgisistan, Tadschikistan bis zum Iran und Afghanistan. Acer shenkanense (Syn.: Acer tricaudatum : Sie gedeiht in Wäldern entlang von Fließgewässern, in Mischwäldern und in Tälern in Höhenlagen von 700 bis 3000 Metern in den chinesischen Provinzen südöstliches Gansu, westliches Hubei, südliches Shaanxi sowie nördliches bis nordwestliches Sichuan. Acer tenellum : Sie gedeiht mit zwei Varietät in Mischwäldern in Tälern in Höhenlagen von 1200 bis 1900 Metern im westlichen Hubei sowie östlichen bis südöstlichen Sichuan. Acer tibetense : Sie gedeiht in Wäldern in Tälern in Höhenlagen von 1600 bis 2700 Metern nur im südöstlichen Tibet. Chinesischer Spitz-Ahorn (Acer truncatum , Syn.: Acer lobulatum ): Er ist in Korea, in der Inneren Mongolei und in den chinesischen Provinzen Gansu, Hebei, Henan, Jiangsu, Jilin, Liaoning, Shaanxi, Shandong sowie Shanxi verbreitet. Acer turkestanicum : Sie kommt in Zentralasien in Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan, Afghanistan sowie Pakistan vor. Sektion Pubescentia : Sie enthält nur zwei Arten in Pakistan, Afghanistan und nördlichen China: Acer pilosum : Sie gedeiht mit zwei Varietät in Wäldern in Höhenlagen von 1000 bis 2000 Metern in der südwestlichen Inneren Mongolei und in den chinesischen Provinzen Gansu, südöstliches Ningxia, Shaanxi sowie Shanxi. Acer pentapomicum : Sie kommt in Pakistan und Afghanistan vor. Sektion Rubra : Sie enthält drei bis vier Arten: Acer pycnanthum : Dieser Endemit gedeiht an feuchten Standorten in den Bergen auf der japanischen Insel Honshū. Rot-Ahorn (Acer rubrum , Syn.: Acer tomentosum ): Er ist im östlichen Nordamerika verbreitet. Er wird als Zierpflanze verwendet. Silber-Ahorn (Acer saccharinum ): Er ist im östlichen Nordamerika verbreitet und ist in einigen Gebieten der Welt ein Neophyt. Er wird als Zierpflanze verwendet. Sektion Spicata : Von den drei Arten kommen zwei im östlichen sowie südlichen Asien und eine in Nordamerika vor: Geschwänzter Ahorn (Acer caudatum ): Er ist im nördlichen Indien, in Bhutan, Nepal, Myanmar, südöstlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen südöstlichen Gansu, westlichen Henan, westlichen Hubei, Ningxia, südlichen Shaanxi, westlichen Sichuan sowie nordwestlichen Yunnan verbreitet. Vermont-Ahorn (Acer spicatum ): Er ist in Nordamerika verbreitet. Acer ukurunduense (Syn. Acer caudatum subsp. ukurunduense , Acer caudatum var. ukurunduense , Acer dedyle , Acer lasiocarpum , Acer spicatum var. ukurunduense , Acer spicatum var. ussuriense , Acer ukurunduense var. changbaishanense ): Sie kommt in Japan, Korea, östlichen Russland und in den chinesischen Provinzen Heilongjiang, Jilin sowie Liaoning vor. Sektion Trifoliata : Sie enthält zwei oder drei Serien mit etwa fünf Arten im östlichen Asien: Serie Grisea : Sie enthält etwa drei Arten: Zimt-Ahorn (Acer griseum , Syn.: Acer nikoense var. griseum , Acer leiopodum , Acer pedunculatum , Acer shensiense , Acer triflorum subsp. leiopodum , Acer triflorum var. leiopodum , Acer zhongtiaoense ): Er gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 1500 bis 2000 Metern in den chinesischen Provinzen südöstlichen Gansu, südwestlichen Henan, westlichen Hubei, nordwestlichen Hunan, südlichen Shaanxi, südlichen Shanxi sowie östlichen Sichuan. Nikko-Ahorn (Acer maximowiczianum , Syn.: Acer nikoense hort. non , Acer maximowiczianum subsp. megalocarpum , Acer nikoense var. megalocarpum , Negundo nikoense ): Er kommt in China und Japan vor. Dreiblütiger Ahorn (Acer triflorum ): Er kommt in Korea und in den chinesischen Provinzen Heilongjiang, Jilin sowie Liaoning vor. Serie Mandshurica : Sie enthält nur eine Art: Mandschurischer Ahorn (Acer mandshuricum , Syn.: Acer kansuense , Acer mandshuricum subsp. kansuense ): Er kommt in Korea, im östlichen Russland und in den chinesischen Provinzen südöstlichen Gansu, Heilongjiang, Jilin, Liaoning sowie südlichen Shaanxi vor. Serie Emeiensia : Sie enthält nur eine Art: Acer sutchuenense : Diese sehr seltene, gefährdete Art gedeiht in Mischwäldern in Höhenlagen von 1000 bis 2500 Metern im westlichen Hubei, nordwestlichen Hunan sowie Sichuan. Sektion Wardiana : Sie enthält nur eine Art, deren Stellung im System, bisher in der Sektion Macrantha, lange diskutiert wurde: Acer wardii (Syn.: Acer mirabile ): Sie kommt vom nordöstlichen Indien über das nordöstliche Myanmar und östliche Tibet bis ins nordwestliche Yunnan vor. Es gibt einige Hybriden (Auswahl): Acer ×boscii Acer ×coriaceum (Syn.: Acer ×rotundilobum ) = Acer monspessulanum × Acer opalus Freemans Ahorn (Acer ×freemanii = Acer rubrum × Acer saccharinum) Acer ×hillieri = Acer miyabei × Acer cappadocicum Acer ×hybridum Acer ×schwerinii Zoeschener Ahorn (Acer ×zoeschense ): Dies ist eine Hybride aus Feldahorn (Acer campestre) und Kolchischem Ahorn (Acer cappadocicum). Verwechslung Aufgrund ihrer ähnlichen Blattformen wird die häufig als Straßenbaum gepflanzte Ahornblättrige Platane (Platanus ×acerifolia) für eine Ahorn-Art gehalten; Platanen-Arten haben jedoch im Gegensatz zu den Ahorn-Arten immer wechselständige Laubblätter und häufig eine sehr charakteristische Borke. Nutzung Holz Ahornholz wird vor allem als Möbelholz genutzt. Kommerziell relevant ist vor allem das Holz einiger hochwachsender Arten wie des Berg-Ahorns (Acer pseudoplatanus) und des Spitz-Ahorns (Acer platanoides) in Eurasien. In Nordamerika sind vor allem der Zucker-Ahorn (Acer saccharum) und der Schwarze Zucker-Ahorn (Acer saccharum subsp. nigrum) als „American hard maple“ sowie der Rot-Ahorn (Acer rubrum) und der Silber-Ahorn (Acer saccharinum) als American soft maple von Bedeutung. Der Japanische Ahorn (Acer pictum) spielt im ostasiatischen Raum eine zentrale Rolle. Weitere Arten wie der Feld-Ahorn (Acer campestre) haben nur eine untergeordnete oder regionale Bedeutung. Das Holz des Berg-Ahorns (Acer pseudoplatanus) zählt zu den wertvollen Edellaubhölzern. Gelblich-weiß bis weiß gefärbt, sind die Jahresringe zwar erkennbar, Splint und Kern setzen sich jedoch nicht voneinander ab, sondern sind farbgleich. Das mittelschwere, elastische, zähe, harte Holz schwindet nur gering. Die Biegefestigkeit ist gut. Das Holz ist wenig witterungsbeständig. Die Oberflächen lassen sich gut bearbeiten, leicht polieren, beizen und einfärben. Auch die Behandlung mit Lacken ist problemlos. Besonders in den 1950er Jahren und in der ersten Hälfte der 1960er waren schlichte wie auch geriegelte (Riegelahorn) Ahornfurniere sehr begehrt für Schlafzimmermöbel, massiv für Schubladen und für Kleinmöbel. Auch als Kontrastholz in Form von Kanten und Zierleisten wurde es oft verwendet. Wegen seiner Tendenz zum relativ raschen Vergilben wurde der Einsatz für die Außenfronten im Möbelbau vermieden. Heute wird es bei hochwertigen Möbeln noch für die Innenauskleidung verwendet. Kunsttischlern dient das Ahornholz für die Herstellung feinster Möbel, wobei es auch für Intarsienarbeiten (Einlegearbeiten) Verwendung findet. Eine spezielle Verwendungsart des Ahorns sind aus Vollholz hergestellte und unlackierte Tischplatten für Wirtshaustische. Parkett aus amerikanischem Hard maple gilt als besonders wertvoll und zeichnet sich durch einen hohen Abnutzungswiderstand aus. Auch für den Treppenbau ist es gut geeignet. Seit langem wird ausgesuchtes Bergahornholz als Zier- und Resonanzholz zur Herstellung von Musikinstrumenten (Streich-, Zupf- und Blasinstrumente, Schlagzeugkessel) verwendet. Böden, Zargen und Hälse aus Ahorn sind für klassische Streichinstrumente die Regel. Besonders beliebt ist hier Riegelahorn, bei furnierten Teilen auch Vogelaugenahorn. Drechsler, Schnitzer und Bildhauer verwenden für ihre Arbeiten gerne Ahornholz, da hier feine Details ausgearbeitet werden können. Auch für Sport-, Spiel- und Küchengeräte wird das feinporige Holz gebraucht. Starke Äste und krumme Stämme gehen als Industrieholz in die Spanplattenindustrie oder sind als Brennholz begehrt. Ahornsirup Aus dem Saft des in Nordamerika heimischen Zucker-Ahorns (Acer saccharum) wird Ahornsirup gewonnen. Dieser wird durch Einkochen der nach Anzapfen aus dem Stamm austretenden Baumsäfte hergestellt. Eine Zuckergewinnung ist auch aus dem Silber-Ahorn (Acer saccharinum) möglich. Ahornkeimlinge Die in den Monaten Mitte Februar bis Anfang April um die Pflanze im Bodenlaub gesprossenen Ahornkeimlinge werden, bevor sie zu Sämlingen werden, gesammelt und eignen sich zum rohen Verzehr. Die frischen Keimsprossen haben einen herben, kräftigen Geschmack und sind reich an Inhaltsstoffen. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass Ahornkeimlinge einiger Spezies mit Hypoglycin einen Giftstoff enthalten. Zierpflanzen Viele Sorten verschiedener Ahorn-Arten werden als Zierpflanzen für Gärten, Parks und Alleen verwendet. Man kann Ahorn-Arten auch als Bonsai bearbeiten. Es gibt eine Vielzahl von buntlaubigen bis zu kugelkronigen Sorten. Sonstiges Veterinärmedizinisch bedeutsam ist die „Red maple toxicosis“ genannte Erkrankung von Tieren nach dem Fressen der welken Blätter des Rot-Ahorns (Acer rubrum). Nach neueren Erkenntnissen wird durch das in Bergahornsamen und -keimlingen enthaltene Hypoglycin die meist tödlich verlaufende atypische Weidemyopathie beim Pferd ausgelöst. Kulturgeschichte Nach dem Volksaberglauben bietet der Ahorn Schutz gegen Hexen. So wurden in Hinterpommern die Türen und Stuben mit Ahorn geschmückt, in Mecklenburg sollten die Hexen von Ställen abgehalten werden, indem Zapfen aus Ahornholz in die Türen und Schwellen eingeschlagen wurden. Der gleiche Effekt sollte erzielt werden, wenn am 24. Juni Ahornzweige an Türen und Fenster gesteckt wurden. Dies sollte auch vor Blitzschlag schützen. Zum Schutz vor Maulwürfen wurden im Revensburgischen Kartoffel- und Flachsfelder mit Ahornzweigen umstellt. Aus dem Elsass ist bekannt, dass Ahornzweige an Türen Fledermäuse vom Hause fernhalten sollten. In der Volksmedizin werden die am 24. Juni gepflückten Ahornblätter getrocknet und in kochendem Wasser erweicht. Sie gelten bei allen Wunden als heilkräftig. In Oberbayern glaubte man, dass recht fette Ahornblätter auf eine gute, ergiebige Ernte hinweisen. Ferner ist auch das Begießen der Wurzeln mit Wein überliefert – danach sollte ein Wunsch in Erfüllung gehen. Berühmt ist der Bergahorn zu Trun im Kanton Graubünden. Unter ihm wurde am 16. Mai 1424 der obere oder graue Bund geschworen. 1750 hatte der Baum einen Umfang von 16 Meter. 1824 standen von den ehemals drei Stämmen noch zwei. Als 1870 der beinahe 500-jährige Ahorn durch einen Sturm umgeworfen wurde, wurde an derselben Stelle aus einem Samen des alten ein junger Bergahorn gepflanzt, der dort bis heute steht. 1890 wurde der Wurzelstock des alten Baumes feierlich in den Sitzungssaal des großen Bundes überführt und befindet sich heute im Museum Sursilvan in Trun. Auch in Orts- und Flurnamen wird der Ahorn oft verwendet. Im Oberwallis entspricht „Agarn“ und im französischen Gebiet „Ayer“ dem Wort „Ahorn“. Symbolik Das Ahornblatt ist ein Symbol Kanadas und steht in der seit 1965 verwendeten kanadischen Flagge für die ausgedehnten Wälder des Landes. Die Vorlage lieferte wahrscheinlich der Zucker-Ahorn (Acer saccharum). In der chinesischen Kultur gilt der Ahorn als Symbol für Amtswürde. Literatur Tingzhi Xu, Yousheng Chen, Piet C. de Jong, Herman John Oterdoom, Chin-Sung Chang: Aceraceae. In: (Abschnitte Beschreibung und Systematik) D. M. van Gelderen, Piet C. Jong, Herman John Oterdoom, Theodore R. Dudley: Maples of the World, Timber Press, Portland, 1994, ISBN 0-88192-000-2. Shing-Fan Huang, Robert E. Ricklefs, Peter H. Raven: Phylogeny and Historical Biogeography of Acer I - Study History of the Infrageneric Classification. In: Taiwania, Volume 47, Issue 3, 2002, S. 203–218. doi:10.6165/tai.2002.47(3).203 Jianhua Li, Jipei Yue, Suzanne Shoup: Phylogenetics of Acer (Aceroideae, Sapindaceae) based on nucleotide sequences of two chloroplast noncoding regions. In: Harvard Papers in Botany, Volume 11, Issue 1, 2006, S. 101–115. Guido W. Grimm, Susanne S. Renner, Alexandros Stamatakis, Vera Hemleben: A nuclear ribosomal DNA phylogeny of acer inferred with maximum likelihood, splits graphs, and motif analysis of 606 sequences. In: Evolutionary bioinformatics online. Band 2, 2006, S. 7–22, PMID 19455198, . Jianhua Li, M. Stukel, P. Bussies, K. Skinner, A. R. Lemmon, E. M. Lemmon, K. Brown, A. Bekmetjev, N. G. Swenson: Maple phylogeny and biogeography inferred from phylogenomic data. In: Journal of Systematics and Evolution, Volume 57, Issue 6, 2019, S. 594–606. doi:10.1111/jse.12535 Jian Gao, Pei-Chun Liao, Bing-Hong Huang, Tao Yu, Yu-Yang Zhang, Jun-Qing Li: Historical biogeography of Acer L. (Sapindaceae): genetic evidence for Out-of-Asia hypothesis with multiple dispersals to North America and Europe. In: Scientific Reports, Volume 10, Issue 1, Dezember 2020, 21178. doi:10.1038/s41598-020-78145-0 Einzelnachweise Weblinks Norbert Lagoni: Ahorne (Acer) – die „Zuckerbäume“, S. 62–64. Volltext-PDF. – Beitrag aus LWF-aktuell Band 62, 2009 der Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft = LWF. Materialarchiv: Ahorn - Umfangreiche Materialinformationen und Bilder Liste der Arten bei Invasive Species Compendium - CABI. Pflanzensymbolik Wikipedia:Artikel mit Video Baum
Q42292
232.478505
2112609
https://de.wikipedia.org/wiki/Gallm%C3%BCcken
Gallmücken
Die Gallmücken (Cecidomyiidae) sind eine Familie der Mücken (Nematocera). Sie kommen weltweit mit ca. 6000 Arten in mehr als 530 Gattungen vor. In Europa sind über 270 Gattungen zu finden. Merkmale Die Mücken erreichen eine Körperlänge von 0,5 bis 4 Millimetern, einige wenige Arten werden bis zu 8 Millimeter lang. Ihr Körper ist meist gelborange, ocker, hell- oder dunkelrot bis fast schwarz gefärbt. Sie haben mit einem schlanken Körper und langen Beinen den normalen Körperbau von Mücken. Ihre fadenförmigen Fühler haben zwei Grundglieder und weitere 4 bis 30 Glieder. Die meisten Arten haben aber 14 bis 16 Fühlerglieder. Sie sind oft mit wirtelartig angeordneten Haaren besetzt. Die Flügeladern der breiten und zum Teil behaarten Flügel sind stark reduziert. Neben ihren Facettenaugen, die über den Fühlern miteinander verbunden sind, haben manche Arten auch Punktaugen (Ocelli). Die Weibchen haben teilweise eine sehr lange, teleskopartig ausstülpbare Legeröhre (Ovipositor). Die madenartigen, spindelförmigen und beinlosen Larven werden ca. zwei bis fünf Millimeter lang und sind meist hellgelb, orangerot, manchmal auch dunkelbraun und haben eine reduzierte Kopfkapsel. Die Larven des dritten Stadiums haben am Bauch eine verdickte Haut, die Brustgräte oder Spatula sternalis genannt wird. Beim zweiten Larvenstadium ist diese Verdickung nur ansatzweise zu erkennen. Lebensweise Gallmücken verbringen fast ihr ganzes Leben im Larvenstadium. Die voll entwickelten Imagines leben nur kurze Zeit und nehmen kaum Nahrung auf. Die Larven fast aller Arten leben monophag an nur einer Pflanzenart oder oligophag von Pflanzen einer bestimmten Gattung. Dabei reicht ihr Nahrungsspektrum von Gräsern und anderen krautigen Pflanzen bis hin zu Nadel- und Laubbäumen. Nur sehr wenige Arten ernähren sich polyphag, es gibt aber auch saprophag lebende Arten, die sich vermutlich von Pilzhyphen ernähren, und parasitisch und räuberisch lebende Larven. Letztere werden zum Teil auch zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt, wie z. B. Aphidoletes aphidimyza. Sie fressen vor allem Spinnmilben und Blattläuse. Die pflanzenfressenden Arten bilden nahezu immer Gallen, woher die Mücken auch ihren Namen haben. Die Larven der nicht-gallenbildenden Arten leben meist frei auf Pflanzen. Sie befallen alle Pflanzenteile, außer die Wurzeln. Sie können springen, indem sie ihren Körper, ähnlich wie eine Feder, ringförmig zusammenbiegen. Viele Arten sind bedeutende Schädlinge in der Land- und Forstwirtschaft (siehe Artenliste). Die Verpuppung findet in einer Mumienpuppe statt, die meist gelblich oder rötlich gefärbt ist und röhrenförmig hervorstehende Stigmenöffnungen aufweist. Einige Arten, wie z. B. die der Gattungen Miastor und Heteropeza, können sich mittels Pädogenese, einem Sonderfall der Parthenogenese (Jungfernzeugung), fortpflanzen. Diese Arten existieren die meiste Zeit über nur als weibliche Larven und werden bereits im Larvenstadium fortpflanzungsfähig. Aus ihren unbefruchtet abgelegten Eiern gehen erneut weibliche Larven hervor. Nur selten bzw. unter besonderen Bedingungen entstehen bei diesen Arten geflügelte Imagines beiderlei Geschlechts, die sich sexuell fortpflanzen. Genetik Eine Besonderheit in der Genetik der Gallmücken besteht darin, dass die Männchen nur diejenigen Erbanlagen an ihre Nachkommen weitergeben, welche sie selbst von ihrer Mutter erhalten hatten. Dies basiert auf einer besonderen Form der Reduktionsteilung bei der Spermatogenese: Die normalerweise erfolgende Paarung homologer Chromosomen findet hier nicht statt, und nur die Chromosomen mütterlichen (maternalen) Ursprungs verbinden sich mit der Kernteilungsspindel. Die nachfolgende Zellteilung ist stark inäqual, d. h. die beiden Tochterzellen sind verschieden groß. Nur aus der kleineren Tochterzelle, welche die maternalen Chromosomen erhielt, gehen (nur) zwei Spermien hervor. Als Folge dieser Eliminierung der paternalen Erbanlagen existieren nur im weiblichen Geschlecht kontinuierliche Vererbungslinien. Die Männchen fungieren als Vermittler zwischen diesen Linien. Die oben beschriebene Pädogenese bei manchen Gallmücken reduziert die Rolle des männlichen Geschlechts. Ungewöhnlich ist auch das Vorhandensein zahlreicher zusätzlicher Chromosomen, die nur in den Zellen der Keimbahn der Gallmücken vorhanden sind und beim Entstehen der ersten somatischen Zellen eliminiert werden, indem sie bei der Mitose in der Äquatorialplatte liegen bleiben, also in keinen der beiden Tochterkerne aufgenommen werden. Die stark erhöhte Chromosomenzahl in der Keimbahn interpretierte man lange Zeit als Polyploidie, d. h. als Vervielfältigung des normalen (somatischen) Chromosomenbestands, bis sich herausstellte, dass es sich um spezielle, von den somatischen verschiedene Chromosomen handelt. Systematik Unterfamilien Die Gallmücken werden derzeit in sechs Unterfamilien geteilt. Die größte Unterfamilie bilden die Cecidomyiinae, deren Larven sich in Pflanzengallen entwickeln. Sie haben daher auch eine große Bedeutung für Land- und Forstwirtschaft sowie den Gartenbau. Derzeit gibt es rund 4800 beschriebene Arten dieser Unterfamilie. Die Vertreter der anderen Unterfamilien leben nicht in Gallen. Sie ernähren sich wie die meisten Arten der Überfamilie der Pilzmücken von Pilzen und umfassen insgesamt rund 1200 Arten. Das Substrat, in dem die Arten der Unterfamilien Catotrichinae, Lestremiinae und Micromyinae ihre Nahrung finden, ist totes, verrottendes Holz. Daher werden diese drei Gruppen, die bis vor einiger Zeit alle in der Unterfamilie Lestremiinae vereint waren, als Holzmücken bezeichnet. Die Unterfamilie Porricondylinae bildet keine einheitliche Verwandtschaftsgruppe, und ihre phylogenetische Zusammensetzung ist Gegenstand neuer molekulargenetischer Forschungen. Cecidomyiinae – Gallmücken im engeren Sinn Catotrichinae – Holzmücken, die aus den Lestremiinae ausgegliedert wurden Lestremiinae – Holzmücken im engeren Sinn Micromyinae – Holzmücken, die aus den Lestremiinae ausgegliedert wurden Porricondylinae – die Gruppe ist nicht monophyletisch und wird derzeit auf andere Gruppen aufgeteilt Arten (Auswahl) Brittenia fraxinicola , 1941 Kohldrehherzmücke (Contarinia nasturtii) Erbsengallmücke (Contarinia pisi) Birnengallmücke (Contarinia pyrivora) Kohlschotenmücke (Dasineura brassicae) Dasineura fraxini, an Esche Lärchengallmücke (Dasineura laricis) Rosenblattgallmücke (Dasineura rosae) Drisina glutinosa, an Ahorn Sattelmücke (Haplodiplosus equestris), ein Getreideschädling Möhrengallmücke (Kiefferia pericarpiicola ) Himbeergallmücke (Lasioptera rubi) Hessenfliege (Mayetiola destructor), ein Getreideschädling Putoniella pruni Spurgia capitigena, an Zypressen-Wolfsmilch Kiefernnadelscheiden-Gallmücke (Thecodiplosis brachyntera) Okuliermade (Thomasiniana oculiperda) parasitiert an okulierten Kulturpflanzen Wachtliella rosarum, an Rose Zygiobia carpini, an Hainbuche an Rotbuche (Fagus sylvatica) Hartigiola annulipes Buchengallmücke (Mikiola fagi) Phegomyia fagicola an Eiche (Quercus) Macrodiplosis dryobia Macrodiplosis volvens an Weiden (Salix) Iteomyia major Rabdophaga cinerearum Rabdophaga heterobia Rabdophaga iteobia Rabdophaga strobiliana Rabdophaga terminalis an Pappeln (Populus) Contarinia petioli Harmandia tremulae Harmandiola cavernosa Harmandiola globuli an Linden (Tilia) Contarinia tiliarum Didymomyia tiliacea Fossile Belege Der vermutlich älteste fossile Beleg dieser Insektenfamilie wurde in Libanon-Bernstein gefunden (Unterkreide, ca. 120 Mio. Jahre). Weitere, etwas jüngere kreidezeitliche Belege stammen aus Sibirischem Bernstein und Bernsteinfunden, die in Frankreich gemacht wurden. Im eozänen Baltischen Bernstein ist die Familie artenreich vertreten, ferner im zumeist etwas jüngeren Dominikanischen Bernstein. Einzelnachweise Literatur W. Westerheide und R. Rieger: Spezielle Zoologie. Teil 1, Einzeller und wirbellose Tiere. Spektrum Akademischer Verlag: Heidelberg, Berlin 2004. Weblinks British Insects: the Families of Diptera (englisch)
Q768519
84.563629
15708
https://de.wikipedia.org/wiki/Fragezeichen
Fragezeichen
Ein Fragezeichen ist ein Satzzeichen, das zur Kennzeichnung von Fragesätzen verwendet wird. In zahlreichen Schriftsystemen, so in der Lateinschrift, wird das Zeichen ? als Fragezeichen verwendet. Ursprung Das Fragezeichen „?“ tauchte erstmals in den Schriftreformen Karls des Großen auf. Seine Einführung war dabei eingebettet in die Durchsetzung der karolingischen Minuskel, die als nachhaltige Leistung der karolingischen Erneuerung und Wissenschaft gilt. Allerdings wurde seine Funktion und Gestalt erst später auf die heutige gebracht. Das Fragezeichen als Satzzeichen Durch ein Fragezeichen kann neben der Frage auch eine Aufforderung dargestellt werden: „Gehst du mal in den Keller, Getränke holen?“ ist keine Frage, sondern eine Aufforderung. Hier handelt es sich um einen Spezialfall einer rhetorischen Frage. In der frühen Neuzeit gab es dafür eine eigene Form des Fragezeichens. Der von Henry Denham in den 1580er Jahren eingeführte (⸮, U+2E2E ) verlor aber im 17. Jahrhundert wieder an Bedeutung. In den 1960er Jahren wurde mit dem Interrobang (‽, U+203D ) erneut ein eigenes Schriftzeichen dafür eingeführt, das sich aber ebenfalls nie weiträumig durchsetzen konnte. Lateinschrift und kyrillische Schrift In der deutschen und in vielen anderen Sprachen, deren Alphabete auf dem lateinischen oder kyrillischen Schriftsystem beruhen, bezeichnet das Zeichen „?“ das Ende eines Fragesatzes. In den meisten lateinschriftlichen Sprachen (Ausnahme: Französisch) wird dieses Fragezeichen – wie jedes abschließende Satzzeichen – ohne Leerzeichen an das letzte Wort des Satzes geschrieben. Dies vermeidet ungewollte Umbrüche zwischen dem letzten Wort und dem Fragezeichen. Ein fehlerhaftes Leerzeichen vor dem Fragezeichen bezeichnet man umgangssprachlich auch als Plenk. Spanische Besonderheit Im Spanischen wird ein Fragesatz zusätzlich durch ein auf dem Kopf stehendes Fragezeichen ¿ (Unicode: U+00BF ) eingeleitet. Eingeführt wurde es von der Real Academia Española 1754 in der zweiten Edition der Orthografie. Weitere Schriftsysteme Im Griechischen wird das Semikolon (;) als Fragezeichen () benutzt. In Unicode sind die Zeichen U+037E und U+003B kanonisch äquivalent; man wird also normalerweise das Letztere benutzen. Die arabische Schrift kennt das Fragezeichen ebenfalls. Es ist jedoch an die Schreibrichtung angepasst: ؟ (U+061F ). Das Neuhebräische, obgleich linksläufig wie das Arabische, verwendet hingegen das Fragezeichen in der Form, wie es aus den lateinischen Schriften bekannt ist. Auch andere Schriftsysteme haben diese Form übernommen. Das Chinesische kennt beispielsweise die spezielle Frage-Endsilbe ma (), mit denen Aussagesätze als Frage formuliert werden. Durch das zusätzliche Zeichen aus dem lateinischen Schriftsystem ergänzt, lautet eine einfache Frage in modernem Chinesisch: ? In der armenischen Schrift gibt es das (, Unicode: U+055E ). Es wird ähnlich einem diakritischen Zeichen auf den betonten Vokal der Frage gesetzt; bei der Eingabe am Computer wird es nach diesem Vokal eingegeben. Das Fragezeichen im Computerbereich Im ASCII-Code hat das Fragezeichen „?“ den Zahlenwert 63 (dezimal) bzw. 0x003F (hexadezimal). HTML Im HTML kann es durch ? oder ? ersetzt werden. Tastatur Das Fragezeichen ? findet sich auf handelsüblichen Tastaturen mit einer deutschen Belegung unabhängig vom Betriebssystem auf der Ziffern-Zeile rechts neben der „0“ (Null), zusammen mit dem „ß“ (Eszett), und ist entsprechend beschriftet. Ein umgedrehtes, kopfstehendes Fragezeichen für die Spanische Sprache ¿ kann wie folgt eingegeben werden: unter Windows mit deutscher Belegung mittels der Tastenkombination + oder + – dabei müssen zwingend die Ziffern des sogenannten Ziffernblocks benutzt werden (auf der rechten Seite einer Tastatur); wird das Zeichen später URL-kodiert, ist die erste Variante zwingend erforderlich; unter macOS mit deutscher Belegung mittels +; unter Linux/BSD mit aktuellem X11 und deutscher Belegung lässt sich das Zeichen durch oder + eingeben; unter Linux/BSD mit „Deutsch (Mac)“-Belegung mittels ++; bei Verwendung der deutschen Tastaturbelegung E1 und deren Vorgängerfassung T2 wird es mittels + eingegeben. Platzhalter Bei Suchvorgängen mit dem Computer wird das Fragezeichen auch als Platzhalter für genau ein beliebiges Zeichen benutzt (siehe Wildcard). Beispielsweise liefert die Namenssuche mit M?ier ein Ergebnis Maier und Meier. Die Verwendung als eigenes Zeichen ist dann nicht mehr möglich. So erlauben beispielsweise MS-DOS und Windows keine Fragezeichen in Dateinamen. In regulären Ausdrücken steht das Fragezeichen „?“ für das (einmal) mögliche, aber nicht notwendige Vorkommen des vorangehenden Elements. So liefert die Suche nach Genitive?s die Fundstellen Genitivs und Genitives (im ersten Fall kommt das dem „?“ vorausgehende Element „e“ keinmal, im zweiten Fall genau einmal vor). Unicode Der Unicode-Standard enthält einige Fragezeichen, die sich optisch mehr oder weniger vom normalen ASCII-Fragezeichen unterscheiden und mit gewissen Einschränkungen auch für Dateinamen verwendet werden können. Unicodeblock Allgemeine Interpunktion: ‽ U+203D, Interrobang ⁇ U+2047, Doppeltes Fragezeichen ⁈ U+2048, Frage- und Ausrufezeichen ⁉ U+2049, Ausrufe- und Fragezeichen Unicodeblock Dingbats: ❓ U+2753, schwarzes Fragezeichenornament ❔ U+2754, weißes Fragezeichenornament Unicodeblock Zusätzliche Interpunktion: ⸘ U+2E18, Gnaborretni ⸮ U+2E2E, Gespiegeltes Fragezeichen, Ironiezeichen Bedingungsoperator In einigen Programmiersprachen bildet das Fragezeichen „?“ zusammen mit einem Doppelpunkt „:“ den ternären Auswahloperator. Beispiel (C++): std::string ausgabetext = anzahl > 1 ? "Zahlen" : "Zahl"; Syntaktische Trennung In URLs trennt das Fragezeichen „?“ den Query-String vom Pfad ab; damit können zusätzliche Informationen übertragen werden, z. B. https://www.example.com/index.php?language=German Schachnotation In der Schachnotation kennzeichnet das Fragezeichen „?“ einen schwachen Zug: ? – schlechter Zug ?? – sehr schlechter Zug bzw. grober Fehler ?! – fragwürdiger Zug, aber !? – interessanter Zug Comics In Sprech- oder Gedankenblasen in Comics drücken Fragezeichen Unsicherheit, eventuell in Kombination mit Ausrufezeichen, Verwunderung aus. Einige Comicfiguren, die Fragezeichen als Symbole verwenden sind: Der Riddler Doctor Who Siehe auch Umgekehrtes Frage- und Ausrufezeichen Weblinks Einzelnachweise Satzzeichen
Q11169
183.173837
436029
https://de.wikipedia.org/wiki/Generalstaaten
Generalstaaten
Als Generalstaaten () wird das Parlament des Königreichs der Niederlande und das des Landes Niederlande bezeichnet. Es besteht aus zwei Kammern, die beide ihren Sitz im Binnenhof in Den Haag haben. Ursprünglich waren die Generalstaaten, die „Allgemeinen Stände“, ein Gesandtenkongress, vergleichbar mit dem Reichstag im Heiligen Römischen Reich. Nachdem die Niederlande sich im 16. Jahrhundert vom Reich der Habsburger losgelöst hatten, kam den Generalstaaten die entscheidende politische Rolle zu. Nach der Franzosenzeit (1795–1813), in der es zu verschiedenen Staatsformen kam, entstand 1814/1815 das Königreich der Niederlande. Damals griff man den älteren Begriff „Generalstaaten“ für das moderne Zweikammernparlament auf. Die Kammer, in der Gesetzesentwürfe und -änderungen eingebracht werden, ist die Zweite Kammer; in ihr finden die großen politischen Debatten statt. Wenn eine Kammermehrheit der Regierung ihr Misstrauen ausspricht (niederländisch: ), tritt die Regierung in der Regel zurück. Dies hat sich etwa in den 1860er-Jahren herausgebildet. Damit ein Gesetz angenommen wird, müssen beide Kammern zustimmen, also auch die Erste Kammer. Diese ist wesentlich weniger bedeutend, u. a. weil sie Gesetzesentwürfe nicht verändern kann. Sie kann nur zustimmen oder den Entwurf ablehnen; letzteres geschieht sehr selten. Die Zweite Kammer wird direkt (mit Listen) von den niederländischen Staatsbürgern (sofern sie nicht im Land Aruba, Curaçao oder Sint Maarten ihren Hauptwohnsitz haben) gewählt, die Erste Kammer (ebenfalls nach Listen) von den Mitgliedern der , also der Provinzparlamente. Die Länder Aruba, Curaçao und Sint Maarten entsenden in die Kammern, wenn diese über Gesetze, die das Königreich betreffen, entscheiden (sofern nicht nur das Land Niederlande hiervon betroffen ist). Begriff und Staatsname Im modernen Niederländischen wird das Wort für „Staat“, , mit doppeltem a geschrieben, der gewünschten Aussprache mit langem a wegen. Die Mehrzahl hingegen, , hat nur ein einziges a, da die offene Tonsilbe sta- bereits für die lange Aussprache sorgt. Daher heißt es . Der Name „Generalstaaten“ wird ferner nicht nur in älteren Quellen als ein anderer Ausdruck für die Republik der Vereinigten Niederlande verwendet. Dies ist darauf zurückführen, dass die als Souverän der Republik fungierten. Die Armee der Staaten bezeichnet man im Niederländischen entsprechend als . Im politischen Sprachgebrauch der Niederlande kommt der Ausdruck „Generalstaaten“ selten vor. Die Zweite Kammer ist wesentlich bedeutender als die Erste und wird daher in den Medien oft einfach als bezeichnet; die Erste Kammer heißt traditionell auch . Meint man aus bestimmten Gründen ausdrücklich beide Kammern, so kann man von sprechen. Geschichte Niederlande bis 1795 Die Geschichte der Generalstaaten geht zurück bis ins Mittelalter. Schon im 14. Jahrhundert gab es allgemeine Versammlungen der Stände. Die Stände waren: die Geistlichkeit, das waren die Bischöfe und Äbte der katholischen Kirche (nur vertreten, wenn Angelegenheiten zum Beispiel des kirchlichen Grundbesitzes behandelt wurden) der Adel der dritte Stand: die Vertreter der reichen Provinzen und finanzstarken Städte, insbesondere der flämischen Städte Gent, Brügge und Ypern Schon am 9. Januar 1464 trat in Brügge eine gemeinschaftliche Versammlung namens Staten-Generaal aller niederländischer Regionen zusammen. Sie überredete, vor allem auf Bitte der Städte, Philipp den Guten, seinem Sohn Karl dem Kühnen die Würde des Statthalters zu verleihen. Später im 15. und 16. Jahrhundert war Brüssel der Sitz der Generalstaaten. Die Generalstaaten spielten auch eine große Rolle in der Anfangsphase des Achtzigjährigen Krieges. Durch das Plakkaat van Verlatinghe erklärten sieben abtrünnige Provinzen, die sich in der Utrechter Union zusammengeschlossen hatten, 1581 ihre Sezession von der spanischen Krone. Brüssel und die südlichen Provinzen blieben unter Herrschaft des spanischen Königs. Die Generalstaaten, die fortan das oberste Beschlussorgan der Vereinigten Niederlande bildeten, übersiedelten nach Den Haag. In der Republik der Vereinigten Niederlande funktionierte die allgemeine Ständeversammlung als Staatenkammer. Jede Provinz, Holland, Zeeland, Utrecht, Overijssel, Geldern, Groningen und Friesland, verfügte über eine Stimme. Teile von Flandern, Brabant und Obergeldernwurden bis 1795 als Generalitätslande von den Generalstaaten verwaltet: Staats-Vlaanderen, Staats-Brabant und Staats-Opper-Gelre und Staats-Overmaas (zwischen Maastricht und Aachen). Die Generalstaaten hatten Befugnisse im Bereich der Außenpolitik, des Finanzwesens (Steuererhebungen), des Münzwesens und der Kriegspolitik. Die Niederländische Ostindien-Kompanie und die Westindien-Kompagnie wurden auch von den Generalstaaten verwaltet. So sind Staten Island (früher ) in New York und die Staaten-Insel vor der Südküste von Argentinien nach den Generalstaaten benannt. Bereits 1590 bezeichneten sich die Generalstaaten in einer Resolution als „het souvereine college van den lande“ (‚das souveräne Kollegium der Lande’) und damit als Träger der Souveränität. Dieser Auffassung stand die weitgehende Unabhängigkeit der Provinzen zur Regelung ihrer inneren Angelegenheiten und zur Ernennung ihres Statthalters gegenüber, so dass sich schließlich die Auffassung durchsetzte, dass jeweils den Provinzen die Souveränität zukomme. In diesem Sinne sprach Johan de Witt von den Provinzen als „respublicae foederatae“ (‚föderierte Republiken‘). Entsprechend sah er die Republik der Vereinigten Niederlande selbst bloß als eine Konföderation an. Unabhängig von dieser staats- und verfassungsrechtlichen Frage erwiesen sich in der Realpolitik der Republik die „Regenten“ der Provinz Holland, die unter den Provinzen eine hegemoniale Stellung einnahm, als oligarchische Führungsschicht des Staatswesens. Als Auswirkung der Französischen Revolution kam es 1795 im Zuge des Ersten Koalitionskriegs zum Sturz des alten republikanischen und föderativen Regimes und zur Errichtung der Batavischen Republik, die sich als Tochterrepublik der Französischen Republik und damit als Einheitsstaat verstand und daher die bisher souveränen Provinzen ebenso auflöste, wie die Generalstaaten als föderatives Beschlussorgan. Österreichische Niederlande In Brüssel, in den Österreichischen Niederlanden bestanden die Generalstaaten der Südlichen Staaten fort als Generalstände des Kaisers, bis sie am 11. Januar 1790 auch dem Kaiser abschworen und kurzzeitig die Republik der Vereinigten Belgischen Staaten () gründeten. Vereinigte Versammlung der Generalstaaten In den heutigen Niederlanden kommt es vor, wenn auch selten, dass beide Kammern gemeinsam tagen. Dies nennt man eine Vereinigte Versammlung (niederländisch: ). Den Vorsitz in der Vereinigten Versammlung führt der Vorsitzende der Ersten Kammer. Regelmäßig findet eine solche Versammlung jedes Jahr am dritten Dienstag im September () statt. Zunächst fährt der Monarch, zusammen mit seinen nächsten Verwandten, mit einer Kutsche durch Den Haag. Ziel ist der Rittersaal, das älteste Parlamentsgebäude am Haager Binnenhof. Der Monarch verliest dann die von den Ministern verfasste Thronrede. In dieser Rede werden die programmatischen Zielsetzungen der Regierung für das nächste parlamentarische Jahr (vom 1. September bis zum 30. Juni des nächsten Jahres) erörtert. Am selben Tag wird die , der Reichshaushalt, bekanntgegeben. Dieser ist immer die Haushaltsdebatte in der Zweiten Kammer vorangegangen. Weitere Anlässe zum Abhalten der vereinigten Versammlung sind: Verabschiedung eines Gesetzes als Zustimmung zur Heirat eines Mitgliedes der Königsfamilie Einführung (Huldigung) eines neuen Monarchen Tod eines Mitgliedes des Königshauses Siehe auch Politisches System der Niederlande Generalstände, die französischen Weblinks Offizielle Homepage der Staten-Generaal Generalstaaten bei historicum.net Staten-Generaal Digitaal, Historische Dokumente 1814–1995, Koninklijke Bibliotheek Einzelnachweise Niederländische Geschichte Belgische Geschichte Recht (Niederlande) Parlament (Königreich der Niederlande)
Q1371388
85.833847
3222
https://de.wikipedia.org/wiki/Macht
Macht
Macht bezeichnet die Fähigkeit einer Institution, Person oder Gruppe, auf das Denken und Verhalten einzelner Personen, sozialer Gruppen oder Bevölkerungsteile so einzuwirken, dass diese sich ihren Ansichten oder Wünschen unterordnen und entsprechend verhalten. Macht ist mehr oder weniger an allen Formen des menschlichen Zusammenlebens beteiligt und bedingt auf unterschiedliche Weise das Entstehen von Sozialstrukturen mit ausdifferenzierten persönlichen, sozialen oder strukturellen Machtpotenzialen und gesellschaftlich zugeschriebenen Positionen. Prinzipiell, wenn auch im konkreten Fall nur schwer zu unterscheiden ist Macht von Einfluss z. B. von Experten, welcher auf die Veränderung von Einstellungen zielt. In extremer Form ist Macht die Durchsetzungsfähigkeit eines Mächtigen, einseitig definierte Ziele zu erreichen, ohne selbst Ansprüchen beteiligter Personen entgegenzukommen oder sich diesen zu unterwerfen. Die Einflussnahme erfolgt mittels möglicher Strafandrohung, wobei auf die Zielpersonen ein unterdrückender Zwang ausgeübt wird, sich zu fügen. Für Personen, die absolute Macht ausüben, ist nicht erforderlich, ein Austauschverhältnis oder einen Kompromiss einzugehen, sollten die Zielpersonen gegensätzliche oder unvereinbare Interessen haben. In diesem Fall sind die weitgehend deckungsgleichen Begriffe Macht und Einfluss voneinander abzugrenzen, mögen auch die Übergänge fließend sein. Die beiden Bedeutungsfelder werden auch als „Macht über … haben“ und „Macht zu tun“ umschrieben. Macht als zentraler Begriff der Sozialwissenschaften ist im Bedeutungsumfang umstritten. Gemäßigte (alltägliche) Machtverhältnisse beschreiben hingegen mehrseitige (Austausch-)Verhältnisse, bei denen eine Seite die stärkere Ausgangs- oder Verhandlungsposition einnimmt (beispielsweise wegen verfügbarer Möglichkeit der Einflussnahme durch Belohnung, Bevorzugung oder durch überlegenes Wissen), die von der anderen Seite akzeptiert wird. Von anderer Seite wird auf Widerspruch verzichtet, nichts gegen die Ausübung der Macht unternommen, somit eine Duldung, Befolgung oder Anpassung vollzogen. Bezüglich der Wortherkunft von Macht (siehe unten) kann der Begriff auch so verstanden werden, dass soziale Macht nur einen – wenn auch sehr bedeutenden – Sonderfall eines grundsätzlicheren Machtbegriffs bildet. Allgemeines Macht definiert den Umfang der physischen und psychischen Handlungsmöglichkeiten einer Person oder Personengruppe. Damit ist Macht nichts Gegenständliches, unmittelbar Sichtbares, sondern eine weithin unsichtbare Eigenschaft sozialer Beziehungen. Die Nutzung dieser Handlungsmacht, die sich auf andere Individuen auswirken kann, aber nicht muss, ist bezogen auf ihre Auswirkungen in positivem wie auch negativem Sinne möglich. Im Alltagsverständnis überwiegt eine negative Konnotation, was sich in Begriffen wie Machtmensch, Machtbesessenheit, Machthunger und Machtergreifung zeigt. Ist der Einsatz von Zwang oder Gewalt möglich, muss dies nicht stets auch negative Auswirkungen haben, so dass eine differenzierte Betrachtung von Handlungsmacht und deren Voraussetzungen und Auswirkungen notwendig ist. Die (Regelung der) Anwendung physischer Gewalt z. B. ist in der demokratischen Gesellschaft an den Staat delegiert, der in diesem Rahmen u. a. gesellschaftlich notwendige Polizeifunktionen wahrnimmt. Die Anerkennung eines staatlichen Monopols auf legitime Gewaltausübung durch die Bürger im demokratischen System ist wohl die umfangreichste denkbare Übertragung von gesellschaftlicher Macht an eine Instanz überhaupt. Anarchisten dagegen lehnen jede Art der Machtausübung in der Form von staatlicher Herrschaft ab. Dies bedeutet jedoch keine Machtlosigkeit im Sinne von Macht zu, die zur Handlungsunfähigkeit führen kann (Siehe auch: Ohnmacht (Psychologie)). In demokratischen Systemen wird die Macht durch Verfassung und Gesetz eingeschränkt. Etymologie Das Hauptwort Macht kann auf zwei ähnlich lautende indogermanische Wurzeln zurückgeführt werden: mag- (kneten, pressen, formen, bilden) oder magh- (machen – im Sinne von können, vermögen, fähig sein). Die erste Wurzel weist noch auf einen unmittelbaren Werkzeugbezug hin. Die zweite Wurzel weist bereits auf den sozialen Kontext einer möglichen Verfügung über sich und andere sowie eine Ausrichtung auf die Zukunft hin. Auch im heutigen Sprachgebrauch schwingt oft noch eine Verdinglichung und Personalisierung von Macht mit und verstellt vielfach den Blick darauf, dass Macht in menschlichen Gesellschaften prinzipiell als „relationaler Begriff“ verstanden werden muss. Im Althochdeutschen, Altslawischen und Gotischen bedeutete das Wort Macht (gotisch: magan) so viel wie Können, Fähigkeit, Vermögen (z. B. jemand „vermag“ etwas zu tun) und ist stammverwandt mit dem Alltagsbegriff „machen“, signalisiert also Potenzialität. Vergleichbar stammt das lateinische Substantiv für „Macht“, potentia, von dem Verb posse ab, welches heute mit „können“ übersetzt wird. Macht wird im allgemeinen Sprachgebrauch oftmals dem Wortfeld des Begriffs Herrschaft zugeordnet. Wörter wie Machtapparat, Machtergreifung, Machtwechsel, Machthaber legen dieses Verständnis nahe, zeigen jedoch, dass es faktischen Machtinhabern an politischer Legitimation fehlen kann. Macht bezeichnet also etwas Faktisches, während staatliche Autorität und Herrschaft auf durch traditionelle Normen oder moderne Verfahren legitimierten institutionellen Grundlagen basieren. Begriffsgeschichte Auch wenn sozial legitimierte bzw. politische Machtausübung nur eine Erscheinungsform von Macht ist, steht sie doch im Mittelpunkt der Theoriebildung und des Denkens. Zuerst beschäftigte sich die griechische Sophistik aus philosophischer Sicht mit dem Machtproblem. Thukydides behandelt im Melierdialog die Frage der inneren Macht des Rechts. Während sich die Abgesandten der Insel Melos auf den Nutzen des Gerechten berufen, vertreten die Athener ihnen gegenüber die reine, nicht weiter zu legitimierende Machtposition einer Großmacht: Recht gebe es nur bei Gleichheit der Kräfte. Machtausübung sei somit in der menschlichen Natur fundiert. Platon setzt sich mit dieser sophistischen Position im Gorgias auseinander: Die anscheinend Mächtigen seien in Wirklichkeit ohnmächtig, da sie nicht das tun, was eigentlich das Ziel jedes vernünftigen Strebens sei, sondern nur, was ihnen gerade als das beste erscheine; d. h., sie tun nicht, was sie „eigentlich“ wollen würden, wüssten sie es „besser“. Aristoteles behandelt das Machtproblem im Rahmen der Theorie von Herrschaft und Knechtschaft. Politische Herrschaft sei im Unterschied zur Despotie eine Herrschaft von Freien über Freie, die sich im Herrschen und Beherrschtwerden ablösen. Im lateinischen Sprachbereich wird zuerst bei Cicero zwischen potestas im Sinne von Amtsgewalt und auctoritas im Sinne von Ansehen als zwei Formen der Macht explizit unterschieden. Anknüpfend an diese Unterscheidung geht Augustinus davon aus, dass Menschen eigentlich nicht über Menschen herrschen können, sondern nur über das Vernunftlose. Die Scholastik hat daraus die Frage abgeleitet, ob der gedachte paradiesische Urzustand ohne alle Formen von Herrschaft gedacht werden muss. Thomas von Aquin schränkt die Machtausübung auf vernünftige Formen der Herrschaft über Freie ein, die zum Guten hinführen. Wilhelm von Auvergne spezifiziert, dass potentia eine Form der potestas sei, die nur durch den Gehorsam der Untergebenen wirksam ist. Wilhelm von Ockham fokussiert vor allem die Aneignungsmacht der Menschen gegenüber der herrenlosen Natur durch die gemeinsame Herrschaft der Menschen gegenüber der Natur. Im Eigentum wiederum liegt nach Ockham eine wichtige Machtquelle und zugleich die materielle Grundlage für eine politische Zwangsgewalt, die von der göttlichen Macht unabhängig, jedoch von der Zustimmung der Beherrschten abhängig ist. Deren Widerstand gegen politische Machtausübung ist damit nicht länger Widerstand gegen die gottgewollte Ordnung, wie es Paulus im Kap. 13 des Briefs an die Römer fordert: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet.“ Marsilius von Padua geht noch weiter in der Delegitimierung geistlicher Machtausübung: Diese ist für ihn ein Widerspruch in sich. Zur Aufrechterhaltung des Friedens dürfe es nur eine einheitliche Macht geben, die mit Zwangsgewalt ausgestattet ist. Die Macht leite sich zwar von Gott her, aber zu ihrer Durchsetzung benötige sie Zwangsinstrumente, die am ehesten in einer Wahlmonarchie gegeben sind. Während sich die Spätscholastik bis zu Calvin hin weiter um die Rechtsbegründung von Macht konzentrierte, begriff Machiavelli die Macht umgekehrt von ihren Auswirkungen her; sie bedürfe anders als die Autorität nicht der Legitimation, sondern ist eine praktische Tatsache, die nur beschrieben und quasi technologisch optimiert werden kann. Jean Bodin fordert demgegenüber die Stärkung des Souveräns durch Legitimitätsbeschaffung, was jedoch nicht heißt, dass dieser in seinem Handeln durch Gesetze gebunden ist. Für Thomas Hobbes ergibt sich aus der Theorie der natürlichen Aneignungsmacht der Menschen gegenüber der Natur und den naturbedingten Machtunterschieden die Vorstellung eines naturrechtlich begründeten Herrschaftsanspruchs eines jeden auf alle anderen. Nur durch Machtkonzentration auf ein von der Rechtsordnung erschaffenes Subjekt – den Staat – kann der aus diesen konfligierenden Ansprüchen aller gegen alle folgende Krieg verhindert werden. Damit löst Hobbes in seinem Werk Leviathan das Problem der Begründung von Macht vollständig aus dem Rahmen der Rechtstheorie der Macht. Im Gegensatz zu Thomas Hobbes liefert Spinozas Naturzustand keine normativen Kriterien für den Machtgebrauch. Das natürliche Recht eines Jeden erstreckt sich auf alles das, was durchzuführen in seiner Macht steht. Damit werden natürliches Recht und Macht gleichgesetzt. Aber auch Tugend ist an Macht gebunden, und Macht erscheint als Tugend, wenn sie aus sich heraus Wirkungen produziert und sich der Mensch an diesen Wirkungen erfreut, ohne dass er dieses durch die Überwindung von Widerständigkeit definiert. Kant entpersonalisiert den Machtbegriff, denkt ihn unabhängig von persönlicher Herrschaft und setzt die Staatsmacht des Obrigkeitsstaates, dem man Gehorsam schuldet, mit Gewalt gleich, ohne deren rechtliche Legitimation als zwingend mitzudenken. Gewalt ist eine Macht, die dem Widerstand anderer Mächte übergeordnet ist. Die Versuche zu einer theoretischen Bestimmung der Macht in der politischen Philosophie des Deutschen Idealismus, der Romantik und der Restauration zu Beginn des 19. Jh. sind durch die Erfahrung der Französischen Revolution und des politisch-militärischen Zusammenbruchs der deutschen Kleinstaaten im Gefolge der Napoleonischen Kriege bestimmt. Sie reflektieren die bedrohliche Radikalität einer durch die Auflösung konstitutionell-monarchischer Macht freigesetzten Gewaltsamkeit der innerstaatlichen Auseinandersetzungen und identifizieren sich zugleich teils enthusiastisch mit der durch nationale Vereinheitlichung und bürokratische Zentralisierung möglich gewordenen Machtpolitik. So wendet sich die politische Philosophie Fichtes, Hegels und Adam Müllers zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Voraussetzungen nationalstaatlicher Machtpositionen im Sinne einer Renaissance machiavellistischer Politik, aber auch in zunehmendem Maß den geistig-moralischen und religiösen Legitimationsgrundlagen politischer Macht zu. Fichte führt unter dem Einfluss der von ihm republikanisch gedachten Verfassung zunächst Macht und Recht wieder enger zusammen. An die Stelle der Staatsgewalt tritt bei ihm der Begriff der durch Vertrag zu legitimierenden Staatsmacht, die Angreifern entgegentritt; potestas und potentia sind nicht mehr geschieden. Für Adam Müller ist nur eine auf kollektiven Glaubensvorstellungen basierende Macht im Unterschied zur rein physischen Macht legitim. Im Rahmen von Hegels metaphysischer Begriffstheorie, der Lehre von der begrifflichen Natur alles Seienden, ist die Macht als die Macht des Allgemeinen bestimmt, d. h. als die Macht des Übergreifens des machthabenden Begriffs gegenüber den ihm untergeordneten Momenten. Gegenüber der mächtigen Sphäre des Privatrechts und des Privatwohls stellt der Staat die übergeordnete sichernde Macht des Allgemeinen dar, so Hegel in § 261 der Grundlinien der Philosophie des Rechts. Zugleich erscheint Hegels Machtbegriff modern insofern, als er quasi interaktiv im Sinne eines Verhältnisses zum Anderen ausgeweitet ist. Macht ist endlich, solange ihr ein Nein entgegengesetzt und sie mit Gewalt ausgeübt wird. Sie ist absolut erst als Freiheit. Aus diesem Gedanken, dass Macht dort am größten ist, wo sie unsichtbar ist, entwickelt sich im 19. Jahrhundert die kreative Übertragung des Machtbegriffs und der Analyse machtdominierter Verhältnisse auf viele andere gesellschaftliche Bereiche, z. B. durch die Analyse der Religion als Machtphänomen durch Friedrich Nietzsche oder die Analyse der Klassenbeziehungen durch Karl Marx und Friedrich Engels. Für Marx und Engels stellt die Verwandlung von persönlichen Machtverhältnissen in sachliche Machtverhältnisse das Eigentümliche moderner Gesellschaften dar, welches als transzendentale Macht des Geldes und als Herrschaft des Kapitals über die eigentlich alles begründende Arbeit zum Ausdruck kommt. Einen anderen Ausgangspunkt der Theoriebildung zum Phänomen der Macht bildet Friedrich Nietzsches Wille zur Macht, eine Formel zur Bezeichnung des unersättlichen Verlangens nach Ausübung der Macht, eines schöpferischen Triebs, der elementares Motiv alles Lebendigen ist und jenseits jeder moralischen Wertung steht. Dieses Konzept einer trieb- und elitentheoretischen Begründung von Macht wird im 19. Jahrhundert weiter ausgebaut zum postulierten Gegensatz zwischen vitalistischer Aktivität und kultureller Verfeinerung bzw. Dekadenz. Es macht sich vor allem in den antimarxistischen Elitentheorien – etwa bei Vilfredo Pareto – geltend. Für Max Weber ist der Machtbegriff „soziologisch amorph“; er definiert ihn wie folgt: Diese unterschiedlichen Machtbasen werden in der Folge in der soziologischen und sozialpsychologischen Theoriebildung immer weiter differenziert. Nach Hannah Arendt entspricht Macht „der menschlichen Fähigkeit, nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln“. Sie entsteht, „wann immer Menschen sich zusammentun und gemeinsam handeln“. Arendt betont, dass Macht etwas grundlegend Anderes sei als Kontrolle, Dominanz und Gewalt. Als politische Theoretikerin hat sie den Machtbegriff in ihren Schriften bereits früh verwendet, im hier angegebenen Sinne explizit definiert hat sie ihn aber erst in ihrem 1968 begonnenen und 1970 publizierten Essay On Violence. Michel Foucault gibt der Macht eine neue, diskursanalytische Wendung: Er kritisiert die traditionelle, juridische Machtkonzeption (Der Wille zum Wissen, 1977) als einseitig und „merkwürdig beschränkt“ und arbeitet die strategisch-produktiven Wirkungsweisen von Macht heraus, welchen in traditionellen Machtkonzepten wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden sei. Basis von Macht Die Sozialpsychologen French und Raven haben in einer heute klassischen Studie 1959 ein Schema von fünf Kategorien entworfen, welche die verschiedenen Machtbasen einordnen, auf die sich der oder die Machtinhaber abstützen: Legitime Macht Macht durch Belohnung Macht durch Zwang Macht durch Identifikation Macht durch Wissen Subjekte und Institutionen Gemäß einer relativ weit verbreiteten Definition ist (soziale) Macht die Fähigkeit von Personen oder Gruppen zur Steuerung des Denkens und Handelns von Anderen. Neben individuellen Akteuren können also auch Gruppen, insbesondere organisierte Gruppen, Macht besitzen und ausüben. Dies können staatliche Institutionen sein wie z. B. Regierung oder Militär, die als Ordnungs- oder Schutzmacht auftreten. Zum anderen verfügen auch privatrechtliche Institutionen wie beispielsweise Unternehmen über unterschiedliche Macht. So stehen sich etwa in Anbieter-Kunden-Beziehungen organisierte Gruppen mit unterschiedlicher Macht gegenüber (nach z. B. Keysuk, 2000). Insbesondere Großunternehmen, die erhebliche Wirtschaftsmacht ausüben, oder Medienkonzerne, die je nach Reichweite, Reputation und Glaubwürdigkeit erhebliche Wirkung entfalten, indem sie gesellschaftsbezogene Ereignisse und Situationen kommentieren und deuten oder auch im schlimmsten Fall nur behaupten (Siehe auch: Medienmanipulation), sind wichtige Beispiele für unausgeglichene Machtverhältnisse. Aber auch innerhalb von Unternehmen hat die Macht verschiedener Abteilungen eine hohe Bedeutung für die gemeinschaftlich erzielten Ergebnisse (nach z. B. Engelen und Brettel, 2012). Machtformen Macht hat verschiedene Formen, welche etwa unter den Begriffen Definitionsmacht bzw. Benennungsmacht, Deutungshoheit (Deutungsmacht), Entscheidungsmacht, Verfügungsmacht oder anderen dargestellt werden. Diese sind jedoch ebenfalls in letzter Konsequenz immer nur Formen des Umfangs von Handlungsmacht, welche spezifische Umgebungsaspekte und -strukturen umfassen, die Auswirkungen auf die vorhandene Handlungsmacht haben. Machtsensibilität Machtsensibilität beschreibt eine konstitutive Empfindsamkeit gegenüber der Machtanwendung. Machtsensibilität beinhaltet ein Wissen um … den eigenen Status mögliche Korrumpierungsmechanismen das Eigenwirkpotenzial von Macht divergierende (unterschiedliche) Wahrnehmungen der Machtanwendung (je nach Standpunkt) sozialpsychologische Fallstricke der eigenen Wahrnehmung. Tabuisierung von Macht Zu den zentralen Merkmalen von Macht gehört deren Tabuisierung durch Verschleierung, Verleugnung, Naturalisierung, Charismatisierung oder Mythologisierung. Die offene Reflexion und Darstellung von Machtaspekten einer Beziehung wird vielfach vermieden, da durch eine Offenlegung Abhängigkeiten transparent werden, Legitimations­druck entsteht und narzisstische Kränkungen drohen. Dies gilt meist für sämtliche Akteure (Subjekte und Institutionen) im Beziehungsgeflecht – sowohl für mächtige Akteure als auch für Akteure, die sich freiwillig oder unfreiwillig unterwerfen. Wer wiederum Machtstrukturen offenlegt – sei es in den eigenen Reihen oder von außen –, wird in der Regel diffamiert. Unterstellt wird dann vielfach, dass nur das friedliche Einvernehmen der Gruppe gestört werden solle oder dass Machthunger oder paranoide Motive zugrunde liegen würden. Die Tabuisierung von Machtverhältnissen ist zugleich ein Kennzeichen von deren Stabilität. Umgekehrt schwindet mit der Destabilisierung von Machtverhältnissen auch das Vermögen zur Tabuisierung der Machtaspekte. Das Machttabu ist in Wissenschaft und Praxis eher ein Randthema. Beleuchtet wird es ansatzweise etwa in der Soziologie, in der Psychologie (insbesondere Psychoanalyse bzw. Psychotherapie), in der Pädagogik, in der Geschlechterforschung, im Management oder in der populärwissenschaftlichen Literatur. Theorien der Macht Hannah Arendt definiert in ihrer Studie Macht und Gewalt „Macht“ positiv als das Zusammenwirken von freien Menschen im politischen Raum zugunsten des Gemeinwesens. Dabei geht es nicht um die Durchsetzung privater Interessen. Obwohl die Individuen pluralistisch handeln und unterschiedliche Perspektiven einnehmen, schließen sie sich dennoch zeitlich und örtlich begrenzt zu einer Gemeinsamkeit des Sprechens und Handelns zusammen, z. B. beim Volksaufstand in Ungarn 1956. Diese Macht tritt nicht hierarchisch als Institution oder Rechtsordnung auf, sondern als Möglichkeit, die Geschichte zu beeinflussen. Sie kann in Verfassungen, Institutionen usw. einfließen, die aber wiederum wandelbar sind. Im Unterschied zu Webers Definition kann Macht nach Arendt nicht gespeichert werden und kann somit begrifflich leicht – und in der Konsequenz streng – von Ressourcen und Gewalt unterschieden werden. Dabei setzt Arendt nicht voraus, dass die beteiligten Menschen gemeinsame Meinungen, Prämissen oder Ideologien vertreten. In jeder neuen Generation können demnach freie Individuen erneut im politischen Raum Vereinbarungen treffen und umsetzen. Ansätze einer Verwirklichung sah sie in der Revolution in den Vereinigten Staaten, die zu der Verfassung der Vereinigten Staaten führte, und in den Versuchen, direkte Demokratie in Form von Räten einzurichten. Zygmunt Bauman beschreibt die Macht in der Postmoderne als etwas Flüssiges bzw. Flüchtiges. Sie bewegt sich für ihn mit der Geschwindigkeit elektronischer Signale durch die postmoderne Gesellschaft und ist unabhängig von Zeit und Raum. Diesen Zustand der Macht charakterisiert er als „post-panoptisch“. Sie konkretisiert sich im Setzen gesellschaftlicher Bedingungen und im Ausüben von Herrschaft. In der Postmoderne sind für ihn diejenigen herrschend, die sich im globalen Raum frei bewegen können und dazu über die ökonomischen, rechtlichen und sozialen Ressourcen verfügen. Elias Canetti schreibt in seinem philosophischen Hauptwerk Masse und Macht, dass sich die Macht in ihrem archaischen Moment als „Augenblick des Überlebens“ offenbare, immer dann wenn ein Lebender triumphierend einem Toten gegenüberstehe. Macht im anthropologischen Sinn bedeutet demnach Überleben. Über Leben und Tod zu entscheiden ist folgerichtig der sicherste Weg zur Lebens- und Machterhaltung. Dieses Instrument des Schreckens komme in totalitären Systemen als Recht daher und verleihe dem Diktator den Anschein einer Gottähnlichkeit. Die Macht in der Hand des Machthabers gebündelt ist eine Chiffre für Gewalt. Nach Canetti ist der totale Machthaber ein Soziopath, dem die Wahrung seiner Herrschaft, die er permanent bedroht sieht, das Wichtigste ist. Die Masse seiner Untertanen könne der paranoide Machthaber nur dadurch unter Kontrolle halten, dass er exzessiv und in aller Öffentlichkeit über Leben und Tod entscheide. „Seine sichersten, man möchte sagen seine vollkommensten Untertanen sind die, die für ihn in den Tod gegangen sind“ – ob im Krieg, in Schauprozessen oder in Vernichtungslagern. Macht äußert sich in Befehlen, an die der Mensch von „klein auf gewöhnt“ ist, die zum guten Teil Elemente seiner Erziehung sind. Canetti sieht im Befehl und dessen Ausführung die natürliche Verhaltenskonstante, etwas Grundlegendes, das älter als die Sprache ist. Michel Foucault radikalisiert die Form der Macht, wie sie in modernen, westlichen Gesellschaften am Werke ist, und hebt die Machtanalyse damit auf eine neue Stufe: Macht könne in den modernen Gesellschaften nicht mehr rein als eine von einer herrscherlich auftretenden Instanz (z. B. Souverän, Gesetz) über eine andere (Untertanen, Subjekte) besessene oder ausgeübte eingeschätzt werden. Die politische Theorie denke Macht immer noch primär juridisch-repressiv, insofern eine Instanz die Macht besitze, wohingegen die „Beherrschten“ in diesem, „klassischen“ Machtkonzept selbst keinerlei Macht ausübten (man denke etwa an Monarchien und das Verhältnis König – Untertanen). Dieses Konzept ist Foucault jedoch zu begrenzt in der Erfassung komplexer, moderner Gesellschaften und werde diesen nicht gerecht. Er dreht nun gewissermaßen die klassische Machtidee um, indem er eine neue, strategisch-produktive Machtkonzeption entwickelt. Diese kommt nicht von oben, sondern von unten. Eine solche Macht durchzieht als ein taktisches Dispositiv den gesamten Gesellschaftskörper und bildet diejenige „krebsartig wuchernde Produktion von Diskursen“, welche Subjekte überhaupt erst hervorbringt. „Sie beruht [gerade, d. V.] nicht auf der allgemeinen Matrix einer Zweiteilung, die Beherrscher und Beherrschte einander entgegensetzt und von oben nach unten auf immer beschränktere Gruppen und bis in die letzten Tiefen des Gesellschaftskörpers ausstrahlt.“ Ziel der Analysen Foucaults ist es folglich, den Kopf des Königs im politischen Denken und in der politischen Analyse endlich „rollen zu lassen“, damit „die Macht ohne den König zu denken“. Machtbeziehungen schreiben sich zudem in die Körper der Subjekte ein und bilden Taktiken und Strategien, mithilfe derer sich moderne Subjekte selbst gouvernemental regieren. Siehe auch: Pastoralmacht, Bio-Macht, Gouvernementalität. Norbert Elias beschreibt Macht als Aspekt jeder menschlichen Beziehung, d. h. als mehr oder weniger labile, veränderliche Stärkeverhältnisse innerhalb eines Beziehungsgeflechts bzw. einer Figuration. Die offene, tatsachenbezogene Erörterung der Allgegenwart von Machtaspekten sei jedoch ein tief verwurzeltes Tabu, dessen Bruch Menschen unangenehm und peinlich ist, weshalb Machtphänomene verschleiert werden. Aufgrund der Missverständlichkeit des Machtbegriffs zieht Elias den Begriff der Machtbalance vor, um verdinglichende Implikationen (‚Macht besitzen‘). und unbewusst-emotionale Wertungen zu reduzieren sowie die Labilität von Beziehungsstärke zu verdeutlichen. Zur näheren Beschreibung von Machtphänomenen, -prozessen und -dynamiken entwickelt er u. a. die Theorie von Etablierten-Außenseiter-Beziehungen, die Theorie der Ausbildung von Zentralpositionen (genannt Königsmechanismus), die Symboltheorie, theoretische Ansätze der Wissens- und Wissenschaftssoziologie und die Theorie vom Zusammenhang von Psychogenese und Soziogenese im Prozess der Zivilisation. Elias' gesamte Prozesssoziologie ist insofern eine „Theorie der Machtbeziehungen“. John R.P. French Jr. und Robert Alan Dahl: Ihr Konzept nennt sich positionelle Macht. Laut French/Dahl ist Macht „die Fähigkeit von Akteur A einen Akteur B zu einer Handlung zu bewegen, etwas zu tun, was Akteur A von ihm verlangt, abzüglich der Wahrscheinlichkeit, dass der Akteur B die von Akteur A gewollte Handlung auch ohne den Einfluss von Akteur A getan hätte.“ J. French und R. Dahl ist es mit dieser Definition gelungen, Macht in einer Formel auszudrücken, die wiederum wie bei Max Weber von der Quelle der Macht abstrahiert und ergebnisbezogen angewendet werden kann. Björn Kraus setzt sich aus der erkenntnistheoretischen Perspektive des Relationalen Konstruktivismus mit dem Thema Macht auseinander. Er fragt also nicht nach der Bewertung oder Verteilung von Macht, sondern danach, was mit diesem Begriff überhaupt beschrieben werden kann. Ausgehend von Webers Macht-Definition kommt er zu dem Schluss, dass der Begriff der Macht differenziert werden muss. Zentral für seinen Ansatz ist dann die Differenzierung des Machtbegriffs in „instruktive Macht“ und „destruktive Macht“ Konkret bezeichnet instruktive Macht die Chance, das Verhalten oder Denken eines anderen zu bestimmen. Destruktive Macht bezeichnet die Chance, die Möglichkeiten eines anderen zu reduzieren. Die Relevanz dieser Unterscheidung wird vor allem an der Möglichkeit der Verweigerung gegenüber Machtbestrebungen deutlich. Gegenüber instruktiver Macht ist Verweigerung möglich – gegenüber destruktiver Macht nicht. Mit dieser Unterscheidung können Machtverhältnisse differenzierter analysiert und erst damit etwa Fragen der Verantwortung adäquat reflektiert werden. John J. Mearsheimer: Macht ist für ihn rein materieller Natur. Sie wird auch als relationale Macht bezeichnet. Sie ist von Ressourcen abhängig. Als relevante Ressourcen gelten: Territorium, Rohstoffe, Export, Bevölkerungszahlen und Finanzstärke. Die wichtigste Ressource ist die militärische Fähigkeit, sie ist das universelle Machtpotenzial. Mearsheimers Definition ist eine politische. Sie lässt deutlich seine realismusbehaftete Theorieperspektive erkennen. Im Rahmen seiner Engpasskonzentrierten Strategie sieht Wolfgang Mewes den jeweiligen Minimumfaktor als entscheidenden Machtfaktor. Insbesondere ökonomische Gesellschaften (Abteilungen, Betriebe, Märkte, Volkswirtschaften) hätten die Eigenart, dass nicht jeder der benötigten Faktoren, sondern nur der jeweils knappste bestimme, wie weit sie sich entwickeln und wachsen können. Danach hätten in jeder Organisation und in jedem Markt diejenigen Macht, die den limitierenden Faktor besitzen bzw. freien Zugang zu ihm haben. Weil Menschen Wünsche, Bedürfnisse, Probleme, Engpässe und Sehnsüchte haben, besitze derjenige potentiell Macht, der sie befriedigen kann. Macht werde dadurch ausgeübt, dass die ersehnten Dinge (z. B. das Glas Wasser für den Verdurstenden) gewährt oder verweigert werden. Hans Morgenthau sieht Macht als zentrales Ziel der Staaten in den internationalen Beziehungen. In Politics among nations schrieb er, jeder Staat handele nach einem „im Sinne von Macht verstandenen Begriff von Interesse“. Macht ist bei Morgenthau Selbstzweck und kann erworben, vergrößert und demonstriert werden. Joseph Nye: Von ihm stammt das Modell der „weichen Macht“ (soft power). Dieses Konzept bezeichnet die Fähigkeit, einen Akteur durch bestimmte (meist immaterielle) Mittel dahingehend zu beeinflussen, dass er identische Ziele und Bestrebungen entwickelt, wie der handelnde Akteur sie selbst besitzt. Die Mittel, einen anderen Akteur dazu zu bewegen, dasselbe zu wollen, was man selbst will, wird als Soft power ressources bezeichnet. Sie sind die Quelle der Macht (vgl. „Wen man nicht zum Feinde haben will, den soll man sich zum Freunde machen“, auch wenn der Spruch etwas abgewandelt ist). Soft power ist zusammengefasst eine Machtkonzeption, die sich aus positioneller, relationaler und struktureller Macht addiert. Heinrich Popitz definiert Macht in seiner soziologischen Abhandlung „Phänomene der Macht“ (1986) als das Vermögen, sich als Mensch gegen andere Kräfte durchzusetzen. Macht ist Verändernkönnen. Im Sinne von „Verändernkönnen“ ist die Geschichte der menschlichen Macht die Geschichte des menschlichen Handelns. Marshall B. Rosenberg spricht im Kontext seines Modells der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) von zwei verschiedenen Formen von Macht: strafender und beschützender Macht. Strafende Machtanwendung hat zum Ziel, Menschen in den Einklang mit moralischen Vorstellungen zurückzuweisen, von denen sie, laut Ansicht der Machtanwender, Abstand genommen haben. Beschützende Anwendung von Macht stellt laut diesem Modell im Konfliktfall den Frieden wieder her und hat zum Ziel, dass die Bedürfnisse und Interessen aller Beteiligten berücksichtigt und gewahrt werden. Susan Strange: Sie prägte den Begriff der strukturellen Macht. Für Strange bedeutet er das Machtpotenzial, das Strukturen wie Sicherheit, Kreditkapazitäten, Wissenschaft und die Produktion auf die beteiligten Akteure haben. Akteure sind „mächtig“, wenn sie Macht über diese Strukturen besitzen. Mächtig sind Akteure also immer dann, wenn sie in der Lage sind, Strukturen so anpassen zu können, dass es dem eigenen Vorteil gereicht und sich die anderen Konkurrenten/Akteure anpassen müssen. So besitzen sowohl Strukturen selbst als auch alle, die auf sie einwirken können, Macht. Stranges Modell ist sehr vielschichtig und komplex und es überschneidet sich mit der von Johan Galtung geprägten strukturellen Gewalt. Es bezieht sich auf globalsoziale Interaktionen und schafft es daher, eine Vielzahl von Größen der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung zu vereinen und in ein machttheoretisches Konzept einzubauen. Max Weber: Für Weber ist Macht eine Form der Willensdurchsetzung. In seiner Definition ist Macht „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ Michael Mann: Im Rahmen seiner dreibändigen „Geschichte der Macht“ entwickelte Mann das IEMP-Modell mit vier Machtquellen (ideological, economic, military, political). Niklas Luhmann: In seiner Systemtheorie repräsentiert Macht ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium. Arnold Brecht: Er unterscheidet vier verschiedenen Typen nach ihren jeweiligen Machtressourcen: rohe Gewalt oder ihre Androhung, Prestige oder Autorität, finanzielle Mittel und persönliche Anziehung. Hanna F. Pitkin: Sie unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Machtarten: Die Macht über andere Personen (power over) und die Fähigkeit, irgendetwas zu tun (power to). Gerhard Göhler: Er stellt eine alternative Unterscheidung vor zwischen „transitiver Macht“, die den eigenen Willen auf andere überträgt und auf diese Weise Einfluss nimmt, und „intransitiver Macht“, die in sich selbst, in der Gesellschaft erzeugt und aufrechterhalten wird. Georg Zenkert unterscheidet zwischen Handlungsmacht (dynamis), die sich in den politischen Meinungen dokumentiert, Herrschaft, deren rationale Form das Recht stiftet, und konstitutiver Macht, die sich in der verfassten Gemeinschaft manifestiert. Karen Gloy unterscheidet zwischen Macht als ,Fähigkeit bzw. Vermögen zu' und Gewalt als ,Herrschaft über' und thematisiert alle Formen der Macht in Politik (Antike, Machiavelli), Wissen und Wissenschaft, Psychologie, Ökonomie und Netzwerken. Melanie Misamer versteht Macht sozialpsychologisch als ein zunächst neutrales Potenzial, dass auf die eine oder andere Art eingesetzt werden kann. Sie unterscheidet Machtanwendung in einem Kontinuum zwischen konstruktiver (Machthandlungen im Sinne und zum Nutzen für das Gegenüber) und destruktiver Machtanwendung (Machthandlungen explizit nicht zum Nutzen oder sogar zum Schaden für das Gegenüber) und thematisiert auch die „Graubereiche“ dazwischen sowie den Zusammenhang zwischen Machtanwendung und (berufsethischen) Prinzipien. Das auf dieser Basis entwickelte Handlungskonzept der Machtsensibilität soll helfen, Handlungen und Interaktionen besser im Hinblick auf ihre potenziell positiven bzw. negativen Auswirkungen hin zu reflektieren. Machtbezogene Studien in Einzelwissenschaften Je nach Interesse werden verschiedene Aspekte oder Phänomene der Macht zum Gegenstand der jeweiligen Untersuchung gemacht: Psychologische Abhandlungen konzentrieren sich auf das individuelle Verhalten der vom Machtstreben bestimmten oder betroffenen Personen. Ein besonderes Untersuchungsgebiet behandelt die Machtverhältnisse oder Beziehungen in einer (meist kleinen) Gruppe (Gruppendynamik). Soziologische und politologische Studien untersuchen die Machtverteilung, ihre Ursachen und Auswirkungen in einer Gesamtgesellschaft oder in politisch oder ökonomisch bedeutenden Gruppen (Machteliten/Power Structure Research). Kriminologie, insbesondere Kriminalsoziologie untersucht die „Definitionsmacht“ der Polizei und anderer Instanzen sozialer Kontrolle im Rahmen des Prozesses der Kriminalisierung. Ethnologen unterscheiden z. B. nach dem Grad der Differenzierung der Machtverhältnisse vier gesellschaftliche Organisationsformen: Familienverband, Stamm, Häuptlingsherrschaft, Staat. Pädagogen interessieren sich zum einen dafür, welche gesellschaftlichen Machteinflüsse (insbesondere politische, religiöse und wirtschaftliche Interessen) pädagogisches Handeln beeinflussen (diese Einflüsse werden mit Hilfe der Bildungstheorie kritisiert und so pädagogisches Handeln auch unabhängig von solchen Machteinflüssen ermöglicht), zum anderen wird die Ausübung von Macht im Unterricht diskutiert, wobei das Bildungsziel der Emanzipation eine zentrale Rolle spielt. Historiker haben vor allem die Generierung von Macht und Herrschaft sowie die Bildung von Machteliten in der Vergangenheit im Blick. Literar- und Kunsthistoriker untersuchen unter anderem die Wirkungsgeschichte bestimmter Schriftsteller, Musiker oder bildender Künstler beziehungsweise einzelne ihrer Werke. Werbefachleute möchten wissen, welche Möglichkeiten der Verhaltenssteuerung es gibt, bezogen auf bestimmte Zielgruppen, Werbeträger, Inhalte usw. Aus ethischer Sicht ist der Begriff Macht ambivalent. Er hat gewissermaßen eine positive und eine negative Ladung. Positiv werden die konstruktiven Fähigkeiten bewertet, negativ die destruktiven. Etwas konkreter und in Anlehnung an Albert Schweitzers Denken und Handeln beweist jemand im positiven Fall durch Rat und Tat Ehrfurcht vor dem Leben, im negativen Fall das Gegenteil. Beispiele mit positiver Bewertung sind Zielsetzung und Tätigkeit der NGOs Ärzte ohne Grenzen und Greenpeace. Beispiele mit negativer Bewertung sind die ökonomischen, militärischen und politischen Programme und Aktionen, die auf Profit und Macht aus sind. Die starke Ambivalenz der Macht zeigt sich beispielhaft bei der Triage. Die Anthropologie lenkt den Blick auf die Entstehung der gegenwärtigen Machtverhältnisse. Die Evolution des den aufrechten Gang einübenden Vormenschen zum Gegenwartsmenschen verlief nicht geradlinig, sondern – vereinfacht gesagt – zunächst von der instinktgesteuerten und deutlich sozial strukturierten Horde zum Familienverband der Urgesellschaft, der auf sprachliche Verständigung und Zusammenarbeit angelegt war. Sozialwissenschaftliche interdisziplinäre Studien richten den Blick auf die Art und Weise, wie das (zunächst neutrale) Potenzial „Macht“ in sozialen Interaktionen angewendet wird. Das Konzept der Machtsensibilität wurde entwickelt, um Machthandlungen besser im Hinblick auf ihre potenziell positiven bzw. negativen Auswirkungen hin reflektieren zu können. Ohnmachtsgefühle können langfristig nicht zu unterschätzende negative Folgen nach sich ziehen, denn der Preis, den Menschen zahlen, weil sie sich machtlos fühlen, ist hoch. Das Gefühl, machtlos zu sein, resultiert häufig daraus, dass andere von ihrer Macht korrumpiert wurden und sie auf destruktive Weise einsetzen. Bedeutung der Macht in der Organisationstheorie und Betriebspsychologie Innerhalb der Organisationstheorie definiert Henry Mintzberg (* 1939) Macht in Organisationen wie folgt: Diese auf Organisationen eingeschränkte Begriffsbestimmung kann auch bei der Betrachtung anderer Bereiche hilfreich sein. Allgemeiner sehen daher Mallory, Segal-Horn und Lovitt Macht als Nach Gareth Morgan (* 1943) gibt es die folgenden Quellen von Macht in Organisationen: Formale Autorität Die aufgrund von Position und Aufgabenstellung verliehene Machtbefugnis. Verfügungsgewalt über beschränkt vorhandene Ressourcen Die Verfügung über begrenzt vorhandene Ressourcen verleiht Macht über jeden, der auf diese Ressourcen angewiesen ist. Universellere Ressourcen (Geld, Menschen usw.) verleihen dabei mehr Macht als eingeschränkt verwendbare. Organisationsstrukturen und -prozeduren Die Position, die eine Person innerhalb der Strukturen oder Prozeduren (Prozesse) einer Organisation innehat, verleiht Macht und sei es nur, dass durch Verzögerung von notwendigen Arbeiten durch einen Mitarbeiter ein anderer in seiner Tätigkeit behindert wird. Kontrolle über den Entscheidungsprozess Wer den Entscheidungsprozess steuern kann, kann zu gewissen Teilen auch die Entscheidung mitbeeinflussen. So kann ein Finanzmanager (Controller) die sachliche Entscheidung eines Produktionsmanagers für oder gegen eine Maschine beeinflussen, weil er die Projektkostenrechnung kontrolliert. Verfügungsgewalt über Wissen und Information Wissen und Information geben gegenüber denen Macht, die dieses Wissen oder die Information benötigen. So verfügt die Verkaufsabteilung Informationen zum Absatz, auf die die Produktions- und Einkaufsabteilung angewiesen sind. Boundary Management (Management der Grenzen) Die Organisation bzw. die Organisationseinheit interagiert mit ihrer Umwelt. Mitarbeiter, die an den Grenzen bzw. Schnittstellen der Organisationseinheit erfolgreich tätig sind, verfügen über einen Informationsvorsprung und damit über mehr Macht. Traditionelle Bereiche sind der Einkauf und der Vertrieb (Supply-Chain-Management), deren potentielle Machtposition durch die Entwicklung der Produktionstheorie beeinflusst wird (Just-in-time-Produktion, Outsourcing). Fähigkeit, Unsicherheit zu verarbeiten Wer mit der Unsicherheit am besten umgehen kann, die sich aus der sich ständig verändernden Umwelt (siehe Umweltanalyse) ergibt, der gewinnt innerhalb einer Organisation an Macht. Verfügungsgewalt über Technologie Die Kontrolle einer bestimmten Technologie, d. h. die Kenntnisse, Fähigkeiten und das Wissen, wie die Technologie im Produktionsprozess einzusetzen und zu bedienen ist, kann eine wesentliche Quelle von Macht in einer Organisation sein. Sichtbar wird dies zum Beispiel in Schwerpunktstreiks, wo der Streik von drei Mitarbeitern eine ganze Produktionslinie lahmlegt. Allianzen und informelle Netzwerke Allianzen zwischen zwei Machthabern sowie informelle Beziehungen wie Freundschaften, Bekanntschaften, Verwandtschaften usw., verleihen Mitgliedern innerhalb eines solchen Sozialen Netzwerkes Macht. Ausgleichende Macht Ausgleichende Macht entsteht häufig, wenn sich viel Macht in den Händen weniger befindet. In der Opposition koordinieren oft Stakeholder ihre Aktivitäten, um ein Gegengewicht für die konzentrierte Macht zu erzeugen. So könne man die Entstehung von Gewerkschaften mitbegründen. Symbolism and the management of meaning (Symbolismus und das Management der Bedeutung) Wer Symbole und Bedeutungen kontrolliert, der erhält durch diese Kontrolle Macht. Diese Macht zeigt sich beispielsweise in dem Status von Priestern in vielen Gesellschaften. Geschlechtermacht Geschlechtermacht ist die Bezeichnung für Macht, die aufgrund von wahrgenommenen Unterschieden zwischen Menschen aufgrund ihres Geschlechtes entsteht. Das Konzept schließt auch Machtgewinn aufgrund von wahrgenommenen Unterschieden durch Rasse, Religion, Alter usw. ein. Morgan beschreibt in seinem Modell Organisationen in demokratischen Umfeldern. Das wird beispielsweise aus der Abwesenheit von direkter Gewalt ersichtlich, die in Organisationen zumindest historische Bedeutung hat. Andererseits sind Erweiterungen im Vergleich zum Modell von French und Raven (s. o.) zu erkennen. Im Prinzip kann für jeden Stakeholder „A“ einer Organisation ein Machtprofil aufgestellt und gegen das Machtprofil eines anderen Stakeholders „B“ abgeglichen werden, mit dem „A“ einen Konflikt hat. Dieses Modell impliziert eine sehr direkte Machtposition. Das bedeutet aber nicht, dass eine Machtposition auch ausgenutzt werden muss. Die Entscheidung darüber, ob Macht ausgeübt wird oder nicht, ist eine politische Entscheidung. Morgan beschreibt in seinem Modell ausdrücklich Organisationen, vermutlich, weil in anderen Kontexten (Staat–Staat, Person–Staat usw.) andere Faktoren (s. o. French & Raven) hinzukommen. Im politischen Kontext unterscheidet MacMillan die Konzepte Macht und Einfluss. Die hier sichtbar werdende Distanz wird durch das zweidimensionale Modell von Winstanley et al. aufgezeigt, wo Regelmacht – die Entscheidung darüber, nach welchen Spielregeln die Organisation handelt – und operative Macht – die Macht, Entscheidungen innerhalb der Organisation zu treffen – miteinander in Beziehung gesetzt werden. A – Arm’s-length power bezeichnet die relativ kleine Macht innerhalb, aber erhebliche Macht von außerhalb der Organisationen, durch die diese beeinflusst werden kann. Stakeholder dieser Art agieren nicht selbst in einer Organisation, aber sie können die Spielregeln festsetzen. Stakeholder mit B – Comprehensive Power können sowohl selbst agieren als auch die Spielregeln festsetzen. Typischerweise sind es Besitzer-Manager oder Führungskräfte in Staatsunternehmen. Es gibt Organisationen, wo diese Position nicht oder nur sehr schwach ausgeprägt ist. Stakeholder mit operativer Macht können die Entscheidungen vor Ort treffen, tun dies aber nach Regeln, die anderswo (A oder B) festgelegt wurden. Sie sind Abteilungsleiter in Unternehmen, Büro- oder Fachbereichsleiter in öffentlichen Verwaltungen und Gruppenführer in NGOs usw. Der Quadrant D bezeichnet Stakeholder die weder über operative Macht noch Regelmacht verfügen. Sie sind buchstäblich entmachtet. Diese Analyse dient dem Vergleich von Stakeholders inner- und außerhalb von Organisationen. Zieht man die Definition von MacMillan (s. o.) heran, so kann man mit Winstanleys Modell differenzierter analysieren. Es ist ein typisches Werkzeug zur Analyse von Machtverhältnissen bei Veränderungsprozessen in Organisationen. Die Macht des Individuums innerhalb einer Organisation kann über die verschiedensten Wege erwachsen, die sich häufig der direkten empirischen Untersuchung entziehen. Macht wird in der Organisationstheorie als ein aktionsbasiertes Konzept verstanden, das in enger Beziehung zum Konzept der Führung steht. Es handelt sich hierbei um einen Prozess, der situations- und umweltabhängig ausgeübt wird. In der Praxis lassen sich sowohl die Auswirkungen der Ausübung von Macht als auch deren Träger identifizieren, während sich die Quellen und Ursachen für die individuelle Machtposition nicht direkt erschließen. Als Basis für die Macht von Gruppen oder Individuen wird in der Literatur die Kombination der individuellen Charaktereigenschaften im Zusammenspiel mit den Zusammenhängen innerhalb komplexer Organisationen und Umwelten genannt. Die Analyse und Diskussion wird dementsprechend auf den gesamten Bereich der Unternehmensführung ausgeweitet, in der die Macht als intrinsischer Bestandteil von Netzwerken angesehen wird. Die Aufgabe des Managements besteht dann darin, die verschiedenen Beziehungen nicht nur innerhalb der Organisation, sondern auch außerhalb dieser zu beeinflussen. Siehe auch Machtmissbrauch Literatur Andreas Anter: Theorien der Macht zur Einführung. Junius, Hamburg 2012, ISBN 978-3-88506-062-8. Hannah Arendt: Macht und Gewalt. Piper Verlag, München 1970, ISBN 3-492-20001-X. Georges Bataille: Die psychologische Struktur des Faschismus. Die Souveränität., 1. ed., Matthes & Seitz, München 1978. (Original: Editions Gallimard, Paris 1970). Wilhelm Berger: Macht. Facultas Verlags- und Buchhandels AG, Wien 2009, ISBN 978-3-8252-3232-0. Wim Blockmans: Geschichte der Macht in Europa. Völker, Staaten, Märkte. Campus, Frankfurt/New York 1998, ISBN 3-593-36066-7. Kenneth E. Boulding: Three Faces of Power. 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Band 1: Von den Anfängen bis zur griechischen Antike. Campus, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-593-34577-3. Band 2: Vom Römischen Reich bis zum Vorabend der Industrialisierung. Campus, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-593-35170-6. Band 3 (Teil I): Die Entstehung von Klassen und Nationalstaaten. Campus, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-593-36108-6. Band 3 (Teil II): Die Entstehung von Klassen und Nationalstaaten. Campus, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-593-36390-9. Reiner Neumann: Die Macht der Macht. 1. Auflage. Hanser, München 2012, ISBN 978-3-446-43210-9. Heinrich Popitz: Prozesse der Machtbildung, 3. ed., JCB Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1976. Bertrand Russell: Power. A New Social Analysis, Allen & Unwin, London 1938. Karl Sandner: Prozesse der Macht. Zur Entstehung, Stabilisierung und Veränderung der Macht von Akteuren in Unternehmen. Springer, Berlin/ Heidelberg 1990, ISBN 3-540-52799-0. Robert Sapolsky: Gewalt und Mitgefühl: Die Biologie des menschlichen Verhaltens. 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Q25107
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https://de.wikipedia.org/wiki/1734
1734
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Polnischer Thronfolgekrieg Mai: In der Schlacht von Bitonto besiegt eine spanische Armee eine kaiserlich-österreichische Streitmacht, und sichert so das Königreich Sizilien für das Haus Bourbon. 2. Juni bis 18. Juli: Die Belagerung von Philippsburg endet mit der Eroberung der von österreichischen Einheiten gehaltenen Stadt durch französische Truppen unter James Fitzjames, 1. Duke of Berwick, der allerdings am 12. Juni von einer Kanonenkugel getötet wird. 29. Juni: Die Schlacht bei Parma endet mit einem Sieg französischer und sardinischer Truppen über die österreichische Armee. 9. Juli: Danzig, das den polnischen König Stanislaus I. Leszczyński aufgenommen hat, muss im Polnischen Thronfolgekrieg nach mehrmonatiger Belagerung durch ein russisch-sächsisches Heer unter Generalfeldmarschall Burkhard Christoph von Münnich kapitulieren. 19. September: Im Polnischen Thronfolgekrieg halten nahe dem Fluss Po französisch-piemontesische Truppen in der Schlacht bei Guastalla einem Angriff einer österreichischen Armee stand. Heiliges Römisches Reich 25. Mai: Der 17-jährige ostfriesische Thronfolger Carl Edzard heiratet auf Initiative seiner Stiefmutter Sophie Karoline von Brandenburg-Kulmbach deren Nichte Wilhelmine Sophie. Schon drei Wochen später, am 12. Juni, verstirbt sein seit längerem schwer erkrankter Vater Georg Albrecht, und Carl Edzard wird Landesherr von Ostfriesland, ohne auf diese Aufgabe vorbereitet zu sein. Nach den Dauerkonflikten der vergangenen Jahre zwischen den Ständen und dem Fürstenhaus hat dieses kaum mehr ein Ansehen. Die Stadt Emden und andere renitente Landstände verweigern dem neuen Fürsten die Huldigung. 10. November: Markgraf Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwedt heiratet in Potsdam Sophie Dorothea Marie von Preußen, die Tochter des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. und seiner Gattin Sophie Dorothea von Hannover. 11. November: Nach dem Tod von Friedrich Wilhelm II. wird sein Herzogtum Nassau-Siegen mit dem Herzogtum Nassau-Diez unter Wilhelm IV. vereinigt. Habsburgermonarchie 29. Juni: Die ersten protestantischen Landler werden von den österreichischen Kernlanden nach Siebenbürgen deportiert. Die Deportation wird von der Wiener Hofkanzlei beschönigend als „Transmigration“ bezeichnet. Wirtschaft Ende des Jahres: Die erste Ausgabe der französischsprachigen Kölner Zeitschrift Gazette de Cologne avec privilege de sa majesté imperiale erscheint. Die letzte Ausgabe der schwedischen Wochenzeitschrift Then Swänska Argus von Olof von Dalin erscheint. Lloyd’s List, heute die führende Zeitschrift der Marineindustrie, erscheint erstmals. In Alesheim wird die Brauerei Conrad gegründet. Bei Unna wird die Saline Königsborn gegründet. Wissenschaft und Technik Archäologie 21. April: Der Bauer Erich Lassen entdeckt das kürzere der beiden Goldhörner von Gallehus. Sie sind die berühmtesten archäologischen Funde in Dänemark. Das längere ist – ebenfalls zufällig – im Jahr 1639 aufgefunden worden. Kartographie Iwan Kirillowitsch Kirilow gibt den Atlas des Allrussischen Reiches heraus, den ersten in Russland gestochenen und gedruckten Atlas. Der Kupferstecher und Kartograph Matthäus Seutter gibt einen großen Atlas mit 131 Karten heraus. Lehre und Forschung 19. September: Die Universität Fulda (Alma Mater Adolphiana) wird feierlich eingeweiht. Der Stifter, Bischof Adolf von Dalberg, wird zum Rector Magnificentissimus gewählt. Das barocke Universitätsgebäude ist von Andrea Gallasini in dreijähriger Bauarbeit errichtet worden. 14. Oktober: Samuel Christian Hollmann hält in einem Getreidespeicher die erste Vorlesung der 1732 gegründeten Georg-August-Universität Göttingen. Die dazugehörige Universitätsbibliothek wird im gleichen Jahr gegründet. Anton Wilhelm Amo promoviert an der Philosophischen Fakultät der Universität Wittenberg als erster Afrikaner in Deutschland mit seiner Dissertation De humanae mentis apatheia. Kultur Musik und Theater Georg Friedrich Händel und die Opera of the Nobility 4. Januar: Das Dramma per musica Arbace von Georg Friedrich Händel hat seine Uraufführung am King’s Theatre am Haymarket in London. Das Pasticcio ist die Bearbeitung des erfolgreichen Librettos Artaserse von Pietro Metastasio auf der Grundlage der Oper Leonardo Vincis. Giovanni Carestini und Anna Maria Strada singen die Hauptrollen. Das Werk ist etwas erfolgreicher als die beiden ersten Pasticcis der Saison. Die Opera of the Nobility unter Nicola Antonio Porpora reagiert ein halbes Jahr später mit einer Pasticcio-Bearbeitung von Johann Adolph Hasses Artaserse, der zweiten berühmten Vertonung des Textes von Pietro Metastasio, und erzielt damit einen ganz außergewöhnlichen Erfolg. Der berühmte Kastrat Farinelli hat damit seinen Durchbruch in London. 26. Januar: Die Oper Arianna in Creta von Georg Friedrich Händel wird am Londoner King’s Theatre uraufgeführt. Das Libretto, dessen Urheber unbekannt ist, basiert auf der literarischen Vorlage Arianna e Teseo von Pietro Pariati. Die Sopranistin Anna Maria Strada und der Mezzosoprankastrat Giovanni Carestini singen die Hauptrollen. 13. März: Anlässlich der Hochzeit von Prinzessin Anne mit Wilhelm IV. von Oranien wird die Serenata Il Parnasso in festa uraufgeführt. Es ist Händels letzte Uraufführung am King’s Theatre. Die eigentliche Vermählung des Paares findet am 25. März statt. 6. Juli: Der langjährige Vertrag zwischen Johann Jacob Heidegger und Georg Friedrich Händel über die Verpachtung des King’s Theatre am Haymarket läuft aus. Dieses wird von der Opera of the Nobility übernommen. Händel reagiert schnell und wendet sich an John Rich, der mit den Einnahmen aus der Bettler-Oper ein neues Theater, das Theatre Royal in Covent Garden gebaut hat. Rich erklärt sich einverstanden mit einem Spielplan, in dem sich seine Schauspiele und Pantomimen mit Händels Opern abwechseln sollen. 18. Dezember: Händels erste Oper am Theatre Royal in Covent Garden ist das Dramma per Musica Oreste, ein aus Händels früheren Opern zusammengestelltes Pasticcio. Die Anwesenheit der berühmten Choreographin und Tänzerin Marie Sallé und ihrer Compagnie in London nutzend, hat der Komponist es mit umfangreichen Ballettszenen ausgestattet. Johann Sebastian Bach in Leipzig Juli?: Die Kirchenkantate In allen meinen Taten von Johann Sebastian Bach wird in Leipzig uraufgeführt. 5. Oktober: Anlässlich des Besuches des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August III. in Leipzig wird Bachs weltliche Kantate Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen uraufgeführt. Der Trompetensolist Gottfried Reiche bricht am nächsten Tag auf offener Straße tot zusammen, was mit der Anstrengung bei den Feierlichkeiten in Zusammenhang gebracht wird. 25. Dezember: Die Erste Kantate des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach wird vom Thomanerchor in Leipzig uraufgeführt. Bis zum Januar 1735 wird das gesamte Werk in den beiden Leipziger Hauptkirchen Nikolaikirche und Thomaskirche uraufgeführt. um 1734: Johann Sebastian Bach komponiert auf Basis einer Dichtung von Picander die weltliche Kantate Schweigt stille, plaudert nicht, auch bekannt als „Kaffeekantate“. Sonstige Uraufführungen 22. Februar: Die Uraufführung der Oper The Tragedy of Chrononhotonthologos von Henry Carey erfolgt in London. 3. März: Am Theater am Gänsemarkt in Hamburg erfolgt die Uraufführung des Pasticcios Circe von Reinhard Keiser. 8. April: La Betulia liberata, das Libretto zu einer azione sacra in zwei Teilen von Pietro Metastasio wird in der Vertonung von Georg Reutter in der Hofburgkapelle in Wien uraufgeführt. 4. November: In der Vertonung von Antonio Caldara wird Pietro Metastasios Libretto La clemenza di Tito anlässlich der Feier des Namenstages von Kaiser Karl VI. am Hoftheater in Wien erstmals aufgeführt. Religion Der Shouguo-Tempel in Tibet wird errichtet. Geboren Januar bis April 5. Januar: Gebhard XXVIII. von Alvensleben, deutscher Politiker und Gutsbesitzer († 1801) 5. Januar: Carl Friedrich Ludwig von Gaudi, preußischer Beamter († 1784) 8. Januar: Franz Anton von Blanc, österreichischer Beamter († 1806) 13. Januar: Luka Sorkočević, kroatischer Diplomat und Komponist († 1789) 16. Januar: John A. Treutlen, US-amerikanischer Politiker, Gouverneur von Georgia († 1782) 17. Januar: François-Joseph Gossec, wallonisch-französischer Komponist († 1829) 18. Januar: Caspar Friedrich Wolff, deutscher Physiologe und Anatom († 1794) 20. Januar: Charles Alexandre de Calonne, französischer Staatsmann († 1802) 23. Januar: Wolfgang von Kempelen, österreichischer Erfinder, Architekt und Staatsbeamter († 1804) 23. Januar: François Rozier, französischer Botaniker und Agrarwissenschaftler († 1793) 31. Januar: Joseph Franz Anton von Auersperg, österreichischer Bischof, Fürstbischof und Kardinal († 1795) 31. Januar: Robert Morris, britisch-US-amerikanischer Unternehmer und einer der Gründerväter der USA († 1806) 5. Februar: Johann Georg Gottlob Schwarz, deutscher evangelischer Theologe († 1788) 10. Februar: Maximilian Thaddäus von Egger, österreichischer Eisenindustrieller und Adliger († 1805) 12. Februar: Johanna Melber, Frankfurter Bürgerin, Tante Johann Wolfgang von Goethes († 1823) 13. Februar: Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec, französischer Seefahrer und Entdecker († 1797) 15. Februar: Johann Gerhard Gruner, deutscher Jurist und Historiker († 1790) 16. Februar: Georg Philipp Dohlhoff, Apotheker und Bürgermeister der Pfälzer Kolonie in Magdeburg († 1794) 17. Februar: Johann Balthasar Hundeshagen, deutscher Jurist und Historiker († 1800) 18. Februar: Jean-Marie Roland de La Platière, französischer Politiker († 1793) 20. Februar: Franz Ignaz Beck, deutscher Komponist († 1809) 20. Februar: Allard Hulshoff, niederländischer reformierter Theologe († 1795) 24. Februar: Asaf Jah II., Fürst von Hyderabad im Dekkan († 1803) 27. Februar: Karol Stanisław Radziwiłł, Woiwode von Wilna und Starost von Lemberg († 1790) 9. März: Francisco Bayeu, spanischer Maler († 1795) 10. März: Gōryū Asada, japanischer Astronom und Anatom († 1799) 19. März: Thomas McKean, US-amerikanischer Politiker und Offizier, Unterzeichner der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung († 1817) 24. März: Diana Beauclerk, britische Malerin († 1808) 30. März: Christian Gottlieb Bergmann, deutscher Jurist und Bürgermeister von Zittau († 1822) 31. März: Adélaïde-Louise-Pauline Hus, französische Schauspielerin der Comédie-Française und Kurtisane († 1805) 10. April: Eleonore von Grothaus, deutsche Dichterin († 1794) 13. April: Johann Michael Hesse, deutscher Orgelbauer († 1810) 13. April: Christian Heinrich Reichel, deutscher Pädagoge († 1807) 15. April: Adrian Zingg, Schweizer Maler, Radierer, Zeichner und Kupferstecher († 1816) 17. April: Taksin, König von Siam († 1782) 20. April: Henricus Johannes Arntzenius, niederländischer Rechtswissenschaftler († 1797) Mai bis August 1. Mai: Johann Matthäus Schmahl, deutscher Klavier- und Orgelbauer († 1793) 23. Mai: Franz Anton Mesmer, deutscher Arzt, Begründer des Mesmerismus († 1815) 24. Mai: Conrad Nahmmacher, deutscher evangelischer Theologe und Pädagoge († 1768) 12. Juni: Eberhard Gaupp, Schweizer Kaufmann († 1796) 14. Juni: Gaspard Jean-Baptiste de Brunet, französischer General († 1793) 15. Juni: Johann Ernst Altenburg, deutscher Komponist, Organist und Trompeter († 1801) 27. Juni: Johannes Hotze, Schweizer Landarzt († 1801) 15. Juli: Maria Fortunata d’Este, italienische Prinzessin († 1803) 25. Juli: Ueda Akinari, japanischer Schriftsteller und Philologe († 1809) 27. Juli: Sophie Philippine Élisabeth Justine, französische Prinzessin und Prinzessin von Navarra († 1782) 1. August: Dominik Auliczek, böhmischer Bildhauer († 1804) 7. August: Maria Anna Josepha von Bayern, Markgräfin von Baden († 1776) 8. August: Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst, Bruder der russischen Zarin Katharina II. († 1793) 13. August: Johann Gottfried Sillig, deutscher evangelischer Geistlicher († 1792) 29. August: David von Neumann, preußischer General († 1807) 30. August: Gaetano Gandolfi, italienischer Maler und Kupferstecher († 1802) September bis Dezember 1. September: Louis François II. de Bourbon, Fürst von Conti († 1814) 1. September: August Carl Alexander von Zanthier, hessischer und anhaltischer Hofbeamter und wirtschaftswissenschaftlicher Autor († 1815) 2. September: Marianne Camasse, französische Tänzerin, Gräfin von Forbach († 1807) 3. September: Joseph Wright of Derby, britischer Maler († 1797) 17. September: Jean Baptiste Leprince, französischer Maler († 1781) 22. September: Karl Friedrich Walch, deutscher Rechtswissenschaftler († 1799) 25. September: Louis René Édouard de Rohan-Guéméné, französischer Adeliger und Fürstbischof von Straßburg, Opfer der Halsbandaffäre († 1803) 26. September: Franz Anton von Weber, deutscher Musiker, Kapellmeister und Theaterdirektor († 1812) 3. Oktober: Carl von Imhoff, Kolonialoffizier der Britischen Ostindien-Kompanie und Porträtmaler († 1788) 4. Oktober: Francis Lightfoot Lee, Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung der USA († 1797) 6. Oktober (getauft): Joseph Pickford, englischer Baumeister und Architekt († 1782) 7. Oktober: Ralph Abercromby, britischer General († 1801) 13. Oktober: Maciej Kamieński, polnischer Komponist († 1821) 13. Oktober: William Small, schottischer Naturwissenschaftler in Virginia († 1775) 17. Oktober: Grigori Grigorjewitsch Orlow, russischer General und Geliebter Katharinas II. († 1783) 19. Oktober: Carlo Luca Pozzi, Schweizer Stuckateur († 1812) 23. Oktober: Nicolas Edme Restif de la Bretonne, französischer Schriftsteller († 1806) 24. Oktober: Anna Göldi, Schweizer Magd, eine der letzten als Hexe hingerichteten Frauen Europas († 1782) 29. Oktober: Karl Albrecht von Frisching, Schweizer Politiker († 1801) 29. Oktober: Heinrich Leopold von Seherr-Thoß, deutscher Großgrundbesitzer († 1804) 2. November: Daniel Boone, amerikanischer Pionier und Grenzer († 1820) 11. November: František Martin Pelcl, böhmischer Schriftsteller, Historiker und Philologe († 1801) 1. Dezember: Adam Kazimierz Czartoryski, polnischer Adeliger († 1823) 3. Dezember: Karl Josef Anton Leodegar von Bachmann, Schweizer Militär in französischen Diensten († 1792) 15. Dezember: George Romney, britischer Maler († 1802) 17. Dezember: William Floyd, Delegierter des Staates New York im Kontinentalkongress († 1821) 17. Dezember: Maria I., Königin von Portugal und Brasilien († 1816) 21. Dezember: Manuel do Nascimento, portugiesischer Lyriker, Übersetzer und Ordensmann († 1819) 22. Dezember: Tommaso Conca, italienischer Maler († 1822) 24. Dezember: Heinrich Wilhelm von Anhalt, preußischer Offizier († 1801) 27. Dezember: Nicolaas Laurens Burman, niederländischer Botaniker († 1793) 31. Dezember: Maria Ursula Columba de Groote, Kölner Bürgerin und Bürgermeistersgattin († 1768) Genaues Geburtsdatum unbekannt Françoise de Châlus, Herzogin von Narbonne-Lara, französische Hofdame und Mätresse Ludwigs XV. († 1821) Leopold von Hartmann, deutscher Beamter und Landwirt († 1791) Martin Lampe, langjähriger Diener Immanuel Kants († 1806) Robert Mylne, schottischer Architekt und Bauingenieur († 1811) Sakurada Jisuke I., japanischer Kabukiautor († 1806) Philipp Ernst Wegmann, deutscher Orgelbauer († 1778) Geboren um 1734 Peter Perez Burdett, englischer Kartograph († 1793) Gestorben Erstes Quartal 6. Januar: John Dennis, britischer Dramatiker und Kritiker (* 1657) 6. Januar: Zacharias Konrad von Uffenbach, Frankfurter Patrizier, Schöffe und Ratsherr, Reiseschriftsteller und Büchersammler (* 1683) 26. Januar: Alexander Hermann von Wartensleben, Offizier in verschiedenen Diensten, preußischer Generalfeldmarschall und als Wirklicher Geheimer Rat Teil des Drei-Grafen-Kabinetts (* 1650) 28. Januar: Danylo Apostol, ukrainischer Kosakenhetman (* 1654) 2. Februar: Charles Calvert, britischer Kolonialgouverneur von Maryland (* 1688) 7. Februar: Johann Adam Pruner, österreichischer Händler, Stadtrichter und Bürgermeister von Linz (* 1672) 10. Februar: Jean Raoux, französischer Maler (* 1677) 11. Februar: Christian Ulrich II., Herzog von Württemberg-Wilhelminenort (* 1691) 15. Februar: Franz Jänggl, österreichischer Baumeister (* um 1650) 18. Februar: Franz Woken, deutscher Pädagoge, Historiker, Sprachwissenschaftler und lutherischer Theologe (* 1685) 19. Februar: Johann Isaak Freitag, Rheinfeldener Holzbildhauer (* 1682) 26. Februar: Marianna Benti Bulgarelli, gen. La Romanina, italienische Opernsängerin (* um 1684) 1. März: Roger North, englischer Rechtsanwalt, Biograf und Musiktheoretiker (* 1653) 2. März: Domenico Trezzini, Schweizer Architekt in Russland (* um 1670) 2. März: Friedrich Wilhelm II., Fürst von Nassau-Siegen (* 1706) 3. März: Claus Stallknecht, deutsch-dänischer Baumeister (* 1681) vor dem 6. März: Luigi Antinori, italienischer Opernsänger, Tenor (* um 1697) 8. März: Karlmann Pachschmidt, österreichischer Benediktiner und Komponist (* 1700) 12. März: Karl Franz Joseph Haringer, österreichisch-mährischer Maler und Freskant (* 1686) 12. März: Antonius Schultingh, niederländischer Rechtswissenschaftler (* 1659) 16. März: Andreas Silbermann, deutscher Orgelbauer im Elsass (* 1678) 17. März: Juan de Acuña, spanischer Offizier und Kolonialverwalter, Vizekönig von Neuspanien (* 1658) 19. März: Catharina von Wartenberg, Mätresse des preußischen Königs Friedrich I. (* 1674) 31. März: Robert Hunter, englischer Gouverneur der Provinzen New York, New Jersey und Jamaika (* 1666) Zweites Quartal 8. April: Henriette Charlotte von Nassau-Idstein, Herzogin von Sachsen-Merseburg (* 1693) 14. April: Stanislaus Rücker, preußischer Akzisedirektor und Stadtrat in Berlin (* 1649) 22. April: Louis Nicolas de Neufville, duc de Villeroy, Pair von Frankreich (* 1663) 25. April: Johann Konrad Dippel, deutscher Theologe, Alchemist und Arzt (* 1673) 30. April: Grzegorz Gerwazy Gorczycki, polnischer Komponist (* 1664/67) 3. Mai: Melchior Thomas von Wickede, Ratsherr der Hansestadt Lübeck (* 1682) 4. Mai: Abel Renz, Handelsmann und Bürgermeister von Tübingen (* 1665) 13. Mai: Christian Albrecht Niemann, Jurist und Bürgermeister der Hansestadt Lübeck (* 1680) 13. Mai: James Thornhill, britischer Maler (* 1675) 14. Mai: Georg Ernst Stahl, fränkischer Chemiker und Mediziner (* 1659) 15. Mai: Sebastiano Ricci, venezianischer Maler (* 1659) 19. Mai: Georg Abraham von Arnim, preußischer Generalfeldmarschall (* 1651) 11. Juni: Georg Albrecht, Fürst von Ostfriesland (* 1690) 12. Juni: James Fitzjames, 1. Duke of Berwick, Heerführer der Jakobiten in französischen und spanischen Diensten, Marschall und Pair von Frankreich und spanischer Grande (* 1670) 13. Juni: Nicolaus Vetter, deutscher Organist und Komponist (* 1666) 17. Juni: Claude-Louis-Hector de Villars, französischer General und Marschall von Frankreich (* 1653) 20. Juni: Michael Friedrich von Althann, Bischof von Waitzen sowie Vizekönig des Königreichs Neapel und Sizilien (* 1680) 25. Juni: Johann Friedrich Riederer, deutscher Dichter (* 1678) 25. Juni: Johann Andreas Thelott, Augsburger Goldschmied, Zeichner und Kupferstecher (* 1655) 29. Juni: Albrecht Wolfgang von Brandenburg-Bayreuth, Markgraf von Brandenburg und kaiserlicher General (* 1689) 29. Juni: Claudius Florimund Mercy, kaiserlicher Feldmarschall, kommandierender General der kaiserlichen Provinz Temescher Banat und Präsident der Banater Landesadministration (* 1666) Drittes Quartal 3. Juli: Carlo IV. Borromeo, italienischer Adliger in Diensten der Habsburger und des Heiligen Römischen Reiches, Vizekönig von Neapel und Plenipotentiar von Reichsitalien (* 1657) 12. Juli: Johann Gottlieb Olearius, deutscher Rechtswissenschaftler und Historiker (* 1684) 25. Juli: Gabriel Iwanowitsch Golowkin, russischer Kanzler (* 1660) 9. August: Georg Sigismund Green der Ältere, deutscher lutherischer Theologe (* 1673) 14. August: August Christoph von Wackerbarth, kursächsischer Generalfeldmarschall und Staatsminister (* 1662) 16. August: Johann Georg Zimmermann, deutscher Postkommissar (* 1680) 25. August: Miguel Jacinto Meléndez, spanischer Maler (* 1679) 29. August: Berndt Otto I. von Stackelberg, Erbherr auf Hallinap in der baltischen Landgemeinde Järva-Jaani, Baron, schwedischer Feldmarschall und Generalmajor (* 1662) 3. September: Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt, Prinz von Preußen und Offizier (* 1677) 5. September: Nicolas Bernier, französischer Komponist (* 1664) 8. September: Michel Sarrazin, französisch-kanadischer Arzt und Naturforscher (* 1659) 13. September: Tobias Querfurt, deutscher Maler, Radierer und Eisenschneider (* um 1660) 19. September: Friedrich Ludwig von Württemberg-Winnental, kurfürstlich-sächsischer Reitergeneral und kaiserlicher Generalfeldzeugmeister (* 1690) 22. September: Enno Rudolph Brenneysen, Kanzler Ostfrieslands (* 1669) 26. September: Hans Georg Steiner, Baumwollfabrikant und Schultheiss der Stadt Winterthur (* 1654) Viertes Quartal 6. Oktober: Gottfried Reiche, deutscher Trompeter und Komponist (* 1667) 10. Oktober: Heinrich Wilhelm von Löwenfinck, deutscher Militär und Porzellanmaler (* 1678) 10. Oktober: Johann Bernhard Orth, Bürgermeister von Heilbronn (* 1677) 12. Oktober: Simon Heinrich Adolf, Graf von Lippe (* 1694) 21. Oktober: Juan Bautista de Orendáin, spanischer Politiker und Ministerpräsident (* 1683) 27. Oktober: Thomas Friedrich Carstens, deutscher Jurist und Ratssekretär der Hansestadt Lübeck (* 1666) 31. Oktober: William North, 6. Baron North, britischer Adeliger, General und Politiker, führender jakobitischer Verschwörer (* 1678) 14. November: Louise de Kérouaille, Herzogin von Portsmouth, eine der Mätressen Karls II. von England und Hofdame Henrietta Anne Stuarts, der Herzogin von Orléans (* 1649) 21. November: Alexis Simon Belle, französischer Maler (* 1674) 2. Dezember: Christian Gottlieb Bussius, deutscher Hammerherr 5. Dezember: Augustin Johann Thomasberger, mährischer Bildhauer und Bildschnitzer (* 1676) 5. Dezember: Joseph Vivien, französischer Porträtist (* 1657) 8. Dezember: James Figg, englischer Schwergewichtsboxer (* 1684) vor dem 9. Dezember: Gaetano Berenstadt, deutscher Sänger, Altkastrat (* 1687) 14. Dezember: Noël-Nicolas Coypel, französischer Maler (* 1690) 22. Dezember: Matthias Pussjäger, Tiroler Maler (* 1654) 28. Dezember: Robert Roy MacGregor, schottischer Volksheld (Kurzform: Rob Roy) (* 1671) Genaues Todesdatum unbekannt Richard Cantillon, irischer Ökonom (* 1680) Marie-Jeanne Lhéritier de Villandon, französische aristokratische Autorin (* um 1664) Hilaire Verloge, flämischer Gambist und Komponist in Frankreich (* um 1684) Weblinks
Q6977
173.89413
201354
https://de.wikipedia.org/wiki/Buyiden
Buyiden
Die Buyiden, auch Bujiden ( oder , auch Banū Būyah; , auch Āl-i Būyih), waren eine bedeutende schiitische Dynastie dailamitischer Abstammung im Iranischen Hochland, im Irak und in Teilen Omans, die aus Dailam im Norden des heutigen Iran stammte, von 930/932 bis 1062 existierte und von 945 bis 1055 herrschte. Die Dynastie stammte von Abu Schudscha Buyah (gestorben 932) ab, der seinen Aufstieg als Militärführer unter den Samaniden und Ziyariden begann. Von seinen drei Söhnen, den Begründern des Buyidenreiches, hielt Imad ad-Daula Ali (regierte 932–949) anfangs Isfahan und eroberte dann die südpersische Provinz Fars, wo er die Buyiden-Linie von Fars (und Chusistan) begründete. Rukn ad-Daula Hasan (auch Rukn al-Dawla al-Hasan b. Buwayh; regierte 947–977) setzte sich währenddessen in Dschibal fest und gründete eine Teilherrschaft, die nach seinem Tod in die zwei Linien von Hamadan/Isfahan und Rey zerfiel. Der dritte Bruder, Muizz ad-Daula Ahmad (936–967), eroberte zunächst Kirman und Chusistan, bevor er den heutigen Irak unterwarf. Mit der Einnahme Bagdads 945 errang er die Kontrolle über das Abbasiden-Kalifat, welches seitdem politisch völlig entmachtet war. Der Kalif in Bagdad war nunmehr nur noch das geistliche Oberhaupt der Muslime. Von Ahmad stammen die Buyiden-Linien des Iraks und Kirmans ab. Der bedeutendste Herrscher der Buyiden war Adud ad-Daula Abu Schudscha Fana Chusrau (949–983). Er entstammte der Linie von Fars und konnte seine Oberhoheit über die anderen dynastischen Linien durchsetzen. Dadurch wurde die Herrschaft der Buyiden im Irak und im westlichen Iran nicht nur geeint, sondern auch weiter ausgebaut. So wurden zeitweise das Reich der Ziyariden in Tabaristan (am Kaspischen Meer) besetzt, Teile Omans unterworfen und die Hamdaniden von Mossul 979 schwer geschlagen. Durch die Förderung von Handel (etwa mit Seidenstoffen) und Landwirtschaft kam es zudem zu einem starken wirtschaftlichen Aufschwung. Um die Konkurrenz für die Seehäfen von Basra und Siraf auszuschalten, wurde 965 sogar das Handelszentrum Suhar in Oman von einer buyidischen Flotte zerstört. Da nach Adud ad-Daulas Tod ein starkes Dynastieoberhaupt fehlte, kam es zu Machtkämpfen und zur erneuten Aufspaltung der Buyiden. Diese Schwäche wurde von den Kakuyiden genutzt und veranlasste die Ghaznawiden, 1029 nach Dschibal vorzustoßen, wodurch die Buyiden-Linie von Rey ihr Ende fand. Die Linien in Kirman und dem Irak wurden 1048 bzw. 1055 von den Seldschuken gestürzt, die nun auch die Schutzherrschaft über die Kalifen in Bagdad übernahmen. 1062 beseitigte Fadluya, der Anführer der Schabankara-Kurden, schließlich auch die letzte Seitenlinie der Buyiden in Fars. Die Bedeutung der Buyiden liegt vor allem darin, dass sie während ihrer Herrschaft die persische Kultur stark förderten und auch die Ausbreitung des schiitischen Islams in Iran begünstigten. Indem sich die Buyiden als Nachkommen altiranischer Könige ansahen, stärkten sie das iranische Element im Islam. Siehe auch: Liste der Buyiden-Herrscher Stammbaum Literatur Heribert Busse: Chalif und Großkönig. Die Buyiden im Iraq (945–1055). Deutsche Morgenländische Gesellschaft – Orient-Institut, Beirut 1969 (Beiruter Texte und Studien 6, ), (Zugleich: Habil.-Schrift, Univ. Hamburg). Weblinks Einzelnachweise Dynastie (Iran) Muslimische Dynastie
Q273874
86.987241
3523
https://de.wikipedia.org/wiki/Neutron
Neutron
Das Neutron [] (Plural Neutronen []) ist ein elektrisch neutrales Baryon mit dem Formelzeichen . Es ist neben dem Proton Bestandteil fast aller Atomkerne und somit der uns vertrauten Materie. Neutron und Proton, gemeinsam Nukleonen genannt, gehören als Baryonen zu den Fermionen und den Hadronen. Wenn ein Neutron nicht in einem Atomkern gebunden ist – man nennt es dann auch „frei“ – ist es instabil, allerdings mit vergleichsweise langer mittlerer Lebensdauer von 878 s (dies entspricht einer Halbwertszeit von ca. 610 Sekunden). Es wandelt sich durch Betazerfall um in ein Proton, ein Elektron und ein Elektron-Antineutrino. Freie Neutronen finden in Form von Neutronenstrahlung Verwendung. Sie sind entscheidend wichtig in Kernreaktoren. Physikalische Beschreibung Elementare Eigenschaften Das Neutron trägt keine elektrische Ladung (daher der Name), aber ein magnetisches Moment von −1,91 Kernmagnetonen. Seine Masse beträgt rund 1,675 · 10−27 kg (1,008 665 u). Es ist als Baryon aus drei Quarks zusammengesetzt – einem up-Quark und zwei down-Quarks (Formel udd). Das Neutron hat den Spin 1/2 und ist damit ein Fermion. Als zusammengesetztes Teilchen ist es räumlich ausgedehnt mit einem Durchmesser von ca. 1,7 · 10−15 m. Der mittlere quadratische Ladungsradius beträgt . Diesen von null verschiedenen, negativen Wert kann man so interpretieren, dass die negativ geladenen down-Quarks im Mittel etwas weiter vom Zentrum entfernt sind, als das up-Quark. Das Antiteilchen des Neutrons ist das Antineutron, das erstmals 1956 von Bruce Cork am Bevatron bei Proton-Proton-Stößen nachgewiesen wurde. Ein kurzlebiges, beobachtbares, aber nicht gebundenes System aus zwei Neutronen ist das Dineutron. Elementare Wechselwirkungen Das Neutron unterliegt allen in der Physik bekannten vier Wechselwirkungen: der Gravitationskraft, der starken, der elektromagnetischen und der schwachen Wechselwirkung. Die starke Wechselwirkung – genauer die Kernkraft, eine Art Restwechselwirkung der zwischen den Quarks wirkenden starken Wechselwirkung – ist dafür verantwortlich, dass Neutronen in Kernen gebunden sind, und bestimmt auch das Verhalten von Neutronen bei Stößen mit Atomkernen. Das Neutron ist zwar elektrisch neutral und unterliegt damit nicht der elektrostatischen Anziehung oder Abstoßung, aber aufgrund seines magnetischen Moments trotzdem der elektromagnetischen Wechselwirkung. Diese Tatsache sowie die räumliche Ausdehnung sind klare Indizien dafür, dass das Neutron ein zusammengesetztes Teilchen ist. Die schwache Wechselwirkung ist verantwortlich für den Betazerfall des (freien, s. unten) Neutrons in ein Proton, ein Elektron und ein Elektron-Antineutrino. Zerfall und Lebensdauer Das Neutron hat mit 939,6 MeV eine um 1,3 MeV (0,14 %) größere Ruheenergie als das Proton. Es zerfällt, falls es nicht in einem Atomkern gebunden ist, als Beta-Minus-Strahler (β−-Strahler) in ein Proton, ein Elektron und ein Elektron-Antineutrino: . Die mittlere Lebensdauer des Neutrons beträgt etwa 878 Sekunden (knapp 15 Minuten); dies entspricht einer Halbwertszeit von etwa 610 Sekunden. Das ist die mit Abstand größte Halbwertszeit aller instabilen Hadronen. Sie ist schwierig zu messen, denn ein in normaler materieller Umgebung (auch in Luft) freigesetztes Neutron wird meist in Sekundenbruchteilen wieder von einem Atomkern absorbiert, „erlebt“ seinen Zerfall also nicht. Dementsprechend ist der Zerfall bei praktischen Anwendungen bedeutungslos, und das Neutron kann dafür als stabiles Teilchen angesehen werden. Grundlagenphysikalisch ist der Zerfall jedoch interessant. In einer frühen Phase des Universums machten freie Neutronen einen bedeutenden Teil der Materie aus; man kann die Entstehung besonders der leichten Elemente (und deren Isotopenverteilung) besser nachvollziehen, wenn die Lebensdauer des Neutrons genau bekannt ist. Außerdem erhofft man sich ein besseres Verständnis der schwachen Wechselwirkung. Die Lebensdauer des Neutrons kann mit Hilfe zweier verschiedener Methoden bestimmt werden: mit der Strahl-Methode, die 888,0 ± 2,0 s ergibt, und der Flaschen-Methode, die 879,6 ± 0,6 s (nach neueren Messungen 877,7 ± 0,8 s (2018) bzw. 877,75 ± 0,38 s (2021)) ergibt. Mit Verbesserung der Messmethoden ist dieser Unterschied von ca. 1 %, den man anfangs für einen Messfehler hielt, immer signifikanter geworden und liegt mittlerweile bei etwas mehr als 4 σ. Die Ursache ist unbekannt. Neutronen als Bestandteile von Atomkernen Mit Ausnahme des häufigsten Wasserstoffisotops (Protium, 1H), dessen Atomkern nur aus einem einzelnen Proton besteht, enthalten alle Atomkerne sowohl Protonen als auch Neutronen. Atome mit gleicher Protonenanzahl, aber unterschiedlicher Neutronenanzahl heißen Isotope. Die Teilchenarten Proton und Neutron werden zusammenfassend Nukleonen (von lateinisch nucleus, Kern) genannt. β−- und β+-Zerfall von Atomkernen Wie stark ein Atomkern gebunden ist, hängt von der Zahl der Protonen Z und Neutronen N, vor allem aber vom Verhältnis dieser Zahlen ab. Bei leichteren Kernen ist die Bindung bei etwa gleicher Anzahl (N/Z ≈ 1) am stärksten (z. B. ist bei der Massenzahl 40 der stabilste Kern 40Ca mit je 20 Protonen und Neutronen); bei großen Massenzahlen verschiebt sich das Verhältnis bis hin zu N/Z ≈ 1,5, z. B. in 208Pb, da mit wachsendem Z die elektrische Abstoßung der Protonen zunehmend destabilisierend wirkt. Dieser Unterschied in der Bindungsenergie wirkt sich stärker als der eher geringe Massenunterschied von Proton und Neutron aus, so dass von Kernen gleicher Massenzahl diese jeweils am stabilsten sind. Ein zu neutronenreicher Kern kann sich – wie das freie Neutron – durch β−-Zerfall unter Beibehaltung der Massenzahl in einen Kern umwandeln, der ein Neutron weniger und ein Proton mehr hat. Dabei hat sich ein Neutron in ein Proton umgewandelt. Dagegen kann sich ein zu neutronenarmer Kern durch β+-Zerfall in einen Kern umwandeln, der ein Neutron mehr und ein Proton weniger hat. Dabei wandelt sich ein Proton in ein Neutron um, ein Vorgang, der bei freien Protonen nicht möglich ist. . Die Umkehrung des Neutronenzerfalls tritt auf, wenn ein protonenreicher Atomkern mit einem Elektron der Atomhülle reagiert (Elektroneneinfang) sowie unter den extremen Bedingungen bei der Entstehung eines Neutronensterns: . Freie Neutronen Erzeugung Es gibt viele verschiedene Arten von Neutronenquellen, in denen Neutronen aus Atomkernen freigesetzt werden. Zur Untersuchung von kondensierter Materie durch elastische und inelastische Neutronenstreuung werden vor allem Neutronen aus Forschungsreaktoren genutzt. Dort werden die Neutronen bei der Kernspaltung frei. Diese schnellen Neutronen haben Energien im Bereich von einigen MeV und müssen für Materialuntersuchungen erst auf rund ein Millionstel ihrer Bewegungsenergie abgebremst werden. Eine neuere Alternative zu Forschungsreaktoren sind Spallationsquellen. Nachweis Da Neutronen keine elektrische Ladung tragen, können sie nicht direkt mit auf Ionisierung beruhenden Detektoren nachgewiesen werden. Der Nachweis von Neutronen geschieht mittels Neutronendetektoren. Bei niedrigen Neutronenenergien (unter etwa hundert keV) beruhen diese stets auf einer geeigneten Kernreaktion, z. B. Neutronenabsorption mit anschließendem Zerfall:  siehe Neutronendetektion mit Helium-3 Bei höheren Energien kann auch der Rückstoß ausgenutzt werden, den ein geladenes Teilchen (meist Proton) bei der Streuung des Neutrons erfährt. Klassifizierung Die Wechselwirkung freier Neutronen mit Materie ist je nach ihrer kinetischen Energie sehr verschieden. Deswegen werden Neutronen nach ihrer Energie klassifiziert. Die Bezeichnungen werden nicht ganz einheitlich verwendet. Folgende Tabelle ist angelehnt an : {| class="wikitable" ! Klassifizierung || kinetische Energie || Geschwindigkeit || Temperatur |- | Langsame Neutronen || bis 100 eV || bis 150 km/s || bis 800 000 K |- |   Ultrakalte Neutronen (UCN) || unter 0,05 bis 0,23 µeV || unter 3,2 bis 6,8 m/s || unter 0,4 bis 1,8 mK |- |   Sehr kalte Neutronen (VCN) || ~10−4 eV|| ~150 m/s || ~1 K |- |   Kalte Neutronen || unter 0,025 eV || unter 2,2 km/s|| bis 200 K |- |   Thermische Neutronen || etwa 0,025 eV || etwa 2,2 km/s || etwa 200 K |- |   Epithermische Neutronen || 0,025 bis 1 eV || 2,2 bis 15 km/s || 200 bis 8 000 K |- |   Resonanzneutronen || 1 bis 100 eV || 15 bis 150 km/s || 8 000 bis 800 000 K |- | Mittelschnelle Neutronen || 100 eV bis 500 keV || 150 bis 10 000 km/s || 800 000 K bis 4 Mrd. K |- | Schnelle Neutronen || ab 500 keV || ab 10 000 km/s || über 4 Mrd. K |} Neutronenquellen, egal welcher Art, erzeugen schnelle Neutronen mit 2 bis 5 MeV. Durch Moderatoren können diese auf Temperaturen bis zu der des Moderators abgebremst werden. Je nach Stärke der Moderation sind so mittelschnelle bis hin zu thermischen Neutronen erzeugbar. Mit Hilfe tiefgekühlter Moderatoren sind kalte bis sehr kalte Neutronen (VCN) erzeugbar. Noch weiter können Neutronen mit Hilfe von Neutronenzentrifugen gekühlt werden. „Kalte“ und „heiße“ Neutronen Mit zusätzlichen Moderatoren hoher oder niedriger Temperatur kann das Energiespektrum der Neutronen verschoben werden. Diese zusätzlichen Moderatoren an Forschungsreaktoren bezeichnet man auch als sekundäre Neutronenquellen. Zur Gewinnung „kalter“ Neutronen dient häufig flüssiges Deuterium mit einer Temperatur von etwa 20 K. „Heiße“ Neutronen werden in der Regel mit Graphit-Moderatoren bei etwa 3000 K erzeugt. Kalte, thermische und heiße Neutronen weisen jeweils eine bestimmte, mehr oder weniger breite Energieverteilung und damit Wellenlängenverteilung auf. Die Neutronen aus einem Forschungsreaktor werden durch Strahlrohre (Neutronenleiter) aus dem Moderatortank oder den sekundären Neutronenquellen zu den Experimenten geleitet. Allerdings müssen noch genügend viele Neutronen im Reaktorkern verbleiben oder dorthin zurück reflektiert werden, um die Kettenreaktion aufrechtzuerhalten. Ultrakalte Neutronen (UCN) haben nur sehr geringe kinetische Energie und bewegen sich mit weniger als 5 m/s, so dass sie sich magnetisch, mechanisch oder gravitativ speichern lassen. Von Gefäßwänden aus Beryllium, Berylliumoxid, Magnesium, Aluminium oder Nickel werden sie unterhalb einer materialabhängigen Grenzenergie reflektiert. Speicherexperimente ermöglichen minutenlange Beobachtungsdauern, viel länger als bei Experimenten an Neutronenstrahlen. Monochromatische Neutronen Für viele Experimente werden monoenergetische Neutronen, also Neutronen einheitlicher Energie, benötigt. Diese erhält man an Reaktoren z. B. durch den Einsatz eines Monochromators. Dies ist ein Einkristall oder Mosaik-Kristall aus beispielsweise Silizium, Germanium, Kupfer oder Graphit; durch Nutzung bestimmter Bragg-Reflexe und Monochromatorwinkel können verschiedene Wellenlängen (Energien) aus der Wellenlängenverteilung ausgewählt werden (siehe auch Neutronensuperspiegel). Monochromatische Neutronen höherer Energien können an Beschleunigern aus geeigneten Kernreaktionen gewonnen werden. Wirkung von Neutronenstrahlen Typische von Neutronen ausgelöste Prozesse Neutronen können an Atomkernen gestreut werden oder sonstige Kernreaktionen mit ihnen eingehen. Die Streuung kann elastisch oder inelastisch sein. Bei inelastischer Streuung verbleibt der Atomkern in einem angeregten Zustand, der dann (meist) durch Emission von Gammastrahlung zum Grundzustand zurückkehrt. Die elastische Streuung schneller Neutronen an leichten Atomkernen (Moderatoren) bewirkt ihre Abbremsung, bis sie zu thermischen Neutronen werden. Insbesondere thermische Neutronen werden von vielen Atomkernen absorbiert. Wird danach nur Gammastrahlung, aber kein Teilchen mit Masse emittiert, heißt diese Reaktion Neutroneneinfang. Der entstandene neue Atomkern ist das um eine Masseneinheit schwerere Isotop des ursprünglichen Kerns und kann radioaktiv sein (Neutronenaktivierung). Nuklide mit besonders großem Wirkungsquerschnitt für die Absorption thermischer Neutronen werden als Neutronenabsorber bezeichnet. Technisch verwendet werden meist 113Cd und 10B, etwa in Neutronenabschirmungen und zur Steuerung von Kernreaktoren. Einige sehr schwere Nuklide können durch Neutronenabsorption gespalten werden. Setzt die Spaltung eines Atomkerns mehrere neue Neutronen frei, kann sich eine Kettenreaktion mit Freisetzung großer Energiemengen ergeben. Dies wird sowohl kontrolliert in Kernreaktoren wie auch unkontrolliert in Kernwaffen genutzt. Wirkungen auf Materie Die Materialeigenschaften von Metallen und anderen Werkstoffen werden durch Neutronenbestrahlung verschlechtert. Dies begrenzt die Lebensdauer von Komponenten in z. B. Kernreaktoren. In eventuellen Kernfusionsreaktoren mit ihrer höheren Energie der Neutronen träte dieses Problem verstärkt auf. Die Wirkung auf lebendes Gewebe ist ebenfalls schädlich. Sie beruht bei schnellen Neutronen größtenteils auf von diesen angestoßenen Protonen, die einer stark ionisierenden Strahlung entsprechen. Diese Schadwirkung ist gelegentlich als Strahlentherapie zur Bekämpfung von Krebszellen erprobt worden. Thermische Neutronen erzeugen durch Neutroneneinfang in Wasserstoff Gammastrahlung, die ihrerseits ionisiert. Anwendungen In Kernreaktoren, Kernfusionsreaktoren und Kernwaffen spielen freie (thermische bis schnelle) Neutronen eine entscheidende Rolle. Die wichtigste physikalische Größe ist dabei der orts- und zeitabhängige Neutronenfluss. Er wird rechnerisch-numerisch mit der Theorie der Neutronendiffusion oder auf Grundlage der Boltzmann-Gleichung oder auch der Monte-Carlo-Simulation behandelt. Entdeckung und Erforschung Ernest Rutherford sagte im Jahr 1920 einen neutralen Kernbaustein voraus, bei dem es sich möglicherweise um eine Proton-Elektron-Kombination handele, er sprach von einem „kollabierten Wasserstoffatom“. William Draper Harkins bezeichnete dieses Teilchen 1921 als Neutron. Die ersten Schritte zur Entdeckung des Neutrons wurden von Walther Bothe und seinem Studenten Herbert Becker getan. Sie beschrieben im Jahr 1930 einen ungewöhnlichen Typ von Strahlung, der entstand, wenn sie Beryllium mit Alphastrahlung aus dem radioaktiven Zerfall von Polonium beschossen. Ziel war es, Beobachtungen Ernest Rutherfords zu bestätigen, wonach bei diesem Vorgang eine sehr energiereiche Strahlung emittiert wurde. Dementsprechend hielten sie die durchdringende Strahlung, die sie bei diesen Versuchen mit Hilfe von elektrischen Zählmethoden feststellen konnten, anfänglich fälschlicherweise für Gammastrahlung. Die gleichen Versuche machten sie auch mit Lithium und Bor, und kamen schlussendlich zum Ergebnis, dass die beobachteten „Gammastrahlen“ mehr Energie besaßen als die Alphateilchen, mit denen sie die Atome beschossen hatten. Bei der Bestrahlung von Beryllium mit Alphateilchen entstand nicht – wie zuvor erwartet – Bor, sondern Kohlenstoff. In heutiger Schreibweise lautet die beobachtete Kernreaktion: oder in Kurzform . Die beobachtete, sehr energiereiche Strahlung hatte ein großes Durchdringungsvermögen durch Materie, zeigte jedoch sonst ein für Gammastrahlung ungewöhnliches Verhalten. Sie vermochte zum Beispiel leichte Atome in schnelle Bewegung zu versetzen. Eine genauere Analyse zeigte, dass die Energie dieser „Gammastrahlung“ so groß hätte sein müssen, dass sie alles bis dahin Bekannte weit übertroffen hätte. So kamen mehr und mehr Zweifel auf, ob es sich wirklich um Gammastrahlen handelte. Entsprechend dem durchgeführten Versuch nannte man die Strahlung inzwischen „Beryllium-Strahlung“. 1931 stellten Irène Joliot-Curie und ihr Ehemann Frédéric Joliot-Curie bei Experimenten mit der Beryllium-Strahlung folgende Tatsache fest: Lässt man die „Beryllium-Strahlung“ in eine Ionisationskammer treffen, so zeigt diese keinen nennenswerten Strom an. Bringt man jedoch vor die Ionisationskammer eine wasserstoffhaltige Materialschicht (zum Beispiel Paraffin), dann steigt der Strom in der Kammer stark an. Als Ursache vermutete das Ehepaar Joliot-Curie, dass die „Beryllium-Strahlung“ aus dem wasserstoffhaltigen Paraffin Protonen herauslöst, welche dann in der Ionisationskammer Ionisierung bewirken. Sie konnten ihre Vermutung durch den Nachweis solcher Rückstoß-Protonen in der Wilsonschen Nebelkammer belegen. Als Mechanismus vermuteten sie einen dem Compton-Effekt verwandten Vorgang. Die harte Gammastrahlung sollte den Protonen den notwendigen Impuls übertragen. Abschätzungen zeigten jedoch, dass zur Erzeugung eines Rückstoßprotons, dessen Spurlänge in der Nebelkammer etwa 26 cm betrug, eine unrealistisch hohe Gammaenergie von etwa 50 MeV notwendig wäre. James Chadwick – ein Schüler Rutherfords, der wie er zunächst die Hypothese eines stark gebundenen Elektron-Proton-Zustands vertrat – glaubte wie dieser nicht an einen „Compton-Effekt beim Proton“ und nahm an, dass die „Beryllium-Strahlung“ aus Teilchen bestehen müsse. Als Irène und Frédéric Joliot-Curie ihre Versuchsergebnisse veröffentlichten, in denen sie zeigten, dass Bothes „Beryllium-Strahlung“ in der Lage war, aus Paraffin Protonen mit hoher Energie herauszuschlagen, war für Chadwick klar, dass es sich nicht um Gammastrahlung, sondern nur um Teilchen mit einer dem Proton vergleichbaren Masse handeln konnte. In den zahlreichen Versuchen wiederholte er die Experimente von Joliot-Curie und bestätigte deren Beobachtung. 1932 konnte er experimentell erhärten, dass es sich bei der „Beryllium-Strahlung“ nicht um Gammastrahlen, sondern um schnell bewegte Teilchen handelte, die ungefähr die Masse des Protons besitzen, jedoch elektrisch neutral sind; die Eigenschaften dieser Strahlung waren eher mit denen eines bereits zwölf Jahre zuvor von Ernest Rutherford als Kernbaustein vermuteten neutralen Teilchens in Einklang zu bringen. Da die nunmehr entdeckten Teilchen keine elektrische Ladung trugen, nannte er sie Neutronen. Chadwick veröffentlichte seine Entdeckung im Jahr 1932. Die Publikation erschien unter Letters to the Editor, ist knapp eine Seite lang und trug ihm im Jahre 1935 den Nobelpreis für Physik ein. Dass gerade die Kombination von Beryllium als Target und Polonium als Alphateilchen-Quelle eine hohe Neutronenausbeute ergibt, erklärt sich nach heutigem Wissen daraus, dass der Energiegewinn (Q-Wert) der -Reaktion an 9Be mit 5,7 MeV besonders hoch ist und dass 210Po mit 5,3 MeV eine der höchsten natürlichen Alpha-Energien liefert. Mit der Entdeckung des Neutrons konnte die Beschreibung des Atomaufbaus vorerst vollendet werden: Der Atomkern, bestehend aus Protonen und Neutronen, wird von einer Hülle aus Elektronen umgeben. Bei einem elektrisch neutralen Atom ist die Anzahl der negativ geladenen Elektronen gleich der der positiv geladenen Protonen im Atomkern, wohingegen die Anzahl der Neutronen im Kern variieren kann. Im gleichen Jahr 1932 stellte Werner Heisenberg seine Nukleonentheorie auf. Noch 1940 nahm man an, dass das Neutron eine Verbindung aus Proton und Elektron darstellt. So hätte man alle Atome auf diese zwei Bausteine zurückführen können. Erst mit der weiteren Entwicklung der Quantenmechanik und der Kernphysik wurde klar, dass es keine Elektronen als dauerhafte Bestandteile des Kerns geben kann. „Neutron“ war ursprünglich Wolfgang Paulis Bezeichnung für das 1930 von ihm postulierte Auftreten eines (Anti-)Neutrinos beim Betazerfall gewesen. Die Bezeichnung Neutrino, vorgeschlagen von Enrico Fermi, etablierte sich erst später. Literatur Fachartikel Sachartikel und Andere Characteristics of neutrons (Fünf Gründe, weshalb Neutronen zur Erforschung von Materie besonders geeignet sind, Englisch, publiziert vom Forschungsprogramm NMI3, mit Nachfolger-Forschungsprogramm SINE2020, mit Nachfolger Neutronsources.org, siehe Weblinks). Nachweis und Erzeugung von Neutronen (LEIFI) Monographien Weblinks Neutronsources.org – Neutronenforschung international (englisch) Einzelnachweise Nukleon
Q2348
465.084459
98559
https://de.wikipedia.org/wiki/Produktivit%C3%A4t
Produktivität
Als Produktivität wird in der Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre eine betriebswirtschaftliche bzw. volkswirtschaftliche Kennzahl bezeichnet, die das Verhältnis zwischen produzierten Gütern/Dienstleistungen und den dafür benötigten Produktionsfaktoren beschreibt. Allgemeines Die Wirtschaftssubjekte (Privathaushalte, Unternehmen und der Staat mit seinen Untergliederungen wie öffentliche Verwaltung, Staatsunternehmen, Kommunalunternehmen) sind gehalten, mit knappen Ressourcen rational umzugehen (Rationalprinzip). Dazu gehört auch die Produktivität als die Summe von produktiven Maßnahmen der Wirtschaftssubjekte und deren Verhaltensmustern, in der Regel bezogen auf ein System oder einen Produktionsprozess mit Produktionsfaktoren und Produkten. Gemessen am Rationalprinzip ist alles als produktiv einzustufen, bei dem die eingesetzten Ressourcen in einem günstigen Verhältnis zur erzielten Wirkung stehen. Ist dies nicht der Fall, wird von unproduktiv gesprochen (siehe unproduktive Arbeit). Produktivität ist begrifflich eng verwandt mit der Konstruktivität und dem Gegenteil der Destruktivität. Wirtschaftswissenschaftliche Definitionen In der Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre wird unter Produktivität eine volkswirtschaftliche oder betriebswirtschaftliche Kennzahl verstanden, die das (Mengen-)Verhältnis zwischen dem, was produziert wird (), und den dafür beim Produktionsprozess eingesetzten Mitteln (Produktionsfaktoren, ) wiedergibt. Zu ihrer Erfüllung kann entweder mit einem möglichst geringen Input ein gegebener Output (Minimalprinzip) oder mit einem gegebenen Input ein möglichst großer Output (Maximalprinzip) erreicht werden. Damit ist die Produktivität auch eine spezifische Ausprägung des Rationalprinzips. Die Einhaltung der Produktivität als Verhaltensmaxime ermöglicht auch die Erfüllung des Ziels der Gewinnmaximierung oder der Nutzenmaximierung. Zwischen diesen Zielen besteht somit Zielharmonie. Unterschied zwischen Produktivität und Wirtschaftlichkeit Während sich die Produktivität mit der Gegenüberstellung von Output und Input befasst, setzt die Wirtschaftlichkeit Kosten/Aufwand zu Ertrag/Erlös miteinander in Beziehung. Der Wirtschaftlichkeit liegen mithin wertmäßige Größen zugrunde, der Produktivität dagegen mengenmäßige. Faktorproduktivität Die Faktorproduktivität ist der Quotient aus der Ausbringung, die durch den Einsatz aller Produktionsfaktoren erzielt wird und der Einsatzmenge eines bestimmten Produktionsfaktors (partielle Faktorproduktivität) oder allen Faktorkosten (totale Faktorproduktivität). Die partielle Faktorproduktivität bezieht sich auf einen einzigen Produktionsfaktor, so dass es für den Faktor Arbeit die Arbeitsproduktivität, für den Faktor Kapital die Kapitalproduktivität und beim Boden die Bodenproduktivität gibt. Dabei ist zu bedenken, dass faktorbezogene Produktivitäten stets das Zusammenwirken aller Produktionsfaktoren reflektieren: in der Arbeitsproduktivität steckt die Leistung eingesetzter Maschinen, in der Kapitalproduktivität ist die Arbeitsleistung der Arbeitskräfte berücksichtigt. So kann beispielsweise ein Arbeiter mit einem Bagger mehr Erde bewegen als mit einer Schaufel; die Arbeitsproduktivität verbessert sich durch den Kapitaleinsatz, obwohl sich Umfang und Intensität des Arbeitseinsatzes nicht verändert haben. Ermittlung Die Gesamtproduktivität in Unternehmen wird durch Gegenüberstellung der Ausbringungsmenge und der Faktoreinsatzmenge ermittelt: . Dabei wird der Output als Menge pro Zeitspanne angegeben (Ausbringungsmenge), also als eine Stromgröße betrachtet. Der Input kann auch eine Stromgröße sein, beispielsweise die Anzahl der Arbeitsstunden in einem Jahr (Arbeitszeit) oder Abschreibungen in einem Jahr. Er kann auch eine Bestandsgröße sein, beispielsweise durchschnittliche Anzahl der Erwerbstätigen in einem Jahr oder durchschnittlicher Kapitalstock eines Jahres. Da die erzeugten Güter/Dienstleistungen ganz unterschiedlicher Art sind und sich die Zusammensetzung der Produktion nach verschiedenen Gütern im Zeitablauf auch noch verändern kann, ist es notwendig, die verschiedenen Güter mit Preisen zu bewerten, um den Gesamtoutput als eindimensionale Größe angeben zu können. Hierzu werden die Güter zu Marktpreisen bewertet, sofern solche existieren. Güter, für die es keine Marktpreise gibt, werden zu Herstellungskosten bewertet. Des Weiteren werden beim Output reine Preisveränderungen mit Hilfe von Preisbereinigungsverfahren herausgerechnet. Eine Methode ist etwa das Rechnen in konstanten Preisen eines Basisjahres. Das gleiche Bewertungsproblem ergibt sich auch bei dem Produktionsfaktor Kapital, da sich der Kapitalstock aus verschiedenen Gütern zusammensetzt. Beim Produktionsfaktor Arbeit wird dagegen auf die physischen Mengen wie Anzahl der Erwerbstätigen oder Anzahl der Arbeitsstunden zurückgegriffen. Partielle Faktorproduktivitäten Die partielle Faktorproduktivität lässt sich nach den unterschiedlichen Produktionsfaktoren untergliedern: , , . Bei der Ermittlung der partiellen Faktorproduktivität wird die Menge der erzeugten Güter ins Verhältnis zur Einsatzmenge eines bestimmten Produktionsfaktors gesetzt. Diese so statistisch gemessenen Produktivitäten kann man nicht ursächlich in dem Sinne verstehen, dass etwa eine steigende Arbeitsproduktivität zeigt, dass die Arbeiter „fleißiger“ werden und dass sinkende Kapitalproduktivität zeigt, dass das der zunehmende Kapitaleinsatz immer weniger bringt. Vielmehr ist steigende Arbeitsproduktivität Folge davon, dass je Arbeiter immer mehr Produktionsmittel eingesetzt werden. Typischerweise steigt deshalb langfristig die Arbeitsproduktivität, während die Kapitalproduktivität stagniert oder gar zurückgeht. In der neoklassischen Theorie gilt die Annahme, dass die Produktionsfaktoren gemäß ihrer Produktivität entlohnt werden – was nicht heißt, dass dieses auch in der Praxis geschieht. Gründe hierfür können in Marktversagen oder Externalitäten liegen. Mit Hilfe der statistisch gemessenen Produktivitäten kann überprüft werden, ob dieses der Fall ist. Arbeitsproduktivität Die bekannteste und meistbenutzte Faktorproduktivität ist die Arbeitsproduktivität. Dies liegt insbesondere daran, dass die erforderlichen Daten relativ leicht zu ermitteln sind. Die Arbeitsproduktivität gibt das Verhältnis aus der mengenmäßigen Arbeitsleistung (Arbeitsvolumen) .und dem mengenmäßigen Arbeitseinsatz .wieder: . Sowohl die Ausbringungsmenge () als auch die Arbeitseinsatzmenge () sind verfügbare Unternehmensdaten, die für Zwecke der Volkswirtschaft aggregiert werden müssen. Die volkswirtschaftliche Formel für die Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde lautet: , wobei das reale Bruttoinlandsprodukt, die Anzahl Erwerbstätiger und die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen ist. Die volkswirtschaftliche Formel für die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigem lautet: oder . Die betriebswirtschaftliche Stundenleistung ergibt sich aus der Gegenüberstellung von Absatzvolumen und geleisteten Arbeitsstunden: . Erhöht sich bei konstanten Arbeitsstunden das Absatzvolumen, hat sich die produktive Stundenleistung verbessert und umgekehrt. . Dieser Wert gibt an, wie sich der Gesamtumsatz pro Mitarbeiter darstellt, also wie viel im Durchschnitt der einzelne Mitarbeiter zum Gesamtumsatz beigetragen hat. In Deutschland liegt der Durchschnitt dieses Wertes ungefähr bei 50.000 bis 70.000 Euro pro Mitarbeiter. Bodenproduktivität Als Bodenproduktivität wird in der Land- und Forstwirtschaft die Produktivität des Produktionsfaktors Boden bezeichnet. Sie ist der auf die Nutzfläche bezogene Bodenertrag. Die Bodenproduktivität gibt das Verhältnis aus Bodenertrag und der dafür erforderlichen Landfläche .wieder: . Als Berechnungseinheit dient die Landfläche von 1 Hektar. Werden auf einer Landfläche von 1 Hektar 3 Tonnen Weizen geerntet und auf einer anderen Fläche 4 Tonnen im gleichen Zeitraum, so weist die letztere eine höhere Bodenproduktivität auf. Kapitalproduktivität Die Kapitalproduktivität ist das Verhältnis zwischen dem gesamtwirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP) und dem Kapitalstock : . Sinkt die Kapitalproduktivität, wurde im Zeitablauf vermehrt Kapital für die gleiche Produktionsmenge an Gütern und Dienstleistungen eingesetzt, so dass der Faktor Arbeit durch größeren Kapitaleinsatz substituiert wurde (wie bei der Automatisierung) und umgekehrt. Die Addition von verschiedenen Kapitalarten zu einem Gesamtkapitalstock beruht auf zweifelhaften Annahmen, die im Zuge der Kapitalkontroverse kritisiert wurden. Empirische Befunde Laut OECD ist in den OECD-Ländern, also in etwa den Industriestaaten, die potenzielle Produktion (Produktion bei normaler Auslastung des Kapitalstocks) jahresdurchschnittlich von 1983 bis 1992 um 2,9 % gestiegen. Dieses verlangsamte sich etwas auf jahresdurchschnittlich 2,6 % 1993 bis 2002. Die Beschäftigung wuchs in diesen angegebenen Zeiträumen jahresdurchschnittlich 2,4 % und 1,1 %. Der Beschäftigungszuwachs hat sich also in der OECD verlangsamt. Für die Arbeitsproduktivität ergibt sich daraus ungefähr ein Wachstum von 0,5 % im ersten und 1,5 % im zweiten Zeitabschnitt. Das Arbeitsproduktivitätswachstum hat sich demnach beschleunigt. Der Kapitalstock wuchs um 3,7 % bzw. um 3,1 % jahresdurchschnittlich, also rascher als die Produktion. Die Kapitalproduktivität hat sich demnach vermindert, jahresdurchschnittlich um 0,8 % 1983 bis 1993 und um 0,5 % 1993 bis 2002. In aller Regel nimmt die Arbeitsproduktivität mittel- und langfristig zu, während die Kapitalproduktivität eher sinkt wie hier in den OECD-Ländern. Eine bemerkenswerte Ausnahme sind die USA, für welche die OECD ein Wachstum der Kapitalproduktivität 1983 bis 1992 von jahresdurchschnittlich 0,1 % und von 1993 bis 2002 von ebenfalls 0,1 % angibt. Eine langfristig sinkende Kapitalproduktivität ist problematisch, da dies bedeutet, dass langfristig die gesamtwirtschaftliche Kapitalrentabilität (Kapitalertrag im Verhältnis zum Kapitalstock) nur gehalten werden kann, wenn der Anteil der Arbeitseinkommen am BIP verkleinert wird, wobei dieses spätestens dann ein Ende hätte, wenn die Lohnquote den Wert null erreicht hätte. Totale Faktorproduktivität Die totale Faktorproduktivität () berücksichtigt das Zusammenwirken aller Produktionsfaktoren. Sie zeigt das Verhältnis der Ausbringung zu allen eingesetzten Produktionsfaktoren an und gibt bei der Analyse des Wirtschaftswachstums Auskunft darüber, inwieweit technischer Fortschritt eine höhere Ausbringung bei gleichem Faktoreinsatz ermöglicht. Bei der Berechnung wird eine konstante Kapazitätsauslastung unterstellt. Die totale Faktorproduktivität ergibt sich aus der Gegenüberstellung der Ausbringungsmenge und sämtlicher Faktorkosten . . Die Produktionsfunktion berücksichtigt bei der totalen Faktorproduktivität das vorhandene Technologieniveau , so dass sich die Ausbringung (output) nicht nur wegen einer Vermehrung von Arbeit () und Kapital (), sondern auch wegen einer Verbesserung der Technologie erhöht: . Bei einem Mehrproduktunternehmen müssen zur Erfassung seiner Gesamtproduktivität alle Inputs ins Verhältnis zu allen Outputs gesetzt werden und sämtliche Produktgruppen des gesamten Produktionsprogramms erfassen. Empirisch lässt sich beobachten, dass das Wachstum des Outputs sich nicht nur aus dem Wachstum der Inputs Arbeit und Kapital erklären lässt, sondern dass sozusagen ein unerklärlicher Rest übrig bleibt. Dieser Teil der Wachstumsrate von , der nicht durch Veränderungen in den Einsatzmengen von oder erklärt werden kann, wird als totale Faktorproduktivität bezeichnet. Sie kann als Maß für den technischen Fortschritt gedeutet werden, der unabhängig vom Einsatz der Produktionsfaktoren für ein Wachstum des Outputs sorgt. Empirische Befunde In einer Studie wurde die Bedeutung von verschiedenen Standortfaktoren für die totale Faktorproduktivität einer Region untersucht anhand der Daten von 257 Regionen der EU. Für die Analyse wurden potentiell beeinflussende Eigenschaften der Regionen berücksichtigt wie z. B. der Spezialisierungsgrad im Bereich verarbeitendes Gewerbe, Siedlungsstruktur, Populationsdichte und das wirtschaftliche Entwicklungsniveau der Region. Den stärksten positiven Einfluss auf die totale Faktorproduktivität einer Region hatten (in absteigender Reihenfolge): der Anteil der Berufstätigen mit Studienabschluss in kreativen Berufsfeldern (z. B. Natur- und Sozialwissenschaften, Life Science und Gesundheit, Lehrer, Ingenieurwesen …), die Anzahl der angemeldeten Patente je tausend Einwohner (als Maß für das technologische Kapital) und die kulturelle Diversität. Einen negativen Einfluss hatten der Spezialisierungsgrad des verarbeitenden Gewerbes und die Jahresdurchschnittstemperatur. Grenzproduktivität Volks- und betriebswirtschaftlich interessant ist neben der bisher betrachteten Durchschnittsproduktivität der Faktoren auch ihre Grenzproduktivität: Diese gibt an, um wie viel sich der Output erhöht, wenn der Faktoreinsatz um eine Einheit steigt, bei Konstanz der anderen Faktoren. Die Grenzproduktivität des Faktors Arbeit kann z. B. daran gemessen werden, um welchen Betrag der Output wächst, wenn eine zusätzliche Arbeitsstunde geleistet wird. Grenzproduktivitäten sind von besonderem Interesse, weil sie – laut Theorie – auf vollkommenen Faktormärkten den Marktpreis für den Faktor bestimmen. In der Regel nach der Wertgrenzproduktivität: . Im Optimum gilt, dass das WGP dem Faktorpreis (zur Ermittlung der Optimalen Faktoreinsatzmenge) entspricht. In den meisten Fällen geht man von einer positiven, aber abnehmenden Grenzproduktivität aus, d. h. bei einer Erhöhung des Inputs wird der Output ansteigen. Die Höhe des Anstiegs wird aber mit steigendem Ausgangsniveau des Inputs geringer (vgl. Ertragsgesetz). Mathematisch kann die Grenzproduktivität eines Faktors als partielle Ableitung der Produktionsfunktion nach diesem Faktor ermittelt werden. Siehe auch Bio- Flächen- Grenzprodukt der Arbeit Grenzprodukt des Kapitals Produktivitätsfortschritt Produktivitätsparadoxon Ressourcenproduktivität Weblinks Andreas Dikow: Marktorientiertes Konzept zum Produktivitätsmanagement in produzierenden Unternehmen. (PDF; 1,12 MB) Produktivität – Schweizer Bundesamt für Statistik, 2020 Wohlstand durch Produktivität – Deutschland im internationalen Vergleich (PDF; 331 kB) – Expertisen und Dokumentationen zur Wirtschafts- und Sozialpolitik. Friedrich-Ebert-Stiftung, März 2009 Einzelnachweise Betriebswirtschaftslehre Betriebswirtschaftliche Kennzahl Makroökonomie Produktionswirtschaft Volkswirtschaftliche Kennzahl
Q2111958
128.432236
16307
https://de.wikipedia.org/wiki/Zahnrad
Zahnrad
Das Maschinenelement Zahnrad ist ein Rad mit über den Umfang gleichmäßig verteilten Zähnen. Zwei oder mehr miteinander gepaarte Zahnräder bilden ein Zahnradgetriebe. Es wird vorwiegend zur Übertragung zwischen zwei Drehungen oder einer Drehung und einer linearen Bewegung (Paarung eines Zahnrades mit einer Zahnstange) gebraucht. Zahnradgetriebe bilden unter den Getrieben die größte Gruppe. Sie sind formschlüssig, und somit schlupffrei. Soll das Übersetzungsverhältnis auch im Kleinen konstant sein, das heißt vom Eingriff des vorherigen bis zum Eingriff des nachfolgenden Zahns in die Lücken des Gegenrades, so ist das erste Verzahnungsgesetz zu beachten. Der Formschluss geht nicht verloren, wenn dafür gesorgt wird, dass der nachfolgende Zahn bereits im Eingriff ist, bevor der Eingriff des vorangehenden Zahns abbricht (zweites Verzahnungsgesetz). Die Form der Zähne ist unter Beachtung der Verzahnungsgesetze grundsätzlich beliebig. Die für eine Eingriffsfläche gewählte Form bestimmt aber die Form der Eingriffsfläche am Gegenrad. Praktisch beschränkt man sich auf Zahnformen, die einfach herstellbar (damit auch geometrisch einfach beschreibbar) sind. Die größte Verbreitung haben die Evolventenverzahnung und die Zykloidenverzahnung mit jeweils eigenen Vorteilen im Gebrauch. Neben reinen Zahnpaarungen in Zahnradgetrieben gibt es Paarungen zwischen Kettengliedern und Zähnen von Zahnrädern in Kettengetrieben. Hier greifen Kettenglieder in Zahnlücken ein (zum Beispiel bei einer Fahrradkette am Kettenrad und Ritzel). In einem Zahnriemengetriebe ist die Kette durch einen Riemen mit Zähnen (Zahnriemen) ersetzt (zum Beispiel für den Antrieb der Nockenwelle in Viertaktmotoren). Allgemeines Die Räder eines Zahnradgetriebes drehen sich zusammen mit den Wellen, auf denen sie befestigt sind, oder drehen sich auf Achsen, auf denen sie gelagert sind. Der Radabstand ist so ausgelegt, dass die Zähne ineinander greifen, und somit die Drehbewegung des einen Zahnrades auf das andere übertragen wird. Bei der Paarung zweier außen verzahnter Räder kehrt sich die Drehrichtung um. Falls das nicht erwünscht ist, wird ein drittes Zahnrad beliebiger Größe dazwischen angeordnet. Sind die Räder unterschiedlich groß, wird die Drehzahl erhöht oder verringert, wobei das Drehmoment vermindert oder erhöht wird (Änderung des Übersetzungsverhältnisses). Geschichte Frühe Beispiele für die Verwendung von Zahnrädern Bei den altägyptischen Göpeln findet man nach 300 v. u. Z. die älteste Form des Zahnrades, ein Holzrad, in dessen Umfang man Pflöcke hineinstreckte. Die Rolle war bereits bei den Assyrern in Gebrauch und wurde von den Ägyptern übernommen, die Verbindung dieser Rollen mittels Seil führte zum bekannten Flaschenzug. Eine direkte Verbindung dieser Rollen wurde bereits 330 v. Chr. von Aristoteles erwähnt, gesichert ist die Anwendung von Zahnrädern bei Heron von Alexandria, überliefert durch Vitruv. Ktesibios verwendete um 250 v. Chr. an seiner Wasseruhr einen Stab, der mit Zahnrädchen besetzt war, ebenso Philon von Byzanz um 230 v. Chr. an zwei Apparaten. Das bedeutendste Artefakt für die Anwendung von Zahnrädern in der Antike ist der Mechanismus von Antikythera von ca. 100 v. Chr. Seit dem 9. Jahrhundert erfolgte in Europa der Einsatz von Zahnrädern in Wassermühlen, ab dem 12. Jahrhundert auch in Windmühlen. In Manuskripten Leonardo Da Vincis finden sich um 1500 Zahnräder in verschiedenen Anwendungen. Georgius Agricola gab 1556 in seiner Schrift De re metallica libri XII erstmals den Einsatz von Zahnrädern aus Eisen an. Allerdings wird in Xi’an im Geschichtsmuseum der Provinz Shaanxi ein Eisenzahnrad gezeigt, das ca. 2000 Jahre alt sein soll. Erste Überlegungen zur Form der Zähne Anfangs wurde wenig auf die geeignete Form der Zähne geachtet. Nach Angaben von Christiaan Huygens und Gottfried Wilhelm Leibniz empfahl der dänische Astronom Ole Rømer um 1674 die Epi-Zykloïde als Zahnform. Vermutlich war er beim Bau seiner Planetarien, z. B. des Jovilabium an der Pariser Academie des Sciences darauf gekommen. Schriftliche Belege dafür gibt es nicht mehr. Eine erste gründliche mathematische Untersuchung dieser Zahnräder beschrieb das Akademiemitglied Philippe de La Hire (1640–1718) um 1694 Traite des epicycloides (erschienen 1730). Diese epizykloidische Zahnform sichert eine gleichförmige Bewegung der Zahnräder bei gleichmäßiger Gleitreibung. Diese wurden gezielt in Uhrwerken eingebaut. 1759 entwickelte John Smeaton eine eigene Form, gefolgt von Leonhard Euler, der 1760 die Evolvente für die Zahnform vorschlug (Evolventenverzahnung). Zeitalter der Industrialisierung Die Entwicklung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert führte zu einem steigenden Bedarf an Zahnrädern, da die zu übertragende Leistung kontinuierlich stieg und Zahnräder aus Metall anstatt wie bisher aus Holz gefertigt werden mussten. 1820 erfand Joseph Woollams die Schrägverzahnung und Pfeilverzahnung (Doppelschrägverzahnung) (englisches Patent Nr. 4477 vom 20. Juni 1820), James White baute 1824 daraus ein Differentialgetriebe. 1829 stellte Clavet eine Zahnhobelmaschine her, da der Werkzeugmaschinenbau ab dem 19. Jahrhundert eine steigende Genauigkeit der Verzahnungen erforderte. Die erste brauchbare Maschine zum Fräsen geradverzahnter Stirnräder baute 1887 G. Grant. 1897 entwickelte Hermann Pfauter daraus eine universale Maschine, mit der sich auch Schnecken- und Schraubräder fertigen ließen. Ab 1922 entwickelte Heinrich Schicht bei Klingelnberg ein Verfahren zur Herstellung von Kegelrädern zur Serienreife. Neu war, dass hier nun ebenso wie bei Stirnrädern das kontinuierliche Wälzfräsverfahren eingesetzt werden konnte. Arten von Zahnrädern Stirnrad Das Stirnrad (oder Zylinderrad) ist das am häufigsten verwendete Zahnrad. Eine zylindrische Scheibe ist auf ihrem Umfang verzahnt. Wenn das Gegenrad ebenfalls ein Stirnrad oder eine stirnverzahnte Welle ist, sind die Achsen der beiden Räder parallel, und es entsteht ein Stirnradgetriebe. Stirnräder werden aber auch in Getrieben mit sich kreuzenden Achsen verwendet, etwa in Schneckengetrieben und Kronenradgetrieben. Neben dem Stirnrad als Außenrad gibt es auch das Innenrad, welches nicht als Stirnrad bezeichnet wird, da mit Stirn eine Außenform gemeint ist. Es gibt gerade (achsparallele) Verzahnungen, Schrägverzahnungen, Doppelschräg-Verzahnungen und verschiedene Bogenverzahnungen. Bei Doppelschräg-Verzahnungen unterscheidet man zwischen denen mit Freistich oder ohne als echte Pfeilverzahnung. Zahnstange Die Zahnstange ist als ein Stirnrad mit unendlich großem Durchmesser vorstellbar. Die Paarung einer Zahnstange mit einem Stirnrad wird als Zahnstangengetriebe bezeichnet. Die Bewegung der Zahnstange ist geradlinig und durch ihre endliche Länge begrenzt. In üblichen Anwendungen findet eine Hin- und Herbewegung statt. Eine ungewöhnlich lange, aus vielen Einzelstücken zusammengesetzte Zahnstange ist die Zahnschiene einer Zahnradbahn. Ellipsenrad Die meisten Zahnradgetriebe bestehen aus runden Zahnrädern beziehungsweise aus Radkörpern mit runden Wälzlinien. Wenn sich das antreibende Rad gleichmäßig dreht, dreht sich auch das getriebene Rad gleichmäßig. Beispiel für ein ungleichmäßig übersetzendes, und damit aus unrunden Rädern bestehendes Zahnradgetriebe ist ein Ellipsenrad-Getriebe. Ein Ellipsenrad ist ein unrundes Zahnrad. Werden zwei gleiche und gleich große Ellipsenräder kombiniert, so ist der Achsabstand konstant. Die Räder drehen je um einen ihrer Ellipsenbrennpunkte. Das Übersetzungsverhältnis variiert über eine Umdrehung um den Mittelwert i = 1. Ist nur ein Rad elliptisch, so muss ein Rad auf einer Schwingachse montiert sein. Verwendet werden solche Zahnräder zum Beispiel in Webmaschinen. Besser bekannt ist ein elliptisches Kettenblatt im Kettenantrieb von Fahrrädern. Kegelrad Die Achsen von Kegelrädern sind nicht parallel, sondern schneiden sich. Meistens liegt der Schnittwinkel bei 90°. Die Grundform ist ein Kegelstumpf, dessen Mantelfläche verzahnt ist. Bei zwei miteinander gepaarten Kegelrädern fallen deren Spitzen zusammen. Die Zähne verlaufen meistens gerade in Richtung der Mantellinien, beim sogenannten Hypoidgetriebe sind sie bogenförmig. Bei Kegelrädern spricht man von Oktoidenverzahnung. Im Gegensatz zur Evolvente, die bei Stirnrädern das Zahnhöhenprofil beschreibt, handelt es sich bei der Oktoide nicht um das Zahnhöhenprofil eines Kegelrads, sondern seine Eingriffslinie stellt ein Teilstück einer Oktoide dar (die in voller Länge auf der gedachten Kugeloberfläche als 8-förmige Kurve erscheint). Bei Spiralkegelrädern unterscheidet man hauptsächlich wie folgt: Kreisbogenverzahnung mit nicht konstanter Zahnhöhe (Hersteller Gleason) Kreisbogenverzahnung mit konstanter Zahnhöhe (Kurvex) Zyklo-Palloid-Verzahnung (Klingelnberg) Palloid-Verzahnung (Klingelnberg) Kronenrad Ein Getriebe mit Kronenrad ist ein Winkelgetriebe und eine Variante zum Kegelradgetriebe. Es wurde früher öfter als ein Kegelradgetriebe verwendet (siehe Abbildung: Kronenradgetriebe aus Holz). Beim Kronenrad ist die Verzahnung auf der Kreisfläche eines Zylinders angebracht. Es bildet zusammen mit einem Stirnrad ein Kronenradgetriebe. Schneckenrad und Schnecke Ein aus Schneckenrad und Schnecke gebildetes Schneckengetriebe wird neben anderen Getrieben dann verwendet, wenn sich die Wellen kreuzen, aber nicht schneiden. Weiteres Merkmal ist das relativ hohe Übersetzungsverhältnis. Das Schneckenrad kann im einfachsten Fall ein schräg verzahntes Stirnrad sein. Um Linien- anstatt nur Punktberührung zwischen den Zähnen im Getriebe zu erreichen, werden die Zahnflanken des Schneckenrades hohl ausgeführt. Die Verzahnung auf der kleinen Schnecke ähnelt einem Gewinde. Die Schnecke ist quasi ein Stirnrad mit wenigen sehr schrägen Zähnen, die schraubförmig um den Zylinder gewunden sind. Eine Windung entspricht einem Zahn. Bei der Globoidschnecke ist die gewindeartige Verzahnung nicht zylindrisch. Der Zylinder ist tailliert und passt sich so der Rundung des Schneckenrades an. Grundarten der Zahnradgetriebe Die Zahnradgetriebe lassen sich nach der Lage der Achsen und der im Eingriff stehenden Räder in Wälzgetriebe und in Schraubgetriebe unterteilen. Wälzgetriebe Bei Wälzgetrieben liegen die Achsen entweder parallel (Stirnradgetriebe), oder sie schneiden sich (Kegelradgetriebe). Bei der Bewegungsübertragung rollen gedachte Wälzzylinder oder Wälzkegel – ohne zu gleiten – aufeinander ab. Gleiten findet nur auf den sich berührenden Zahnflächen in der Profilebene der Zähne statt (Wälzgleiten). Die Zähne berühren sich in Linien. Schraubgetriebe Bei Schraubgetrieben liegen die Achsen weder parallel zueinander, noch schneiden sie sich. Die sich berührenden Zähne gleiten zusätzlich senkrecht zur Profilebene (Gleiten senkrecht zur Profilebene ist die typische Bewegung im Schraubgewinde). Schraubgetriebe sind das Schraubenradgetriebe, mit der Paarung zweier schräg verzahnter Stirnräder (Punktberührung im Achslot), das Schneckengetriebe mit der Paarung eines Schneckenrades und einer Schnecke (Linienberührung) und das Hypoidgetriebe mit der Paarung zweier Schraubenkegelräder (Punktberührung außerhalb des Achslotes). Verzahnungsarten – Gestalt der Zahnflanke Evolventenverzahnung Verwendung: beim Antrieb vom Schnellen ins Langsame oder umgekehrt (z. B. im Fahrzeug- und Maschinenbau), bedeutendste Verzahnungsart leichte Normierung Räderpaare können bei gleicher Reibung links- und rechtsherum angetrieben werden relativ spielarme Verzahnung unempfindlich gegenüber Achsabstandsänderung, da die Eingriffslinie eine Gerade ist im Wälzpunkt ausschließlich Rollreibung; vom Wälzpunkt weggehend zunehmend Gleitreibung Durch die konvexe Zahnform entsteht eine hohe Flächenpressung, was einen Nachteil hinsichtlich der Lebensdauer bedeutet. Herstellung der Zahnräder relativ einfach und kostengünstig Die Evolventenverzahnung ist ein Spezialfall der Zykloidenverzahnung, bei dem der abrollende Rollkreis während der Konstruktion der Zykloide einen unendlich großen Durchmesser hat und somit zur Rollgerade wird. Die entstehende Zykloide wird dann Evolvente genannt. Zykloidenverzahnung Die Flanke eines Zahns ist oberhalb des Wälzpunktes eine Epizykloide und unterhalb eine Hypozykloide. Verwendung: Beim Antrieb vom Langsamen ins Schnelle (z. B. bei mechanisch angetriebenen Uhren). Bei einem Antrieb vom Langsamen ins Schnelle besteht eine geringere Reibung als bei Evolventenverzahnung. Größere Übersetzungsverhältnisse auf kleinem Raum sind möglich, da die Zähne am Fuß schmaler sind als bei der Evolventenverzahnung. Reine Rollreibung erst ab einer bestimmten Mindestzähnezahl des kleineren angetriebenen Rades möglich. Normierung schwierig, da die Zahnform gegenüber der Evolvente zusätzlich von der Zähnezahl des kleineren angetriebenen Rades abhängt. Man muss also, um ideale Eingriffs- und Reibungsverhältnisse zu bekommen, die Zahnformen eines Räderpaares speziell aufeinander abstimmen. In der Uhrmacherei wurden Normierungskompromisse unternommen. Größeres Zahnspiel (staubverträglicher). Kein Vorwärts-Rückwärtslauf möglich: Eine Drehbewegung ist nur in eine Richtung sinnvoll möglich. Gründe sind ein deutlich größeres Zahnspiel als bei der Evolventenverzahnung und unterschiedliche Reibungsverhältnisse für verschiedene Drehrichtungen. Geschmiert werden nur die Radlager, die Räder selbst werden trocken betrieben, um Schmutzansammlung zu vermeiden. Die Eingriffstiefe ist kritischer als bei der Evolventenverzahnung. In der Uhrmacherei reicht der mathematisch ermittelte Abstand als Ideal nicht aus. Er wird zusätzlich empirisch angepasst (muss erfühlt werden). Triebstockverzahnung Die Triebstockverzahnung ist ein Sonderfall der Zykloidenverzahnung: Rollkreis und Wälzkreis sind gleich groß. Verwendung: z. B. alte Mühlenräder, Schwarzwälder Uhren, Zahnstangen, Rollenketten Anwendung weitgehend durch die Evolventen- und Zykloidenverzahnung verdrängt. Früherer Vorteil dieser Verzahnung war die leichtere Herstellung von Rädern. Außerdem war eine ausreichend genaue Teilung mittels einer Bohrschablone leicht zu erreichen. Die Verzahnung kann gerade, d. h. achsparallel, schräg (Schrägverzahnung) oder als Bogenverzahnung ausgeführt sein. Die Größe der Verzahnung wird bestimmt als Modul. Das Gegenrad muss eine Verzahnung von gleichem Modul aufweisen. Wildhaber-Novikov-Verzahnung Die Wildhaber-Novikov-Verzahnung ist eine Kreisbogenverzahnung. Verwendung: in Stirnverzahnungen (Laufverzahnungen). Konvexe, halbkreisförmige Zähne greifen in gleichartig ausgebildete konkave Lücken ein. Der theoretische Radius von Zahn und Zahnlücke ist gleich, in der Praxis wird der Zahnlückenradius etwas größer ausgeführt. Es kann keine Profilüberdeckung realisiert werden, für eine gleichmäßige Bewegungsübertragung ist eine Schrägverzahnung mit einer Sprungüberdeckung >1 erforderlich. Der Eingriffswinkel ist in jeder Zahnstellung konstant, so dass die Zahnkraft ihre Richtung nicht ändert. Vorteilhaft wirkt sich die konstruktionsbedingte gute Schmiegung von Zahn und Zahnlücke aus. Weitere Vorteile liegen in der guten Tragfähigkeit (höher als Evolventenverzahnung), im gleichmäßigen Verschleiß (geringe Relativbewegung der Flanken zueinander) und im günstigen Geräusch- und Schwingungsverhalten. Kritisch ist diese Verzahnung bei geometrischen Abweichungen wie Teilungs- und Zahnrichtungsfehlern sowie bei Achsabstands- und Achsneigungsabweichungen. Der Herstellungsaufwand ist groß, da für Rad und Gegenrad verschiedene Verzahnwerkzeuge erforderlich sind. Geometrische Größen an Geradstirnrädern Mit der zum Übersetzungsverhältnis passend gewählten Zähnezahl und dem Modul ist der Wälzkreisdurchmesser bestimmt. Der Kopfkreisdurchmesser ist um zwei Kopfhöhen der Zähne größer als der Wälzkreisdurchmesser. Der Fußkreisdurchmesser ist um zwei Fußhöhen und das Kopfspiel kleiner als der Wälzkreisdurchmesser. Ein üblicher Wert für die Kopfhöhe ist . Ein üblicher Wert für die Fußhöhe ist . Aus diesen Vorgaben werden die drei Kreisdurchmesser wie folgt errechnet: Bei innenverzahnten Hohlrädern ist bei Verwendung der Gleichung zu beachten, dass die Zähnezahl negativ ist und sich somit negative Durchmesser ergeben. Der Fußkreisdurchmesser eines Hohlrades ist betragsmäßig größer als der Kopfkreisdurchmesser. Die Teilung der Verzahnung ist die Länge des Bogens von Zahnmitte zu Zahnmitte auf dem Wälzkreis (auch Teilkreis genannt):         ( … ist die Definition für den Modul). Den Abstand (Achsabstand) der Achsen der miteinander gepaarten außen verzahnten Räder 1 und 2 geben folgende Gleichungen an:     oder     Der Modul bei Stirnrädern ist gemäß DIN 780-1 zu wählen. Alle Angaben gelten nur für Zahnräder ohne Profilverschiebung, d. h. unkorrigierte Zahnräder. Herstellung Die Herstellung von Zahnrädern kann auf drei Arten erfolgen: Zerspanen Urformen Umformen Aufgrund von höherer Festigkeit und Genauigkeit werden in der industriellen Fertigung von Zahnrädern spanende Fertigungsverfahren bevorzugt. Spanende Verfahren Übersicht Die spanenden Verfahren zur Zahnradherstellung sind: mit geometrisch bestimmter Schneide Wälzhobeln Wälzfräsen, das wichtigste Verfahren für die Grobbearbeitung Profilfräsen Wälzstoßen Wälzschälen Profilräumen Schaben Freiformfräsen / 5-Achs-Fräsen mit geometrisch unbestimmter Schneide Wälz- und Profilschleifen (Varianten des Schleifens) Honen Läppen Beim Profilfräsen und -schleifen hat das Werkzeug die exakte Form der Zahnflanke. Bei Wälzverfahren wird ein Werkzeug von der Herstellungsmaschine so geführt, dass es mit der herzustellenden Zahnflanke „abwälzt“. Der Materialabtrag erfolgt nur an einem Punkt bzw. auf einer Linie. Hier kann ein Werkzeug für viele verschiedene Verzahnungsgeometrien genutzt werden, die Kinematik und somit die Steuerung der Maschine ist aber relativ kompliziert. Beim Profilverfahren benötigt man eine große Anzahl verschiedener Werkzeuge oder muss die Schleifscheibe vor ihrem Einsatz erst in die Form der Zahnflanke bringen („abrichten“ der Schleifscheibe). Wälzverfahren können kontinuierlich erfolgen, d. h. das ganze Zahnrad kann in einer durchgehenden Bewegung gefertigt werden (z. B. durch einen schneckenförmigen Fräser). Profilverfahren arbeiten immer im Teilverfahren, es kann also nur jeweils eine Zahnlücke gefertigt werden, danach wird das Werkrad um eine Lücke weitergedreht. Freiformfräsen Seit einigen Jahren wird bei Einzelteilfertigung oder geringen Stückzahlen verstärkt das Freiformfräsen bzw. 5-Achs-Fräsen auf Bearbeitungszentren angewendet. Die Grundidee basiert auf der Erkenntnis, dass ein Zahnrad letztendlich nichts anderes ist als eine Form – vergleichbar aus dem Werkzeug- und Formenbau – jedoch mit komplexer Verzahnungsgeometrie. Hierfür werden unprofilierte, von den Verzahnungsdaten des Werkstücks losgelöste, unabhängige Vollhartmetall-Werkzeuge eingesetzt. Typische Verzahnungswerkzeuge wie Wälzfräser und Scheibenfräser, Schneidräder, Hobelkämme und Hobelstähle, Messerköpfe mit Kegelradverzahnungsmesser, Kegelradfräser, Schneckenradwälzfräser entfallen. Prinzipiell können unterschiedliche Zahnradtypen auf demselben 5-Achs-simultanfähigen Bearbeitungszentrum in der Weich- und Hartbearbeitung (± 62 HRC) produziert werden. Die 5-Achs-Simultanfähigkeit stellt sicher, dass für die Schlichtbearbeitung von Schrägverzahnungen und Spiralverzahnungen unprofilierte Schaftfräser eingesetzt werden können, anstelle eines langwierigen Abzeilens mittels eines Kugelfräsers. Für die Fräsprogrammierung wird in der Regel eine separate CAM-Software verwendet, die den Schwerpunkt auf das Fräsen von Freiformflächen setzt und daher hervorragend auch für Zahnprofile genutzt werden kann. Je nach Art des Werkstücks, dem Zahnradmodul und der daraus resultierenden Größe der Zahnlücke können individuelle Frässtrategien für Schrupp-, Zahnfuß- und Schlichtbearbeitung gewählt werden. Urformende und umformende Fertigungsverfahren Zahnräder lassen sich nicht nur durch spanende Fertigungsverfahren, sondern auch durch Urform- und Umformverfahren herstellen. Diese Herstellungsverfahren spielen im Vergleich zu spanenden Fertigungsverfahren jedoch eine untergeordnete Rolle. Urformend können Zahnräder durch Gießen oder Sintern hergestellt werden; bei Zahnrädern aus Kunststoff kommt Spritzgießen zum Einsatz. Hauptanwendung ist die Feinwerktechnik, wo keine großen Drehmomente übertragen werden müssen. Kleine Zahnräder werden auch geätzt (ähnlich Lithographie) oder galvanisch hergestellt. Umformende Verfahren wie Schmieden, Pressen, Ziehen, Walzen (Ringwalzen) oder Stanzen kommen zum Einsatz, wenn keine hohen Anforderungen an die Genauigkeit gestellt werden. Geschmiedete Zahnräder finden dabei auch Verwendung in großtechnischen Anwendungen, so werden beispielsweise die Kegelräder von Differentialgetrieben im Fahrzeugbau durch Gesenkschmieden hergestellt. Nachbearbeitung und Wärmebehandlung Zahnräder werden nach dem Verzahnen häufig gehärtet. Die Zahnflanken werden dadurch verschleißfester, im Besonderen gegen die sogenannte Grübchenbildung, und das Zahnrad erträgt höhere Belastungen und hält länger. Allerdings entsteht beim Härten Härteverzug, deshalb müssen in der Regel die Flanken nach dem Härten durch Schleifen nachbearbeitet werden, um die gewünschte Verzahnungsqualität zu erreichen. Konstruktion / CAD Die Konstruktion von Zahnrädern erfolgt rechnergestützt mittels CAD. Für die Zahnradfertigung mit Wälzfräsverfahren werden 2D-Zeichnungsdaten und Maschineneinstelldatenblätter, für die Zahnradfertigung mittels Freiformfräsen 3D-Zeichnungsdaten benötigt. Zahnräder werden nicht manuell auf Basis von Punktewolken, sondern mit speziell entwickelter Software konstruiert. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Zahnräder im Betrieb sauber ineinandergreifen. Einige Programme bieten neben der mathematischen Berechnung auch eine Simulation der Kinematik bei der Herstellung, um beispielsweise unbeabsichtigten Unterschnitt zu vermeiden. Prüfen von Zahnrädern Allgemeines Die Prüfung von Zahnrädern ist umfangreich und richtet sich nach der Art des Zahnrades. Bei der Zahnradprüfung werden die verschiedenen Bestimmungsgrößen von Zahnrädern mittels konventioneller Längen- und Winkelmessverfahren und spezieller Zahnradmessverfahren ermittelt. Für sicherheitskritische Anwendungen kommen bei der Fertigungsendprüfung Materialprüfverfahren wie das Röntgen oder Scannen mit Teilchenbeschleunigern zur Anwendung. Prüfen von Kegelrädern Die Prüfung von Kegelrädern erfolgt hauptsächlich durch Laufprüfung. Unter Verwendung einer Laufprüfmaschine wird das zu prüfende Kegelrad mit einem Meisterrad in Eingriff gebracht und bei Sollachsabstand, Sollachswinkel und Solldrehzahl abgewälzt. Es wird eigentlich die spätere Funktion im Getriebe simuliert. Die Qualität des Kegelrades wird durch das entstandene Tragbild, die Geräuschentwicklung während der Laufprüfung und das Verdrehflankenspiel beurteilt. Bei den Laufprüfungen unterscheidet man zwischen Zweiflankenwälzprüfungen und Einflankenwälzprüfungen. Ergänzende Prüfungen sind weiterhin die Rundlaufprüfung durch Rundlaufprüfgeräte und die Zahndickenprüfung mit Zahndickenmessgeräten. Die rasante Entwicklung der Prüfmethoden ist auch bei der Kegelradprüfung erkennbar. Die Verwendung von Koordinatenmessgeräten hat inzwischen auch auf die Kegelradprüfung großen Einfluss. Mit entsprechender Software wird die Topografie des Kegelrades ermittelt, das Tragbild und Verdrehflankenspiel berechnet und simuliert. Korrekturwerte werden direkt an die Kegelradfräsmaschine weitergeleitet (Closed-Loop). Bei der traditionellen Fertigung auf Kegelradfräsmaschinen kommt es grundsätzlich zu mehr oder weniger großen Abweichungen zwischen den theoretischen Berechnungen und dem praktischen Fräsergebnis. Beim 5-Achs-Fräsen auf 5-Achs-simultanfähigen Bearbeitungszentren entfallen in der Regel solche nachträglichen Korrekturen, da aufgrund der Herstellmethode das Fräsergebnis und somit auch Position und Größe des Tragbildes auf Anhieb der Berechnung entspricht. Prüfen von Stirnrädern Wichtigste Grundlagen für die Prüfung von Stirnrädern ist die Norm DIN ISO 1328, in welcher die Toleranzen für Stirnradverzahnungen festgelegt sind. Abhängig von den Qualitätsansprüchen werden unterschiedliche Prüfverfahren angewandt. Für die Funktion eines Stirnrades ist die Einhaltung der korrekten Zahndicke entscheidend. Die direkte Messung der Zahndicke ist jedoch nicht möglich, daher misst man zur Ermittlung der Zahndicke die Zahnweite oder das Maß über zwei in gegenüberliegende Zahnlücken eingelegte Meßrollen (Messung des Rollenmaßes). Zur Fertigung von Stirnrädern gibt der Konstrukteur in der Regel die Zahnweite oder das Rollenmaß mit entsprechenden Toleranzen vor. Bei der Herstellung von Stirnrädern ist fast immer die Zahnweite das einzuhaltende Fertigungsmaß und daher wird die Zahnweite bei fast allen Stirnrädern direkt an der Maschine gemessen. Die Zahnweite kann mit Bügelmeßschrauben auch am noch eingespannten Zahnrad gemessen werden. Bei der Zweiflankenwälzprüfung wird der Prüfling mit einem beweglich gelagerten Lehrzahnrad spielfrei in Eingriff gebracht und abgewälzt. Die entstehenden Achsabstandsänderungen werden registriert und als Zweiflankenwälzabweichung und Zweiflankenwälzsprung ausgewertet. Dabei werden nur Summenabweichungen ermittelt, d. h. Fehlerursachen sind teilweise schwer erkennbar. Das Lehrzahnrad muss geometriebezogen mit dem Prüfling übereinstimmen, das heißt in der Regel den gleichen Modul haben. Für Zahnräder mit hohen Qualitätsanforderungen ist dieses Verfahren weniger geeignet. Die Wälzprüfung kann hervorragend in Fertigungsabläufe integriert werden. Vergleichbar mit der Zweiflankenwälzprüfung ist das Verfahren der Einflankenwälzprüfung. Vorteilhaft bei diesem Prüfverfahren ist die Zuordnung der Abweichungen zur Rechts- bzw. Linksflanke. Die Ermittlung der Einzelfehler eines Stirnrades ist die sicherste und genaueste Methode zur Qualitätsbestimmung. Mit speziellen Verzahnungsmeßmaschinen und auch mit Koordinatenmessmaschinen und entsprechender Software werden die Profil-, Flanken- und Teilungsabweichungen sowie die Zahnweite ermittelt und im Messprotokoll ausgewertet. Dieser Messvorgang erfolgt automatisch. Aus den gemessenen Verzahnungsabweichungen lässt sich die Verzahnungsqualität des Zahnrades bestimmen. Eine gezielte Korrektur der Bearbeitungsmaschine ist danach möglich. Verzahnungsqualitäten Nach DIN 3961 (zurückgezogen) gibt es 12 Verzahnungsqualitäten, die mit unterschiedlichen Fertigungsmethoden erreicht werden können, wobei 1 die feinste und 12 die gröbste Verzahnungsqualität ist. Fertigungsverfahren: Qualität 1–6 gehont Qualität 1–7 geschliffen Qualität 5–7 geschabt, (kaltgewalzt) Qualität 5–9 wälzgefräst, wälzgehobelt, wälzgestoßen Qualität 7–12 formgefräst, formgestoßen, geräumt Qualität 8–12 gestanzt, gepresst, gesintert, spritzgegossen Schadensarten Folgende Schäden können auftreten: Grübchenbildung (Pitting) Zahnbruch, meist im Bereich des Zahnfußes Graufleckigkeit (Micro-Pitting) Fressen Verschleiß (bei Langsamlauf) Siehe auch Planetenradgetriebe Sperrklinke Der Hypoidantrieb ist ein spezielles Kegelradgetriebe. Als Zahnräder werden auch das Kettenblatt und die Ritzel eines Fahrrades bezeichnet, zu den Besonderheiten dieser Art der Kraftübertragung siehe Kettengetriebe Kettenzug und (Ketten-)Differentialflaschenzug weisen Kettennuss und Kettenräder auf, die zahnradartig in Rundketten greifen Duplex-Schnecke, die spieleinstellbare Variante der Schneckenverzahnung Literatur High Tech aus der griechischen Antike. In: Basler Zeitung, vom 1. Dezember 2006, S. 40. Henry C. King: Geared to the Stars. The Evolution of Planetariums, Orreries, and Astronomical Clocks. In collaboration with John R. Millburn. University of Toronto Press, Toronto u. a. 1978, ISBN 0-8020-2312-6. Jan Klingelnberg (Hrsg.): Kegelräder. Grundlagen, Anwendungen. Springer, Berlin u. a. 2008, ISBN 978-3-540-71859-8. Heinz Linke, Jörg Börner (Hrsg.): Stirnradverzahnung. Berechnung – Werkstoffe – Fertigung. 3., aktualisierte Auflage. Hanser, München 2022, ISBN 978-3-446-47036-1. Weblinks Einzelnachweise Einfache Maschine Getriebetechnik
Q143873
100.6048
103701
https://de.wikipedia.org/wiki/Kriminalfilm
Kriminalfilm
Der Kriminalfilm, kurz auch Krimi, ist ein übergeordnetes Filmgenre mit einer Vielzahl von Subgenres, deren Gemeinsamkeit in der zentralen Rolle eines Verbrechens liegt. Charakteristisch sind Täter (Gangsterfilm), Privatermittler (Detektivfilm), Polizei (Polizeifilm) oder Justiz (Gerichtsfilm) als Identifikationsfiguren bzw. die Tat an sich als Handlungsmittelpunkt. Neben dem Fokus auf die Figurenkonstellation lassen sich Kriminalfilme hinsichtlich der Art und Weise ihrer Inszenierung kategorisieren, etwa pessimistisch (Film noir), parodistisch (Kriminalkomödie) oder mitreißend (Thriller). Ein wiederkehrendes Element des Kriminalfilms ist das Konzept des Whodunit (deutsch: „Wer ist es gewesen?“). Untergattungen Polizeifilm Im Mittelpunkt des Polizeifilms steht die Arbeit der Polizei und die Verfolgung der Täter. Als Protagonisten tauchen einzelne oder mehrere Ermittler auf. Eine große Zahl von Polizeifilmen entstand ab der Mitte der 1940er Jahre in den USA. Diese Filme gaben eine Authentizität der gezeigten Fälle und der Polizeiarbeit vor und sind dem Genre des Film noir zuzuordnen. So begannen sie zumeist mit einem Einleitungstext, der die folgende Handlung als Wiedergabe einer tatsächlichen Ermittlung ausgab. In einigen Filmen vermischen sich das Polizei- und das Gangsterthema stärker als in reinen Polizeifilmen. Hier spielen Korruption und Fehler im Polizei- und Justizapparat eine übergeordnete Rolle. Übergänge etwa zum Gefängnisfilm und im Einzelfall auch zum politischen Film sind fließend. Eine Unterform des Polizeifilms ist der Detektivfilm, in dem die ermittelnden Personen in der Regel Detektive sind und keine Polizisten. Eine Unterart des Polizeifilms ist das Poliziottesco aus Italien, das sich in der Zeit zwischen 1968 und 1982 vorwiegend mit der italienischen Polizei und der Mafia beschäftigt. Filmbeispiele: 1967: In der Hitze der Nacht (In the Heat of the Night) 1971: Brennpunkt Brooklyn (The French Connection) 1971: Dirty Harry 1973: Serpico 1987: The Untouchables – Die Unbestechlichen (The Untouchables) 1995: Heat Gangsterfilm Kennzeichnend für den Gangsterfilm ist die Schilderung von illegalen Aktivitäten, wobei der soziale und/oder psychische Werdegang der Verbrecher, oft im Zusammenhang mit ganzen Verbrecherorganisationen, im Mittelpunkt steht. Der Gangsterfilm hatte seine Blütezeit in den 1930er Jahren in den USA und entwickelte sich seitdem in verschiedene Richtungen. Das Genre des Gangsterfilms ist ein weites Feld, in dem der so genannte classic circle, der die Filme Der kleine Caesar, Der öffentliche Feind und Scarface beinhaltet, jedoch als Kernelement verstanden wird. Darin wurden eine Reihe von thematischen, ikonographischen und ideologischen Standards gesetzt, die für sich bereits als „Genremerkmale“ verstanden werden könnten. Um die über 75-jährige Geschichte des Gangsterfilms aber voll erfassen zu können, dürfen diese Standards nur noch als Referenzpunkt gesehen werden, von dem aus zahlreiche Variationen entstanden sind. Als Untergenres des Gangsterfilms werden häufig der Heist-Movie und der Serienkillerfilm angesehen. Filmbeispiele: 1967: Bonnie und Clyde (Bonnie and Clyde) 1972: Der Pate (The Godfather) 1984: Es war einmal in Amerika (Once Upon a Time in America) 1994: Pulp Fiction 1995: Casino 2001: Heist – Der letzte Coup (Heist) Gerichtsfilm Der Gerichtsfilm beschäftigt sich mit der juristischen Auseinandersetzung mit einem zuvor begangenen Verbrechen. Nicht selten ist das Verbrechen an sich auch Bestandteil der Handlung. Das gerichtliche Prozedere wird zum Rahmen für den Handlungsverlauf, der beispielsweise mit einem urteilenden Richterspruch enden kann. Auch das Verbrechen selbst und die Verbrechensaufklärung ist, insbesondere in den Fernsehserien des Subgenres, Teil der Handlung. In der neueren Zeit gibt es zunehmend Filme, in denen die begleitende Wissenschaft, allen voran die Pathologie und Psychologie, den Schwerpunkt bilden. In den 2000er Jahren rückten mit Serien wie CSI vermehrt auch Themen wie Spurensicherung und Forensik/Kriminaltechnische Untersuchung in den Mittelpunkt. Filmbeispiele: 1928: Die Passion der Jungfrau von Orléans (La Passion de Jeanne d’Arc) 1957: Die zwölf Geschworenen (12 Angry Men) 1958: Zeugin der Anklage (Witness for the Prosecution) 1959: Wer den Wind sät (Inherit the Wind) 1959: Anatomie eines Mordes (Anatomy of a Murder) 1997: Der Regenmacher (The Rainmaker) Gefängnisfilm Der Gefängnisfilm war ursprünglich ein reines Subgenre des klassischen Gangsterfilms. Seit den 1970er-Jahren nimmt der Gefängnisfilm zunehmend Aspekte anderer Genres auf, etwa des Actionfilms, des Abenteuerfilms oder des Sportfilms. Das Gefängnis ist als Handlungsort meistens Ausdruck eines Wandels in der Geschichte der Protagonisten: entweder ein Ort der Läuterung oder einer Fortführung der kriminellen Karriere unter den veränderten Bedingungen einer Haftanstalt. Maßgeblich für die handlungsprägende Gefängnissituation sind die Zwangsbedingungen der Haft: Isolation, fehlende Selbstbestimmung und Entmenschlichung. Filmbeispiele: 1960: Das Loch 1973: Papillon 1979: Flucht von Alcatraz (Escape from Alcatraz) 1980: Brubaker 1994: Die Verurteilten (The Shawshank Redemption) 1999: The Green Mile Thriller Beim Thriller (von engl. to thrill „mitreißen, fesseln“) stehen statt des Rätsels um den gesuchten Täter die potentielle Gefährdung des Helden und damit einhergehende Spannungsmomente im Mittelpunkt. Im Gegensatz zur klassischen Detektivgeschichte wird der Ermittler im Thriller häufig zum Ziel des Täters. Stellt er im Detektivroman eher eine unantastbare Person dar, muss er im Thriller um sein Leben fürchten und sich nicht selten körperlich gegen seine Widersacher durchsetzen. Es wird zusätzliche Spannung erzeugt. Der Thriller wird dementsprechend weit mehr von Action- und Horror-Elementen des Filmgenres geprägt als der klassische Detektivroman. Ein Happy End ist nicht mehr garantiert. Das Genre des Thrillers unterteilt sich wiederum in zahlreiche Subgenres (u. a. Justizthriller, Politthriller, Psychothriller und Erotikthriller). Filmbeispiele: 1944: Das Haus der Lady Alquist (Gaslight) 1961: Ein Toter spielt Klavier (Taste of Fear) 1964: Wiegenlied für eine Leiche (Hush… Hush, Sweet Charlotte) 1973: Die Nacht der tausend Augen (Night Watch) 1992: Basic Instinct (Basic Instinct) 2010: Der Ghostwriter (The Ghost Writer) Spionagefilm Der Spionagefilm ist ein auch dem Kriminalfilm zugeordnetes, beinahe eigenständiges Subgenre, das sich mit der Arbeit von Spionen und Geheimagenten beschäftigt. Filmbeispiele: 1927: Spione 1935: Die 39 Stufen (The 39 Steps) 1962: James Bond jagt Dr. No (Dr. No) 1975: Die drei Tage des Condor (Three Days of the Condor) 1990: Das Rußland-Haus (The Russia House) 2001: Enigma – Das Geheimnis (Enigma) Film noir Mit Film noir (französisch für „schwarzer Film“) wird das Filmgenre oder – je nach Sichtweise – eine Stilrichtung des Films bezeichnet, das durch eine pessimistische Weltsicht, düstere Bildgestaltung und entfremdete, verbitterte Charaktere bestimmt wird. Seine klassische Ära hatte der Film noir in den Vereinigten Staaten der 1940er und 1950er Jahre. Wurzelnd in der Zeit des ausgehenden Zweiten Weltkrieges und beeinflusst vom deutschen Expressionismus sowie von der Tradition US-amerikanischer Kriminalliteratur, stellt der Film noir einen Gegensatz zum konventionellen Hollywood-Kino dar. Filmbeispiele: 1941: Die Spur des Falken (The Maltese Falcon) 1944: Frau ohne Gewissen (Double Indemnity) 1946: Rächer der Unterwelt (The Killers) 1958: Im Zeichen des Bösen (Touch of Evil) Kriminalkomödie Die Mischung von humorvollen und dramatischen Elementen ist bereits im Theater seit den Anfängen verbreitet (siehe Tragikomödie). Bei der humoristischen Auflockerung von Kriminalfilmen steht die Kriminalgeschichte im Vordergrund, wird allerdings durch einzelne lustige Aktionen oder Dialoge untermalt oder steht ganz im Zeichen der Parodie. Filmbeispiele: 1955: Ladykillers 1969: Die Herren mit der weißen Weste 1972: Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh (Le Grand Blond avec une chaussure noire) 1973: Der Clou (The Sting) 1976: Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death) 1984: Beverly Hills Cop – Ich lös’ den Fall auf jeden Fall (Beverly Hills Cop) Serial-Killer-Film Der Serial-Killer-Film, auch Serienmörderfilm oder Serienkillerfilm enthält Elemente des (Psycho-)Thrillers, des Polizeifilms oder des Horrorfilms. Er thematisiert die Taten von Serienmördern und kann sowohl aus der Täterperspektive, als auch aus Opfersicht oder dem Blickpunkt der Ermittler erzählen. Filmbeispiele: 1931: M – Eine Stadt sucht einen Mörder (M) 1960: Psycho 1991: Das Schweigen der Lämmer (The Silence of the Lambs) 1995: Sieben (Seven) 1995: Copykill (Copycat) 1997: … denn zum Küssen sind sie da (Kiss the Girls) 2000: American Psycho Wirtschaftskrimi Als Wirtschaftskrimi oder -thriller gelten Kriminalfilme und -fernsehserien, in denen „ein Kapital- oder Wirtschaftsverbrechen im Mittelpunkt steht, die Handlung im ökonomischen Milieu – etwa in einem Konzern – angesiedelt ist oder das Wirtschaftssystem selbst in seinen Auswirkungen und Strukturen als tendenziell verbrecherisch dargestellt wird.“ Wichtige Vertreter des Genres sind die deutsche Fernsehserie Schwarz Rot Gold und die Spielfilme Wall Street, Insider, Silkwood und Michael Clayton. Literatur Knut Hickethier (Hrsg.), Katja Schumann et al.: Filmgenres: Kriminalfilm (= Universal-Bibliothek. Nr. 18408.) Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-018408-8. Georg Seeßlen: Detektive. Mord im Kino. Grundlagen des populären Films. Schüren, Marburg 1998, ISBN 3-89472-425-0. Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms. Mit mehr als 400 Filmen von 1900 bis heute. Heyne, München 1993, ISBN 3-453-05210-2. Hans-G. Kellner, J. M. Thie, Meinolf Zurhorst, Georg Seeßlen: Der Gangster-Film. Regisseure, Stars, Autoren, Spezialisten, Themen und Filme von A–Z (= Enzyklopädie des populären Films, Band 8.) Roloff und Seeßlen, München 1977, ISBN 3-88144-118-2 und ISBN 3-88144-128-X Alain Charlot: Die 100 besten Kriminal-Filme (OT: Les 100 chefs-d’oeuvre du suspense). Heyne Film- und -Fernsehbibliothek Nr. 155. Heyne, München 1991, ISBN 3-453-04930-6. John Gabree: Der klassische Gangster-Film (OT: Gangsters). Heyne-Filmbibliothek Band 22. Heyne, München 1981, ISBN 3-453-86022-5. Marianne Engels-Weber [Red.] et al.: Quotenfänger Krimi. Das populärste Genre im deutschen Fernsehen. Katholisches Institut für Medieninformation, Köln 1999, ISBN 3-934311-05-9. Hans Gerhold: Kino der Blicke. Der französische Kriminalfilm – eine Sozialgeschichte. Fischer-Cinema. Fischer, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-24484-6. Weblinks Italienische Gangster- und Polizeifilme / 1968–1982 Themenausgabe Kriminalfilme als Spiegel der Gesellschaft bei kinofenster.de, hrsg. von Bundeszentrale für politische Bildung und Vision Kino. Fernseh-Krimi: Sinn, Zweck und Grenzen, Prof. h. c. (Sofia) Dr. jur. Fischer, 2013 (PDF; 241 kB) Einzelnachweise Filmgenre
Q959790
189.95912
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https://de.wikipedia.org/wiki/1854
1854
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Krimkrieg 27. Februar: Großbritannien stellt Russland ein Ultimatum zum Rückzug seiner Truppen aus den osmanischen Provinzen Moldova und Walachei. 27./28. März: Mit der britischen und französischen Kriegserklärung an Russland erfolgt der Eintritt dieser Länder in den Krimkrieg. 3. Juni: Das Kaisertum Österreich fordert Russland auf, sich aus den Donaufürstentümern zurückzuziehen. Nach dem russischen Abzug besetzt es diese selbst, ohne jedoch weiters in Kampfhandlungen im Krieg einzugreifen. 14. September: Die Alliierten Briten und Franzosen landen auf der Halbinsel Krim. 20. September: In der Schlacht an der Alma erringen Briten und Franzosen ihren ersten Sieg gegen Russland. 5. Oktober: Im Krimkrieg beginnt der alliierte Beschuss von Sewastopol. Der Kampf um die russische Hafenstadt am Schwarzen Meer wird elf Monate dauern. 9. Oktober: Die Belagerung von Sewastopol beginnt. 21. Oktober: Mit 38 Krankenschwestern bricht Florence Nightingale zur Betreuung der Verwundeten in Richtung Krim auf. Sie trifft im November im Lazarett von Scutari ein, wo ihrem Team zunächst Misstrauen und Widerstand vonseiten der britischen Militärärzte entgegengebracht wird. 25. Oktober: In der Schlacht von Balaklawa kommt es zum Todesritt der leichten Brigade. 5. November: Die eingeschlossenen Russen versuchen einen Ausfall aus der belagerten Stadt Sewastopol, der in der Schlacht von Inkerman von Briten und Franzosen verhindert wird. 2. Dezember: Großbritannien, Frankreich und Österreich schließen das Wiener Dezemberbündnis gegen Russland. Deutscher Bund 25. Mai: Bamberger Konferenz zur Stärkung des „Dritten Deutschlands“. 13. Juli: Arbeiter- und Arbeiterbildungsvereine werden auf Beschluss des Bundestages im Deutschen Bund verschärfter Verfolgung ausgesetzt. Es werden die Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung und alle anderen politischen Arbeitervereinigungen verboten; in Preußen bestand dieses Verbot bereits vorher seit 1850. 9. August: Thronwechsel in Sachsen; auf Friedrich August II. folgt sein Bruder Johann. Italien 27. März: Herzog Karl III. wird in Parma auf offener Straße von einem Unbekannten niedergestochen. Der Tote war wegen seines Willkürregimes in der Bevölkerung verhasst. Schweiz 1. Januar: Friedrich Frey-Herosé wird Bundespräsident der Schweiz. Vereinigte Staaten 28. Februar: In Ripon (Wisconsin) wird die Republikanische Partei der Vereinigten Staaten gegründet, die sich gegen eine Ausbreitung der Sklaverei wendet. Ihr gehören viele Gegner des Kansas-Nebraska Act an. 30. Mai: Mit der Unterzeichnung durch US-Präsident Franklin Pierce tritt der Kansas-Nebraska Act in Kraft, mit dem das Kansas-Territorium und das Nebraska-Territorium als Territorien der Vereinigten Staaten gegründet werden. Gleichzeitig wird ein Teil des Missouri-Kompromisses aufgehoben, der die Sklaverei nördlich des 36. Breitengrades verboten hat. 19. August: Im Grattan-Massaker töten Lakota-Indianer – bis auf einen schwer verwundet entkommenen Soldaten – eine 30-köpfige Einheit der US Army, die einen indianischen Viehdieb festnehmen wollte. Ein Soldat hatte zuvor den Häuptling bei seinem Aufbruch vom Palaver hierüber erschossen. Umgehend erfolgt eine Strafaktion gegen den Indianerstamm. Japan 31. März: Commodore Matthew Perry und Shogun Tokugawa Ieyoshi unterzeichnen die Konvention von Kanagawa. Damit endet die Abschließung Japans. 4. Oktober: Japan vereinbart mit Großbritannien einen ähnlichen Freundschaftsvertrag, wie er kurz zuvor auf militärischen Nachdruck mit den USA zustande kam. Ägypten 13. Juli: Der Khedive Abbas I. von Ägypten wird ermordet. Australien 3. Dezember: Der als Eureka Stockade bezeichnete Aufstand von Diggern in Australien wird von britischen Polizei- und Militärkräften niedergeschlagen. Diese Erhebung hat Signalwirkung zu einer demokratischen Entwicklung auf dem fünften Kontinent. Mexiko 1. März: In Mexiko wird der auf die Absetzung Präsident Antonio López de Santa Annas abzielende Plan von Ayutla proklamiert. Entdeckungsfahrten 4. Januar: Kapitän William McDonald entdeckt die McDonaldinseln. Wirtschaft Messen und Ausstellungen 15. Juli: In München findet die Erste Allgemeine Deutsche Industrieausstellung statt. Dazu wird der eigens errichtete Glaspalast nach dem Vorbild des Crystal Palace in London eröffnet. 1. November: Nach einer Ausstellungsdauer von über einem Jahr schließt die Exhibition of the Industry of All Nations in New York City mit einem Verlust von 300.000 Dollar ihre Pforten. Notenbanken und Börsen 11. April: Die Frankfurter Bank entsteht als Notenbank des Stadtstaates Freie Stadt Frankfurt. In Buenos Aires wird als Nachfolger des Banco Mercantil die Wertpapierbörse Bolsa de Comercio de Buenos Aires gegründet. Verkehr 17. Oktober: Mit vorwiegend französischem Kapital wird die Österreichisch-ungarische Staatseisenbahngesellschaft gegründet. 30. November: Mohammed Said erteilt Graf Ferdinand de Lesseps die Konzession zum Bau des Sueskanals. Patente, Unternehmensgründungen und anderes 27. Juni: Der kanadische Geologe Abraham Gesner erhält für seine Erfindung des Kerosins in den Vereinigten Staaten Patentschutz. 18. Oktober: In Bremen wird das erste deutsche Seemannsheim in Betrieb genommen. 5. Dezember: Der Berliner Polizeipräsident Karl Ludwig von Hinkeldey erteilt dem Drucker Ernst Litfaß die erste Genehmigung für seine „Annoncier-Säulen“. Litfaß bekommt von der Stadt Berlin überdies ein bis 1865 gültiges Monopol für die Aufstellung seiner Säulen. Der Handwerker Louis Vuitton gründet in Paris die Kofferfirma Louis Vuitton Malletiert. Wissenschaft und Technik 7. Februar: Der Schweizerische Bundesrat verabschiedet das Bundesgesetz zur Errichtung einer eidgenössischen polytechnischen Schule, der heutigen ETH Zürich. 17. Juli: Als erste normalspurige Gebirgsbahn wird im Kaisertum Österreich die von Carl von Ghega geplante Semmeringbahn für den Personenverkehr freigegeben. 26. August: Der französische Erfinder Charles Bourseul beschreibt in der Zeitschrift L'illustration das Telefon. Er wird jedoch nicht ernst genommen und verfolgt seine Idee nicht weiter. 3. November: Die Katholische Universität von Irland beginnt mit ihren ersten Vorlesungen. Der italienische Mediziner Filippo Pacini entdeckt das Bakterium vibrio cholerae, den Erreger der Cholera. J. E. Taylor entdeckt die sumerische Stadt Eridu wieder (siehe 1918 und 1948). Antonio Santi Giuseppe Meucci erfindet das Telefon. Kultur Bildende Kunst Gründung der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe Musik und Theater 16. Februar: An der Pariser Opéra-Comique wird die Oper L’étoile du nord (Nordstern) von Giacomo Meyerbeer uraufgeführt. In einer veränderten zweiten Fassung hat die Oper am 19. Juli auch am Royal Opera House in London Premiere. Für dieses Werk verwendete Meyerbeer sechs Nummern aus seinem Singspiel Ein Feldlager in Schlesien. Ludwig Rellstab übersetzt das Libretto von Eugène Scribe noch im selben Jahr, und Ende 1854 kann die Oper in Stuttgart auf die Bühne gebracht werden. 22. März: Die Uraufführung der Oper Die Nibelungen von Heinrich Dorn findet in Weimar statt. 20. April: Die Oper Die Bilderstürmer von Johann Friedrich Kittl hat ihre Uraufführung am Ständetheater in Prag. 30. Mai: In Bari wird das ein Jahr später zu Ehren des in der Stadt geborenen Komponisten Niccolò Piccinni benannte Opernhaus Teatro Piccinni eröffnet. 11. Juni: Das Lied Die Wacht am Rhein von Max Schneckenburger wird mit der Musik von Carl Wilhelm anlässlich der Silberhochzeit des preußischen Prinzen Wilhelm, des späteren Kaisers Wilhelm I., uraufgeführt. 24. Juni: 26 Jahre nach dem Tod des Komponisten erfolgt die Uraufführung der Oper Alfonso und Estrella von Franz Schubert unter der Leitung von Franz Liszt am Hoftheater Weimar. Das Libretto stammt von Franz von Schober. 18. Oktober: Die Uraufführung der Oper La nonne sanglante (Die blutige Nonne) von Charles Gounod findet in Paris statt. 21. Dezember: Die Uraufführung der komischen Oper Der Advokat von Ferdinand Hiller erfolgt in Köln. Gesellschaft 24. April: Franz Joseph I. aus dem Hause Habsburg-Lothringen heiratet in Wien die 16-jährige Wittelsbacher Prinzessin Elisabeth in Bayern. Im Dartmoor in der englischen Grafschaft Devon entsteht die Freizeitaktivität des Letterboxing, einer Form der Schnitzeljagd. Religion 22. November: In Elberfeld wird von Hermann Heinrich Grafe gemeinsam mit fünf weiteren Männern die erste Freie evangelische Gemeinde im deutschsprachigen Raum gegründet. 8. Dezember: Papst Pius IX. verkündet mit seinem Schreiben Ineffabilis Deus das Dogma der Unbefleckten Empfängnis. Katastrophen Epidemien Juli: In Chicago kommen bei einer Choleraepidemie rund 1.400 Menschen ums Leben, was zwei Jahre später zur Anhebung der Stadt führt. Auch in München kommt es während der Industrieausstellung zu einem Ausbruch der Cholera, der von Max von Pettenkofer erforscht wird. August/September: In Teilen Londons kommt es zu einer Choleraepidemie, die rund 600 Menschen das Leben kostet. Diese ist ausgelöst durch verschmutztes Trinkwasser, wie von dem Arzt John Snow nachgewiesen wird. Schiffskatastrophen 21. Januar: Der Eisen-Klipper Tayleur der White Star Line geht auf seiner Jungfernfahrt in der Irischen See unter, nachdem er bei Sturm und Nebel auf die Felsen am Ufer von Lambay Island gelaufen ist. 362 Menschen sterben. 1. März: Der britische Passagierdampfer City of Glasgow läuft zu einer Überfahrt nach Philadelphia aus dem Hafen von Liverpool aus und verschwindet spurlos mit 481 Menschen an Bord. 27. September: Der amerikanische Passagierdampfer Arctic kollidiert bei Cape Race vor Neufundland mit dem französischen Dampfer Vesta und sinkt während des vergeblichen Versuchs, die Küste zu erreichen. Etwa 350 Menschen sterben, darunter alle Frauen und Kinder an Bord. 6. November: 77 Männer, Frauen und Kinder kommen ums Leben, als die Bark Johanne mit 232 Menschen an Bord bei schwerem Sturm vor der ostfriesischen Insel Spiekeroog strandet. Die Opfer sind zumeist Auswanderungswillige in die USA. Das Unglück ist einer der Auslöser für die Gründung von Seenotrettungsstationen an der deutschen Küste, die schließlich 1865 zur Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) führt. Sport 24. August: Stephan Steinberger besteigt nach eigenen Angaben im Alleingang als erster Mensch die Königspitze in den Ortler-Alpen. Seine Angaben werden lange Zeit angezweifelt, werden heute jedoch mehrheitlich als glaubwürdig eingestuft. 30. September: Der Melbourne Cricket Ground wird mit einem Mitgliedermatch eröffnet. Geboren Januar/Februar 1. Januar: George Earle Chamberlain, US-amerikanischer Politiker († 1928) 1. Januar: James Frazer, englischer Ethnologe († 1941) 2. Januar: Theodor Kösser, deutscher Architekt († 1929) 3. Januar: Johann Jakob Hauser, Schweizer Landwirt, Journalist und Agrarpolitiker († 1913) 3. Januar: Lee Slater Overman, US-amerikanischer Politiker († 1930) 5. Januar: Edward Curtis Smith, US-amerikanischer Politiker († 1935) 8. Januar: John Rahm, US-amerikanischer Golfer († 1935) 9. Januar: Jennie Churchill, US-amerikanisch-englische Philanthropin und Autorin († 1921) 10. Januar: Ramón Corral, mexikanischer Politiker und Vizepräsident († 1912) 10. Januar: Heinrich Köselitz, deutscher Schriftsteller und Komponist († 1918) 10. Januar: Richard von Perger, österreichischer Komponist, Dirigent und Musikpädagoge († 1911) 15. Januar: Károly Senyei, ungarischer Bildhauer († 1919) 15. Januar: John T. Watkins, US-amerikanischer Politiker († 1925) 19. Januar: Elisabeth Dauthendey, deutsche Schriftstellerin († 1943) 20. Januar: Immanuel Löw, ungarischer Rabbiner und Gelehrter († 1944) 20. Januar: Furnifold McLendel Simmons, US-amerikanischer Politiker († 1940) 20. Januar: Frank B. Weeks, US-amerikanischer Politiker († 1935) 21. Januar: Karl Julius Beloch, deutscher Althistoriker († 1929) 21. Januar: George Musgrove, australischer Opern- und Theaterunternehmer († 1916) 24. Januar: Erich Giersberg, deutscher Feuerwehrmann und Erfinder († 1905) 24. Januar: Paul Natorp, deutscher Philosoph und Pädagoge († 1924) 26. Januar: Eli Marcus, deutscher Schriftsteller und Schauspieler († 1935) 26. Januar: Frank D. Jackson, US-amerikanischer Politiker († 1938) 27. Januar: Emma Lutteroth, deutsche Malerin († 1894) 31. Januar: Ludwig von Pastor, deutscher Historiker († 1928) 31. Januar: Stefan Stambolow, bulgarischer Politiker und Premierminister († 1895) 2. Februar: Hermann Weigand, deutscher Architekt und Kommunalpolitiker († 1926) 6. Februar: Korl Biegemann, deutscher Dichter († 1937) 10. Februar: James O. Davidson, US-amerikanischer Politiker († 1922) 11. Februar: Adolf Gröber, deutscher Jurist und Politiker († 1919) 12. Februar: Bernardo Soto Alfaro, Präsident von Costa Rica († 1931) 12. Februar: Georg Hieronymus Roderich Stintzing, deutscher Mediziner († 1933) 13. Februar: Konstantin von Gebsattel, deutscher Offizier und Propagandist († 1932) 13. Februar: Arthur Strasser, österreichischer Bildhauer († 1927) 17. Februar: Friedrich Alfred Krupp, deutscher Industrieller († 1902) 19. Februar: Louis Georges Gouy, französischer Physiker († 1926) 19. Februar: Emil Sigerus, deutscher Volkskundler († 1947) 24. Februar: James H. Kyle, US-amerikanischer Politiker († 1901) 26. Februar: Anna Höchstädt, deutsche Porträt- und Blumenmalerin († nach 1916) 28. Februar: Hugo Spieler, deutscher Bildhauer († 1922) März/April 1. März: Samu Pecz, ungarischer Architekt († 1922) 5. März: Philip Hale, US-amerikanischer Organist und Musikkritiker († 1934) 7. März: Oskar Arke, deutscher Pionier der elektrotechnischen Porzellanindustrie († 1926) 8. März: Franz Siegwart, Schweizer Offizier und Beamter († 1933) 9. März: Richard Henrion, deutscher Komponist und Militärkapellmeister († 1940) 10. März: Arnošt Muka, sorbischer Schriftsteller, Volkskundler und Kulturorganisator († 1932) 10. März: Joseph Maria Stowasser, österreichischer Altphilologe († 1910) 11. März: Wassil Radoslawow, bulgarischer Politiker und Ministerpräsident († 1929) 12. März: Gottfried Strasser, Schweizer Pfarrer und Dichter († 1912) 13. März: George W. McBride, US-amerikanischer Politiker († 1911) 13. März: Heinrich Tramm, deutscher Politiker und Verwaltungsbeamter († 1932) 13. März: Emil von Zelewski, deutscher Offizier und Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika († 1891) 14. März: Paul Ehrlich, deutscher Chemiker, Mediziner und Serologe († 1915) 14. März: Thomas Riley Marshall, US-amerikanischer Politiker, 28. US-Vizepräsident (1913–1921) († 1925) 15. März: Emil von Behring, deutscher Bakteriologe und Serologe († 1917) 15. März: Isidor Petschek, deutschböhmischer Unternehmer († 1919) 17. März: Josip Lendovšek, slowenischer Philologe und Pädagoge († 1895) 20. März: Claudius Blanc, französischer Komponist († 1900) 21. März: Friedrich Göler von Ravensburg, deutscher Kunsthistoriker († 1896) 23. März: Alfred Milner, 1. Viscount Milner, britischer Politiker, Hoher Kommissar für Südafrika und Gouverneur († 1925) 23. März: Ernst Otto Taschenberg, deutscher Naturwissenschaftler und Professor († 1922) 25. März: Max Grube, deutscher Schauspieler, Theaterleiter und Schriftsteller († 1934) 25. März: John Lind, US-amerikanischer Politiker († 1930) 26. März: Braulio Dueño Colón, puerto-ricanischer Komponist († 1934) 27. März: Elijah B. Lewis, US-amerikanischer Politiker († 1920) 29. März: Max Oscar Arnold, deutscher Unternehmer und Politiker († 1938) 29. März: Friedrich Neelsen, deutscher Pathologe († 1894) 2. April: Andrew Price, US-amerikanischer Politiker († 1909) 3. April: Berthold Hatschek, österreichischer Zoologe († 1941) 5. April: Joseph Gagnier, kanadischer Klarinettist († 1919) 9. April: Marie Andrae, deutsche Schriftstellerin, Pädagogin und Krankenschwester († 1945) 11. April: Luigi Vanoni, Schweizer Ingenieur († 1940) 13. April: William Henry Drummond, kanadischer Lyriker († 1907) 13. April: Erich von Gündell, preußischer General († 1924) 14. April: Max Kruse, Berliner Bildhauer und Bühnenbildner († 1942) 16. April: Vicente Casanova y Marzol, Erzbischof von Granada und Kardinal († 1930) 16. April: Jacob van Rees, niederländischer Autor und Anarchist († 1928) 18. April: Ludwig Levy, deutscher Architekt († 1907) 19. April: Charles Théophile Angrand, französischer Maler († 1926) 19. April: Emma Pieczynska-Reichenbach, Schweizer Abolitionistin und Frauenrechtlerin († 1927) 20. April: Alberto Orrego Luco, chilenischer Maler († 1931) 21. April: Adolf Lorenz, österreichischer Orthopäde und Vater des Verhaltensforschers Konrad Lorenz († 1946) 22. April: Henri La Fontaine, belgischer Jurist und Politiker († 1943) 22. April: Georg Froböß, deutscher evangelischer Geistlicher († 1917) 29. April: Paul von Rennenkampff, russischer General deutsch-baltischer Herkunft († 1918) 29. April: Henri Poincaré, französischer Mathematiker und theoretischer Physiker († 1912) Mai/Juni 3. Mai: Otto Behagel, deutscher Germanist († 1936) 3. Mai: Franz von Segesser von Brunegg, Schweizer römisch-katholischer Geistlicher und Pädagoge († 1936) 4. Mai: Władysław Floriański, polnischer Sänger und Opernregisseur († 1911) 6. Mai: Jean Bungartz, deutscher Tiermaler und Autor verschiedener Bücher († 1934) 11. Mai: Léon Ehrhart, französischer Komponist († 1875) 11. Mai: Ottmar Mergenthaler, deutsch-US-amerikanischer Erfinder der Linotype-Setzmaschine († 1899) 13. Mai: Otto Schubert, deutscher Architekt und Baumeister († 1930) 15. Mai: Johann Rudolf Krenger, Schweizer Lehrer und Komponist († 1925) 17. Mai: Georges Gillet, französischer Oboist, Musikpädagoge und Komponist († 1920) 20. Mai: William Miller, schottischer Fußballspieler († 1894) 22. Mai: Paul Fromhold-Treu, deutsch-baltischer Geistlicher und evangelischer Märtyrer († 1919) 24. Mai: Ludwig Alexander von Battenberg, britischer Admiral († 1921) 25. Mai: Hugo von Preen, österreichischer Maler und Heimatforscher († 1941) 28. Mai: Germán Riesco Errázuriz, chilenischer Politiker († 1916) 6. Juni: Dawid Alexandrowitsch Aitow, russischer Kartograf und Revolutionär († 1933) 7. Juni: Max Kretzer, deutscher Schriftsteller († 1941) 7. Juni: Charlotte Niese, deutsche Schriftstellerin († 1935) 9. Juni: John F. Shafroth, US-amerikanischer Politiker († 1922) 10. Juni: Josef Kaizl, tschechischer Politiker († 1901) 11. Juni: Alfred Müller, deutscher Volkskundler († 1935) 13. Juni: Charles Parsons, britischer Maschinenbauer († 1931) 14. Juni: Georg Domizlaff, deutscher Beamter, Präsident der Oberpostdirektion († 1937) 14. Juni: Nell Kimball, US-amerikanische Prostituierte und Autorin († 1934) 16. Juni: Hugo Thimig, deutscher Theaterschauspieler († 1944) 17. Juni: Ossip Schubin, tschechisch-deutsche Schriftstellerin († 1934) 19. Juni: Alfredo Catalani, italienischer Opern-Komponist († 1893) 21. Juni: Andrew Jackson Houston, US-amerikanischer Politiker († 1941) 22. Juni: Heinrich Eugen Abt, Schweizer Politiker († 1937) 23. Juni: Leonhard Atzberger, deutscher Geistlicher und Dogmatiker († 1918) 24. Juni: Konstantin Jireček, tschechischer Politiker, Diplomat, Historiker, Slawist († 1918) 26. Juni: Erich Kling, deutscher Offizier und Forschungsreisender († 1892) 27. Juni: Scipione Tecchi, italienischer römisch-katholischer Kardinal († 1915) 30. Juni: Thomas Scott Baldwin, US-amerikanischer Ballonfahrer und Flugpionier († 1923) Juni: Nat Love, US-amerikanischer Sklave, Cowboy, Rodeoreiter, Pullman porter und Autor († 1921) Juli/August 3. Juli: Leoš Janáček, tschechischer Komponist († 1928) 4. Juli: Victor Babeș, rumänischer Pathologe und Bakteriologe († 1926) 8. Juli: Otto Krümmel, deutscher Ozeanograph († 1912) 12. Juli: George Eastman, US-amerikanischer Unternehmer (Kodak) († 1932) 14. Juli: Rollin S. Woodruff, US-amerikanischer Politiker († 1925) 15. Juli: Jacek Malczewski, polnischer Maler († 1929) 17. Juli: Ludwig von Schröder, deutscher Admiral († 1933) 23. Juli: Birt Acres, britischer Fotograf und Filmpionier († 1918) 23. Juli: Ernest Belfort Bax, Journalist und Philosoph († 1926) 24. Juli: George H. Utter, US-amerikanischer Politiker († 1912) 26. Juli: Aram J. Pothier, US-amerikanischer Politiker († 1928) 26. Juli: Ernst Bassermann, deutscher Politiker, MdR († 1917) 27. Juli: Takahashi Korekiyo, japanischer Premierminister († 1936) 29. Juli: Georg Kerschensteiner, deutscher Pädagoge, Politiker und MdR († 1932) 30. Juli: John Sharp Williams, US-amerikanischer Politiker († 1932) 31. Juli: Theodor Christomannos, österreichischer Jurist, Pionier des Tourismus in Südtirol († 1911) 31. Juli: Fritz Hommel, deutscher Orientalist († 1936) 31. Juli: Willem Nolen, niederländischer Mediziner († 1939) 2. August: Eugène Ruffy, Schweizer Politiker († 1919) 3. August: Johanna Ambrosius, deutsche Schriftstellerin († 1939) 3. August: Fernand de La Tombelle, französischer Komponist und Organist († 1928) 6. August: Louis de Gramont, französischer Journalist, Dramatiker und Librettist († 1912) 7. August: Hermione von Preuschen, deutsche Malerin und Schriftstellerin († 1918) 11. August: Felix von Luschan, österreichischer Arzt, Anthropologe, Forschungsreisender, Archäologe und Ethnograph († 1924) 11. August: Paul Hoecker, deutscher Maler († 1910) 12. August: Ignát Herrmann, tschechischer Schriftsteller, Humorist und Redakteur († 1935) 13. August: William C. Adamson, US-amerikanischer Politiker († 1929) 18. August: Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem, deutsche Schriftstellerin († 1941) 18. August: James Paul Clarke, US-amerikanischer Politiker († 1916) 20. August: Paul Schlenther, deutscher Theaterkritiker, Schriftsteller und Theaterdirektor († 1916) 22. August: Milan I., König von Serbien († 1901) 23. August: Louis Armand, französischer Höhlenforscher († 1921) 23. August: Moritz Moszkowski, deutscher Pianist und Komponist († 1925) 24. August: William Oscar Atkeson, US-amerikanischer Politiker († 1931) 31. August: Carl Wilhelm Samuel Aurivillius, schwedischer Zoologe († 1899) September/Oktober 1. September: Engelbert Humperdinck, deutscher Komponist († 1921) 1. September: George Adams Post, US-amerikanischer Politiker († 1925) 2. September: Hans Jæger, norwegischer Literat und Anarchist († 1910) 3. September: Nahum J. Bachelder, US-amerikanischer Politiker († 1934) 3. September: Wilhelmus Marinus van Rossum, niederländischer römisch-katholischer Kardinal († 1932) 4. September: Henri Berguer, Schweizer evangelischer Geistlicher († 1937) 6. September: Max Wladimir von Beck, österreichischer Politiker († 1943) 6. September: Marie-Georges Picquart, französischer Offizier, Kriegsminister und Beteiligter in der Dreyfus-Affäre († 1914) 8. September: Josef Callenberg, deutscher Baumeister († 1960) 10. September: John L. M. Irby, US-amerikanischer Politiker († 1900) 10. September: Josua Zweifel, Schweizer Kaufmann und Entdecker der Nigerquellen († 1895) 11. September: Albert Andreae de Neufville, deutscher Bankier († 1940) 11. September: Peter Hille, deutscher Schriftsteller († 1904) 22. September: Henny Koch, deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin († 1925) 23. September: Cornelis Lely, niederländischer Wasserbauingenieur und Gouverneur († 1929) 24. September: Philipp Paulitschke, österreichischer Geograph und Afrikaforscher († 1899) 25. September: Roberto Hazon, italienischer Dirigent und Musikpädagoge († 1920) 27. September: Alois Lexa Freiherr von Aehrenthal, österreichisch-ungarischer Politiker († 1912) 27. September: Josef Frenken, deutscher Jurist und Politiker († 1943) 28. September: Heinrich Kreutz, deutscher Astronom († 1907) 1. Oktober: Richard Böhm, deutscher Zoologe und Entdecker († 1884) 1. Oktober: August Leue, deutscher Architekt, Offizier und Kolonialbeamter († 1922) 3. Oktober: Hermann von Struve, deutscher Astronom († 1920) 7. Oktober: Christiaan De Wet, südafrikanischer Politiker und General der Buren († 1922) 7. Oktober: Georg Frentzen, deutscher Architekt und Hochschullehrer († 1923) 9. Oktober: Mihajlo Pupin, serbischer Physiker († 1935) 9. Oktober: Myron T. Herrick, US-amerikanischer Politiker († 1929) 10. Oktober: Otto Arendt, deutscher Publizist und Politiker († 1936) 16. Oktober: Karl Kautsky, deutscher Theoretiker der Sozialdemokratie († 1938) 16. Oktober: Hermann Vogel, deutscher Illustrator († 1921) 16. Oktober: Oscar Wilde, irischer Schriftsteller († 1900) 17. Oktober: Luis Amigó, spanischer Kapuziner, Bischof und Ordensgründer († 1934) 18. Oktober: Salomon August Andrée, schwedischer Ingenieur und Polarforscher († 1897) 20. Oktober: Alphonse Allais, französischer Schriftsteller und Humorist († 1905) 20. Oktober: Leopold Koppel, deutscher Bankier, Unternehmer und Förderer von Wissenschaftseinrichtungen († 1933) 20. Oktober: Arthur Rimbaud, französischer Dichter († 1891) 24. Oktober: Miksa Déri, ungarischer Elektrotechniker († 1938) 27. Oktober: Leopold Friedrich Anton Ambronn, deutscher Astronom († 1930) 29. Oktober: Heinrich Mayr, deutscher Forstwissenschaftler und Botaniker († 1911) 30. Oktober: Thomas Henry Carter, US-amerikanischer Politiker († 1911) 30. Oktober: Franz Rohr von Denta, österreichischer k.u.k. Feldmarschall († 1927) 31. Oktober: Claude Augé, französischer Verleger, Romanist und Lexikograf († 1924) 31. Oktober: Adolf Erman, deutscher Ägyptologe († 1937) 31. Oktober: Hermann Hendrich, deutscher Maler († 1931) 31. Oktober: Geraldine Moodie, kanadische Fotografin († 1945) 31. Oktober: Otto Sverdrup, norwegischer Seefahrer und Polarforscher († 1930) November/Dezember 2. November: Isidor Gunsberg, ungarischer Schachspieler († 1930) 4. November: Simon Angerpointner, deutscher Politiker († 1930) 5. November: Paul Sabatier, französischer Chemiker († 1941) 6. November: John Philip Sousa, US-amerikanischer Bandleader und Komponist († 1932) 7. November: Alexander Wassiljewitsch Adrianow, russischer Gelehrter († 1920) 8. November: Johannes Rydberg, schwedischer Physiker († 1919) 11. November: William Yates Atkinson, US-amerikanischer Politiker († 1899) 13. November: George Chadwick, US-amerikanischer Komponist († 1931) 16. November: Eduard Beyer, deutscher Jurist und Politiker († 1926) 17. November: Hubert Lyautey, französischer Marschall († 1934) 18. November: Fountain L. Thompson, US-amerikanischer Politiker († 1942) 19. November: Beda Adlhoch, deutscher Mönch († 1910) 21. November: Benedikt XV. (Giacomo della Chiesa), italienischer Geistlicher, Papst von 1914 bis 1922 († 1922) 21. November: Werner Krebs, Schweizer Unternehmer und Politiker († 1937) 22. November: Frank Matcham, britischer Theaterarchitekt († 1920) 23. November: Heinrich Braun, deutscher sozialdemokratischer Politiker und Publizist († 1927) 26. November: Émile Wambach, belgischer Komponist und Musikpädagoge († 1924) 28. November: Gottlieb Haberlandt, österreichischer Botaniker. Mitentdecker der Pflanzenhormone († 1945) 2. Dezember: Paul Reichard, deutscher Afrikaforscher († 1938) 4. Dezember: Waso Abaschidse, georgischer Schauspieler († 1926) 9. Dezember: Pekka Juhani Hannikainen, finnischer Komponist († 1924) 10. Dezember: Ernst Henrici, deutscher Gymnasiallehrer, Schriftsteller und Politiker († 1915) 14. Dezember: Carl Magnus Fürst, schwedischer Mediziner und Professor an der Universität Lund († 1935) 16. Dezember: Johann Diepenbrock, deutscher Orgelbauer († 1901) 17. Dezember: William Ezekiel Andrews, US-amerikanischer Politiker († 1942) 17. Dezember: Philipp Wolfrum, deutscher Komponist und Musiker († 1919) 19. Dezember: Marcel Brillouin, französischer Physiker († 1948) 20. Dezember: Hermann Lenhartz, deutscher Mediziner († 1910) 23. Dezember: Friedrich Adolf Borsdorf, deutscher Hornist († 1923) 24. Dezember: Julius Elster, deutscher Lehrer und Physiker († 1920) 25. Dezember: Stephen R. Fitzgarrald, US-amerikanischer Politiker († 1926) 26. Dezember: Kurt Wahle, deutscher Offizier († 1928) 29. Dezember: Solon Irving Bailey, US-amerikanischer Astronom († 1931) 29. Dezember: Robert Burns Smith, US-amerikanischer Politiker († 1908) Genaues Geburtsdatum unbekannt Charlotte Andrews Stephens, US-amerikanische Pädagogin, erste afroamerikanische Lehrerin im Schuldistrikt Little Rock († 1951) Gestorben Januar bis April 2. Januar: Gustav Adolf Harald Stenzel, deutscher Geschichtsforscher (* 1792) 2. Januar: Herman Johan Royaards, niederländischer reformierter Theologe und Kirchenhistoriker (* 1794) 5. Januar: Gottschalk Eduard Guhrauer, deutscher Literaturhistoriker (* 1809) 6. Januar: Christoph Wilhelm Mitscherlich, deutscher Altphilologe (* 1760) 8. Januar: William Carr Beresford, britischer General und portugiesischer Marschall (* 1768) 13. Januar: Awraam Iwanowitsch Melnikow, russischer Architekt (* 1784) 18. Januar: Robert M. Charlton, US-amerikanischer Politiker (* 1807) 22. Januar: Christian von Appel, österreichischer Feldmarschalleutnant (* 1785) 3. Februar: Michael Pfurtscheller, Tiroler Freiheitskämpfer (* 1776) 7. Februar: Thomas Fitzpatrick, US-amerikanischer Pelzhändler, Trapper, Scout und Mountain Man (* 1799) 10. Februar: José Joaquín de Herrera, mexikanischer Militär und dreimaliger Präsident von Mexiko (* 1792) 11. Februar: Anton zu Stolberg-Wernigerode, preußischer Staatsminister (* 1785) 18. Februar: Thomas Eastoe Abbott, englischer Dichter (* 1786) 19. Februar: Robert Strange, US-amerikanischer Politiker (* 1796) 22. Februar: Johann Gottlieb Kreyßig, deutscher Pädagoge und Philologe (* 1779) 23. Februar: Wilhelm Pape, deutscher Altphilologe und Lexikograf (* 1807) 24. Februar: Hermann Josef Neefe, deutscher Maler (* 1790) 6. März: Kaspar Georg Karl Reinwardt, deutscher Naturforscher und Botaniker in den Niederlanden (* 1773) 10. März: William Mathewson Eddy, US-amerikanischer Landvermesser (* 1818) 12. März: Carl Andreas Naumann, deutscher Ornithologe (* 1786) 13. März: Jean-Baptiste de Villèle, französischer Staatsmann (* 1773) 19. März: William Pope Duval, US-amerikanischer Politiker (* 1784) 27. März: Karl III., Herzog von Parma (* 1823) 1. April: Peter Motzfeldt, norwegischer Staatsrat und Politiker (* 1777) 6. April: William Strickland, US-amerikanischer Architekt (* 1788) 9. April: Antoine Jay, französischer Jurist und Schriftsteller (* 1770) 11. April: Carl von Basedow, deutscher Arzt (* 1799) 15. April: Arthur Aikin, englischer Chemiker, Mineraloge und Autor (* 1773) 18. April: Nehemiah R. Knight, US-amerikanischer Politiker (* 1780) 27. April: Hermann Abeken, deutscher Autor und Politiker (* 1820) 30. April: Juan Antonio Martínez, Präsident von Guatemala Mai bis August 1. Mai: Jean Coralli, französischer Tänzer und Choreograph (* 1779) 2. Mai: Sulpiz Boisserée, deutscher Architekt (* 1783) 11. Mai: Sara Levy, deutsche Cembalistin, Musikaliensammlerin, Salonnière und Mäzenin (* 1761) 12. Mai: Melchior Berri, Schweizer Architekt (* 1801) 18. Mai: Henry Lemoine, französischer Musikverleger und Musikpädagoge (* 1786) 20. Mai: Karl Ludwig von Haller, Schweizer Staatsrechtler (* 1768) 21. Mai: Bernhard von Lindenau, sächsischer Astronom, Minister und Kunstsammler (* 1779) 31. Mai: Vatroslav Lisinski, kroatischer Komponist (* 1819) 7. Juni: Charles Baudin, französischer Admiral (* 1784) 12. Juni: Auguste, Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt (* 1793) 12. Juni: Alexander Hangerli, Fürst von Moldau 13. Juni: Rosina Regina Ahles, deutsche Schauspielerin (* 1799) 15. Juni: Friedrich Lindemann, deutscher Pädagoge und Philologe (* 1792) 15. Juni: Georges Bousquet, französischer Komponist, Dirigent und Musikkritiker (* 1818) 17. Juni: Henriette Sontag, deutsche Opernsängerin (* 1806) 19. Juni: Heinrich LXII., Fürst Reuß jüngere Linie (* 1785) 20. Juni: Karoline von Hessen-Homburg, Regentin des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt (* 1771) 4. Juli: Karl Friedrich Eichhorn, deutscher Jurist und Professor für Jura (* 1781) 5. Juli: Ludwig Snell, Schweizer Politiker, Staatsrechtler, Publizist und Pädagoge (* 1785) 5. Juli: Émile Souvestre, französischer Roman- und Bühnendichter (* 1806) 6. Juli: August Borsig, deutscher Unternehmer und Gründer der Borsig-Werke (* 1804) 6. Juli: Georg Simon Ohm, deutscher Physiker (* 1789) 8. Juli: Katharina Lanz, Tiroler Freiheitskämpferin (* 1771) 13. Juli: Abbas I., Wali (Gouverneur) von Ägypten (* 1813) 14. Juli: David Spleiss, Schweizer evangelischer Geistlicher (* 1786) 15. Juli: George W. Towns, US-amerikanischer Politiker (* 1801) 20. Juli: Friedrich Heinrich Aschoff, preußischer Generalleutnant (* 1789) 24. Juli: Jonathan Roberts, US-amerikanischer Politiker (* 1771) 25. Juli: Francisco Gómez y Argüelles, Präsident von Honduras (* 1810) 2. August: Heinrich Clauren, deutscher Schriftsteller (* 1771) 6. August: Alexis de Garaudé, französischer Komponist (* 1821) 9. August: Friedrich August II., König von Sachsen (* 1797) 12. August: Gaston de Raousset-Boulbon, französischer Abenteurer (* 1817) 14. August: Carl Carl, österreichischer Schauspieler und Theaterdirektor (* 1787) 14. August: Solomon W. Downs, US-amerikanischer Politiker (* 1801) 16. August: Moissei Iwanowitsch Karpenko, russischer Generalleutnant (* 1775) 20. August: Karl Ludwig Drobisch, deutscher Komponist (* 1803) 20. August: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, deutscher Philosoph (* 1775) 21. August: August Ferdinand Anacker, deutscher Komponist (* 1790) 21. August: Daniel Elliott Huger, US-amerikanischer Politiker (* 1779) 29. August: John Black, US-amerikanischer Politiker (* 1800) 29. August: Maximilian von Wimpffen, österreichischer Feldmarschall (* 1770) September bis Dezember 3. September: Christoph von Schmid, deutscher Dichter und Jugendbuchautor (* 1768) 4. September: José Francisco Barrundia y Cepeda, Präsident der Zentralamerikanischen Konföderation (* 1787) 6. September: Ephraim Hubbard Foster, US-amerikanischer Politiker (* 1794) 7. September: Jacques-Arsène-Polycarpe-François Ancelot, französischer Dramatiker und Bibliothekar (* 1794) 8. September: Elijah Williams, englischer Schachmeister (* 1809) 18. September: John W. Taylor, US-amerikanischer Politiker (* 1784) 19. September: George Arthur, Gouverneur von Bombay, Britisch-Honduras, Van-Diemens-Land und Oberkanada (* 1784) 25. September: John Adams, US-amerikanischer Jurist und Politiker (* 1778) 25. September: Hugh A. Haralson, US-amerikanischer Politiker (* 1805) 27. September: Peter Skene Ogden, kanadischer Trapper und Entdecker (* 1790) 29. September: Joseph Webber Jackson, US-amerikanischer Politiker (* 1796) 29. September: Armand-Jacques-Achille Leroy de Saint-Arnaud, Marschall von Frankreich (* 1796) 4. Oktober: András Bartay, ungarischer Komponist (* 1799) 8. Oktober: Gideon Tomlinson, US-amerikanischer Politiker (* 1780) 10. Oktober: Sir Gordon Drummond, britischer General und Kolonialadministrator (* 1772) 18. Oktober: Francis Burt, US-amerikanischer Politiker (* 1807) 21. Oktober: Maria Anna Czartoryska, polnische Schriftstellerin (* 1768) 22. Oktober: Jeremias Gotthelf, Schweizer Schriftsteller und Pfarrer (* 1797) 26. Oktober: Therese von Sachsen-Hildburghausen, Königin von Bayern (* 1792) 28. Oktober: Heinrich Friedrich Otto Abel, deutscher Historiker (* 1824) 29. Oktober: Paul Wilhelm Eduard Sprenger, österreichischer Architekt (* 1798) 30. Oktober: Georg Ludwig Dörell, deutscher Bergmeister und Erfinder der Fahrkunst (* 1793) 30. Oktober: Ferdinand Sauter, österreichischer Dichter (* 1804) 2. November: Anton Pann, rumänischsprachiger Lyriker, Komponist und Musikwissenschaftler (* zwischen 1794 und 1798) 5. November: George Cathcart, britischer General (* 1794) 7. November: Peter von Nobile, österreichischer Architekt (* 1774) 9. November: Elizabeth Schuyler Hamilton, US-amerikanische Philanthropin (* 1757) 22. November: José Joaquín Prieto Vial, Präsident von Chile (* 1786) 24. November: Friedrich Arnold, deutscher Architekt und Baubeamter (* 1786) 29. November: Joaquín de San Martín y Ulloa, Staatschef der Provinz El Salvador in der Zentralamerikanischen Konföderation (* 1770) 3. Dezember: Johann Peter Eckermann, deutscher Dichter (* 1792) 4. Dezember: José Joaquín Guarín, kolumbianischer Komponist (* 1825) 13. Dezember: Andreas Buchner, deutscher Historiker und Theologe (* 1776) 15. Dezember: Kamehameha III., König von Hawaii (von 1825 bis 1854) (* 1813) 28. Dezember: James Turner Morehead, US-amerikanischer Politiker (* 1797) Genaues Todesdatum unbekannt Abdullah bin Abdul Kadir, malaysischer Gelehrter (* 1796) Edouard Boilly, französischer Komponist (* 1799) Giacomo Monzino, italienischer Gitarrist und Komponist (* 1772) Francesco Maria Travella, Schweizer römisch-katholischer Geistlicher und Schriftsteller (* 1802) Weblinks Digitalisierte Zeitungen des Jahres 1854 im Zeitungsinformationssystem (ZEFYS) der Staatsbibliothek zu Berlin
Q7670
616.533701
1006036
https://de.wikipedia.org/wiki/Zucker
Zucker
Als Zucker wird neben verschiedenen anderen Zuckerarten ein süß schmeckendes, kristallines Lebensmittel bezeichnet, das aus Pflanzen gewonnen wird und hauptsächlich aus Saccharose besteht. Hauptquellen sind Zuckerrohr (ca. 80 % der weltweiten Zuckerproduktion, Anbau in den Tropen und Subtropen) und Zuckerrübe (ca. 20 % der Zuckerproduktion weltweit, Anbau in den gemäßigten Zonen, z. B. Mitteleuropa, in den USA auch als transgene Zuckerrübe H7-1). 2018 wurden weltweit etwa 1,907 Mrd. Tonnen Zuckerrohr und 275 Mio. Tonnen Zuckerrüben produziert; die daraus jährlich gewonnene Menge an Rohzucker lag 2016 bei ca. 176 Millionen Tonnen. Hauptanbauländer für Zuckerrohr sind Brasilien, Indien, und China, für Zuckerrüben sind es Russland, Frankreich und die USA. Der durchschnittliche Zuckerkonsum lag 2021 in Deutschland bei 32,5 kg pro Kopf, was einer täglichen Menge von rund 89 Gramm entspricht. Der Konsum von Zucker gilt als eine der Ursachen vieler Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes, Krebs, Karies sowie Darm-, Herz- und Gefäßkrankheiten. Um das Risiko für diese Erkrankungen zu minimieren sollten nicht mehr als 25 g freier Zucker pro Tag konsumiert werden. Sein physiologischer Brennwert beträgt 16,8 kJ oder 4,0 kcal pro Gramm (zum Vergleich: Alkohol liefert 29,8 kJ pro Gramm, Fette etwa 39 kJ pro Gramm), mit einer Dichte von 1,6 g/cm³ ist er schwerer als Wasser (1 g/cm³). (Für die Messung von Zuckermengen im Haushalt muss nicht von der Dichteangabe ausgegangen werden, sondern von der Schüttgutdichte, die geringer ausfällt. Sie liegt für Kristallzucker bzw. gekörnten Zucker zwischen 0,67 und 1,02 g/cm³.) Bei 20 °C sind 203,9 g Zucker in 100 ml Wasser löslich, bei 100 °C 487,2 g in 100 ml. Geschichte Etymologie Das Wort „Zucker“ (von , seit dem 12. Jahrhundert von mittellateinisch zuccarum) geht auf das Altindische zurück (, eigentlich „Grieß, Geröll, Kies“, aber auch „Sandzucker“), aus dem es ins Griechische (, daraus auch und ins Arabische () gelangt ist (vgl. deutsch Saccharin). Das Deutsche entlehnte das Wort wohl aus dem Italienischen (italienisch zucchero, von mittellateinisch zuccarum), der älteste Nachweis datiert auf das 13. Jahrhundert. Daten zur Kulturgeschichte des Zuckers 8000 v. Chr.: älteste Zuckerrohr-Funde aus Anbau in Melanesien, Polynesien 6000 v. Chr.: Zuckerrohr gelangt von Ostasien nach Indien und Persien. Hellenismus (nach Alexander d. Gr.): Zucker wird in der griechischen Welt und später in Rom bekannt, bleibt jedoch ein seltenes Importgut, das v. a. medizinisch genutzt wird. Als Süßstoff werden andere Produkte (Honig, Traubenmost) verwendet. 600 n. Chr.: Zuckergewinnung in Persien: heißer, mit Klärmitteln (eiweißhaltige Stoffe und Kalk) behandelter Zuckerrohrsaft wird in Holz- oder Tonkegel gefüllt, in der Spitze kristallisiert der Zucker, es entsteht der Zuckerhut. 1100 n. Chr.: Mit den Kreuzfahrern gelangt Zucker erstmals seit der Antike wieder nach Europa. Bis ins Spätmittelalter war er in Apotheken auch unter dem Begriff Sal indicum bzw. Sal indi (indisches Salz) erhältlich. Er war und blieb zunächst ein Arzneimittel und Luxusartikel (v. a. als Gewürz). Im 12. Jahrhundert ist die erste Präsenz von Zucker in England dokumentiert worden. Zu dieser Zeit diente Zucker als Gewürz, war ein wertvolles Gut und wurde daher nur von sehr Wohlhabenden verwendet. Trotz dieses luxuriösen Charakters war Zucker bereits im 13. Jahrhundert „auch in den entlegensten Städten“ Europas erhältlich. Ab etwa 1500: Zuckerrohr wird weltweit durch Sklaven auf Plantagen angebaut, Zucker bleibt ein begehrtes Luxusgut für die Reichen. Das gemeine Volk süßt nach wie vor mit Honig aus der Zeidlerei. Rohrzucker wird zunehmend von den Westindischen Inseln nach Mitteleuropa eingeführt und von den kolonialen Händlern ab dem 17. Jahrhundert häufiger auch als „white gold“ bezeichnet. Die Zuckerproduktion auf den atlantischen Inseln verdrängte nun zunehmend den nordafrikanischen und mediterranen Zucker. Im 16. Jahrhundert breitet sich der Brauch, Zucker nicht nur als Gewürz, sondern auch als Dekor zu verwenden, in den nichtadligen Bevölkerungsschichten Europas immer weiter aus. Die moderne Zuckerraffinierung wird Ende des 16. Jahrhunderts entwickelt. Zuvor wurde Rohrzucker mittels Eiweiß gereinigt. 17. Jahrhundert: Der Zuckerrohranbau gilt als die „Pfahlwurzel des blühenden Sklavenhandels“. 1747: Andreas Sigismund Marggraf entdeckt den Zuckergehalt der Zuckerrübe. 1800: Weltweit werden etwa 250.000 t Rohrzucker hergestellt. 1801: Der Chemiker Franz Carl Achard schafft die Grundlagen der industriellen Zuckerproduktion. Die erste Rübenzuckerfabrik der Welt entsteht in Cunern/Schlesien. 1806: Die napoleonische Kontinentalsperre behindert die Einfuhr von Rohrzucker nach Kontinentaleuropa und hat damit großen Einfluss auf den europäischen Zuckermarkt. 1840: Jacob Christoph Rad (Direktor der Datschitzer Zuckerraffinerie in Böhmen), erfindet den ersten Würfelzucker, weil seine Frau Juliane sich beim Herausbrechen aus den vorher üblichen Zuckerhüten den Finger verletzt hatte und ihren Mann daraufhin bat, gleich kleinere Zucker-Portionen herzustellen. Rad erfand die Würfelzuckerpresse und stellte den ersten Würfelzucker her. Die ersten, mit Lebensmittelfarbe rot eingefärbten Zuckerwürfel schenkte er seiner Frau zur Erinnerung an den Vorfall. Frau Rad hatte die blutbespritzten Zuckerstücke dennoch ihren Gästen angeboten, da Zucker damals sehr wertvoll war. Ab etwa 1850: Der Zuckerpreis fällt durch die beginnende industrielle Herstellung. Damit entwickelt sich Zucker zum Gegenstand des täglichen Bedarfs. Die Tagesproduktion in einigen Zuckerfabriken betrug durch Verbesserungen der Press- und Extraktionsverfahren bereits etwa 2500 t. 1900: Die Produktion von Zucker, davon über die Hälfte aus Rüben, liegt weltweit bei etwa 11 Millionen Tonnen. Ab 1900: Die Zuckerindustrie profitiert vom allgemeinen Fortschritt im Maschinen- und Apparatewesen (z. B. Einführung elektrischer Antriebe anstelle von Dampf). Untersuchungsmethoden und Normen werden auf internationaler Ebene festgelegt: Gründung der Internationalen Kommission für einheitliche Methoden der Zuckeranalyse (ICUMSA), eines der ältesten Normierungsgremien um die Jahrhundertwende 1900. Manuelle Herstellung aus Zuckerrohr in der Karibik im 17. Jahrhundert Nach einer Wachstumszeit von 15 Monaten wurden die bis zu vier Meter hohen Pflanzen geerntet, indem die Stängel wenige Zentimeter über dem Boden gekappt und direkt von den Blättern befreit wurden. Anschließend wurden die Stängel direkt gepresst, um den hohen Zuckergehalt in ihnen zu erhalten. Der so entstehende Saft wurde dann in großen Kupferkesseln zum Kochen gebracht, wodurch eine aus braunem Rohzucker und Melasse bestehende Masse entstand. Aus dieser Masse musste die Melasse über Wochen ablaufen, bevor der Zucker in der Sonne trocknete und in Fässern verschifft wurde. Da bei diesem Herstellungsprozess viel manuelle Arbeit anfiel, waren Sklaven, die unter brutalen Bedingungen auf den Plantagen 12 Stunden täglich arbeiteten, für den Produktionsprozess essentiell. Beginn der industriellen Herstellung von Zucker aus Rüben – Zuckerindustrie Andreas Sigismund Marggraf hatte 1747 nachgewiesen, dass im Rübensaft Zucker enthalten ist. Die Fabrikationsverfahren, die sein Schüler Franz Karl Achard um 1800 entwickelte, führten 1825 zur Entstehung der Rübenzuckerindustrie, die Ende des 19. Jahrhunderts im Weltmaßstab ebenso viel Zucker erzeugte wie die traditionelle Rohrzuckerindustrie. Der Landwirtschaft war es gelungen, Rüben mit hohem Zuckergehalt zu züchten. Landstriche wie die Magdeburger Börde stellten sich auf den Anbau von Rüben ein. Diese Monokulturen, die viel Dünger benötigten, stimulierten ihrerseits die Entwicklung der Düngemittelindustrie. Chemiker und Techniker sorgten durch Rationalisierungen und Automatisierungen dafür, trotz der saisonbedingten geringen Auslastung der Fabriken (der sogenannten Kampagne), dass die Rübenzuckerindustrie rentabel wurde. Zu den Pionieren der Rübenzuckerindustrie gehört Adolph Frank, der 1858 ein Patent zur Scheidung und Reinigung von Rübensäften erhielt. Zuckererzeugung Die Zuckerrüben werden nach der Ernte gereinigt und zerkleinert. Die entstehenden Zuckerrübenschnitzel werden in Extraktionstürmen mit heißem Wasser versetzt. Der enthaltene Zucker wird herausgelöst (Rohsaft). Mit Kalkmilch werden Nichtzuckerstoffe im Saft gebunden. Der so geklärte Dünnsaft enthält etwa 16 % Saccharose und ist hellgelb. Durch Verdampfungsapparate wird so lange Wasser entzogen, bis der Zuckergehalt im nun goldbraunen zähflüssigen Dicksaft ungefähr 75 % beträgt. Die weitere Eindickung geschieht mit so viel Unterdruck, dass das Wasser bereits bei 65–80 °C verdampft und der Zucker noch nicht karamellisiert. Nach Zusatz von Impfkristallen beginnt die Kristallisation, die bis zur gewünschten Kristallgröße läuft. In Zentrifugen wird der anhaftende Sirup (Melasse) von den Kristallen getrennt. Der weiße Zucker wird nun nochmals in Wasser gelöst und danach kristallisiert. Dadurch erhält man einen besonders reinen und weißen Zucker (Raffinade). Je stärker der Zucker raffiniert wird, desto länger ist er haltbar. Wirtschaftliche Bedeutung Weltweite Zuckerproduktion Im Jahr 2019 wurden weltweit 169.630.291 Tonnen Rohzucker hergestellt, in Europa waren es 28.631.921 t. Die wichtigsten europäischen Herstellerländer sind Frankreich, Ukraine und Tschechien. Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die zehn größten Produzenten von Zucker weltweit, die insgesamt 73,3 % der Erntemenge produzierten. Versorgung pro Kopf Laut Statistik der FAO wies im Jahr 2018 Barbados die höchste Pro-Kopf-Versorgung an Zucker auf (48,18 kg/Jahr), Kiribati steht an 2. Stelle (47,45 kg/Jahr), gefolgt von Kuba (46,72 kg/Jahr). Zum Vergleich: In Österreich wurden rechnerisch pro Kopf und Jahr durchschnittlich 37,96 kg und in Deutschland 33,58 kg ermittelt. Aus den Zahlen geht nicht hervor, wie das Produkt in dem betreffenden Land verwendet wird. Zuckerpreis In der Europäischen Union wurde der Zuckerpreis bisher (Stand August 2017) möglichst konstant gehalten. Die EU veröffentlicht regelmäßig einen Zuckerpreis-Report. Der Preis lag von 2006 bis 2009 um 600 Euro pro Tonne, fiel dann 2010 auf unter 500 Euro und stieg zwischen Herbst 2011 und Herbst 2013 auf über 700 Euro. Die Erntemengen in der EU und in anderen Staaten, speziell in denen der AKP-Gruppe aufgrund deren Importprivileg, beeinflussen den Zuckerpreis. Der Weltmarktpreis liegt normalerweise deutlich unter dem EU-Preis. Nur im Jahr 2011 lag der Weltmarktpreis kurzzeitig darüber. Ende September 2017 fiel – nach der Milchquotenregelung – auch die Europäische Zuckermarktordnung. Davor war festgelegt, dass mindestens 85 % des in der EU vermarkteten Zucker in der EU erzeugt sein müssen, und dass die europaweite Produktion mit 13,5 Millionen Tonnen pro Jahr begrenzt war. Weiter mussten Zuckerproduzenten ihren zuliefernden Landwirten laut EU-Recht pro Tonne Zuckerrüben einen gewissen Mindestpreis zahlen. Es wurde erwartet, dass die Preise für abgelieferte Rüben und Zucker ab Fabrik niedriger werden. Zuckerbezeichnungen Zucker wird in vielen verschiedenen Darreichungsformen angeboten. Diese unterscheiden sich je nach verwendetem Rohstoff, äußerer Form, Zusammensetzung und Art der Verarbeitung. Außerdem gibt es Zuckerprodukte mit verschiedenen Zusätzen. Einige Zuckerbezeichnungen sind in Deutschland durch Verordnung geschützt. Rohstoff Rohrzucker wird aus dem Saft des Zuckerrohrs gewonnen. Rohrzucker wird häufig im Erzeugerland als Rohzucker abgegeben und in speziellen Zuckerraffinerien aufgelöst, erneut kristallisiert (= raffiniert) und je nach dem Bedarf des lokalen Marktes in verschiedenen Sorten an die Verbraucher abgegeben. Rübenzucker wird aus dem Saft der Zuckerrübe gewonnen. Ahornzucker wird aus dem Saft des Zucker-Ahorns gewonnen. Der Saft enthält etwa 5 % Saccharose. Palmzucker (auch: Palmenzucker, Jaggery) wird durch Anritzen der Blütenstandstiele bestimmter Palmenarten gewonnen. Der austretende Blutungssaft (Toddy) enthält etwa 15 % Saccharose. Der Saft wird in flüssiger, eingedickter oder getrockneter Form verwendet. Agavendicksaft besteht hauptsächlich aus Fructose und Glucose, wobei der Fructose-Anteil deutlich überwiegt. Form und Körnung Plattenzucker: ein harter Zucker in Plattenform, der durch Schleudern (Gussware) oder Brikettieren feuchten Zuckers zu Stangen hergestellt wird. Ebenso wird auch Brotzucker (Laibform) oder Hutzucker hergestellt. Pilézucker ist ein in unregelmäßige Stücke geschlagener Plattenzucker. Er wird wie auch die feinstückigeren Knoppern in Konditoreien verarbeitet. Würfelzucker (auch Stückenzucker): angefeuchtete Raffinade meist zu Quadern (nur noch selten zu Würfeln) gepresst, anschließend wieder getrocknet. Kandiszucker (auch Kandelzucker, Zuckerkandl) ist ein durch langsame Kristallisation einer im Vakuum eingedickten Zuckerlösung (an Kristallisationsfäden oder Zuckerimpfkristallen) gezüchteter Zucker. Er ist weiß (aus Kandisfarin gewonnen) oder bräunlich (mit Zuckerkouleur gefärbt). Hagelzucker (auch Perlzucker): grobes Granulat (2–3 mm Korngröße) feinen Zuckers, das zum Ausstreuen auf Gebäck oder als Brotbelag verwendet wird, aus Raffinade durch Agglomerieren hergestellt. Kristallzucker (auch Raffinade): meistgebrauchter weißer Haushaltszucker, aus Zuckerrohr oder Zuckerrüben hergestellt und durch Raffination gereinigt. Besteht zu mind. 99,96 % aus Saccharose, muss besonderen Reinheitsanforderungen entsprechen. Wird in verschiedenen Korngrößen hergestellt. Grieß- oder Sandzucker sind Kristallzucker mittlerer Körnung. Kastorzucker ist ein feinkörniger Kristallzucker – feiner als Sand- oder Grießzucker. Puderzucker (auch Staubzucker): fein vermahlener Weißzucker. Einzelne Kristalle sind nicht mehr fühlbar. Wird zum Bestäuben von Backwaren oder Desserts, für Glasuren, zum Anwirken von Marzipan und zum Karamellisieren verwendet. Imker benutzen Staubzucker, um über die Puderzuckermethode festzustellen, wie sehr ein Bienenvolk von Varroamilben befallen ist, also nur zur Diagnose, nicht zur Therapie der Varroose. Staubzucker ist in Deutschland kein zugelassenes Mittel zur Bekämpfung der Varroamilben. Instantzucker wird durch Sprühtrocknung hergestellt. Instantzucker ist extrem porös und löst sich in kalten Flüssigkeiten sehr schnell auf. Zuckerhut: Oben abgerundeter Kegel (Spitzenwinkel etwa 20–30°) aus ziemlich fester kristalliner Masse weißen Zuckers. Früher die übliche Handelsform für Zucker, heute fast nur noch zur Herstellung einer Feuerzangenbowle verwendet. Zuckerlompen werden aus Rohrzucker zu ungleichmäßigen Stücken gepresst. Sie lösen sich in heißen Getränken schneller als Kandis. Zuckerstreusel entstehen, indem Zuckermasse durch ein Lochblech gedrückt wird (Extrusion). Die dabei entstehenden Zuckerstränge werden anschließend getrocknet und gebrochen, teilweise auch noch gefärbt oder dragiert. Zuckersortiment Zusammensetzung Raffinade ist der kristallisierte schneeweiße Zucker mit dem höchsten Reinheitsgrad (99,96 % Saccharose, 0,04 % Invertzucker). Sie wird in verschiedenen Körnungen gehandelt und ist der Ausgangsstoff für Würfel-, Hut- und Puderzucker Weißzucker (auch: Affinade): eine durch Affination (Auswaschen) aus Rohrzucker hergestellte Zuckersorte Melis (auch: Mehlis): (von ) veraltete Bezeichnung für eine heute nicht mehr gebräuchliche, halbweiße (je nach Verarbeitung graue bis gelbe), in verschiedenen Stärken gemahlene oder als Brot oder Würfel geformte Zuckerart, welche in ihrer Reinheit zwischen Farin und Raffinade steht. Muskovade (Muscovado): ungereinigter und unraffinierter brauner Rohrzucker Bastardzucker (auch: Basterdzucker): feuchter, feinkörniger Mischzucker, der vor allem zur Herstellung von Backwaren verwendet wird. Bastardzucker besteht aus Saccharose und 1–4 % Invertzucker, teilweise mit Zusatz von Karamell. Diese Begleitstoffe entstehen bei der Gewinnung des Zuckers. Der Übergang zu Farin ist fließend. Der niederländische „Basterdsuiker“ ist seit 2013 eine garantiert traditionelle Spezialität. Farin (auch: Farinzucker; von franz. farine „Mehl“) wird aus den ersten Abläufen bei der Raffination gewonnen und ist daher ein schwach aromatischer, häufig gelb bis bräunlich gefärbter, invertzuckerhaltiger, trockener Kristallzucker mit malzigem Geschmack Roh- oder Gelbzucker (auch: Demerara-Zucker): aus Zuckerrohr oder -rüben gewonnener, nicht gereinigter Zucker, der durch Melassereste gelbbraun bis braun gefärbt und oft klebrig ist. Rohzucker ist schlecht haltbar und hat keine ernährungsphysiologischen Vorteile gegenüber gereinigtem Zucker. Er wird gelegentlich zu Kaffee serviert und auch bei der Herstellung von Gebäck und Süßigkeiten verwendet. Gebrauch und Zusatz Dekorierzucker ist feinster Puderzucker, vermischt man mit geringen Mengen Fett und Reisstärke zur Verzierung von Gebäck. Einmachzucker ist eine grobkörnige Raffinade, die besonders rein und auch durch die grobe Struktur ideal zum Einmachen von Obst und Gemüse ist, weil er beim Auflösen in großen Mengen nicht zum Verklumpen neigt wie Feinkristallzucker. In Österreich auch: Normalkristallzucker. Enthält kein Geliermittel. Flüssigzucker: wässrige Lösung von Saccharose. Trockensubstanz mind. 62 %. Wird häufig in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Fondant: gerührte Masse aus gekochtem Zucker und Glucosesirup, für die Zubereitung von Glasuren auf Gebäck und Torten, für Füllungen in Süßwaren, Pralinen und Konfekt. Gelierzucker für Konfitüren, Gelees und Marmeladen; aus Raffinade mit Pektin als Geliermittel sowie Citronensäure oder Weinsäure als Säuerungsmittel, teilweise auch mit Konservierungsstoffen. „Gelierzucker 1:2“ kann mit der gleichen Menge reinem Zucker gestreckt werden. Läuterzucker Flüssigzucker. Wird im Verhältnis 3:1 (Wasser:Zucker) gekocht und geklärt (vom Schaum befreit). Halbfabrikat der Nahrungsmittelindustrie. Dient als Süßungsmittel. Seidenzucker: besonders edle Verarbeitungsform von Rohr- oder Rübenzucker. Sirupzucker: Feinkristallzucker mit Pektinase oder Zitronensäure gemischt, für die Zubereitung von selbst gemachten Sirupen. Vanillezucker: Weißer Zucker mit Vanillemark gemischt. Vanillinzucker: Statt echter Vanille wird Vanillin-Aroma mit weißem Zucker vermischt. Weitere Zuckerprodukte Melasse: als dunkelbrauner Sirup verbleibender „Produktionsrest“ der Zuckerherstellung; dient der Alkohol- oder Hefenherstellung, wird auch als Viehfutter verwertet. Melasse aus Zuckerrohr dient der Rumherstellung. Sie dient auch als Nahrungsergänzungsmittel mit einem erhöhten Eisen- und Mineralstoffgehalt. Zuckerkulör: Lösung aus sehr dunklem und damit nicht mehr süßem Karamell, zum Färben von Speisen verwendet. Gesundheitliche Auswirkungen Der jährliche Zuckerkonsum lag 1997 in Österreich bei 40,4 Kilogramm pro Person und hat sich damit innerhalb der letzten 150 Jahre auf das Zwanzigfache gesteigert, was eine bedeutende Rolle als Ursache vermehrter Adipositas spielen dürfte. Leichtverdauliche Kohlenhydrate wie Zucker haben zudem größere Schwankungen des Insulinspiegels zur Folge, man spricht von einer höheren glykämischen Last, welches sich diesbezüglich ebenfalls negativ auswirkt. Im Jahr 2003 erstellte ein Gremium internationaler Experten im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) einen Report. Er konstatierte, dass, wer sich gesund ernähren wolle, weniger als 10 % der Energiemenge seiner Nährstoffe aus sogenanntem freien Zuckern (englisch: free sugars) beziehen sollte. Bei 2000 kcal entspricht es etwa 40–50 g pro Tag. Mit freien Zuckern sind Zucker gemeint, die den Lebensmitteln vom Hersteller, Koch oder Verbraucher zugesetzt werden, sowie Zucker, die natürlicherweise in Honig, Sirup und Fruchtsäften enthalten sind. Im Jahr 2009 gab die American Heart Association die Empfehlung heraus, dass die tägliche Aufnahme von Zucker bei maximal 45 g pro Tag (Männer) bzw. 30 g pro Tag (Frauen) liegen sollte. 2015 hat die WHO die 10-%-Grenze als „strong recommendation“ (starke Empfehlung) bekräftigt, sich jedoch im Hinblick auf die Vermeidung von Karies für eine zusätzliche Halbierung auf 5 % als „conditional recommendation“ (bedingte Empfehlung) ausgesprochen. Die neue Richtlinie der WHO hat Besorgnis bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) ausgelöst. Kai Kolpatzik, Präventionsexperte des AOK-Bundesverbands, fordert nun die Bundesregierung dazu auf, ähnlich wie auch für Alkohol und Nikotin, Maßnahmen gegen den erhöhten Zuckerkonsum der Deutschen zu treffen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft empfiehlt weiterhin eine maximale Menge von 10 % und bezieht sich dabei ausdrücklich auf die 2015 erschienene Richtlinie der WHO. Die auf vielen Lebensmitteln angegebene Nährwertkennzeichnung beruht auf einer Referenzmenge von 90 g pro Tag. Im Gegensatz zur Empfehlung der WHO ist hier die gesamte Menge Zucker gemeint, nicht nur die des freien Zuckers. Ernährungsphysiologisch bedenklich ist der erhöhte oder regelmäßige Konsum zuckerhaltiger Getränke, der zu Zivilisationskrankheiten wie dem Metabolischen Syndrom, Übergewicht, Adipositas und Diabetes mellitus – immer häufiger schon im Kindesalter – führt. Deshalb riet die Weltgesundheitsorganisation 2016 zur Zuckersteuer, um einen spürbaren Rückgang des Zuckerkonsums zu und daraus resultierenden Erkrankungen zu erreichen. Zuckersteuern wurden von Frankreich, Ungarn, Finnland und Mexiko eingeführt. Es wird diskutiert, ob regelmäßiger Zuckerkonsum auch als ein Risikofaktor für Osteoporose gilt. Ob Zucker ein Vitaminräuber sei, konnte bisher nicht bestätigt werden. Es wird diskutiert, ob Zucker die Entstehung von Krebs fördert und ob eine zuckerfreie Nahrung das Wachstum von Krebs behindern kann. Diese These (vgl. Warburg-Hypothese) hatte einige Anhänger auch unter Ärzten, wird aktiv erforscht, und es gibt Initiativen für eine „Krebsdiät“, die auf zuckerfreier oder zuckerarmer Ernährung basiert. Zahnkaries Die ursächliche Mitwirkung von Zucker bei der Entstehung von Zahnkaries ist heute unumstritten. Die bedeutendste Bakterienart ist Streptococcus mutans. Nahrungszucker gelangt durch Diffusion in die bakteriellen Zahnbeläge, wo sie zu intermediären Säuren abgebaut werden, welche unter einer hinreichend dicken Plaque lokal zur Entkalkung des Zahnschmelzes und dadurch zu Karies führen. Ebenfalls von Bedeutung sind Speichelzusammensetzung (Pufferkapazität, Lysozym-Gehalt), Zahnschmelzlöslichkeit (Fluoridierungsgrad) und Mundhygiene. Ob Zucker in Form von Haushaltszucker, Honig, leicht verdaulicher Stärke o. ä. aufgenommen wird, ist dabei bedeutungslos. Diabetes mellitus und Zuckerkonsum Die Zuckerkrankheit beruht entweder auf einer Autoimmunreaktion, die die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse schädigt (Typ 1), oder auf einer entwickelten Insulinresistenz (Typ 2). Folgen sind ein chronisch erhöhter Blutzuckerspiegel und, daraus folgend, ein erhöhter Insulinspiegel im Blut mit Heißhunger, Schlafproblemen, Stoffwechselstörungen mit Hypertriglyzeridämie und erniedrigtem HDL-Cholesterin, Übergewicht und Fettleibigkeit und ein meist sich entwickelndes Metabolisches Syndrom. Die WHO empfahl 2015 daher erstmals eine deutlich reduzierte Zuckeraufnahme mit der Nahrung für Kinder und Erwachsene. Hyperaktivität und Zucker Eine weit verbreitete Annahme – vor allem in den USA – ist, dass Zucker hyperaktives Verhalten fördere, ADHS-Symptome verschlimmere bzw. ADHS verursachen könne, insbesondere bei Kindern. Das National Institute of Mental Health der USA kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Mehrzahl der verfügbaren Studien dieser Theorie widersprechen. So wurden in einer Studie 35 Jungen im Alter von fünf bis sieben Jahren ausgewählt, deren Mütter angaben, dass ihre Söhne „zuckersensitiv“ seien. Die Mütter der Jungen wurden in zwei Gruppen geteilt. Denjenigen der einen Gruppe wurde gesagt, ihre Söhne hätten eine große Menge Zucker bekommen, während denen der anderen Gruppe (der Kontrollgruppe) gesagt wurde, ihre Söhne hätten ein Placebo bekommen. Tatsächlich hatten jedoch alle Kinder das Placebo (Aspartam) bekommen. Mütter, denen gesagt worden war, dass ihre Kinder Zucker bekommen hatten, schätzten das Verhalten ihrer Söhne signifikant stärker als hyperaktiv ein als die Mütter in der Kontrollgruppe. Auch wurde bei diesen Müttern ein anderes Verhalten beobachtet. So befanden sich diese Mütter öfter in der Nähe ihrer Söhne, kritisierten diese eher, sahen öfter nach und sprachen mehr zu ihnen, als es in der Kontrollgruppe der Fall war. In zwei anderen Studien wurde der Effekt von Zucker auf das Verhalten und das Lernen hyperaktiver Jungen untersucht. Die Forscher gaben den Kindern Lebensmittel, die entweder Zucker oder ein Placebo (Aspartam) enthielten. Die Kinder, die Zucker erhalten hatten, zeigten kein anderes Verhalten oder andere Lernfähigkeiten als diejenigen, denen man das Placebo gegeben hatte. Eine ähnliche Studie mit höheren Mengen Saccharose und einer zusätzlichen Saccharin-Kontrollgruppe kam zu gleichartigen Ergebnissen. Zuckersucht durch Zuckerkonsum Zahlreiche Studien haben den Zusammenhang von Zuckerkonsum und Suchterscheinungen („Abhängigkeitssyndromen“) untersucht; die Übertragbarkeit der meist in Laborexperimenten an Ratten vorgenommenen Ergebnisse ist wissenschaftlich umstritten, ebenso die Frage nach der Einordnung von Zucker als Droge. Zucker als nachwachsender Rohstoff Zucker hat als nachwachsender Rohstoff eine zunehmende Bedeutung. Dieser sogenannte Industriezucker wird vor allem als Disaccharid Saccharose aus Zuckerrohr oder Zuckerrüben gewonnen. Das Zuckerpolymer Stärke (ein Polysaccharid) besteht aus dem Monomer Glucose (ein Monosaccharid) und wird beispielsweise aus Getreide, Mais und Stärkekartoffeln gewonnen. Ein weiteres häufig vorkommendes Glucosepolymer ist Cellulose, die vor allem aus Holz gewonnen wird. Eine wichtige Verwendung ist die energetische Verwertung, wie die Herstellung von Bioethanol und anderen Biokraftstoffen aus Zucker oder Stärke oder die thermische Verwendung (Verbrennung) von Cellulose als Bestandteil von Brennholz. Eine große Bedeutung hat auch die stoffliche Nutzung von Zucker. Zum einen dienen sie in der Biotechnologie als Energie- und Kohlenstoffquelle in Fermentationsansätzen zur Herstellung von organischen Lösungsmitteln, verschiedenen Rohstoffen (z. B. zur Herstellung von Bioplastik) und anderem. In chemischen Verfahren werden Zucker als Rohstoff zur Herstellung von Tensiden, Polyolen und anderen Produkten eingesetzt. Der Industriezucker-Markt wird für die Europäische Union im Jahre 2016 auf 2 Millionen Tonnen geschätzt, die Verwendung zur Ethanol-Herstellung als Kraftstoff wird in der EU auf 1,5 Millionen Tonnen geschätzt, hier ist Brasilien führend (die USA erzeugen Ethanol vorwiegend nicht aus Zucker), das 2019 hauptsächlich aus Zuckerrohr 33,14 Millionen m³ Ethanol als Kraftstoffbestandteil erzeugte. Bräunung beim Backen und Rösten Die Braunfärbung beim Erhitzen (> 140 °C) beruht auf einer nichtenzymatischen chemischen Reaktion, der Karamellisierungsreaktion. Haushaltszucker schmilzt bei 186 °C. Die Braunfärbung kann daher schon unterhalb des Schmelzpunkts erfolgen, steigert sich aber ab 190 °C rapide. Der Schmelzpunkt des Zuckers eignet sich auch zur einfachen Temperatur-Kalibrierung eines Backofens. Andere Zuckerarten Neben dem hier beschriebenen Zucker aus Saccharose gibt es weitere Zuckerarten, die aus anderen Sacchariden (siehe dort für eine ausführlichere Übersicht und die chemischen Hintergründe) bestehen: Glucose (auch Dextrose, Traubenzucker): Wird aus Stärke hergestellt und ist als Einfachzucker der Grundbaustein vieler Mehrfachzucker. Kommt im Stoffwechsel des Menschen als sogenannter Blutzucker vor und ist neben Fruchtzucker einer der Hauptbestandteile des Honigs (22 bis 41 %). Fructose (Fruchtzucker): Einfachzucker und Grundbaustein vieler Mehrfachzucker. Wird in industriell hergestellten Lebensmitteln hauptsächlich als Glucose-Fructose-Sirup HFCS zugesetzt, der aus Maisstärke erzeugt wird. Invertzucker: Durch Hydrolyse (Inversion) von Saccharose entstandenes Gemisch, halb aus Traubenzucker, halb aus Fruchtzucker. Isoglucose (auch „Glucose-Fructose-Sirup“): in Getränken und Obstkonserven verwendet, ein durch Stärkeabbau gewonnenes Produkt, das zu ca. 51 % Glucose i. TS. und 42 % Fructose i. TS. besteht. Vorwiegend aus Mais- oder Weizenstärke hergestellt. Als HFCS-Sirup (von: High Fructose Corn Sirup) wird ein Isoglucose-Sirup bezeichnet, wenn der Fructoseanteil gegenüber der Glucose angereichert wurde. Siehe auch Maissirup. Mannose: Einfachzucker. Melezitose: Dreifachzucker, der im Honigtau (Ausscheidungsprodukt verschiedener Blattläuse) enthalten ist. Dadurch kommt diese Zuckerart auch im Waldhonig vor. Maltose (Malzzucker): Aus Stärke gewonnener Zucker, der bei der Produktion von Alkohol zum Einsatz kommt. Lactose (Milchzucker): in der Milch vorkommend, ist ein Zweifachzucker aus Glucose und Galactose. In der Pharmakologie häufig als Grundlage für Tabletten dienend. Wird von vielen Menschen, besonders Nichteuropäern, nach dem Säuglingsalter genetisch bedingt nicht mehr verdaut und führt dann oft zu Diarrhoe (siehe Laktoseintoleranz). Raffinose: Nicht süß schmeckender Dreifachzucker, kommt in vielen Pflanzen vor. Rhamnose: Ein der Mannose ähnlicher Einfachzucker. Stachyose: Ein Vierfachzucker, in Sojabohnen enthalten. Stärkezucker: Alle aus Stärke (z. B. Maisstärke) hergestellten Zuckerarten, u. a.: Isoglucose, Stärkesirup, Glucosesirup Maltodextrin; in der Industrie zunehmend verbreitet, häufige Alternative zu Zucker. Trehalose: kommt im Stoffwechsel verschiedener Pflanzen und Pilze und auch in der Hämolymphe vieler Insekten vor Zuckeralkohole: als Zuckeraustauschstoffe verwendet. Zuckerabbau bei Verdauung langsamer, als normaler Zucker. Bedeutsam für nicht insulinpflichtige Diabetiker z. B. Sorbit, Xylit, Mannit und Maltit. Weitere Süßungsmittel synthetisch hergestellte und aus Pflanzen extrahierte Süßstoffe: Acesulfam (E 950) Aspartam (E 951) Aspartam-Acesulfam-Salz (E 962) Cyclamat (E 952) Erythrit (E 968) Neohesperidin-Dihydrochalkon (E 959) Neotam (E 961) Saccharin (E 954) Sucralose (E 955) Steviosid (E 960) Thaumatin (E 957) nicht als Zusatzstoff zugelassene synthetische Süßstoffe giftiger „Bleizucker“ Pflanzliche Süßungsmittel: Aztekisches Süßkraut (Lippia dulcis) Johannisbrot, Karobe Lecanora esculenta (Mannaflechte), eine als Nahrungsmittel verwendete Flechte Luo Han Guo, aus China Früchte der Röhren-Kassie (fälschlicherweise „Manna“ genannt) die Pflanze Stevia rebaudiana mit dem daraus gewonnenen Stevia Süßdolde (Myrrhis odorata) Süßhölzer Zuckerrohr Zuckerwurzel (Sium sisarum), Zubereitungen Apfelkraut Lakritze (Glycyrrhiza glabra) Latwerge (Pflaumenmus, Powidl) Sirupe, wie Ahornsirup, Agavensirup, Birnendicksaft, Dattelsirup, Saft der Manna-Esche, Melasse, Palmzuckersirup, Rübensirup, Sorghum-Sirup Traubendicksaft, Yacón-Sirup u. a. Sirupe werden durch mehrmaliges Kochen eines zuckerhaltigen Pflanzensaftes hergestellt. Ihr hoher Zuckeranteil (Ahornsirup 65 %, Rübensirup 62 %, Birnendicksaft 78 %) wirkt für das Produkt konservierend. Siehe auch Zuckerforschung der Fa. Agrana Zucker-Museum Süßwaren Hypoglykämie (Unterzuckerung) Hyperglykämie Ketosen Film Die große Zuckerlüge Dokumentarfilm von Roxana Spicer und Michèle Hozer, 2015, 85 Minuten, arte Literatur Julia Luibrand: Avignon - Zucker erobert Europa, Museum Humpis-Quartier, Ravensburg 2018 (Die Humpis in Europa, Band 3), ISBN 978-3-00-059253-9. Sidney W. Mintz: Die süße Macht. Kulturgeschichte des Zuckers (= Campus. Band 1055). Campus-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 1992, ISBN 3-593-34721-0. Erich Reinefeld, Klaus Thielecke: Die Technologie des Zuckers. In: Chemie in unserer Zeit. Band 18, Nr. 6, 1984, S. 181–190, doi:10.1002/ciuz.19840180602. Ferdinand Schneider (Hrsg.): Technologie des Zuckers. 2., völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage. Schaper, Hannover, 1968. Georg Schwedt: Zuckersüße Chemie. John Wiley & Sons, 2014, ISBN 978-3-527-69039-8. Andrew F. Smith: Sugar. A global history. Reaktion Books, London 2015, ISBN 978-1-78023-434-2. Pieter W. van der Poel, Hubert Schiweck, Thomas Schwartz: Zuckertechnologie, Rüben- und Rohrzuckerherstellung. Bartens, Berlin 2000, ISBN 3-87040-070-6. James Walvin: Zucker. Eine Geschichte über Macht und Versuchung. Oekom, München 2020, ISBN 978-3-96238-179-0. Weblinks Zucker Empfehlungen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit Einzelnachweise Nachwachsender Rohstoff
Q11002
667.420363
81360
https://de.wikipedia.org/wiki/Rastergrafik
Rastergrafik
Eine Rastergrafik, auch Pixelgrafik (englisch raster graphics image, digital image, bitmap oder pixmap), ist eine Form der Beschreibung eines Bildes in Form von computerlesbaren Daten. Rastergrafiken bestehen aus einer rasterförmigen Anordnung sogenannter Pixel, denen jeweils eine Farbe zugeordnet ist. Die Hauptmerkmale einer Rastergrafik sind daher die Bildgröße, umgangssprachlich auch Bildauflösung genannt, sowie die Farbtiefe. Die Erzeugung und Bearbeitung von Rastergrafiken fällt in den Bereich der Computergrafik und Bildbearbeitung. Eine andere Art der Beschreibung von Bildern sind Vektorgrafiken. Eigenschaften Die meisten digitalen Bilder sind Rastergrafiken. Fotos, die mit einer Digitalkamera gemacht werden, werden in einem Pixelraster gespeichert, das üblicherweise als Bitmap bzw. Bitmap-Grafik bezeichnet wird. Je größer das Bild, desto mehr Speicherplatz belegt die Bilddatei. Da Rastergrafiken so viele Informationen speichern müssen, erfordern große Bitmaps große Dateigrößen. Es wurden mehrere Kompressionsalgorithmen entwickelt, um diese Dateigrößen zu reduzieren. PNG, JPEG und GIF sind die am häufigsten verwendeten komprimierten Grafikformate im World Wide Web. Es gibt jedoch auch andere Arten der Bildkompression. Rastergrafiken können normalerweise ohne Qualitätsverlust verkleinert werden. Wenn ein Bitmap-Bild jedoch vergrößert wird, sieht es unscharf aus. Aus diesem Grund werden häufig Vektorgrafiken für bestimmte Bilder verwendet, z. B. Firmenlogos, die auf unterschiedliche Größen skaliert werden müssen. Anwendungen Rastergrafiken eignen sich zur Darstellung komplexerer Bilder wie Fotos, die nicht mit Vektorgrafiken beschreibbar sind. Rastergrafiken können aus vorhandenem Material – etwa mit einem Scanner oder einer Digitalkamera – digitalisiert oder mit Bildbearbeitungssoftware erstellt werden. Die Pixel einer Rastergrafik können nur Informationen wie die Farbe enthalten. In letzteren Anwendungsgebieten haben Rasterdaten gegenüber Vektordaten den Nachteil, dass sie relativ ungenau sind und sich schlecht für topologische Analysen eignen. Minimalistische Pixelgrafiken sind inzwischen zu einer populären Kunstform geworden. Das Spektrum der sogenannten Pixel-Art reicht dabei von Handylogos über Websites bis hin zu TV-Spots und Werbeplakaten. Von ihrer Beschaffenheit her ähneln Pixelgrafiken traditionellen Techniken wie dem Mosaik und der Kreuzstickerei. Nachteile Heutige Computerbildschirme werden ausschließlich über eine Rastergrafik, die im Framebuffer abgelegt ist und den gesamten Bildschirminhalt enthält, angesteuert. Daher müssen Vektorgrafiken vor der Ausgabe gerastert werden. Bei der Ausgabe auf manchen Druckern übernimmt ein Raster Image Processor diesen Schritt. Alle Drucker mit linearem Papiervorschub eignen sich für die Wiedergabe von Pixelgrafiken, während Plotter mit linienorientierten Vektorgrafiken angesteuert werden sollten. Die bekanntesten Grafikformate für Rastergrafiken sind PNG, GIF, JPEG, TIFF und BMP. Einige dieser Formate wenden verlustfreie oder verlustbehaftete Bildkompression an. Zu den Nachteilen von Raster- gegenüber Vektorgrafiken gehört der meist relativ hohe Speicherverbrauch. Da Rastergrafiken nur aus einer begrenzten Anzahl von Pixeln bestehen, werden zweidimensionale geometrische Formen nur angenähert. Dabei tritt der Treppeneffekt oder gar der Alias-Effekt zutage, die mittels Antialiasing gedämpft werden können. Bei geometrischen Transformationen einer Rastergrafik, wie etwa der Skalierung, können Informationen verloren gehen oder Farbtöne erzeugt werden, die vorher nicht vorhanden waren. Umwandlung Die Umwandlung einer Vektorgrafik in eine Rastergrafik nennt sich Rasterung. Dieser Vorgang erfolgt jedes Mal, wenn eine Vektorgrafik auf dem Bildschirm dargestellt oder ausgedruckt wird. Der umgekehrte Weg, die sogenannte Vektorisierung von Rastergrafiken, ist wesentlich schwieriger. Sie kann manuell durch Nachzeichnen erfolgen, oder aber durch spezielle Funktionen eines Vektorgrafikprogramms wie zum Beispiel die Funktion Trace Bitmap von Inkscape, oder auch durch spezialisierte Programme wie Corel PowerTRACE oder Potrace. Dieser Weg ist zudem oft fehlerbehaftet, da grafische Primitive wie Geraden, Kreise oder Kurven in der Rastergrafik nur ungenau abgebildet sind und daher nicht exakt erkannt werden können. Besonders große Probleme entstehen durch Farb- oder Helligkeitsgradienten in Rasterbildern, die beim Vektorisieren nur als diskrete Bänder (Banding) ungenügend approximiert werden. Siehe auch Liste von Dateiformaten für Rastergrafiken Literatur Weblinks Einzelnachweise Computergrafik Druckraster
Q182270
142.131191
75368
https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtrat
Stadtrat
Ein Stadtrat ist in Deutschland ein zur Gemeindevertretung oder Gemeindeverwaltung in Städten berufenes Kollegialorgan oder ein Mitglied eines solchen Organs. Ähnliches gilt für Italien, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Spanien, Schweden und andere demokratische Länder. In einigen deutschen Ländern ist Stadtrat auch die Bezeichnung eines Dezernenten einer Stadtverwaltung. In Österreich ist Stadtrat die Bezeichnung für eine Stadtregierung bzw. deren Mitglied. In Statutarstädten (z. B. in Wien) wird der Stadtrat als Kollegialorgan Stadtsenat genannt. In der Schweiz bezeichnet Stadtrat je nach Kanton entweder die legislative (gesetzgebende) städtische Behörde, also das Gemeindeparlament, oder noch häufiger die exekutive (ausführende) Behörde, also die Stadtregierung. In Deutschland, Österreich und Italien hat das Exekutivorgan Stadtrat nie gesetzgebende Funktion. In den Stadtstaaten Hamburg (Bürgerschaft), Berlin (Abgeordnetenhaus) und Wien (Landtag) obliegt diese Funktion dem jeweiligen gesamtstaatlichen Parlament bzw. dem Parlament des Stadtstaates, in das der Stadtrat Gesetzentwürfe einbringen kann. In Italien liegt die legislative Funktion beim nationalen Parlament, den Regionalräten und den Landtagen von Trentino und Südtirol. Deutschland In vielen deutschen Ländern ist Stadtrat die Bezeichnung der Stadtvertretung, also der kommunalen Volksvertretung in den Städten (in anderen Gemeinden: Gemeinderat). Auch die Mitglieder des Gremiums Stadtrat werden zum Teil als Stadträte bezeichnet. Der Stadtrat ist im Rahmen der kommunalen Rechtsetzungshoheit wichtigstes Organ der kommunalen Selbstverwaltung. Die ersten weiblichen Stadträte Deutschlands wurden im Oktober 1919 in Königsberg (Pr.) (Charlotte Melzer geb. Linde (1890–1971), Martha Harpf (1874–1942) und Emma Rohrer.) und in Kassel (Johanna Vogt (1862–1944)) gewählt. In wenigen Ländern (z. B. Hessen) ist Stadtrat die Bezeichnung für die Mitglieder des Magistrats (Exekutive) einer Stadt. Stadträte haben grundsätzlich und überwiegend den Status eines Ehrenbeamten. In der Hauptsatzung der Gemeinde kann bestimmt werden, dass ein Stadtrat als Wahlbeamter hauptamtlich tätig wird. Ihm werden vom Bürgermeister als Dezernent Teile der Stadtverwaltung eigenverantwortlich unterstellt. Dezernenten können auch Bezeichnungen wie Stadtbaurat (Baudezernent) oder Stadtkämmerer (Finanzdezernent) führen. Der Vertreter des Bürgermeisters führt den Titel „Erster Stadtrat“. In den Bundesländern, in denen der Begriff „Stadtrat“ so verwendet wird, wird das Kommunalparlament nicht als Stadtrat bezeichnet, sondern als Stadtverordnetenversammlung, „Stadtvertretung“ oder „Rat der Stadt“. Die Mitglieder heißen entsprechend „Stadtverordnete“ oder „Stadtvertreter“. In Bayern wird für Dezernenten die Bezeichnung „berufsmäßiges Stadtratsmitglied“ gewählt, um Verwechslungen mit ehrenamtlichen, von den Bürgern gewählten Stadtratsmitgliedern zu vermeiden. In Baden-Württemberg führen in Städten die Mitglieder des Gemeinderats die Bezeichnung Stadtrat. In der Hauptstadt der DDR und nach der deutschen Wiedervereinigung bis zur Wahl eines Gesamt-Berliner Senats nach den Wahlen vom 2. Dezember 1990 hießen die Mitglieder der Ost-Berliner Stadtregierung (Magistrat) Stadtrat („Der Oberbürgermeister und die Stadträte“). Die neue Ost-Berliner Landesverfassung von 1990 hob sie dann in den Rang von Landesministern. Für sie galt das Senatorengesetz (in leicht modifizierter Fassung zum West-Berliner Senatorengesetz). Laut Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR wurde Berlin von der Wiedervereinigung Deutschlands bis zur Bildung einer Gesamtberliner Landesregierung von Senat und Magistrat gemeinsam regiert. Alle Beschlussvorlagen trugen beispielsweise, egal ob sie für den Ostteil oder den Westteil galten, die Unterschriften vom West-Senator und vom Ost-Senator. Die Besoldungsgruppe betrug für alle Senatoren und Stadträte der Landesregierung B11. Im Gegensatz zur Landesebene heißen die Dezernenten in den Bezirken von Berlin (Kommunalebene) Bezirksstadtrat, sie sind kommunale Wahlbeamte, die nach der Besoldungsgruppe B4 besoldet werden. Als Exekutive wirkt die Bezirksverordnetenversammlung, deren Mitglieder Bezirksverordnete/r genannt werden. Österreich Als Stadtrat wird das Kollegialorgan (das aus mehreren Personen bestehende Gremium) bezeichnet, das gemäß § 117 Abs. 1 lit. b Bundes-Verfassungsgesetz 1920 als Gemeindevorstand einer Stadtgemeinde fungiert; ebenso wird das einzelne Mitglied des Gremiums als Stadtrat bezeichnet. Statutarstädte (Städte mit eigenem Statut) fungieren auch als Bezirksverwaltungsbehörde. In ihnen lautet die Bezeichnung des Kollegialorgans gemäß dieser Verfassungsregel Stadtsenat; seine Mitglieder sind ebenfalls Stadträte. Unterschiedliche Kompetenzen der Stadträte bzw. Stadtsenate in der Gemeindeverwaltung ergeben sich aus den Detailregelungen, die in den jeweiligen Landes-Gemeindeordnungen und den Stadtstatuten erfolgt sind. Der Stadtrat oder Stadtsenat wird vom Gemeinderat aus den Reihen seiner Mitglieder gewählt. Der Stadtrat bzw. der Stadtsenat hat – wie der Gemeinderat – nur exekutive und keine legislativen Befugnisse. Je nach Statut der Stadt kann die Vergabe der Stadtratposten nach dem Proporz vorgeschrieben sein, dann können auch Angehörige der Opposition dem Stadtrat angehören. In der Regel sind aber auch diese mit einem Ressort betraut, wodurch eine konstruktive Zusammenarbeit in der Stadtpolitik notwendig ist. Nur in Wien gibt es wegen der großen Anzahl (zwischen neun und 15) neben amtsführenden Stadträten auch nicht amtsführende oder Stadträte ohne Ressort, die neben ihrer Tätigkeit im Kollegialorgan gar nicht mit der Leitung bestimmter Ressorts der Stadtverwaltung betraut sind. Da diese durch Wahl mit Mehrheit im Gemeinderat vergeben werden, bleiben die Stadträte der Opposition ohne Amtsbereich und damit nicht amtsführend. Sie sind zwar in den Sitzungen des Stadtrates vertreten, bekommen Infrastruktur und Gehalt wie amtsführende, aber eine Zusammenarbeit mit ihnen ist nicht notwendig. Sie können – mangels Ressortzuständigkeit – dann auch nicht durch ein Misstrauensvotum aus dem Senat abgewählt werden. In Wien sind die Stadträte aufgrund der Doppelfunktion als Stadt und Land gleichzeitig Mitglieder der Wiener Landesregierung. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 31. Mai 1920 bestand in Wien als Exekutivausschuss des Wiener Gemeinderates ein 30-köpfiger Stadtrat unter Vorsitz des Bürgermeisters. In der Gründungsphase der Republik amtierten der Stadtrat Weiskirchner (1918/1919) und der Stadtrat Reumann (1919/1920). Schweiz Exekutive – In Zürich und vielen anderen Städten der Deutschschweiz ist der Stadtrat die Exekutive, die Legislative heisst dann meist Gemeinderat. Legislative – In Bern und den anderen Städten des Kantons Bern ist es genau umgekehrt: Das Parlament heisst Stadtrat, die Regierung heisst dagegen in sämtlichen Gemeinden unabhängig ihrer Grösse Gemeinderat. Einige Städte (z. B. Luzern, Schaffhausen) unterscheiden zwischen dem Stadtrat (inoffiziell auch „kleiner Stadtrat“) als Exekutive und dem Grossen Stadtrat als kommunalem Parlament (Legislative). Südtirol (Italien) In Südtirol werden in Stadtgemeinden sowohl die Stadtregierungen als auch deren einzelne Mitglieder als Stadträte bezeichnet. In den Landgemeinden wird das Leitungsgremium hingegen Gemeindeausschuss genannt; dessen Mitglieder werden wahlweise entweder als Gemeindereferenten oder (analog zur italienischen Form) Gemeindeassessoren bezeichnet. Siehe auch Gemeindeordnungen in Deutschland Gemeinderat Jugendgemeinderat Weblinks Einzelnachweise Kommunalpolitik (Deutschland) Kommunalpolitik (Österreich) Kommunalpolitik (Schweiz)
Q3154693
128.566857
1003051
https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%A8rriais
Jèrriais
Jèrriais ist eine vom Aussterben bedrohte Sprache in Jersey (Jèrri) und wird von den Einheimischen auf Englisch auch Jersey-French genannt. Es gehört zur normannischen Dialektgruppe der Langues d’oïl. Jèrriais ist in den Schulen Jerseys kein Hauptfach mehr, kann jedoch als Nebenfach belegt werden. Weblinks Les Pâraîsses d'Jèrri en Jèrriais (Karte der zwölf Gemeinden Jerseys in Jersey-French, mit Tonbeispielen) Erklärungstafel zur sprachlichen Herkunft von Straßennamen auf Jersey. Bildbeschreibung auf Englisch, auf Französisch und auf Jèrriais – Ch’t êcritchieau-chîn explyique les noms d’rue d’St. Hélyi en Angliais, en Français et en Jèrriais. Kultur (Kronbesitzungen) Langues d’oïl Jersey
Q56430
158.872039
211426
https://de.wikipedia.org/wiki/Raubfliegen
Raubfliegen
Die Raubfliegen oder Jagdfliegen (Asilidae) sind eine Familie der Zweiflügler (Diptera) und werden innerhalb der Fliegen (Brachycera) zu den Spaltschlüpfern (Orthorrapha) gezählt. Weltweit sind etwa 7500 Arten bekannt, aufgeteilt in 565 Gattungen. Davon leben über 580 Arten in Europa und 81 Arten sind aus Deutschland bekannt. Durch ihre räuberische Lebensweise haben die Tiere einen bedeutenden Einfluss auf die Regulierung in Ökosystemen, vor allem da sie vornehmlich pflanzenfressende Insekten jagen. Es handelt sich um mittelgroße bis große Fliegen, die Mordfliegen (Laphria) werden z. B. bis 30 Millimeter groß. Merkmale der Raubfliegen Aufgrund ihrer Größe sind einige Arten dieser Gruppe sehr auffällig, so etwa die Mordfliegen, welche häufig auf Lichtungen und alten Kahlschlägen vorkommen oder die Hornissenraubfliege (Asilus crabroniformis) mit ihrem schwarzgelben Hinterleib und brauner Brust. Die Leptogaster-Arten sind dagegen libellenartig schlank. Die meisten Raubfliegen sind außerdem stark behaart. Bei vielen Arten ist der Hinterleib gegenüber dem Thorax sehr schmal, bei anderen entspricht er in seiner Breite dem Brustbereich. Die Beine dienen als Fangbeine, aus diesem Grund besitzen sie besonders an der Spitze kurze und verdickte Borsten und sind hakenartig gekrümmt. Typisch sind bei allen Raubfliegen einige Merkmale des Kopfes, etwa die Stirnfurche zwischen den Facettenaugen und dem dazwischen liegenden Höcker mit den drei Punktaugen. Die Facettenaugen selbst sind sehr groß, wobei die Größe der Einzelfacetten zum Zentrum hin zunimmt. Die Mundwerkzeuge sind etwa kopflang und als Stech- und Saugrüssel ausgebildet, wobei sie allerdings anders als die der Stechmücken oder Bremsen zugleich auch die Beute festhalten müssen. Bei einigen Arten ist ein regelrechter Bart aus Borsten ausgebildet. Lebensweise der Raubfliegen Raubfliegen besiedeln vor allem offene Lichtungen und Flächen und jagen vornehmlich bei höheren Temperaturen. Nach verschiedenen Untersuchungen sind die optimalen Temperaturen für die meisten Arten höher als 20 Grad Celsius, mit zunehmender Kälte werden sie inaktiver. Als Augenjäger bevorzugen sie gut beleuchtete und wenig strukturierte Jagdgebiete, wobei sie häufig Baumstämme oder andere höher gelegene Abflugpunkte wählen. Raubfliegen ernähren sich vor allem von anderen Insekten. Sie besitzen sehr harte Stechborsten, gebildet aus dem Hypopharynx und den Galeae, mit denen beispielsweise die Mordfliegen sogar den Panzer verschiedener Käfer durchstechen können. Zu ihren Beutetieren gehören dementsprechend auch Pracht- und Rüsselkäfer. Musso hat 1978 nachgewiesen, dass der Speichel der Fliegen ein Insekten tötendes Gift enthält; außerdem sind in ihm Verdauungssekrete enthalten, welche die Beute vorverdauen. Die Beute wird meist im Flug erjagt und in einem Stoßflug mit den Vorderbeinen gepackt. Dabei erfolgt der Abflug meist von leicht erhöhten Lauer-Positionen, etwa einem Baumstumpf. Die Beute wird wahrscheinlich optisch wahrgenommen und mit Kopfbewegungen fixiert. Eine Beutespezialisierung dieser Fliegen ist weitgehend unbekannt. Die Wolfsfliegen oder Steifbärte der Gattung Dasypogon erbeuten fast ausschließlich Honigbienen, Hummeln und andere Stechimmen und erhielten deshalb den englischen Beinamen „bee-catcher“. Einige Arten erbeuten auch Spinnen. Die Beute ist oft größer als der Jäger. Grundsätzlich ähnelt das Jagdverhalten sehr dem der Libellen. Verbreitung Raubfliegen leben auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Antarktika. Aktuell ist die größte Artenvielfalt aus den Subtropen bekannt, wobei die tropischen Regenwälder bisher nur unzureichend untersucht wurden. Viele der Arten oder Gattungen sind dabei regional typisch. Von der Inselgruppe Hawaii sind weder eingeschleppte noch heimische Arten bekannt, während auf vielen anderen Inselgruppen die Tiere zur lokalen Fauna gehören. So findet man auf beinahe allen Inselgruppen Südostasiens Raubfliegen, außerdem immer einige Arten auf den Fidschi-Inseln, Samoa und Neuseeland. Selbst von der Weihnachtsinsel ist eine Art bekannt. Zumindest Clinopogon nicoberensis ist aus fast allen Gebieten und Inseln des Indischen Ozeans und des östlichen Pazifiks bekannt. Keine einzige Art ist bis heute weltweit verbreitet. Die meisten Artengruppen lassen sich direkt Regionen zuordnen. So kommen etwa die Vertreter der Megapodinae nur in der Neotropis (tropische Region Amerikas) vor, hier konzentrieren sich auch die Vertreter der Atomosiini und bestimmter Gattungen der Damalini (Holcocephala-Gruppe) sowie die Gattungen Diogmites (Dasypogoninae) und Nerax (Asilinae). Die beiden letztgenannten Gattungen kommen wahrscheinlich aus Mexiko, sind heute jedoch auch über weite Teile der USA verbreitet. Vertreter der Gattungen Laphria, Cyrtopogon, Lasiopogon und Asilus finden sich vornehmlich in der nördlichen Hemisphäre, also in Eurasien und Nordamerika. Die Neolophonotus-Gruppe (Asilinae) und die Gattung Microstylum (Dasypogoninae) kommt vor allem in Südamerika vor. In Südasien und der Südostasiatischen Inselwelt finden sich die metallisch glänzenden Maira-Arten. Die weitaus größte Anzahl der Raubfliegen lebt in sandigen und weitgehend trockenen Gebieten; vor allem in Wüsten und Halbwüsten finden sich eine Reihe von Arten, obwohl sie sich auch hier eher in der Nähe von kleinen Wasserläufen oder Vegetationsinseln aufhalten, da sich dort für die Fliegen die meiste Vegetation und auch die höchste Anzahl an Beuteorganismen findet. In den gemäßigten Klimabereichen finden sich die Tiere häufig in Waldgebieten, einige Arten können auch in Sümpfen oder feuchten Wäldern leben. Innerhalb der Wälder halten sich die Fliegen dabei wiederum vornehmlich in den Bereichen von Lichtungen auf, selbst im tropischen Regenwald findet man sie meist im Übergangsbereich zum Grasland. Entsprechend gibt es auch viele Arten in den Steppen und Savannen, die vermutlich nach den Halbwüsten die meisten Arten beherbergen. Allein in Kalifornien sind aufgrund der sehr unterschiedlichen Lebensräume und der langgezogenen Form des Landes etwa 419 Arten bekannt. In die Kälteregionen der Tundra dringen offensichtlich nur die Lasiopogon-Arten vor, die dort entlang der Flussläufe leben, während Cyrtopogon in den Gebirgen bis in Höhen von vorkommt. Fortpflanzung Die Begattung der Raubfliegen beginnt artspezifisch in der Luft oder am Boden. Bei einigen Arten wird sie durch Verfolgungsjagden der Partner eingeleitet, bei zahlreichen Arten, wie Heteropogon lautus und Pycnopogon fasciculatus, ist eine Flugbalz des Männchens vor dem sitzenden Weibchen bekannt. Nicht nur Männchen der Gattung Promachus sind mit besonderen Signalgebern (markant gefärbte und behaarte Beine etc.) zur Beschwichtigung der Weibchen ausgestattet. Auch die Paarung selbst unterscheidet sich bei den Arten. Einige Arten sitzen dabei aufeinander, andere bilden einen Winkel, schauen komplett in entgegengesetzte Richtungen oder wechseln während der Paarung die Stellung. Die Eiablage ist sehr unterschiedlich, so lassen die Leptogaster- und die Habichtsfliegen (Dioctria) ihre Eier meist im Flug fallen („Random egg-dropping“), Laphria-Arten legen die Eier in Holz- und Rindenritzen, Philonicus-Arten graben sie mit einer speziellen Legeröhre in den Sand ein. An Pflanzen, insbesondere die Basis von Blättern legen die Dysmachus-Arten ihre Eier ab. Die Eier sind langoval und bis zu dreimal so lang wie breit, manchmal jedoch auch nur 1,5mal so lang. Die Hülle ist weich und bei den meisten Arten nicht ornamentiert. Die Farbe variiert von weiß über gelblich bis hellbraun. Von einigen Arten ist bekannt, dass die Eier während der Eiablage mit einem seidigen Gespinst und einer harten Sandschicht geschützt werden (Dasypogon, Antipalus). Dieses Verhalten erinnert sehr an das der verwandten Wollschweber, ist aber wohl unabhängig voneinander entstanden. Larvalentwicklung Die Larven sind teilweise schlank, teilweise mehr gedrungen und besitzen charakteristische Borsten am letzten und den drei ersten Segmenten sowie Kriechwarzen an der Unterseite. Die Kopfkapsel ist in der Regel schmaler als der Brustbereich und nach unten gerichtet. Sie ist durch eine leichte Sklerotisierung meist hellbraun und besitzt sehr kräftige Mandibeln an der Unterseite. Die Larven besitzen neun Hinterleibssegmente, wobei die beiden letzten teilweise verschmolzen sind, das größte Hinterleibssegment ist das siebente. Die Larven schlüpfen nach wenigen Tagen bis Wochen und leben im Boden, unter Rinde und in Larvengängen anderer Insekten. Sie ernähren sich von anderen Insektenlarven, vor allem pflanzenfressenden Käferlarven nach bisherigen Erkenntnissen. In der Literatur finden sich noch immer Hinweise auf zerfallendes Pflanzenmaterial als Nahrung. Dabei handelt es sich wohl um eine Fehldeutung der Versuche von Melin (1923), der lediglich feststellte, dass die L1-Larven sich auch ohne tierische Nahrung zur L2-Larve entwickeln. Musso (1978) konnte u. a. an Machimus rusticus nachweisen, dass weitere Larvenstadien nur über ekto- und endoparasitische Ernährung erreicht werden. Die Larven von Nerax femoratus ernähren sich vermutlich von Heuschreckeneiern. Die Entwicklung der Larven kann mehrere Jahre dauern, im Winter kommt es zu einer Diapause. Im Gegensatz zu den Larven der verwandten Stilettfliegen, bewegen sich die im Boden lebenden Larven in tieferen Schichten. Daher ist das Auffinden durch Ausgraben sehr unergiebig. Die Puppen sind beweglich und können sich mit Hilfe von Haken und Dornenkränzen aus dem Substrat arbeiten. Im Frühling bzw. in klimatisch begünstigten Perioden kann man dann die erwachsenen Tiere (Imagines) in größeren Mengen beim Schlüpfen aus den Puppenexuvien beobachten. Evolution Die Evolution der meisten Fliegenfamilien ist nur sehr vage bekannt und stützt sich mehr auf Vermutungen als auf fossile Belege. Häufig wird zu diesem Zweck (wie bei anderen Tiergruppen auch) die noch recht ungenaue Molekulare Uhr angewendet, die auf einer Errechnung von Artspaltungsprozessen aufgrund von genetischen Unterschieden basiert. Allgemein geht man heute offensichtlich von einer Bildung der meisten Familien der Zweiflügler im Mesozoikum aus, nach Papavero (1973) sollen auch die Raubfliegen dort entstanden sein. Der Fossilbefund reicht bis in die Kreide, möglicherweise sogar den Jura, wobei auch für die folgenden Zeitalter zahlreiche Fossilien bekannt sind. Sehr viele Nachweise stammen aus dem Bernstein. Hull (1962) nimmt noch auf der Basis dieses Fossilbefundes eine Spaltung innerhalb der Raubfliegen zu Beginn des Eozäns an, heute muss man diesen Zeitpunkt deutlich rückdatieren. Systematik Die Raubfliegen werden gemeinsam mit einigen anderen Fliegentaxa der Überfamilie der Raubfliegenartigen (Asiloidea) zuordnet, die genauen systematischen Verhältnisse innerhalb dieser Gruppe sind bislang nicht vollständig geklärt, die Raubfliegen bilden hier entweder die Schwestergruppe eines gemeinsamen Taxons aus Fensterfliegen (Scenopinidae) und Luchsfliegen (Therevidae) oder einem Taxon bestehend aus Mydidae und Apioceridae, alle fünf Familien gemeinsam stehen den Wollschwebern (Bombyliidae) gegenüber. Die phylogenenetische Systematik innerhalb der Raubfliegen ist wie bei vielen anderen Insekten weitgehend unbekannt. Unstrittig ist die Monophylie der Raubfliegen als solche, innerhalb des Taxon wurden jedoch auf unterschiedlichen Wegen verschiedene Gruppierungen erreicht. Klassischerweise werden die Raubfliegen in vier Unterfamilien aufgeteilt: die Asilinae, die Dasypogoninae, die Laphriinae und die Leptogastrinae. Diese Unterteilung basiert auf verschiedenen morphologischen Merkmalen, vor allem auf der Beborstung am Körper, der Flügeläderung und der Ausstattung der Mundwerkzeuge. Neuere Untersuchungen, unter anderem auf molekularer Basis, unterscheiden demgegenüber bis zu elf Taxa auf der Ebene der Unterfamilien. Die bisher fast ausschließlich morphologisch erfolgte Untersuchung wird seit wenigen Jahren durch molekulargenetische Untersuchungen ergänzt. Gattungen und Arten (Auswahl) In der folgenden Auflistung finden sich ausschließlich Arten aus Mitteleuropa: Unterfamilie Asilinae Aneomochtherus Antipalus Goldafterfliege (Antipalus varipes) Antiphrisson Asilus Hornissen-Raubfliege (Asilus crabroniformis) Didysmachus Dysmachus Säbel-Raubfliege (Dysmachus trigonus) Echthistus Erax Eutolmus Barbarossa-Fliege (Eutolmus rufibarbis) Machimus Seiden-Raubfliege (Machimus arthriticus) Schlichte Raubfliege (Machimus rusticus) Neoepitriptus Neoitamus Knoten-Strauchdieb (Neoitamus cothurnatus) Gemeiner Strauchdieb (Neoitamus cyanurus) Kleiner Strauchdieb (Neoitamus socius) Neomochtherus Garten-Raubfliege (Neomochtherus geniculatus) Striemen-Raubfliege (Neomochtherus pallipes) Pamponerus Philonicus Sand-Raubfliege (Philonicus albiceps) Pogonosoma Pogonosoma maroccanum Rhadiurgus Nordische Raubfliege (Rhadiurgus variabilis) Stilpnogaster Stilpnogaster aemula Tolmerus Gemeine Raubfliege (Tolmerus atricapillus) Tolmerus calceatus Burschen-Raubfliege (Tolmerus cingulatus) Cowins Raubfliege (Tolmerus cowini) Tolmerus maximus Marmorierte Raubfliege (Tolmerus micans) Kleine Raubfliege (Tolmerus pyragra) Strands Raubfliege (Tolmerus strandi) Unterfamilie Dasypogoninae Dasypogon Große Wolfsfliege (Dasypogon diadema) Dasypogon melanopterus Leptarthrus Echte Schneidenfliege (Leptarthrus brevirostris) Molobratia Kleine Wolfsfliege (Molobratia teutonus) Unterfamilie Laphriinae Andrenosoma Choerades Kleine Mordfliege (Choerades femorata) Fransen-Mordfliege (Choerades fimbriata) Zinnober-Mordfliege (Choerades ignea) Gemeine Mordfliege (Choerades marginata) Laphria Sattel-Mordfliege (Laphria ephippium) Gelbe Raubfliege (Laphria flava) Unterfamilie Leptogastrinae Leptogaster Gemeine Schlankfliege (Leptogaster cylindrica) Wald-Schlankfliege (Leptogaster guttiventris) Kleine Schlankfliege (Leptogaster pubicornis) Klöppel-Schlankfliege (Leptogaster subtilis) Unterfamilie Stenopogoninae Cyrtopogon Kleine Makelfliege (Cyrtopogon lateralis) Dioctria Schwarze Habichtsfliege (Dioctria atricapilla) Beulen-Habichtsfliege (Dioctria cothurnata) Gemeine Habichtsfliege (Dioctria hyalipennis) Gefleckte Habichtsfliege (Dioctria lateralis) Gestreifte Habichtsfliege (Dioctria linearis) Große Habichtsfliege (Dioctria oelandica) Höcker-Habichtsfliege (Dioctria rufipes) Holopogon Schmuck-Rabaukenfliege (Holopogon nigripennis) Unterfamilie Stichopogoninae Lasiopogon Gemeiner Grauwicht (Lasiopogon cinctus) Stichopogon Literatur Danny Wolff, Markus Gebel, Fritz Geller-Grimm: Die Raubfliegen Deutschlands – Entdecken, Beobachten, Bestimmen. Quelle und Meyer, Wiebelsheim 2018. ISBN 978-3-494-01733-4 Joachim u. Hiroko Haupt: Fliegen und Mücken - Beobachtung, Lebensweise. Naturbuch, Augsburg 1998. ISBN 3-89440-278-4 Klaus Honomichl, Heiko Bellmann: Biologie und Ökologie der Insekten. CD-Rom. Gustav Fischer, Stuttgart 1994. ISBN 3-437-25020-5 F. M. Hull: Robber flies of the world. in: Bulletin of the United States National Museum. Smithsonian Inst. Pr., Washington DC 224.1962,1/2, 1–907. R. J. Lavigne: Evolution of courtship behaviour among the Asilidae (Diptera), with a review of courtship and mating. in: Studia dipterologica. Ampyx, Halle 9.2002,2, 703–742. J. J. Musso: Recherches sur le développement, la nutrition et l'écologie des Asilidae (Diptera - Brachycera). Thèse à l'université de droit, d'économie et des sciences. Aix-Marseille 1978 (unveröffntl.). H. Oldroyd: Tabanoidea and Asiloidea. Handb Ident British Insects. London 9.1969,4. N. Papavero: Studies of Asilidae (Diptera) systematics and evolution. I. A preliminary classification in subfamilies. in: Arquivos de Zoologia do Estado de São Paulo. São Paulo 23.1973, 217–274. G. C. Wood: Asilidae. In: J. F. McAlpine, B. V. Peterson, G. E. Shewell, H. J. Teskey, J. R. Vockeroth, D. M. Wood (Hrsg.): Manual of Nearctic Diptera. Bd. 1. Research Branch, Agriculture Canada. Monographs. Ottawa 27.1981, 549–573. Eine umfangreiche Bibliografie findet sich in dieser Datenbank (aktuell ca. 3700 Titel) Einzelnachweise Weblinks Zur Faunistik der Raubfliegen in Deutschland (Holländisch, PDF) Datenschnittstelle zu den Raubfliegen (englisch) Raubfliegen Mitteleuropas (Fotos) Japanische Asilidae (Raubfliegen in Japan, Englisch)
Q837089
104.784377
3622755
https://de.wikipedia.org/wiki/Languedoc-Roussillon
Languedoc-Roussillon
Das Languedoc-Roussillon () war eine Verwaltungsregion im Süden Frankreichs. Die Region umfasste die an der Mittelmeerküste liegenden Départements Aude, Gard, Hérault und Pyrénées-Orientales sowie das geographisch gänzlich anders geartete und zum Zentralmassiv gehörende Département Lozère. Die Region hatte eine Fläche von 27.376 km² und Einwohner (Stand ). Hauptstadt der Region war Montpellier. Mit dem 1. Januar 2016 ging die Region in der neuen größeren Region Okzitanien auf. Als Bezeichnung für die historischen Provinzen werden die Namen Languedoc und Roussillon stets eigenständig verwendet. Geographie Das Languedoc-Roussillon grenzte im Osten an die Regionen Provence-Alpes-Côte d’Azur und Rhône-Alpes, im Norden grenzte es an die Auvergne und westlich lag die Region Midi-Pyrénées. Im Südwesten grenzte es an die Staaten Spanien und Andorra, und im Süden an das Mittelmeer. Das Languedoc-Roussillon ist für seine Höhlenwelt bekannt. 15 Höhlen sind für den Tourismus erschlossen. Man kann die Tropfsteinbildungen in erstaunlichen Formen und Farben und engen Galerien oder riesigen Sälen bewundern. In manchen Höhlen gibt es auch Steinformationen, die an Kunstwerke erinnern, wie z. B. die 100.000 Soldaten in der Höhle von Trabuc oder die Méduse, ein großer, durchsichtiger weißer Tropfstein der Grotte de Clamouse mit einem See und einem unterirdischen Flusslauf. Die außergewöhnliche binnenländische Wasserstraße Canal du Midi aus dem 17. Jahrhundert, die die Garonne und damit den Atlantik mit dem Mittelmeer verbindet, wurde 1996 in die UNESCO-Liste der Stätten des Weltkulturerbes aufgenommen. Am Kanal finden sich beeindruckende Bauwerke, zum Beispiel die Schleusentreppe Fonserannes in der Nähe von Béziers, dem Geburtsort des Kanal-Erbauers Pierre-Paul Riquet. Wappen Blasonierung: In Rot ein goldenes Tolosanerkreuz. Im vierten Feld vier goldene Pfähle. Symbolik: Die vier Pfähle erinnern an die katalanische Senyera. Geschichte Frühgeschichte Das nahegelegene Rhonedelta gehört zu jenen Regionen, in die das aus der Levante verbreitete Neolithikum wahrscheinlich bereits zwischen 7000 und 6500 v. Chr. Einzug hielt. Die bäuerliche Kultur verbreitete sich in der Folge sowohl ins Rhônetal als auch nach Westen. Sie hinterließ im Languedoc-Roussillon in Form von Dolmen (Le Morrel de las Fadas oder Lo Morrel dos Fados) und Menhiren, aber auch Alignements (Cromlech von Lacam de Peyrarines), eine Vielzahl megalithischer Zeugnisse. Einige sind auch semi-megalithisch, (durch kleinformatige Steine in Trockenmauer-Bauweise ergänzt Dolmen de Gallardet), bzw. mit ihnen überhügelt (Dolmen von Ronc Traoucat, Fringayrolles). Der Dolmen de Coste-Rouge im Hérault hat große Ähnlichkeit mit der sardischen Anlage von Sa Coveccada. Etwa 20 Kilometer von Montpellier liegt, nahe beim kleinen Dorf Viols-en-Laval, ein berühmter vorzeitlicher Ort: Cambous ist das älteste restaurierte Dorf Frankreichs. Es datiert aus der zwischen 4300 und 2200 v. Chr. anzusetzenden Kupfersteinzeit. Während dieser Jahrhunderte existierte die so genannte Fontbouisse-Kultur, zu der die Einwohner von Cambous gehörten. Man zählt mehr als 200 kleine Dörfer dieses Typs, aber kaum 20 % davon sind archäologisch untersucht. Cambous wurde im Jahre 1967 von Henri Canet ausgegraben. Archäologen der Languedocienne-Vorgeschichtsgesellschaft verwalten den Standort ehrenamtlich. In Tautavel liegt das europäische Zentrum für Vorgeschichte (mit Museum) und in Mèze befindet sich ein Dinosaurierpark. Mittelalter Wie weite Teile des heutigen Südfrankreichs wurde das Languedoc erst im Hochmittelalter (13. Jahrhundert) der französischen Krone unterworfen. Der Adel von Okzitanien war traditionell eher mit dem König von Frankreich verfeindet. Vorwand hierzu bot die dort um diese Zeit verbreitete religiös-kirchenkritische Strömung der Katharer, die sowohl vom König als auch vom Papst mit großer Härte verfolgt wurden, wobei auch die blühende okzitanische Kultur zerstört wurde. Im Jahre 1209 begannen die Albigenserkreuzzüge unter Simon IV. de Montfort: Hierbei wurden u. a. am 22. Juli 1209 sämtliche Einwohner der Stadt Béziers umgebracht (etwa 20.000); es folgten das Massaker in Minerve am 22. Juli 1210 und weitere Gräueltaten in Bram, Lastours, Lavaur und andernorts. Der zweite Kreuzzug fand 1226 unter der direkten Leitung des französischen Königs statt, der jedoch schon bei der Anreise ins Kriegsgebiet den Tod fand. Ein dritter und letzter Kreuzzug beendete 1244 dann die letzten Reste der katharischen Kultur bei der Belagerung der Burg Montségur; die Burg Quéribus hielt noch elf Jahre länger stand. Stützpunkt der (Nord-)Franzosen wurde die befestigte Stadt Carcassonne. Neuzeit Die heutigen Départements Aude, Gard, Hérault und Lozère waren bis zum Beginn der Französischen Revolution (1789) Teil der historischen Provinz Languedoc; das heutige Département Pyrénées-Orientales bildete die historische Provinz Roussillon. Bei der Etablierung Regionen als Operationsgebiete der Regionalplanung 1956 bestand das Gebiet noch aus dem Languedoc ohne das Roussillon (Département Pyrénées-Orientales), das 1960 hinzutrat. Seit 1964 stand die Region unter Leitung eines Regionalpräfekten. Im Jahr 1972 erhielten die Regionen den Status von Établissements publics. Durch die Dezentralisierungsgesetze von 1982 erhielten die Regionen den Status von Collectivités territoriales (Gebietskörperschaften), wie sie bis dahin nur die Gemeinden und die Départements besessen hatten. Im Jahre 1986 wurden die Regionalräte erstmals direkt gewählt. Seitdem wurden die Befugnisse der Region gegenüber der Zentralregierung in Paris schrittweise erweitert. Am 1. Januar 2016 fusionierte die Region Languedoc-Roussillon mit der benachbarten Region Midi-Pyrénées zur Region Okzitanien. Bevölkerung Städte Die bevölkerungsreichsten Städte des Languedoc-Roussillon waren: Sprache Das Languedoc gehört traditionell zum Sprachgebiet des Okzitanischen, das Roussillon zu dem des Katalanischen. Amtssprache war jedoch wie in ganz Frankreich nur das Französische, das heute auch die Muttersprache der Mehrheit der Bevölkerung ist. Okzitanisch und Katalanisch haben immerhin einen bescheidenen Status als Wahlfächer an Schulen und Hochschulen. Politische Gliederung Die Region Languedoc-Roussillon untergliederte sich in fünf Départements: Wirtschaft Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreichte die Region 2006 einen Index von 86,1 (EU-27 = 100). Eine der Geldeinnahmen ist der Weinanbau. Tourismus Der Tourismus hat für die Region große Bedeutung. Im Languedoc-Roussillon liegen einige sehr bekannte Sehenswürdigkeiten: die römische Aquäduktbrücke Pont du Gard, der Canal du Midi, der mit Hausbooten befahren werden kann, die Stadt Nîmes (mit bis heute genutztem Amphitheater), Carcassonne – Europas größte noch erhaltene Festungsanlage aus dem Mittelalter, eine der prächtigsten kulturellen Sehenswürdigkeiten Frankreichs, seit 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörend Montpellier Sète – die italienisch geprägte Fischerstadt liegt idyllisch um einen Hügel zwischen Mittelmeer und dem Lagunensee Étang de Thau. Ein System von Kanälen durchzieht die Stadt und verbindet Meer und See. die Petite Camargue im Rhône-Delta, bekannt unter anderem für ihre Flamingoschwärme und für die weißen Camargue-Pferde. Zwei Touristenzüge fahren durch die Region: der „Train Jaune“ (gelber Zug) befährt (seit 1920) die Ligne de Cerdagne und ist die höchste Eisenbahnlinie Frankreichs der ‚Train du Pays Cathare et du Fenouillèdes‘ (TPCF) (online auf: tpcf.fr) Literatur Ralf Nestmeyer: Languedoc-Roussillon. Ein Reisehandbuch. Michael Müller Verlag, Erlangen 2012, ISBN 978-3-89953-696-6. Siehe auch Liste der Präsidenten des Regionalrates von Languedoc-Roussillon seit 1986 Weblinks Region Languedoc-Roussillon (französisch) Präfektur der Region Languedoc-Roussillon (französisch) Languedoc-Rousillon: ein Miniatur-Frankreich im Süden Frankreichs offizielle Website (deutsch) Offizielle Informationsseite über Tourismus in Frankreich. rendezvousenfrance.com Einzelnachweise Ehemalige französische Region Geschichte (Okzitanien) Aufgelöst 2015
Q17005
130.854142
18570
https://de.wikipedia.org/wiki/Tasmanien
Tasmanien
Tasmanien (, in der rekonstruierten Aborigines-Sprache palawa kani lutruwita und im australischen Englisch häufig Tassie; bis Ende 1855 Van-Diemens-Land) ist eine zum Staat Australien gehörende Insel am östlichen Rand des Indischen Ozeans. Sie ist ungefähr 240 km südlich der australischen Kontinentalmasse vorgelagert. Tasmanien heißt auch der australische Bundesstaat, der über die Hauptinsel Tasmanien hinaus noch mehrere kleine, meist unbewohnte Inselgruppen in der Region umfasst. Seine Hauptstadt und größte Stadt ist Hobart, die zweitgrößte Stadt Launceston. Geographie Als Bundesstaat umfasst Tasmanien mit 68.400 km² 0,89 % der Gesamtfläche Australiens. Ohne die vorgelagerten Inseln beträgt die Fläche der Hauptinsel 64.519 km² und weist eine Länge von 296 km von Norden nach Süden und eine Länge von 315 km von Osten nach Westen auf. Sie ist die mit Abstand größte Insel des Australischen Bundes. Die Bass-Straße, welche die Insel vom australischen Festland trennt, wird im Nordwesten durch King Island, an der Nordostspitze von Flinders Island flankiert. Landschaftlich dominieren Gebirge und Hochebenen bis circa 1600 m Höhe die Insel. Die höchste Erhebung ist der Mount Ossa (1617 m). Tasmanien liegt auf der Südspitze des australischen Kontinentalschelfs, zwischen 40° und 44° südlicher Breite sowie zwischen 144° und 149° östlicher Länge. Sie ist die weitaus größte der über hundert Inseln des Bass-Archipels und hat etwa drei Viertel der Größe der Insel Irland. Es gibt dort noch viele naturbelassene Landschaftstypen. Etwa ein Viertel der Insel ist als UNESCO-Weltnaturerbe ausgewiesen, zu 37 % besteht die Insel aus Nationalparks. Besonders eindrucksvoll ist die Landschaft am Cradle Mountain sowie die unberührte und teilweise schwer zugängliche Wildnis des Südwestens. Auch die 1300 km südlich gelegene Macquarieinsel gehört zum Bundesstaat Tasmanien. Der Derwent River ist einer der Hauptflüsse im Südosten der Insel. Die Hauptstadt Hobart ist zugleich ein wichtiger Hafen. Klima Das tasmanische Klima ist ozeanisch – im Nordosten subtropisch und im Südwesten gemäßigt. Die Winter fallen dadurch mild aus. Andererseits ist die Insel eine der wenigen Landmassen im Bereich der sogenannten Roaring Forties. Alle Jahreszeiten lassen sich, besonders auf den Hochebenen, an einem Tag durchleben. Obwohl Tasmanien auf dem gleichen Breitengrad liegt wie Istanbul, Rom und Barcelona auf der Nordhalbkugel, ist das Klima vergleichsweise kühl. Aufgrund der Bergketten im Westen der Insel fällt an der Westküste deutlich mehr Niederschlag, weshalb dort subtropische und gemäßigte Regenwaldformen die Landschaft prägen. In der Mitte und dem Osten der Insel scheint meist die Sonne. Als Insel steht Tasmanien unter maritimem Einfluss. Daher ist das Kleinklima regional stärker ausdifferenziert. Die zur Nordhalbkugel um sechs Monate verschobenen Jahreszeiten sind weit weniger ausgeprägt. Die Winter sind mit Durchschnittstemperaturen von 0,5 °C bis 10,5 °C mild und die Sommer mit 9 °C bis 19 °C eher kühl. Dennoch kann es fast überall auf der Insel im Winter zu Nachtfrösten kommen und zu jeder Jahreszeit in den Höhenlagen Schnee fallen. Selbst im Sommer können die Bergkuppen oberhalb 1200 Meter, im Winter oberhalb 600 Meter schneebedeckt sein. In solchen Höhen kann die Temperatur im Juli bis −1 °C und auf Extremwerte bis −10 °C absinken. Das milde Klima wird jedoch durch abrupte Wetterwechsel, den häufig starken Wind und die hohe Luftfeuchtigkeit geprägt. Auch die Niederschlagsverteilung Tasmaniens ist weniger von jahreszeitlichen Schwankungen als durch die vorherrschende Windrichtung geprägt. Im Gegensatz zum australischen Festland, wo der Südostpassat seinen Einfluss geltend macht, ist die Insel ganzjährig zum Teil heftigen Westwinden ausgesetzt. Diese Roaring Forties herrschen auf diesem Breitengrad auf der gesamten südlichen Erdhalbkugel und treffen hier ungebremst von Landmassen, die nächste ist Patagonien, auf Tasmanien. So ist der Westteil der Insel sowohl feuchter als auch kühler und hat darüber hinaus weniger Sonnenstunden pro Jahr als der Osten. Diese Temperaturunterschiede werden durch den Einfluss einer warmen Meeresströmung im Osten und einer kalten, von der Antarktis kommenden, im Westen Tasmaniens, verstärkt. Der feuchte Wind sorgt im Westen für jährliche Niederschläge von über 1500 mm mit Spitzenwerten bis zu 3800 mm. Im Osten sind Werte um 1500 mm jährlich die Ausnahme, zum Teil werden hier nur Werte um 400 mm erreicht. Vereinfacht dargestellt kann man sagen, dass die jährlichen Niederschläge Tasmaniens in West-Ost-Richtung kontinuierlich abnehmen. Verglichen mit dem aridesten Kontinent der Erde – Australien – sind selbst diese Werte im Osten der Insel noch hoch. Flora und Fauna Die tasmanische Pflanzen- und Tierwelt ist eng mit der geologischen Vergangenheit Australiens verknüpft. Erdgeschichtlich betrachtet nimmt der australische Kontinent aufgrund seiner rund 50 Millionen Jahre dauernden Isolation eine Sonderstellung ein, die sich nachhaltig auf seine Biozönose ausgewirkt hat. Diese Abtrennung ist verantwortlich für die Vielzahl der endemischen Arten, die häufig ein hohes stammesgeschichtliches Alter aufweisen. In Tasmanien wird dieser Aspekt durch die Trennung vom australischen Festland vor rund 12.000 Jahren insofern noch verstärkt, als außeraustralische Einflüsse hier noch weniger zum Tragen kamen. Flora und Fauna Tasmaniens gehen in ihren Grundzügen auf den Superkontinent Gondwana zurück. Gondwana erreichte zu Beginn des Perm seine größte Ausdehnung und begann im Jura in die gegenwärtigen Kontinente der Südhalbkugel zu zerbrechen. Die Reihenfolge dieser Teilung hat die Stellung der Biosphäre Australiens im ökologischen Weltgefüge maßgeblich geprägt. Nacheinander wurde die australische Landmasse vom späteren Afrika, Indien, Neuseeland, aber erst im Eozän von Antarktika getrennt. Darin liegt der Umstand begründet, dass die australische Biosphäre am ehesten Ähnlichkeit mit Teilen der neuseeländischen und südamerikanischen aufweist. Denn während des Eozäns waren Südamerika und Australien noch durch die Landmasse Antarktika verbunden. Diese Theorie wird sowohl durch Untersuchungen an der rezenten Pflanzen- und Tierwelt als auch durch fossile Befunde gestützt. Seit der Trennung von Antarktika war Australien mehr als 50 Millionen Jahre von den anderen Kontinenten isoliert. Selbstverständlich hat sich auch die australische Biosphäre seither den ökologischen Bedingungen und Veränderungen im Laufe der Jahrmillionen angepasst und dennoch ähnelt sie noch deutlich der ehemaligen Flora und Fauna Gondwanas. Flora Die Vegetation wird in einem Band von Nordwesten nach Südosten von subtropischen Feuchtwäldern bestimmt, die nach Westen langsam in gemäßigte Regenwälder übergehen. Im Südwesten und Norden finden sich Buttongras- und Moorlandschaften. Auf den weitläufigen Hochebenen begegnen uns alpine Moose und höhere Pflanzenarten. Durch die isolierte Lage vom Festland sind etwa 20 Prozent der gut 1500 vorkommenden höheren Pflanzenarten endemisch. Aufgrund der unterschiedlichen klimatischen und geographischen Verhältnisse differiert auch in Bezug auf die Flora die Westhälfte der Insel stark vom Osten. Die feuchten Wälder im Westteil ähneln jenen von Süd-Chile und Neuseeland. Im Osten Tasmaniens herrschen trockene und lichte Hartlaubwälder australischer Prägung vor. Letztere sind gekennzeichnet durch hunderte verschiedener Akazien- und Eukalyptusarten, die wie in Teilen Australiens die gesamte Restflora dominieren. Wie die gesamte australische Flora weisen auch sie eine Vielzahl unterschiedlicher evolutionärer Anpassungen auf. Der Wald australischer Prägung lichtet in den Höhenlagen zunehmend aus. Oberhalb einer Höhenlage von 900 Meter im Norden und 600 Meter im Süden gehen die Wälder häufig in ausgedehnte Moorlandschaften über. Den kühl temperierten Feuchtwald Westtasmaniens bestimmen endemische Südbuchen-Arten (Nothofagus spec.), die bis zu 40 Meter Wuchshöhe erreichen können, das Bild. Wie annähernd alle Baumarten Tasmaniens sind auch sie immergrün. In den Hartlaubwäldern des Nordostens wachsen die höchsten außertropischen Laubbäume der Welt, wie die Riesen-Eukalypten (bis 100 m hoch) und Stringybarks (bis 90 m hoch). Auch darunter wachsen urtümliche Baumarten, die ihresgleichen suchen, wie die Celery-top-Pine, ein Nadelbaum ohne Nadeln mit blattartig verbreiterten Stielen, die Huon-Pine (Lagarostrobos franklinii), die über 2000 Jahre alt werden kann oder die Dicksonia-Baumfarne mit ihren weit ausladenden Wedeln. Aufgrund der vorkommenden Eukalyptenarten sind diese Wälder strenggenommen keine echten Regenwälder, obwohl alle anderen Kriterien zutreffen. Der ausgeprägte Stockwerkbau dieses Waldes und sein dichtes Unterholz machen ihn häufig undurchdringlich. In den ausgedehnten Dünenlandschaften der Sandstrände herrschen hitze- und trockenheitsresistente Büsche, Sträucher und Gräser vor. Bereits vor der Ankunft der Europäer waren weite Landstriche Tasmaniens durch die Einwirkung der einheimischen Inselbevölkerung geprägt. Auf diese Weise entstanden beispielsweise die feuchten Riedlandschaften mit ihrem Schilf-, Gras- und Heckenbewuchs, die den Regenwald durchsetzen und der zum Teil parkähnliche Charakter mancher Eukalyptus- und Akazienwälder. In der heutigen Landwirtschaft spielt der Weinanbau eine bedeutende Rolle. Ein Großteil des Weines – an die 40 Prozent – wird im Norden der Insel, im Tamar Valley an der Tamar Valley Wine Route hergestellt. Zudem sind die zahlreichen Obstplantagen verteilt über die ganze Insel eine beliebte Anlaufstelle für Backpacker und andere Saisonarbeiter aus der ganzen Welt. Fauna Die Tierwelt Tasmaniens ist in starkem Ausmaß mit der australischen verwandt. Letztere ist ebenso wie die Vegetation geprägt von Endemiten. Beuteltiere sind die dominanten Landlebewesen, von denen der ausgestorbene Beutelwolf (oder Beuteltiger, Tasmanischer Tiger, engl. Tylacine) ein bekanntes Beispiel ist. Der Wombat (ein Beutelbär) ist ebenso vertreten wie zahlreiche Känguru-Arten. Da viele der nach Australien eingeschleppten europäischen Tierarten (speziell der Rotfuchs) sowie der auf dem Festland heimische, sekundär wilde Dingo nie bis nach Tasmanien gelangt sind, haben dort viele Tierarten überlebt, die auf dem Festland ausgestorben sind, unter anderem Beuteldachse und kleine Wallaby-Arten. Ein weiteres bekanntes Beispiel für eine endemische Tierart Tasmaniens ist der Tasmanische Teufel, der auf dem australischen Festland ebenfalls ausgestorben ist. Wie auf dem Australischen Festland sind auch hier verschiedene Arten von Kletter- und Ringbeutler zu finden. Sie sind wie Koalas oder Kängurus Beuteltiere und gehören seit eh und je zur Urfauna Australiens. Die vorherrschenden Beuteltiere gehen ebenfalls auf Gondwana zurück. Auch der australische flugunfähige Straußenvogel, der Große Emu, stammt aus dieser Epoche. Die Hauptvertreter der Tierwelt Australiens, die Beuteltiere, haben, mit Ausnahme des Ökosystems Wasser, alle sonstigen Habitate besetzt. So unterscheidet sich die Meeresfauna Tasmaniens nur unwesentlich von der anderer Regionen dieses Breitengrades. Auf dem Land blieben die Beuteltiere (Marsupialia) jedoch von außeraustralischen Einflüssen weitestgehend verschont. Selbst die extrem artenreiche Vogelfauna – obwohl weniger an Grenzen gebunden – setzt sich aus Gattungen zusammen, die zu 90 Prozent endemisch sind. Betrachtet man nur die Vogelarten, sind dies sogar 95 Prozent. Die Auswahl an höheren Säugetieren (Plazentatieren) beschränkte sich in voreuropäischer Zeit in Australien auf Nage- und Fledertiere (Fledermäuse und fliegende Hunde). Sie kamen vermutlich während des Miozäns aus dem Norden. Die Fauna Tasmaniens ist noch um einiges artenärmer als die australische. So kommen dort nur etwa ein Fünftel der Beuteltier-, ein Zehntel der Nager- und ein Siebtel der Fledermausarten Australiens vor. Flughunde sind ebenfalls nicht bis nach Tasmanien vorgedrungen. Diese Artenarmut darf jedoch nicht über die hohe Populationsdichte der Landtiere in Tasmanien hinwegtäuschen, die durch die vielseitige Küsten- und Meeresfauna noch ergänzt wird. Im Gegensatz zum tasmanischen Beutelwolf konnte der tasmanische Teufel – vermutlich bedingt durch das Fehlen des Dingos in Tasmanien – bis heute überleben. Der tasmanische Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) wurde häufig auf Grund seines dunkelbraun-gelblich gestreiften Felles tasmanischer Tiger genannt. Sein lateinischer Name bedeutet ‘Beutelhund mit Wolfskopf’, was seinem Aussehen schon ziemlich nahekam. Mit einer Rückenlänge von zirka 1,20 Metern hatte er in etwa die gleiche Größe wie unser europäischer Wolf und war in der Lage, auch größere Beutetiere zu reißen. Er jagte meist im Dunkeln oder zumindest in der Dämmerung und galt als langsam und etwas unbeholfen. Wahrscheinlich wurden ihm die ausgewilderten Hunde der frühen Kolonialzeit zum Verhängnis. Aber auch die Schafhirten stellten ihm nach, so dass er schon in den 1830er Jahren sehr selten war. Im ausgehenden 19. Jahrhundert war er bereits eine außerordentlich begehrte Jagdtrophäe. Wann genau er ausgestorben ist, ist unsicher, und in regelmäßigen Abständen tauchen immer wieder Augenzeugen auf, die einzelne Exemplare gesehen haben wollen. Obwohl gegenwärtig Tasmaniens Wildhüter mit der Suche nach Spuren betraut sind, blieben diese Gerüchte bislang unbestätigt. Das Schnabeltier (Platypus) und der tasmanische Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus setosus) aus der Unterklasse der Prototheria, deren phylogenetische Stellung noch bis heute unklar ist, zählen zu den skurrilsten Vertretern der australischen beziehungsweise tasmanischen Fauna. Beide, wenngleich Säugetiere, zählen aufgrund fehlender spezifischer Geschlechtsorgane, genau wie etwa die Vögel oder Reptilien, zu den Kloakentieren. Das wichtigste Jagdwild der voreuropäischen Bevölkerung waren das Känguru, der Wombat und der Fuchskusu. Von den im Vergleich zu Australien wenigen Känguruarten war das graubraune Östliche Graue Riesenkänguru (Macropus giganteus) die beliebteste Jagdbeute. Es wird bis zu eineinhalb Meter groß und trat in großen Herden auf. Bei den kleineren Känguruarten war vor allem das ‚Wallaby‘ als Beute von Bedeutung. Der Nacktnasenwombat (Vombatus ursinus) lebt in unterirdischen Höhlensystemen und wurde als ergiebiger Fleischlieferant genutzt. Die Jagd nach dem Fuchskusu (Trichosurus vulpecula) war weit verbreitet aber sehr beschwerlich, da er sich meist in hohen Baumwipfeln aufhält. Neben dem Emu wurde ein weiterer flugunfähiger Laufvogel gejagt. Das Tasmanische Pfuhlhuhn (Tribonyx mortierii) entspricht in seiner Gestalt unserer Teichralle. Ansonsten war die äußerst vielfältige Vogelfauna des tasmanischen Inlandes als Beute nicht von Bedeutung. Von den Reptilien, die in Australien neben den Beuteltieren die erfolgreichste Tiergruppe stellen, wurden in Tasmanien nur die größeren Arten verzehrt. Nur drei der 140 australischen Schlangenarten sind auf der Insel heimisch. Es sind die Schwarze Tigerotter, der Tieflandkupferkopf sowie die Weißlippen-Otter. Alle drei gehören zur Gruppe der Elapidae und sind ausnahmslos giftig. In Tasmanien spielen Schnecken und Egel eine größere Rolle als auf dem trockenen Kontinent. Von entscheidender Bedeutung war in Tasmanien die Küsten- und Meeresfauna. Wie bereits angedeutet, unterscheidet sie sich nicht wesentlich von der Fauna anderer Erdteile. In dem fischreichen Meer gab es auch eine Vielzahl Meeressäuger: Delphine, Wale, See-Elefanten, Robben und Seehunde. Die große Anzahl von Muscheln, Krebsen, Krabben und Hummer waren ein begehrtes Nahrungsmittel. An den Küsten nisteten Seevögel in großer Zahl, die jedoch teilweise als Zugvögel nur saisonal anzutreffen waren: Kormorane, Enten, Gänse, Schwarze Schwäne, verschiedene Wasserhuhnarten, Albatrosse, Reiher, Tölpel und der ‚mutton bird‘ (Ardenna tenuirostris), der Kurzschwanz-Sturmtaucher, der eine zentrale Rolle in der Nahrungsversorgung der Küstenbevölkerung spielte. In diesem Zusammenhang noch von Interesse ist die am Ende der Eiszeit vor ca. 25.000 bis 15.000 Jahren (Flood 1995: 192; vgl. Scarre 1990: 68) ausgestorbene Megafauna (Abb. 5). Diese enthielt auch größere Formen der rezenten Tierarten. Andere Gattungen sind mit ihrem Aussterben für immer verschwunden; so etwa das Diprotodon, das die Größe eines Nashorns erreichte. Die damaligen Formen des Tasmanischen Teufels und des Emus waren beträchtlich größer. Manche Känguruarten erreichten eine Höhe von drei Metern und auch Wombats von der Größe eines Esels sind belegt. Die Gründe des Aussterbens sind noch nicht eindeutig geklärt; dennoch deutet einiges darauf hin, dass die voreuropäische Bevölkerung daran nicht unbeteiligt war (Flood 1995: 136f, 281; Lourandos 1997: 98–111; Wilpert 1987: 21). Entgegen anders lautenden Behauptungen haben auch die Aborigines in ihrem Lebensraum Spuren hinterlassen. Ein Phänomen, das – lange verleugnet – auch bei Wildbeuterpopulationen anderer Erdteile zunehmend Bestätigung findet. Geringe Naturbeherrschung darf in diesem Zusammenhang nicht gleichgesetzt werden mit nicht vorhandener nachhaltiger Beeinflussung. Die Bemühungen, ihre Ressourcen nicht über die Maßen zu strapazieren, gelang auch Wildbeutern nicht immer. Ein anderes Beispiel hierfür könnte die Ausrottung einer See-Elefantenart (Mirounga leonina) auf Tasmanien sein, für die Rhys Jones die prähistorische Bevölkerung verantwortlich macht (Jones 1966/67; vgl. Mulvaney und Golson 1987: 90). Bevölkerung, Ureinwohner Die Tasmanier verfügten nicht über die Technik der Seeschifffahrt und entwickelten sich daher unabhängig von den Aborigines des australischen Festlands. Man schätzt, dass bei Ankunft der Briten 1803 etwa 3000 bis 5000 Ureinwohner auf Tasmanien lebten. Sie wurden bis 1865 von den Briten völlig ausgerottet, die tasmanischen Sprachen sind mit ihnen ausgestorben. Allerdings leben immer noch mehrere Tausend Nachfahren aus gemischten Beziehungen von Europäern und Ureinwohnern auf der Insel. 2020 lebten laut amtlicher Statistik 523.000 Einwohner auf Tasmanien. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 7,65 Einwohnern pro km². Für höhere Bildung ist in Tasmanien die University of Tasmania (UTAS) in Hobart zuständig. Politik Wie jeder australische Bundesstaat (bis auf Queensland) besitzt auch Tasmanien ein Zweikammernparlament. Die Exekutive bildet ein Kabinett, das vom Premierminister geführt wird. Die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten in Australien sind im Wesentlichen für die Bereiche Bildung, Gesundheit, Justiz, Polizei und Verkehrswesen zuständig. Staatsoberhaupt ist König Charles III. Er wird durch den Gouverneur von Tasmanien vertreten. Der Gouverneur wird auf Vorschlag des Premierministers vom britischen König ernannt. De facto hat er hauptsächlich repräsentative Aufgaben. Verwaltungstechnisch ist Tasmanien in 29 Local Government Areas (lokale Verwaltungsgebiete) unterteilt; siehe Local Government Areas in Tasmanien. Geschichte Frühgeschichte Tasmanien wurde bereits vor mindestens 35.000 Jahren von Norden aus über die damalige Festlandverbindung zu Australien besiedelt. Die Überflutung der Bass-Straße vor etwa 12.000 Jahren isolierte die Tasmanier von den Aborigines des Kontinents, so dass kulturelle und technische Innovationen nicht mehr ausgetauscht werden konnten. Zum Zeitpunkt der europäischen Entdeckung lebten vermutlich zwischen 4000 und 6000 Tasmanier auf der Insel. Durch die lange Isolation behielten die Tasmanier eine steinzeitliche Kultur als Jäger und Sammler. Außer einfachen Werkzeugen aus Stein, Knochen und Holz besaßen sie keinerlei Technik. Entdeckung durch die Europäer 1642 segelte der Niederländer Abel Tasman mit dem Schiff Heemskerck und der Fleute Zeehaen die Südküste Australiens entlang und entdeckte neben Neuseeland auch dieses Gebiet. Die Reise erfolgte im Auftrag des Generalgouverneurs von Niederländisch-Indien, Anton van Diemen, nach dem er das neu entdeckte Land benannte (Van-Diemens-Land). Tasman ging allerdings davon aus, dass es sich um eine Halbinsel des australischen Kontinents handelte. 1772 ging der britische Entdecker Tobias Furneaux im Südosten der Insel an Land. Ein Jahr später wurde sie auch von dem französischen Entdecker Marc-Joseph Marion du Fresne besucht. 1798 stellte der britische Kapitän Matthew Flinders durch die Entdeckung der Bass-Straße fest, dass es sich um eine Insel handelt. Kurz nach Gründung der britischen Kolonie New South Wales auf dem australischen Festland landete 1792 eine französische Expedition auf Tasmanien, um das Land zu erkunden. 1803 errichteten die Briten mit Risdon Cove am Derwent River die ersten dauerhafte europäische Siedlung im heutigen Tasmanien. Ein Jahr später gaben sie diese auf und gründeten Hobart Town (Hobart) im Süden sowie Port Dalrymple (heute George Town) im Norden der Insel. Das damalige Van-Diemens-Land war in den Anfangsjahren vor allem als britische Strafkolonie vorgesehen. Die ersten europäischen Bewohner bestanden daher aus Sträflingen und deren Bewachern. Es wurden vor allem schwere Straftäter nach Van-Diemens-Land gebracht, da die Insel durch ihre geringere Größe leichter zu überwachen war als die Kolonien des Festlands. In den Jahren 1803 bis 1853 wurden ca. 75.000 Sträflinge dorthin gebracht. 1825 wurde Van-Diemens-Land zu einer eigenständigen, von New South Wales unabhängigen Kolonie mit eigenem Parlament und Justizwesen erklärt. Von 1836 bis 1843 war der Seefahrer und Nordpolarforscher Sir John Franklin britischer Gouverneur der Insel. 1856 wurde den australischen Kolonien Großbritanniens im Rahmen des Australian Colonies Government Act eine weitgehende Autonomie eingeräumt, unter anderem mit dem Recht, sich eine eigene Verfassung und Regierung zu geben. Im selben Jahr erfolgte die Umbenennung in Tasmanien. Seit der Unabhängigkeit Australiens im Jahre 1901 gehört Tasmanien zum Australischen Bund. 1917 stiftete der britische König Georg V. das Staatswappen mit zwei Beutelwölfen als Schildhalter. Genozid an der Urbevölkerung Mit der Ankunft der Europäer begann eine systematische Ausrottung der Urbevölkerung. Durch die Erklärung des Standrechts wurden die Eingeborenen faktisch zum Abschuss freigegeben, Verbrechen wurden nicht geahndet. Massaker wurden nicht nur von Siedlern verübt (z. B. das Cape-Grim-Massaker, der Black War), sondern auch von Robbenfängern, die zeitweise auf der Insel ihr Lager aufschlugen und die einheimische Bevölkerung terrorisierten. Auch eingeschleppte Krankheiten führten dazu, dass sich die Zahl der Ureinwohner rasch reduzierte. Um 1830 entschied der damalige Vizegouverneur, George Arthur, dass die verbliebenen Eingeborenen in einem gemeinsamen Gebiet zusammengebracht werden sollten. Der Versuch, die Eingeborenen gewaltsam zusammenzutreiben (Black Line), scheiterte jedoch. Dem englischen Prediger George Robinson, der 1839 zum Protector of Aborigines ernannt wurde, gelang es im Anschluss, die zu diesem Zeitpunkt nur noch ca. 300 Ureinwohner zu überzeugen, sich ohne Gegenwehr nach Flinders Island deportieren zu lassen. Dort starb binnen weniger Jahre der Großteil an Unterernährung und Krankheiten. Die Siedlung wurde 1849 aufgelöst. Truganini (1812–1876) und Fanny Cochrane Smith (1834–1905) gelten als letzte Überlebende der tasmanischen Urbevölkerung. Die heutigen Tasmanier sind alle Nachkommen von Tasmaniern und Europäern, viele von Fanny Cochrane Smith, die mit einem Mann europäischer Herkunft verheiratet war. Sie verstehen sich als legitime Nachfahren der ursprünglichen Tasmanier, ihr Status ist jedoch umstritten. Umweltschutz Während der meisten Zeit des 19. und 20. Jahrhunderts herrschte in Tasmanien eine Politik der Ressourcenausbeutung. Holzeinschlag, Bergbau und die Eindämmung von Flüssen zur Nutzung der Wasserkraft waren wichtige Wirtschaftsfaktoren. Proteste von Umweltschützern gegen die geplante Überflutung des Lake Pedder für ein Wasserkraftwerk führten 1972 zur Gründung der United Tasmania Group (UTG), der ersten Grünen Partei der Welt. 2004 kündigte der australische Forstkonzern Gunns den Bau der weltweit größten Zellstofffabrik auf Tasmanien an. Dieses Vorhaben hat einen heftigen Kampf um den Schutz der tasmanischen Urwälder ausgelöst, die aufgrund der vielen endemischen Arten weltweit einzigartig sind. Immerhin sind in Tasmanien beeindruckende 40 % der Landfläche geschützt, besonders im Westteil der Insel. Dort liegt auch das UNESCO-Welterbe-Schutzgebiet Tasmanische Wildnis. Doch die potentiell wirtschaftlich interessanten Wälder sind nicht geschützt und Australien stellte 2014 sogar den von der UN zurückgewiesenen Antrag, Teile des Welterbegebiets auszugliedern und wieder zum Holzeinschlag zu nutzen. Verschiedenes Tasmanien war Pate einer Rennsportserie in den 1960er Jahren für Formelwagen, der Tasman-Serie. In Arno Schmidts Roman Abend mit Goldrand (1975) ist Tasmanien das utopische Ziel einer chiliastischen Rotte. Die alte britische Kolonie Van Diemens’s Land wird von der irischen Rockband U2 in dem gleichnamigen Song von 1987 aus Sicht eines Gefangenen besungen. Der Tasman Highway und der Midland Highway verbinden die Städte Hobart und Launceston miteinander. Der Tasman Highway ist mit einer Länge von 410 Kilometern einer der längsten Highways auf Tasmanien. Einer der berühmtesten Tasmanier ist der Schauspieler Errol Flynn (1909–1959). Der Schriftsteller Richard Flanagan ist Tasmanier. Siehe auch Eisenbahn in Tasmanien Liste des Commonwealth Heritage in Tasmanien Liste der Gouverneure von Tasmanien Liste der Highways in Tasmanien Liste der Premierminister von Tasmanien Local Government Areas in Tasmanien Literatur Dirk Halfmann: Die Tasmanischen Aborigines – Quellenkritische Bestandsaufnahme bisheriger Forschungsergebnisse. GRIN Verlag, 1998, ISBN 3-638-10031-6. Lloyd Robson, Michael Roe: A Short History of Tasmania. 2. Auflage, Oxford University Press, Melbourne 1997, ISBN 0-19-554199-5. Nicholas Shakespeare: In Tasmanien (Roman). Marebuchverlag, Hamburg 2005, ISBN 3-936384-40-1. Weblinks Offizielle Website der tasmanischen Landesregierung (englisch) Fußnoten und Einzelnachweise Australischer Bundesstaat bzw. Bundesterritorium Insel (Australien und Ozeanien) ! Insel (Pazifischer Ozean) Abel Tasman als Namensgeber
Q34366
721.357693
5053
https://de.wikipedia.org/wiki/Tag
Tag
Der Tag (mhd. tag tac, asächs. dag, got. dags, urgerm. *dagaz) wird in verschiedener Weise als vom scheinbaren Lauf der Sonne um die Erde bestimmter Zeitbegriff verwendet. Der Tag ist die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, auch als lichter Tag bezeichnet. Davon abweichend wird auch die Zeitspanne des Wachseins und Tätigseins der Menschen, die bis in mittlere Breiten und besonders im Winter (nördliche Erdhälfte) wesentlich länger als der lichte Tag ist, als Tag bezeichnet. In Abweichung zum lichten Tag wird auch dessen Summe mit der Nacht als Tag, genauer als voller Tag oder Volltag bezeichnet. Einzelne aufeinander folgende Volltage werden als Kalendertage, die heute in der Regel von Mitternacht bis Mitternacht dauern, bezeichnet. Die Nacht gehört somit zwei verschiedenen Kalendertagen an. Ein Sonnentag ist die Zeitdauer zwischen zwei oberen Meridiandurchgängen der Sonne. Das sind die Zeitpunkte, an denen die Sonne genau im Süden (nördliche Halbkugel der Erde) bzw. genau im Norden (südliche Halbkugel der Erde) steht. Weil die Dauer des vom Lauf der Sonne vorgegebenen Volltages (wahrer Sonnentag) über ein Jahr schwach variiert, wird ein aus ihm gemittelter mittlerer Sonnentag (auch bürgerlicher Tag genannt) allgemein und für die Länge des Kalendertages verwendet. Der mittlere Sonnentag (Einheitenzeichen: d) war traditionell die Basis für die Einheit Sekunde (Einheitenzeichen: s): . Seit 1956 wird deren Länge jedoch anders dargestellt (Atomsekunde). Derzeit ist der mittlere Sonnentag 86.400,003 Atomsekunden lang. Der Kalendertag hat jedoch, abgesehen von wenigen Tagen, in die eine Schaltsekunde eingefügt wird, weiter eine Länge von 86.400 s. Grundlegende Begriffe Veränderliches Tageslicht Das veränderliche Tageslicht ist mindestens für all jene Lebewesen bedeutend, die sich zur Abstimmung innerer Abläufe und äußerer Vorgänge auf Licht als Zeitgeber beziehen und wiederholbare Verhaltensmuster entwickeln. Zu wiederkehrenden hellen Phasen der Belichtung tags im Wechsel mit dunklen nachts kommt es an Orten auf der Erdoberfläche infolge der Rotation der Erde und ihres Umlaufs um die Sonne. Doch sind diese Zeitspannen nicht von konstanter Dauer, sondern schwanken im Jahreslauf, ortsabhängig verschieden stark. So dauert auf 50° geographischer Breite die Spanne des helllichten Tages zur Sonnenwende (Solstitium) im Sommer etwa doppelt so lange wie zur Wintersonnenwende. Zweimal im Jahr, zum Äquinoktium, sind Tag und Nacht gleich lang. Dieser Termin einer Tagundnachtgleiche ist dann für die ganze Erde derselbe. Zeitspanne tags Die Zeitspanne tags wird auch lichter Tag genannt. Mit dem Tageslicht ist es Tag, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang währt. Diese Spanne entspricht dem Tagbogen des scheinbaren Sonnenlaufs und wird mit dem höchsten Sonnenstand zu Tagesmitte in Tageshälften geteilt; sie kann daneben in Tageszeiten unterschieden sowie in (oft zwölf) Tagesstunden unterteilt werden. Die Dauer dieser Tagesabschnitte hängt jeweils von der Tageslänge ab und schwankt daher mit zunehmender Äquatorferne stärker (siehe hierzu auch Breitenkreise). An Orten mit einer geographischen Breite der Polarkreise oder höher, in den Polargebieten, ist nicht mehr jede Drehung der Erde mit Auf- und Untergang der Sonne verknüpft, was als Polartag bezeichnet wird. Tags aufgefasst als (lichte) Tage sind somit Zeitspannen von sehr verschiedener Dauer. Zeitspanne aus tags und nachts Die Zeitspanne aus tags und nachts wird ein „voller Tag“ genannt, wenn die von Tageslicht erhellte Spanne zusammen mit der angrenzenden Nacht zwischen zwei vergleichbaren Belichtungsphasen gefasst wird, beispielsweise außerhalb der Polarregionen von einem Aufgang der Sonne bis zum nächsten Sonnenaufgang oder von einem Sonnenuntergang bis zum nächsten (Nychthemeron). Da die Sonne im Frühlingshalbjahr von Tag zu Tag früher auf- und später untergeht und im Herbsthalbjahr von Tag zu Tag später auf- und früher untergeht, unterliegt die Dauer eines auf den Auf- oder Untergang der Sonne bezogenen vollen Tages starken Schwankungen, deren Ausmaß von der geographischen Breite abhängt. Ein sinnvollerer Bezugspunkt für die Definition des vollen Tages ist der nahezu symmetrisch in der Mitte des lichten Tages liegende Mittag, in dem die Sonne in ihrer oberen Kulmination, dem höchsten Stand über dem Horizont, den Meridian überquert und ihr Stundenwinkel gleich null ist. Eine gleichwertige Alternative ist die entgegengesetzte Position der Mitternacht, in der die Sonne in ihrer unteren Kulmination den Meridian überquert und ihr Stundenwinkel gleich 12h = 180° ist (diese Position der Sonne liegt in den nichtpolaren Regionen der Erde ganzjährig unterhalb des Horizonts). Der volle Tag, definiert als die Zeitspanne zwischen zwei aufeinanderfolgenden Mittagen oder Mitternächten, ist ein Sonnentag; seine Dauer ist für alle Orte gleich lang und schwankt auch im Jahreslauf nur gering. Im bürgerlichen Leben beginnt der Sonnentag zur Mitternacht; in der Astronomie ist auch der am Mittag beginnende Sonnentag gebräuchlich. Zur zeitlichen Einteilung eines Sonnentages dient die örtliche Sonnenzeit, definiert als Stundenwinkel der Sonne ± 12 Stunden; damit ist es zur Mitternacht 0h und am Mittag 12h Sonnenzeit. Dauer der Zeitintervalle Die exakte Dauer des Zeitintervalls zwischen zwei aufeinanderfolgenden Mittagen oder Mitternächen ändert sich im Jahreslauf. Da die Erde sich nicht in der Äquatorebene und nicht auf einer Kreisbahn mit konstanter Winkelgeschwindigkeit, sondern in der Ekliptik entsprechend den Keplerschen Gesetzen auf einer Ellipsenbahn um die Sonne bewegt, erfolgt der jährliche Umlauf der Projektion der Richtung der Sonne auf den Äquator mit einer variablen Winkelgeschwindigkeit. Daher ändert sich der in der Äquatorebene liegende Stundenwinkel der Sonne, selbst bei Annahme einer konstanten Rotationsgeschwindigkeit der Erde, ungleichmäßig. So ist auch die Dauer eines wahren Sonnentages, in dem der Stundenwinkel der Sonne sich im 24h = 360° ändert, also etwa die Dauer von einer unteren Kulmination der Sonne (= Mitternacht) bis zur nächsten, veränderlich. Um bis zu etwa eine Minute können sich wahre Sonnentage unterscheiden, der durchschnittliche Wert im Laufe von Jahren für die zwischen den (unteren) Meridiandurchgängen verstreichende Zeit beträgt derzeit ungefähr 24 Stunden. Durchschnittliche Tagesdauer Der ermittelte Durchschnittswert der Zeitdauer wahrer Sonnentage, der mittlere Sonnentag, gibt den Anhalt für die Festlegung der Dauer des sogenannten bürgerlichen Tages, der zur Grundlage des kalendarischen Zeitbezuges wurde. Diesem heute verbreiteten zeitlichen Bezugsschema wird ein Zeitmaß „Tag“ von konstanter Dauer unterlegt, dessen Abfolge mittels etwaiger Schaltsekunden dem aktuellen Mittelwert angepasst wird. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts waren auch die Zeitmaße Stunde, Minute, Sekunde noch als Bruchteile eines mittleren Sonnentages definiert. Als jedoch offensichtlich geworden war, dass die Erdumdrehung nicht wie angenommen eine konstante Rotationsperiode hat, wurde die an die Rotation gebundene Sonnensekunde in den 1950er Jahren zunächst abgelöst durch die auf der Bahnbewegung der Erde beruhenden Ephemeridensekunde als Zeiteinheit. Seit der Einführung der Atomsekunde Ende der 1960er Jahre wird die Basiseinheit dieses Zeitmaßes nicht mehr astronomisch bestimmt, sondern abgekoppelt von Drehung und Umlauf der Erde. Im SI ist die zugrundeliegende Maßeinheit der Zeit auf Basis der Atomzeit definiert, deren Zeitnormal Atomuhren stellen: die Sekunde. Ihr 86.400faches wird auch als „Tag“ bezeichnet, mit dem Zeichen „d“ (für ) angegeben, und in 24 Stunden zu 60 Minuten von je 60 Sekunden aufgeteilt. Konstantes Zeitmaß d Das übliche konstante Zeitmaß Tag (d) von 24 Stunden ist das 86.400fache der SI-Einheit Sekunde. Deren Definition wurde so gewählt, dass der damit gemessene mittlere Sonnentag gerundet nun (derzeit) 86.400 Sekunden dauert; auftretende Differenzen werden durch Schaltsekunden ausgeglichen. Dieses Zeitmaß entspricht also etwa dem gegenwärtigen Mittelwert, es gibt nicht die wahre Dauer eines Sonnentages an. Mit der Konstruktion aneinander gereihter konstanter Zeitabschnitte für die mittlere Sonnenzeit wird der wahre Sonnenstand zu Mittag regelmäßig um maximal eine gute Viertelstunde Anfang November verfehlt; die jeweiligen Abweichungen können über die Zeitgleichung errechnet werden. Tatsächliche Tagesdauer Die tatsächliche Dauer eines wahren Sonnentages ändert sich von Tag zu Tag etwas, sie wird von den aktuellen Bahngeschwindigkeiten während des Umlaufs sowie von der Rotationsgeschwindigkeit der Erde bestimmt und weicht um bis zu etwa 30 Sekunden von 24 Stunden ab. Allerdings geben diese Zeitspannen nicht die Dauer wieder für eine ganze Umdrehung der Erde. Bereits Kopernikus war bekannt, dass ein Tag-Nacht-Zyklus nicht je einer ganzen Erdrotation entsprechen kann, wenn die Erde um die Sonne läuft. Denn ohne jede Eigenrotation ergibt sich während eines ganzen Umlaufs schon genau ein Tag-Nacht-Zyklus. Präzise Zeitangaben Misst man die Zeitspanne von Kulmination zu Kulmination nicht für den Stern Sonne, der als Zentralgestirn umlaufen wird, sondern in Bezug auf das Licht anderer sehr ferner Sterne, so wird die Erdrotation vor dem Hintergrund der Fixsterne dargestellt durch die Dauer des siderischen Tages. Man beobachtet die scheinbare Drehung des Nachthimmels und erhält damit einen Näherungswert für die Rotationsdauer der Erde von ungefähr 86.164 Sekunden. Vor dem Fixsternhintergrund betrachtet vollzieht die Erde nämlich übers Jahr gesehen genau eine Rotation mehr als die Zahl an auf die Sonne bezogenen (lichten, vollen, Sonnen- oder Kalender-) Tagen. Da die Drehung der Erde gleichsinnig (prograd) dem Lauf um die Sonne ist, ist ihre Dauer um rund 24 h/366 oder knapp 4 Minuten kürzer als ein mittlerer Sonnentag. Derzeit beträgt die Umdrehungsdauer der Erde circa 23 Stunden 56 Minuten und 4,10 Sekunden mit Schwankungen im Bereich von Millisekunden und einer langfristigen Tendenz der Zunahme. Eine zunehmende Umdrehungsdauer spiegelt sich bei gleichen Umlaufbedingungen in zunehmenden Tageslängen wider, sowohl für den vollen wie den lichten Tag. Zwar wird ein Schauen des Sternenhimmels und ein Sichten des Sonnenstandes als zeitliche Bezugnahme im Alltag heute für manchen ersetzt durch den Blick auf die Uhr, manchmal mit dual time für down under. Doch ist Licht für Menschen immer noch zeitgebend, so auch für das gegebene Datum („dies Gegebene“, lateinisch: datum) von heute, an diesem Tag – dem dann subjektiv Bedeutung zukommt beispielsweise als Geburtstag, an dem jemand „das Licht der Welt erblickt“ hat. Tag als Zeitspanne Ausgehend von dem Grundkonzept – in Bezug auf die Phase der Belichtung an einem Aufenthaltsort einen zeitlichen Verhalt anzugeben – sind eingeschränkte oder erweiterte, besondere und allgemeine Begriffe des Tages entwickelt worden: als unbestimmte Spanne tags oder Tag nicht näher bestimmt oder bezogen, als die Zeit mit Licht, dem Tageslicht als ungefähre Spanne Tageszeit wie morgens, vormittags, mittags, nachmittags oder abends als bestimmte Zeitspanne lichter Tag als die helllichte Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang voller Tag bestehend aus den Spannen nachts und tags zwischen vergleichbaren Sonnenständen, z. B. Nychthemeron Sonnentag als Zeitintervall zwischen Mitternacht und Mitternacht als bemessene Zeitspanne ein Tag als festgelegte Anzahl einheitlicher Zeitabschnitte, beispielsweise 24 Stunden in WOZ ein Standard-Tag als Zeitmaß mit festgelegter Summe von SI-Einheiten Sekunde der Tag als durch eine wählbare Zahl an Zeiteinheiten definierter Zeitraum, z. B. ein tariflicher Arbeitstag als gelebte Zeitspanne sozialer Tag, wie ein Tagesablauf für Teilnehmer in Gesellschaft als üblich vermittelt wird, kulturell verschieden subjektiver Tag, wie jemand seine Zeitspanne von Aufstehen bis Schlafengehen oder wieder Aufstehen organisiert und erlebt als sukzessive Zeitspanne Wochentag, mit abzählbarer Stelle in der Anordnung einer Reihe von Tagen Kalendertag, summierbar in Reihung, so umgangssprachlich „Datum“ als verallgemeinerte Zeitspanne dem Tag auf der Erde analoge Begriffe, übertragbar auf Himmelskörper Die Benennung Tag wird also sowohl für Zeitspannen wie für Maßeinheiten verwendet. Unterschiedliche Definitionen der Tagesgrenzen – ob dies nun der wahre, scheinbare oder mittlere Aufgang, Untergang oder Durchgang von Rand oder Mitte der Sonne als ein beobachtetes, errechnetes, festgelegtes oder verkündetes Datum sei – sowie verschiedene für präzise Zeitbestimmungen zu berücksichtigende Umstände – wie die Zeitgleichung, Zeitzonen, Schalttage, Schaltsekunden, Referenzorte und Referenzsysteme – führen dazu, dass beispielsweise auch der Anfang eines Kalendertages abhängig vom kulturellen Kontext anders gesetzt werden kann. Die Begriffe Tag und Nacht können damit einzeln oder zusammen je verschieden gefasst werden. Dem Begriff des lichten Tags – tagsüber gegenüber nachts – entspricht als veränderter Sonnenstand idealisiert der astronomische Begriff Tagbogen der Sonne. Tag als Zeitmaß Im Messwesen wird eine Maßeinheit „Tag“ der physikalischen Größe Zeit (Dauer) als ein bestimmtes Vielfaches der Basiseinheit Sekunde des Internationalen Einheitensystems (SI) definiert. Das Einheitenzeichen ist der kleine Buchstabe „d“, nach dem lateinischen Wort dies für Tag. 1 d = 24 h = 1440 min = 86 400 s Zeit kann in Tagen mit Stunden und Unterteilungen, oder in Tagesbruchteilen angegeben werden. Die Einheit „Tag“ gehört zwar nicht zum Internationalen Einheitensystem (SI), ist zum Gebrauch mit dem SI aber zugelassen. Sie ist außerdem, ebenso wie Stunde und Minute, gesetzliche Maßeinheit gemäß der EU-Richtlinie 80/181/EWG (Einheitenrichtlinie) sowie auch gemäß der deutschen und der Schweizer Einheitenverordnung. Die Definition ist so gewählt, dass „d“ ungefähr der mittleren Dauer von sonnenbezogenen Tagen auf der Erde entspricht. Da die natürlich auftretenden Sonnentage infolge der periodischen Schwankungen und auch wegen nicht periodischer Verschiebungen ja verschieden lange dauern, ergeben sich denn Differenzen zu einem Bezugsmuster, dem die Maßeinheit „d“ als Standard für Tag zugrunde gelegt wird. Erst mit einem Referenzsystem im Hintergrund kann dann für die unterschiedlichen Zeitspannen tatsächlicher Tage über die Zeitgleichung ein wiederholbares Zeitmaß konstruiert, auf eine Maßeinheit bezogen und durch Schaltsekunden gegebenenfalls angepasst werden. In ähnlicher Weise wird heute die Koordinierte Weltzeit (UTC) gebildet. Kalendertag Der Kalendertag ist in der Kalenderrechnung als Zeitspanne neben dem Kalenderjahr und bisweilen dem Kalendermonat die grundlegende Größe. Gregorianischer Kalendertag In dem heute weltweit gebräuchlichen gregorianischen Kalender ist ein Tag die Zeitspanne von einer Mitternacht bis zur nächsten Mitternacht. Eine Zeitspanne von 24 Stunden, die um 00:00 Uhr beginnt und um 24:00 Uhr endet. 24:00 Uhr fällt mit dem Beginn des nächsten Tages zusammen (ISO 8601) Eine Kombination wie 5. Mai, also bestimmt durch Monat und Tagesnummer, aber ohne Jahr, nennt man einen Kalendertag. Die Kalendertage werden nach der ISO 8601 innerhalb eines Monats von „1“ ausgehend als Kalenderdatum fortlaufend nummeriert und in einem Datumsformat schriftlich fixiert. Außerdem wird ihnen, von Monat und Jahr unabhängig, in fester Reihenfolge ein Wochentag zugewiesen. Damit beschreibt das Datum des Tages eine fortlaufende Zeitskala (lineare Zeit), in Unterscheidung zum Wochentag, das sich in seinem Ablauf regelmäßig wiederholt (zyklische Zeit). Beginn und Ende eines solchen Tages sind abhängig von der Zeitzone, auf die sich die Angabe bezieht. Tage in anderen Kalender- und Zeitangabe-Systemen Der Tagesbeginn um „Mitternacht“ ist eine Übereinkunft angelehnt an Konventionen der Astronomie. Andere Kalendersysteme setzen den Tagesbeginn auf den „Sonnenaufgang“. Im jüdischen und islamischen Kalender umfasst der Tag die Zeit von einem „Sonnenuntergang“ bis zum nächsten Sonnenuntergang. Diese Auffassung war im europäisch-vorderasiatischen Raum insgesamt lange vorherrschend. Die römische Zählung der Nachtstunden (vigiliae) und bestimmte Elemente des christlichen Ritus können als Beispiele genannt werden. Das bekannteste Beispiel dürfte der Beginn des Weihnachtsfestes (25. Dezember) bereits an seinem Vorabend sein, der nach moderner Rechnung noch zum 24. Dezember gehört (Heiligabend). Die Setzung des Tagesbeginns auf den Sonnenuntergang ist besonders in Kombination mit Mondkalendern zweckmäßig, bei denen der Monat ebenfalls abends mit der dann sichtbaren neuen Mondsichel beginnt. Noch heute werden viele Feiertage schon am Vorabend begangen, zum Beispiel als Heiligabend oder Nikolausabend, denn in manchen früheren Kalendern im europäischen Raum begann der neue Tag ähnlich wie in jüdischen und islamischen Kalendern nicht erst um Mitternacht, sondern schon mit der lokalen Abenddämmerung, und so ein Feiertag mit dem Feierabend. Siehe auch: altägyptischer Tag, zeitliche Aufteilung des Tages im Alten Ägypten mesopotamischer Tag, Nychthemeron, zeitliche Aufteilung des Tages im Alten Orient Eine Besonderheit sind die synodischen lunaren Tage Tithi der vedischen Zeitrechnung, die in ihrer Dauer zwischen 19 und 26 Stunden variieren, mit 1 masa (Lunarmonat) = 30 tithi. Astronomische Tage Spezielle Begriffe der Dauer eines Tages Herkömmlich wird die Dauer eines Tages definiert als jener Zeitumfang, den die Erde oder ein Himmelskörper braucht, um eine einzelne Drehung in Bezug auf einen Stern zu vollziehen, präzise gemessen von einer Kulmination zur nächsten beziehungsweise zwischen einem Meridiandurchgang und dem nachfolgenden gleichartigen. In Hinsicht auf einen fernen Stern, als fixiert angenommen, ist dies ein Siderischer Tag und gleichwertig einer vollständigen Umdrehung des Körpers um sich selbst. Im Hinblick auf die Sonne, bezogen als zentrales Gestirn, ist solch ein Sonnentag nicht gleich einer ganzen Rotationsperiode des Körpers um seine Achse – denn der Lauf um die Sonne bringt ja für sich genommen während des jährlichen Umlaufes schon einen Tag-Nacht-Zyklus hervor. Es gibt verschiedene dem Kalendertag ähnliche Größen, die ihren Ursprung in den komplexen Bewegungen der Himmelskörper und den verschiedenen Bezugspunkten himmelsmechanischer Berechnungen haben: Wahrer Sonnentag Die Zeitspanne von einem Sonnenhöchststand bis zum nächsten Sonnenhöchststand oder von einem Sonnentiefststand zum nachfolgenden (meist von Mitternacht (unterer Meridiandurchgang) bis Mitternacht). Auf dem Sonnentag basiert die wahre Sonnenzeit, die Wahre Ortszeit (WOZ).Dauer: rund 24 Stunden plus/minus ungefähr 30 Sekunden Mittlerer Sonnentag Mittlerer Sonnentag wird die über Jahre gemittelte durchschnittliche Dauer wahrer Sonnentage genannt, die zunächst nur für astronomische Zwecke berechnet wurde.Dauer: rund 24 Stunden Bürgerlicher Tag Im Bemühen ein zeitliches Bezugsschema mit einem konstanten Zeitmaß zu konstruieren, das auf jeden (vollen) Tag anwendbar ist, wurde der mittlere Sonnentag als Anhaltswert für die Zeitspanne des sogenannten bürgerlichen Tages (englisch civil day) herangezogen und in 24·60·60 gleiche Anteile aufgeteilt. Auf diesem bürgerlichen Tag basiert in der heutigen Kalenderrechnung zumeist ein Tag, der Kalendertag. Gelegentlich wird bei einem Kalendertag die Zeitdauer durch Einfügen einer Schaltsekunde verändert, um damit Abweichungen zum Durchschnittswert von Sonnentagen auszugleichen, die wegen der nicht konstanten Erdrotation auftreten. Über diese Anpassungen wird die Weltzeit (UTC) einerseits auf die Universalzeit (UT1) – bis auf eine geringe Differenz (dUT1) – abgestimmt und andererseits mit der Atomzeit koordiniert.Dauer: 24 Stunden (plus/minus 1 Schaltsekunde) Siderischer Tag Die Umdrehungszeit der Erde in Bezug auf die Fixsterne. Der Siderische Tag (im Englischen „stellar day“) bezieht sich also nicht auf die Belichtung durch die Sonne, sondern auf das Licht anderer ferner Sterne, die als feststehend angenommen werden.Dauer: rund 23 Stunden 56 Minuten 4,10 Sekunden Sterntag Die Umdrehungszeit der Erde in Bezug auf die Kulmination des Frühlingspunktes wird – nicht ganz treffend – als Sterntag bezeichnet (im Englischen „sidereal day“). Auf dem Sterntag beruht die Sternzeit; seine Dauer ist um etwa 8 Tausendstel Sekunden vom Siderischen Tag verschieden, für exaktere astronomische Berechnungen aber von Bedeutung.Dauer: rund 23 Stunden 56 Minuten 4,09 Sekunden Ephemeridentag Der Tag, der auf der Ephemeridensekunde beziehungsweise der Ephemeridenzeit aufbaut, heißt Ephemeridentag.Dauer: rund 24 Stunden Für die Festlegung der Weltzeit oder zum Auffinden von Sternörtern wird die Sonnenzeit beziehungsweise die Sternzeit in Referenz auf den Nullmeridian angegeben. Außerirdische Tage In allgemeinerer Form wird unter einem Tag die Zeitspanne zwischen zwei aufeinanderfolgenden gleichen oder vergleichbaren Belichtungsphasen auf einem Himmelskörper verstanden. Bezogen auf dessen Belichtung durch das umlaufene Zentralgestirn ergibt sich ein Tag daraus, dass die Rotationsbewegung des Körpers und seine Umlaufbewegung zueinander ins Verhältnis gesetzt werden nach ihrer Dauer, Ebene und Richtung. So gibt es neben dem Tag auf der Erde beispielsweise auch einen „Marstag“ („Sol“ genannt) und einen „Merkurtag“ in Bezug auf die Sonne; gemessen in irdischen Zeitnormen – d als Maßeinheit Tag auf Basis der SI-Sekunde – dauert ein Tag auf dem Mars etwa 1 d und 40 Minuten und ein Tag auf Merkur etwa 176 d. Der „Mondtag“ als Tag auf dem Erd-Mond ist im Mittel etwa 29,53 d lang; diesem entspricht dann eine Periode der Mondphasen, wenn sie von der Erde aus betrachtet werden – von einem Neumond bis zum nächsten Neumond ist das gleich einem synodischen Monat. Frühere irdische Tage Da die Rotation der Erde im Laufe der Zeit abgebremst wird – insbesondere durch Gezeitenwirkungen des Mondes –, werden künftige Erdtage tendenziell länger; umgekehrt dauerte ein Tag auf der Erde früher nicht so lange wie heute. Vor etwa 600 Millionen Jahren vollzog die Erde eine volle Drehung um sich selbst in etwa 22 heutigen Stunden. Da der Umlauf um die Sonne etwa genauso lange wie heute dauerte, hatte ein Jahr damals knapp 400 Sonnentage. Belege dafür finden sich unter anderem in den zyklisch abgelagerten Sedimenten (Warven) präkambrischer Gesteine. Für die sehr junge Erde vor etwa 4,5 Milliarden Jahren ergaben numerische Simulationen eine Tagesdauer von etwa 6 Stunden. Die Verhältnisse noch früherer Zeiten vor der Entstehung des Mondes und einer mutmaßlich vorangegangenen Kollision des hypothetischen Protoplaneten Theia mit der Proto-Erde lassen sich nur schwer rekonstruieren. Subjektiver und sozialer Tag Im täglichen Leben wird der „subjektive Tag“, englisch auch awake time period, durch den Rhythmus von Aufstehen und Schlafengehen bestimmt. Der Tag wird oft in die Abschnitte Morgen, Vormittag, Mittag, Nachmittag, Abend und Nacht gegliedert. Biologische Rhythmen treten mit verschiedener Periodendauer auf – mehrere Jahre, etwa ein Jahr oder ein Monat oder ein Tag oder auch kürzere, ultradiane Zeitspannen – und können als wiederholte Muster der Anpassung innerer Zustände an äußere Umstände verstanden werden. Dabei wird die Änderung der inneren Prozessbereitschaft eines Organismus als endogener Rhythmus organisiert und über gewisse Signale an die zeitlichen Schwankungen im Ablauf von Veränderungen seiner Umgebung gekoppelt. Verändert sich die Umgebung kaum oder fehlen entsprechende externe Signale, so läuft der endogene Rhythmus frei mit einer eigenen Periodenlänge. Beträgt die ungefähr einen Tag, wird von Circadianem Rhythmus gesprochen. Erzeugt wird dieser endogene Circadiane Rhythmus in einem Organismus – man findet ihn bei Pflanzen und Tieren wie dem Menschen – durch ein schwingendes Teilsystem, Oszillator oder Innere Uhr genannt, das als Schrittmacher fungierend nun mögliche Takte als Phase vorgibt, deren Länge oder Intervall dann über äußere Reize, Zeitgeber genannt, feiner abgestimmt wird. Dadurch können innere und äußere Verhältnisse hinsichtlich ihrer zeitlichen Struktur in Einklang gebracht werden und so synchron sein, wie innere Schwingungen veränderten äußeren Schwankungen angeglichen worden sind (Entrainment). Die meisten chronobiologisch untersuchten Lebewesen konstruieren den passenden tatsächlichen Tagesrhythmus mit Licht als dem wichtigsten Zeitgeber; für die Organisation passender natürlicher Bezüge wirkt also das Licht des Tages zeitgebend. Daher bildet der lichte Tag auch die Basis der sozialen und subjektiven Tagesbegriffe: Bis zur Einführung künstlicher Beleuchtung musste für fast alle Arbeiten das natürliche Licht ausgenutzt werden – in vielen Branchen und auch Weltgegenden bis heute. Für die überwiegende Mehrzahl der Menschen fallen innerlich erlebter subjektiver Tag und äußerlich verlangter „objektiver“ Zeitbezug wenig auseinander. In den gemäßigten Breiten korrespondiert allerdings der Tagesablauf gegenwärtig zumeist nicht mehr mit dem lichten Tag; im Sommerhalbjahr erwacht man im Allgemeinen erst lange nach Tagesanbruch, im Winter wird man schon vorher wach, und während die Sonne über dem Horizont steht, halten sich viele Menschen gar nicht im Freien auf. Das wird als eine der Ursachen der saisonalen Depression (Winterdepression) gesehen; die Stärke künstlicher Beleuchtung beträgt nur Bruchteile der Leuchtdichte eines natürlich hellen Tages. Weniger leicht ist die Situation für Menschen, deren subjektiver Tag oft oder regelmäßig nicht dem bürgerlichen Tagesablauf (sozialer Tag) folgt. Nach Schichtarbeit bis, über oder ab Mitternacht empfinden manche dieser Personen intuitiv die nachfolgende Zeit als zum vorhergehenden Tag gehörig. Die Verschiebung zum Kalendertag fällt ihnen dann etwa beim Verfassen schriftlicher Datumsangaben auf. Problematischer aber ist die Verschiebung des Schlafrhythmus gegen den lichten Tag, die auch zu gesundheitlichen Störungen (Schichtarbeitersyndrom) führen kann. Bei manchen zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen verschiebt sich der persönliche Tag so weit, dass er sich mit dem nächsten sozialen Tag überschneidet. Menschen, deren persönlicher Tag als individueller Lebensstil permanent gegenüber dem lichten Tag verschoben scheint, bezeichnet man als Nachtmenschen. Eine andere Problematik ergibt sich aus der möglichen Zeitverschiebung gegenüber anderen Zeitzonen. Im modernen Alltag helfen Zeitzonenuhren abzuklären, welcher Tag an anderem Ort heute ist, oder es werden E-Mails in UTC datiert und erst vor Ort umgerechnet. Bei Fernreisen in andere Zeitzonen kann aufgrund des fehlenden Entrainments der inneren Uhr ein Jetlag auftreten. Weblinks Einzelnachweise Zeiteinheit Sonne in der Kultur
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2,063.507279
5865
https://de.wikipedia.org/wiki/1982
1982
Ereignisse Jahreswidmungen 1982 ist „Internationales Jahr der Mobilisierung von Sanktionen gegen Südafrika“ Der Große Brachvogel (lat. Numenius arquata) ist Vogel des Jahres (NABU/Deutschland) Politik und Weltgeschehen 1. Januar: Fritz Honegger wird Bundespräsident der Schweiz 1. Januar: Javier Pérez de Cuéllar tritt sein Amt als Generalsekretär der Vereinten Nationen an 2. Januar: In Ägypten trennt sich Hosni Mubarak vom Amt des Ministerpräsidenten und übt nur noch das Amt des Staatspräsidenten aus 11. Januar: Honduras gibt sich eine neue Verfassung, Asturien erhält seine Autonomie 25. Januar: Der Berliner Appell – Frieden schaffen ohne Waffen wird auf Initiative von Pfarrer Rainer Eppelmann in der DDR veröffentlicht. 3. Februar: Bundeskanzler Helmut Schmidt stellt die Vertrauensfrage gemäß GG. Sie findet am 5. Februar mit 269 gegen 224 Stimmen die Zustimmung des Bundestages. 23. Februar: Eine Volksabstimmung in Grönland über den Verbleib in der Europäischen Gemeinschaft ergibt 52,0 % zu 46,1 % für den Austritt, der am 1. Januar 1985 vollzogen wurde. 17. März: Der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt empfängt eine Delegation des Zentralrats deutscher Sinti und Roma und erkennt den Völkermord an den Sinti und Roma rechtsverbindlich an. 24. März: Bangladesch. Hossain Mohammad Ershad wird Präsident 2. April: Argentinische Truppen besetzen die Falklandinseln, Beginn des Falklandkriegs 13. April: Bhutan wird Mitglied in der UNESCO 16. April: Das erste deutsche Retortenbaby wird in Erlangen geboren 17. April: Kanada erhält die volle Souveränität 23. April: Die Conch Republic wird ausgerufen und wieder in die USA eingegliedert 26. April: In der Nacht vom 26. auf den 27. April läuft der südkoreanische Polizist Woo Bum-kon in Uiryeong Amok, wobei er 57 Menschen und sich selbst tötet. 10. Mai: Belize wird Mitglied in der UNESCO 24. Mai: Die Rückeroberung Chorramschahrs durch iranische Revolutionsgarden erweist sich als Wendepunkt im Ersten Golfkrieg. Die Stadt war seit der Schlacht von Chorramschahr Ende September 1980 unter irakischer Gewalt. 30. Mai: Spanien tritt der NATO bei. 1. Juni: Die Berner Konvention tritt in Kraft 6. Juni: Israel beginnt den ersten Libanonkrieg mit dem erklärten Ziel, die PLO zu zerschlagen 9. Juni: Der amerikanische Präsident Ronald Reagan spricht vor dem Deutschen Bundestag in Bonn. 10. Juni: Die NATO-Gipfelkonferenz tagt erstmals in Bonn (NATO-Gipfel in Bonn 1982), unter Anwesenheit von US-Präsident Ronald Reagan. Gleichzeitig führt die Friedensbewegung die bisher größte Kundgebung in der Geschichte der Bundesrepublik durch. Rund 350.000 Menschen demonstrieren auf den Beueler Rheinwiesen gegen Atomraketen und gegen die von Reagan symbolisierte Rüstungspolitik. 11. Juni: Der amerikanische Präsident Ronald Reagan besucht Berlin. 13. Juni: Nach dem Tod von König Khalid wird sein Bruder Fahd neuer Herrscher in Saudi-Arabien. 14. Juni: Im Falklandkrieg erklärt die argentinische Armee in Port Stanley gegenüber den britischen Streitkräften ihre Kapitulation. 9.800 argentinische Soldaten werden zu Kriegsgefangenen. 18. Juni: Nach der Niederlage im Falklandkrieg muss der argentinische De-facto-Präsident und Kriegsbefürworter Leopoldo Galtieri seinen Posten räumen. Interimsweise übernimmt in der Zeit der Militärherrschaft Brigadegeneral Alfredo Oscar Saint Jean das Amt. 20. Juni: Die britische Regierung erklärt den Falklandkrieg für beendet, nachdem die argentinischen Streitkräfte auf den Malwinen ihre Kämpfe am 14. Juni (Ortszeit) eingestellt und kapituliert haben sowie Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln wieder in britischer Hand sind. 4. Juli: Dominikanische Republik. Jacobo Majluta wird Staatspräsident 12. Juli: Giani Zail Singh wird als erster Sikh zum Staatspräsidenten Indiens gewählt 15. Juli: Antigua und Barbuda wird Mitglied in der UNESCO 31. Juli: Deutschland Bei einem Sprengstoffanschlag in einer Vorhalle zur Abfertigung von Reisenden nach Israel im Flughafen München-Riem werden sieben Menschen schwer verletzt. 1. August: Das Asylverfahrensgesetz (heutige Bezeichnung: Asylgesetz) tritt in Kraft. 21. August: Sobhuza II., der König von Swasiland stirbt. 17. September: Bruch der sozial-liberalen Koalition (Kabinett Schmidt III). Bundeskanzler Helmut Schmidt regiert bis zum 1. Oktober mit einer SPD-Alleinregierung. Oktober: In Bordeaux wird eine hervorragende Wein-Ernte eingebracht 1. Oktober: Helmut Kohl (CDU) wird nach einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) zum neuen Regierungschef gewählt. 8. Oktober: Verbot von Solidarność in Polen durch ein neues Gewerkschaftsgesetz 10. Oktober: Bolivien. Nach den Wahlen wird Hernán Siles Zuazo neuer Präsident. 20. Oktober: Die Präsidentschaftswahl in Sri Lanka wird von Amtsinhaber Junius Richard Jayewardene gewonnen. 28. Oktober: Bei den Parlamentswahlen in Spanien gewinnen die Sozialisten (PSOE) mit 48,3 Prozent der Wählerstimmen die Mehrheit mit 202 von 343 Sitzen im Parlament. Felipe González wird damit neuer designierter Ministerpräsident des Landes. 4. November: Kamerun. Ahmadou Ahidjo tritt als Staatspräsident zurück 6. November: In Nairobi wird der Internationale Fernmeldevertrag unterzeichnet, die Grundlage für die Internationale Fernmeldeunion, einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen. 7. November: In der Türkei wird die neue Verfassung per Volksabstimmung angenommen und tritt am 9. November in Kraft. Mit dem Inkrafttreten der Verfassung wird Staatspräsident Kenan Evren automatisch für 7 Jahre Präsident der Republik. 12. November: Juri Wladimirowitsch Andropow wird Generalsekretär des ZK der KPdSU in der Sowjetunion 13. November: Gründung der Umwelt- und Naturschutzorganisation Robin Wood 28. November: In der Schweiz wird eine Volksinitiative für die Einführung eines Preisüberwachers angenommen 1. Dezember: Amtsantritt des spanischen Ministerpräsidenten Felipe González (PSOE) 4. Dezember: Die Verfassung der Volksrepublik China wird angenommen 8. Dezember: In Fort Zeelandia (Paramaribo) in Suriname werden 15 Oppositionelle auf Veranlassung des Militärregimes unter Desi Bouterse erschossen. 31. Dezember: das sogenannte „Honecker-Attentat“ des Paul Eßling Wirtschaft 8. Februar: Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel erhebt in einem Artikel gegenüber dem Vorstand des deutschen gewerkschaftseigenen Baukonzerns Neue Heimat Bereicherungsvorwürfe. Ins Visier gerät vor allem der Vorstandsvorsitzende Albert Vietor. 18. Juni: Unter der Londoner Blackfriars Bridge wird der italienische Bankier Roberto Calvi erhängt aufgefunden. Als Präsident der Banco Ambrosiano hatte Calvi einige Tage zuvor nach der Konkursanmeldung der Bank Italien fluchtartig verlassen. Das Bankhaus, an dem die Vatikanbank Anteile hält, wird illegaler Manipulationen verdächtigt. Die Hintergründe von Calvis Tod bleiben im Dunkeln. 20. November: Zwischen Hamburg und Berlin wird die fertiggestellte Transitautobahn für den Verkehr freigegeben. Auf DDR-Seite öffnet der innerdeutsche Grenzübergang bei Zarrentin am Schaalsee. 7. Dezember: Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Ecuador Gründung von MicroProse in den USA Gründung von Sun Microsystems in Kalifornien, USA Wissenschaft und Technik 23. Mai: In der Schweiz wird landesweit der Taktfahrplan eingeführt. 16. April: Im Universitätsklinikum Erlangen wird das erste deutsche Retortenbaby geboren. 24. Juni: An Bord des sowjetischen Raumschiffs Sojus T-6 startet mit Jean-Loup Chrétien der erste Franzose ins Weltall. Beim Aufenthalt in der Raumstation Saljut 7 führt er das Forschungsprogramm PVH durch. Am 2. Juli kehrt er zusammen mit Wladimir Dschanibekow und Alexander Iwantschenkow zur Erde zurück. August: Im französischen Wintersportort Val Thorens geht die aktuell größte schwebende Seilbahn der Welt in Betrieb. Es wird ein Höhenunterschied von circa  m überwunden. 26. August: In Oberbayern stürzt der 250. F-104 Starfighter der Bundeswehr ab. September: Der erste Commodore 64 kommt auf den Markt. 19. September: Der Student Scott E. Fahlman schlägt vor, für Scherze im E-Mail-Verkehr die aus drei ASCII-Zeichen gebildete Zeichenfolge :-) zu verwenden. Die ein Smiley nachbildenden Emoticons verbreiten sich bald über das Arpanet. 11. Oktober: Die Überreste des im Jahr 1545 gesunkenen englischen Kriegsschiffs Mary Rose werden aus dem Solent geborgen und nach Portsmouth gebracht. 2. Dezember: An der University of Utah wird dem 61 Jahre alten Barney Clark das erste Kunstherz eingesetzt, mit dem er 112 Tage überlebt. 27. Dezember: Das US-Nachrichtenmagazin Time wählt den Computer zur „Maschine des Jahres“. Audi präsentiert den Aerodynamik-„Weltmeister“ Audi 100 mit einem cw-Wert von nur 0,30. Das erste Computervirus, Elk Cloner, geschrieben von Rich Skrenta, verbreitet sich. Humaninsulin wird erstmals durch gentechnisch veränderte Bakterien in großer Menge produziert. Kultur 1. März: Kulturabkommen zwischen Luxemburg und der Bundesrepublik Deutschland tritt in Kraft 5. Mai: Kulturabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Irak. In Kraft seit dem 7. Februar 1983 11. Juni: In den Vereinigten Staaten kommt Steven Spielbergs Film E.T. – Der Außerirdische in die Filmtheater. Die Documenta 7 – Weltausstellung der Kunst, findet vom 19. Juni bis 28. September in Kassel statt 25. Juni: Weltpremiere des Films Blade Runner 18. August: Das Land Baden-Württemberg übernimmt vom Spielkartenhersteller ASS das Deutsche Spielkartenmuseum und delegiert die Trägerschaft über das dort befindliche Museum an die Stadt Leinfelden-Echterdingen 8. September: Wim Wenders’ Film Der Stand der Dinge erhält bei den Filmfestspielen von Venedig den Goldenen Löwen. 11. September: Beim Bochumer Konzert Künstler für den Frieden treten über 200 deutsche und internationale Künstler vor rund 200.000 Menschen auf, um die Friedensbewegung zu unterstützen. 11. Oktober: Die geborgenen Teile des im Jahr 1545 auf dem Solent gesunkenen englischen Kriegsschiffs Mary Rose treffen in Portsmouth ein. Das Wrack wird dort konserviert und später ausgestellt. 13. Oktober: Uraufführung der Oper Candide von Leonard Bernstein an der New York City Opera an New York 6. November: Uraufführung der Oper Wuthering Heights von Bernard Herrmann in Portland Erstmalige Vergabe des Helmut-Käutner-Preis Im Sommer läuft Steven Spielbergs „Poltergeist“ weltweit an. Gründung der Royal Rangers in der Schweiz Eröffnung des Deutschen Technikmuseums Berlin, damals unter dem Namen Museum für Verkehr und Technik Erstvergabe des Philip Morris Forschungspreises Die National Gallery of Australia wird eröffnet. Veröffentlichung des Neuen Testaments der modernen Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ Gründung der fiktiven Fluggesellschaft Ingold Airlines Der Film Fitzcarraldo von Werner Herzog erscheint Die internationale Kunstausstellung Zeitgeist in Berlin wird eröffnet Gründung der International Association of Astronomical Artists Gründung der Kunstsammlung Neubrandenburg Das Impark Sommerfest im Olympiapark München findet erstmals statt. Der Film Pink Floyd – The Wall von Alan Parker erscheint. Religion 12. Mai: Bei einem Besuch von Papst Johannes Paul II. im portugiesischen Wallfahrtsort Fátima scheitert ein auf ihn verübtes Attentat an seinen Leibwächtern. Der traditionellem Gedankengut anhängende katholische Priester Juan María Fernández y Krohn geht mit einem Bajonett auf den Papst los. 10. Oktober: Der in Auschwitz getötete Pater Maximilian Kolbe wird von Papst Johannes Paul II. zu einem neuen Heiligen erklärt. 31. Oktober: In Dresden (DDR) wird die mit schwedischer Hilfe erbaute Neue Zionskirche geweiht. Ihr Bau war von staatlicher Seite mehr als ein Jahrzehnt behindert worden. Sport Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden siehe unter der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik. 11. Januar: Das erste Maximum Break im Snooker, das von Fernsehkameras aufgenommen wurde, spielte Steve Davis bei den Lada Classics in Oldham. 22. Januar: Walter Röhrl gewinnt mit einem Opel Ascona 400 die 50. Rallye Monte Carlo in Monaco. 23. Januar bis 25. September: Austragung der 33. Formel-1-Weltmeisterschaft 23. Januar: Niki Lauda feiert nach drei Jahren Auszeit sein Formel-1-Comeback. 4. Februar: Norbert Schramm gewinnt in Lyon die Goldmedaille bei den Eiskunstlauf-Europameisterschaften. 28. März bis 26. September: Austragung der 34. FIM-Motorrad-Straßenweltmeisterschaft 11. Juni: Larry Holmes gewinnt seinen Boxkampf und Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Gerry Cooney im Caesars Palace, Las Vegas, Nevada, USA, durch technischen K. o. 13. Juni bis 11. Juli: Bei der zwölften Fußball-Weltmeisterschaft 1982 in Spanien gewinnt im Finale Italien mit 3:1 gegen Deutschland. Die Italienische Fußballnationalmannschaft wird so zum dritten Mal Weltmeister. 20. Juni: Jacky Ickx gewinnt zum fünften Mal das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. 25. September: Keke Rosberg wird als erster Finne mit nur einem Saisonsieg Formel-1-Weltmeister. Niki Lauda feiert nach drei Jahren Auszeit sein Formel-1-Comeback. 3. Oktober: Der niederländische Bergsteiger Johan Taks steht ohne Tourgenehmigung durch die chinesischen Behörden als Erster auf dem Changtse in Tibet, einem nördlich des Mount Everest gelegenen Berges. 26. November: Larry Holmes gewinnt seinen Boxkampf und Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Randall „Tex“ Cobb im Astrodome, Houston, Texas, USA, durch Sieg nach Punkten. Beim Afrika-Cup in Libyen holt das Fußballteam aus Ghana seinen ersten Kontinentaltitel. Das Race Across America findet erstmals statt. Katastrophen 5. April: Die bis heute letzte Aktivitätsphase des Gunung Galunggung beginnt 26. April: Yangshuo, Volksrepublik China. Eine Hawker 2E der CAAC prallt während des Landeanfluges gegen einen Berg, 112 Tote 9. Juli: New Orleans, USA. Eine Boeing 727 der Pan American Airways stürzt kurz nach dem Start ab. Alle 145 Menschen an Bord und acht Anwohner sterben 31. Juli: Beim Busunfall von Beaune kommen in Frankreich 53 Menschen ums Leben, darunter 44 Kinder 22. November: Bei einem Verkehrsunfall in Bad Reichenhall gerät ein mit 34.000 Liter Super- und Normalbenzin beladener Tanklastwagen in Brand 13. Dezember: Erdbeben der Stärke 6,0 in Arabien, etwa 2.800 Tote 19. Dezember: Beim Brand eines Tanklagers im venezolanischen Tacoa kommen durch eine als BLEVE eingeordnete Explosion 150 Menschen ums Leben. Musik 24. April: Nicole gewinnt in Harrogate mit dem Lied Ein bißchen Frieden für Deutschland die 27. Auflage des Eurovision Song Contest. 30. November: Das Erfolgsalbum Thriller von Michael Jackson erscheint, das sich im Laufe der Jahre zum meistverkauften Album der Welt entwickelt. Die schwedische Band ABBA trennt sich. Die ehemaligen Bandmitglieder kündigen an, künftig eigene Projekte zu verfolgen. Mit den Toten Hosen und den Ärzten gründen sich die beiden erfolgreichsten deutschen Punkbands. Japans bekannteste Band X Japan wird gegründet, erst noch unter dem Namen X. Liste der Nummer-eins-Hits in Deutschland (1982) Van Halen bringen Diver Down heraus. Geboren Januar 1. Januar: Egidio Arévalo Ríos, uruguayischer Fußballspieler 1. Januar: David Nalbandian, argentinischer Tennisspieler 2. Januar: Athanasia Tsoumeleka, griechische Leichtathletin und Olympiasiegerin 3. Januar: Eşref Apak, türkischer Hammerwerfer 3. Januar: Nicky Robinson, walisischer Rugbyspieler 4. Januar: Kang Hye-jeong, südkoreanische Schauspielerin 4. Januar: Bernhard Kohl, österreichischer Radrennfahrer 5. Januar: Luca Ansoldi, italienischer Eishockeyspieler 5. Januar: Karel Geraerts, belgischer Fußballspieler 5. Januar: Janica Kostelić, kroatische Ski-Alpinfahrerin 5. Januar: Anastassija Pidpalowa, ukrainische Handballspielerin 6. Januar: Gilbert Arenas, US-amerikanischer Basketballspieler 6. Januar: David Breuer, deutscher Handballspieler 6. Januar: Eddie Redmayne, englischer Schauspieler 7. Januar: Jade North, australischer Fußballspieler 7. Januar: Hannah Stockbauer, deutsche Schwimmsportlerin 7. Januar: Steve Windolf, deutscher Schauspieler 8. Januar: Huang Sui, chinesische Badmintonweltmeisterin 8. Januar: Barbara Tausch, österreichische Politikerin 8. Januar: Jonathan Cantwell, australischer Radrennfahrer († 2018) 8. Januar: Claudia Grehn, deutsche Dramatikerin 9. Januar: Corry Berger, deutsche Basketballspielerin 9. Januar: Catherine, Princess of Wales, Frau von William Mountbatten-Windsor, Prinz of Wales und britische Prinzessin 9. Januar: Benjamin Lebert, deutscher Schriftsteller 9. Januar: Henriette Richter-Röhl, deutsche Schauspielerin 9. Januar: Benjamin Seifert, deutscher Skilangläufer 11. Januar: Anthony Delhalle, französischer Motorrad- und Automobilrennfahrer († 2017) 11. Januar: Jörg Hahnel, deutscher Fußballspieler 12. Januar: Justin Aikins, kanadischer Eishockeyspieler 12. Januar: Kinga Grzyb, polnische Handballspielerin 12. Januar: Anjorka Strechel, deutsche Schauspielerin 13. Januar: Guillermo Coria, argentinischer Tennisspieler 13. Januar: David Möller, deutscher Rodler 14. Januar: Lawrence Aidoo, ghanaischer Fußballspieler 14. Januar: Kamila Anna Augustyn, polnische Badmintonspielerin 14. Januar: Markus Wagesreiter, österreichischer Handballspieler 15. Januar: Rémi Adiko, ivorischer Fußballspieler 15. Januar: Benjamin Agosto, US-amerikanischer Eiskunstläufer 15. Januar: Kim Riedle, deutsche Schauspielerin 15. Januar: Michael Fritz Schumacher, deutscher Schauspieler 16. Januar: Tuncay Şanlı, türkischer Fußballspieler 16. Januar: Birgitte Hjort Sørensen, dänische Schauspielerin 17. Januar: Christian Perez, philippinischer Dartspieler 17. Januar: Dwyane Wade, US-amerikanischer Basketballspieler 18. Januar: Joanna Newsom, US-amerikanische Singer-Songwriterin, Harfenistin und Pianistin 19. Januar: Antje Hamer, deutsche Schauspielerin 19. Januar: Andreas Löw, deutscher Sportschütze 21. Januar: Stefanie Dreyer, deutsche Schauspielerin und Popsängerin 21. Januar: Manuel Hobiger, deutscher Seismologe, Vulkanexperte und Quizspieler 22. Januar: Fabricio Coloccini, argentinischer Fußballspieler 22. Januar: Cornelia Dumler, deutsche Volleyballspielerin 22. Januar: Peter Jehle, Liechtensteiner Fußballspieler 22. Januar: Kitty Kat, deutsche Rapperin 22. Januar: Martin Koch, österreichischer Skispringer 23. Januar: Karol Bielecki, polnischer Handballspieler 23. Januar: Jonathan Bomarito, US-amerikanischer Automobilrennfahrer 23. Januar: Oceana, deutsche Soulsängerin 23. Januar: Andrew Rock, US-amerikanischer Leichtathlet 24. Januar: Claudia Heill, österreichische Judoka († 2011) 24. Januar: Hamdi Dhouibi, tunesischer Zehnkämpfer 24. Januar: Daveed Diggs, US-amerikanischer Schauspieler und Rapper 25. Januar: Peter van Agtmaal, niederländischer Radrennfahrer 25. Januar: Alejandro Argüello, mexikanischer Fußballspieler 25. Januar: Ömür Arpacı, türkischer Schauspieler 25. Januar: Daniel Simon Atherton, britischer Mountainbikerennfahrer 25. Januar: Benno Wiegert, deutscher Handballspieler 25. Januar: Noemi, italienische Sängerin 26. Januar: Justin Cochrane, antiguanischer Fußballspieler 26. Januar: Miloš Putera, slowakischer Handballspieler 26. Januar: Grant Sampson, südafrikanischer Dartspieler 27. Januar: Eva Asderaki, griechische Tennisschiedsrichterin 28. Januar: Anna Andersson, schwedische Eishockeyspielerin 28. Januar: Caspar Austa, estnischer Mountainbike- und Straßenradrennfahrer 28. Januar: Jan Kopecký, tschechischer Rallyefahrer 29. Januar: Wallis Bird, irische Musikerin 29. Januar: Ji Jianhua, chinesischer Mountainbike- und Straßenradrennfahrer 31. Januar: Jekaterina Sergejewna Ananina, russische Badmintonspielerin 31. Januar: Maret Ani, estnische Tennisspielerin 31. Januar: Andreas Görlitz, deutscher Fußballspieler 31. Januar: Ronny Göhl, deutscher Handballspieler 31. Januar: Enrico Gaede, deutscher Fußballspieler Februar 1. Februar: Daisy Betts, australische Schauspielerin 1. Februar: Akseli Lajunen, finnischer Skispringer 1. Februar: Sara Malakul Lane, US-amerikanische Schauspielerin britisch-thailändischer Herkunft 2. Februar: Michail Aljaksandrawitsch Audsejeu, weißrussischer Gewichtheber 2. Februar: Han Ga-in, südkoreanische Schauspielerin 2. Februar: Dorcus Inzikuru, ugandische Leichtathletin 2. Februar: Sebastian Winkler, deutscher Schauspieler 3. Februar: Nadine Arents, deutsche Schauspielerin 3. Februar: Tim Burke, US-amerikanischer Biathlet 3. Februar: Mariusz Jurkiewicz, polnischer Handballspieler 3. Februar: Roland Schwegler, Schweizer Fußballspieler 4. Februar: Heiner Backhaus, deutscher Fußballspieler 4. Februar: Roman Wallner, österreichischer Fußballspieler 5. Februar: Deidra Dionne, kanadische Freestyle-Skierin 5. Februar: Nicolas Gilsoul, belgischer Rallyebeifahrer 5. Februar: Rodrigo Palacio, argentinischer Fußballspieler 5. Februar: Christoph Schubert, deutscher Eishockeyspieler 6. Februar: Nick Audsley, britischer Filmschauspieler 6. Februar: Inez Bjørg David, deutsch-dänische Schauspielerin 6. Februar: Alice Eve, britische Schauspielerin 6. Februar: Roman Patkoló, slowakischer Musiker 7. Februar: Benjamin Kramme, deutscher Schauspieler 8. Februar: Erik Rhodes, US-amerikanischer Pornodarsteller († 2012) 8. Februar: Jens Dethloff, deutscher Handballspieler und Handballtrainer 9. Februar: Christine Kaltenbach, deutsche Fußballspielerin 9. Februar: Konrad Wilczynski, österreichischer Handballspieler 10. Februar: Justin Gatlin, US-amerikanischer Leichtathlet 10. Februar: Tom Schilling, deutscher Schauspieler 11. Februar: Daryn Colledge, US-amerikanischer American-Football-Spieler 11. Februar: Natalie Dormer, britische Schauspielerin 11. Februar: Neil Robertson, australischer Snookerspieler 12. Februar: Julius Aghahowa, nigerianischer Fußballspieler 12. Februar: Markus Feulner, deutscher Fußballspieler 12. Februar: Harez Habib, afghanischer Fußballer 12. Februar: Bobi Wine, ugandischer Politiker und Musiker 12. Februar: Matías Carlos Schulz, argentinischer Handballspieler 12. Februar: Louis Tsatoumas, griechischer Weitspringer 13. Februar: Björn Andersson, schwedischer Fußballspieler 13. Februar: Markus Dau, deutscher Handballspieler 13. Februar: Sophie Herbrecht, französische Handballspielerin und -trainerin 13. Februar: Andrea Kaiser, deutsche Fernsehmoderatorin 15. Februar: Merthan Açıl, türkischer Fußballspieler 16. Februar: Lupe Fiasco, US-amerikanischer Rapper 17. Februar: Adriano, brasilianischer Fußballspieler 17. Februar: Timothée Atouba, kamerunischer Fußballspieler 17. Februar: Nicolás Medina, argentinischer Fußballspieler 17. Februar: Gustavo Sondermann, brasilianischer Automobilrennfahrer († 2011) 18. Februar: Marcos Ferreira Xavier, aserbaidschanisch-brasilianischer Fußballspieler 18. Februar: José Rujano, venezolanischer Radrennfahrer 18. Februar: Juelz Santana, US-amerikanischer Rapper 18. Februar: Christian Tiffert, deutscher Fußballspieler 18. Februar: Radovan Vujanović, serbischer Fußballspieler 18. Februar: Courtney Act, australische Dragqueen 19. Februar: Camelia Potec, rumänische Schwimmerin und Olympiasiegerin 21. Februar: Bernhard Auinger, österreichischer Automobilrennfahrer 22. Februar: Jacob Armen, US-amerikanischer Schlagzeuger 22. Februar: Jenna Haze, US-amerikanische Pornodarstellerin 22. Februar: Travis Mayer, US-amerikanischer Freestyle-Skier 25. Februar: Rômulo Marcos Antoneli, brasilianischer Fußballspieler 25. Februar: Lars Kaufmann, deutscher Handballspieler 25. Februar: Maurizio Mariani, italienischer Fußballschiedsrichter 25. Februar: Flavia Pennetta, italienische Tennisspielerin 26. Februar: Emily Jane Aston, britische Schauspielerin 27. Februar: Bruno Soares, brasilianischer Tennisspieler 28. Februar: Carlos Enrique Ávalos, salvadorianischer Radrennfahrer 28. Februar: Axel Stein, deutscher Schauspieler und Comedian 28. Februar: Jelena Slessarenko, russische Hochspringerin und Olympiasiegerin März 1. März: Johnny Palermo, US-amerikanischer Schauspieler († 2009) 1. März: Kim Min-hee, südkoreanische Schauspielerin 2. März: Pilou Asbæk, dänischer Schauspieler 2. März: Kevin Kurányi, deutscher Fußballspieler 2. März: Kathy Radzuweit, deutsche Volleyballspielerin 3. März: Alejandro Alonso, argentinischer Fußballspieler 3. März: Jessica Biel, US-amerikanische Schauspielerin 4. März: Landon Donovan, US-amerikanischer Fußballspieler 5. März: Toril Hetland Akerhaugen, norwegische Fußballspielerin 5. März: Du Li, chinesische Sportschützin 6. März: Inga Abitowa, russische Langstreckenläuferin 6. März: Ayman al-Aatar, arabischer Sänger 6. März: Alexander DiPersia, US-amerikanischer Schauspieler 6. März: Henrik Knudsen, dänischer Handballspieler 7. März: Tomás Guzmán, paraguayischer Fußballspieler 8. März: Matthew Krok, australischer Schauspieler 8. März: Laura Osswald, deutsche Schauspielerin und Fotomodell 9. März: Emmanuel Corrèze, französischer Fußballspieler 9. März: Barbara Feichtner, ehemalige österreichische Biathletin und Skilangläuferin 10. März: Shin Koyamada, japanischer Schauspieler und Filmproduzent 11. März: Thora Birch, US-amerikanische Schauspielerin 11. März: Yasmine Akram, irische Schauspielerin, Theaterautorin und Komikerin 11. März: Mircea Monroe, US-amerikanische Schauspielerin 13. März: Manuel Pasqual, italienischer Fußballspieler 14. März: Annika Ernst, deutsche Schauspielerin 14. März: Carlos Marinelli, argentinischer Fußballspieler 14. März: Thomas Paulus, deutscher Fußballspieler 14. März: François Sterchele, Fußballspieler († 2008) 15. März: Björn Wiegers, deutscher Handballspieler 16. März: Jesse Tamangrow, palauischer Sprinter 18. März: Tatjana Albertowna Arntgolz, russische Schauspielerin 18. März: Inga Aršakyan, armenische Musikerin 18. März: Olof Ask, schwedischer Handballspieler 18. März: Timo Glock, deutscher Automobilrennfahrer 18. März: Mantorras, angolanischer Fußballspieler 19. März: Eduardo Saverin, Facebook-Mitbegründer 20. März: Tatjana Kästel, deutsche Schauspielerin 20. März: José Moreira, portugiesischer Fußballspieler 20. März: Christoph Vetter, deutscher Handballspieler 21. März: Ejegayehu Dibaba, äthiopische Langstreckenläuferin 21. März: Colin Turkington, britischer Automobilrennfahrer 21. März: Anthar Yahia, algerisch-französischer Fußballspieler 22. März: Enrico Gasparotto, italienisch-schweizerischer Radrennfahrer 22. März: Inácio Piá, brasilianisch-italienischer Fußballspieler 22. März: Morteza Tavakoli, österreichischer Schauspieler 24. März: Fourie du Preez, südafrikanischer Rugbyspieler 24. März: Mariano Donda, argentinischer Fußballspieler 24. März: Elisabeth von Thurn und Taxis, Autorin, Tochter des Adelshauses Thurn und Taxis 25. März: Nadine Krause, deutsche Handballspielerin 25. März: Danica Patrick, US-amerikanische Automobilrennfahrerin 26. März: Zekiros Adanech, äthiopische Marathonläuferin 26. März: Joe Anderson, britischer Schauspieler 26. März: Stanislav Angelovič, slowakischer Fußballspieler 26. März: Johannes Bredl, deutscher Skilangläufer 26. März: Andreas Hinkel, deutscher Fußballspieler 26. März: Marcus Hock, deutscher Handballspieler 26. März: J-five, US-amerikanischer Rapper 26. März: Nate Kaeding, US-amerikanischer American-Football-Spieler 26. März: Maja Maneiro, deutsche Schauspielerin 26. März: Michael Tschuggnall, österreichischer Pop-Sänger 27. März: Hannes Drews, deutscher Fußballtrainer 27. März: Alan Frei, Schweizer Unternehmer 27. März: Veijo Viinikka, finnischer Dartspieler 29. März: Anna Nagata, japanische Filmschauspielerin 29. März: Matthias Flohr, deutscher Handballspieler und -trainer 30. März: A-Trak, kanadischer DJ 30. März: Louis Marcel Powell de Aquino, brasilianischer Gitarrist 30. März: Philippe Mexès, französischer Fußballspieler 30. März: Jason Dohring, US-amerikanischer Schauspieler 30. März: Jure Natek, slowenischer Handballspieler 31. März: David Poisson, französischer Skirennläufer († 2017) April 1. April: Nina Abrahamczik, österreichische Politikerin 1. April: Stefan Pieper, deutscher Skispringer 1. April: Andreas Thorkildsen, norwegischer Leichtathlet 1. April: Róbert Vittek, slowakischer Fußballspieler 2. April: Marco Amelia, italienischer Fußballspieler 2. April: Jeremy Bloom, US-amerikanischer Freestyle-Skier und American-Football-Spieler 3. April: Sofia Boutella, algerische Tänzerin und Schauspielerin 3. April: Fler, deutscher Rapper 3. April: Cobie Smulders, kanadische Schauspielerin 3. April: Daniel Svensson, dänischer Handballspieler 4. April: Dragoș Oprea, deutscher Handballspieler und -trainer 5. April: Hayley Atwell, britische Schauspielerin 5. April: Stefanie Becker, deutsche Fußballspielerin 5. April: Thomas Hitzlsperger, deutscher Fußballspieler 5. April: Alexandre Prémat, französischer Automobilrennfahrer 6. April: Kolja Afriyie, deutscher Fußballspieler 6. April: Alana Austin, US-amerikanische Schauspielerin 6. April: Steve O’Dwyer, amerikanisch-irischer Pokerspieler 7. April: Džana Pinjo, bosnische Schauspielerin 9. April: Jay Baruchel, US-amerikanischer Schauspieler 9. April: Ivo Töllner, deutscher Handballspieler 10. April: Adnan Mravac, bosnisch-herzegowinischer Fußballspieler 11. April: Nadine Warmuth, deutsche Schauspielerin 12. April: Tamer Bayoumi, ägyptischer Taekwondoin 12. April: Ryan Dalziel, britischer Automobilrennfahrer 13. April: Rico Göde, deutscher Handballspieler 13. April: Jennah Karthes, deutsche Schauspielerin und Schlagersängerin 14. April: Renat Abdulin, kasachischer Fußballspieler 14. April: Jekaterina Abramowa, russische Eisschnellläuferin 14. April: Deen, bosnisch-herzegowinischer Sänger 14. April: Mauro Cetto, argentinischer Fußballspieler 15. April: Lena Amende, deutsche Schauspielerin 15. April: Damià Abella Pérez, spanischer Fußballspieler 17. April: Lee Si-young, südkoreanische Schauspielerin 17. April: Ina Trabesinger, österreichische Musicaldarstellerin 18. April: Ibrahim Hassan al-Asiri, saudi-arabischer Terrorist 18. April: Olaf Seegert, deutscher Handballspieler 19. April: Ljudmila Ananka, weißrussische Biathletin 19. April: Filip Jícha, tschechischer Handballspieler und -trainer 19. April: Julian Lüttmann, deutscher Fußballspieler 19. April: Mette Sjøberg, dänische Handballspielerin 20. April: Dario Knežević, kroatischer Fußballspieler 20. April: Florian Thorwart, deutscher Fußballspieler 21. April: Liu Yuanjun, chinesischer Dartspieler 21. April: Walter Olmos, argentinischer Cuarteto-Sänger († 2002) 22. April: Cassidy Freeman, US-amerikanische Schauspielerin und Musikerin 22. April: Michael Fuchs, deutscher Badmintonspieler 22. April: Kaká, brasilianischer Fußballspieler 22. April: Patrick Lindsey, US-amerikanischer Autorennfahrer und Unternehmer 22. April: Christina Rohde, deutsche Handballspielerin 23. April: Louise Bager Due, dänische Handballspielerin 24. April: Kelly Clarkson, US-amerikanische Popsängerin 24. April: Tobias Funke, Schweizer Koch 24. April: Maryja Kalesnikawa, belarussische Bürgerrechtlerin 26. April: Nadja Benaissa, deutsche Sängerin 26. April: Jonathan Figueroa, puerto-ricanischer Wrestler 27. April: Nicole Feurstein-Hosp, österreichische Politikerin (FPÖ) 29. April: Aaron Goulding, australischer Fußballspieler 29. April: John O’Callaghan, irischer Trance-DJ und Musikproduzent 29. April: Travis Smith, US-amerikanischer Schlagzeuger 30. April: Lloyd Banks, US-amerikanischer Rapper 30. April: Christian Bruder, deutscher Skispringer 30. April: Kirsten Dunst, US-amerikanische Schauspielerin Mai 1. Mai: Ambrose Akinmusire, US-amerikanischer Jazztrompeter, Bandleader und Komponist 1. Mai: Tommy Robredo, spanischer Tennisspieler 1. Mai: Dario Srna, kroatischer Fußballspieler 2. Mai: Blythe Hartley, kanadische Wasserspringerin 2. Mai: Lázaro Bruzón, kubanischer Schachspieler 3. Mai: Andrew Durante, australischer Fußballspieler 3. Mai: Sebastian Furchner, deutscher Eishockeyspieler 3. Mai: Benjamin Gille, französischer Handballspieler 3. Mai: Igor Olshansky, US-amerikanischer American-Football-Spieler 3. Mai: Tobias Rathgeb, deutscher Fußballspieler 3. Mai: Konstantin Schubert, deutscher Radrennfahrer 4. Mai: Markus Rogan, österreichischer Schwimmer 5. Mai: Paweł Abbott, polnischer Fußballspieler 5. Mai: Velibor Đurić, bosnisch-herzegowinischer Fußballspieler 5. Mai: Gunnar Jeannette, US-amerikanischer Automobilrennfahrer 5. Mai: Enrico Rossi, italienischer Radrennfahrer 5. Mai: Sándor Torghelle, ungarischer Fußballspieler 6. Mai: Anne Düe, deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin 6. Mai: Jason Witten, US-amerikanischer American-Football-Spieler 8. Mai: Kevin Stefanski, US-amerikanischer American-Football-Trainer 8. Mai: David van Zanten, irischer Fußballspieler 9. Mai: Martin Andersson, schwedischer Fußballspieler 9. Mai: Daniela Schulz, deutsche Schauspielerin 10. Mai: Marc Hennerici, deutscher Automobilrennfahrer 10. Mai: Eva-Maria Fitze, deutsche Eiskunstläuferin 10. Mai: Sabrina Richter, deutsche Handballspielerin 11. Mai: Cory Monteith, kanadischer Schauspieler († 2013) 12. Mai: Marvin Anderson, jamaikanischer Sprinter 12. Mai: Sebastian Hoeneß, deutscher Fußballspieler und -trainer 12. Mai: Tom Reichelt, deutscher Skilangläufer 13. Mai: Stefan Pries, deutscher Handballspieler 14. Mai: Paata Chmaladse, georgischer Billardspieler 14. Mai: Anders Eggert, dänischer Handballspieler 14. Mai: Pia Malo, deutsche Schlagersängerin 14. Mai: Ania Rösler, deutsche Handballspielerin 14. Mai: Beardyman, britischer Multivocalist, Musiker, Webvideoproduzent und Komödiant 15. Mai: Layāl Abboud, libanesische Popsängerin 15. Mai: Veronica Campbell-Brown, jamaikanische Sprinterin und Olympiasiegerin 15. Mai: Matthias Struck, deutscher Handballspieler 15. Mai: Jessica Sutta, US-amerikanische Sängerin und Tänzerin bei den Pussycat Dolls 15. Mai: Alja Velkaverh, slowenische Flötistin 16. Mai: Billy Crawford, philippinischer Sänger, Tänzer, Produzent, Songwriter und Schauspieler 16. Mai: Ju Ji-hoon, südkoreanischer Schauspieler 16. Mai: Clément Turpin, französischer Fußballschiedsrichter 17. Mai: Vjosa Osmani, kosovarische Politikerin 17. Mai: Tony Parker, französischer Basketballspieler 18. Mai: Hussein Adilo, äthiopischer Marathonläufer 19. Mai: Hiroki Yamada, japanischer Skispringer 20. Mai: Gunnar Astrup, deutscher Musiker 20. Mai: Petr Čech, tschechischer Fußballspieler 22. Mai: Vera Baranyai, deutsche Schauspielerin 22. Mai: Atika Bouagaa, deutsche Volleyballspielerin 22. Mai: Kim Mu-yeol, südkoreanischer Schauspieler 23. Mai: Adil Shamasdin, kanadischer Tennisspieler 24. Mai: Issah Ahmed, ghanaischer Fußballspieler 24. Mai: Lusapho April, südafrikanischer Marathonläufer 24. Mai: Roberto Colautti, israelischer Fußballspieler 24. Mai: Dominic Saleh-Zaki, deutscher Schauspieler und Sänger 24. Mai: Xavier Gil, andorranischer Fußballspieler 24. Mai: Kim Frank, deutscher Schauspieler und Sänger 24. Mai: Issah Ahmed, ghanaischer Fußballspieler 25. Mai: Esmé Bianco, britische Schauspielerin und Burlesque-Tänzerin 25. Mai: Mike Block, US-amerikanischer Cellist 25. Mai: Roger Guerreiro, polnischer Fußballspieler 25. Mai: Ezekiel Kemboi, kenianischer Leichtathlet und Olympiasieger 26. Mai: Nelson Ferreira, portugiesischer Fußballspieler 26. Mai: Maja Petrowa, russische Handballspielerin 27. Mai: Mariano Pavone, argentinischer Fußballspieler 28. Mai: Leticia Brunati, argentinische Handballtrainerin 28. Mai: Marisa Brunner, Schweizer Fußballspielerin 29. Mai: Ailyn, spanische Sängerin 29. Mai: Hisham Mohd Ashour, ägyptischer Squashspieler 29. Mai: Elyas M’Barek, österreichischer Schauspieler 30. Mai: Stamatis Katsimis, griechischer Automobilrennfahrer 31. Mai: Ananda Everingham, laotisch-australischer Filmschauspieler und Model 31. Mai: Maja Sokač, kroatische Handballspielerin Juni 1. Juni: Justine Henin, belgische Tennisspielerin 1. Juni: Tainá Müller, brasilianische Filmschauspielerin 2. Juni: Whitney Able, US-amerikanische Schauspielerin 2. Juni: Nicolai Hansen, dänischer Handballspieler 2. Juni: Jewel Staite, kanadische Schauspielerin 3. Juni: Jelena Issinbajewa, russische Leichtathletin, Olympiasiegerin im Stabhochsprung 3. Juni: Jonas Larholm, schwedischer Handballspieler 3. Juni: Horacio Peralta, uruguayischer Fußballspieler 4. Juni: Jin Au-Yeung, US-amerikanischer Rapper und Schauspieler 4. Juni: Dana Bönisch, deutsche Schriftstellerin 4. Juni: Gaetano D’Agostino, italienischer Fußballspieler 5. Juni: Zvjezdan Misimović, bosnisch-herzegowinischer Fußballspieler 6. Juni: Marian Oprea, rumänischer Leichtathlet 7. Juni: Germán Lux, argentinischer Fußballspieler 8. Juni: Alessandro Della Valle, san-marinesischer Fußballspieler 8. Juni: Irina Lazareanu, kanadische Musikerin und Fotomodell 8. Juni: Nadja Petrowa, russische Tennisspielerin 9. Juni: Nobukazu Kuriki, japanischer Bergsteiger († 2018) 9. Juni: Haidar Abdul-Razzaq, irakischer Fußballspieler († 2022) 9. Juni: Christina Stürmer, österreichische Pop-Sängerin 9. Juni: Roy Peter Link, deutscher Schauspieler 10. Juni: Madeleine von Schweden, Herzogin von Hälsingland und Gästrikland 10. Juni: Tara Lipinski, US-amerikanische Eiskunstläuferin 11. Juni: Marco Arment US-amerikanischer iOS-Entwickler und Webdesigner 11. Juni: Marguerita Schumacher, deutsche Schauspielerin 11. Juni: Renate Urne, norwegische Handballspielerin 12. Juni: Loïc Duval, französischer Automobilrennfahrer 12. Juni: Andreas Wolf, deutscher Fußballspieler 13. Juni: Kenenisa Bekele, äthiopischer Langstreckenläufer 13. Juni: Krzysztof Bosak, polnischer Politiker 14. Juni: Antoni Lluís Adrover, spanischer Fußballspieler 14. Juni: Salim Arrache, algerischer Fußballspieler 14. Juni: Jamie Green, britischer Automobilrennfahrer 14. Juni: Lang Lang, chinesischer Klaviervirtuose 14. Juni: Volkan Melendiz, deutscher Popmusiker 14. Juni: Trine Rønning, norwegische Fußballspielerin 14. Juni: Iridia Salazar, mexikanische Taekwondoin 15. Juni: Lander Aperribay, spanischer Radrennfahrer 16. Juni: Lykke May Andersen, dänisches Model und Mannequin 16. Juni: Annika Blendl, deutsche Schauspielerin 16. Juni: Christoph Letkowski, deutscher Schauspieler und Musiker 16. Juni: Missy Peregrym, kanadische Schauspielerin 16. Juni: Rəşad Sadıqov, aserbaidschanischer Fußballspieler 17. Juni: Dirk Laucke, deutscher Dramatiker 17. Juni: Aaron Le, deutsch-vietnamesischer Schauspieler, Synchronsprecher und Polizist 18. Juni: Nadir Belhadj, algerisch-französischer Fußballspieler 18. Juni: Marco Borriello, italienischer Fußballspieler 19. Juni: Matthias Holst, deutscher Fußballspieler 19. Juni: Chris Vermeulen, australischer Motorradrennfahrer 20. Juni: Example, britischer Rapper und Musiker 21. Juni: Roman Stanislawowitsch Adamow, russischer Fußballspieler 21. Juni: Alex Anasuya, deutsche Schauspielerin 21. Juni: William, Prince of Wales, britischer Thronfolger aus dem Haus Windsor 22. Juni: Isabel Edvardsson, schwedische Tänzerin und mehrfache deutsche Meisterin in Standardtänzen 23. Juni: Bart Aernouts, belgischer Cyclocrossfahrer 23. Juni: Johannes Stolle, deutscher Musiker 24. Juni: Sylvain Guintoli, französischer Motorradrennfahrer 24. Juni: Joanna Kulig, polnische Schauspielerin 24. Juni: Lotte Verbeek, niederländische Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin und Model 25. Juni: Rain, südkoreanischer Sänger und Schauspieler 25. Juni: Lizandro Ajcú, guatemaltekischer Radrennfahrer 26. Juni: Ursula Holl, deutsche Fußballspielerin 26. Juni: Sarah Mühlhause, deutsche Schauspielerin 26. Juni: Ryō Orime, japanischer Automobilrennfahrer 26. Juni: Jeffrey Schiffner, US-amerikanischer Basketballspieler 26. Juni: Štefan Svitko, slowakischer Motorradrennfahrer 28. Juni: Janina Isabell Batoly, deutsche Schauspielerin 29. Juni: Admir Vladavić, bosnisch-herzegowinischer Fußballspieler 30. Juni: Lizzy Caplan, US-amerikanische Schauspielerin 30. Juni: Janine Pietsch, deutsche Schwimmerin 30. Juni: Otis Harris, US-amerikanischer Leichtathlet und Olympiateilnehmer 30. Juni: Anna-Marie Keighley, neuseeländische Fußballschiedsrichterin Juli 1. Juli: Bassim Abbas, irakischer Fußballspieler 1. Juli: Anelija Georgiewa Atanasowa, bulgarische Sängerin 1. Juli: Joachim Johansson, schwedischer Tennisspieler 1. Juli: Odirlei Pessoni, brasilianischer Bobfahrer († 2021) 2. Juli: Verena Hagedorn, deutsche Fußballspielerin 2. Juli: Michael Koch, Schweizer Schauspieler und Regisseur 3. Juli: Lola Astanova, russische Pianistin 5. Juli: Philippe Gilbert, belgischer Radrennfahrer 5. Juli: Alberto Gilardino, italienischer Fußballspieler 5. Juli: Katrin Uhlig, deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) 5. Juli: Ata Yamrali, afghanischer Fußballspieler 6. Juli: Christian Ehrhoff, deutscher Eishockeyspieler 7. Juli: Cassidy, US-amerikanischer Rapper 8. Juli: Joshua Alba, US-amerikanischer Schauspieler 8. Juli: Mouna Chebbah, tunesische Handballspielerin 9. Juli: Kozue Andō, japanische Fußballspielerin 9. Juli: Alecko Eskandarian, US-amerikanischer Fußballspieler 9. Juli: Sakon Yamamoto, japanischer Automobilrennfahrer 10. Juli: Sebastian Mila, polnischer Fußballspieler 11. Juli: Adrian Madaschi, australischer Fußballspieler 11. Juli: Alexander Madlung, deutscher Fußballspieler 11. Juli: Guðrun Sólja Jacobsen, färöische Sängerin 12. Juli: A. Sharath Kamal, indischer Tischtennisspieler 12. Juli: Antonio Cassano, italienischer Fußballspieler 12. Juli: Rasmus Gersch, deutscher Handballspieler 13. Juli: Ion Ansotegui Gorostola, spanischer Fußballspieler 14. Juli: Paulo Menezes, brasilianischer Fußballspieler 15. Juli: Lena Dörrie, deutsche Schauspielerin und Sprecherin 15. Juli: Juri Paschtschinski, russischer Billardspieler 15. Juli: Sinan Sofuoğlu, türkischer Motorradrennfahrer († 2008) 16. Juli: André Greipel, deutscher Radfahrer 17. Juli: René Herms, deutscher Mittelstreckenläufer († 2009) 18. Juli: Priyanka Chopra Jonas, indische Schauspielerin, Sängerin und Schönheitskönigin 18. Juli: Natalie Spinell, deutsche Schauspielerin 19. Juli: Julia Mitrici, deutsche Schauspielerin 19. Juli: Jared Padalecki, US-amerikanischer Schauspieler 19. Juli: Jess Vanstrattan, australischer Fußballtorwart 20. Juli: Lars Erik Bjørnsen, norwegischer Handballspieler 20. Juli: Andreas Kunz, deutscher Handballspieler 21. Juli: Katrin Bauerfeind, deutsche Internet-Fernsehmoderatorin 21. Juli: Kristian Nushi, albanischer Fußballspieler aus dem Kosovo 22. Juli: Anton Kalinitschenko, russischer Skispringer 22. Juli: Tom Van Avermaet, belgischer Filmregisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor 23. Juli: Tom Mison, britischer Schauspieler 24. Juli: Anna Paquin, kanadisch-neuseeländische Schauspielerin 24. Juli: Adrian Wehner, deutscher Handballspieler 25. Juli: Brad Renfro, US-amerikanischer Schauspieler († 2008) 26. Juli: Bryce Miller, US-amerikanischer Automobilrennfahrer 26. Juli: Eva Moser, österreichische Schachspielerin († 2019) 27. Juli: Tatjana Andrejewna Antoschina, russische Radrennfahrerin 28. Juli: Jean-François Kornetzky, französischer Fußballspieler 28. Juli: Ágústa Eva Erlendsdóttir, bekannt als Silvia Night, isländische Sängerin und Moderatorin 28. Juli: Carl Waaler Kaas, norwegischer Orientierungsläufer 29. Juli: Pero Antić, mazedonischer Basketballspieler 29. Juli: Allison Mack, US-amerikanische Schauspielerin 29. Juli: Andy Reid, irischer Fußballspieler 30. Juli: Adrian Pfahl, deutscher Handballspieler 30. Juli: Yvonne Strahovski, australische Schauspielerin 31. Juli: Michael Jung, deutscher Reiter und Olympiasieger 31. Juli: Edmond Kapllani, albanischer Fußballspieler August 1. August: Anthony Aquino, italienisch-kanadischer Eishockeyspieler 2. August: Terumi Asoshina, japanische Langstreckenläuferin 2. August: Hélder Postiga, portugiesischer Fußballspieler 2. August: Ricardo Teixeira, portugiesisch-angolanischer Automobilrennfahrer 3. August: Wolodymyr Boschtschuk, ukrainischer Skispringer 3. August: Kristine Riis, norwegische Schauspielerin und Komikerin 3. August: Robert Stadlober, österreichischer Schauspieler 4. August: Luca Antonini, italienischer Fußballspieler 4. August: Jendrik Meyer, deutscher Handballtorwart 4. August: Rubinho, brasilianischer Fußballspieler 5. August: Gino Coutinho, niederländischer Fußballtorhüter 5. August: Tobias Regner, deutscher Sänger und dritter Sieger von Deutschland sucht den Superstar 5. August: Ryu Seung-min, südkoreanischer Tischtennisspieler 6. August: Julia Meynen, deutsche Synchronsprecherin 7. August: Abbie Cornish, australische Schauspielerin 7. August: Jana Klotschkowa, ukrainische Schwimmerin 7. August: Marco Melandri, italienischer Motorradrennfahrer 8. August: Enrico Franzoi, italienischer Radrennfahrer 8. August: Yūta Watase, japanischer Skispringer 9. August: Natsuko Abe, japanische Biathletin 9. August: Raja Amasheh, deutsche Boxerin 9. August: Joel Anthony, kanadischer Basketballspieler 9. August: Tyson Gay, US-amerikanischer Leichtathlet 9. August: Jekaterina Stanislawowna Samuzewitsch, russische politische Aktivistin und Performancekünstlerin 10. August: Devon Aoki, US-amerikanische Schauspielerin und Model 11. August: Jasmin Schwiers, belgische Schauspielerin 12. August: Najmeh Abtin, iranische Bogenschützin 12. August: Tadesse Abraham, eritreischer Langstreckenläufer 12. August: Daniel McMillan, britischer Handballspieler 12. August: Daniela Schreiter, deutsche Comic-Zeichnerin 13. August: Max Alberti, deutscher Schauspieler und Musiker 13. August: Gil Ofarim, deutsch-jüdischer Musiker und Schauspieler 14. August: Pär Asp, schwedischer Fußballspieler 15. August: Steve Zacchia, Schweizer Automobilrennfahrer 16. August: Stefan Maierhofer, österreichischer Fußballspieler 16. August: Ummet Ozcan, niederländischer DJ und Musikproduzent 16. August: Julia Schruff, deutsche Tennisspielerin 17. August: Mark Salling, US-amerikanischer Schauspieler († 2018) 17. August: Hakan Arıkan, türkischer Fußballspieler 17. August: Sébastien Briat, französischer Atomkraftgegner, bei Atommülltransport gestorben († 2004) 17. August: Karim Ziani, franko-algerischer Fußballspieler 18. August: Florian Kringe, deutscher Fußballspieler 18. August: Monroe, deutscher Musikproduzent, Autor und Verleger 18. August: Julian Sensley, US-amerikanisch-deutscher Basketballspieler 18. August: Matt Thompson, australischer Fußballspieler 19. August: Bryan Sellers, US-amerikanischer Automobilrennfahrer 20. August: Aytek Aşıkoğlu, türkischer Fußballspieler 20. August: Youssouf Hersi, niederländischer Fußballspieler 20. August: Joshua Kennedy, australischer Fußballspieler 20. August: Meghan Ory, kanadische Schauspielerin 20. August: Rosalba Pippa, italienische Pop-Sängerin 21. August: Kim Andersson, schwedischer Handballspieler 21. August: Marc Pujol, andorranischer Fußballspieler 21. August: Francisco Vallejo Pons, spanischer Schachspieler 22. August: Janina Flieger, deutsche Schauspielerin 23. August: Natalie Coughlin, US-amerikanische Schwimmerin 24. August: Anders Bardal, norwegischer Skispringer 24. August: Enrico Becker, deutscher Motorradrennfahrer († 2014) 25. August: Emanuel Centurión, argentinischer Fußballspieler 25. August: Enno Hesse, deutscher Schauspieler 25. August: Jung Jae-sung, südkoreanischer Badmintonspieler († 2018) 25. August: Primož Pikl, slowenischer Skispringer 26. August: Nikolai Sergejewitsch Apalikow, russischer Volleyballspieler 28. August: Manú, portugiesischer Fußballspieler 28. August: Thiago Motta, brasilianisch-italienischer Fußballspieler und -trainer 28. August: LeAnn Rimes, US-amerikanische Sängerin 29. August: A+, US-amerikanischer Rapper 29. August: Isabella Jantz, deutsche Schauspielerin und Schriftstellerin 29. August: Felix von Jascheroff, deutscher Filmschauspieler und Sänger 29. August: Talita Antunes da Rocha, brasilianische Beachvolleyballspielerin 30. August: Will Davison, australischer Automobilrennfahrer 30. August: Andy Roddick, US-amerikanischer Tennisspieler 31. August: Oscar Ahumada, argentinischer Fußballspieler 31. August: Björn Andersohn, deutscher Fußballspieler 31. August: Ian Crocker, US-amerikanischer Schwimmer 31. August: Patrick Nuo, Schweizer Sänger 31. August: Michele Rugolo, italienischer Automobilrennfahrer September 1. September: Ali bin Chalid Al Thani, katarischer Springreiter 1. September: Peter van Merksteijn jr., niederländischer Rallyefahrer 2. September: Johannes Bitter, deutscher Handballtorwart 2. September: Dennis Klockmann, deutscher Handballtorwart 3. September: Sarah Burke, kanadische Freestyle-Skierin († 2012) 3. September: Timo Achenbach, deutscher Fußballspieler 3. September: Anja Althaus, deutsche Handballspielerin 4. September: Marcin Bachleda, polnischer Skispringer 4. September: Hildur Guðnadóttir, isländische Cellistin und Komponistin 4. September: Tobias Peterka, deutscher Politiker 4. September: Fabián Yantorno, uruguayischer Fußballspieler 5. September: Sondre Lerche, norwegischer Sänger, Gitarrist und Songwriter 6. September: Martin Amedick, deutscher Fußballspieler 6. September: Hans Petrat, deutscher Skispringer 7. September: Sascha Detlof, deutscher Handballspieler 8. September: Jennifer Bongardt, deutsche Kanutin 8. September: Golo Euler, deutscher Schauspieler 8. September: Koen de Kort, niederländischer Radrennfahrer 9. September: Saskia Bartusiak, deutsche Fußballspielerin 9. September: Wélissa Gonzaga, brasilianische Volleyballspielerin 9. September: Ai Ōtsuka, japanische Sängerin und Liedermacherin 10. September: Naldo, brasilianischer Fußballspieler 11. September: Satoru Abe, japanischer Biathlet 11. September: Elvan Abeylegesse, türkische Mittel- und Langstreckenläuferin 11. September: Ryan Slattery, US-amerikanischer Schauspieler und Filmproduzent 11. September: Swjatlana Zichanouskaja, belarussische Bürgerrechtlerin 12. September: Matthias Müller, Schweizer Orientierungsläufer 13. September: Marina Aitowa, kasachische Hochspringerin 13. September: Soraya Arnelas, spanische Popsängerin 13. September: Nenê, brasilianischer Basketballspieler 14. September: Sunrise Adams, US-amerikanische Pornodarstellerin 14. September: Mario Hoppe, deutscher Handballspieler 14. September: SoShy, französisch-amerikanische Pop- und R’n’B-Singer-Songwriterin 15. September: Hannes Ambelang, deutscher Volleyball- und Beachvolleyballspieler 16. September: Lena Arnoldt, deutsche Politikerin 16. September: Ruti Asarsai, israelische Schauspielerin 16. September: Barbara Engleder, deutsche Sportschützin 16. September: Linus Gerdemann, deutscher Radrennfahrer 17. September: Nikolas Katsigiannis, deutscher Handballtorwart 18. September: Lukas Reimann, Schweizer Politiker 19. September: Amir Shapourzadeh, iranischer Fußballspieler 20. September: Max Engelke, deutscher Schauspieler 20. September: Gülcan Kamps, deutsch-türkische Fernsehmoderatorin 21. September: Felisberto Sebastião da Graca Amaral, angolanischer Fußballspieler 21. September: Parvati Shallow, US-amerikanische Boxerin 21. September: Jon McKain, australischer Fußballspieler 22. September: Kōsuke Kitajima, japanischer Schwimmer 23. September: Shyla Stylez, US-amerikanische Pornodarstellerin († 2017) 23. September: Gill Swerts, belgischer Fußballspieler 24. September: Cristian Daniel Ledesma, argentinischer Fußballspieler 25. September: Benjamin Griffey, deutscher Rapper (bekannt als Casper) 25. September: Sergio Leal, uruguayischer Fußballspieler 26. September: Miguel Portillo, argentinischer Fußballspieler 27. September: Arta Arnicane, lettische Pianistin 27. September: Lil Wayne, US-amerikanischer Rapper 27. September: Darrent Williams, US-amerikanischer Footballspieler († 2007) 28. September: Ray Emery, kanadischer Eishockeyspieler († 2018) 28. September: Takeshi Aoki, japanischer Fußballspieler 28. September: Alexander Gennadjewitsch Anjukow, russischer Fußballspieler 28. September: César Andrés Carignano, argentinischer Fußballspieler 28. September: Stefan Haschke, deutscher Schauspieler und Hörspielsprecher 28. September: Ruben Martini, deutscher Jurist 29. September: Giancarlo Adami, italienischer Skispringer 30. September: Fero Andersen, deutscher Fernsehmoderator 30. September: Lacey Chabert, US-amerikanische Schauspielerin September: Aṣa, französisch-nigerianische Sängerin und Songschreiberin Oktober 1. Oktober: Wilma Arizapana, peruanische Langstreckenläuferin 1. Oktober: Matt Griffin, irischer Automobilrennfahrer 1. Oktober: Andreas Herde, deutscher Musiker 1. Oktober: Louise Svalastog Spellerberg, dänische Handballspielerin und -trainerin 1. Oktober: Marcus Stolzenberg, deutscher Fußballspieler 2. Oktober: Oliver Bender, deutscher Schauspieler und Sprecher 2. Oktober: Tyson Chandler, US-amerikanischer Basketballspieler 2. Oktober: Stephen Pearson, schottischer Fußballspieler 3. Oktober: Graeme Smith, schottischer Fußballtorwart 4. Oktober: Cecilia Andersson, schwedische Eishockeytorhüterin 4. Oktober: Barbara Lenk, deutsche Bibliothekarin und Politikerin 4. Oktober: Martin Prokop, tschechischer Rallyefahrer 5. Oktober: Yasemin Akkar, deutsch-türkische Sängerin 5. Oktober: Francisco Bosch, spanischer Filmschauspieler 5. Oktober: Henry Fa’arodo, salomonischer Fußballspieler 5. Oktober: Florian Kohfeldt, deutscher Fußballtrainer 5. Oktober: Victor Moreira, andorranischer Fußballspieler 5. Oktober: Simon Schwartz, deutscher Comickünstler und Illustrator 6. Oktober: Lewon Aronjan, armenischer Schachspieler 6. Oktober: Stuart Attwell, englischer Fußballschiedsrichter 6. Oktober: Sandrine Aubert, französische Skirennläuferin 6. Oktober: Marie Burchard, deutsche Schauspielerin 6. Oktober: Michael Frater, jamaikanischer Leichtathlet 6. Oktober: Hideki Mutō, japanischer Automobilrennfahrer 7. Oktober: Madjid Bougherra, algerischer Fußballspieler 7. Oktober: Kasper Jensen, dänischer Fußballspieler 8. Oktober: Sebastian Fischer, deutscher Schauspieler 9. Oktober: Alan Gow, schottischer Fußballspieler 9. Oktober: Modeste M’Bami, kamerunischer Fußballspieler († 2023) 9. Oktober: Antonio Manuel Viana Mendonça, angolanischer Fußballspieler 10. Oktober: Cornelia Achenbach, deutsche Schriftstellerin 10. Oktober: David Cal, spanischer Kanute und Weltmeister 10. Oktober: Logi Geirsson, isländischer Handballspieler 10. Oktober: Evelyn Ruzicka, österreichische Schauspielerin, Sängerin und Songwriterin 11. Oktober: Brett Claydon, englischer Dartspieler 11. Oktober: Guillermo Imhoff, argentinischer Fußballspieler 12. Oktober: Alexander Wiktorowitsch Arekejew, russischer Radrennfahrer 12. Oktober: Andreas Waldmeier, Schweizer Skilangläufer 13. Oktober: Thal Abergel, französischer Schachmeister 13. Oktober: Bilal Akgül, türkischer Mountainbike- und Straßenradrennfahrer 13. Oktober: Robbert Dessauvagie, niederländischer Popsänger (Banaroo) 13. Oktober: Ian Thorpe, australischer Schwimmer 14. Oktober: Florian Hossner, deutscher Handballspieler 14. Oktober: Benh Zeitlin, US-amerikanischer Filmemacher 15. Oktober: Saif Saaeed Shaheen, kenianischer Leichtathlet 16. Oktober: Ildar Rajiljewitsch Fatkullin, russischer Skispringer 16. Oktober: Jeremias Rose, deutscher Handballspieler 18. Oktober: Thierry Amiel, französischer Popsänger 18. Oktober: Joe Williams, US-amerikanischer Stuntman und Schauspieler 19. Oktober: Gillian Jacobs, US-amerikanische Schauspielerin und Regisseurin 19. Oktober: Pekka Lagerblom, finnischer Fußballspieler 20. Oktober: José Acasuso, argentinischer Tennisspieler 20. Oktober: Aki Akao, japanische Badmintonspielerin 21. Oktober: Matt Dallas, US-amerikanischer Schauspieler 21. Oktober: Qairat Äschirbekow, kasachischer Fußballspieler 21. Oktober: Jeremiah Rutherford, nauruischer Gewichtheber 22. Oktober: Philipp Eichholtz, deutscher Filmregisseur, Drehbuchautor und Editor 24. Oktober: Ricardo André, portugiesischer Fußballspieler 24. Oktober: Fairuz Fauzy, malaysischer Automobilrennfahrer 25. Oktober: Victoria Francés, spanische Malerin, Illustratorin und Schriftstellerin 25. Oktober: Martin Höfer, deutscher Konzept- und Medienkünstler 25. Oktober: Ryō Nagamatsu, japanischer Komponist von Videospielmusik 26. Oktober: Nicola Adams, englische Boxerin 26. Oktober: Adam Carroll, britischer Automobilrennfahrer 27. Oktober: Johann Lang, deutscher Briefbomben-Attentäter († 2004) 27. Oktober: Joana Zimmer, deutsche Sängerin 28. Oktober: Jeremy Bonderman, US-amerikanischer Baseballspieler 28. Oktober: Kuraki Mai, japanische J-Pop-Sängerin 29. Oktober: Ásmundur Einar Daðason, isländischer Politiker 30. Oktober: Sascha Pederiva, Schweizer Schauspieler 30. Oktober: Clémence Poésy, französische Schauspielerin und Model November 2. November: William Beier, deutscher Eiskunstläufer 2. November: Fukada Kyōko, japanische Schauspielerin, Sängerin und Model 3. November: Henrik Freischlader, deutscher Bluesgitarrist und -sänger 3. November: Jewgeni Wiktorowitsch Pljuschtschenko, russischer Eiskunstläufer 4. November: Bastiaan Giling, niederländischer Radrennfahrer 4. November: Kamila Skolimowska, polnische Leichtathletin († 2009) 4. November: Travis Van Winkle, US-amerikanischer Schauspieler 5. November: Yusuf-Muri Adewunmi, deutscher Fußballspieler 5. November: Thomas Auer, österreichischer Eishockeyspieler 5. November: Nina Prinz, deutsche Motorradrennfahrerin 8. November: Ted DiBiase junior, US-amerikanischer Wrestler 8. November: Lynndie England, Obergefreite der US-Armee 8. November: Mika Kallio, finnischer Motorradrennfahrer 9. November: Petra Wimbersky, deutsche Fußballspielerin 9. November: Massiv, deutsch-palästinensischer Rapper 9. November: Marcus Storey, US-amerikanischer Fußballspieler 10. November: Heather Matarazzo, US-amerikanische Schauspielerin 10. November: Arne Stephan, deutscher Schauspieler und Synchronsprecher 11. November: Simon Altvater, deutscher Kunstradfahrer 11. November: Viktoria Gabrysch, deutsche Schauspielerin 11. November: Hendrik Heutmann, deutscher Schauspieler 12. November: Sibylla Deen, australische Schauspielerin 12. November: Anne Hathaway, US-amerikanische Schauspielerin 12. November: Mark Runge, deutscher Politiker († 2021) 12. November: Maxim Tschudow, russischer Biathlet, mehrfacher Weltmeister 12. November: Wu Hui-ju, taiwanische Bogenschützin 13. November: Merle Hoch, deutsche Musicaldarstellerin 13. November: Daniela Klemenschits, österreichische Tennisspielerin († 2008) 13. November: DJ Stickle, österreichischer DJ und Produzent 14. November: Ekaterina Atalık, türkisch-russische Schachspielerin 14. November: Gradimir Crnogorac, bosnisch-herzegowinischer Fußballspieler 14. November: Martin Eisl, österreichischer Fußballtormann 14. November: Kim Jaggy, Schweizer Fußballspieler 14. November: Laura Ramsey, US-amerikanische Schauspielerin 14. November: Moreno Soeprapto, indonesischer Automobilrennfahrer 15. November: Clemens J. Setz, österreichischer Schriftsteller und Übersetzer 16. November: Amar'e Stoudemire, US-amerikanischer Basketballspieler 17. November: Mimoun Azaouagh, deutscher Fußballspieler 18. November: Gracia Baur, deutsche Popsängerin 18. November: Freyr Alexandersson, isländischer Fußballspieler und -trainer 19. November: Francesco Reda, italienischer Radrennfahrer 22. November: Yakubu Aiyegbeni, nigerianischer Fußballspieler 22. November: Steve Angello, griechisch-schwedischer House-DJ und Musikproduzent 22. November: Pär Arlbrandt, schwedischer Eishockeyspieler 23. November: Colby Armstrong, kanadischer Eishockeyspieler 23. November: Víctor Hugo López, spanischer Handballspieler 23. November: Asafa Powell, jamaikanischer Leichtathlet 24. November: Joey Ansah, britischer Schauspieler und Stuntman 25. November: Michael Spatz, deutscher Handballspieler 26. November: Said Daftari, afghanischer Fußballspieler 26. November: Michael Reisecker, österreichischer Dokumentarfilmer 26. November: Juliane Schenk, deutsche Badmintonspielerin 27. November: Alexander Kerschakow, russischer Fußballspieler 27. November: Tommy Robinson, britischer politischer Aktivist 29. November: Robbie Knops, belgischer Dartspieler 29. November: John Mensah, ghanaischer Fußballspieler 29. November: Rusty Mitchell, US-amerikanischer Automobilrennfahrer 30. November: Marie-Soleil Beaudoin, kanadische Fußballschiedsrichterin 30. November: Elisha Cuthbert, kanadische Schauspielerin 30. November: Domenico Pozzovivo, italienischer Radrennfahrer Dezember 1. Dezember: Rizwan Ahmed, britischer Schauspieler, MC und Musiker 1. Dezember: Laurens Jan Anjema, niederländischer Squashspieler 1. Dezember: Karmen Kočar, slowenische Volleyballspielerin 2. Dezember: Leif Anton, deutscher Handballspieler 3. Dezember: Michael Essien, ghanaischer Fußballspieler 3. Dezember: Choi Yong-jik, südkoreanischer Skispringer 4. Dezember: Marten Laciny, deutscher Rapper 4. Dezember: Waldo Ponce, chilenischer Fußballspieler 4. Dezember: Ho-Pin Tung, chinesischer Automobilrennfahrer 5. Dezember: DJ D, italienischer DJ 6. Dezember: Ryan Carnes, US-amerikanischer Schauspieler 6. Dezember: Alberto Contador, spanischer Radrennfahrer 6. Dezember: Patrick Dollmann, deutscher Schauspieler und Regisseur 6. Dezember: Peter Pucelj, slowenischer Handballspieler 6. Dezember: Susie Stoddart, britische Automobilrennfahrerin 8. Dezember: Julen Aguinagalde Aquizu, spanischer Handballspieler 8. Dezember: Halil Altıntop, türkischer Fußballspieler 8. Dezember: Hamit Altıntop, türkischer Fußballspieler 8. Dezember: Raquel Atawo, US-amerikanische Tennisspielerin 8. Dezember: Christian Beisel, deutscher Fußballspieler 8. Dezember: Joscha Kiefer, deutscher Schauspieler 8. Dezember: Nicki Minaj, US-amerikanische Rapperin 8. Dezember: DeeDee Trotter, US-amerikanische Leichtathletin und Olympiasiegerin 10. Dezember: Aïmen Demai, französischer Fußballspieler tunesisch-algerischer Abstammung 10. Dezember: Sultan Kösen, größter lebender Mensch 12. Dezember: Heidi Løke, norwegische Handballspielerin 12. Dezember: Lara Roxx, kanadische Pornodarstellerin 13. Dezember: Tuka Rocha, brasilianischer Automobilrennfahrer († 2019) 14. Dezember: Koo Kyo-hwan, südkoreanischer Schauspieler 15. Dezember: Matías Delgado, argentinischer Fußballspieler 15. Dezember: Christina Nimand Hansen, dänische Handballspielerin 16. Dezember: Justin Mentell, US-amerikanischer Schauspieler († 2010) 16. Dezember: Stanislav Šesták, slowakischer Fußballspieler 17. Dezember: Felix Stienz, deutscher Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmeditor und Filmproduzent 17. Dezember: Davud Yaqubi, afghanischer Fußballspieler 19. Dezember: Tamilla Raschidowna Abassowa, russische Bahnradsportlerin 19. Dezember: Tero Pitkämäki, finnischer Speerwerfer 20. Dezember: Keny Arkana, französische Rapperin 20. Dezember: Janina Elkin, deutsche Schauspielerin 20. Dezember: David Wright, US-amerikanischer Baseballspieler 22. Dezember: Jeffrey Campbell, jamaikanischer Musiker 22. Dezember: Britta Heidemann, deutsche Degenfechterin 23. Dezember: Nikolai Wladimirowitsch Pankratow, russischer Skilangläufer 23. Dezember: Chang Han-na, südkoreanische Cellistin 24. Dezember: Masaki Aiba, japanischer Sänger und Schauspieler 26. Dezember: Bas Sibum, niederländischer Fußballspieler 26. Dezember: Aksel Lund Svindal, norwegischer Skirennläufer 28. Dezember: Beau Garrett, US-amerikanische Schauspielerin 28. Dezember: Kakianako Nariki, kiribatischer Sprinter 28. Dezember: Karen Zapata, peruanische Schachspielerin 29. Dezember: Alison Brie, US-amerikanische Schauspielerin 29. Dezember: Florian Guillou, französischer Radrennfahrer 29. Dezember: Julia Ocker, deutsche Trickfilm-Regisseurin und Autorin 29. Dezember: Norbert Siedler, österreichischer Automobilrennfahrer 30. Dezember: Kristin Kreuk, kanadische Schauspielerin und Model 31. Dezember: Anna Bertheau, deutsche Schauspielerin Tag unbekannt Barbara Aschenwald, österreichische Autorin Adomas Ąžuolas Audickas, litauischer Unternehmensberater, Finanzist und Politiker Anselm Audley, britischer Fantasy-Autor Jeffrey Beecher, US-amerikanischer Kontrabassist Anna Lena Class, deutsche Schauspielerin Janina Elkin, deutsch-ukrainische Schauspielerin Katarina Fischer, deutsche Schriftstellerin Silke Franz, deutsche Schauspielerin Alexandra Gottschlich, deutsche Schauspielerin Mohammed Hegazy, ägyptischer Staatsbürger, der zum Christentum konvertierte Eric Jacobsen, US-amerikanischer Cellist und Dirigent Lisa Jopt, deutsche Schauspielerin, Hörspiel- und Synchronsprecherin Sebastian Kaufmane, deutscher Schauspieler Matthias Kelle, deutscher Schauspieler Martin Klaus, Schweizer Schauspieler Jonas Laux, deutscher Schauspieler Matthias Luckey, deutscher Schauspieler Giorgos Manolakis, griechischer Laouto- und Bouzoukispieler Genoveva Mayer, deutsche Schauspielerin Seán McDonagh, irischer Schauspieler Deborah Müller, deutsche Schauspielerin Christoph Nübel, deutscher Historiker Juri Padel, deutscher Schauspieler und Regisseur Lia Perez, deutsche Schauspielerin Tom Radisch, deutscher Schauspieler und Sprecher Makyla Smith, kanadische Schauspielerin Tilman Strauß, deutscher Schauspieler Xenia Tiling, deutsche Schauspielerin Samantha Viana, deutsche Schauspielerin Gestorben Januar 1. Januar: Ernst Ammann, deutscher Bühnenbildner und Schauspieler (* 1928) 3. Januar: Fritz Laband, deutscher Fußballspieler (* 1925) 3. Januar: Freddie de Clifford, britischer Automobilrennfahrer und Peer (* 1907) 8. Januar: Grégoire Aslan, armenischer Schauspieler (* 1908) 8. Januar: Reta Shaw, US-amerikanische Schauspielerin (* 1912) 9. Januar: Friedrich Ahlfeld, deutsch-bolivianischer Bergbau-Ingenieur und Geologe (* 1892) 10. Januar: Lazar Weiner, US-amerikanischer Komponist und Chorleiter (* 1897) 11. Januar: Bruno Diekmann, Politiker, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein (* 1897) 12. Januar: Jacob Maarten van Bemmelen, niederländischer Rechtswissenschaftler (* 1898) 13. Januar: Marcel Camus, französischer Regisseur (* 1912) 13. Januar: Bernhard Reismann, deutscher Politiker (* 1903) 14. Januar: Walfried Winkler, deutscher Motorradrennfahrer (* 1904) 15. Januar: Rudolf Thaut, Präsident der Europäisch-Baptistischen Föderation (* 1915) 18. Januar: Nérée Arsenault, kanadischer Politiker und Forstingenieur (* 1911) 19. Januar: Elis Regina, brasilianische Sängerin (* 1945) 19. Januar: Marya Zaturenska, amerikanische Schriftstellerin (* 1902) 19. Januar: Leopold Trepper, polnischer Kommunist, Widerstandskämpfer und Publizist (* 1904) 20. Januar: Anna Haag, deutsche Schriftstellerin, Pazifistin, Politikerin (SPD) und Frauenrechtlerin (* 1888) 22. Januar: Eduardo Frei Montalva, chilenischer Politiker (* 1911) 24. Januar: Clarence Horning, US-amerikanischer American-Football-Spieler (* 1892) 24. Januar: Hans Schütz, deutscher Politiker (* 1901) 27. Januar: Alexander Abusch, Journalist, Schriftsteller und Politiker in der DDR (* 1902) 28. Januar: Hans Sprung, deutscher Motorradrennfahrer (* 1900) 29. Januar: Ōtsuka Hironori, Begründer der Karate-Stilrichtung Wado-Ryu (* 1892) 30. Januar: Stanley Holloway, britischer Schauspieler (* 1890) 30. Januar: Lightnin’ Hopkins, Country Blues-Gitarrist (* 1912) Februar 4. Februar: Alex Harvey, schottischer Rockmusiker (* 1935) 5. Februar: Hans Theodor Gustav Atmer, deutscher Architekt (* 1893) 5. Februar: Arthur Geiss, deutscher Motorradrennfahrer (* 1903) 6. Februar: Ben Nicholson, englischer Maler und Objektkünstler (* 1894) 8. Februar: Kurt Edelhagen, deutscher Bigband-Leader (* 1920) 10. Februar: Margrit Rainer, Schweizer Schauspielerin (* 1914) 11. Februar: Eleanor Powell, US-amerikanische Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin (* 1912) 12. Februar: Dale Alderson, US-amerikanischer Baseballspieler (* 1918) 13. Februar: Archangelus Löslein, Kapuzinerpater (* 1903) 13. Februar: Frank Séchehaye, Schweizer Fußballtorhüter und Automobilrennfahrer (* 1907) 16. Februar: Heinrich Mauersberger, deutscher Erfinder in der Textilindustrie (* 1909) 17. Februar: Thelonious Monk, US-amerikanischer Jazzpianist und -komponist (* 1917) 17. Februar: Lee Strasberg, Mitbegründer des 1931 entstandenen „Group Theatre“ (* 1901) 19. Februar: Gerhard Leibholz, deutscher Jurist (* 1901) 20. Februar: Karl Heinz Moll, deutscher Tierfotograf, Schriftsteller, Naturschützer und Umweltpädagoge (* 1924) 21. Februar: Mischel Cherniavsky, kanadischer Cellist ukrainischer Herkunft (* 1893) 21. Februar: Gershom Scholem, Forscher der jüdischen Mystik (* 1897) 22. Februar: Arie den Arend, niederländischer Komponist und Organist (* 1903) 24. Februar: Virginia Bruce, US-amerikanische Schauspielerin und Sängerin (* 1910) 25. Februar: Christian Schad, deutscher Maler (* 1894) 25. Februar: Zhao Yuanren, chinesischer Sprachwissenschaftler (* 1892) 25. Februar: Hans-Joachim von Merkatz, deutscher Politiker (* 1905) 28. Februar: Friedrich Liebling, Psychologe (* 1893) März 2. März: Philip K. Dick, US-amerikanischer Schriftsteller (* 1928) 3. März: Georges Perec, französischer Schriftsteller (* 1936) 3. März: Sepp Bradl, österreichischer Skispringer (* 1918) 5. März: John Belushi, US-amerikanischer Sänger und Schauspieler (* 1949) 5. März: Clifford P. Case, US-amerikanischer Politiker (* 1904) 5. März: Heinz Heck, deutscher Biologe und Zoodirektor in München (* 1894) 6. März: Ayn Rand, US-amerikanische Schriftstellerin und Philosophin (* 1905) 7. März: Konrad Wolf, deutscher Filmregisseur (* 1925) 11. März: Nikolai Kamanin, sowjetischer Pilot (* 1909) 14. März: Robert Eberan von Eberhorst, österreichischer Konstrukteur (* 1902) 18. März: Émile Chenard, französischer Automobilrennfahrer (* 1891) 18. März: Otto Krayer, deutscher Pharmakologe und Toxikologe (* 1899) 19. März: Sigi Engl, österreichisch-amerikanischer Skirennläufer und Skischulleiter (* 1911) 19. März: Randy Rhoads, US-amerikanischer Rockgitarrist (* 1956) 19. März: Rudolf Trautvetter, deutscher General (* 1891) 20. März: Marietta Schaginjan, sowjetische Schriftstellerin (* 1888) 22. März: Pericle Felici, Kardinal der römisch-katholischen Kirche (* 1911) 22. März: Bob Foster, britischer Motorradrennfahrer (* 1911) 22. März: Buddy Parker, US-amerikanischer American-Football-Spieler und -Trainer (* 1913) 24. März: Igor Gorin, US-amerikanischer Sänger, Schauspieler, Komponist und Musikpädagoge (* 1904) 26. März: Sultan al-Atrasch, syrischer Nationalist und Generalkommandant (* 1891) 28. März: Bill Adkins, kanadischer Theaterkoordinator und Bühnenbildner (* 1888 oder 89) 29. März: Helene Deutsch, österreichisch-polnisch-US-amerikanische Psychoanalytikerin (* 1884) 29. März: Walter Hallstein, deutscher Politiker und Jurist (* 1901) 29. März: Carl Orff, deutscher Komponist, Pädagoge und Mann des Theaters (* 1895) April 3. April: Felix Brodtbeck, Schweizer Chorleiter und Organist (* 1909) 7. April: Harald Ertl, österreichisch-deutscher Formel-1-Rennfahrer (* 1948) 7. April: Manfred Schott, deutscher Schauspieler, Synchronsprecher (* 1936) 9. April: Robert Havemann, deutscher Chemiker, Kommunist und Regimekritiker in der DDR (* 1910) 9. April: Wilfrid Pelletier, kanadischer Dirigent und Pianist (* 1896) 10. April: Peter Brückner, deutscher Sozialpsychologe (* 1922) 15. April: Hans Weisz, rumäniendeutscher Kirchenmusiker und Komponist (* 1903) 16. April: Anatoli Nikolajewitsch Alexandrow, russischer Komponist (* 1888) 16. April: Hermann Diebäcker, deutscher Politiker (* 1910) 16. April: Rudi Knees, deutscher Motorradrennfahrer (* 1907) 17. April: Maxi Ackers, deutsche Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Schauspielerin (* 1896) 18. April: Elisabeth Bitterling-Wolters, deutsche Malerin (* 1892) 18. April: Hiroshi Ohguri, japanischer Komponist und Hornist (* 1918) 20. April: Archibald MacLeish, US-amerikanischer Dichter und Politiker (* 1892) 23. April: Paul Achkar, syrischer Erzbischof (* 1893) 24. April: Awalmir, afghanischer Sänger, Musiker und Komponist (* 1931) 24. April: John M. Ashbrook, US-amerikanischer Politiker (* 1928) 24. April: Ville Ritola, finnischer Leichtathlet und Olympiasieger (* 1896) 25. April: Boris Fjodorowitsch Andrejew, sowjetischer Filmschauspieler (* 1915) 26. April: Karl August von Thurn und Taxis, der zehnte Chef des Hauses Thurn und Taxis (* 1898) 29. April: Herbert Collum, deutscher Kirchenmusiker (* 1914) Mai 1. Mai: Gyula Kertész, ungarischer Fußballspieler und -trainer (* 1888) 1. Mai: Wolfgang Stammberger, deutscher Politiker (* 1920) 1. Mai: Walther Wenck, Oberbefehlshaber der 12. Armee im Zweiten Weltkrieg (* 1900) 3. Mai: Antoine Dubreil, französischer Automobilrennfahrer (* 1897) 3. Mai: Henri Tajfel, britischer Sozialpsychologe (* 1919) 5. Mai: Irmgard Keun, deutsche Schriftstellerin (* 1905) 6. Mai: Kurt Mantel, deutscher Forstwissenschaftler (* 1905) 8. Mai: Peter Walter, deutscher Veterinärmediziner (* 1928) 8. Mai: Gilles Villeneuve, kanadischer Formel-1-Rennfahrer (* 1950) 10. Mai: Werner Ackermann, deutscher Schriftsteller, Verleger und Miteigentümer der Künstlerkolonie Monte Verità (* 1892) 10. Mai: Peter Weiss, deutscher Schriftsteller, Maler, Graphiker (* 1916) 11. Mai: Åke Gustav Andersson, schwedischer Eishockeyspieler (* 1918) 12. Mai: Humphrey Searle, englischer Komponist und Schüler von Anton von Webern (* 1915) 13. Mai: Rudolf Grob, Schweizer evangelischer Geistlicher und Direktor einer Heilanstalt (* 1890) 13. Mai: Kara Karajew, aserbaidschanischer Komponist (* 1918) 13. Mai: Věra Suková, tschechoslowakische Tennisspielerin (* 1931) 15. Mai: Birch Monroe, US-amerikanischer Country-Musiker (* 1901) 16. Mai: Hans Andreas, deutscher Mediziner (* 1912) 19. Mai: Reinhard Karl, deutscher Alpinist, Fotograf und Schriftsteller (* 1946) 20. Mai: Merle Antony Tuve, US-amerikanischer Physiker und Geophysiker (* 1901) 22. Mai: Hans Mock, deutscher und österreichischer Fußballspieler (* 1906) 22. Mai: Cevdet Sunay, türkischer Politiker und General (* 1899) 23. Mai: Renzo Bracesco, italienischer Komponist und Musikpädagoge (* 1888) 26. Mai: Semra Ertan, türkische Arbeitsmigrantin in der Bundesrepublik Deutschland, die sich aus Protest gegen Rassismus öffentlich selbst verbrannte (* 1957) 29. Mai: Romy Schneider, deutsch-französische Schauspielerin (* 1938) 30. Mai: Albert Norden, deutscher Politiker (* 1904) Mai: Gertrud Skrabs, deutsche Malerin und Illustratorin (* 1903) Juni 2. Juni: Herbert Quandt, deutscher Industrieller (* 1910) 2. Juni: Willie Smith, englischer Snooker- und English Billiards-Spieler (* 1886) 3. Juni: Sergei Balassanjan, sowjetischer Komponist (* 1902) 4. Juni: Günther Steines, deutscher Leichtathlet (* 1928) 5. Juni: Roger Bonvin, Schweizer Politiker (* 1907) 5. Juni: Olle Hellbom, schwedischer Regisseur und Drehbuchautor (* 1925) 5. Juni: Nishiwaki Junzaburō, japanischer Schriftsteller (* 1894) 9. Juni: Mirza Nasir Ahmad, Khalifat ul-Masih III. (* 1909) 9. Juni: Richard St. Barbe Baker, britischer Forstwissenschaftler, Umweltaktivist und Autor (* 1889) 10. Juni: Rainer Werner Fassbinder, deutscher Regisseur, Filmproduzent und Bühnenautor (* 1945) 10. Juni: Bernard Heinze, australischer Musiker, Dirigent und Musikpädagoge (* 1894) 12. Juni: Otto Brunner, österreichischer Historiker (* 1898) 12. Juni: Karl von Frisch, Biologe, Zoologe, Nobelpreisträger (* 1886) 13. Juni: Ricardo Paletti, Automobilrennfahrer aus San Marino (* 1958) 13. Juni: Chalid ibn Abd al-Aziz, König von Saudi-Arabien (* 1912) 13. Juni: Marvin Griffin, amerik. Politiker, Gouverneur von Georgia (* 1907) 13. Juni: Herbert Hesmer, deutscher Forstwissenschaftler (* 1904) 14. Juni: George Tremblay, US-amerikanischer Komponist (* 1911) 15. Juni: Art Pepper, US-amerikanischer Altsaxophonist (* 1925) 16. Juni: James Honeyman-Scott, britischer Gitarrist, Mitglied der Pretenders (* 1956) 16. Juni: Georg Leibbrandt, deutscher Politiker (* 1899) 16. Juni: Gwen Wakeling, US-amerikanische Kostümbildnerin (* 1901) 17. Juni: Roberto Calvi, italienischer Banker (* 1920) 17. Juni: Zdeněk Kalista, tschechischer Historiker, Dichter, Literaturkritiker, Herausgeber und Übersetzer (* 1900) 18. Juni: Djuna Barnes, US-amerikanische Schriftstellerin (* 1892) 18. Juni: Curd Jürgens, deutscher Bühnen- und Filmschauspieler (* 1915) 18. Juni: John Cheever, US-amerikanischer Schriftsteller (* 1912) 20. Juni: René Gabriëls, belgischer Karambolageweltmeister und Billardtischhersteller (* 1912) 24. Juni: Jakob Streitle, deutscher Fußballspieler (* 1916) 24. Juni: Paul Benthien, deutscher Tischtennisspieler (* 1914) 26. Juni: Alexander Mitscherlich, deutscher Arzt, Psychoanalytiker und Schriftsteller (* 1908) 26. Juni: Alfredo Marceneiro, Lissabonner Fado-Sänger (* 1891) 28. Juni: Adolf Portmann, Schweizer Zoologe und Naturphilosoph (* 1897) 29. Juni: Henry King, US-amerikanischer Filmregisseur (* 1886) 29. Juni: Piero Meriggi, italienischer Klassischer Philologe, Linguist und Indogermanist (* 1899) 29. Juni: Bernhard Rogge, deutscher Marineoffizier (* 1899) Juli 2. Juli: DeFord Bailey, US-amerikanischer Countrymusiker (* 1899) 2. Juli: Jean Hémard, französischer Automobilrennfahrer (* 1914) 3. Juli: Annibale Bugnini, katholischer Geistlicher (* 1912) 7. Juli: Tsubota Jōji, japanischer Kinderbuchautor (* 1890) 9. Juli: Kai Warner, deutscher Musiker (* 1926) 10. Juli: Karl Hein, deutscher Leichtathlet (* 1908) 10. Juli: Maria Jeritza, österreichische Kammersängerin (Sopran) (* 1887) 10. Juli: Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald, deutsch-niederländischer Paläoanthropologe und Geologe (* 1902) 12. Juli: Lautaro García, chilenischer Maler, Sänger und Dramatiker (* 1895) 13. Juli: Barbara Allen Rainey, US-amerikanische Pilotin und erste Pilotin der US-Streitkräfte (* 1948) 15. Juli: Otto von Rohr, deutscher Opernsänger (* 1914) 16. Juli: Patrick Dewaere, französischer Schauspieler (* 1947) 16. Juli: Charles Robert Swarts, südafrikanischer Politiker (* 1894) 18. Juli: Lionel Daunais, kanadischer Sänger, Opernregisseur und Komponist (* 1901) 18. Juli: Roman Ossipowitsch Jakobson, Philologe, Linguist und Semiotiker (* 1896) 19. Juli: David Frankfurter, jüdischer Medizinstudent in Bern und Attentäter Wilhelm Gustloffs (* 1909) 20. Juli: Okot p’Bitek, ugandischer Dichter, Lehrer und Ethnologe (* 1931) 22. Juli: Sonny Stitt, US-amerikanischer Saxophonist (* 1924) 22. Juli: Lloyd Waner, US-amerikanischer Baseballspieler (* 1906) 23. Juli: Lucia Apicella, italienische Philanthropin (* 1887) 23. Juli: Vic Morrow, US-amerikanischer Schauspieler (* 1929) 23. Juli: Betty Parsons, US-amerikanische Künstlerin und Galeristin (* 1900) 25. Juli: Hal Foster, US-amerikanischer Comic-Autor und -Zeichner (* 1892) 25. Juli: Gabriele Tergit, deutsche Journalistin und Schriftstellerin (* 1894) 27. Juli: Morris Pejoe, US-amerikanischer Blues-Gitarrist und Bandleader (* 1924) 27. Juli: Wladimir Smirnow, sowjetischer Fechter (* 1954) 28. Juli: Keith Green, amerikanischer Sänger und Komponist (* 1953) 29. Juli: Harold Sakata, US-amerikanischer Schauspieler koreanischer Abstammung (* 1920) 29. Juli: Vladimir Zworykin, russischer Ingenieur, Physiker und Erfinder (* 1888) 29. Juli: Sep Ruf, deutscher Architekt (* 1908) 31. Juli: Queenie Paul, australische Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin (* 1893) 31. Juli: Walter Spahrbier, Glückspostbote im deutschen Fernsehen (* 1905) August 1. August: Theo Akkermann, deutscher Bildhauer (* 1907) 1. August: Otto Bayer, deutscher Chemiker (* 1902) 2. August: Albert Aschl, deutscher Archivar und Heimatforscher (* 1900) 2. August: Rudolf Maros, ungarischer Komponist (* 1917) 4. August: Tex Atchison, US-amerikanischer Country-Musiker (* 1912) 4. August: Rolf Karlsen, norwegischer Komponist und Organist (* 1911) 5. August: Dieter Borsche, deutscher Schauspieler (* 1909) 7. August: Georg Picht, Religionsphilosoph, Pädagoge (* 1913) 8. August: Eric Brandon, britischer Automobilrennfahrer (* 1920) 8. August: John L. Sullivan, US-amerikanischer Politiker (* 1899) 9. August: Emanuel Kaláb, tschechischer Militärkapellmeister, Dirigent und Komponist (* 1895) 10. August: Peter de Mendelssohn, deutsch-britischer Schriftsteller, Historiker und Essayist (* 1908) 10. August: José Nieto, spanischer Schauspieler (* 1903) 11. August: Tom Drake, US-amerikanischer Schauspieler (* 1918) 12. August: Henry Fonda, US-amerikanischer Filmschauspieler (* 1905) 13. August: Werner Storz, deutscher Leichtathlet (* 1904) 14. August: Thruston Ballard Morton, US-amerikanischer Politiker (* 1907) 15. August: Jock Taylor, britischer Motorradrennfahrer (* 1954) 15. August: Hugo Theorell, schwedischer Biochemiker (* 1903) 17. August: Charles E. Ackerly, US-amerikanischer Ringer (* 1898) 17. August: Bruno Nöckler, italienischer Skirennläufer (* 1956) 17. August: Ilario Pegorari, italienischer Skirennläufer (* 1949) 18. August: Georges Addor, Schweizer Architekt (* 1920) 18. August: Samuel Hersenhoren, kanadischer Geiger und Dirigent (* 1908) 20. August: Ulla Jacobsson, schwedische Bühnen- und Filmschauspielerin (* 1929) 20. August: Nicolas Naaman, syrischer Erzbischof (* 1911) 21. August: Helmut Kajzar, polnischer Regisseur (* 1941) 21. August: Sobhuza II., König von Swasiland (* 1899) 23. August: Alberto Cavalcanti, brasilianischer Filmregisseur (* 1897) 23. August: Stanford Moore, US-amerikanischer Biochemiker und Nobelpreisträger (* 1913) 24. August: Giorgio Abetti, italienischer Astronom (* 1882) 26. August: Günter Adolphi, deutscher Verfahrenstechniker und Hochschullehrer (* 1902) 27. August: Ma Anandamayi, indische spirituelle Meisterin (* 1896) 28. August: Ludwik Stefański, polnischer Pianist und Musikpädagoge (* 1917) 29. August: Ingrid Bergman, schwedische Schauspielerin (* 1915) 29. August: Nahum Goldmann, Gründer und Präsident des Jüdischen Weltkongresses (* 1895) 31. August: Joaquín Piñeros Corpas, kolumbianischer Schriftsteller und Politiker (* 1915) September 1. September: Haskell Brooks Curry, US-amerikanischer Logiker (* 1900) 1. September: Ludwig Bieberbach, deutscher Mathematiker und NSDAP-Aktivist (* 1886) 1. September: Władysław Gomułka, polnischer Politiker und Parteichef der PZPR (* 1905) 2. September: Werner Schwarz, deutscher Politiker (* 1900) 3. September: Walter Lüthi, reformierter Pfarrer (* 1901) 5. September: Douglas Bader, britischer Kampfflieger (* 1910) 8. September: Mohammed Abdullah, indischer Politiker des Kaschmir (* 1905) 9. September: Joseph Pütz, deutscher Politiker (* 1903) 11. September: Albert Soboul, französischer Historiker (* 1914) 12. September: Arthur Jores, deutscher Mediziner (* 1901) 12. September: Franz Grothe, deutscher Komponist (* 1908) 14. September: Kristján Eldjárn, dritter Präsident von Island (* 1916) 14. September: John Gardner, US-amerikanischer Schriftsteller und Übersetzer (* 1933) 14. September: Pablo Garrido, chilenischer Komponist und Jazzmusiker (* 1905) 14. September: Bachir Gemayel, libanesischer Präsident (* 1947) 14. September: Grace Kelly, US-amerikanische Schauspielerin, Fürstin von Monaco (* 1929) 15. September: Sadegh Ghotbzadeh, iranischer Politiker (* 1936) 17. September: Manos Loïzos, griechischer Komponist (* 1937) 19. September: Samuel Barlow, US-amerikanischer Komponist (* 1892) 21. September: Hovhannes Baghramjan, sowjetischer Militär (* 1897) 21. September: Franz Esser, deutscher Fußballspieler (* 1900) 23. September: Franz Josef Brecht, deutscher Professor für Philosophie (* 1899) 26. September: Henri D’Espine, Schweizer evangelischer Geistlicher und Hochschullehrer (* 1895) 27. September: Thomas C. Chattoe, kanadischer Organist, Chorleiter und Musikpädagoge (* 1890) 29. September: Franz Seume, deutscher Politiker und Bundestagsabgeordneter (* 1903) 30. September: Bill George, US-amerikanischer American-Football-Spieler (* 1929) Oktober 1. Oktober: Otto Hans Abt, Schweizer Maler (* 1903) 2. Oktober: Alice Baber, US-amerikanische Malerin (* 1928) 3. Oktober: Roger Claessen, belgischer Fußballspieler (* 1941) 3. Oktober: Adam Kopyciński, polnischer Dirigent, Pianist, Sänger und Komponist (* 1907) 4. Oktober: Michael Aures, deutscher Musikpädagoge (* 1888) 4. Oktober: Glenn Gould, kanadischer Pianist, Komponist, Musikautor (* 1932) 4. Oktober: Leroy Grumman, US-amerikanischer Konstrukteur und Flugzeugbauer (* 1895) 8. Oktober: Philip Noel-Baker, britisches Parlamentsmitglied, Friedensnobelpreisträger (* 1889) 9. Oktober: Wilhelm Kempf, Bischof von Limburg (* 1906) 9. Oktober: Fernando Lamas, argentinischer Schauspieler und Filmproduzent (* 1916) 14. Oktober: Gerhard Kreyssig, deutscher Politiker (* 1899) 15. Oktober: Johannes Gohl, deutscher Offizier (* 1908) 16. Oktober: Jean Effel, französischer Illustrator (* 1908) 16. Oktober: Jakov Gotovac, kroatischer Komponist und Dirigent (* 1895) 16. Oktober: Hans Selye, kanadischer Mediziner (* 1907) 16. Oktober: Mario Del Monaco, italienischer Opernsänger (Tenor) (* 1915) 18. Oktober: Pierre Mendès France, französischer Politiker, Premierminister (* 1907) 20. Oktober: Anton Heidenreich, deutscher General (* 1896) 21. Oktober: Hermann Berg, deutscher Politiker, MdB (* 1905) 21. Oktober: Joachim Kortüm, deutscher General (* 1898) 21. Oktober: Abdul Zahir, afghanischer Premierminister (* 1910) 22. Oktober: Savitri Devi, nationalsozialistische Philosophin und Schriftstellerin (* 1905) 25. Oktober: Werner Naumann, Nationalsozialist, persönlicher Referent von Joseph Goebbels (* 1909) 25. Oktober: Karl Bruckner, österreichischer Schriftsteller (* 1906) 26. Oktober: Giovanni Benelli, Erzbischof von Florenz und Kardinal (* 1921) 28. Oktober: Mario Agustoni, Schweizer Politiker und Jurist (* 1902) 28. Oktober: Robert d’Escourt Atkinson, britischer Astronom, Physiker und Erfinder (* 1898) 28. Oktober: Hendri Spescha, Schweizer Autor und Politiker (* 1928) 29. Oktober: William Lloyd Webber, englischer Kirchenmusiker und Komponist (* 1914) November 1. November: Michel Aunaud, französischer Automobilrennfahrer (* 1911) 1. November: Eric Arthur, kanadischer Architekt und Autor (* 1898) 1. November: Ray Draper, US-amerikanischer Jazz-Tubist (* 1940) 1. November: King Vidor, US-amerikanischer Regisseur (* 1894) 3. November: Jo Miard, deutscher Bildhauer (* 1929) 4. November: Germaine Rouault, französische Automobilrennfahrerin (* 1905) 4. November: Jacques Tati, französischer Schauspieler (Komiker) und Regisseur (* 1907) 7. November: Bully Buhlan, deutscher Jazz- und Schlagersänger, Pianist und Schauspieler (* 1924) 7. November: Salvador Contreras, mexikanischer Komponist (* 1910) 8. November: Marco de Gastyne, französischer Filmregisseur und Drehbuchautor (* 1889) 9. November: Emil Bettgenhäuser, deutscher Politiker (* 1906) 10. November: Leonid Breschnew, Parteichef der KPdSU der Sowjetunion (* 1906) 12. November: Rudi Baerwind, deutscher Maler (* 1910) 12. November: Eduardo Mallea, argentinischer Schriftsteller und Diplomat (* 1903) 12. November: Dorothy Round, englische Tennisspielerin (* 1908) 14. November: Max Beyer, Amateurastronom und Berufsschullehrer (* 1894) 16. November: Arthur Bowden Askey, britischer Komiker und Schauspieler (* 1900) 17. November: Robert Knight Andras, kanadischer Unternehmer und Politiker (* 1921) 17. November: Eduard Tubin, schwedischer Komponist (* 1905) 17. November: Heinrich Lindenberg, deutscher Politiker (* 1902) 18. November: Anton Biersack, deutscher Komponist (* 1907) 18. November: Heinar Kipphardt, deutscher Dramatiker (* 1922) 19. November: Erving Goffman, US-amerikanischer jüdischer Soziologe (* 1922) 21. November: Herbert Lewin, Präsident des Zentralrates der Juden (* 1899) 22. November: Max Deutsch, französischer Komponist, Dirigent und Musikpädagoge (* 1892) 22. November: Stanisław Ostrowski, polnischer Arzt, Offizier und Politiker (* 1892) 24. November: Benny Friedman, US-amerikanischer American-Football-Spieler und -Trainer (* 1905) 24. November: Bohumír Štědroň, tschechischer Musikwissenschaftler und Pianist (* 1905) 26. November: Juhan Aavik, estnischer Komponist (* 1884) 26. November: Gordon Gray, US-amerikanischer Politiker (* 1909) 26. November: Antonino Janner, Schweizer Diplomat (* 1917) 28. November: Hermann Balck, deutscher General (* 1893) 29. November: Percy Williams, kanadischer Leichtathlet (* 1908) 30. November: Adolf Heusinger, deutscher General (* 1897) Dezember 2. Dezember: Lindley Evans, australischer Pianist, Musikpädagoge und Komponist (* 1895) 2. Dezember: Marty Feldman, britisch-US-amerikanischer Autor, Schauspieler und Regisseur (* 1934) 2. Dezember: Giovanni Ferrari, italienischer Fußballspieler und -trainer (* 1907) 3. Dezember: Louis Auriacombe, französischer Dirigent (* 1917) 4. Dezember: Rudolph Eugen Arbesmann, US-amerikanischer Klassischer Philologe (* 1895) 3. Dezember: Dora Dunkl, deutsch-österreichische Lyrikerin und Schriftstellerin (* 1925) 3. Dezember: Adalbert Tägtmeyer, deutscher General (* 1915) 5. Dezember: Georg André, deutscher Politiker (* 1920) 7. Dezember: Charlie Brooks, US-amerikanischer Mörder (* 1942) 7. Dezember: Harry Jerome, kanadischer Leichtathlet und Olympiateilnehmer (* 1940) 7. Dezember: George Bogdan Kistiakowsky, russisch-amerikanischer Chemiker (* 1900) 7. Dezember: Sam Theard, US-amerikanischer Sänger und Songwriter (* 1904) 8. Dezember: Marty Robbins, US-amerikanischer Country-Sänger und Songwriter (* 1925) 8. Dezember: Ján Smrek, slowakischer Schriftsteller und Herausgeber (* 1898) 9. Dezember: Ásmundur Sveinsson, isländischer Bildhauer (* 1893) 9. Dezember: Paul Godwin, deutsch-niederländischer Violinist und Orchesterleiter (* 1902) 9. Dezember: Fritz Usinger, deutscher Schriftsteller (* 1895) 11. Dezember: Erhard Mauersberger, Organist, Musiklehrer und Chordirigent (* 1903) 13. Dezember: Jan Anderle, tschechischer Testpilot (* 1900) 16. Dezember: Colin Chapman, britischer Rennwagen-Konstrukteur (* 1928) 16. Dezember: Toña la Negra, mexikanische Sängerin (* 1912) 17. Dezember: Homer S. Ferguson, US-amerikanischer Politiker (* 1889) 17. Dezember: Big Joe Williams, US-amerikanischer Blues-Gitarrist, Sänger und Songschreiber (* 1903) 18. Dezember: Hans-Ulrich Rudel, deutscher Luftwaffe-Oberst im Zweiten Weltkrieg (* 1916) 18. Dezember: Willi Multhaup, deutscher Fußballtrainer (* 1903) 19. Dezember: Jean-Jacques Grunenwald, französischer Organist, Komponist und Musikpädagoge (* 1911) 19. Dezember: Frederick Terman, US-amerikanischer Elektroingenieur und „Vater von Silicon Valley“ (* 1900) 20. Dezember: Rudolf Werner Ackermann, deutscher Maler (* 1908) 20. Dezember: Arthur Rubinstein, polnisch/US-amerikanischer Pianist (* 1887) 21. Dezember: Georg Apfelbeck, deutscher Bauunternehmer und Tischtennis-Funktionär (* 1914) 21. Dezember: John Hargrave, britischer Autor, Politiker (* 1894) 23. Dezember: Wilhelm Angerer, österreichischer Fotograf (* 1904) 23. Dezember: Piți Apolzan, rumänischer Fußballspieler (* 1927) 24. Dezember: Louis Aragon, französischer Historiker, Dichter und Schriftsteller (* 1897) 25. Dezember: Walt Ader, US-amerikanischer Automobilrennfahrer (* 1913) 26. Dezember: Johann Blankemeyer, deutscher nationalsozialistischer Politiker (* 1898) 26. Dezember: Maxi Böhm, österreichischer Schauspieler und Kabarettist (* 1916) 27. Dezember: Erwin Bootz, deutscher Pianist (* 1907) 27. Dezember: John Leonard Swigert, amerikanischer Astronaut (* 1931) 29. Dezember: Max de Terra, Schweizer Automobilrennfahrer (* 1918) 29. Dezember: Hugh Gallen, US-amerikanischer Politiker (* 1924) 29. Dezember: Edith Unnerstad, schwedische Schriftstellerin (* 1900) 30. Dezember: Alberto Vargas, peruanischer Pin-Up-Zeichner (* 1896) 31. Dezember: Paul Eßling, deutscher Attentäter (* 1940) 31. Dezember: Kurt Friedrichs, deutsch-amerikanischer Mathematiker (* 1901) Datum unbekannt Rui Pinto de Abreu, portugiesischer Schwimmer (* 1961) Peter Earl Anderza, US-amerikanischer Altsaxophonist (* 1933) Annemarie Hansen, deutsche Malerin (* 1898) Else Schubert-Christaller, deutsche Autorin (* 1891) Werner Stief, deutscher Volkskundler (* 1905) Henry Tyrell-Smith, irischer Motorradrennfahrer (* 1907) Wissenschaftspreise Nobelpreise Physik: Kenneth Wilson Chemie: Aaron Klug Medizin: Sune Bergström, Bengt Ingemar Samuelsson und John Robert Vane Literatur: Gabriel García Márquez Friedensnobelpreis: Alva Myrdal und Alfonso García Robles Wirtschaftswissenschaft: George Stigler Fields-Preis Alain Connes, für Beiträge zur Theorie der Operatoralgebren, besonders Klassifikation der Faktoren vom Typ III, der Automorphismen des hyperfiniten Faktors und der injektiven Faktoren sowie Anwendung von C*-Algebren auf Blätterungen und Differentialgeometrie, zyklische Kohomologie (Funktionalanalysis, Differentialgeometrie). William Thurston, für neue Methoden in der zwei- und dreidimensionalen Topologie, die das Wechselspiel zwischen Analysis, Topologie und Geometrie zeigen, und die Idee, dass viele geschlossene Mannigfaltigkeiten eine hyperbolische Struktur tragen, Thurstonsche Vermutung (Topologie, Differentialgeometrie). Shing-Tung Yau, für Beiträge zu Differentialgleichungen, zur Calabi-Vermutung in der algebraischen Geometrie, mit Schoen Beweis des Positive-Energie-Theorems in der allgemeinen Relativitätstheorie, Arbeiten zu den reellen und komplexen Monge-Ampère-Gleichungen (Algebraische Geometrie, Mathematische Physik). Turing Award Stephen A. Cook, für die Komplexitätstheorie, insbesondere die im Paper The Complexity of Theorem Proving Procedures begründete Theorie der NP-Vollständigkeit. Literatur Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland. 1982. (1 Band), Oldenbourg, München 2013, ISBN 978-3-486-71876-8. Weblinks Jahresrückblick von tagesschau.de Jahreschronik vom Haus der Geschichte der BRD Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung (1982) im Bundesarchiv Jahr 1982 von Frank Rübertus Wikipedia:Artikel mit Video
Q2436
2,331.418396
14761
https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCssigkristall
Flüssigkristall
Als Flüssigkristall bezeichnet man eine Substanz, die einerseits flüssig ist, andererseits aber auch richtungsabhängige (anisotrope) physikalische Eigenschaften aufweist wie ein Kristall. Mit ihrer Kombination aus Fluidität und Anisotropie werden Flüssigkristalle vor allem in Flüssigkristallbildschirmen und -anzeigen () verwendet. Die meisten Flüssigkristalle sind optisch doppelbrechend. Unter dem Polarisationsmikroskop zeigen sie dann charakteristische Texturen. Flüssigkristalle sind der „Weichen Materie“ zuzuordnen. Zusätzlich zu den seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert bekannten, niedermolekularen Flüssigkristallen wurden in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts flüssigkristalline Polymere und Elastomere entdeckt. Üblicherweise meint man mit Flüssigkristall thermotrope Flüssigkristalle. Diese treten beim Erwärmen von bestimmten Substanzen beim Schmelzen als Zwischenphase (Mesophase) zwischen der festen und der flüssigen Phase auf. Eine Substanz kann mit zunehmender Temperatur nacheinander mehrere unterschiedliche flüssigkristalline Phasen ausbilden. Daneben gibt es lyotrope Flüssigkristalle. Diese bilden sich, wenn amphiphile Substanzen (wie Tenside) in einem Lösungsmittel (beispielsweise Wasser) gelöst werden. Bei geeigneter Konzentration des Amphiphils kommt es zur Ausbildung von submikroskopischen Strukturen wie Vesikeln und Mizellen, die sich im Lösungsmittel symmetrisch anordnen und dadurch eine anisotrope Flüssigkeit bilden. Geschichte Die Erstbeschreibung eines Flüssigkristalls geht auf Friedrich Reinitzer zurück. 1888 beschrieb er das farbenprächtige Erscheinungsbild beim Schmelzen und Erstarren von Cholesterylbenzoat, dem Benzoesäureester des Cholesterins. Dabei bemerkte er, dass diese Verbindung bereits bei 145,5 °C flüssig wurde, die polarisationsmikroskopische Doppelbrechung bzw. milchig-trübes Aussehen jedoch bis 179 °C fortbestand. Erst bei Temperaturen über 179 °C entstand eine glasklare, „normale“ Flüssigkeit. Daraufhin untersuchte Otto Lehmann diese wie auch weitere Substanzen und sprach erstmals von fließenden Kristallen. In den 1920er Jahren erfolgten erste, grundlegende Untersuchungen an Flüssigkristallen durch Georges Friedel und Daniel Vorländer. Technisches Interesse wurde den Flüssigkristallen erst durch die Entdeckung elektrooptischer Schaltbarkeit durch George H. Heilmeier zuteil. Einen Übersichtsartikel zur Geschichte der LCDs schrieb H. Kawamoto. Ein Kompendium mit 46 übersichtsweise kommentierten, klassischen Arbeiten über Physik, Chemie und Anwendungstechnik der Crystals that Flow stammt von Sluckin et al. (s. Abschn. 6). Im Karlsruher Institut für Technologie gibt es vor dem Otto-Lehmann-Hörsaal des Physikalischen Instituts eine Dauerausstellung zur Flüssigkristall-Historie Vom Cholesterin zum Flachbildschirm, und eine umfangreiche Publikationsliste findet sich unter „Geschichte“ auf der Website der Deutschen Flüssigkristall-Gesellschaft (Weblinks dazu im Abschn. 8). Begriffe und Einteilung Flüssigkristalline Phasen, auch Mesophasen genannt, bilden zusammen mit den konformationsungeordneten Kristallen und den plastischen Kristallen einen eigenen Aggregatzustand, den man mesomorphen Zustand nennt. Eine Verbindung, die eine flüssigkristalline Phase zeigt, nennt man mesogen. Ist diese Mesophase eine nematische Phase (von „Faden“), so nennt man die Verbindung nematogen, ist sie eine smektische Phase, smektogen. Man kann zwischen lyotropen, thermotropen und barotropen Flüssigkristallen unterscheiden. Bei thermotropen bzw. barotropen Flüssigkristallen beobachtet man die Ausbildung ihrer Mesophasen in Abhängigkeit von Temperatur oder Druck in der reinen Substanz. Die Ausbildung von lyotropen Mesophasen erfordert die Anwesenheit eines Lösungsmittels und ist zusätzlich abhängig von dessen Konzentration. Amphitrope Flüssigkristalle zeigen sowohl lyotrope als auch thermotrope Mesophasen. Bei thermodynamisch stabilen Mesophasen spricht man von enantiotropen, bei metastabilen Mesophasen von monotropen Mesophasen (wie bei kristallinen Phasen). Die Anreihung der verschiedenen auftretenden Phasen eines Flüssigkristalls in Abhängigkeit von der Temperatur nennt man Polymorphie. Voraussetzung für die Ausbildung einer flüssigkristallinen Phase ist die Anisometrie der sie bildenden Baueinheiten. Die weitaus meisten erforschten Flüssigkristalle (auch diejenigen in Flüssigkristallanzeigen) haben eine stäbchenförmige (kalamitische) Molekülgestalt. Aber auch viele andere Formen sind möglich, z. B.: diskoide (scheibchenförmige), pyramidoide (schüssel- oder kegelförmige), sanidische (brettartige), polycatenare (kalamitische mit mehreren flexiblen Ketten an einem oder beiden Enden) oder gebogene (bananenförmige) Moleküle. Neben den niedermolekularen gibt es auch hochmolekulare Mesogene, die ebenfalls thermotrope oder lyotrope Flüssigkristalle bilden. Letztere treten bei „LC-Hauptkettenpolymeren“ auf (LC für Liquid Crystals), während „LC-Seitenkettenpolymere“ auch thermotrope Flüssigkristalle bilden (s. Weblink zu T. Labude im Abschn. 8). - Hochorganisierte Molekülverbände aus Biopolymeren wie das Tabakmosaikvirus können ebenfalls (lyotrop) mesogen sein. Thermotrope flüssigkristalline Phasen Es gibt verschiedene thermotrope flüssigkristalline Phasen, die sich durch ihre mikroskopische Struktur und ihr makroskopisches Erscheinen deutlich voneinander unterscheiden, so z. B. nematische Phasen, smektische Phasen, kolumnare Phasen. Nematische Phasen Die nematische Phase achiraler Mesogene ist der einfachste Typ flüssigkristalliner Phasen. In ihr weisen die Moleküle eine Orientierungsordnung bezüglich eines so genannten Direktors, des Einheitsvektors der Richtung, auf. Die daraus folgende Vorzugsorientierung ist in der Regel nur für kleine Volumina konstant. Die Molekülschwerpunkte sind analog zu Flüssigkeiten statistisch verteilt: Es tritt keinerlei Positionsfernordnung auf. Die meisten nematischen Phasen sind uniaxial, seit 2004 sind auch thermotrope biaxiale nematische Phasen bekannt. Typische Texturen nematischer Phasen sind Faden- oder Schlierentexturen. Für nematische Phasen lässt sich auf einfache Weise ein Ordnungsparameter S berechnen: , wobei der Winkel θ die Orientierung eines herausgegriffenen Moleküls zur Vorzugsorientierung beschreibt; die spitzen Klammern bedeuten eine Mittelung über die Orientierungsverteilung aller Moleküle. Der Ordnungsparameter kann Werte zwischen −0,5 und 1 annehmen. S = 0 zeigt eine fehlende Vorzugsorientierung an (entsprechend einer isotropen Phase), S = 1 bedeutet eine vollständig parallele Ausrichtung aller Moleküle (ein Idealzustand). S = −0,5 entspricht einer Orientierungsverteilung der Moleküle ähnlich den Borsten einer Flaschenbürste. Negative Ordnungsparameter wurden allerdings experimentell noch nicht gefunden. Der Ordnungsparameter weist eine starke Temperaturabhängigkeit auf. Er geht bei Annäherung an den Klärpunkt (Temperatur des Übergangs einer Mesophase in die isotrope Phase) rasch gegen null. Die Moleküle einer nematischen Phase lassen sich einfach durch ein elektrisches Feld reorientieren. Dies wird bei LCDs ausgenutzt. Man unterscheidet prinzipiell zwei verschiedene Arten nematischer Phasen: uniaxiale und biaxiale nematische Phasen. Der Begriff uniaxial bedeutet, dass es im Material nur eine optische Achse gibt, entlang der polarisiertes Licht die Probe durchdringen kann, ohne seinen Polarisationszustand zu ändern. Dies resultiert daraus, dass die Indikatrix solcher Phasen einen Rotationsellipsoiden darstellt. Diese Indikatrix gibt die Abhängigkeit des Brechungsindex von der Richtung an. Analog dazu gibt es bei biaxial nematischen Phasen zwei optische Achsen, da die Indikatrix kein Rotationsellipsoid, sondern ein allgemeines Ellipsoid ist. Die cholesterische Phase weist eine nematische Ordnung mit sich kontinuierlich drehender Vorzugsorientierung auf. Dies ergibt eine langreichweitige helikale Überstruktur mit einer Periodizität von typischerweise einigen 100 Nanometern. Das sich so ergebende kontinuierlich verdrillte optische Medium wirkt als eindimensionaler photonischer Kristall mit einer photonischen Bandlücke für zirkular polarisiertes Licht mit der gleichen Händigkeit wie die helikale Ordnung. Cholesterische Flüssigkristallfilme zeigen deshalb Selektivreflexion von zirkular polarisiertem Licht. Im Gegensatz zur Reflexion an metallischen oder herkömmlichen dielektrischen Spiegeln bleibt die Händigkeit der Zirkularpolarisation erhalten. Smektische Phasen Es gibt mannigfaltige smektische Phasen. Sie wurden in der Reihenfolge ihrer Entdeckung mit smektisch A, smektisch B usw. bezeichnet (abgekürzt durch SmA, SmB, …). Von der Vielzahl smektischer Phasen früherer Jahre blieben nach genaueren Untersuchungen nur fünf übrig (SmA, SmC, SmB, SmF und SmI). Die anderen (ehemals SmE, SmG, SmH, SmJ und SmK) stellten sich als soft crystals – „gestörte Kristalle mit ausgeprägter Verformbarkeit“ – heraus und werden heute als kristalline Phasen bezeichnet. Die smektische D-Phase wiederum entpuppte sich als eine dreidimensionale Mesophase mit kubischer Überstruktur. Gemeinsam mit den Flüssigkristallen gehören sie zur Weichen Materie. In smektischen Phasen sind die Moleküle in Schichten so angeordnet, dass sie eine ein- oder zweidimensional periodische Struktur ausbilden. Man unterscheidet sie nach dem Grad der Ausbildung einer Ordnung innerhalb der Schicht in smektische Phasen aus ungeordneten Schichten (SmA und SmC) und hexatische Phasen (SmB, SmF und SmI). Während in der SmA-Phase die Längsachsen der Moleküle im Mittel senkrecht auf der Schicht stehen, also parallel zur Schichtnormale laufen, ist die mittlere Moleküllängsachse in SmC-Phasen zur Schichtnormale geneigt. In diesen beiden Mesophasen haben die Moleküle innerhalb der Schicht keine Positionsfernordnung – man könnte von einer zweidimensionalen Flüssigkeit sprechen. Die klassische polarisationsmikroskopische Erscheinung von SmA- und SmC-Phasen ist eine Fächer- oder Polygontextur. SmC-Phasen zeigen häufig auch Schlierentexturen. Betrachtet man dünne freistehende Filme, so erscheint die SmA-Phase schwarz, die SmC-Phase weist Schlierentexturen und Defekte auf. Im Gegensatz dazu tritt bei den hexatischen Phasen eine hexagonale Positionsnahordnung und eine Fernordnung der Elementarzelle auf (bond orientational order). Die SmB-Phase ist analog zu SmA-Phase aus senkrecht zur Schicht stehenden Molekülen aufgebaut, während diese in SmI- und SmF-Phasen geneigt sind. Kolumnare Phasen Das Charakteristikum kolumnarer Phasen ist die Ausbildung von Säulen gestapelter scheibenförmiger, keilförmiger, polycatenarer o. a. Mesogene. Entlang der Säulen kann eine Positionsfernordnung auftreten (z. B. in der Columnar-hexagonal-plastischen Phase). Durch die parallele Aneinanderreihung der Säulen wird senkrecht zu den Säulenlängsachsen eine zweidimensionale Packung bewirkt. In der Columnar-hexagonal-plastischen Phase von z. B. Triphenylensystemen tritt eine dreidimensionale Ordnung auf (die Moleküle können lediglich auf ihren Plätzen frei rotieren). Je nach Natur dieser Packung kann man zwischen schiefwinkligen, rechtwinkligen oder hexagonalen kolumnaren Mesophasen unterscheiden. Charakteristische Texturen sind Mosaiktexturen oder Texturen aus zirkularen Domänen. Die Bezeichnung diskotisch für kolumnar ist veraltet bzw. sollte nur für Mesophasen scheibchenförmiger Flüssigkristalle gebraucht werden. Lyotrope flüssigkristalline Phasen Es gibt verschiedene lyotrope flüssigkristalline Phasen, die sich durch ihre mikroskopische Struktur und ihr makroskopisches Erscheinen deutlich voneinander unterscheiden, so z. B. diskontinuierliche kubische Phase (mizellar), nematische Phasen, hexagonale Phasen, bikontinuierliche kubische Phasen, lamellare Phasen, inverse kubische Phase. Nematische lyotrope Mesophase Nematische lyotrope Mesophasen sind erst seit 1967 bekannt. Sie treten nur in wenigen lyotropen Systemen auf. Meist ist eine Induktion der nematischen Phase durch Zusätze von Cotensiden oder Elektrolyten notwendig. Einige wenige Ausnahmen sind bekannt, bei denen binäre Tensid/Wasser-Gemische eine nematische Phase aufweisen: Hexadecyltrimethylammoniumbromid/Wasser Cäsiumperfluoroctanoat/Wasser Strukturell ähnelt die lyotrope nematische Phase der thermotropen nematischen Phase: Es herrscht eine einzige Vorzugsrichtung für die jeweils ausgezeichnete Achse der Aggregate. Die Aggregate sind Scheibchen- oder Stäbchenmizellen. Hexagonale lyotrope Phase In Tensid/Wasser-Systemen mit mittleren Mischungsverhältnissen (etwa 50-Gew.% Tensid) werden häufig Phasen mit ungewöhnlich hoher Viskosität beobachtet, was meist auf eine hexagonale Phase hindeutet. Der Existenzbereich erstreckt sich in vielen Fällen über weite Temperatur- und Konzentrationsbereiche. Bei den hexagonal positionsferngeordneten Aggregaten handelt es sich um kreis- oder ovalzylindrische Stäbchen. Die Positionsfernordnung besteht in einer Anordnung der Aggregate in einem hexagonalen Gitter, d. h. jedes Aggregat ist von sechs weiteren in einer hexagonal dichtesten Packung umgeben. Verwendung Flüssigkristalle vor allem der thermotropen nematischen Phase werden in LCD-Bildschirmen genutzt. Das Verhalten von Flüssigkristallen (nematische Mesophase) im elektrischen Feld wird genutzt, um Innenspiegel in Fahrzeugen automatisch abzublenden. Hierbei wird die Stärke des elektrischen Feldes abhängig vom einfallenden Licht gesteuert. Die Moleküle der Flüssigkristalle richten sich abhängig von der Feldstärke mehr oder weniger aus und beeinflussen so das Reflexionsvermögen des Spiegels. Außerdem existiert eine Reihe von Verwendungen in weiteren Bereichen, die Veränderungen verschiedener Eigenschaften der Flüssigkristalle mit physikalischen Parametern (Temperatur, Druck etc.) ausnutzen. Beispielsweise kann man Farbveränderungen von cholesterischen Phasen in Abhängigkeit von der Temperatur für medizinische oder technische Zwecke einsetzen (aufklebbare Temperatursensoren zeigen bei definierten Temperaturen reversible oder irreversible Farbänderungen): Die sogenannte Hot-Spot-Analyse wird zur Defektsuche von Halbleiterbauelementen eingesetzt, indem die Wärmeverteilung z. B. von Integrierten Schaltkreisen durch die Polarisation von Flüssigkristallen sichtbar gemacht wird. Bauteile und Kühlkörper in geschlossenen Geräten können hinsichtlich ihrer Maximaltemperatur kontrolliert werden. Die Oberflächentemperatur kann durch aufgeklebte Sensorfolien verfolgt werden, ohne dass der Kontakt zu einem Thermometer hergestellt werden muss. Solche Sensorfolien sind oft mit mehreren Flächen bestückt, die im Abstand von z. B. 5 Kelvin in Form einer Skala mit einem Farbumschlag reagieren. Es gab sogar Wohnzimmerthermometer, in denen eine Sensorfolie in Form einer Skala mit einem Umfang von 25 °C eingebaut war. Wegen des Farbumschlags wurden diese oftmals scherzhaft „Stimmungsthermometer“ genannt. Weiterhin wird mesophasiger Teer als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Kohlenstofffasern verwendet (sogenannte Pitchfasern, Teerfasern oder Pechfasern). Literatur Pierre-Gilles de Gennes, J. Prost: The Physics of Liquid Crystals. 2nd Edition. Clarendon Press, Oxford 1993 ISBN 0-19-852024-7 Horst Stegemeyer (Herausg.): Lyotrope Flüssigkristalle: Grundlagen, Entwicklung, Anwendung. Steinkopff, Darmstadt 1999. ISBN 3-7985-1180-2 Crystals that Flow. Classic papers from the history of liqid crystals. Compiled with translation and commentary by Timothy J. Sluckin, David A. Dunmur and Horst Stegemeyer. ISBN 0-415-25789-1. In: The Liquid Crystal Book Series, edited by G.W. Gray, J. W. Goodby & A. Fukuda. Taylor & Francis, London u. New York ab 2002. David Dunmur & Tim Sluckin: Soap, Science, and Flat-Screen TVs: A History of Liquid Crystals. Oxford University Press, 2010. ISBN 0-19-954940-0. Sivaramakrishna Chandrasekhar Liquid Crystals, Cambridge University Press 1977, 1993 G.Gray: Molekular Structure And The Properties Of Liquid Crystals. Akademic Press Inc. New York 1962 W. Kast: Zusammenfassende Darstellung über kristallin-flüssige Phasen. Angewandte Chemie 67,592 1955 Weblinks Heinrich Arnold und Horst Sackmann, DVD: Umwandlungsvorgänge in Flüssigkristallen (nemat. u. smC) Erklärung (englisch) Deutsche Flüssigkristall-Gesellschaft International Liquid Crystal Society (englisch) Flüssigkristalle und Flüssigkristallanzeigen im Schulunterricht Themenreihe im Open Access Beilstein Journal of Organic Chemistry (englisch): Fortschritte in der Flüssigkristallchemie Thomas Klabunde, Kurze Chemieseite: Flüssigkristalle (einschl. flüssigkrist. Polymerer) Ausstellung zu Geschichte der Flüssigkristall-Forschung: „Von der Karotte zum Flachbildschirm“ (PDF; 317 kB) Einzelnachweise Chemikaliengruppe Weiche Materie (Stoff) Elektrotechnischer Werkstoff Kristallographie
Q203989
97.938803
4846941
https://de.wikipedia.org/wiki/Physiotherapie
Physiotherapie
Physiotherapie (, ‚Körper’ und , ‚Pflege‘, ‚Heilung‘, somit in etwa ‚das Wiederherstellen der natürlichen Funktion‘), früher auch Krankengymnastik, ist eine Form spezifischen Trainings und der äußerlichen Anwendung von Heilmitteln, mit der vor allem die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des menschlichen Bewegungsapparats wiederhergestellt, verbessert oder erhalten werden soll. Die Behandlungen werden von Physiotherapeuten und in Teilbereichen von Masseuren und medizinischen Bademeistern durchgeführt. Physiotherapeut ist in Deutschland kein eigenständiger Heilberuf, sondern gehört zu den Gesundheitsfachberufen (früher Heilhilfsberufe). Die medizinische Notwendigkeit einer Behandlung wird ausschließlich durch Ärzte festgestellt und auf Rezept verordnet, außer bei präventiven Maßnahmen. Sporttherapeuten, -wissenschaftler und -lehrer erfüllen nicht die Zulassungsvoraussetzungen als Physiotherapeut und dürfen physiotherapeutische Heilmittel wie z. B. Krankengymnastik weder erbringen noch abrechnen. Ziel Die Physiotherapie orientiert sich bei der Behandlung an den Beschwerden und den Funktions-, Bewegungs- bzw. Aktivitätseinschränkungen des Patienten, die bei der physiotherapeutischen Untersuchung festgestellt werden. Sie nutzt sowohl diagnostische und auf clinical reasoning basierende, wie auch pädagogische und manuelle Kompetenzen des Therapeuten. Gegebenenfalls wird sie ergänzt durch natürliche physikalische Reize (z. B. Wärme, Kälte, Druck, Strahlung, Elektrizität) und fördert die Eigenaktivität (koordinierte Bewegung sowie die bewusste Wahrnehmung) des Patienten. Die Behandlung ist an die anatomischen und physiologischen, motivationalen und kognitiven Gegebenheiten des Patienten angepasst. Dabei zielt die Behandlung einerseits auf natürliche, physiologische Reaktionen des Organismus (z. B. motorisches Lernen, Muskelaufbau und Stoffwechselanregung), andererseits auf ein verbessertes Verständnis der Funktionsweise des Organismus (Dysfunktionen/Ressourcen) und auf eigenverantwortlichen Umgang mit dem eigenen Körper ab. Das Ziel ist die Wiederherstellung, Erhaltung oder Förderung der Gesundheit und dabei sehr häufig die Schmerzfreiheit bzw. -reduktion. Forschung Im englischen Sprachraum wird unter anderem die Pathokinesiologie/Kinesiopathologie als kennzeichnende Wissenschaft gesehen, der eine zentrale Rolle für die professionelle Identität der Physiotherapie bzw. ihrer Abgrenzung zu anderen Berufen zukommt, welche sich im Gegensatz zu ihr nicht professionell mit dem menschlichen Bewegungssystem auseinandersetzen. Publikationen forschender Physiotherapeuten werden international in medizinischen bzw. naturwissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert und sind dabei dem peer-review unterzogen. Konkrete Anwendung finden z. B. die Arbeiten einer US-amerikanischen Forschergruppe bei der Etablierung spezifischer Diagnosekategorien, zum Zweck der ursachenbezogenen und zielgerichteten Therapie von Schmerzsyndromen des menschlichen Bewegungssystems. Synonyme und verwandte Bereiche Die englische Bezeichnung ist nicht zu verwechseln mit dem Begriff „Physikalische Therapie“ im Deutschen. Physiotherapie und Physikalische Therapie werden teilweise als Synonyme bzw. gemeinsames Fachgebiet betrachtet; auch wird die Physiotherapie als Unterbereich der Physikalischen Therapie angesehen. Mit Blick auf finanzielle Abrechnungsmodalitäten sollen Wichtig zu beachten sind auch länderspezifisch unterschiedliche Bezeichnungen für Physiotherapie. So unterscheidet man in Deutschland beispielsweise klar zwischen Krankengymnastik und Physiotherapie, während diese Differenzierung in Österreich nicht mehr üblich ist und man beide Begriffe nahezu synonym verwendet. Geschichte Altertum bis zur Neuzeit Viele Verfahren der Physiotherapie haben ihren Ursprung weit zurückliegend. Archäologische Funde zeigen, dass Thermal- und Mineralquellen bereits in frühgeschichtlicher Zeit genutzt wurden. Verschiedene Formen der Massage und von medizinischen Bädern kannte man bereits vor ca. 4000 Jahren in China. Aus der Antike sind gezielte gymnastische und diätetische Erziehungsideale überliefert. Die Athleten der antiken Olympischen Spiele hatten speziell ausgebildete Trainer, die über die so genannte „Körperhygiene“ ihrer Schützlinge wachten. Damit taten sie für die Gesundheit und Vitalität der jungen Leute oft mehr als jeder Arzt. Auch der griechische Arzt Hippokrates vertrat verschiedene medizinische Auffassungen, die sich heutzutage in der Physiotherapie wiederfinden. Er verstand den lebendigen Leib als Organismus, Gesundheit als Gleichgewicht und Krankheit als gestörten physischen und psychischen Gesamtzustand. Seine Überzeugung war, dass die Natur eine Heilkraft besitzt. Hippokrates und sein späteres römisches Pendant Galen hoben die gesundheitliche Wirkung aller „Leibesübungen“ hervor. Das uralte Yoga lässt sich ebenfalls hier einstufen, mit seinen präzisen Asanas wie als passive Massage. In China findet sich das Qigong als Übungsmethode zur Selbstregulation und die Tuina-Anmo Therapie als manuelle Behandlungsmethode. Schon früh nutzte man die positiven Beobachtungen zur Gesundheitsberatung der Bevölkerung. Man empfahl regelmäßige Bewegung in Form von Spaziergängen, Schwimmen, Laufen, Reiten, Spielen und Tanzen. Auch die erholsame und heilende Wirkung von Massagen und Heilbädern ist seit der Antike bekannt. Die Diätetik bezog sich nicht nur auf eine gesunde Ernährung. Ebenso wurde auf ein ausgewogenes Verhältnis von Wachen und Schlafen geachtet. Bis ins hohe Mittelalter hinein änderte sich daran wenig, die „Rezepte“ blieben die gleichen. Eher war es so, dass durch den kirchlichen Einfluss das Wissen über den Körper in Vergessenheit geriet; u. a. hätten gottesfürchtige Geschöpfe das Leben und Leiden als schicksalhaft zu betrachten. Dies änderte sich erst mit der Renaissance, in der die antiken Ideale wiederentdeckt wurden. Humanismus und Aufklärung Vom Humanismus beeinflusst rückten jetzt auch Frauen, Kinder und behinderte Menschen mit ihren besonderen Bedürfnissen und Erkrankungen in den Mittelpunkt medizinischer Betrachtung. Im 18. Jahrhundert begründete der französische Arzt Nicolas Andry die Orthopädie (frei: „Erziehung zur aufrechten Haltung“). Er beobachtete systematisch die häufigen Haltungsschwächen und Deformitäten bei Kindern. Er verschrieb spezielle gymnastische Übungen zur Therapie und Prophylaxe. Der Schweizer Arzt Jean-André Venel (1740–1791) eröffnete 1780 die erste orthopädische Klinik der Welt in Orbe/Kanton Waadt. Johann Christoph Friedrich Guts Muths begründete die pädagogische Gymnastik in Deutschland und Franz Nachtegall (1777–1847) 1798 in Kopenhagen die „Gymnastische Gesellschaft“. Aus deren Leibesübungen entwickelte der Schwede Pehr Henrik Ling eine gezielte therapeutische Gymnastik, wie heute noch an den „Gebrauchsbewegungen des Alltags“ angelehnt. Er kombinierte seine Behandlungen mit Massagen für spezielle Muskelgruppen. Im 18. Jahrhundert fanden erste Medikamente zwar Anklang, brachten allerdings auch Gefahren mit sich. Mancher Arzt propagierte die Anwendung von Mineralwässern, Heilbädern und der Hydrotherapie. Dies setzte sich im 19. Jahrhundert weiter fort, die Beliebtheit der Hydrotherapie stieg an. Vor allem in Deutschland erlebte die Hydrotherapie einen wahren Boom: Der Urvater der Hydrotherapie, Sebastian Kneipp, entwickelte eine einfache Lebensregelung, kombinierte sie mit der Anwendung pflanzlicher Medikamente und einer Gesundheitserziehung. Industrialisierung und Moderne Der Berliner Arzt Albert C. Neumann brachte die „schwedische Heilgymnastik“ nach Deutschland. Er definierte als erster den Beruf des „Gymnasten“ und setzte sich für die berufliche Emanzipation der Frauen ein. 1853 eröffnete er die erste Gymnastenschule für Damen. Der Schwede Gustav Zander entwickelte ab ca. 1865 ein System von Gymnastik- und Massageapparaten, die medico-mechanische Therapie. In Deutschland wurden die Geräte u. a. in „Zander-Instituten“ als Trainingsgeräte in Vorsorge und Therapie eingesetzt, später kamen Weiterentwicklungen, Plagiate und einfachere Bewegungsgeräte hinzu. Zudem wuchs der Bedarf an Behandlungen durch die Kriege (1870/71, 1914–18 und 1939–45) und infolge der steigenden Arbeits- und Verkehrsunfälle. Johann Hermann Lubinus gründete die von vielen Fachärzten angesehenen „Lubinus-Schulen“. Nun machte die Krankengymnastik erstmals verstärkt mit Patienten aus der Chirurgie und Neurologie Bekanntschaft (die Kinderlähmung nahm weltweit ein hohes Ausmaß an). Für die Behandlung von Herz- und Lungenerkrankungen sowie in der Rheumatologie fand eine Rückbesinnung zu Heilbädern und der Kneipp-Lehre statt. Im Jahr 1941 wurde Wolfgang Kohlrausch zum ersten Ordinarius für Bewegungstherapie an die nationalsozialistische Reichsuniversität Straßburg berufen. Nach der Währungsreform 1948 kam es im Gesundheitswesen zu Sparmaßnahmen, die zu einem deutlichen Stellenabbau führten. Erst mit der Gründung von Landesverbänden konnte sich der Berufsstand wieder besser etablieren und ausbauen. Verträge mit Krankenkassen und eine Vereinheitlichung der Ausbildung machten krankengymnastische Einrichtungen wieder rentabel. In den 1950er Jahren bildete sich der ZVK (Zentralverband der Krankengymnasten), bis heute der größte aller deutschen Verbände. Durch seine Arbeit gelang 1959 eine bundesgesetzliche Abgrenzung des „Krankengymnasten“ zu anderen ärztlichen Hilfsberufen. In der DDR wurde 1964 die Bezeichnung Physiotherapie aus der Internationalen Nomenklatur übernommen. Im Zuge der Wiedervereinigung und der Anpassung an den internationalen Sprachgebrauch wurden 1994 die Berufsgesetze (siehe MPhG) novelliert. Von nun an heißen die Krankengymnasten einheitlich „Physiotherapeuten“. Theoriebildung in Deutschland Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich die deutsche Physiotherapie vorwiegend darum bemüht, sich im Gesundheitswesen zu etablieren und zu verankern. Sie hat sich deshalb entlang der Medizin entwickelt und somit am medizinischen Denkmodell definiert. Grundlegend für das medizinische Modell war zu dieser Zeit das Konzept der „Normalität“, das die Therapie wiederherstellen sollte. Abweichungen galten abnormal. Jede Krankheit hatte demnach einen nachweisbaren Auslöser (beispielsweise einen Keim). Die Medizin behandelte demnach nicht das Individuum, sondern die Krankheit und versuchte sie zu eliminieren. Erst seit Mitte der 1990er Jahre vollzieht sich allmählich ein Paradigmenwechsel (siehe auch Neues Denkmodell in der Physiotherapie). Die Krankheit wird nicht mehr primär als Funktionsstörung gesehen, die repariert werden soll, sondern eine ganzheitliche Sichtweise steht im Vordergrund. Die Theorien der Physiotherapie basieren primär auf Anatomie und Physiologie des Menschen bzw. auf bewegungswissenschaftlichen Grundlagen (z. B. motorisches Training, sensomotorische Aktivierung, Wahrnehmungstraining, Haltungsschulung). Die physikalische Therapie basiert zudem auf den Grundlagen der Physik (z. B. Elektro-, Ultraschall-, Thermo-, Hydro-, Balneotherapie). Der Physiotherapie stehen eine Vielzahl von Techniken zur Verfügung, vor allem, in der Reihenfolge ihrer Bedeutung Manuelle Therapie (Mobilisierende Techniken zur Gelenksmobilisation), Manuelle Lymphdrainage, Bobath-Konzept, Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation, Weichteiltechniken (Heilmassage, Bindegewebstechniken, unterschiedliche osteopathische Techniken zur Faszienmobilisation), Sensomotorische Aktivierung (Feldenkrais-Methode, Semota, Kognitives Training nach Perfetti) und Heilgymnastik (passive, assistive, aktive oder resistive Techniken). Die grundlegende Ausbildung befähigt jedoch nicht automatisch zur Durchführung dieser Techniken. Wird eine zulassungsbeschränkte Therapieform wie beispielsweise Manuelle Therapie, PNF, Neurophysiologische Techniken o. ä. vom Arzt an den Physiotherapeuten verordnet, so ist zur Erbringung des Heilmittels (Rezeptposition) der Qualifizierungs-Nachweis des Therapeuten gegenüber der Krankenkasse notwendig. Ausbildung Die Ausbildung erfolgt an staatlichen oder privaten Berufsfachschulen, kann aber auch als Bachelorstudiengang an Hochschulen stattfinden und mit dem Bachelor of Science, seltener mit dem Bachelor of Arts, abschließen. Das Studium kann in drei verschiedenen Varianten ablaufen: Als ausbildungsintegrierender oder ausbildungsbegleitender Studiengang (dualer Studiengang), als primärqualifizierendes Studium, oder als berufsbegleitendes Studium. Siehe auch Tierphysiotherapie Literatur Wolfgang Heipertz: Geschichte der Krankengymnastik. In: August Rütt (Hrsg.): Geschichte der Orthopädie im deutschen Sprachraum. Enke, Stuttgart 1993, ISBN 3-432-25261-7, S. 87–97. Malte Bühring: Physiotherapie, Physikalische Therapie. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. Walter de Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1159–1161. Weblinks Autor:Tobias Langohr history-of-physiotherapy.com Berufsbild Physiotherapeut/in Arbeitsagentur Einzelnachweise Physikalische und Rehabilitative Medizin Therapie
Q186005
133.477409
16729
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwefels%C3%A4ure
Schwefelsäure
Schwefelsäure ist eine chemische Verbindung des Schwefels mit der Summenformel H2SO4. Die 100%ige Schwefelsäure ist eine farblose, ölige, sehr viskose und hygroskopische Flüssigkeit, die in der Technik manchmal als Monohydrat bezeichnet wird. Schwefelsäure ist eine der stärksten Säuren und wirkt stark ätzend. Diese Mineralsäure bildet zwei Reihen von Salzen, die Hydrogensulfate und die Sulfate, bei denen im Vergleich zur freien Säure ein beziehungsweise zwei Protonen durch Kationen ersetzt sind. Schwefelsäure ist eine der technisch wichtigsten Chemikalien überhaupt und zählt zu den meistproduzierten chemischen Grundstoffen. 1993 wurden weltweit etwa 135 Millionen Tonnen Schwefelsäure produziert, im Jahr 2012 waren es 230 Millionen Tonnen. Sie wird vor allem in der Düngemittelproduktion und zur Herstellung anderer Mineralsäuren, etwa der Salz- oder Phosphorsäure, verwendet. Es werden meist wässrige Lösungen verschiedener Konzentrationen eingesetzt. Das Anhydrid der Schwefelsäure ist das Schwefeltrioxid (SO3). Die Lösung von Schwefeltrioxid in der Schwefelsäure über das stöchiometrische Mengenverhältnis hinaus wird als rauchende Schwefelsäure oder Oleum bezeichnet. Verwandte Säuren sind die Schweflige Säure (H2SO3), die sich vom Schwefeldioxid ableitet und die Thioschwefelsäure (H2S2O3), bei der ein Sauerstoffatom durch Schwefel ersetzt ist. Geschichte Schwefelsäure ist unter dem veralteten Namen Vitriolöl schon seit langer Zeit bekannt. Erste Hinweise finden sich in den Texten des historisch umstrittenen Alchemisten Dschābir ibn Hayyān aus dem 8. Jahrhundert. Danach werden mögliche Herstellungsverfahren auch in den alchimistischen Schriften des Albertus Magnus (1200–1280) und Basilius Valentinus (um 1600) erwähnt. Diese Verfahren beschreiben, wie aus natürlich vorkommenden Sulfaten – etwa Chalkanthit oder Alaun – Vitriolöl gewonnen werden kann. Der Name Vitriolöl leitet sich von der veralteten Bezeichnung Vitriol für diese Minerale ab. Die erste Quelle für größere Mengen Schwefelsäure war Eisenvitriol. Ab dem 16. Jahrhundert wurde in Böhmen, Sachsen und am Harz nach dem Vitriolverfahren Schwefelsäure hergestellt. Nach dem ersten Produktionsort Nordhausen wurde das Produkt Nordhäuser Vitriol genannt. Erste wissenschaftliche Untersuchungen mit Schwefelsäure führte Johann Rudolph Glauber durch. Er ließ die Säure auf Kochsalz einwirken und erhielt dabei die Salzsäure und das nach ihm benannte Glaubersalz Natriumsulfat. Die Verfahren, bei denen Sulfate eingesetzt wurden, waren allerdings sehr aufwendig und teuer. Um größere Mengen zu bekommen, wurde im 18. Jahrhundert ein Verfahren entwickelt, bei dem Schwefel und Salpeter in Glasgefäßen verbrannt wurden. Da die Glasgefäße sehr zerbrechlich waren, wurde 1746 durch John Roebuck die Reaktion erstmals in Bleibehältern durchgeführt. 1778 wurde in Winterthur mit dem Laboratorium die erste chemische Fabrik der Schweiz gegründet, die als Hauptprodukt Vitriolöl herstellte. Nachdem 1793 Nicolas Clément-Désormes und Charles-Bernard Desormes entdeckt hatten, dass durch den Einsatz von Luft die Salpetermenge deutlich gesenkt werden konnte, konnte das Bleikammerverfahren großtechnisch eingesetzt werden. Dies war insbesondere für das 1789 von Nicolas Leblanc erfundene und 1791 erstmals von ihm angewendete Leblanc-Verfahren zur Sodaproduktion wichtig. Das Verfahren wurde mehrmals, etwa durch die Entwicklung von Methoden zur Absorption der nitrosen Gase durch Joseph Louis Gay-Lussac, verbessert. Es konnte damit eine kontinuierliche Produktionsführung erreicht werden. Der größte Nachteil dieses Verfahrens lag darin, dass nur eine Säurekonzentration von maximal 78 % erreichbar war und konzentriertere Lösungen sowie Oleum weiterhin über die aufwändige Destillation von Eisenvitriol hergestellt werden mussten. Eine einfache Produktion höherkonzentrierter Schwefelsäure gelang erst nach Entwicklung des Kontaktverfahrens ab 1870 durch Rudolph Messel in England. Vorkommen Freie, nicht in Oxonium- und Sulfationen dissoziierte Schwefelsäure kommt in der Natur nur sehr selten vor. In der Atmosphäre bildet sie sich aus Schwefeldioxid, das bei der Verbrennung von schwefelhaltigen Substanzen oder bei Vulkanausbrüchen entsteht. Das Schwefeldioxid wird durch Hydroxyl-Radikale und Sauerstoff zu Schwefeltrioxid oxidiert. Mit Wasser bildet sich schließlich die freie Schwefelsäure. Weitere Oxidationsmittel, die eine Bildung von Schwefeltrioxid ermöglichen, sind Ozon oder Wasserstoffperoxid. Im sauren Regen gelangt sie dann in Form von verdünnter Säure auf die Erde. Eine geringe Menge freier Schwefelsäure kommt auch in manchen vulkanischen Quellen, den sogenannten Solfataren vor. Im Gegensatz zur freien Säure sind ihre Salze, vor allem die Sulfate, in der Natur sehr viel häufiger. Es existieren viele verschiedene Sulfat-Minerale. Zu den bekanntesten und wichtigsten zählen Gips (CaSO4 · 2 H2O), Baryt (BaSO4), Chalkanthit (CuSO4 · 5 H2O) oder Glaubersalz (Na2SO4 · 10 H2O). Außerhalb der Erde findet sich Schwefelsäure in der oberen Atmosphäre der Venus. Diese entsteht durch photochemische Reaktionen aus Schwefeldioxid und Wasser. Es bilden sich Tröpfchen, die 80–85 % Schwefelsäure enthalten. In tieferen Schichten zersetzt sich die Säure auf Grund der hohen Temperaturen in Schwefeldioxid, Sauerstoff und Wasser, die wieder aufsteigen und Schwefelsäure bilden können. Gewinnung und Herstellung Grundstoff für die Schwefelsäureherstellung ist häufig elementarer Schwefel, der in großen Mengen (2007: 66 Millionen Tonnen) bei der Entschwefelung von Erdgas und Rohöl anfällt und nach dem Claus-Prozess aufgearbeitet oder nach dem Frasch-Verfahren abgebaut wird. Der Schwefel wird verbrannt, um Schwefeldioxid als Ausgangsstoff für die eigentliche Darstellung zu gewinnen. Eine weitere Quelle, bei der in großen Mengen Schwefeldioxid anfällt, ist die Verhüttung schwefelhaltiger Erze. Beispiele hierfür sind die Kupfer-, Zink- oder Bleigewinnung aus den entsprechenden Sulfiden. Das Schwefeldioxid bildet sich beim Rösten mit Luftsauerstoff. Im Jahr 1999 wurden in Europa noch drei Millionen Tonnen Pyrit zur Schwefelsäuregewinnung geröstet. In Asien liegt der Anteil von Pyrit jedoch höher. Für rohstoffarme Staaten, die weder über Schwefel noch über sulfidische Erze verfügen, kommt die Herstellung von Gipsschwefelsäure nach dem Müller-Kühne-Verfahren in Frage. Hierbei wird aus Gips und Kohle im Drehrohrofen Schwefeldioxid gewonnen. Der energieaufwendige Prozess kann rentabler gestaltet werden, wenn durch Zusatz von Sand und Ton als Nebenprodukt Zement anfällt. In der DDR wurde das Verfahren in großem Maßstab durchgeführt. Für die weitere Produktion muss aus dem Schwefeldioxid Schwefeltrioxid gewonnen werden. Die direkte Reaktion von Schwefel und Sauerstoff zu Schwefeltrioxid findet nur in zu geringem Maße statt, da das Gleichgewicht in der Reaktion von Schwefeldioxid zu Schwefeltrioxid nur bei niedrigen Temperaturen auf der Seite des Schwefeltrioxids liegt. Bei diesen Temperaturen ist jedoch die Reaktionsgeschwindigkeit zu gering. Daher muss mit Hilfe geeigneter Katalysatoren die Reaktionsführung so gesteuert werden, dass eine ausreichend schnelle Reaktion bei nicht zu hohen Temperaturen gewährleistet ist. Beim ausschließlich noch angewendeten Kontaktverfahren wird Vanadiumpentoxid als sauerstoffübertragender Katalysator verwendet. Es bildet sich eine Salzschmelze aus Vanadium(V)-oxid und als Co-Katalysatoren zugesetzten Alkalimetallsulfaten. In dieser bilden sich der als eigentlicher Katalysator wirkende reaktive Komplex mit der Zusammensetzung [(VO)2O(SO4)4]4−. An diese lagern sich ohne Änderung der Oxidationszahl des Vanadiums Sauerstoff und Schwefeldioxid an und reagieren zu Schwefeltrioxid. Die Temperatur während der Reaktion muss zwischen 420 und 620 °C liegen, da bei tieferen Temperaturen der Katalysator durch Bildung von Vanadium(IV)-Verbindungen inaktiv wird und er sich bei höheren Temperaturen zersetzt. Die Umsetzung wird in sogenannten Hordenkontaktöfen durchgeführt, bei denen der Katalysator in insgesamt vier Schichten (den „Horden“) übereinander angeordnet wird und das durchströmende Gas zwischen den Horden auf die passende Temperatur gekühlt wird. Im sogenannten Doppelkontaktverfahren wird vor der letzten Horde das vorhandene Schwefeltrioxid mit konzentrierter Schwefelsäure ausgewaschen. Dies ermöglicht eine Erhöhung der Ausbeute auf mindestens 99,8 % (Erste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz, Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft 2002). Nach Bildung des Schwefeltrioxids wird dieses zu Schwefelsäure umgesetzt. Dazu muss zunächst verbliebenes Schwefeldioxid mit Ammoniak oder Natriumthiosulfat entfernt werden. Da die direkte Reaktion von Schwefeltrioxid mit Wasser zu langsam ist, wird das Gas in konzentrierte Schwefelsäure geleitet. Dabei bildet sich schnell Dischwefelsäure H2S2O7. Wird diese mit Wasser verdünnt, zerfällt sie zu zwei Molekülen Schwefelsäure. Bei diesem Verfahren entsteht keine reine Schwefelsäure, sondern konzentrierte Säure mit 98 % Säuregehalt. Um reine Schwefelsäure zu erzeugen, muss die Menge Schwefeltrioxid in die konzentrierte Säure eingeleitet werden, die der Stoffmenge des überschüssigen Wassers der konzentrierten Säure entspricht. In den letzten Jahrzehnten ist die Schwefelsäureproduktion vor allem in China stark gestiegen, während in europäischen Ländern wie Deutschland die Produktion zurückgegangen ist. Seit Anfang 2000 ist China auf zusätzliche Mengen aus Europa angewiesen. Die in der Graphik zu sehenden starken Umbrüche in den Jahren 1990 und 1991 sind auf die Auflösung der Sowjetunion und eine Änderung der Statistik in den Vereinigten Staaten zurückzuführen. Von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung bei der großindustriellen Herstellung der Schwefelsäure ist, dass die drei Einzelschritte exotherm sind (für Werte siehe bei Kontaktverfahren nach). Die freiwerdende Wärmemenge wird zur Erzeugung von Hochdruckdampf für die Stromerzeugung und für industrielle Heizzwecke verwendet. Eigenschaften Physikalische Eigenschaften Wasserfreie Schwefelsäure ist eine zähflüssige (durch H-Brücken vernetzte), farblose Flüssigkeit mit hoher Dichte (1,8269 g/cm³), die unterhalb von 10,371 °C erstarrt. Der Schmelzpunkt wird durch geringe Mengen von Wasser stark erniedrigt und liegt zum Beispiel für eine 98%ige Schwefelsäure bei 3,0 °C. Die häufige leicht braune Färbung von technischer Schwefelsäure beruht auf organischen Verunreinigungen, die durch Dehydratisierung verkohlt werden. Oberhalb des Siedepunktes von 279,6 °C von wasserfreier Schwefelsäure bilden sich Schwefelsäuredämpfe, die überschüssiges Schwefeltrioxid enthalten, wobei das Wasser in der siedenden Schwefelsäure verbleibt. Die wasserfreie Schwefelsäure geht so zu einer 98,33%igen Schwefelsäure mit einem konstanten Siedepunkt von 338 °C über. Bei dieser Temperatur hat auch der Dampf einen Säuregehalt von 98,33 % und entspricht damit einem azeotropen Wasser-Schwefelsäure-Gemisch. Eine Säure gleicher Zusammensetzung und gleichen Siedepunktes wird erhalten, wenn man verdünnte Säure destilliert. 100%ige Schwefelsäure lässt sich daher nicht durch Destillieren verdünnter Schwefelsäure, sondern nur durch Auflösen einer bestimmten Menge Schwefeltrioxid in konzentrierter Schwefelsäure gewinnen. Beim weiteren Erhitzen über 338 °C hinaus zersetzt sich Schwefelsäure in Wasser und Schwefeltrioxid („Abrauchen der Schwefelsäure“) und ist bei 450 °C nahezu vollständig dissoziiert. Als Feststoff kristallisiert Schwefelsäure im monoklinen Kristallsystem in der . Die Gitterparameter sind a = 814 pm, b = 470 pm, c = 854 pm und β = 111°. Die Struktur ist eine gewellte Schichtstruktur, in der jedes Dihydrogensulfat-Tetraeder über Wasserstoffbrücken mit vier weiteren Tetraedern verbunden ist. Neben der kristallinen reinen Schwefelsäure sind mehrere Schwefelsäure-Hydrate bekannt. Ein Beispiel ist das Dihydrat H2SO4 · 2 H2O, das ebenfalls monoklin mit der Raumgruppe kristallisiert. Insgesamt sind sechs verschiedene Hydrate mit einem, zwei, drei, vier, sechs und acht Äquivalenten Wasser bekannt, bei denen die Säure vollständig in Oxonium- und Sulfationen gespalten sind. Die Oxoniumionen sind je nach Hydrat mit einer unterschiedlich großen Anzahl Wassermolekülen assoziiert. Der Schmelzpunkt dieser Hydrate sinkt mit zunehmender Anzahl der Wassermoleküle. So schmilzt das Monohydrat bei 8,59 °C, während das Octahydrat schon bei −62 °C schmilzt. Zwischen den einzelnen Molekülen wirken starke Wasserstoffbrücken, die die hohe Viskosität von 24,6 mPa·s bei 25 °C bedingen. Im Vergleich dazu besitzt Wasser mit 0,89 mPa·s bei 25 °C eine deutlich niedrigere Viskosität. Ähnlich wie reines Wasser leitet reine Schwefelsäure in geringem Maße elektrischen Strom. Die spezifische Leitfähigkeit beträgt 1,044 · 10−2 S/cm. Der Grund hierfür liegt in der geringen Dissoziation der Säure durch Autoprotolyse. Verdünnte Säure leitet dagegen aufgrund der enthaltenen Oxoniumionen elektrischen Strom gut. In der Gasphase liegen einzelne Schwefelsäure-Moleküle vor. Diese sind tetraedrisch aufgebaut mit Bindungswinkeln von 101,3° zwischen den OH-Gruppen und 123,3° zwischen den Sauerstoffatomen. Die Bindungslängen der Schwefel-Sauerstoff-Bindungen sind mit 157,4 pm (zu OH-Gruppen) beziehungsweise 142,2 pm (zu den Sauerstoffatomen) unterschiedlich. Die Molekülstruktur im Festkörper entspricht derjenigen in der Gasphase. Die Bindungen im Schwefelsäuremolekül können durch verschiedene mesomere Grenzstrukturen beschrieben werden. Zum Beispiel die Struktur, bei der zwischen Schwefel und Sauerstoff Doppelbindungen angenommen werden oder bei der nur Einfachbindungen und gleichzeitig eine Ladungstrennung vorliegen. In theoretischen Berechnungen hat sich gezeigt, dass die 3d-Orbitale nur sehr wenig zur Bindung beitragen. Daher wird die reale Bindungssituation im Schwefelsäuremolekül am genauesten durch diejenige Struktur beschrieben, bei der nur Einfachbindungen gezeichnet werden. Die verkürzte S–O-Bindung kann durch zusätzliche elektrostatische Wechselwirkungen zwischen den geladenen Atomen erklärt werden. Chemische Eigenschaften Als sehr starke Säure gibt Schwefelsäure leicht Protonen ab. Mit einem pKs-Wert von −3,0 (dies gilt jedoch nur für verdünnte Lösungen) oder genauer einem H0-Wert von −11,9 zählt Schwefelsäure in der ersten Protolysestufe zu den starken Säuren. Sie wird üblicherweise nicht zu den Supersäuren gezählt, jedoch wird sie als Ausgangspunkt für die Definition der Supersäure gewählt: Alle Säuren, die stärker als reine Schwefelsäure sind und diese somit protonieren können, werden als Supersäuren bezeichnet. Die zweite Protolysestufe von Hydrogensulfat zu Sulfat hat einen pKs-Wert von 1,9. Das Hydrogensulfat-Ion ist daher eine nur mittelstarke Säure. Aus diesem Grund liegt in verdünnter Schwefelsäure (Konzentration etwa 1 mol/l) zum größten Teil Hydrogensulfat vor. Das H2SO4-Molekül ist nahezu vollständig dissoziiert, während die Reaktion zum Sulfat nur in geringem Maße (etwa 1,3 % bei 1 mol/l) stattfindet. Erst bei höheren Verdünnungen werden größere Mengen Sulfat gebildet. Schwefelsäure besitzt eine hohe Affinität zu Wasser. Werden Säure und Wasser gemischt, entstehen unter starker Wärmeentwicklung verschiedene Hydrate der Form H2SO4 · n H2O (n = 1–4, 6, 8). Die starke Wasseraffinität der Schwefelsäure äußert sich ebenfalls darin, dass sie in der Lage ist, aus organischen Stoffen Hydroxygruppen und Protonen abzuspalten. Durch diesen Entzug bleibt Kohlenstoff zurück, der organische Stoff wird schwarz und verkohlt. Dieser Effekt tritt vor allem bei Stoffen auf, die viele Hydroxygruppen enthalten. Beispiele sind viele Kohlenhydrate wie Glucose oder Polysaccharide. Weiterhin kann die große Wasseraffinität für Kondensationsreaktionen verwendet werden. Hierbei wird das Wasser ohne Verkohlung einer organischen Verbindung entzogen. Ein Beispiel hierfür ist die Synthese des 2-Pyron. Ein weiteres Indiz der starken Hygroskopizität ist, dass sich die Säure in geringem Maß selbst entwässert: Konzentrierte Schwefelsäure wirkt oxidierend und ist in der Lage, beim Erhitzen edlere Metalle wie Kupfer, Quecksilber oder Silber zu lösen. Die Schwefelsäure wird dabei zu Schwefeldioxid reduziert. Hingegen wird sogar reines, unedles Eisen durch Passivierung von konzentrierter Schwefelsäure nicht angegriffen. Verdünnte Schwefelsäure wirkt dagegen nur in geringem Maße oxidativ, da die Reaktion zu Schwefeldioxid durch das Lösemittel Wasser gehemmt wird. Es werden nur solche Metalle oxidiert bzw. gelöst, die als unedle Elemente durch die Reaktion von Protonen zu Wasserstoff oxidiert werden können. Verwendung Schwefelsäure wird in sehr großen Mengen und in vielen Bereichen eingesetzt. Ihre Produktionsmenge gilt – neben der von Chlor – als Maßstab für die industrielle Entwicklung und den Leistungsstand eines Landes. In chemischen Laboratorien zählt Schwefelsäure zu den am häufigsten benutzten Chemikalien. Neben Salzsäure und Salpetersäure ist sie eine viel verwendete starke Säure. Sie wird unter anderem zur Einstellung des pH-Wertes, als Katalysator, etwa für Veresterungen und zum Abrauchen bei Aufschlüssen genutzt. Die stark wasserziehende Wirkung der Schwefelsäure wird zur Trocknung von organischen Substanzen und Gasen in Exsikkatoren und Waschflaschen genutzt. Je nach Konzentration wird sie unterschiedlich bezeichnet. Zwischen 10 % und 20 % heißt sie verdünnte Schwefelsäure oder Dünnsäure. Akkumulatorsäure oder Akkusäure hat eine Säurekonzentration von 33,5 %. Diese Säuren bleiben auch unter 0 °C flüssig. Schwefelsäure mit einem Gehalt von bis etwa 70 % heißt Kammersäure, bis zu 80 % Gloversäure. Konzentrierte Schwefelsäure besitzt einen Gehalt von mindestens 98,3 % (Azeotrop). Dünnsäure fällt in großen Mengen als Abfallprodukt in der Titanoxid- oder Farbstoffproduktion an. Sulfate Der größte Teil wird in der Produktion von Sulfaten bei der Herstellung von Düngemitteln verbraucht. Mit Hilfe von Schwefelsäure werden vor allem Phosphat- und Ammoniumsulfatdünger gewonnen. Letzterer wird durch Reaktion von halbkonzentrierter Schwefelsäure mit Ammoniak dargestellt. Bei der Produktion von Phosphatdüngern wird Schwefelsäure zum Aufschluss des Rohphosphates benötigt. Bei der Reaktion entsteht Superphosphat Ca(H2PO4)2/CaSO4 Neben Ammoniumsulfat werden auch andere Sulfate durch Umsetzung entsprechender Salze mit Schwefelsäure hergestellt. Ein Beispiel ist das aus Aluminiumhydroxid gewonnene Aluminiumsulfat, das in großen Mengen in der Papierindustrie und als Flockungsmittel in der Wasserreinigung verwendet wird. Oleum Schwefelsäure kann Schwefeltrioxid in beliebigen Mengen lösen. Das Gemisch bezeichnet man als Oleum (CAS-Nummer ) oder rauchende Schwefelsäure, da das enthaltene Schwefeltrioxid leicht aus der Lösung entweicht und mit der Luftfeuchtigkeit Nebel („Rauch“) aus verdünnter Schwefelsäure bildet. Die Konzentration des Oleum wird in Gewichts-% des in 100%iger Schwefelsäure gelösten SO3 angegeben. Mit Oleum werden in der organischen Chemie bei der Sulfonierung von Aromaten, Alkenen und Aliphaten oder bei der Sulfatierung von Hydroxyverbindungen Sulfonsäuregruppen eingefügt. Damit werden beispielsweise Tenside für die Waschmittelindustrie und Vorprodukte für die Farbstoff- und Pigmentproduktion (Buchstabensäuren) hergestellt. Nitriersäure Eine weitere funktionelle Gruppe, die mit Hilfe von Schwefelsäure eingeführt werden kann, ist die Nitrogruppe. Dies geschieht mit Hilfe der sogenannten Nitriersäure, einer Mischung aus Schwefel- und Salpetersäure. Verwendet wird dies vor allem zur Herstellung von Sprengstoffen, wie Trinitrotoluol oder Nitroglycerin. Auch daher zählt die EU Schwefelsäure in Gemischen mit einem Gehalt von mehr als 15 % seit 1. Februar 2021 zu den beschränkten Ausgangsstoffen für Explosivstoffe mit der Folge, dass die Verwendung, der Besitz, die Verbringung und die Abgabe durch und an Personen verboten ist, die nicht zu beruflichen oder gewerblichen Zwecken handeln; die berufliche oder gewerbliche Zweckbestimmung ist bei Verkauf zu überprüfen und verdächtige Transaktionen sind meldepflichtig. Sonstiges Da zahlreiche Erze in Schwefelsäure löslich sind, kann sie als Aufschlussmittel eingesetzt werden. Beispiele sind das nasse Verfahren zur Zinkherstellung aus Zinkoxid und das Sulfatverfahren zur Gewinnung des Weißpigmentes Titandioxid. Mit Hilfe von Schwefelsäure können nicht nur oxidische Erze, sondern auch solche mit anderen Anionen wie Fluorid oder Phosphat aufgeschlossen werden. Bei der Reaktion entstehen dabei die entsprechenden Säuren. Dieses Verfahren ist für die Produktion von einigen technisch wichtigen Säuren relevant. Beispiele sind Flusssäure aus Fluorit, Phosphorsäure aus Apatit und Salzsäure aus Halit. Als Batteriesäure ist Schwefelsäure ein wichtiger Bestandteil des Bleiakkumulators, wie er in Automobilen als Starterbatterie eingesetzt wird. Ebenso wie im Bleiakkumulator dient verdünnte Schwefelsäure auch in elektrolytischen Prozessen als Elektrolyt. Die Vorteile gegenüber anderen Elektrolyten liegen in der hohen Leitfähigkeit und gleichzeitig niedrigen Neigung zur Reduktion. Biologische Bedeutung Die in der Luft aus Schwefeltrioxid entstandene Schwefelsäure sowie auch die aus Schwefeldioxid entstandene Schweflige Säure ist neben der aus Stickoxiden gebildeten Salpetersäure ein Bestandteil des sauren Regens, durch den es vor allem in schwach gepufferten Böden und Gewässern zu einem Absinken des pH-Wertes kommen kann. Eine Auswirkung eines niedrigeren pH-Wertes ist eine Änderung der Löslichkeit einiger Metallionen. So ist das für Pflanzen schädliche Aluminium bei niedrigerem pH-Wert besser in Wasser löslich. Ebenso können biologisch wichtige Ionen, wie Kalium oder Magnesium leichter ausgewaschen werden. Aus diesen Gründen gilt Schwefelsäure als eine mögliche Ursache des Waldsterbens in den 1980er Jahren. Durch technische Maßnahmen wie die Rauchgasentschwefelung bei Kohlekraftwerken und die Einführung schwefelarmer Kraftstoffe wird in Deutschland so wenig Schwefeldioxid freigesetzt, dass das Regenwasser deutlich weniger Schwefelsäure enthält. Schwefelsäure wirkt auf Fische und andere Gewässerlebewesen auf Grund ihrer Acidität toxisch. So beträgt in weichem Wasser ohne Pufferkapazität die mittlere letale Konzentration (der LC50-Wert) für Fische 100–330 mg/l, also ähnlich wie bei anderen Mineralsäuren. In den Abraumhalden von Erzbergwerken und Braunkohletagebauen entsteht Schwefelsäure durch eine Kombination aus abiotischer und mikrobieller Oxidation freiliegender sulfidhaltiger Mineralien. Durch Regenwasser wird sie ausgewaschen und sammelt sich als saures Grubenwasser in Restseen, in denen wegen des niedrigen pH-Werts und hoher Schwermetallgehalte kaum Lebewesen zu finden sind. Sicherheitshinweise Schwefelsäure wirkt auf Haut und Schleimhäute stark reizend und ätzend. Sie ist in der Lage, lebendes Gewebe zu zerstören (Verätzung). Die Wirkmechanismen von konzentrierter und verdünnter Schwefelsäure sind deutlich zu unterscheiden. Bei verdünnter Schwefelsäure wirkt die erhöhte Protonenkonzentration ätzend, d. h. die Wirkung ist derjenigen anderer verdünnter Säuren ähnlich. Die Wirkung besteht bei Hautkontakt, abhängig von der Konzentration, vorwiegend in lokalen Reizungen. Sie ist damit deutlich ungefährlicher als konzentrierte Schwefelsäure. Diese wirkt auf Grund ihrer stark wasserziehenden Wirkung verkohlend und schädigt schon in kleinen Mengen Haut und Augen stark. Es bilden sich nur langsam heilende, schmerzhafte Wunden. Schwefelsäure kann auch über Dämpfe aus der Luft aufgenommen werden, der MAK-Wert beträgt 0,1 mg/m³, der LC50-Wert beträgt bei Ratten über vier Stunden inhalativ aufgenommen 510 mg/m³. Da bei der Reaktion von konzentrierter Schwefelsäure mit Wasser viel Wärme entsteht, darf sie nur durch Eingießen in Wasser und nicht durch Hinzufügen von Wasser zur Säure verdünnt werden. Wird Wasser zu Schwefelsäure hinzugegeben, kann diese spritzen und so umstehende Personen verätzen. Seit 2021 darf Schwefelsäure in einer Konzentration über 15 Gewichtsprozent nicht mehr an Privatpersonen abgegeben werden. Nachweis Konzentrierte Schwefelsäure wird durch die Reaktion mit organischen Substanzen nachgewiesen. Wird etwa ein Holzspan in konzentrierte Schwefelsäure getaucht, wird er langsam schwarz. Es ist möglich, durch unterschiedliche Reaktionen verdünnte und konzentrierte Schwefelsäure zu unterscheiden. Dabei wird die unterschiedliche Reaktivität der beiden Säuren mit unedlen Metallen, wie Zink oder Eisen, ausgenutzt. Während sich bei verdünnter Säure schon bei Raumtemperatur Wasserstoff bildet, reagiert die konzentrierte Säure, die fast keine freien Oxoniumionen enthält, erst beim Erwärmen unter Bildung von Schwefeldioxid und Schwefel. Da in wässriger Lösung die Schwefelsäure dissoziiert ist, lässt sie sich darin nicht direkt nachweisen. Stattdessen kann die Protonenkonzentration und damit der saure pH-Wert über geeignete Indikatoren oder mit dem pH-Meter bestimmt werden. Das Sulfation lässt sich beispielsweise durch Fällung als schwerlösliches Bariumsulfat bestimmen. Literatur Norman N. Greenwood, Alan Earnshaw: Chemie der Elemente. 1. Auflage, Wiley-VCH, Weinheim, 1988, ISBN 3-527-26169-9. Ralf Steudel, David Scheschkewitz: Chemistry of the Non-Metals. Walter de Gruyter, Berlin/Boston, 2020, ISBN 978-3-11-057805-8. Hermann Müller: Sulfuric Acid and Sulfur Trioxide. In: Ullmann’s Encyclopedia of Industrial Chemistry, 4. Auflage, Wiley-VCH, 1984, Fritz Ullmann: Enzyclopädie der Technischen Chemie. Ausgabe 1922 Verzeichnis der weltweit installierten Anlagen Weblinks Einzelnachweise Anorganische Säure Schwefelverbindung Sauerstoffverbindung Trockenmittel Lebensmittelzusatzstoff (EU)
Q4118
262.291598
18535
https://de.wikipedia.org/wiki/Yen
Yen
Der Yen () ist seit Juli 1871 die japanische Währungseinheit. Das internationale Symbol für den Yen ist ¥. Dies wurde mit der Prägung der modernen Rundmünzen in Silber und Gold in Japan eingeführt. Neben dem US-Dollar und dem Euro ist der Yen zur Währungsstabilisation in vielen Ländern Teil der eigenen Geldreserven. Unterteilt wird der Yen in Sen (, 1 Yen = 100 Sen) und in Rin (, 1 Sen = 10 Rin), Münzen beider Einheiten wurden 1954 aus dem Umlauf genommen. Heute sind sie lediglich von rechnerischer Bedeutung. In der lateinischen Schrift wird das Währungssymbol des Yen durch das Schriftzeichen ¥ und in der japanischen Schreibweise mit dem Kanji dargestellt. Die Bezeichnung für den ISO-Währungscode ist JPY und hat die Codenummer 392. Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs wurde der Yen fest an den US-Dollar gekoppelt. Seitdem 1973 das Bretton-Woods-System seinen Zusammenbruch erlitt, wurde der Yen für den Währungsmarkt freigegeben und von diesem bestimmt. Derzeit beläuft sich der Wechselkurs des Yen auf ungefähr  Yen für einen US-Dollar und circa  Yen pro Euro. Aussprache und Etymologie (Wortherkunft) Im Japanischen wird die Währung en ausgesprochen, zurückgehend auf das chinesische Wort . In China wird dieses Schriftzeichen auf Grund gleicher Aussprache durch ersetzt, was jedoch weitere Bedeutungen hat. Dieses findet sich auch auf alten japanischen Münzen, z. B. Kupfermünzen von 1695. Im heutigen Japanischen wird jedoch als gen (seltener auch gan) ausgesprochen, so dass diese Ersetzung nicht übernommen wurde. Stattdessen wird verwendet, eine Variante vom Schriftzeichen . Im 16. Jahrhundert wurden das japanische e () und we () als [je] ausgesprochen (vgl. auch Mitteljapanische Sprache). Auch portugiesische Missionare haben es seinerzeit auf diese Weise geschrieben. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden e/we wie im modernen Japan als [e] ausgesprochen, trotzdem behielten einige Regionen die Aussprache [je] bei. Walter Henry Medhurst (1796–1857) war ein englischer Missionar in China, der niemals selbst in Japan war. In seinem An English and Japanese and Japanese and English vocabulary (1830) schrieb Medhurst einige „e“s als „ye“. In der frühen Meiji-Zeit buchstabierte James Curtis Hepburn, ein amerikanischer Missionar und Sprachforscher in Japan, in seinem japanisch- und englischsprachigen Wörterbuch (1. Auflage 1867) in Anlehnung an Medhurst alle „e“s als „ye“. Dieses war das erste voll umfängliche japanisch-englische/englisch-japanische Wörterbuch, welches einen starken Einfluss auf die westlichen Ausländer in Japan hatte und höchstwahrscheinlich die Schreibweise „Yen“ maßgeblich beeinflusst hat. In der 3. Auflage (1886) ersetzte Hepburn dann alle „ye“s durch „e“, um die zeitgemäße Aussprache widerzuspiegeln. Eine Ausnahme bildete der Yen. Dieser war wohl schon fest verankert und blieb seither als solcher bestehen. Geschichte Einführung des Yen Im Jahr 1871 wurde der Yen von der Meiji-Regierung nach europäischem Vorbild als Währung eingeführt. Die Regierung löste dadurch das während der Edo-Zeit gültige Währungssystem ab. Durch die erste Währungsreform im Jahre 1871 wurde die Verwendung des Dezimalsystems festgelegt. Das Dezimalsystem oder auch Zehnersystem unterteilt den Yen in 100 Sen oder in 1000 Rin. Vorerst galten für die neue japanische Währung sowohl der Gold- als auch der Silberstandard. In einem Großteil der asiatischen Länder, welche die Haupthandelspartner Japans sind, wurde in Silber gerechnet. Die Haupthandelsmünze der damaligen Zeit war der silberne mexikanische Dollar. Die Silbermünzen wurden eingeführt, um Handel mit den Ländern entlang des pazifischen Ozeans treiben zu können, welche den Silberstandard angenommen hatten. Allerdings wechselten die Vereinigten Staaten und jene europäischen Länder, die es sich leisten konnten, im Verlauf des Jahres 1873 zum Goldstandard. Somit wurde im Jahr 1871 erstmals eine goldene Yen-Münze geprägt, welche im Gegensatz zur Silbermünze lediglich für den nationalen Handel gedacht war. Laut Gesetz war der Wert eines Yen auf 26,956 Gramm beziehungsweise 0,8667 Feinunzen Silber festgelegt. Die Yen-Münze wurde in Anlehnung an westliche Währungen in runder Form geprägt. Der Aufstieg des Yen zur international gehandelten Währung Schwache Ausgangsposition 1897 wurde die Goldwährung in Japan eingeführt, welche, wie in vielen anderen Ländern auch, im Ersten Weltkrieg aufgegeben werden musste. Nachdem 1930 der Versuch einer Rückkehr zur Goldwährung gescheitert war, wurde im folgenden Jahr der Goldstandard offiziell abgeschafft. Der Grund für das Scheitern war zum einen der Börsencrash im Jahre 1929 und zum anderen die darauf folgende Weltwirtschaftskrise. Das Währungs- und Finanzsystem war nach dem Zweiten Weltkrieg ebenso zerrüttet wie die japanische Wirtschaft selbst. Nach einem starken Inflationsprozess, dem die japanische Währung einige Jahre unterlag, brachten erfolgreiche Stabilisierungsmaßnahmen den Yen wieder ins Lot. Um im internationalen Rahmen als Zahlungsmittel funktionieren zu können, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen die Konvertibilität der Währung. Konvertibilität ist dann gewährleistet, wenn eine Währung die Eigenschaft aufweist, dass sie von Aus- sowie von Inländern unbegrenzt in andere Währungen umgetauscht werden kann. Der Yen erwarb die Konvertibilität erst im Jahre 1964, während der USD schon nach dem Zweiten Weltkrieg zu Konvertierbarkeit überging und die meisten westeuropäischen Länder diesen Status bereits 1958 erlangten. Jedoch blieb der Yen international in den ersten Jahren der Austauschbarkeit eine kaum beachtete Währung. Die Ursachen hierfür lagen in ihrer starren Organisationsform und in der nahezu völligen Abgrenzung des Kredit- und Geldsystems gegenüber dem Ausland, die kaum Platz für Beweglichkeit ließen. Zum Ausdruck kam dies zum Beispiel durch die erheblichen Festlegungen der Geschäftstätigkeit der Banken im Ausland sowie durch die strengen staatlichen Kontrollen diverser Zins- und Kreditkonditionen. Bereits zum Anfang der 1970er Jahre mussten Devisen im Zeitraum von einem Monat nach ihrem Erwerb an Geldhändler, Postsparkassen oder die Außenhandelsbanken wieder verkauft werden. Des Weiteren konnten diese aber auch für private Geldüberweisungen oder Auslandsreisen verwendet werden. Diese Reglementierungen beruhten auf den Devisenbestimmungen des Devisenkontrollates im Jahre 1950. Diese Festlegungen wurden 1952 durch das Finanzministerium weiterentwickelt. Hierzu kam die Einschränkung, dass die Banken in ihren Devisenoperationen zum Beispiel im Mai 1971 nur bestimmte Währungen nutzen durften. Hier standen folgende Währungen zur Nutzung: Die Startbedingungen Zu Beginn der achtziger Jahre gewann die Wirtschafts- und Finanzmacht Japans immer mehr an Boden. Damit schaffte Japan den Sprung in die internationale Arena. Es gab einige Maßnahmen und Ereignisse, die dem Yen dabei halfen, eine weltweit ernst zu nehmende Währung zu werden. Eine dieser Maßnahmen waren die Anhäufungen umfangreicher Währungsreserven, die Japan die notwendige Manövriermasse für Aktivitäten im Ausland verschaffte. Des Weiteren fasste das japanische Finanzkapital auf den Finanzmärkten anderer Länder Fuß, was es Japan ermöglichte, ein breites Netz an Auslandsfilialen der japanischen Banken aufzubauen. In der Zeitspanne von 1970 bis 1983 stieg die Anzahl an Filialen, Auslandsabteilungen und Repräsentanzen der japanischen Banken von 85 auf 400. Zu Beginn des Jahres 1984 fanden intensiv geführte Gespräche zwischen japanischen und amerikanischen Finanzexperten im „Yen Dollar Committee“ über die Beziehung und Probleme der beiden Währungen statt. Infolge dieser Diskussionen traf Japan Festlegungen über eine weitere Verwirklichung des Freihandels des Währungssystems. Somit bekam im Oktober 1984 das ausländische Finanzinstitut die Genehmigung für den Handel mit öffentlichen Wertpapieren. Nur ein Jahr darauf wurden in Japan ausländische Treuhandelsbanken zugelassen. Sozusagen wurde der Geld- und Finanzmarkt Japans für das Ausland geöffnet. Seither wurden in der Internationalisierung des Yen viele Fortschritte gemacht. Der unterbewertete Yen Im Jahre 1971 war die japanische Währung stark unterbewertet. Dies hatte zur Folge, dass die japanischen Exporte auf dem internationalen Markt zu wenig kosteten und die Importe aus dem Ausland für die Japaner gleichzeitig zu preisintensiv waren. Dies spiegelte sich seinerzeit in der Außenhandelsbilanz wider (hier gab es im Jahre 1971 einen Überschuss von 5,8 Mrd. US-Dollar). Dieser Glaube, dass einige Hauptwährungen, so auch der Yen, unterbewertet waren, motivierte die Vereinigten Staaten 1971 zu Interventionen. Behutsames Taktieren der japanischen Währungsbehörden Umfassend betrachtet ist der Yen erst mit einiger Verspätung in den Kreis der internationalen Währungen gelangt. Zudem wurde die Positionierung des Yen im internationalen Währungssystem der Rolle Japans als Wirtschafts- und inzwischen auch Finanzmacht noch nicht gerecht, was wesentlich durch das Verhalten der japanischen Währungsbehörden bedingt war. Diese hatten zuvor vorsichtig und zurückhaltend agiert und sich meist erst unter Druck zu Maßnahmen der Öffnung bereit erklärt. Zunehmender Umlauf des Yen im Ausland erschwerte die Steuerung nach binnenwirtschaftlichen Erfordernissen. Wegen des im internationalen Vergleich sehr niedrigen japanischen Zinsniveaus wurde ein zu starker Kapitalabfluss befürchtet. Bretton-Woods-Abkommen Das Bretton-Woods-Abkommen ist die Bezeichnung des nach dem Zweiten Weltkrieg neu geordneten internationalen Währungssystems von festen Wechselkursen, welches von der Leitwährung, dem goldunterlegten US-Dollar, bestimmt wurde. Hierbei verpflichtete sich die Amerikanische Zentralbank, ihre Währung jederzeit in Gold umzutauschen (35 Dollar/Unze). Ziel dieses Abkommens war es, die Wechselkurse zwischen den Währungen zu stabilisieren. Dies sollte eine stimulierende Wirkung auf die Wirtschaft haben, wobei der Internationale Währungsfonds und die Weltbank eine große Rolle bei der Erreichung dieses Ziels spielten. Nach einer instabilen Phase im Jahr 1949 wurde ein Wechselkurs von 360 Yen für 1 US-Dollar festgelegt. Die Festlegung erfolgte im Rahmen des „Bretton Woods Systems“ auf Grundlage eines Plans der USA zur Stabilisierung des Preisniveaus auf dem japanischen Binnenmarkt. Solange die Außenhandelsüberschüsse in den Vereinigten Staaten groß und hierdurch der Dollar global knapp war, funktionierte das Bretton-Woods-Abkommen. Mit der Steigerung der außerhalb des Landes kursierenden Dollarmenge sank entsprechend die Golddeckung, mit der Folge eines stetigen Anstiegs des Inflationsrisikos. Erstmals wurde eine Yen-Aufwertung im Jahre 1968 erwogen, dann verstärkt 1969, nach der Aufwertung der Deutschen Mark gegenüber dem US-Dollar. Der Druck zur Aufwertung ging von den USA aus, die trotz des Abwertungsbedarfs des Dollars unbedingt an der Goldparität ihrer Währung festhalten und die anderen Währungen aufwerten lassen wollten. Dies lehnte die japanische Regierung jedoch ab, da die japanischen Währungsreserven gering waren, und die Integration in die Weltwirtschaft noch nicht vollzogen war. Der Wechselkurs des Yen wurde bis 1971 fixiert, bis die USA den Goldstandard aufgaben und Präsident Nixon die Verpflichtungen aus dem Bretton-Woods-Abkommen am 15. August 1971 auflöste. Bis 1971 lag der Wechselkurs bei 360:1, 1972 wurde ein US-Dollar mit 308 Yen bewertet. Zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs flossen viele Kredite von den USA nach Europa. Die daraus folgende starke Abwertung des Dollars führte zum Zusammenbruch des Systems der festen Wechselkurse und zur Aufgabe des Goldstandards, da die Vereinigten Staaten nicht mehr über genügend Goldreserven verfügten. 1973 wurde das Bretton-Woods-Abkommen schließlich außer Kraft gesetzt. Daraufhin wurden die Wechselkurse in den meisten Ländern freigegeben. Smithsonian Agreement Am Tag des 18. Dezember 1971 wurde zwischen den zehn wichtigsten westlichen Industrienationen ein Abkommen über die Aufnahme von Beratungen zur Reorganisation der weltweiten Wirtschaftsbeziehungen sowie über Sofortmaßnahmen zur Überwindung der Krise in der weltweiten Währungsordnung abgeschlossen. Zu diesen Sofortmaßnahmen gehörten die Festsetzung von neuen Leitkursen beziehungsweise Paritäten in einem kollektiven Realignment, die Wertminderung des Dollar gegenüber dem Gold (Abwertung um 7,89 % auf 38 Dollar je Gold-Feinunze), sowie gegenüber den Währungen von den bedeutungsvollsten Industrienationen um durchschnittliche 9 %, sowie die Bandbreitenerweiterung von ± 1 % auf ± 2,25 %. Seit März des Jahres 1973 hat dieses Abkommen keinen Bestand mehr. Das System der festen Wechselkurse wurde aufgegeben und von dem System der flexiblen Wechselkurse gegenüber dem US-Dollar abgelöst. Das gleichnamige Washingtoner Konferenzgebäude prägte den Namen Smithsonian. Der Yen auf den Devisenmärkten Um eine Währung einschätzen zu können, ist auch der Außenwert, also der Währungskurs, von großer Bedeutung. Die Entwicklung eines Währungskurses hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Im Allgemeinen steht die Währungskursentwicklung indirekt oder auch direkt im Zusammenhang mit der ökonomischen Gesamtentwicklung des entsprechenden Landes. Der Kurs der Währung ist hierfür eine Art Spiegelbild. Derzeit bilden sich die Kursgrößen vorwiegend durch Angebot und Nachfrage auf den Devisenmärkten heraus, was desgleichen uneingeschränkt auf den Yen zutrifft. Des Weiteren kam es zu Eingriffen auf dem Devisenmarkt durch die japanische Regierung. In den siebziger Jahren waren diese Regierung und die Geschäftsleute sehr besorgt darüber, dass der Wertanstieg des Yen dem Exportwachstum schaden würde, indem er die japanischen Produkte weniger konkurrenzfähig macht und die industrielle Basis beschädigt werden würde. Auf Grund dessen griff die japanische Regierung weiterhin durch das Kaufen oder Verkaufen von US-Dollar in den Devisenmarkt ein, selbst nach der 1973 gefallenen Entscheidung, den Yen freizugeben. Trotz des Eingriffes verursachte der Druck des Marktes einen weiteren Wertanstieg des Yen. Der Höchststand war 271 Yen pro US-Dollar, bis sich der Einfluss der Ölkrise 1973 bemerkbar machte. Die gestiegenen Kosten für importiertes Öl verursachten in den Jahren 1974 bis 1976 eine Entwertung des Yen auf 290 bis 300 Yen. Die Handelsüberschüsse brachten die japanische Währung 1978 zurück auf 211 Yen. Diese Stärkung der Währung wurde erneut durch die zweite Ölkrise von 1979 zunichtegemacht. Bis zum Jahre 1980 fiel der Yen auf 227 Yen pro US-Dollar. Der Yen in den frühen 1980er Jahren Trotz positiver Handelsbilanz konnte der Yen in der ersten Hälfte der 1980er Jahre nicht an Wert gewinnen. Der 1981 bei 222 Yen liegende Durchschnittswert fiel im Jahre 1985 auf einen Wert von 239. Der Anstieg der Handelsbilanz erzeugte eine stärkere Nachfrage nach dem Yen auf dem Devisenmarkt. Allerdings wurde die handelsbezogene Yen-Nachfrage durch andere Faktoren aufgehoben. Der große Zinsunterschied zwischen den USA und Japan, wobei die USA im Vergleich zu Japan sehr hohe Zinsen hatte, und die fortwährenden Anstrengungen, den Kapitalfluss zu deregulieren, führten zu einer enormen Kapitalabwanderung aus Japan. Dadurch stieg das Yen-Angebot auf den Devisenmärkten an. Japanische Investoren tauschten ihren Yen in andere Währungen (hauptsächlich Dollar) ein, um im Ausland Investitionen zu tätigen. Folglich blieb der Yen gegenüber dem Dollar weiterhin auf einem schwachen Niveau und begünstigte den rasanten Anstieg des japanischen Handelsbilanzüberschusses in den 1980er Jahren. Die Auswirkung des Plaza-Abkommens Im Jahr 1985 begann ein tiefgreifender Wandel. Am 22. September 1985 verabschiedeten die Vertreter der G-5 Staaten (USA, Frankreich, Großbritannien, Westdeutschland und Japan) im Plaza Hotel New York das „Plaza-Abkommen“. Ziel dieses Abkommens war es, eine Abwertung des Dollar gegenüber dem Yen zu erreichen. Dies sollte durch eine kontrollierte Einflussnahme auf die internationalen Devisenmärkte umgesetzt werden. In den folgenden zwei Jahren stieg der Wert des Yen gegenüber dem US-Dollar wieder an und erreichte 1988 einen Höchststand von 128 Yen pro Dollar. Dies entsprach nahezu einer Verdopplung seines Wertes. Die rapide Wertsteigerung des Yen veranlasste sowohl internationale Investoren als auch die Japaner selbst, ihr Kapital in großem Maße in japanische Immobilien und Aktien anzulegen. Die fortwährende Aufwertung des Yen konnte auch nicht durch das im September 1987 verabschiedete Louvre-Abkommen, welches eine Stabilisierung der Wechselkurse verfolgte, gestoppt werden. Japan befand sich inmitten einer Bubble Economy (Blasen-Wirtschaft). 1990 platzte die Blase und zog schwerwiegende Konsequenzen nach sich. Der Immobilien- und der Aktienmarkt verloren erheblich an Wert. Große Banken und Versicherer meldeten Konkurs an, der Yen fiel. 1995 erreichte er jedoch einen erneuten Höchststand von 80 Yen pro Dollar. Die Jahre nach dem Platzen der Spekulationsblase Während der Immobilienspekulationsblase verlor der Yen an Wert. Dieser Werteverlust setzte sich auch nach dem Platzen der Blase fort und erreichte im Februar 2002 einen Tiefstand von 134 Yen pro US-Dollar. Die Nullzinspolitik der „Bank of Japan“ führte zu einem Investitionsabfall des Yen. Viele Investoren nahmen Yen-Währungskredite auf und investierten das so erhaltene Geld in andere Währungen mit höheren Zinsen. So zum Beispiel investierten viele Investoren die Yen-Währungskredite, welche in etwa einen Zinssatz von 0,5 % hatten, in die USA, welche vergleichsweise sehr hohe Zinsen (4 %) besaßen (Currency Carry Trade). Dadurch wurde der Yen gegenüber anderen Währungen eher niedrig gehalten. Das Volumen dieser Transaktionen wird auf circa eine Billion Dollar geschätzt. Der Economist schrieb im Februar 2007, dass der Yen gegenüber dem Dollar 15 % und gegenüber dem Euro gar 40 % unterbewertet ist. Bis Februar 2008 erholte sich der Yen und erreichte einen Wert von 90 Yen pro US-Dollar. Aggressive Geldpolitik und Konjunkturprogramm 2013 Als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt (BIP: 5.981 Mrd. US-Dollar (2012)), bei einer hohen Abhängigkeit von Exporten, entwickelt sich das Wirtschaftswachstum des Landes seit Jahrzehnten weltweit gesehen unterdurchschnittlich mit deflationären Tendenzen. So sank, nach Angaben der Regierung in Tokio, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2012 um 0,1 Prozentpunkte. Es war der dritte Einbruch in Folge. Regierungskreise in Tokio machen einen zu starken Yen als Hauptfaktor der schlechten Konjunktur aus. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte daher im Januar 2013 ein ambitioniertes Konjunkturprogramm an, dessen Kapitalquellen durch die Geldpolitik der japanische Notenbank (Bank of Japan) gespeist werden sollen. 20,2 Billionen Yen (169 Milliarden Euro), mehr als die Hälfte der jährlichen Wirtschaftskraft Österreichs, sollen schnellstmöglich in die Wirtschaft gesteckt werden. Dieses hohe Volumen wird faktisch durch einen extrem niedrige Leitzins der Bank of Japan erreicht – der geldpolitische Schlüsselsatz liegt nahe Null (Zielkorridor: 0 bis 0,1 %). Die zumindest gesetzlich unabhängige Zentralbank ist dem ausdrücklichen Ruf der Regierung nach einem Inflationsziel von zwei Prozent (bislang 1 %) gefolgt. Und bis dieses Ziel erreicht ist, wird die Notenbank uneingeschränkt japanische Staatsanleihen kaufen. Das Wertpapierprogramm liegt nach Angaben der Bank of Japan bei einem Volumen von 101 Billionen Yen. Bedingt durch die Maßnahmen der Zentralbank fiel der Yen Mitte Februar 2013 auf ein zwischenzeitliches Zweieinhalbjahrestief. Ein Dollar stieg auf 89,61 Yen, das entspricht einem Kursverfall des Yen von 12 % in nur drei Monaten. Bereits 2012 fiel der Yen 15 % gegenüber zehn großen Weltwährungen – so viel wie seit 1979 nicht mehr (nach einem Bloomberg-Index). Unter den Notenbankern und den G7-Regierungen wird diese aggressive Geldpolitik der Bank of Japan, zur raschen und starken Abwertung des Yens, als Währungskrieg bezeichnet, deren Einwirkungen auf die japanische Volkswirtschaft nur kurzfristiger Natur sein könnten, Aktienspekulationen und das Wetten auf die Währung Yen erhöhen, aber andere Zentralbanken (z. B. die Fed in den USA) zur Abwertung ihrer Währungen bewegen könnten (Abwertungswettlauf). Ausgabeform Münzen Die Münzen wurden 1870 eingeführt. Es gab Silbermünzen in den Ausführungen 5, 10, 20 und 50 Sen, 1 Yen, sowie Goldmünzen im Wert von 2, 5, 10 und 20 Yen. Die goldene 1-Yen-Münze wurde 1871 eingeführt. 1873 folgten Kupfermünzen mit den Ausprägungen 1 Rin; ½, 1 und 2 Sen. 1889 wurde eine Kupfernickelmünze zu 5 Sen eingeführt. 1897 wurde die 1-Yen-Silbermünze aus dem Umlauf genommen und die Größen der Goldmünzen wurden um 50 % reduziert, ausgegeben als 5-, 10- und 20-Yen-Münzen. 1920 wurde die 20-Sen-Kupfernickelmünze eingeführt. 1938 wurde die Herstellung der Silbermünzen eingestellt. Während des Zweiten Weltkrieges wurden anstelle des Silbers unedlere Metallmischungen genutzt, um 1-, 5- und 10-Sen-Münzen zu produzieren. 1945 wurden 5- und 10-Sen-Münzen aus Ton hergestellt, jedoch nicht in Umlauf gebracht. Nach dem Krieg wurden 1-, 5- und 50-Yen-Messingmünzen produziert und zwischen 1946 und 1948 eingeführt. 1949 wurde der heutige 5-Yen-Münztyp, welcher sich durch ein Loch in der Münzmitte auszeichnet, eingeführt. 1951 wurde die 10-Yen-Bronzemünze eingeführt. Dieser Münztyp befindet sich noch heute im Umlauf. Münzen mit einem Nennwert kleiner als 1 Yen wurden Ende 1953 ungültig. 1955 wurde der heute noch gültige Typ der 1-Yen-Aluminiummünze sowie die nicht gelochte 50-Yen-Nickelmünze eingeführt. 1957 wurde die 100-Yen-Silbermünze in Umlauf gebracht. Diese wurden 1967 durch die heutige Kupfernickelmünze ersetzt, zusammen mit der gelochten 50-Yen-Münze. 1982 wurde die erste 500-Yen-Münze eingeführt. Das Datum, ausgedrückt als Jahr der Regentschaft des aktuellen Kaisers, befindet sich auf der Rückseite aller Münzen. Der Name des Landes und der Wert in Kanji ist in den meisten Fällen auf der Vorderseite der Münzen abgebildet. Eine Ausnahme bildet die aktuelle 5-Yen-Münze. Hier befindet sich der Name auf der Rückseite. Die 500-Yen-Münze ist neben dem Schweizer 5-Franken-Stück die wertvollste im Umlauf befindliche Münze. Eine 500-Yen-Münze ist etwa  Euro, beziehungsweise  Schweizer Franken wert. Aufgrund ihres Wertes war die 500-Yen-Münze bei Münzfälschern beliebt. Der hohe Anteil an Fälschungen führte schließlich dazu, dass im Jahr 2000 eine neue Münze mit einer Reihe von Sicherheitsmerkmalen ausgegeben wurde. Trotzdem konnte dem Fälschen der 500-Yen-Münze bisher kein Einhalt geboten werden. Zu zahlreichen Anlässen werden Gedenkmünzen geprägt. Häufig wird für diese Münzen Gold und Silber verwendet, der Nennwert der Münzen beträgt bis zu 100.000 Yen. Die ersten Gedenkmünzen wurden anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1964 mit einem Nennwert von 100 und 1000 Yen ausgegebenen. Obwohl diese auch als Zahlungsmittel genutzt werden können, werden sie meist nur als Sammlerstücke betrachtet und befinden sich folglich nicht im Umlauf. Im Gegensatz zu Münzen anderer Länder ist auf dem Yen nicht das Prägejahr nach dem gregorianischen Kalender abgebildet, sondern das Jahr der laufenden Kaiserherrschaft, eine im Jahr 2009 geprägte Münze hat z. B. das Datum Heisei 21, entsprechend dem 21. Jahr der Herrschaft von Kaiser Akihito. Die Münzen sind für Sehbehinderte leicht zu unterscheiden. Banknoten Im Umlauf befindliche Banknoten Die ersten Yen-Banknoten wurden 1872 von der Druckerei C. Naumann in Frankfurt am Main gedruckt. Bis zur Gründung der japanischen Zentralbank im Jahr 1882, welche bis heute die alleinige Berechtigung zur Herausgabe von Banknoten hat, wurden die Banknoten von insgesamt 153 nationalen Banken herausgegeben. Die aktuelle E-Serie, erschienen am 1. November 2004, besteht aus 1000 Yen, 2000 Yen, 5000 Yen und 10.000 Yen. Die 2000-Yen-Banknote ist selten. Außer Kurs gesetzte Banknoten Zwei Jahre nach der Einführung der Währung begann im Jahre 1872 die erste Ausgabe Yen-Banknoten. Im Laufe ihrer Geschichte existierten Nennwerte zwischen 10 und 10.000 Yen. Vor und während des Zweiten Weltkrieges gab es verschiedene Institutionen, welche die Yen-Banknoten herausgaben, z. B. das Finanzministerium und die Kaiserliche Nationalbank. Kurz nach dem Krieg gaben dann auch die Alliierten einige Banknoten heraus. Seitdem hält die Bank of Japan das Banknotenmonopol. Seit dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte die „Bank of Japan“ fünf Notenserien. Anmerkung: Die rote Aufschrift (in Hiragana) oder (in Kanji), beides mihon, steht für „Muster“. Besatzungsnoten Während des Zweiten Weltkrieges wurden von der japanischen Regierung so genannte Besatzungsnoten ausgegeben. Erstmals erschienen diese im Jahre 1942. In vielen Staaten Südost-Asiens wurden diese Besatzungsnoten verwendet. Diese standen seinerzeit unter den Gesetzen der japanischen Regierung; in der heutigen Zeit sind diese Banknoten nicht mehr gültig. Solche Banknoten existieren aus folgenden Ländern: Niederländisch-Indien (Werte zu ½, 1, 5, 10, 100 und 1000 Roepiah, ½, 1, 5 und 10 Gulden, sowie 1, 5 und 10 Cent) Malaysia (Werte zu 1, 5, 10, 100 und 1000 Dollar, sowie 1, 5, 10 und 50 Cent) Philippinen (Werte zu 1, 5, 10, 100, 500 und 1000 Peso sowie 1, 5, 10 und 50 Centavo) Burma (Werte zu ¼, ½, 1, 5, 10 und 100 Rupee, sowie 1, 5 und 10 Cent) Ozeanien (Werte zu 1 Pound) Zum Teil gibt es von den homogenen Werten unterschiedliche Ausführungen, was vor allem auf die regionalen Unterschiede innerhalb der Staaten zurückzuführen ist. Militärgeld Ab dem Russisch-Japanischen Krieg (1904/05) verausgabte die japanische Regierung Militärgeld zur Verwendung durch Soldaten in den Kriegs- und Besatzungsgebieten. In Manchuko 1931/45, in China 1937/45 sowie im Pazifik-Krieg 1941/45 war dieses Militärgeld parallel zum kursierenden Zivilgeld gültig, im japanisch besetzten Hong Kong war es sogar die ausschließlich gültige Währung. Am 6. September 1945 wurde sämtliches Militärgeld vom Japanischen Finanzministerium für ungültig erklärt. Fälschungen Während sich die Yen-Münzen im Laufe der Zeit kaum veränderten, wurden die älteren Banknotenserien immer wieder durch neue ersetzt. Das kommt vor allem daher, dass die Yen-Noten damals relativ leicht zu fälschen waren und es dadurch immer wieder zu Chaos und Unruhen auf dem Kapitalmarkt kam. Die Optimierungen in der Fälschungssicherheit neuer Banknoten waren in der Vergangenheit oft nur unwesentlich. Dies hatte zur Folge, dass die seinerzeit aktuellen Banknotenserien bereits nach wenigen Jahren wieder durch neue ersetzt werden mussten. Zuletzt wurde 2004 die neue E-Serie von Yen-Banknoten in Umlauf gebracht, die Experten für weitgehend fälschungssicher halten. Trotz allem gibt es in Japan nach wie vor die meisten gefälschten Banknoten weltweit. Mit der Einführung der E-Serie und damit der neuen Banknoten und Sicherheitsmerkmale ist die Fälschungsquote stark zurückgegangen. Sicherheitsmerkmale der Banknoten Nach einem Bericht vom 23. August 2004 der japanischen Zentralbank wurden die gegenwärtig gültigen Banknoten am 1. November 2004 herausgegeben. Die eingeführte E-Serie verfügt über spezielle Sicherheitsmerkmale, die anhand der folgenden Tabelle erläutert werden. Durch den Einsatz neuer Verfahren zum Erstellen der Sicherheitsmerkmale wurde es erstmals möglich, dass sehbeeinträchtigte Menschen Banknoten durch Tasten unterscheiden können. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Unterscheiden von Werten nur bei Münzen möglich. Kriterien für den Austausch von beschädigten Banknoten Die Bank ersetzt beschädigte Banknoten durch neue Banknoten. Dies wird nach den Kriterien des Beschädigungsgrades unterteilt. Hierbei wird vorausgesetzt, dass die beiden Seiten der Banknote erhalten bleiben. Der Besitzer kann die beschädigte Banknote zu dem Hauptsitz der Bank oder einer Zweigstelle bringen. Bei angebrannten Banknoten gelten zum Umtauschen die gleichen Kriterien, vorausgesetzt, dass die verbleibende Asche nachweislich zu einer Banknote gehört. Bleiben bei einer beschädigten Banknote zwei Drittel oder mehr des ursprünglichen Scheines übrig, so wird diese zum vollen Nennwert ausgetauscht. Eine beschädigte Banknote, bei welcher zwei Fünftel oder mehr des ursprünglichen Scheines erhalten bleiben, jedoch weniger als zwei Drittel der Urschrift, so wird diese nur noch zum halben Nennwert ersetzt. Eine beschädigte Banknote, die weniger als zwei Fünftel des ursprünglichen Scheines aufweist, ist vollkommen wertlos und wird nicht ersetzt. Außenwert des Yen Der Yen als Reservewährung Die Nutzung als Reservewährung ist ein weiterer gewichtiger Punkt, bei dem man den Umfang der Internationalisierung einer Währung quantifizieren kann. Eine Währung, die auf Grund ihrer Austauschbarkeit und ihrer Stärke international verwendet werden kann, wird von den ausländischen Zentralbanken als eine Weltgeld-Reserve gehandelt. Die Reserven einer Währung dienen der weltweiten Liquidität (Zahlungsfähigkeit) eines Landes. Solche Währungsreserven basieren immer auf dem Zusammenschluss von Währungen verschiedener Länder. Diesen Status einer Währungsreserve erarbeitete sich der Yen in den 1980er Jahren. Nachdem der Yen in den 1960er Jahren noch völlig bedeutungslos war, entwickelte er sich in kürzester Zeit zur weltweit drittwichtigsten Reservewährung. Wenn man allerdings den Vergleich zu dem US-Dollar zieht, ist es dennoch quantitativ betrachtet keine große Summe. Während der Dollar in der Zeit von 1990 noch fast zwei Drittel aller Währungsreserven bei den internationalen Banken ausmachte, entfielen seinerzeit gerade mal 6 bis 8 % auf den Yen und 12 bis 14 % auf die D-Mark. Der Nutzungsumfang einer durch das Ausland genutzten Währung als Reservemittel hängt in gewisser Weise auch von dem währungspolitischen Willen sowie der Währungspolitik des betreffenden Landes ab. Hierbei wäre zu sagen, dass die Japaner in ihrem Handeln grundsätzlich sehr vorsichtig und zurückhaltend agieren. Die Inflationsrate des Yen im direkten Vergleich zum US-Dollar Nach einer sehr hohen Preissteigerungsrate Mitte der 1970er Jahre verfolgte Japan eine strenge Anti-Inflationspolitik und drängte somit die Inflationsrate Japans unter die Teuerungsrate der Vereinigten Staaten zurück. In den USA lag die Inflationsrate zwischen 1979 und 1993 bei 4,7 % pro Jahr. Die japanische Teuerungsrate lag in diesem Zeitraum mit durchschnittlich 2,3 % pro Jahr deutlich darunter. Währungssymbole ¥: (Unicode: U+00A5) internationales Symbol Yen : (Unicode: U+5186) japanisches Symbol für Yen, wird in Japan en ausgesprochen : (Unicode: U+5713) älteres Symbol für en (Yen), das beispielsweise dem heutigen südkoreanischen Won, dem nordkoreanischen Won oder dem Taiwan-Dollar entspricht. Historisch findet man noch weitere Währungen, die das gleiche Schriftzeichen als Währungssymbol zur Verwendung hatten. In Japan wird es heute nur noch verwendet, wenn besondere Tradition und Genauigkeit vermittelt werden sollen, z. B. auf Bankdokumenten und Scheckformularen. : (Unicode: U+92AD) Sen : (Unicode: U+5398) Rin Literatur S. Noma (Hrsg.): yen. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 1745. Weblinks Chart: Yen in Euro. (englisch) (englisch) Japanischer Münzen-Katalog mit Abbildungen. (englisch) Einzelnachweise Währungseinheit (Asien) Wirtschaft (Japan) Wirtschaft (Japanisches Kaiserreich) Japanische Geschichte (Nachkriegszeit)
Q8146
366.001069
22411
https://de.wikipedia.org/wiki/Grenze
Grenze
Eine Grenze (Lehnwort aus dem Altpolnischen, vgl. altslawisch, (alt-)polnisch granica „Grenze“, Abkürzungen: Gr. und Grz.) ist der Rand eines physischen Raums und damit eine Trennfläche, eine Trennlinie oder ein Trennwert. Beispiele für nichtgeometrische Räume sind z. B. eine „übliche Verhaltensweise“ oder eine „Intimsphäre“, eigenem Tun und Lassen setzt gemeinhim das „Gewissen“ Grenzen („Moralischer Kompass“, ethische „Grenze“). Grenzen können geographische Räume begrenzen: Politische oder administrative Grenzen, wirtschaftliche, Zoll- oder Grenzen von Eigentum. Befestigte Grenzanlagen werden auch als „Kordon“ bezeichnet; Grundstücksgrenzen werden im Liegenschaftskataster nachgewiesen. Räume, die man in der Natur kaum durch Linienstrukturen festmachen kann, wie z. B. Landschaften, Kulturgrenzen oder Verbreitungsgebiete können auch unscharf begrenzt sein. Der Luftraum ist für Zwecke des Luftverkehrs abgegrenzt, seine Grenzen beinhalten ein Volumen. Die Grenzen eines Volumens wie die Seitenflächen, Kanten und Ecken eines Würfels können Flächen, Linien oder Punkte sein. Ein Beispiel für Grenzen von eindimensionalen Räumen ist die „obere“ und „untere Grenze“ in der Mathematik (siehe Supremum). Umgangssprachlich wird dafür auch Grenzwert, Schwellwert oder Schranke gebraucht. Auch dem „Recht“ sind Grenzen gesetzt: Die Allgemeine Handlungsfreiheit aus Abs. 1 GG (Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland) lautet: Wortherkunft Das im 12./13. Jahrhundert aus dem Altpolnischen entlehnte graniza/grænizen/greniz hat sich von den ostdeutschen Kolonisationsgebieten aus allmählich über das deutsche Sprachgebiet ausgeweitet und das deutsche Wort „Mark“ (althochdeutsch marka, marcha) für Grenze, Grenzgebiet verdrängt. Das alteinheimische „Mark“ ist heute noch lebendig einerseits in Zusammensetzungen und Ableitungen wie Markstein (schweizerisch Marchstein), Grenzstein, wichtiger, hervorragender Punkt, Gemarkung, Gesamtgebiet einer Gemeinde, Gemeindeflur oder übermarchen schweizerisch für „eine Grenze überschreiten, übertreiben“ und anderseits in Namen wie Mark Brandenburg und Steiermark (ursprünglich Gebiete an der Grenze zu den Slawen). Das Etymon „Grenze“ wird auch heute in den meisten slawischen Sprachen und im Rumänischen verwendet: granica (polnisch, kroatisch, bosnisch), граница/graniza (russisch, bulgarisch), граніца/graniza (weißrussisch), граница/granica (serbisch), hranice (tschechisch) und hranica (slowakisch, obersorbisch), graniţă (rumänisch). Es gehört zu der slawischen Wortgruppe ran’, z. B. russisch грань/gran’ ‚Grenzlinie, Grenze, begrenzende Fläche‘, auch ‚Facette, (Rand-)Fläche‘. Historische Grenzen Nach Reinhard Heydenreuter können im Wesentlichen folgende historische Grenzen unterschieden werden: Landesgrenzen zur Kennzeichnung von Territorien Herrschaftsgrenzen zur Abgrenzung von Gerichtsbezirken Nutzungsgrenzen zur Kennzeichnung von Jagd-, Fischerei- oder Waldbezirken Grundstücksgrenzen zur Abtrennung einzelner Grundstücke Entstehung von Staatsgrenzen Ältere politische Grenzen zwischen zwei Ländern fallen manchmal mit den natürlichen, teilweise nur schwer überwindbaren Hindernissen zusammen: ein Gebirge, ein Meer oder Meeresarm, eine Wüste, ein Urwald oder ein Bergland. Diese stellen im Regelfall auch die Sprach- und Kulturgrenzen dar. Flüsse hingegen bilden erst seit etwa 1800 Staatsgrenzen (neue Grenzziehungen infolge von Kriegen bzw. Friedensverträgen), da sie früher viel eher einende Handelswege als trennende Hindernisse darstellten. Zudem waren sie noch nicht begradigt und änderten nach Hochwasser ihren Verlauf, was Anlass zu Streitigkeiten gab (etwa im Schatt al-Arab zwischen Iran, Irak, und Kuwait). Wo sie heute Grenzen sind, wird in der Regel in den Grenzverträgen der Talweg als Grenzlinie verwendet, sodass so auch die Zugehörigkeit von Inseln eindeutig geregelt werden kann. Viele spätere Grenzen, wie jene zwischen den Bundesstaaten der USA, wurden vertraglich auf bestimmte Längen- oder Breitengrade festgelegt. Diese geraden Grenzen, die sich auch in Afrika finden, werden Reißbrettgrenzen genannt. Sie entstanden nicht durch jahrhundertelange evolutionäre Prozesse, sondern sind auf Willensakte in der Regel fremder Herrscher zurückzuführen (Kolonialismus). Eine Besonderheit ist beispielsweise die 1815 beim Wiener Kongress vereinbarte Grenze zwischen dem Norden der niederländischen Provinz Limburg und Preußen. Sie wurde als jene Grenzlinie östlich der Maas festgelegt, von der mit damals üblichen Kanonen die auf der Maas verkehrenden Schiffe nicht mehr getroffen werden konnten. Gemeindegrenzen folgen ebenfalls meistens den o. a. Linien, überdies aber auch Bergkämmen (nach dem Motto: „wie Kugel rollt und Wasser fließt“) und Bächen. Stadtteilgrenzen in Großstädten liegen in der Regel auf Verkehrswegen (Straßen, Schienen, Wege). Zwischen vielen Staaten bestehen noch heute Territorialstreitigkeiten durch sich gegensätzliche Gebietsansprüche. Solche Dispute haben in der Geschichte häufig zu Krisen und Kriegen geführt. Mentale Spuren historischer Grenzverläufe bringt der Ausdruck „Phantomgrenze“ auf den Begriff. Markierung von Grenzverläufen Aus der Sicht des Liegenschaftskatasters ist eine „Grenze“ eine geometrisch definierte Linie, die entweder in der Örtlichkeit mit Hilfe von Grenzpunkten gekennzeichnet wird oder aber in einem Bezugssystem durch die Angabe von Koordinaten definiert wird. Grundstücksgrenzen können punktweise durch Grenzsteine, Rohre, Grenzbolzen, Meißelzeichen u. Ä. markiert werden. Diese Abmarkungen kennzeichnen den örtlichen Grenzverlauf. Die Lage der Grenzpunkte wird zentimetergenau bestimmt. Indirekte Kennzeichnung Lässt sich ein Grenzpunkt nicht direkt kennzeichnen, kann ein Grenzzeichen auch als „indirekte“ bzw. „mittelbare Abmarkung“ in eine der vom Grenzpunkt abgehenden Grenzen gesetzt werden (in einem kurzen Abstand, z. B. ein Meter). Bei Staatsgrenzen kann ein Weiser auch einen weiter entfernten Grenzpunkt anzeigen, wenn der Grenzpunkt an einer Stelle liegt, wo das Aufstellen eines Grenzsteines nicht möglich ist, z. B. auf der Straße oder an Flussufern. Exakte Bestimmung von Grenzverläufen Ein Grenzverlauf wird durch geradlinige oder kreisbogenförmige Verbindungen zwischen den Grenzpunkten definiert. Gerade Grenzlinien haben den Vorteil, dass sie allein durch zwei Punkte zu definieren und durch eine Visur oder ein Alignement leicht zu realisieren sind. Dabei kann in Gebirgen und bei Flussgrenzen die Festlegung der Grenzverläufe schwierig sein: Gebirge Im Bergland muss der Geodät oder der Forstwirt einen höheren technischen Aufwand betreiben, auf manchem Steilhang ist es schwer, die Punkte dauerhaft zu vermarken, weil die Erosion (Hangrutschungen usw.) das Gelände ständig verändert. Flüsse Bei in Flussbetten verlaufenden politischen Grenzen wird in der Regel ihr Talweg in den Grenzverträgen als Grenzlinie verwendet, sodass auch die jeweilige Staatszugehörigkeit von im Flusslauf gelegenen Inseln eindeutig geregelt werden kann. Da der Talweg ständigen Veränderungen unterworfen ist, sind in regelmäßigen Abständen Grenzvermessungen notwendig. Diese werden meist von beiden angrenzenden Staaten in gemeinsamen Verfahren durchgeführt und in zwischenstaatlichen Vereinbarungen und Protokollen festgehalten. Ist ein (ehemaliger) Gewässerverlauf erst einmal geodätisch definiert, können Änderungen im Flussverlauf zur Bildung von Flächen führen, die zwar nach wie vor Teil einer Gebietseinheit sind, von dieser jedoch durch den neuen Flussverlauf abgetrennt und somit oft nicht (bzw. nur über Fremdgebiet) zugänglich sind. Mitunter kommt es in diesen Fällen zum Gebietstausch; ferner bieten sich solche Bereiche auch als Naturreservat oder Retentionsfläche an. Die früheren Probleme der Punktstabilisierung gehören seit der Praxistauglichkeit des Global Positioning System (etwa 1985) und dem Aufkommen rein digitaler Methoden zur Erfassung der Vergangenheit an. Meer und Festlandsockel (Seerecht) Seegrenzen des Küstenmeers, der Ausschließlichen Wirtschaftszone oder des erweiterten Festlandsockels (unter dem Meer) gehen nach dem Seerechtsübereinkommen mit Rechten für die Anrainerstaaten einher. In der Regel werden diese Grenzen nach dem Prinzip der Mittellinien bestimmt und verlaufen mit gleichem Abstand zu den Basislinien zweier Staaten. Ausnahmen können durch bilaterale Abkommen festgelegt werden, wie beispielsweise in der Nordsee zwischen Deutschland, Niederlande und Dänemark, wo der sogenannte Entenschnabel der deutschen ökonomischen Zone zugeschlagen wurde. Superlative Die kürzeste Landgrenze mit nur 85 m Kontaktlinie liegt zwischen Peñón de Vélez de la Gomera (Spanien) und Marokko, die längste mit über 8.890 km Strecke zwischen Kanada und den USA. Als am häufigsten überquerte Grenze gilt die zwischen Mexiko und den USA. Die innerkoreanische Grenze zwischen Nord- und Südkorea gilt als am strengsten bewacht. Die lediglich durch eine gerade Linie festgelegte Grenze zwischen Dschibuti und Somalia ist die am einfachsten definierte, jene bis 2015 zwischen Bangladesch und Indien bestehende mit 92 bangladeschischen und 110 indischen Exklaven war die wohl komplizierteste. Ähnlich verhält es sich aber auch in Baarle an der belgisch-niederländischen Grenze. Bahrain hat ausschließlich künstlich geschaffene Landgrenzen. Bilderauswahl Siehe auch „Aktion Grenze“ als Tarnname für eine Zwangsumsiedlungsaktion in der DDR Frontex Grenzbaum, Grenzbefestigung, Grenzland (Frontier), Grenzmuseum, Grenzregime Feldgeschworener Liste der Territorialstreitigkeiten Uti possidetis Seegrenze Literatur Maria Baramova: Grenzvorstellungen im Europa der Frühen Neuzeit. In: Institut für Europäische Geschichte (Mainz) (Hrsg.): Europäische Geschichte Online. 2010, Zugriff am 14. Juni 2012 Wilfried von Bredow: Grenzen. Eine Geschichte des Zusammenlebens vom Limes bis Schengen. Theiss, Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-2894-6 Bundeszentrale für Politische Bildung: Grenzen. Themenheft der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte 63 (2014), Nr. 4–5, mit sechs Beiträgen zum Thema Grenzen, Regina Dauser, Lothar Schilling (Hrsg.): Grenzen und Kontaktzonen. Rekonfigurationen von Wissensräumen zwischen Frankreich und den deutschen Ländern 1700–1850. Erster „Euroscientia“-Workshop, 15./16.09.2011. In: Discussions. 7 (2012) Alexander Demandt: Grenzen. Geschichte und Gegenwart. Propyläen, Berlin 2020, ISBN 978-3-549-07498-5 Pavel Domec: Die Grenze. Eine konzeptanalytische Studie der Limologie. Königshausen & Neumann, Würzburg 2014, ISBN 978-3-8260-5515-7 Michael Gehler, Andreas Pudlat (Hrsg.): Grenzen in Europa. Olms, Hildesheim 2009, ISBN 978-3-487-14240-1 Hans Hecker (Hrsg.): Grenzen. Gesellschaftliche Konstitutionen und Transfigurationen. Klartext, Essen 2006, ISBN 3-89861-386-0 Martin Heintel, Robert Musil, Norbert Weixlbaumer (Hrsg.): Grenzen. Theoretische, konzeptionelle und praxisbezogene Fragestellungen zu Grenzen und deren Überschreitungen (= RaumFragen: Stadt – Region – Landschaft). Springer, Berlin 2018, ISBN 978-3-658-18432-2 Steffen Mau: Sortiermaschinen – Die Neuerfindung der Grenze im 21. Jahrhundert. C. H. Beck Paperback, Edition Mercator, 2021, ISBN 978-3-406-77570-3 Delphine Papin, Bruno Tertrais; aus dem Französischen von Birgit Lamerz-Beckschäfer: Atlas der Unordnung – 60 Karten über sichtbare, unsichtbare und sonderbare Grenzen. wbg Theiss Darmstadt 2022, ISBN 978-3-8062-4427-4 Andreas Rutz: Grenzen im Raum – Grenzen in der Geschichte. Probleme und Perspektiven. In: Eva Geulen, Stephan Kraft (Hrsg.): Grenzen im Raum – Grenzen in der Literatur. In: Zeitschrift für deutsche Philologie. Sonderheft zum Band 129, Berlin 2010, S. 7–32 Bernhard Struck: Grenzregionen. In: Europäische Geschichte Online, hrsg. vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz 2012 Weblinks Kamilla Kanafa: Die Bedeutungs- und Begriffsgeschichte von „Grenze“. In: Grenznavigator. S. 5. (PDF; 134 kB) Norbert Fuhrmann: Grenzuntersuchung im Liegenschaftskataster -- 3. Aufl. 2023 (PDF; 14 MB) Anmerkungen Einzelnachweise Politische Geographie Kataster- und Landesvermessung
Q133346
330.553046
3454662
https://de.wikipedia.org/wiki/Weimar
Weimar
Weimar ist eine kreisfreie Stadt in Thüringen in Deutschland, die für ihr kulturelles und politisches Erbe bekannt ist. Die Mittelstadt oder Altstadt liegt an einem Bogen der Ilm südöstlich des Ettersberges, der mit 477 Metern höchsten Erhebung im Thüringer Becken. Die Stadt ist mit rund 66.000 Einwohnern (2022) nach Erfurt, Jena und Gera die viertgrößte Gemeinde Thüringens und liegt etwa auf halbem Wege zwischen Erfurt im Westen und Jena im Osten. Weimar ist ein Mittelzentrum, das Teilfunktionen eines Oberzentrums erfüllt und sich seit 2004 als Universitätsstadt bezeichnet. Neben der Bauhaus-Universität beherbergt die Stadt die Hochschule für Musik Franz Liszt und die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, sowie Behörden wie das Thüringer Oberverwaltungsgericht, das Thüringer Landesverwaltungsamt, den Thüringer Verfassungsgerichtshof und das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Im 16. Jahrhundert sind die Kunstmaler Lucas Cranach der Ältere und der Jüngere in Weimar tätig. Im 17. Jahrhundert erfolgte die Gründung der Fruchtbringenden Gesellschaft. Ins 18. Jahrhundert fallen die Aufenthalte von Johann Sebastian Bach. Darauf folgt die Weimarer Klassik mit Wieland, Goethe, Herder und Schiller. Das 19. Jahrhundert ist verbunden mit Franz Liszt, Richard Strauss, Friedrich Nietzsche und den Landschaftsmalern der Weimarer Malerschule an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirkten Harry Graf Kessler und Henry van de Velde in Weimar und es folgte die Gründung von Bauhaus und Weimarer Republik. Zwischen Weimar und Berlin gab es 1919 eine der ersten zivilen Fluglinien der Welt und die erste Deutschlands, die mit Flugzeugen betrieben wurde. Die UNESCO erklärte die Bauhaus-Stätten in Weimar und Dessau 1996 und das „klassische Weimar“ im Dezember 1998 zum Weltkulturerbe. Zudem wurde der im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar aufbewahrte Nachlass Goethes 2001 von der UNESCO in das kulturelle Gedächtnis der Menschheit als Weltdokumentenerbe (Memory of the World) aufgenommen. Zum Weltdokumentenerbe zählen seit 2015 auch frühe Schriften der Reformation, von denen ein Teil in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar aufbewahrt werden. In über 25 Museen und Ausstellungsorten wird das kulturelle Erbe von nationalem und internationalem Rang präsentiert. Weimar war seit 1547/52 Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen bzw. Sachsen-Weimar, später Sachsen-Weimar-Eisenach (seit 1815: Großherzogtum). Dieses wurde 1816 der erste Staat in Deutschland, der sich eine Verfassung gab. Parallel zur Tagung der Nationalversammlung vom 6. Februar 1919 bis zum September 1919 war Weimar vorübergehend Regierungssitz der sich konstituierenden Weimarer Republik. Von 1920 bis 1952 war Weimar die Hauptstadt des Landes Thüringen. 1999 war sie Kulturhauptstadt Europas. Geographie Weimar liegt in rund 200 Metern Höhe in der Mitte Thüringens. Durch die Stadt verläuft die Ilm in einem Bogen. Sie tritt bei Taubach im Südosten ins Stadtgebiet ein, fließt weiter durch Oberweimar und die Altstadt, bevor sie unterhalb Tiefurts das Stadtgebiet in nordöstlicher Richtung verlässt. Nach Westen erstreckt sich vom Ilmtal an das Thüringer Becken. Es handelt sich um eine fruchtbare, sanft hügelige Lößlandschaft, in der die Ortsteile Gaberndorf, Tröbsdorf und Niedergrunstedt liegen. Das nördliche Stadtgebiet wird vom Ettersberg eingenommen. Er ist mit 482 Metern der höchste Berg im Thüringer Becken und erstreckt sich über rund acht Kilometer von Ottstedt am Berge im Westen bis nach Schöndorf im Osten. Der Ettersberg ist mit Buchen- und Eichenmischwald bestanden. Auf seiner Kuppe befindet sich die KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Im südlichen Stadtgebiet erhebt sich die Ilm-Saale-Platte, eine trocken-verkarstete Muschelkalk-Formation. Sie fällt zum Ilmtal hin teilweise steil ab, so etwa im Tiefurter Park. Südwestlich außerhalb des Stadtgebietes liegt die Buntsandstein-Formation des Tannrodaer Sattels. Höchste Erhebungen sind hier der 380 Meter hohe Rosenberg und die 363 Meter hohe Gelmerodaer Höhe. In diesem Bereich verläuft die Bundesautobahn 4 zwischen den Ortsteilen Gelmeroda, Holzdorf, Legefeld und Possendorf. Der Belvederer Forst ist hier neben dem Ettersberg das zweite Waldgebiet der Stadt. Die Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung 13 Kilometer und in West-Ost-Richtung rund 9 Kilometer. Als Teil der Thüringer Städtekette liegt Weimar rund 20 Kilometer östlich von Erfurt und 20 Kilometer westlich von Jena. Apolda liegt 15 Kilometer nordöstlich. Geologie Weimar befindet sich im Zentrum der Thüringer Mulde, einer sedimentären Struktur des Zechstein und der Trias. Der oberflächennahe geologische Untergrund der Stadt wird geprägt von den Gesteinen des Muschelkalks und des Keupers. Etliche Verwerfungen im Stadtgebiet wie die Weimarer Störung und die Oberweimarer Störung, die in Nordost-Südwest-Richtung verlaufen, und durch Faltung entstandene Rücken komplizieren den geologischen Bau. Entlang des Ilmgrabens, der durch die Störungen entstandenen Senke, fließt seit dem Mittelpleistozän die Ilm, die dort für den Eintrag alluvialer Schotter sorgte. Travertin und Löß aus dem Pleistozän und Holozän bilden Deckschichten, während sich in der Kaltzeit des Pleistozän Solifluktionszungen in Nordwestrichtung bildeten. Das Weimarer Stadtgebiet ist im Bereich des anstehenden Muschelkalks reich an Karstformen. Durch die Auslaugung von Gips im Mittleren Muschelkalk unter den Kalken des Oberen Muschelkalks sind nach Einsturz von Höhlen an der Oberfläche schüssel- bis trichterförmige Karstsenken und Erdfälle entstanden. Zahlreiche Beispiele befinden sich auf dem Ettersberg, südwestlich von Belvedere und südlich von Possendorf. Im Quartär reichte während der Elster-Kaltzeit die südlichste Eisrandlage nachweislich bis etwa Schloss Belvedere. Dort wurde zur Erinnerung ein Denkmal mit Metalltafel errichtet, auf der die Lage des südlichsten Eisrandes zu sehen ist. Weitere „Eisrandsteine“ stehen auch an anderen repräsentativen Orten, z. B. im Gothaer Schlosspark. Bis zu dieser Linie wurden erratische Blöcke und Geschiebe festgestellt. Weiter nördlich blieb nur der Ettersberg eisfrei. Bedingt durch die Verwerfungen treten an den Rändern des Ilmtals zahlreiche, zum Teil stark schüttende, Quellen aus, so die Leutraquellen im Ilmpark oder die Herzquelle. Die Stadt konnte sich lange Jahre aus diesen Quellen selbst versorgen. Gewässer Einige kleinere Ilmzuflüsse wurden seit dem Mittelalter mehrfach verlegt, so dass der ursprüngliche Verlauf heute nicht mehr feststellbar ist. Der aus dem Kirschbachtal im (Süd-)Westen kommende Lottenbach wurde innerhalb des Stadtgebiets aufgeteilt, um verschiedene ansässige Gewerbe einschließlich der später abgebrochenen Bornmühle, woran der Bornberg erinnert, mit Brauchwasser zu versorgen. Wie der Asbach verläuft die Lotte im Bereich der Altstadt heute unterirdisch. Der nur zeitweise Wasser führende Wilde Graben wurde vom Lauf der Lotte getrennt und durch den ehemaligen Schützengraben geführt, um die Innenstadt vor Hochwasser zu schützen. Auch der Schützengraben wurde im 19. Jh. zu einem unterirdischen Kanal umgestaltet. Klima Weimar gehört aufgrund seiner Lage zur Vegetationszone des sommergrünen Laubwaldes im humiden Klimagebiet. Beeinflusst wird das lokale Klima durch die Lage „hinter“ dem Ettersberg, der die Stadt nach Norden und Nordwesten abschirmt. Dadurch wird das Klima etwas wärmer und trockener als in anderen Regionen Mittelthüringens. Der Niederschlagsdurchschnitt liegt bei 574 mm/Jahr (DWD). Klimatabelle Stadtgebiet Der älteste Siedlungskern Weimars ist der Bereich zwischen Graben, Schillerstraße und Stadtschloss mit dem Herderplatz als Mittelpunkt. Noch im Mittelalter wurde das Jakobsviertel nördlich des Grabens bis zur Friedensstraße in die Stadtbefestigung einbezogen. Im 18. Jahrhundert wuchs die Stadt über ihre mittelalterlichen Grenzen hinaus und die Stadtmauern wurden abgetragen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wuchs die Stadt rasch in verschiedene Himmelsrichtungen. Zwischen der Altstadt und der Bahnlinie entstand die Nordvorstadt um die nach Ettersburg und Buttelstedt führenden Hauptstrassen, im Westen zwischen Schwanseestraße und Humboldtstraße die Westvorstadt, im Süden die Südstadt zwischen Berkaer Straße und Belvederer Allee. Im Osten entstand entlang der Jenaer Straße die Parkvorstadt. Bedingt durch den hohen Anteil an Beamten und Angestellten, bestehen in diesen Vierteln vor allem Villen und Stadthäuser und verhältnismäßig wenige Mietskasernen. Zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg entstand die Ettersberg-Siedlung fünf Kilometer nördlich. Während der Zeit der DDR war in Weimar kaum Bevölkerungswachstum zu verzeichnen. Es entstanden die Plattenbaugebiete Weimar-Nord an der Thüringer Bahn, Weimar-West an der Berkaer Bahn und Schöndorf-Waldstadt nördlich der Stadt am Ettersberg. Die Gewerbeflächen konzentrieren sich auf den Bereich hinter dem Bahnhof und in geringerem Ausmaß auch im Westen nahe der Erfurter Straße. Neubaugebiete entstanden nach 1990 insbesondere in den neu hinzugekommenen Stadtteilen Gaberndorf, Süßenborn und Legefeld. In der nahen Umgebung entstanden einige neue Gewerbegebiete. Weimar gliedert sich in zehn statistische Stadtteile in der Kernstadt und elf eingemeindete Ortsteile. Sie sind in der Liste der Stadtteile von Weimar detailliert aufgeführt. Die Nachbargemeinden Weimars liegen alle im Landkreis Weimarer Land. Sie werden im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordwesten genannt: Am Ettersberg, Ettersburg, Ilmtal-Weinstraße, Umpferstedt, Mellingen, Vollersroda, Buchfart, Hetschburg, Bad Berka und Grammetal. Schutzgebiete Im Stadtgebiet befinden sich drei ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Januar 2017). Geschichte Vorgeschichte In Ehringsdorf, einem Stadtteil im Südosten Weimars, wurde 1925 das Skelett des Ehringsdorfer Urmenschen gefunden, dessen Alter auf etwa 200.000 bis 250.000 Jahre geschätzt wird. Dabei handelt es sich um die fossilen Überreste einer etwa 20- bis 30-jährigen Frau. Im selben Steinbruch wurden bereits 1908 menschliche Schädelknochen entdeckt. Auf einer Anhöhe südlich von Weimar, nahe dem Belvederer Schloss, wurden im Jahr 2020 Überreste einer Siedlung der Stichbandkeramik, also aus der 1. Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr. entdeckt. Die Siedlung lag am Südrand des Verbreitungsgebietes dieser frühbäuerlichen Kultur. Neben Siedlungs- und Pfostengruben fanden sich Überreste von zwei Grubenhäusern sowie Keramik. Weitere Funde aus der Zeit der Aunjetitzer Kultur und aus der vorrömischen Eisenzeit belegen die wiederholte Nutzung der siedlungsgünstigen Stelle (heute mit Blick auf Weimar). In einem Torfstich bei Possendorf wurde 1850 ungefähr 6 m tief ein großer, stark abgenutzter Kupferkessel gefunden, der mehrfach repariert worden war. Um ihn herum waren sieben Gefäße angeordnet. Dabei lag auch eine anthropomorphe Holzfigur mit eingesteckten Armen. In der Nähe fand sich eine große Eiche und dabei ein menschliches Skelett. Der Kessel wird in die Zeit zwischen dem 4. und dem 1. Jahrhundert v. Chr. datiert, das einzige erhaltene Tongefäß wird um die Jahrhundertwende vom 2. zum 1. Jahrhundert angesetzt. Eine längere Nutzung des Platzes ist nicht festzustellen. Es könnte sich um eine rituelle Vergrabung von Kultgerät handeln. Ersterwähnung (899), Grafschaft Weimar (ab 946), früheste Siedlung (um 1250), Wettiner (ab 1365) Die ältesten Aufzeichnungen über Weimar reichen bis ins Jahr 899 zurück. Der Name geht auf die althochdeutschen oder altsächsischen Wörter wīh für „Heiligtum, Tempel“ und mer, meri für „See, Meer“ zurück und bedeutete damit ursprünglich „Heiligtumsee“. Frühe überlieferte Formen sind „actum Wimares“ ([9. Jh.] 1150/65), „in Wimeri“ ([984] 1012/18), „de Wimari“ (1123/37), „Wymar“ (1506) und schließlich „Weimar“ (1556). Zwischen 946 und 1346 existierte die Grafschaft Weimar (später als Grafschaft Weimar-Orlamünde) als eigenständige politische Einheit. Kaiser Otto II. erwähnte auf einer am 3. Juni 975 für das Kloster Fulda ausgestellten Urkunde die Siedlung Burg Weimar; diese gilt als „Geburtsurkunde der Stadt“, obwohl nicht ganz sicher ist, ob mit „Wimares“ wirklich die heutige Stadt gemeint ist. Es könnte auch der Ort Wechmar gemeint gewesen sein, der sich viel besser in den vermuteten Reiseweg Ottos einfügt. Sicher dagegen ist, dass, obwohl es sich bei der Burg keineswegs um eine steinerne, sondern nur um eine mit Palisaden versehene Wallanlage handelte, diese verhältnismäßig sicher gewesen sein muss. Sowohl die Truppen von König Otto III., die 984 den Grafen Wilhelm II. aus dem Adelsgeschlecht Weimar in seiner Burg bedrängten, als auch im Jahre 1002 die um die Vorherrschaft in Thüringen kämpfenden Ekkehardiner mussten die Belagerung erfolglos aufgeben. Zerstört wurde sie im Winter 1173/74 durch den Landgrafen Ludwig III. aus dem Hause der Ludowinger, die inzwischen zur Territorialmacht in Thüringen aufgestiegen waren. Allerdings wurde sie schnell wieder aufgebaut, denn im Jahr 1214 fand eine erneute Belagerung der diesmal ausdrücklich als castrum Wimar bezeichneten Anlage statt. Im Jahr 1250 ist dann auch erstmals die Rede von einer Siedlung, die sich aber schon früher im Schutze der Burg gebildet haben musste. Zwischen 1245 und 1249 wurde die spätere Stadtkirche erbaut und spätestens 1254 dem Apostel Peter und bis 1433 beiden Aposteln Peter und Paul geweiht. Das Patronat der Stadtkirche wurde am 16. September 1284 dem Deutschritterorden übergeben, der die Geistlichen bis zur Reformation stellte. Der Orden, der der Diözese Mainz unterstellt war, verfügte über einen ausgedehnten Grundbesitz um die Stadtkirche herum und in der Rittergasse, der 1525 der Stadt zufiel. Spätestens seit 1307 war der Ritterorden mit dem Schulwesen betraut, mit der Krankenpflege ab 1383 in einem Spital an der Stelle des heutigen Marstalls. Nach dem Aussterben der Ludowinger im Jahr 1247 konnten sich die Grafen von Weimar-Orlamünde nur schwer gegen die Wettiner halten, die nach dem thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg den Großteil Thüringens übernommen hatten. Zuerst verkauften sie Orlamünde an das Haus Wettin und schließlich mussten sie nach der Niederlage im Thüringer Grafenkrieg im Jahre 1365 auch Weimar als Lehen an die Wettiner abtreten. Seit der Leipziger Teilung war es in der Hand der ernestinischen Linie der Wettiner und ab 1547, nach der Wittenberger Kapitulation und dem damit verbundenen Verlust der bisherigen Hauptstadt Wittenberg, deren Hauptsitz. Stadtentwicklung, Stadtrechte (1410), Hauptstadt von Sachsen-Weimar (1552) Erst im Jahr 1410 hatte Weimar die Stadtrechte und damit eine den anderen wettinischen Städten vergleichbare Rechtsstellung erhalten. Jedoch bereits ab etwa 1350 unter den Grafen von Orlamünde und ab etwa 1406 unter Friedrich dem Friedfertigen von Thüringen bis zur Gründung einer Thüringer Landesmünzstätte in Weimar nach 1444 hatte die Stadt eine städtische Münzstätte. Der auf die Vergabe der Stadtrechte folgende Aufschwung wurde aber bald im Jahr 1424 von einem verheerenden Stadtbrand zunichtegemacht. Den Wiederaufbau versuchten die Wettiner durch mehrmaligen Steuererlass, Zinsbefreiungen und Verleihung zusätzlicher Marktrechte zu fördern. Als wichtigste Maßnahme wurden die vorher bereits vorhandenen unbedeutenden Befestigungen der Burganlage auf die ganze Stadt ausgedehnt. Es entstand eine doppelte Stadtmauer in Form eines Doppelringes im Abstand von acht bis zehn Metern mit zehn Türmen und vier zusätzlich befestigten Toranlagen. Reste dieser Stadtbefestigung sind heute noch vorhanden, so unter anderem der Kasseturm am Goetheplatz. Der Reformator Martin Luther machte Anfang des 16. Jh. mehrmals im städtischen Franziskanerkloster Quartier. 1552 machte Herzog Johann Friedrich der Großmütige Weimar zur Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Weimar (später Sachsen-Weimar-Eisenach). Sie blieb Haupt- und Residenzstadt dieses Staates bis 1918. Von 1561 bis 1681 kam es auch in Weimar zu Hexenverfolgungen. Sechs Menschen wurden in Hexenprozessen angeklagt. Besonders bekannt wurden 1628 die Ereignisse um den Landesfürsten Herzog Johann Friedrich von Sachsen-Weimar, der einen Pakt mit dem Teufel gestand und einen Tag später tot in seiner Zelle aufgefunden wurde. Zwei Frauen wurden 1669 und 1676 enthauptet und verbrannt. Der Dreißigjährige Krieg blieb auch an Weimar nicht ohne Folgen. In der Jakobsvorstadt im ältesten Siedlungsteil Weimars in der Jakobskirche wurde eine Grabplatte gefunden von Hans Melchior Marschall. Am 4. Oktober 1653 fand zum ersten Mal der Weimarer Zwiebelmarkt statt, ursprünglich ein Markt für Obst und Feldfrüchte, der sich heute zu einem Volksfest von überregionaler Ausstrahlung gewandelt hat. „Goldenes Zeitalter“ Eine wichtige Rolle spielte die Stadt als Ort der Weimarer Klassik während der Regentschaft der Herzogin Anna Amalia und unter ihrem Sohn Herzog Carl August Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Anwesenheit Wielands, Goethes, Herders, Schillers und Falks sowie anderer wichtiger Persönlichkeiten der Epoche. So kam es zur Bildung der Legende vom Weimarer Musenhof. Wahr ist fraglos, dass Anna Amalia gern gelehrte Persönlichkeiten um sich hatte. Das Wittumspalais und das Schloss Tiefurt und das damit verbundene Tiefurter Journal legen hierfür Zeugnis ab. Carl August seinerseits war zum einen bereit, an seinem Hof Künstler zu beschäftigen, zum anderen ließ er ihnen aber auch die Freiheiten, das zu verwirklichen, woran sie selbst glaubten. Herzog Carl August galt als tolerant und aufgeklärt; er war 1816 auch der erste Monarch Deutschlands, der seinem Staat eine Verfassung gab. Dieses hieß sogar „Grundgesetz“! Das Wartburgfest deutscher Studenten von 1817 fand auf seinem Territorium statt. Das 1732 errichtete Lustschloss Falkenburg wurde bereits 1756 im Siebenjährigen Krieg zerstört. Unter Herzogin Anna Amalia wurde die alte Stadtbefestigung Weimars bis auf Reste abgebrochen. Zu denen zählen u. a. der Kasseturm und der Stadtturm. Letzterer wurde zum Magazinturm der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek. Mit den niedergelegten Mauern wurden Häuser gebaut, die der Siebenjährige Krieg zerstört hatte. Plünderungen und Zerstörungen blieben Weimar auch in der Folge der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 und der französischen Besatzung und schließlich der Völkerschlacht bei Leipzig nicht erspart. Nicht erspart blieb auch der Schlossbrand des Weimarer Stadtschlosses von 1774, dem ein Neubau folgte. Allerdings wurde die kleine Residenzstadt Weimar zu einem Hort der Weltliteratur. Daran hatte wie Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek einen entscheidenden Anteil. In dieser Zeit entstanden architektonische Zeugnisse, die auch äußerlich nicht nur die Weimarer Klassik, sondern das Klassische Weimar verkörperten. Einige davon stehen auf der Liste der Unesco-Denkmale in Weimar. Zahlreiche Bauten, die dem Klassizismus angehören, gibt es in Weimar. Das entsprach nicht zuletzt den Vorstellungen Goethes und Carl Augusts, die dann unter Clemens Wenzeslaus Coudray umgesetzt wurden. Die Parkgestaltung von dem Park an der Ilm, dem Schloss und Park Tiefurt, Belvedere sind hierbei hervorzuheben. Auch Bildhauer wie u. a. Martin Gottlieb Klauer oder Peter Kaufmann hinterließen ihre Spuren in Weimars Stadtbild. Letztlich ist diese Zeit eine Blütezeit des Weimarer Hoftheaters, wo als Intendant auch Goethe selbst einst wirkte. Das Goldene Zeitalter Weimars endete gewissermaßen mit dem Tod Goethes 1832; es war somit auch das „Goethe-Zeitalter“. Danach begann eine Zeit geistiger und kultureller Erstarrung, von der sich im nachfolgenden „Silbernen Zeitalter“ gelöst wurde. „Silbernes Zeitalter“ Unter der Großherzogin Maria Pawlowna und ihrem Sohn Carl Alexander sowie dessen Frau Großherzogin Sophie erlebte die Stadt auf künstlerischer und kultureller Ebene einen neuen Aufschwung. 1842 wurde Franz Liszt zum Kapellmeister berufen; 1849 floh Richard Wagner zu seinem Förderer und späteren Schwiegervater nach Weimar, bevor er sich in die Schweiz absetzte; Liszt setzte 1850 die Uraufführung von Wagners Lohengrin in Weimar durch. Um Liszt formierte sich in Abgrenzung zu den alten Kunstauffassungen stehend ein Kreis aus avantgardistisch orientierten Männern aus verschiedenen Kunstrichtungen insbesondere aus der Musik, aus dem dann 1854 der Neu-Weimar-Verein erwuchs. Aber nicht nur die Musik wurde gefördert; 1860 gründete Carl Alexander die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule Weimar, an der Arnold Böcklin, Franz Lenbach und Reinhold Begas unterrichteten. Die von ihnen geprägte realistische Kunstströmung ging als Weimarer Malerschule in die Kunstgeschichte ein. Das Andenken an die Weimarer Klassik war ein weiteres Anliegen Carl Alexanders und seiner Frau: Die in seinem Auftrag errichteten Denkmale Goethes, Schillers, Herders und Wielands zieren noch heute das Stadtbild. 1859/60 wurde das Lesemuseum (heute Niketempel) auf Maria Pawlownas Kosten für die 1831 gegründete Lesegesellschaft erbaut, deren Anliegen es war, ihren Mitgliedern und der Öffentlichkeit den Zugang zu Zeitschriften zu ermöglichen. Sie stiftete auch eine Reihe öffentlicher Brunnen in Weimar, die von dem Steinbildhauer Carl Dornberger errichtet wurden. An den herausragenden Plätzen wurden den Dichtern Denkmäler errichtet. Das sind das Herder-Denkmal, Wieland-Denkmal und das Goethe- und Schiller-Denkmal. Im Jahre 1864 wurde in Weimar die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft gegründet. Die Industrialisierung ging folglich auch an Weimar nicht spurlos vorbei. In den 1860er Jahren entstand an der Dürrenbacher Hütte Weimars Industriestandort. Auch die Eisenbahn ist zu erwähnen u. a. mit dem Bahnhof Weimar. Dem folgte ein rasantes Bevölkerungswachstum infolge gesteigerter Mobilität. Diesem zuvor stellte u. a. auch die Gründung des Deutschen Zollvereins 1833 die überregional bedeutsamen Weichen. Die deutsche Kleinstaatererei war zwar damit nicht überwunden, jedoch weichte diese sich auf. Im „Silbernen Zeitalter“ nahm die Arbeiterbewegung einen Aufschwung, so auf kulturellem Gebiet mit der Gründung des Freundschafts-Sängerbundes 1885, der durch den Hofchorsänger und Chordirigenten Emil Steiniger seit 1907 zu kultureller Blüte geführt wurde und verschiedene Folgegründungen von Arbeitergesangvereinen im Umland bewirkte. Bei der Einweihung des ersten Thüringer Gewerkschaftshauses, des „Volkshauses“, mit einer Ansprache des Reichstagsmitglieds August Baudert am 26. April 1908 sang auch der Freundschafts-Sängerbund. Neues Weimar Auch Carl Alexanders Enkel Wilhelm Ernst verpflichtete sich u. a. der Förderung der Bildenden Kunst. Unter seiner Regierung wurde Weimar zu einem Zentrum der Moderne. Im Jahre 1910 erhob er die von seinem Vater gegründete Großherzoglich-Sächsische Kunstschule Weimar in den Rang einer Hochschule. Bereits 1905 hatte er die Weimarer Bildhauerschule unter der Leitung von Adolf Brütt gegründet. 1907 folgte die Gründung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar auf Initiative des belgischen Architekten Henry van de Velde, der schon 1905/06 den dafür notwendigen Kunstgewerbeschulbau errichten ließ und von 1904 bis 1911 ebenso für die Planung des gegenüberliegenden Jugendstil-Gebäudes der Kunstschule Weimar verantwortlich zeichnete. 1903 entwarf van de Velde das Interieur für das Nietzsche-Archiv in der Villa Silberblick in Weimar und erbaute 1907–1908 für sich und seine Familie das Haus Hohe Pappeln in der Belvederer Allee. Im Jahr 1908 wurde das an der Stelle des alten Hoftheater Weimar das neue Deutsche Nationaltheater Weimar errichtet. Im Jahre 1906 erfolgte die Gründung des Deutschen Schillerbundes in Weimar. 1846 erhielt Weimar Anschluss an die Eisenbahn (Strecke Halle–Erfurt). Eine weitere wichtige Bahnstrecke war die 1876 eröffnete Weimar-Geraer Bahn nach Jena und Gera. 1887 folgten die Weimar-Rastenberger Eisenbahn nach Buttstädt (seit 1946 stillgelegt) und die Ilmtalbahn nach Bad Berka. Dennoch kam es in Weimar nicht zu dem großen industriellen Aufschwung, wie er in anderen Städten Thüringens nach dem Bahnanschluss eintrat. Weimar blieb weiter eine Verwaltungs- und Residenzstadt. Am 9. November 1918 verzichtete Wilhelm Ernst nach Verhandlungen mit August Baudert für sich und seine Nachkommen auf den Thron des Großherzogtums und zog mit seiner Familie nach Heinrichau (heute: Henryków) um. Weimarer Republik Im Jahre 1919 fand im Deutschen Nationaltheater in Weimar die verfassungsgebende Zusammenkunft der Nationalversammlung statt, welche sich nach Abschaffung der Monarchie und Ausrufung der Republik konstituierte. Aufgrund des Ortes wurde das parlamentarische Deutschland, wie es von 1919 bis 1933 bestand, als Weimarer Republik bezeichnet. Weimar wurde außerdem am 1. Mai 1920 Hauptstadt des neu gegründeten Landes Thüringen. 1919 wurde in Weimar auch das Bauhaus durch die Vereinigung der Kunstschule in Weimar mit der 1907 von Henry van de Velde gegründeten Großherzoglich Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar gegründet. Während des Kapp-Putsches reaktionärer Militärs gegen die verfassungsmäßige Ordnung beteiligten sich hunderte Weimarer Arbeiter an einem Generalstreik zur Verteidigung der demokratischen Republik. Als sie sich am 15. März 1920 zu einer Kundgebung im Volkshaus versammelten, schossen putschende Soldaten der Reichswehr auf sie und töteten neun Demonstranten. Nachdem der Putsch niedergeschlagen war, errichtete im Auftrag des örtlichen Gewerkschaftskartells der Direktor des Bauhauses, Walter Gropius, ein Denkmal zu Ehren der Toten, die in Erinnerung an jenen Tag im März seither die „Märzgefallenen“ genannt werden – in Anlehnung an die Opfer der Revolution von 1848 aus dem gleichen Monat. Das Denkmal, im Volksmund „Der Blitz“ genannt, wurde am 1. Mai 1922 eingeweiht. Im Vorfeld der Zeit des Nationalsozialismus lieferten sich die Kulturschaffenden Weimars regelrechte „Publikationsschlachten“. Insbesondere die Auseinandersetzungen zwischen der freigeistigen Gruppe um Harry Graf Kessler und der völkisch-nationalistischen Gruppe um Adolf Bartels hielten die Stadt in ständiger Polarität. Dies führte 1925 auch zum Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau. Politisch entwickelte sich Weimar zwischen den Kriegen zu einem Zentrum konservativer und nationalistischer Strömungen. Der zweite Parteitag der NSDAP, der erste nach ihrer Neugründung im Februar 1925, fand am 3. und 4. Juli 1926 in Weimar statt. Auf der Sondertagung für Jugendfragen im Vereinslokal Armbrust, dem heutigen Kino in der Schützengasse 14, wurde die Großdeutsche Jugendbewegung (GDJB) zur einzigen Parteijugend erklärt und auf einer Sondertagung für Jugendfragen schließlich auf Vorschlag von Julius Streicher in Hitlerjugend, Bund deutscher Arbeiterjugend umbenannt. Weimar ist auch ein Ort des Kolonialgedankens. So wurde in Weimar der Kolonialbrunnen errichtet, gestiftet vom Deutschen Kolonialkriegerbund anlässlich „Kolonialtagung“ am 7. September 1930. Dieser wurde nach 1945 wieder entfernt. Für die Nationalsozialisten war Weimar von doppelter symbolischer Bedeutung: als Gründungsort der verhassten Republik und als Zentrum der großen deutschen Kulturtradition. Hitler selbst besuchte Weimar über 40 Mal. 1939 war die Hälfte aller Erwerbstätigen der Stadt als Beamte in der Verwaltung tätig. Auch als Alterswohnsitz erfreute sich die Stadt zwischen den Weltkriegen großer Beliebtheit. Trotz schwacher Industrie wuchs die Bevölkerung schnell, von etwa 37.000 im Jahr 1914 auf etwa 50.000 Einwohner im Jahr 1928. Auch der Tourismus entwickelte sich gut. Die Vermögensverluste durch Inflation, Arbeiterunruhen und die Wirtschaftskrise 1923/24 verstärkten jedoch die Distanz der Mittelschicht zur Weimarer Republik. Der Weltwirtschaftskrise 1929 folgte ein deutlicher Rückgang des Tourismus. Es entwickelte sich ein national-konservatives Milieu, von dem vor allem die DVP und die DNVP profitierten. Unterstützt wurde diese Entwicklung von Strömungen innerhalb der evangelischen Kirche. So war Weimar während der Zeit des Nationalsozialismus eine Hochburg der Deutschen Christen. Schon im März 1930 war mit Innen- und Volksbildungsminister Wilhelm Frick der erste NS-Minister in einer Landesregierung aufgetreten, was in Weimar zu einer Infiltration der Polizei mit Nationalsozialisten führte. Zunehmend etablierte sich die NSDAP auch in Weimar und trat schließlich 1932 gemeinsam mit DNVP und DVP zu den Stadtratswahlen an. Bei den Reichspräsidentenwahlen im März bzw. April 1932 erzielte der Kandidat der NSDAP Hitler bereits 34,5 % bzw. 42,8 % aller Stimmen in Weimar, während der Kandidat der KPD Ernst Thälmann immerhin noch 10,5 % bzw. sieben Prozent bekam. Im August 1932 übernahm die NSDAP unter dem in Weimar residierenden NSDAP-Gauleiter Fritz Sauckel die Regierung in Thüringen. Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Wie überall im Reich begann mit der Übernahme der Kanzlerschaft durch Adolf Hitler die Verfolgung von politischen und humanistischen Gegnern. Am 1. April 1933 wurden jüdische Geschäfte und Einrichtungen boykottiert. Am 21. Juni 1933 fand im heutigen Ortsteil Niedergrunstedt bei der Sonnwendfeier des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes in Nachahmung der „Aktion wider den undeutschen Geist“ eine Bücherverbrennung statt. 1937 wurden in der Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ aus dem Schlossmuseum eine große Anzahl von Werken der modernen bildenden Kunst beschlagnahmt. Die meisten wurden danach zerstört. Zahlreiche Gegner des Nationalsozialismus wurden zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen verurteilt und in die ersten KZ Nohra und Bad Sulza und später in das KZ Buchenwald, einem der größten auf deutschen Boden, verbracht. Dennoch bildeten sich kommunistische und sozialdemokratische Widerstandsgruppen, die Aufklärungs- und Sabotagearbeit leisteten. Auch Geistliche und andere Anhänger der Bekennenden Kirche stellten sich gegen Maßnahmen des NS-Regimes. In Weimar wurden auch Todesurteile gegen Feinde der Nationalsozialisten vollstreckt oder solche durch den Volksgerichtshof im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Nach dem Novemberpogrom von 1938 verließen zahlreiche jüdische Weimarer die Stadt zur Emigration. Die in der Stadt verbliebenen Juden wurden ab 1942 mit Reichsbahn-Transporten in die östlichen Vernichtungslager deportiert. Das Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933–1945) verzeichnet namentlich 62 jüdische Einwohner Weimars, die deportiert und größtenteils ermordet wurden. Gegenüber dem KunstTurm, in der Friedrich-Ebert-Straße 58/Ecke Bahnstraße, befand sich die ehemalige Gaststätte Alexanderhof, die in der NS-Zeit eine unrühmliche Rolle spielte. In der Gestapozentrale Marstall (siehe hier) wurden Gefangene grausam gefoltert und getötet. Beim Abzug von SS und Gestapo im April 1945 wurden 149 Gefangene, darunter sieben Frauen, im Webicht ermordet. Nach dem Krieg wurde den Opfern dort ein Gedenkstein errichtet. In den Krankenhäusern der Stadt wurden Zwangssterilisationen durchgeführt und Behinderte in „Euthanasie“-Anstalten verlegt. Hunderte von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen fanden den Tod und wurden auf dem Hauptfriedhof bestattet. An der Stelle, wo 114 unbekannte Häftlinge des KZ Buchenwald in einem Gemeinschaftsgrab bestattet sind, befindet sich heute ein am 12. September 1948 eingeweihter „Ehrenhain für die Opfer des Faschismus“, auf dem überlebende Widerstandskämpfer ein Ehrengrab bzw. eine Gedenktafel bekamen. Weimar als Gauhauptstadt des „Schutz- und Trutzgaus Thüringen“ erfuhr durch die NS-Gauleitung mit der Errichtung von Wehrmachtskasernen auf der Lützendorfer Flur eine militärische Aufwertung. Einer ihrer literarischen prominenten Rekruten war der Dichter Wolfgang Borchert, der hier im antimilitaristischen Impetus seiner Werke bestärkt wurde. Dabei blieb es nicht. Mit den Gustloff-Werken in der Kromsdorfer Straße und in Buchenwald wurde Weimar auch eine Produktionsstätte für Rüstungsgüter. Durch die kulturelle Bedeutung Weimars erhielt die Stadt Hitlers besondere Aufmerksamkeit. Eine weitreichende Neugestaltung der Stadt wurde durch den Architekten Hermann Giesler geplant und in Teilen umgesetzt. Der Gauleiter von Thüringen, Fritz Sauckel, ließ dazu einen Teil des Asbach-Grünzuges sowie das Asbach-Viadukt abreißen, um ein Gauforum zu bauen. Wichtige Bauten dieser Zeit waren: Hotel Elephant NS-Pressehaus, 1934/1935, nach der Wende Redaktionssitz der „Thüringischen Landeszeitung“ Landesamt für Rassewesen, 1934/1935, heute Bauhaus-Universität Weimar Haus der Reichsärztekammer, Bauhausstraße 11, 1935, heute Bauhaus-Universität Weimar Gauforum Weimar mit Haus der Gliederungen der NSDAP, ab 1936, heute Haus 3 des Thüringer Landesverwaltungsamtes (TLVwA) Halle der Volksgemeinschaft, ab 1937, heute Einkaufszentrum Weimar Atrium Gebäude der Deutschen Arbeitsfront, 1937, heute Haus 2 des TLVwA Gebäude des Reichsstatthalters und der Gauleitung, ab 1938, heute Haus 1 des TLVwA Kreishaus der NSDAP, 1936/1937, heute Stadtverwaltung Weimar Emmy-Göring-Stift, 1936/1937, heute Anbau des Marie-Seebach-Stifts Nietzsche-Gedächtnishalle, ab 1937, bis zur Jahrtausendwende als Funkhaus genutzt Viehauktionshalle, 1937, am 22. April 2015 abgebrannt Villa Sauckel – Dienstwohngebäude des „Reichsstatthalters“ Fritz Sauckel, 1937/1938, heute Bildungszentrum der Bundesagentur für Arbeit Gästehaus der Stadt Weimar, 1939/1940, heute Studentenwohnheim Ersatzwohnungsbauten X-Straße, 1937/1939, heute Ferdinand-Freiligrath-Straße Verwaltungsgebäude des Wehrkreises IV, um 1934/1935, heute Verwaltungsgericht Weimar NS-Wohnbebauung im Bereich Windmühlenstraße, 1930er Jahre Johanneskirche, 1938–41, errichtet für die Deutschen Christen Im Sommer 1937 wurde mit der Errichtung des Konzentrationslagers Buchenwald auf dem Ettersberg begonnen. Von den etwa 250.000 Häftlingen wurden dort bis 1945 mehr als 56.000 ermordet. Am 11. April 1945 erreichten die US-amerikanischen Truppen die Nähe des Lagers. Der zunehmende Kampflärm und die Auslösung von Feind-Alarm führten zur Flucht der meisten Wachleute. In dieser Situation konnte das Internationale Militärkommando (IMK) den Befehl zur Überwältigung der verbliebenen Wachleute geben. Zwar hatten die US-Truppen am 8. April einen Hilferuf per Funk aus dem Lager empfangen, jedoch konnten die Häftlinge erst nach dem Eintreffen der US-Armee in der Weimarer Region die verbliebenen SS-Leute entwaffnen. Der US-Sergeant Paul Bodot berichtete dem Stab der III. US-Armee am 11. April, dass sich das Lager in der Hand eines gut organisierten Häftlingskomitees befände. Bei Bombenangriffen – fast ausschließlich der USAAF – auf Weimar am 9. und am 27. Februar sowie am 10. März 1945 wurde die Innenstadt schwer in Mitleidenschaft gezogen. 965 Tonnen Bomben wurden abgeworfen. Allein am 9. Februar 1945 verloren bei einem Tagesangriff von 198 Bombern des Typs B-17„Flying Fortress“ aus etwa 6.000 Meter Höhe etwa 460 Einwohner ihr Leben. Unter ihnen waren 80 von 90 Kindern des Kindergartens der NSV (heute Kita „Hufeland“). Insgesamt 1254 Einwohner und 600 Buchenwald-Häftlinge starben bei den Luftangriffen. 325 Gebäude wurden zerstört und weitere 210 schwer beschädigt. Darunter waren die Herderkirche, das Gelbe Schloss, Jägerhaus, Zeughaus, Wittumspalais, Tempelherrenhaus im Goethepark, Kulissenhaus am Theaterplatz, Landesmuseum, Nationaltheater, Hofapotheke, Stadthaus, Fürstenkeller und Gasthof zum Erbprinz. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch: Goethehaus, Vulpiushäuser, Schillerhaus, Residenzschloss, Goethes Gartenhaus, Kirms-Krackow-Haus, Sächsischer Hof und Deutschritterhaus. Diese kulturell wertvollen Gebäude wurden größtenteils wieder aufgebaut, nicht wenige – trotz des allgemeinen Mangels – bereits kurz nach dem Krieg. In den letzten Kriegsmonaten hatten auch Weimar und Umgebung stark unter Tieffliegerangriffen zu leiden. Besonders tragisch war der Tod von 117 alliierten Kriegsgefangenen, die am 27. Februar 1945 auf der Autobahn westlich von Weimar durch Bordwaffenbeschuss amerikanischer Jagdbomber ums Leben kamen. Denkmäler – so das Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Theater – waren wegen der drohenden Luftangriffe „eingehaust“ worden. Bewegliches Kulturgut wurde nach außerhalb verlagert. So verbrachte man Museumsbestände nach Schloss Schwarzburg, auf die Veste Wachsenburg bei Arnstadt, auf die Dornburger Schlösser und in die Staatliche Schnitzerschule in Empfertshausen/Rhön. Dort wurden allerdings unter der amerikanischen und besonders der sowjetischen Besatzung wertvolle Gegenstände entwendet, vor allem viele Gemälde. Im Bereich Kromsdorfer Straße wurde 1939 bis 1942 ein Produktionskomplex für Rüstung und Militärfahrzeuge errichtet. Aus diesem sollte sich zu DDR-Zeiten das Weimar-Werk entwickeln. Auch dieses war von den Bombardierungen betroffen. Dieses war das Gustloff-Werk I. Das Gustloff-Werk II wurde im unmittelbarer Nähe zum KZ Buchenwald errichtet. Weimar war auch von der NS-Militärjustiz betroffen. Diese erstreckte sich nicht allein auf Militärpersonen, die im näheren Umkreis Weimars ihren Dienst taten, wovon nachfolgendes Beispiel zeugt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs entschloss sich Oberstleutnant Josef Ritter von Gadolla, ein Österreicher, dem Befehl zur absoluten Verteidigung von Gotha nicht Folge zu leisten und verhinderte als Kampfkommandant damit die Zerstörung von Gotha. Diese Handlung kostete ihn sein Leben, da er auf der Fahrt zu den vorrückenden Amerikaner von Wehrmachtssoldaten verhaftet wurde, und einen Tag nach der Kapitulation Gothas am 5. April 1945 in der Weimarer Mackensen-Kaserne auf dem Ettersberg wegen der „Aufgabe des festen Platzes Gotha“ zum Tode verurteilt und standrechtlich erschossen wurde. Gadolla wurde damit ein Opfer der NS-Militärjustiz. Das Urteil wurde 1997 aufgehoben und er damit rehabilitiert. Weimar während der US-Besatzung, in der SBZ und DDR Nachdem die 3. US-Armee am 11. April 1945 das in der Hand des Internationalen Lagerkomitees Buchenwald befindliche KZ Buchenwald erreicht hatte und ein amerikanisches Stadtkommando in Weimar eingerichtet worden war, ordnete dieses einen Pflichtbesuch von eintausend Einwohnern in dem befreiten Lager an, um ihnen das Grauen des Konzentrationslagers vor Augen zu führen. 1945 wurde durch die United States Army Air Forces (USAAF) ein Behelfsflugplatz unter der Bezeichnung Advanced Landing Ground ALG R-7 Weimar in Betrieb genommen. Anfang Juli zogen sich die US-Truppen aus Thüringen zurück, und auch in Weimar begann die Zeit der sowjetischen Besatzung. Weimar wurde ein großer Standort der sowjetischen Truppen mit dem Kommando der 8. Gardearmee im nahegelegenen Nohra. Sie belegten die früheren Wehrmachtskasernen. 1945 wurde der seit 1847 bestehende Mittwoch-Verein „Schlüssel“ zu Weimar aufgelöst. Am 12. August 1945 wurde auf dem Gelände des Konzentrationslagers Buchenwald das Speziallager Nr. 2 Buchenwald von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD in Betrieb genommen. Bis zur Auflösung des Speziallagers im Februar 1950 kamen dort etwa 7.000 der 28.000 Inhaftierten ums Leben. Als Opfer des Stalinismus sind auch Georg Haar und dessen Frau zu rechnen, die allerdings in den Freitod gingen. Weimar blieb nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Landeshauptstadt des 1945 um die preußischen Gebiete um Erfurt vergrößerten Landes Thüringen. Nach der mit dem alliierten Kontrollratsgesetz Nr. 46 auch juristisch vollzogenen Auflösung des Staates Preußen vom 25. Februar 1947 wurde am 7. Juli 1948 Erfurt zur Landeshauptstadt Thüringens erklärt. Mit der Bildung der Bezirke in der DDR 1952 verlor das Land Thüringen, wie auch die anderen Länder der SBZ, seine Funktion. Weimar war nun Stadtkreis im Bezirk Erfurt. Am 17. Juni 1953 und am 18. Juni streikten im VEB Mähdrescherwerk in Weimar 3000 Betriebsangehörige. Sie forderten eine Senkung der Arbeitsnormen und den Rücktritt der SED-Regierung. Ein Auszug zu Demonstrationen in der Stadt wurde an beiden Tagen durch mit Gewehren bewaffnete Wacheinheiten der Volkspolizei und durch einen Zug der Sowjetarmee mit zwei schweren Maschinengewehren am Werkstor verhindert. Am 18. Juni rief der sowjetische Stadtkommandant den Ausnahmezustand in der Stadt und im Landkreis aus. Starke Kräfte der Sowjetarmee wurden an allen öffentlichen Gebäuden und „wichtigen Objekten“ stationiert. Vergebliche Hauptforderung der Streikenden am 18. Juni war die Freilassung der am Vortag von ihnen gewählten und in der Nacht verhafteten 17 Vertreter („Rädelsführer“). Der Angestellte Max Zimmermann (1902–1977), der die Leitung des Streikausschusses innehatte, wird später zu einer 6-jährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Am 18. Juni 1953 wurde in Weimar der 26-jährige Kfz-Schlosser Alfred Diener aus Jena von der Sowjetarmee standrechtlich erschossen. Vereinzelte oppositionelle Regungen gab es in Weimar auch weiterhin. Am 29. Juni 1955 wurden Gerhard Benkowitz, Russischlehrer und stellvertretender Schulleiter der Pestalozzischule Weimar, und Hans-Dietrich Kogel, Sachbearbeiter für Planung und Statistik bei der Stadtverwaltung Weimar, nach einem Schauprozess in Berlin mit dem Fallbeil in Dresden hingerichtet. Ihnen waren u. a. Kontakte zur Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (Westberlin) zur Last gelegt worden. Weimar war in der DDR ein gepflegtes und auch gegenüber dem Ausland vorweisbares „Schmuckstück“, jedenfalls an seinen touristischen Schwerpunkten. Der Oberbürgermeister gehörte während der gesamten Zeit der DDR nicht der SED (aber immer sein Stellvertreter), sondern der CDU an. Einer von ihnen war Luitpold Steidle, der ein Albert-Schweitzer-Denkmal durchzusetzen vermochte, das einzige der DDR. In dieser Zeit wurden auch in Weimar neue Stadtteile in Plattenbauweise mit Tausenden von Wohnungen am Stadtrand gebaut: ab 1962 Weimar-Nord, ab 1978 Weimar-West und ab 1986 Schöndorf-Waldstadt. Die Stadt vergab einen Literatur- und Kunstpreis der Stadt Weimar. In und bei Weimar befand sich bis zum Abzug Anfang der 1990er Jahre aufgrund des Zwei-plus-Vier-Vertrags eine der größten Garnisonen der sowjetischen Streitkräfte in Thüringen. Besonders lästig für die Bevölkerung waren die im benachbarten Nohra stationierten Kampfhubschrauber. Auch in der Friedlichen Revolution in der DDR 1989/90 spielte Weimar eine Rolle. Bereits in den 1980er Jahren waren hier verschiedene unangepasste Gruppierungen entstanden, die unabhängig von staatlichen Strukturen – und teilweise auch abseits der evangelischen Kirchgemeinde – agierten und oppositionelle Züge entwickelten. Im Frühjahr 1989 hatten die gefälschten DDR-Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 für Empörung und Protest gesorgt – Pfarrer Erich Kranz war in Weimar einer der ersten, die die Ergebnisse anzweifelten und das Gespräch mit den Verantwortlichen suchten. Erich Kranz war es auch, der wenige Monate später mit dem Bibelwort „Suchet der Stadt Bestes“ am 4. Oktober 1989 zur offenen Diskussion in die Jakobskirche einlud – weil der Menschen-Andrang sehr groß war, wich man in die größere und dann ebenfalls überfüllte Stadtkirche St. Peter und Paul aus. Beginnend am 24. Oktober 1989 und ausgehend vom Platz der Demokratie fanden – jeweils am Dienstag – Großdemonstrationen statt, am 31. Oktober wurde die Teilnehmerzahl auf 15.000 geschätzt. Die Demonstrationszüge führten zu staatlichen Dienststellen, auch und besonders zur Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit. Angeführt wurden die Demonstrationen von Pfarrer Christoph Victor, Diakon H. J. Olbrecht und Aktivisten des Neuen Forums. Zunächst wurden Demokratie in der DDR und Öffnung der Stasi-Archive, später die Wiedervereinigung Deutschlands gefordert. Seit der deutschen Wiedervereinigung Am 5. November 1993 beschlossen die EU-Kulturminister, Weimar für das Jahr 1999 zur Kulturhauptstadt Europas zu ernennen. Dies war eine besondere Herausforderung, da die Stadt Weimar 1995 praktisch bankrott war und in Weimar als erster deutscher Gemeinde mit Horst Krautter ein externer Controller eingesetzt wurde. Der aus Württemberg stammende Krautter wurde zusammen mit dem früheren Stadtkämmerer Egbert Geier durch die staatliche Kommunalaufsicht eingesetzt, um die städtischen Finanzen zu sanieren. Ansonsten hätte Weimar die Einsetzung eines Staatskommissars gedroht. Weimars besondere kulturgeschichtliche Bedeutung über verschiedene Epochen hinweg wurde bereits mehrfach von der UNESCO gewürdigt. 1996 wurde der Eintrag Bauhaus und seine Stätten in Weimar und Dessau in die Welterbeliste aufgenommen, wobei Weimar mit drei Objekten vertreten ist: mit der ehemaligen Kunstgewerbeschule Weimar, dem heutigen Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar sowie dem Haus Am Horn. 1998 folgte ein weiterer Eintrag, der das Ensemble Klassisches Weimar aus insgesamt elf verschiedenen Denkmälern der Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte. 1999 wurde mit dem Kolleg Friedrich Nietzsche der Klassik Stiftung Weimar ein Ort geschaffen zur freien Auseinandersetzung mit Philosophie, Wissenschaft und Kultur. 2001 wurde der literarische Nachlass von Goethe aus dem Goethe- und Schiller-Archiv in das Weltdokumentenerbe (Memory of the World) aufgenommen. Seit dem 1. Mai 2004 ist die Stadt Weimar Trägerin des Beinamens Universitätsstadt. Die Bauhaus-Universität Weimar wurde 1996 von einer Hochschule zu einer Universität erweitert. 2004 und 2008 erhielt die Stadt beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blüht auf eine Goldmedaille. Am Abend des 2. September 2004 zerstörte ein Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek 50.000 Bücher. Dabei gab es erhebliche Verluste von Werken des 16. bis 20. Jahrhunderts. Unmittelbar danach begannen die Arbeiten zum Wiederaufbau der Bibliothek wie auch zur Rekonstruktion beschädigter, aber nicht völlig verbrannter Werke. Die Wiedereröffnung fand am 24. Oktober 2007 im Beisein des Bundespräsidenten Horst Köhler statt. Seit dem 7. Mai 2008 erinnern 15 von dem Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig vor ihren letzten Wohnstätten verlegte Stolpersteine an die Schicksale jüdischer Einwohner Weimars, die von den Nazis verfolgt und Opfer der Shoa wurden. Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“. Einwohnerentwicklung Im Jahr 1955 erreichte die Einwohnerzahl der Stadt Weimar mit knapp 67.000 ihren historischen Höchststand. Die Bevölkerungszahl ist seit Ende der 1930er Jahre relativ stabil geblieben und schwankte die ganze Zeit – trotz hoher Arbeitslosigkeit und Geburtenrückgang seit der Wende in der DDR im Jahre 1989 – zwischen 60.000 und 67.000. Entscheidend für die Bevölkerungsentwicklung Weimars nach der Wende war unter anderem die Eingemeindung der heutigen Ortsteile Gaberndorf, Gelmeroda, Legefeld, Niedergrunstedt, Possendorf, Süßenborn, Taubach und Tröbsdorf im Jahre 1994. In den letzten Jahren konnte Weimar allerdings das höchste Bevölkerungswachstum einer thüringischen Kommune verzeichnen. Dafür sorgt neben einer nahezu ausgeglichenen Geburtenbilanz vor allem eine positive Wanderungsbilanz (2008: +266; 2007: +317; 2006: −29; 2005: +175; 2004: +160). In den Jahren 2001 bis 2003 waren die Wanderungsgewinne besonders hoch, da zuvor eine Zweitwohnsitzsteuer eingeführt wurde, die vor allem Studenten dazu veranlasste, ihren Zweitwohnsitz in einen Erstwohnsitz umzuwandeln. Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1833 handelt es sich um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1966 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt. ¹ Volkszählungsergebnis     ² jeweils am 31. Dezember Religionen Konfessionsstatistik Laut dem Zensus 2011 waren 16,87 % der Einwohner evangelisch und 6,51 % römisch-katholisch, mit 69,2 % wurden unter „Sonstige, keine, ohne Angabe“ alle Personen zusammengefasst, die einer anderen oder keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft angehörten oder über die keine Angabe dazu vorlag. Evangelische und katholische Christen machen somit zusammen 23,38 % aus. Der Anteil der christlichen Bevölkerung dürfte jedoch weitaus höher liegen, da beispielsweise orthodoxe Christen und freikirchliche Christen in der Statistik nicht gesondert erfasst werden. Christentum Zur Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde gehören neben der Stadtkirche St. Peter und Paul auch die Jakobskirche und weitere Einrichtungen. Daneben verfügt Weimar über eine Landeskirchliche Gemeinschaft. Zur katholischen Pfarrgemeinde gehören die Pfarrkirche Herz Jesu, das Karmelitinnenkloster St. Teresa mit weiteren Filialgemeinden in der Stadt. Die Russisch-Orthodoxe Kirche wurde nach dem Willen Maria Pawlownas 1860 erbaut und gehört der Gemeinde der heiligen Maria Magdalena an. Daneben existiert die englischsprachige St. Michael’s Church Thuringia, die ihre Gottesdienste in der Kreuzkirche und in der Augustinerkirche Erfurt feiert sowie eine Neuapostolische Kirche. Unter den Freikirchen gibt es in Weimar eine Christusgemeinde, eine Freie evangelische Gemeinde und eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde. Weitere sind das Vaterhaus Weimar und eine bereits seit 1907 bestehende Adventgemeinde. Sonstige Religionen Die Zeugen Jehovas unterhalten eine Gemeinde in Weimar. Zudem gibt es die sunnitische Al-Chulafā'-Moschee in der Rießnerstraße des Vereins Haus des Orients. Auch Hare Krischna ist in Weimar vertreten. Politik Stadtrat Seit der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen: Oberbürgermeister Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos, für CDU und weimarwerk bürgerbündnis angetreten) wurde am 15. April 2018 im ersten Wahlgang gewählt. Er setzte sich im ersten Wahlgang mit 60,3 Prozent der Stimmen gegen drei weitere Bewerber, darunter den seit 2006 amtierenden Amtsinhaber Stefan Wolf, durch. CDU, Bündnis 90/Die Grünen und Bürgerbündnis Weimarwerk bildeten im Stadtrat vom Januar 2015 bis Juli 2017 eine Koalition. Seitdem gibt es im Stadtrat wechselnde Mehrheiten. Liste der Bürgermeister und Oberbürgermeister (seit 1793) Seit 1838 trägt das Stadtoberhaupt den Titel „Oberbürgermeister“. In der DDR war Weimar die größte Stadt, dessen Bürgermeister nicht der SED angehörte. Wappen Diplomatische Vertretungen Frankreich Honorarkonsulat seit 4. Mai 2013 Ehemalige diplomatische Vertretungen Polen Honorarkonsulat bis 29. Juli 2016 Städtepartnerschaften Hämeenlinna, Finnland, seit 6. September 1970 Trier, Deutschland, seit 24. Mai 1987 Siena, Italien, seit 15. April 1994 Blois, Frankreich, seit 18. Februar 1995 Zamość, Polen, seit 25. Mai 2012 Städtefreundschaften Fulda, Deutschland Kamakura, Japan Schiras, Iran Europäische außenpolitische Formate der Bundesrepublik Deutschland Weimarer Dreieck Kultur Veranstaltungen Weimarer Zwiebelmarkt: Am zweiten Oktober-Wochenende findet jedes Jahr der Weimarer Zwiebelmarkt statt, dessen Traditionen bis in das Jahr 1653 zurückreichen. Der Zwiebelmarkt erstreckt sich über das gesamte Altstadtgebiet und zieht jährlich bis zu 350.000 Besucher an. Neben den Verkaufsständen sorgen Bühnen mit Musik und Performances für Unterhaltung. „Weimarer Rendezvous mit der Geschichte“: Seit 2009 veranstaltet die Stadt Weimar ein Geschichtsfestival nach dem Vorbild der Rendez-vous de l’histoire in der Partnerstadt Blois. An einem Wochenende im November finden Vorträge, Podiumsdiskussionen, ein Filmfest und weitere Veranstaltungen zu einem Rahmenthema statt. Die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats sowie die Teilnehmer an den Veranstaltungen entstammen in der Regel den Ländern des Weimarer Dreiecks. „Weimarer Meisterkurse“ Seit mehr als 50 Jahren bietet die Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar im Sommer Meisterkurse an. Dazu werden Studierende weltweit eingeladen, in öffentlichen Kursen bei international anerkannten Musikern Unterricht zu nehmen. Die Meisterkurse haben sich inzwischen mit zahlreichen öffentlichen Konzerten zu einem Musikfestival entwickelt. „Genius Loci Weimar“ ist ein Festival für ortsspezifisch entwickelte audiovisuelle Kunst mit dem speziellen Fokus auf Fassadenprojektionen. Erstmals fand das Festival vom 10. bis 12. August 2012 statt. An der Fassade des Fürstenhauses in Weimar, dem heutigen Haupthaus der Hochschule für Musik „Franz Liszt“, wurde eine Produktion des Istanbuler Künstlerkollektivs NERDWORKING präsentiert. Das Festival soll jährlich stattfindenden. Die Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik finden jedes Jahr in der Woche nach Ostern statt. Kunstfest Weimar: Ende August bis Anfang September findet alljährlich das Kunstfest Weimar statt. Das Kunstfest Weimar ist Thüringens größtes und ein international bekanntes Festival für zeitgenössische Künste. Für die Jahre 2004 bis 2013 war Nike Wagner künstlerische Leiterin des Weimarer Kunstfestes, das maßgeblich durch das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und die Stadt Weimar finanziert wird. Seit 2014 wird das Kunstfest vom Deutschen Nationaltheater Weimar veranstaltet. Künstlerischer Leiter ist Christian Holtzhauer. „Yiddish Summer Weimar“ ist ein jährlich stattfindender internationaler Kurs für Klezmer-Musik und zugleich ein Musikfestival der Other Music Academy. Der YSW gehört zu den wichtigsten Klezmer-Meisterkursen weltweit. Gründer und Leiter des Yiddish Summer ist der Musikwissenschaftler und Musiker Alan Bern. Aus dem Yiddish Summer entstand das Projekt The Other Europeans, das sich mit der Verbindung von Lăutari- und Klezmer-Musik beschäftigt und im Jahr 2012 der Dokumentarfilm „Der zerbrochene Klang“ von 1Meter60Film. „Bachbiennale:“ Festival für barocke Musik und historische Aufführungspraxis. Seit 2012 wurde die Bachbiennale um ein Kindermusikfestival erweitert, das einzige deutsche Barockmusikfestival für Kinder. Zur Langen Nacht der Museen werden jedes Jahr im Sommer die Kultureinrichtungen in Weimar und im Weimarer Land bis weit nach Mitternacht geöffnet. Interessierte können hier Museen, Galerien, Archive und Kirchen besichtigen, an Führungen teilnehmen und Konzerte und Vorträge anhören. Kleinkunst-Festival: Seit 2004 findet jedes Jahr von Mai bis Juni ein sechswöchiges Kleinkunst-Festival auf dem Beethovenplatz in Weimar statt. In dem dafür auf der Wiese errichteten „Köstritzer Spiegelzelt“ präsentieren Künstler aus verschiedenen Ländern ein Programm aus Musik, Theater und Kabarett. Erstmals wurde 2010 der Publikumspreis Marlene am Ende des Festivals verliehen. 35 Künstler standen in 40 Vorstellungen zur Auswahl. Gewonnen hatte das Trio Malediva. Fête de la Musique: Am 21. Juni eines jeden Jahres beteiligt sich Weimar an der internationalen Fête de la Musique. Internationales Studentisches backup festival Klassisches Open-Air-Konzert: Der Weimarhallenpark ist Anfang Juli jeden Jahres Schauplatz für ein klassisches Open-Air-Konzert der Staatskapelle Weimar. Die Thematik des Events bezieht sich auf die Musik einer bestimmten Nation (2007: „Eine Ungarische Nacht“, 2008: „Eine Französische Nacht“, 2009: „Eine Amerikanische Nacht“). Die Musiker spielen auf einer schwimmenden Bühne auf dem Teich, während die bis zu 3000 Zuschauer auf Terrassen und Wiesen des illuminierten Parks Platz nehmen. Die Stadt Weimar vergibt jedes Jahr am 10. Dezember, dem von den Vereinten Nationen proklamierten Internationalen Tag der Menschenrechte, den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar an Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen, die sich mit ihrem Wirken für mehr Menschlichkeit und Toleranz zwischen den Menschen und Völkern einsetzen. Der Weimar-Preis ist eine Auszeichnung, die die Stadt Weimar seit 1990 vergibt. Er wird an Einzelpersonen oder "mehrere an einem Werk beteiligte Personen verliehen, die sich um das kulturelle Ansehen der Stadt Weimar verdient gemacht haben. Zu Goethes Geburtstag am 28. August gestaltet die Klassik Stiftung Weimar jährliche verschiedene Aktivitäten und künstlerische Interventionen. Vor Goethes Wohnhaus wird ein Weinfest ausgerichtet. Seit 2011 wird anlässlich des Herdergeburtstages am 25. August der Herder-Förderpreis verliehen. Seit 1994 finden meist im März eines Jahres die Weimarer Reden im Nationaltheater statt. Kulturzentren Neue Weimarhalle, 1999 entstanden als Nachfolgebau der 1932 errichteten und 1997 abgerissenen Weimarhalle, „gehört zu den schönsten Veranstaltungs- und Kongresshäusern Europas“ – das MDR Fernsehen sendete am 1. Dezember 2013 eine ausführliche Dokumentation über das Haus und seine Geschichte ACC Galerie Weimar – Autonomes CulturCentrum – mit Galerie für zeitgenössische Kunst, Veranstaltungen und einem Restaurant/Caféhaus C-Keller & Galerie, Markt 21 – Café, Bar, Kunstgalerie, Veranstaltungsort E-Werk Weimar mit Straßenbahndepot Gaswerk – Projektwerkstatt und Veranstaltungsort Gerber 1 und Gerber 3 – Haus für Soziokultur Mon Ami – Jugend- und Kulturzentrum Studentenclub Kasseturm – Studentenclub Studentenclub Schützengasse – Studentenclub (geschlossen) Studentenclub Jakobsplan – Studentenclub (geschlossen) Darstellende Kunst Das Deutsche Nationaltheater mit der Staatskapelle Weimar ist der bedeutendste Theaterbetrieb Weimars. Es handelt sich dabei um eine Doppelinstitution, bestehend aus dem Bühnenbetrieb Deutsches Nationaltheater und dem Orchester Staatskapelle Weimar. Daneben gibt es eine Handvoll kleinere Theater und Kleinkunstbühnen (Jugendtheater im Stellwerk, Theater im Gewölbe, Galli-Theater, Mascha, Palais Schardt). Die Schola Cantorum Weimar ist der größte Kinder- und Jugendchor Thüringens. Weimar besitzt daneben drei Filmtheater, das Cinestar in der Schützengasse (sechs Säle), das unabhängige Lichthaus Kino (drei Säle) und das Kommunale Kino im Kulturzentrum mon ami (ein Saal). Bauwerke Schlösser und Palais Seit dem Mittelalter besitzt Weimar ein Stadtschloss, das mehrmals erneuert wurde. Aus der Zeit der Weimarer Klassik stammt dagegen das Wittumspalais, in dem Anna Amalia ihre letzten Jahre verbrachte. Schloss und Park Belvedere, außerhalb des Stadtzentrums gelegen, waren ursprünglich die Sommerresidenz der Weimarer Fürsten. Eine besondere Bedeutung hatten Schloss und Park Tiefurt als Lieblingsresidenz Anna Amalias und Treffpunkt ihres literarisch-musischen Kreises. Auch Schloss und Park Ettersburg hatten zu dieser Zeit eine ähnliche Funktion und gehören heute zur Klassik Stiftung Weimar. Das Gelbe Schloss (1704) war Witwensitz der Herzogin Charlotte Dorothea Sophie, das Rote Schloss (1576) der Herzogin Dorothea Susanne. Das Fürstenhaus Weimar beherbergt heute die Hochschule für Musik Franz Liszt. Kirchen Die größte Kirche Weimars ist die Stadtkirche St. Peter und Paul, die im Wesentlichen um 1500 erbaut wurde. Sie ist auch als Herderkirche bekannt; dieser Name geht auf das Wirken des Theologen und Philosophen Johann Gottfried Herder zur Zeit der Weimarer Klassik zurück. Das Altarbild wurde von Lucas Cranach dem Älteren und dem Jüngeren geschaffen. Die barocke Jakobskirche, die ehemalige Hofkirche, ist die Traukirche Johann Wolfgang Goethes. Auf ihrem Kirchhof sind die Grabmale mehrerer berühmter Persönlichkeiten zu sehen. Die katholische Herz-Jesu-Kirche wurde zwischen 1889 und 1891 nach Plänen des Architekten Max Meckel im Stil des Historismus erbaut. In ihrer Mischung aus Neogotik und Neorenaissance erinnert sie an den Vorbild gebenden Dom von Florenz. Die Kreuzkirche wurde ursprünglich im Jahre 1899 als Kirche Saint Michael and All Angels für Weimars damalige anglikanische Gemeinde im Stil der anglikanischen Spätgotik errichtet. Als sich ab 1914 die Gemeinde auflöste (da deren meist englische Mitglieder als Kriegsgegner Deutschlands galten und das Land verließen), verlor die Kirche ihre Aufgabe und stand leer. 1927 erwarb Weimars Stadtkirchengemeinde den Sakralbau und weihte ihn 1928 als Kreuzkirche neu. 1962 erhielt sie Glocken aus Apolda, seit 1989 gibt es eine Schuke-Orgel. In jüngerer Zeit wurde sie umfassend saniert. Der Stadtteil Gelmeroda hat eine Dorfkirche, die als Feiningerkirche und Autobahnkirche überregional bekannt ist. Weitere Bauwerke Weimarer Rathaus Weimarer Stadthaus Renaissance-Bauten der Markt-Ostseite, u. a. mit dem Cranachhaus Geleitschenke, historische Gastwirtschaft und eines der schönsten Fachwerkhäuser in Weimar Liszt-Haus Bachhaus Weimar die Altenburg, einst Zuhause von Franz Liszt Kirms-Krackow-Haus Goethes Wohnhaus mit Goethe-Nationalmuseum Schillers Wohnhaus mit Schillermuseum Goethe- und Schiller-Denkmal Jacobsfriedhof Weimar mit dem Kassengewölbe Park an der Ilm mit Goethes Gartenhaus, Römischem Haus und Parkhöhle Historischer Friedhof mit Fürstengruft und Russisch-Orthodoxer Grabkapelle Kunstgewerbeschulbau (Werkstattbau des ehem. Staatlichen Bauhauses zu Weimar) Kunstschulgebäude (heute Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar) Villa Dürckheim, erbaut 1912/13 von Henry van de Velde Musterhaus „Am Horn“ Haus Hohe Pappeln Café Resi, das Residenz-Café, Weimars ältestes Kaffee-Haus, zentral gelegen zwischen Markt und Stadtschloss das ehemalige Gauforum Weimar Capella „Vox coelestis“ (1899 erbaut, Friedhof Ehringsdorf) Brunnen in Weimar Hafis-Goethe-Denkmal Heimrichstisch Lenin-Leuchtkasten im Foyer des Theatersaals La Redoute, ehemaliger Sitz des sowjetischen Militärs. Der Leuchtkasten ist eine Kopie eines Bleiglasfensters von Alexander Leonidovitsch Korolew. Gedenkstätten Albert Schweitzer Gedenk- und Begegnungsstätte, Museum im Musäushaus Gedenkstätte des KZ Buchenwald und des Speziallagers Nr. 2 Buchenwald Ernst-Thälmann-Denkmal auf dem Buchenwaldplatz Denkmal der Märzgefallenen auf dem Historischen Friedhof Weimar Gedenkstätte auf dem Hauptfriedhof für die Opfer der amerikanischen Bombenangriffe 1945 Gedenkstein im Webicht für 149 von der Gestapo ermordete Häftlinge Gedenktafel am Wohnhaus der jüdischen Familien Ortweiler und Appel Am Brühl 6 Jüdischer Friedhof in der Leibnizallee Todesmarsch-Stele Ecke Ettersburger/Rießnerstraße Museen Kunstmuseen und -galerien Zeitgenössische Kunst wird im Neuen Museum Weimar ausgestellt, einer Einrichtung der Klassik Stiftung Weimar. Regelmäßige Ausstellungen werden in der Galerie Eigenheim, der ACC Galerie Weimar und der städtischen Kunsthalle Harry Graf Kessler gezeigt. Das Bauhaus-Museum enthält Exponate der im Jahre 1919 in Weimar gegründeten Kunstschule Bauhaus, darunter Werke von Walter Gropius und Johannes Itten. 2019 wurde angrenzend an Neue Weimarhalle und Gauforum das neue Bauhaus-Museum eröffnet und löste das Provisorium auf dem Theaterplatz ab. Malerei vom 16. bis 19. Jahrhundert beherbergt das Museum im Weimarer Stadtschloss. Geschichtsmuseen Das Museum Haus der Weimarer Republik am Theaterplatz erinnert an die Verabschiedung der Weimarer Reichsverfassung 1919 und die Zeit der Weimarer Republik. Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie unterhält in Weimar das Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens. Die Geschichte der Stadt selbst wird im Stadtmuseum dargestellt, das sich im Bertuchhaus befindet. Die Ausstellung beginnt mit den Spuren der frühesten Besiedelung und behandelt als Schwerpunktthemen unter anderem das Wirken Johann Sebastian Bachs und Friedrich Justin Bertuchs in Weimar sowie die Nationalversammlung 1919 und die Weimarer Republik. Das Weimarhaus, ein privates „Geschichts-Erlebnismuseum“, zeigt wichtige historische Ereignisse in Form von unterhaltsamen Dioramen. Weitere Museen Musterhaus Am Horn, einziges erhaltene Versuchshaus aus der Zeit Bauhaus in Weimar. Heute ein Museum (UNESCO-Weltkulturerbe). Im Deutschen Bienenmuseum sind alle Aspekte der Imkerei zu betrachten. Das Eisenbahnmuseum Weimar beheimatet Thüringens größte Sammlung an historischen Lokomotiven, aber auch Straßenbahnen und Eisenbahnwaggons. Das Ginkgo-Museum beschäftigt sich als einziges seiner Art mit Ginkgopflanzen. In der Rittergasse befindet sich das kleine Schirmmuseum der Familie Pennewitz. Das kleinste Museum Weimars ist Marie Seebach in der Tiefurter Allee gewidmet. Es diente als Vorbild für Giuseppe Verdis Casa Verdi in Mailand. Medienbestände Archive Thüringer Landesarchiv mit dem Thüringischen Hauptstaatsarchiv Goethe- und Schiller-Archiv Stadtarchiv Weimar Nietzsche-Archiv Fürnberg-Archiv Thüringisches Landesmusikarchiv und Hochschularchiv Bibliotheken Herzogin Anna Amalia Bibliothek mit Militärbibliothek Universitätsbibliothek (UB) der Bauhaus-Universität Bibliothek der Hochschule für Musik Bibliothek der Gedenkstätte Buchenwald Stadtbibliothek Umweltbibliothek der Grünen Liga Katholische Öffentliche Bücherei DDR-Bücherstube Taubach Sport Der bekannteste Verein der Stadt ist der Fußballverein SC 1903 Weimar, früher Motor Weimar. Er hat zu DDR-Zeiten meist in der DDR-Liga (2. Liga), kurzzeitig auch in der Oberliga (1. Liga) gespielt, befindet sich zurzeit in der Thüringenliga. Die Heimspiele werden im reinen Fußballstadion Am Lindenberg ausgetragen, welches an der Ausfallstraße Richtung Jena am ehemaligen Flugplatz Weimar-Lindenberg liegt. Weimarer Erfolge, mit Siegen auf Landes-, Bundes- und DDR-Ebene bzw. Zugehörigkeit zur höchsten Spielklasse, gab es in überraschend vielen Sportarten. Ein Beispiel dafür ist der Wildwasserkanusport im KGC 66 Weimar, den Weimarer Athleten in der DDR zeitweise dominiert hatten. Auch im Hockey, Tennis, Volleyball, Schach, Boxen, Fechten, Judo, Basketball, Turnen, Tischtennis, Rettungsschwimmen und Altherrenfußball verfügt Weimar über Mannschaften oder Einzelsportler auf gutem Amateurniveau. 2021 hatte sich Weimar als Host Town für die Gestaltung eines viertägigen Programms für eine internationale Delegation der Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin beworben. 2022 war die Stadt als Gastgeberin für Special Olympics Äquatorialguinea ausgewählt worden. Damit ist Weimar Teil des größten kommunalen Inklusionsprojekts in der Geschichte der Bundesrepublik, an dem über 200 Host Towns beteiligt sind. Da der Sportverband aus Äquatorialguinea kurzfristig seine Reise zu den World Games absagte, fanden die geplanten Veranstaltungen zur Inklusion jedoch nicht statt. Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Wirtschaftskraft Im Zukunftsatlas 2016 belegte die kreisfreie Stadt Weimar Platz 108 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland. Sie zählt damit zu den Regionen mit „Zukunftschancen“ und belegt den zweiten Platz innerhalb Thüringens. Im Jahre 2016 erbrachte Weimar, innerhalb der Stadtgrenzen, ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,001 Milliarden €. Das BIP pro Kopf lag im selben Jahr bei 31.147 € (Thüringen: 27.674 €/ Deutschland 38.180 €). In der Stadt gibt es 2017 ca. 34.300 erwerbstätige Personen. Die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2018 bei 5,7 % und damit leicht über dem Durchschnitt von Thüringen mit 5,2 %. In Weimar arbeiten 11,2 Prozent der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe und 87,7 Prozent im Dienstleistungssektor. Davon entfallen allein 37,6 Prozent auf Gastronomie und Handel. 2002 gab es in Weimar 3.344 Betten in 37 Hotels mit insgesamt 435.677 Übernachtungen bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 1,9 Tagen. Industrie Größtes Industrieunternehmen ist die Bayer Weimar GmbH und Co. KG, ein Tochterunternehmen der Bayer HealthCare, mit etwa 500 Beschäftigten. Auf dem Gelände des 1898 gegründeten Waggonwerk Weimar, das während der DDR-Zeit als VEB Weimar-Werk Landmaschinen herstellte, befindet sich heute ein Standort der Hydrema-Gruppe, die in Weimar Baumaschinen herstellt. Ein Abfüllbetrieb von Coca-Cola in Weimar, der 1991 aus dem Erfrischungsgetränkehersteller VEB Limona Weimar hervorging, wurde 2018 geschlossen. Zur DDR-Zeit bestanden in Weimar der VEB Uhrenwerk Weimar und der VEB Weimar-Werk. In Weimar befand sich von 1896 bis 1935 die Orgelbauwerkstatt Heerwagen. Im Weimarer Stadtteil Ehringsdorf befindet sich Weimars größte Brauerei mit den Marken Ehringsdorfer und Weimarer, die im Jahr 1840 gegründet wurde und die Einfachbier-Tradition aus dem 14. Jahrhundert weiterführte. Dienstleistungen Öffentliche Einrichtungen Die Stadt ist Sitz des Amtsgerichts Weimar, das zum Bezirk des Landgerichts Erfurt gehört, des Weimarer Verwaltungsgerichts, des Thüringer Oberverwaltungsgerichts sowie des Thüringer Verfassungsgerichtshofs. Tourismus und Tagungen Durch seine Geschichte sowie zahlreiche Museen, Galerien, Baudenkmale und Kultur- und Klassikerstätten ist Weimar ein bedeutendes Ziel für Bildungs-, Kultur- und Städtetourismus. Auch die Gedenkstätte für das KZ Buchenwald mit dem Speziallager Nr. 2 Buchenwald wird von Besuchern aus der ganzen Welt frequentiert. Veranstaltungsräume für Konferenzen, Tagungen, Fachmessen, Konzerte und Ausstellungen bieten beispielsweise die 1999 eröffnete Neue Weimarhalle, das Jugend-Kulturzentrum Mon Ami, das Reithaus der Europäischen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Weimar (EJBW), das Gebäude der Other Music Academy und mehrere größere Hotels. Weimar besitzt 28 Hotels, darunter das historische Hotel Elephant und das Grand Hotel Russischer Hof, 6 Jugendherbergen und Backpacker Hostels und eine große Anzahl Pensionen und Privatunterkünfte. Campingplätze befinden sich in Tiefurt, Ettersburg, Oettern und am Stausee Hohenfelden. Medien Sitz der Thüringischen Landeszeitung (TLZ). Außerdem gibt es eine Lokalausgabe der Thüringer Allgemeinen (Erfurt) Regionalstudio des Mitteldeutschen Rundfunks (Leipzig) Sitz der regionalen Kirchenzeitung Glaube+Heimat Die ehemalige Fakultät Medien an der Bauhaus-Universität Weimar ist in der Fakultät Kunst und Gestaltung aufgegangen Sitz des regionalen Fernsehsenders salve.tv Sitz des lokalen nichtkommerziellen Rundfunksenders Radio Lotte Sitz des Einrichtungsrundfunks Bauhaus.FM am Lehrstuhl für Experimentelles Radio der Bauhaus-Universität Weimar Sitz der privaten Radiosender Antenne Thüringen und Radio Top40 Ort eines freien, selbst verwalteten und nicht kommerziellen WLAN-Netzwerkes – Weimarnetz auf der Basis von Freifunk Sitz der Filmproduzenten Ostlicht Filmproduktionen GmbH, 1Meter60Film, Gruppe Weimar, Makido Film, Nivre Film & Studio GmbH Energiewirtschaft Im Jahr 2014 wurde Weimar zur „Energiekommune“ ernannt, da sich die Stadt im Bereich interkommunaler Windprojekte engagierte. In Weimar gibt es zwei Umspannwerke der Tochter der Stadtwerke Weimar, Energienetze Weimar GmbH & Co. KG (ENWG), die 110 kVolt des Netzbetreibers Thüringer Energienetze (TEN) in 220 Volt Netzspannung für Haushalte umwandeln. Eines befindet sich in Oberweimar und ein weiteres in Weimar-Nord. In Weimar stehen zwei Umspannwerke, die die Energieversorgung der Stadt sichern. Es gab in Weimar drei Umspannwerke, von denen allerdings eines nicht mehr in Betrieb ist. Eines befindet sich in Oberweimar in der Bahnhofstraße 60. Ein weiteres befindet sich in Weimar-Nord in der Nordstraße im Bereich abgehend von der Buttelstedter Straße und reicht bis zur Industriestraße. Dort erstreckt es sich in der Nord-Süd-Richtung von der Döbereinerstraße und der Nordstraße. Dort ist auch eine Bushaltestelle. Als noch der Oberleitungsbus Weimar betrieben wurde, hielt auch dieser hier. Die darüberliegende Straße wurde nach diesem Umspannwerk in Über dem Umspannwerk benannt. Dieses ist auch das ältere von beiden, welches in den 1920er Jahren errichtet wurde. Es stand unter der Leitung der 1923 gegründeten Thüringenwerk A.G. Weimar. Seit mindestens den 1930er Jahren ist zumindest das Umspannwerk in Weimar-Nord im Interesse der Elektrotechniker. Das Umspannwerk in Weimar-Nord wurde errichtet, weil einem Gutachten von 1923 zufolge das damalige Gleichstromnetz überfordert war. Seit 1920 war die Stromversorgung Weimars in den Händen der Stadt. Es war gewissermaßen eine Einrichtung, die letztlich zur Umstellung auf den Wechselstrombetrieb ausgelegt war. Erst 1967 endete restlos der Gleichstrombetrieb in Weimar. Es ist ein 50 KV Umspannwerk. Das 110 KV Umspannwerk in Oberweimar wurde 1971 errichtet, womit sich in Weimar die Stromversorgung wesentlich verbesserte. Das 110 kV Umspannwerk wurde an die Trasse Erfurt-Jena an das überregionale Stromnetz angeschlossen. Das alte 50 kV. Umspannwerk in Weimar-Nord wurde weiter über die 50 kV-Leitung Erfurt-Apolda betrieben und 1991 zu einem 110/20/10 kV-UW umgebaut. Bis 1990 existierte noch in der Tiefurter Allee ein Umspannungswerk für die Bereitstellung des Bahnstromes der Deutschen Reichsbahn mit einer Frequenz von 16 2/3 Hz. Verkehr Fußverkehr Durch Weimar führen überregionale touristische Wanderwege, wie der Goethe-Erlebnisweg, der Lutherweg Thüringen, der Thüringer Drei-Türme-Weg, der Maria-Pawlowa-Promenaden-Weg und der Kneipp-Rundweg. Zudem gibt es regionale Themenrouten, wie den Gedenkweg Buchenwaldbahn. Ein Teil der alten Bahnstrecke der Buchenwaldbahn wurde seit 2007 durch den „Gedenkweg Buchenwaldbahn“ wieder sichtbar. Dieser beginnt kurz nach der „Blutstraße“ und endet an der Verladerampe des Konzentrationslagers, neben den ehemaligen Gustloff-Werken. Er hat eine Länge von 3,3 Kilometern. In Weimar wurde 1969 die erste Fußgängerzone vom Goetheplatz über den Theaterplatz, die Schillerstraße, den Markt zum Stadtschloss angelegt. Dort befinden sich viele Geschäfte und Gastronomie. Verschiedene Stadtparks Weimars, wie der Goethepark (Park an der Ilm), der Schloßpark Tiefurt, der Schlosspark Belvedere und der Schlosspark Ettersburg sind nur zu Fuß zu erkunden. Straßenverkehr Die Anschlussstelle Weimar der A 4 ist die Anbindung zur Stadt, die Abfahrten Apolda aus östlicher und Nohra aus westlicher Richtung ergänzen diese. In der Stadt kreuzen die Bundesstraßen 7 (West-Ost-Richtung von Erfurt nach Jena) und 85 (Nord-Süd-Richtung von Bad Frankenhausen nach Rudolstadt). Die von Erfurt kommende B 7 bindet heute in west-nördlicher Richtung an eine teilweise zweispurig ausgebauten Nordumfahrung an. Die Fortführung der Umgehungsstraße nach Osten Richtung Jena ist umstritten, da der zum Weltkulturerbe gehörende Tiefurter Park sowie der Stadtwald Webicht betroffen wäre. Eine Untertunnelung des Webichts würde die Kosten vervielfachen. Bis heute gibt es mehrere touristische Anbieter von Pferdekutschen in Weimar. Öffentlicher Personennahverkehr Das Stadtbusnetz wird von der Stadtwirtschaft Weimar GmbH betrieben. Die zentrale Umsteigehaltestelle am Goetheplatz wird im Rendezvous-System von allen neun Stadtbuslinien bedient. Weitere wichtige Umsteigehaltestellen befinden sich am Hauptbahnhof, in der Gropiusstraße und am Wielandplatz. In der umliegenden Region, also im Weimarer Land, wird der öffentliche Personennahverkehr von der Personenverkehrsgesellschaft mbH Weimarer Land betrieben. Die Straßenbahn Weimar verkehrte in der Stadt zwischen 1899 und 1937. Ihr Liniennetz mit 1000 Millimetern Spurweite wurde 1937 mit dem Bau des Gauforums zu Gunsten von Bus und Oberleitungsbus stillgelegt, sodass Weimar die größte Stadt der neuen Bundesländer ohne Straßenbahnnetz ist. Der Obusbetrieb Weimar bestand von 1948 bis 1993. Noch 1990 wurde eine Neubaustrecke nach Weimar-West in Betrieb genommen. Am 1. April 2006 wurde in den Städten Erfurt, Jena, Weimar, Apolda und im nördlichen Landkreis Weimarer Land der einheitliche Verbundtarif Mittelthüringen eingeführt. Der Zentraler Omnibusbahnhof Weimar (ZOB Weimar) befindet sich in der Hoffmann-von Fallersleben-Straße am Sophienstiftsplatz in der Nähe des Deutschen Nationaltheaters im Zentrum der Stadt Weimar. Der Sophienstiftsplatz war historisch am Kopfbahnhof Weimar-Erfurter Tor der Bahnstrecke Weimar–Kranichfeld und wichtige Umsteigestelle zwischen der roten, blauen und weißen Linie der Straßenbahn Weimar. Vom Busbahnhof Weimar werden heutzutage Busverbindungen in Weimars Umgebung, wie z. B. nach Niederzimmern, Blankenhain oder Apolda aber auch nationale Verbindungen, z. B. nach Berlin angeboten. Schienenverkehr In Weimar treffen die Thüringer Bahn, die Ilmbahn und die Holzlandbahn aufeinander. An den Fernverkehr ist Weimar im Wesentlichen über den ICE-Halt Erfurt angebunden, der in weniger als 15 Bahnminuten erreichbar ist. Weimar war von 2000 bis 2015 ein regulärer ICE-Systemhalt mehrerer ICE-Linien. In Weimar selbst halten seit der Eröffnung der Schnellfahrstrecke Erfurt–Leipzig/Halle und der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt seit 2015 nur noch einzelne IC und ICE (seit 2018 ICE-Linie 11 München–Berlin mit dem ICE 4). Weimar war von 1995 bis 1999 mit dem EC direkt mit Paris und Prag und in den Folgejahren mit dem City Night Line (CNL) direkt an Zürich, Basel und Prag angebunden. Weimar war seit jeher an den internationalen Fernverkehr angebunden, wie mit Schnellzügen in den 70er Jahren an Warschau Wschodnia und Paris Est. Im Nahverkehr ist Weimar mit dem Regionalexpress Göttingen–Erfurt–Weimar–Jena–Glauchau/Zwickau oder Erfurt–Weimar–Jena–Gera/Altenburg alle zwei Stunden erreichbar, dazu sind die Regionalbahnlinien Eisenach–Erfurt–Weimar–Naumburg–Halle (Saale) und Weimar–Kranichfeld wichtige Anbindungen. Im Stadtgebiet befindet sich neben dem Bahnhof Weimar (innerstädtisch als Hauptbahnhof bezeichnet), der kleine Berkaer Bahnhof sowie fünf Haltepunkte: Oberweimar, Weimar-West, Nohra (b Weimar), Holzdorf, Legefeld. Obgleich nicht auf Weimarer Flur gelegen gehört auch die Station Obergrunstedt zum Tarifbereich Weimar. Im Stadtgebiet befanden sich weitere ehemalige Bahnhöfe. Nördlich vom Hauptbahnhof Weimar befand sich bis Mitte 1946 der mit 1000-Millimeter-Schmalspur und seit Herbst 1937 auch dreischienig mit Normalspur ausgestattete Bahnhof Weimar Secundair Bahnhof, der ab 1940 in Weimar Nord umbenannt wurde. Im Stadtteil Schöndorf befand sich der Bahnhof Weimar Schöndorf, der heute als Wohnhaus genutzt wird. Vom 26. Juni 1887 bis zum 11. April 1946 war Weimar Startpunkt der im Volksmund Laura genannten Schmalspurbahn Weimar–Rastenberg/Großrudestedt, die von der Weimar-Rastenberger Eisenbahn-Gesellschaft (WREG) mit Sitz in Weimar betrieben wurde. 1943 wurde am KZ Buchenwald der Bahnhof Buchenwald errichtet. Für Häftlingstransporte zum KZ Buchenwald entstand seit 1943 die Bahnstrecke Weimar–Buchenwald, auch Buchenwaldbahn genannt. Zwischen 1946 und 1953 wurde auf einem Teil der Strecke öffentlicher Personenverkehr, ab 1949 durch die Deutsche Reichsbahn durchgeführt. Ende 1951 verkehrten zwei Zugpaare von Montag bis Samstag, eins von Montag bis Freitag und eins nur mittwochs und samstags zwischen Weimar Nord und Großobringen. Von 1887 bis 1908 lag an der Bahnstrecke Weimar–Kranichfeld der Bahnhof Weimar Erfurter Tor, für den als Empfangsgebäude das Torhaus an der Erfurter Straße genutzt wurde. Im östlich des Weimarer Hauptbahnhofs gelegenen ehemaligen Bahnbetriebswerk befindet sich das Eisenbahnmuseum Weimar mit Lokomotiven, Wagen und Straßenbahnen. Bereits mit der Schaffung des ICE-Knotenpunkts Erfurt im Jahr 2015 war eine Regio-S-Bahn Thüringen angekündigt worden. 2020 beschloss der Stadtrat von Weimar gemeinsam mit den Stadträten der Thüringer Städtekette (Eisenach, Gotha, Jena und Altenburg) die Schaffung einer Regio-S-Bahn Thüringen mit einer Linie mit Halt in Weimar zu fordern. Die Stadträte fordern gemeinsam mit Thüringens Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Landesregierung Thüringens und alle Beteiligten auf, die Regio-S-Bahn Thüringen mit zwei Linien zu realisieren. Im Freistaat Thüringen wird seitdem als langfristiges Ziel die Entwicklung einer Regio-S-Bahn Thüringen entlang der Thüringer Städtekette verfolgt. Fahrradverkehr Durch Weimar führen überregionale touristische Radfernwege, wie der Radfernweg Thüringer Städtekette, der Ilmtal-Radweg, der Feininger-Radweg und der Laura-Radweg. In Weimar existieren an stark befahrenen Straßen angelegte Radwege und Fahrradstreifen. In Weimar soll seit 2022 eine erste Straße Fahrradstraße in der Schubertstraße entstehen. In einigen Gebieten der Stadt verkehren zur touristischen Nutzung Fahrradtaxis. Mehrere Anbieter von Mietfahrrädern und E-Scootern bieten im Innenstadtbereich eine Ausleihe an. Luftverkehr Seit dem 30. Juni 2011 führt der internationale Verkehrsflughafen bei Erfurt den Namen Flughafen Erfurt-Weimar. Vom Flughafen Erfurt-Weimar werden insbesondere Ferienflugverbindungen angeboten. Der Flugplatz Weimar-Umpferstedt kann von kleinen Flugzeugen und Helikoptern angeflogen werden und wurde u. a. von der Bundeskanzlerin genutzt. Der ehemalige Flugplatz Weimar-Lindenberg wurde am 8. Juni 1911 errichtet. Von ihm aus flog die Deutsche Luft-Reederei, einem historischen Vorgänger der Lufthansa, ab Februar 1919 einen regelmäßigen Luftpostdienst zwischen Weimar und Berlin. Weimar–Berlin war eine der ersten zivilen Fluglinien der Welt und die erste Deutschlands, die mit Flugzeugen betrieben wurde. 1936 wurde der Flugplatz auf dem Webicht geschlossen. Der ehemalige Flugplatz Weimar-Nohra bestand von 1917 bis 1992 und wurde von den kaiserlichen Luftstreitkräften, der Luftwaffe, den United States Army Air Forces und zuletzt von der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland militärisch genutzt. Bildung Schulen Gymnasien: „Friedrich Schiller“ / „Johann Wolfgang v. Goethe“ / „Humboldt“ / Musikgymnasium Schloss Belvedere Gemeinschaftsschule: Staatliche Gemeinschaftsschule Weimar / „Carl Zeiss“ Regelschulen: „Weimar-Schöndorf“ / „Parkschule Weimar“ / „Johann Heinrich Pestalozzi“ Grundschulen: „Johann Heinrich Pestalozzi“ / „Louis Fürnberg“ / „Johannes Falk“ / „Albert Schweitzer“ / „Parkschule“ / „Lucas Cranach“ / „Weimar-Schöndorf“ / „Legefeld“ Berufsschulen: SBBS für Wirtschaft, Verwaltung und Ernährung „Friedrich Justin Bertuch“ / Staatliches Berufsbildungszentrum Weimar – (Kompetenzzentrum für Gesundheit, Soziales und Technik), zu DDR-Zeiten u. a. die Medizinische Fachschule „Walter Krämer“ Schulen in freier Trägerschaft: Thuringia International School Weimar (ThIS) / Freie Waldorfschule Weimar / „Johannes Landenberger“ Schule (Förderschule für geistig Behinderte) Sonstige Schulen: Thüringenkolleg Weimar (2. Bildungsweg) / Musikschule „Ottmar Gerster“ / Herderschule (staatliches regionales Förderzentrum) / Volkshochschule Weimar / Bildungs- und Tagungsstätte Weimar, SGB II-Kompetenzzentrum der Bundesagentur für Arbeit Hochschulen Bauhaus-Universität Weimar (ehemalige Kunstakademie Weimar und nach 1945 Hochschule für Architektur und Bauwesen) mit derzeit etwa 4 700 Studenten in vier Fakultäten (Architektur, Bauingenieurwesen, Gestaltung und Medien). Die Tradition der Universität geht auf die Gründung im Jahr 1860 als Großherzoglich-Sächsische Kunstschule Weimar zurück. 1907 kam die von Henry van de Velde gegründete Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule hinzu. 1919 fusionierte Walter Gropius beide Schulen und gründete das Staatliche Bauhaus Weimar. Die historischen Gebäude sind seit 1996 Bestandteil der UNESCO-Welterbeliste. Hochschule für Musik Franz Liszt (mit dem darin integrierten und mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena kooperierenden Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena) mit derzeit etwa 850 Studenten und der zugehörigen Altenburg, dem langjährigen Wohnhaus von Franz Liszt. Gründungsrektor war Carl Müllerhartung. Literarische Gesellschaften Goethe-Gesellschaft (Weimar, 1885) Deutscher Schillerbund (Weimar, 1906) Deutsche Shakespeare-Gesellschaft (Weimar, 1864) Literarische Gesellschaft Thüringen (Weimar, 1991) Thüringer Literaturrat (Weimar, 2012) Personen Persönlichkeiten Erich Kranz (1929–1999), von 1977 bis 1994 Pfarrer der Jakobskirche, ist seit 1991 Ehrenbürger der Stadt Weimar. Am 3. Oktober 2009 wurde Bertrand Herz, Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora, Ehrenbürger von Weimar. Am 1. März 2021 wurde Günter Pappenheim, Buchenwald-Überlebender, Ehrenbürger von Weimar Weimarer, Weimaraner Die Einwohner Weimars werden als Weimarer bezeichnet. Johann Wolfgang von Goethe nannte sie Weimaraner. Weimaraner ist heute auch der Name einer Hunderasse, die im 19. Jahrhundert hier gezüchtet wurde. Adjektivisch oder adverbial werden sowohl Weimarer (dann meist in Bezug auf die Stadt), als auch Weimarische/-r/-s (dann meist in Bezug auf das Land Sachsen-Weimar/Sachsen-Weimar-Eisenach) gebraucht (z. B. Weimarer Bürgermeister, Weimarischer Staatsrat). Vimaria Die latinisierte Form des Stadtnamens von Weimar Vimaria ist außer einer Personifikation der Stadt Weimar auch Bezeichnung u. a. eines Sportvereines, eines Verlages, eines ehemaligen Zierbrunnens und (in der Schreibweise Wimaria) eines Stadions. Rezeption Landformen Der Weimar-Eishöcker ist ein Eishöcker in der Antarktis. Astronomische Körper Asteroid Nummer 3539, siehe (3539) Weimar Städte Weimar (Texas), Stadt in Texas, Vereinigten Staaten Neu Weimar, Ort in der Wolgadeutschen Republik, Russland, bis 1941, siehe Liste der deutschsprachigen Ortschaften in der Wolgarepublik Orte Hotel Weimar in Rotterdam (1903–1940) Tierrassen Der Weimaraner ist eine von der FCI anerkannte deutsche Hunderasse. In der Bettina-von-Arnim-Straße am Jägerhaus befindet sich eine für den 1897 gegründeten Verein zur Züchtung des Weimaraner Vorstehhundes eine Plakette in Bronze anlässlich seines 100-jährigem Bestehens aus dem Jahr 1997. Transportmittel Ein Airbus A321-131 der Lufthansa mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-AIRX wurde nach Weimar benannt. Am 17. Januar 2003 wurde ein Hochgeschwindigkeitszug der Baureihe 411 (ICE T) mit der Triebzugnummer 1127 mit den beschrifteten Wagen 411 027 und 411 527 nach Weimar benannt. ehemaliges Schiff und letzter Dampfer der Städteklasse mit dem Namen Weimar (1891–1918) ehemaliges Schiff der Universitäts-Klasse von der Reederei Hamburg-Amerika-Linie von 1956 bis 1972 unter dem Namen Weimar Cargo-Schiff mit dem Namen Stadt Weimar fährt unter der Flagge von Antigua and Barbuda Zahlungsmittel Beispiele: Briefmarken Beispiele: 10 Pfennig – 1000 Jahre Weimar, Weimar um 1650 (1975) 30 Pfennig – Goethe-Schiller Denkmal (1990) 1 Deutsche Mark – 1100 Jahre Weimar – 1999 Weimar Kulturhauptstadt Europas 1 Deutsche Mark – Goethe-Schiller Denkmal 5000 Franc Guinéen – Republik Guinea – Franz Liszt – Weimar – 2011 (Bild vom Schloss Belvedere) Replika Beispiele: Goethe-Gartenhaus-Kopie (Bad Sulza) Goethe-Schiller Denkmal in Anting, San Francisco, Milwaukee, Cleveland, und Syracuse. Literatur Alexandra Abel (Text), Stephan Ernst (Foto): Klassisch Modern Lebensstile in Weimar. Weimarer Verlagsgesellschaft, Weimar 2015, ISBN 978-3-7374-0212-5. Dorothee Ahrendt (Text), Roland Krawulsky (Foto): Weimarer Parks. Edition Leipzig, Leipzig 2013, ISBN 978-3-361-00684-3. Günther Beyer (Bilder) und Jens Riederer (Texte): Bilder der Zerstörung. Weimar 1945. Katalog zur Sonderausstellung im Stadtmuseum Weimar, Hrsg. vom Stadtmuseum, Weimar 2015, ISBN 978-3-910053-57-1. Andrea Dietrich, Jörg Sauerbier: Weimar. Ansichten und Einblicke. Leipzig 1996, ISBN 3-86189-082-8. Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Weimar 1998, ISBN 3-7400-0807-5. Jürgen Helfricht: Kleines Weimar-ABC. Husum Verlag, Husum 2008, ISBN 978-3-89876-387-5. Hannelore Henze, Ilse-Sibylle Stapff: Streifzüge durch das alte Weimar. Wartburg-Verlag, Weimar 2004, ISBN 3-86160-156-7. Paul Kahl: Die Weimarer Museen. Ein erinnerungskulturelles Handbuch. Sandstein, Dresden 2022, ISBN 978-3-95498-635-4. Rikola-Gunnar Lüttgenau (Hrsg.): Weimar im Nationalsozialismus. Ein Stadtführer. Förderverein Buchenwald, Weimar 2008, ISBN 978-3-938669-04-4. Peter Merseburger: Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht. dtv, 2013, ISBN 978-3-570-55208-7. Rainer Müller: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 4: Kulturdenkmale in Thüringen. Band 4.1: Stadt Weimar, Altstadt, Band 4.2: Stadt Weimar, Stadterweiterung und Ortsteile. E. Reinhold Verlag, Altenburg 2010, ISBN 978-3-937940-54-0. Angela Pfotenhauer, Elmar Lixenfeld: Weimar – Welterbe. MONUMENTE-Publikationen der DSD, Bonn 2006, ISBN 3-936942-65-X oder ISBN 3-936942-66-8. Angela Pfotenhauer, Elmar Lixenfeld: Weimar. Von Goethe zum Bauhaus. MONUMENTE-Publikationen der DSD, Bonn 2018, ISBN 978-3-86795-148-7. Heinrich Pleticha (Hrsg.): Das klassische Weimar. Texte und Zeugnisse. Köln 1983, ISBN 3-89836-517-4. Steffen Raßloff: Weimar. 55 Meilensteine der Geschichte. Erfurt 2022, ISBN 978-3-96303-371-1. Steffen Raßloff: Geschichte der Stadt Weimar. Erfurt 2018, ISBN 978-3-95400-891-9. Steffen Raßloff und Mark Schmidt (Hrsg.): Orte der Reformation – Weimar. Leipzig 2015, ISBN 978-3-374-04117-6. Georg Schmidt: Durch Schönheit zur Freiheit: Die Welt von Weimar-Jena um 1800. C. H. Beck, München 2022, ISBN 978-3-406-78556-6. Rolf Schneider: Weimar. Klassik und Moderne. be.bra verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86124-661-9. Alberto Schwarz: Weimar (= „Berühmte Kunststätten/Kunstgeschichtliche Städtebücher“). Leipzig 1993, ISBN 3-363-00582-2. Annette Seemann: Weimar – ein Reisebegleiter. Insel Verlag, 2004, ISBN 3-458-34766-6. Annette Seemann, Constantin Beyer: Weimar. Die bedeutendsten Bauten vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2014, ISBN 978-3-95462-193-4 (Bild-Text-Band). Annette Seemann: Weimar. Eine Kulturgeschichte. C. H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-63030-9. Justus H. Ulbricht: Klassikerstadt und Nationalsozialismus, Kultur und Politik in Weimar 1933 bis 1945. Weimar 2000, ISBN 3-931743-55-1. Rainer Wagner (Hrsg.): Weimar. Stadtansichten im Wandel. Kassel 1992, ISBN 3-87816-078-X. Weblinks Offizielle Websites Offizielle Website der Stadt Weimar Andere Websites Historischer Stadtrundgang bei Wimare.de Alt-Weimar in Ansichten von Georg Melchior Kraus Abbildung der Stadt 1581 in Civitates orbis terrarum von Georg Braun Das Weimar-Lied von Günter von Dreyfuß Historische und zeitgenössische Ansichten von Gebäuden Weimars Weimar: Kulturelles Angebot und geschichtlicher Hintergrund mit Fokus auf klassische Musik Einzelnachweise Kreisfreie Stadt in Thüringen Ehemalige Hauptstadt (Deutschland) Ehemalige deutsche Landeshauptstadt Ehemaliger Residenzort in Thüringen Deutsche Universitätsstadt Ehemalige Kreisstadt in Thüringen Ort an der Ilm (Saale) Stadt als Namensgeber für einen Asteroiden Ersterwähnung 899 Stadtrechtsverleihung 1410
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https://de.wikipedia.org/wiki/Vlog
Vlog
Ein Video-Blog, auch als VLog oder V-Log ( oder [viːlɒɡ]) bezeichnet, ist ein Blog (Weblog – Internet-Tagebuch) in Form von Videos. Es werden durch Webvideoproduzenten hierbei periodisch neue Videos veröffentlicht, die z. B. das Leben einer Person darstellen. Die Tätigkeitsform ist – analog dem Bloggen (englisch Blogging) – Vloggen (englisch Vlogging). Eine vloggende Person ist – analog dem Blogger bzw. Weblogger – ein Vlogger. Geschichte Der Begriff „Vlog“ ist ein Kofferwort aus „Video“ und „Blog“. Seit es grafische Browser gibt, wurden auch Videos im Internet verlinkt. Nicht nur die langsame Datenübertragung verhinderte eine schnellere Verbreitung dieser technischen Anwendungsmöglichkeit von HTML. Auf ein Bild kann zwar ein Link gelegt werden, jedoch ist die Inhaltsanalyse bis heute noch ungelöst (Konvertierung von Bild zu Text als Basis weiterer Verlinkungsmöglichkeit). Ein Vlog steht gegenüber einem Blog aber bereits vor dem zusätzlichen Aufwand, dass nicht nur Filme hergestellt werden müssen, sondern diese – um sie für Hyperlinks und insbesondere für Web-Feeds zugänglich zu machen – ergänzend auch textbasiert dokumentiert werden müssen. Steve Mann bezeichnete seine ersten Ergebnisse in diesem Umfeld als glogs (cyborg logs). Auch das Wort „Vog“ wird als Eigenbeschreibung benutzt. Durch die Verfügbarkeit von schnelleren Datenübertragungen werden aber auch immer mehr Blogs Videosequenzen aufnehmen und die Grenzen zwischen Blog und Vlog verwischen. In Analogie zu einem Blog sind die Beiträge in einem Vlog überwiegend eigene Werke des Vloggers, darin unterscheidet sich ein Vlog von einer Sammlung von Web-Videos. Geovlog Bei einem Geovlog werden einem Video noch zusätzlich geografische Daten wie Längen- und Breitengrad hinzugefügt. Mangels Unterstützung von Metainformationen in Videodateien geschieht dies durch spezielle Programmierung auf der Webseite, auf der das Video veröffentlicht wird. Zusätzlich können Geodaten in RSS-Feeds zu jeder Videopublikation hinzugefügt werden. Interpretationen Blogger und Vlogger nutzen massenmediale Ergebnisse, um aus ihnen individuelle oder themenspezifische Zusammenträge und Kommentierungen zu generieren. Dennoch finden Vlogs zunehmend Anerkennung als journalistisches Medium und werden u. a. auch schon bei Awards mit Hinsicht zur Förderung der Pressefreiheit bedacht, so z. B. The BOBs. Siehe auch Podcast Literatur Sherry Turkle: Leben im Netz: Identität in Zeiten des Internet. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 3-498-06517-3. Howard Rheingold: Smart Mobs: The Next Social Revolution. Basic Books, Cambridge, Mass. 2003, ISBN 0-7382-0861-2. Weblinks Einzelnachweise Bloggen Wikipedia:Artikel mit Video
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https://de.wikipedia.org/wiki/Kapuziner
Kapuziner
Die Kapuziner (OFMCap), eigentlich Orden der Minderen Brüder Kapuziner, , sind ein franziskanischer Bettelorden in der römisch-katholischen Kirche. Der Name des Ordens leitet sich von der markanten Kapuze des Franziskanerhabits ab. Er gehört zu den franziskanischen Orden und bildet heute – neben den Franziskanern (OFM) und den Minoriten (OFMConv) – einen der drei großen Zweige des ersten Ordens des hl. Franziskus. In der Vergangenheit zeichneten sich die Kapuziner einerseits durch eine besondere Liebe zur Stille und zum Gebet aus, andererseits durch die Nähe zum einfachen Volk und zu den Armen. Dies drückt sich in der heutigen Kapuzinergemeinschaft unter anderem durch ein aktives Engagement in der Sonder- und Randgruppenseelsorge und in sozial-pastoralen Projekten (Obdachlosenarbeit) aus. Geschichte Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gab es verschiedene Reformbestrebungen innerhalb der franziskanischen Orden. Es gab Brüder, die in großen Stadtkonventen fest in pastorale Aufgaben eingebunden waren (Konventualen), Brüder, die sich auf die ursprünglichen Ideale des hl. Franziskus besinnen wollten (Observanten), und viele Bewegungen zwischen diesen Lebensformen. Der Observant Mateo de Bascio verließ im Frühjahr 1525 sein Kloster in der Mark Ancona ohne die Erlaubnis seiner Vorgesetzten, um nach dem Vorbild des hl. Franziskus arm durch die Welt zu ziehen. Sein Ordensoberer ließ ihn daraufhin festnehmen und einsperren. De Bascio fand jedoch in der Herzogin von Camerino, Caterina Cybo, einer Nichte von Papst Clemens VII., eine Fürsprecherin und wurde daraufhin freigelassen. Im Herbst des gleichen Jahres schlossen sich ihm mit Ludovico Tenaglia und seinem Bruder Raffaele zwei andere Franziskaner an. Daraufhin versuchte der Provinzobere, Giovanni da Fano, die drei Brüder mit Waffengewalt zurückzuholen. Diese jedoch versteckten sich in den Bergen von Cingoli und dann bei den Kamaldulensern von Cupramontana. Von den eigenen Brüdern belagert, entkamen die Observanten schließlich verkleidet im weißen Habit ihrer Gastgeber. Daraufhin wurden sie im Frühjahr offiziell aus dem Orden ausgeschlossen. Durch die Fürsprache der einflussreichen Herzogin Caterina Cybo nahm der zuständige Bischof die Verfolgten in seine Obhut und gestattete ihnen, ihre Wanderpredigt fortzuführen. Im Jahre 1527 wütete im Herzogtum Camerino erneut die Pest. Der furchtlose Einsatz der drei Brüder für die Sterbenden veranlasste Katharina von Cybo zugunsten der Gruppe von ihrem Onkel, dem Papst, 1528 ein Schutzschreiben zu erwirken. Dieses gilt als Gründungsurkunde einer neuen Reformbewegung, wonach den Abtrünnigen das Tragen einer kastanienbraunen Kutte mit einer spitz zulaufenden Kapuze als Zeichen ihres radikalen Lebens nach dem Beispiel des Franz von Assisi gewährt wurde. Sie durften die Wanderpredigt ausüben, eigene Obere wählen und weitere Brüder in ihre Niederlassung aufnehmen. Wegen der Kapuze (italienisch il cappuccio) des Habits wurden die Reformer vom Volk Kapuziner genannt: Als sie in ihrer Anfangszeit Almosen sammelnd durch die Dörfer zogen, rannten die Kinder herbei und riefen „Cappucini, cappucini“ – „Die Kapuzen kommen!“ Diese Bezeichnung wurde ab 1535 auch offiziell in päpstlichen Dokumenten verwendet. Der neuen Bewegung folgten bald Dutzende und Hunderte reformwilliger Brüder in ganz Italien. Im Jahr 1534 schloss sich ihnen auch jener Giovanni Pili da Fano an, der die ersten Brüder als Provinzoberer mit Waffengewalt verfolgt hatte. Die „Minderbrüder vom eremitischen Leben“, wie die Kapuziner vollständig hießen, legten besonderen Wert auf die Predigt und das Leben in kleinen Einsiedeleien, etwas abseits der Städte und Dörfer. Sie waren volksverbunden und setzten sich anfänglich besonders in der Pflege der Pestkranken ein, wodurch sie schnell einen großen Rückhalt beim Volk gewannen. Heute gibt es weltweit etwa 11.000 Kapuziner, die nach der Regel des hl. Franziskus leben. Ihr besonderes Charisma sehen die Kapuziner in der Betonung des beschaulichen Gebets gepaart mit der Hinwendung zu den Menschen, insbesondere Armen, Schwachen und Kranken. Heute sieht die Gemeinschaft der Kapuziner die wahre Solidarität in dem Beispiel der Entäußerung Christi, wie sie im Christushymnus gezeichnet wird. Organisation Der Kapuzinerorden ist in Provinzen aufgeteilt. Die höchste Instanz ist das Generalkapitel, das sich aus Vertretern aller Provinzen zusammensetzt. Geleitet wird der Orden von der Generalkurie in Rom, an deren Spitze der vom Generalkapitel gewählte Generalminister steht. Der Generalminister wird unterstützt durch die ebenfalls vom Generalkapitel gewählten Generaldefinitoren, die jeweils für eines von acht Gebieten zuständig sind. Da es bei den Kapuzinern nur Brüder gibt, werden auch die obersten Verantwortlichen mit Bruder angeredet und haben keinen besonderen Titel. Generalminister des Ordens ist seit 2018 der Italiener Roberto Genuin, als Nachfolger des Schweizers Mauro Jöhri (Generalminister von 2006 bis 2018). Kapuzinerprovinzen im deutschsprachigen Raum Deutschland Am 25. Mai 2010 wurden im oberschwäbischen Kloster Reute bei Ravensburg durch den Generalminister des Kapuzinerordens Mauro Jöhri die Rheinisch-Westfälische Ordensprovinz und die Bayerische Ordensprovinz zu einer gemeinsamen Deutschen Kapuzinerprovinz mit Sitz in München vereinigt. Erster Provinzialminister wurde Christophorus Goedereis. Zur deutschen Kapuzinerprovinz gehören 112 Kapuziner (Stand: 2020). Vorläufer der Deutschen Kapuzinerprovinz waren die Rheinisch-Westfälische Ordensprovinz mit Provinzialat in Frankfurt am Main (bis 15. Juni 2007 im Kapuzinerkloster Koblenz), etwa 100 Brüdern und dem Provinzial Bruder Christophorus Goedereis, die Bayerische Ordensprovinz mit Provinzialat in München, etwa 80 Brüdern und dem Provinzial Bruder Josef Mittermaier. 2020 wurde die niederländische Ordensprovinz in die deutsche Kapuzinerprovinz eingegliedert. Die Deutsche Kapuzinerprovinz umfasst elf Niederlassungen, darunter das Kapuzinerkloster Altötting, das Kapuzinerkloster Liebfrauen in Frankfurt am Main und eine Niederlassung in Münster, wo die Deutsche Kapuzinerprovinz die Philosophisch-Theologische Hochschule Münster unterhält. Bis zum 19. Oktober 2014 bestand auch ein Kloster an der Wallfahrtskirche Käppele in Würzburg. Österreich-Südtirol In Österreich und Südtirol hat der Kapuzinerorden ca. 115 Mitglieder, die in 17 Niederlassungen zusammenleben. Die Provinzleitung hat ihren Sitz im Kloster Innsbruck. Von 2011 bis 2022 bestand die Provinz Österreich-Südtirol mit Sitz im Kapuzinerkloster Innsbruck. 2007 waren die damaligen Provinzen Wien und Nordtirol zur Provinz Österreich zusammengeschlossen, worden, vier Jahre später erfolgte durch die Vereinigung mit der Provinz Brixen die Gründung der Provinz Österreich-Südtirol. Am 16. November 2022 wurde die Provinz Österreich-Südtirol durch Generalminister Roberto Genuin auf benachbarte Kapuzinerprovinzen aufgeteilt und besteht seitdem nicht mehr. Dies wurde begründet mit der sinkenden Zahl an Mitgliedern und der wirtschaftlichen Situation des Ordens. Durch Zusammenfassung von Leitungsdiensten und organisatorischen Aufgaben sollten Kräfte für den religiösen und sozialen Auftrag des Ordens, die Präsenz des Ordens in Österreich und Südtirol soll dadurch gesichert werden. Das Kapuzinerkloster Feldkirch, das Kapuzinerkloster Innsbruck, das Kapuzinerkloster Irdning und das Kapuzinerkloster Salzburg bilden die Delegation Tirol und sind als solche der Deutschen Kapuzinerprovinz rechtlich zugeordnet. Das Kapuzinerkloster Klagenfurt, das Kloster Leibnitz, die Klöster Wien und Wiener Neustadt bilden die Delegation Wien und sind der Kapuzinerprovinz Krakau (Polen) zugeordnet. Die Südtiroler Klöster Bozen, Brixen, Bruneck, Meran und Neumarkt wurden an die Provinz Venetien (Italien) angegliedert. Im Kapuzinerkloster Salzburg befand sich seit 1998 das gemeinsame Noviziat für den gesamten deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus bieten die Kapuziner in Salzburg die sogenannten „Salzburger Vater-Unser-Wochen“ an, in denen Menschen geistliche Impulse mit Besichtigung der Stadt und Mitleben im Kloster verbinden können. Ein Angebot speziell für am Ordensleben interessierte Männer ist die „Klosterwoche“ im Kapuzinerkloster Salzburg. Im Kapuzinerkloster Wien befindet sich auch die für die Österreichische Geschichte bedeutsame Kapuzinergruft. Das slw – Soziale Dienste der Kapuziner ist in Tirol, Vorarlberg und Wien angesiedelt. Nicht zu vergessen sind die Klöster, die Reliquien von Kapuzinern hüten, des hl. Fidelis in Feldkirch, des seligen Markus von Aviano in Wien und des seligen Thomas von Olera in Innsbruck. Schweiz Hauptaufgaben der Brüder der Schweizer Provinz sind die Seelsorge und die Mission. Mit dem Kapuzinerkloster Altdorf im Kanton Uri entstand 1581 das erste Kapuzinerkloster nördlich der Alpen. Nach und nach verbreitete sich der Orden in allen katholischen Gebieten der Schweiz. 1920 übernahmen die Schweizer Kapuziner Missionsgebiete in Tansania. Weitere Einsätze im Aufbau junger Kirchen folgten in Südamerika, Asien und Ozeanien. Heute sind Schweizer Kapuziner in Indonesien, Tansania, Tschad und auf der arabischen Halbinsel tätig. Seit 2004 war der Schweizer Kapuziner Paul Hinder apostolischer Vikar in Arabien, zunächst für ganz Arabien, von 2011 bis 2020 für das südliche Arabien, nach dem Tod von Camillo Ballin auch wieder für das nördliche Arabien. 2022 trat Paul Hinder als apostolischer Vikar des Südlichen Arabien zurück. Schweizer Kapuziner gründeten die Schwesterngemeinschaften von Menzingen und Ingenbohl. Seit Jahren kämpft der Orden allerdings mit Nachwuchsschwierigkeiten. So sank der Mitgliederbestand von über 700 unter 200, und mehrere Niederlassungen mussten geschlossen werden. Als Mittel gegen die Nachwuchsschwierigkeiten setzt die Ordensprovinz auf modernisierte Klostermodelle wie das „offene Kloster“ in Rapperswil. Seit 2010 gibt es die Möglichkeit, „Bruder auf Zeit“ zu werden. Bei diesem Modell muss sich der Bruder nach spätestens sechs Jahren für ein Leben im Kloster oder im zivilen Leben entscheiden. Zu Beginn des Jahres 2018 bestanden noch elf Klöster oder Gemeinschaften mit rund 100 Brüdern. Das Durchschnittsalter der Ordensbrüder betrug mittlerweile 74 Jahre. Klöster Bedeutende Kapuziner Bernardino Ochino (1487–1564), reformatorischer Theologe, Generalvikar des Ordens 1538–1542 Felix von Cantalice (1515–1587), Heiliger Josef von Leonessa (1556–1612), Heiliger Laurentius von Brindisi (1559–1619), Heiliger, Generalminister, Autor, Geheimdiplomat Henri de Joyeuse (1563–1608), Marschall von Frankreich Père Joseph (1577–1638), Berater des Kardinals Richelieu Fidelis von Sigmaringen (1578–1622), Heiliger und Erstlingsmärtyrer des Kapuzinerordens Stanislaus Saurbeck (1595–1647), Prediger und Missionar, „Elias seiner Zeit“ Marco d’Aviano (1631–1699), Seliger, Päpstlicher Legat bei der Belagerung von Wien Ambrosius von Oelde (etwa 1630/1640–1705) Kapuziner und Architekt Martin von Cochem (1634–1712), Prediger, Volksschriftsteller und Erfolgsautor Sigismund von Ferrara (1681–1753), 41. Generalminister des Ordens 1747–1753 Paul von Colindres (1696–1766), Kirchenrechtler, 43. Generalminister des Ordens 1761–1766 Ludovico Micara (1775–1847), Kurienkardinal, 50. Generalminister des Ordens 1824-1830 Joachim Haspinger (1776–1858), Tiroler Freiheitskämpfer und Weggefährte von Andreas Hofer Konrad von Parzham (1818–1894), Heiliger Ignazio Persico (1823–1896), Kardinal Bernhard Christen von Andermatt (1837–1909), 58. Generalminister des Ordens 1884–1908 Cyprian Fröhlich (1853–1931), Mitgründer des Deutschen Caritasverbands Félix José de Augusta (1860–1935), Chirurg, Missionar und Sprachwissenschaftler Anicet Koplin (1875–1941), Märtyrer, Seliger Thomas Saleh (1879–1917), Märtyrer während des Völkermords an den Armeniern Léonard Melki (1881–1915), Märtyrer während des Völkermords an den Armeniern Franz Goebel (1881–1973), Autor, Spiritual und Theologe Guregh Hovhannes Zohrabian (1881‒1972), Weihbischof in Kilikien, „Ehrwürdiger Diener Gottes“ Ingbert Naab (1885–1935), Widerstandskämpfer gegen die Ideologie des Nationalsozialismus Heribert Jone (1885–1967), Kapuziner, Moraltheologe und Kirchenrechtler Pater Pio (Francesco Forgione) (1887–1968), Heiliger Sebastian Englert (1888‒1969), Missionar auf der Osterinsel und Sprachforscher Edgar Aristide Maranta (1897–1975), Erzbischof von Daressalam Heinrich Suso Braun (1904–1977), Philosoph und Theologe Manfred Hörhammer (1905–1985), Mitbegründer von Pax Christi Mariano da Torino (1906–1972), italienischer Fernsehprediger Abbé Pierre (Henri Grouès) (1912–2007, Kapuziner von 1932 bis 1940), Mitglied der Résistance und Gründer der Emmaus-Bewegung zur Armutsbekämpfung Walbert Bühlmann (1916–2007), Schweizer Theologe Raniero Cantalamessa (* 1934), italienischer Theologe, Prediger des päpstlichen Hauses, Kardinal Amandus Hasselbach (1935–2012), Kapuzinerpater und Pionier in der Arbeit mit Gehörlosen Herman van de Spijker (* 1936) Pastoralethiker Ruggero Franceschini (* 1939), emeritierter Erzbischof von Izmir Wilhelm Egger (1940–2008), Professor für Neues Testament, Bischof von Bozen-Brixen Seán Patrick Kardinal O’Malley (* 1944), Erzbischof von Boston Cesare Bonizzi (* 1946), Sänger der Metal-Band Fratello Metallo Luigi Padovese (1947–2010), Bischof, Apostolischer Vikar von Anatolien Paulus Terwitte (* 1959), Vorsitzender des Katholischen Pressebundes Tagesablauf (Beispiel) 06:30 Uhr – Betchor (Laudes, stilles Gebet) 07:00 Uhr – Frühstück, dann Zeit für sich selbst 08:00 Uhr – Meditation, Studium, Lesen 09:00 Uhr – Eucharistiefeier mit der Gemeinde 09:30 Uhr – Arbeit (Seelsorge, Haus, Küche, Garten, je nach Vereinbarung) 12:00 Uhr – Mittagessen, dann Mittagsruhe 14:30 Uhr – Arbeit, auch Zeit für sich selbst, je nach Vereinbarung 18:00 Uhr – Chor (Vesper, Meditation, Komplet) 19:00 Uhr – Abendessen, dann Zeit für sich selbst 20:30 Uhr – Rekreation („Wieder-Erschaffung“, gemeinsame Erholung) 21:00 Uhr – persönliches Nachtgebet, Nachtruhe Der Freitag wird als Tag der Stille begangen, als so genannter „Wüstentag“. Ein Tag pro Woche ist frei für Erholung, Hobby etc. Siehe auch Kapuzinerinnen (dritter Orden) Kapuzinerinnen von der Ewigen Anbetung Liste von Kapuzinerklöstern Liste von Kapuzinerklöstern in Mittel- und Südeuropa Liste bedeutender Franziskaner Liste der Generalvikare und Generalminister Franziskaner der Erneuerung Philosophisch-Theologische Hochschule Münster Literatur Niklaus Kuster (Hrsg.): Von Wanderbrüdern, Einsiedlern und Volkspredigern. Leben und Wirken der Kapuziner im Zeitalter der Reformation. Quellen zur Entstehung der franziskanischen Reform und zu ihrer frühen Entfaltung im deutschen Sprachraum. Butzon und Bercker, Kevelaer 2003, ISBN 3-7666-2084-3. Inspirierte Freiheit. 800 Jahre Franziskus und seine Bewegung. Hrsg. von Niklaus Kuster, Thomas Dienberg und Marianne Jungbluth in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Franziskanische Forschung FFF. Herder, Freiburg 2009, ISBN 978-3-451-31053-9. Lázaro Iriarte: Der Franziskusorden. Handbuch der franziskanischen Ordensgeschichte. Altötting 1984. Lexicon capuccinum. Promptuarium historico-bibliographicum Ordinis Fratrum Minorum Capuccinorum (1525–1950). Romae 1951. Edilbert Lindner: Die Heiligen des Kapuzinerordens. Altötting 1982. Jakob Moskopp: Germania. Eine Übersichtskarte der Kapuzinerprovinzen im deutschsprachigen Raum 1712 (1723). Besonders hervorgehoben „Magonza“. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 40 (1988), S. 129–137. Walther Hümmerich: Anfänge des kapuzinischen Klosterbaues. Untersuchungen zur Kapuzinerarchitektur in den rheinischen Ordensprovinzen. Mainz 1987. Maximilian Pöckl: Die Kapuziner in Bayern von ihrem Entstehen an bis auf die gegenwärtige Zeit. Seidel, Sulzbach 1826 (Digitalisat). Hillard von Thiessen: Die Kapuziner zwischen Konfessionalisierung und Alltagskultur. Vergleichende Fallstudie am Beispiel Freiburgs und Hildesheims, 1599–1750. Rombach, Freiburg im Breisgau 2002. Helvetia Sacra V. Der Franziskusorden. Bearb. von Klemens Arnold [u. a.], redigiert von Albert Bruckner und Brigitte Degler-Spengler. Bd. 2: Die Kapuziner und Kapuzinerinnen in der Schweiz. Bern 1974. Christian Schweizer: Kapuziner. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Bd. 7, Basel 2008, 94–96. Catalog der Bibliothek der Capuziner zu Düsseldorf u. desfallsige Weisung. Manuskript, Düsseldorf 1805 (). Weblinks Gemeinsame Website der deutschsprachigen Kapuzinerprovinzen Einzelnachweise Bettelorden Franziskanische Ordensgemeinschaft Gegründet 1520 Römisch-katholische Ordensgemeinschaft
Q124862
92.248867
75245
https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4ozoikum
Paläozoikum
Das Paläozoikum, auch Erdaltertum oder Erdaltzeit, ist die älteste der drei Ären, in die das Äon Phanerozoikum in der geologischen Zeitskala untergliedert wird. Es umfasst den Zeitraum von ca. Millionen Jahre bis ca. Millionen Jahre vor heute. Auf das Paläozoikum folgte das Mesozoikum (Erdmittelalter). Geschichte und Namensgebung Bereits 1838 wurde von Adam Sedgwick der Begriff in seiner englischen Entsprechung als palæozoic series zur Gliederung der geschichteten Gesteine im Liegenden des „Old Red“ in England eingeführt. Nach seiner Definition umfasste das Paläozoikum lediglich das Unter- und Oberkambrium sowie das Silur. Roderick Impey Murchison gelang es gemeinsam mit Alexander Graf Keyserling und Édouard de Verneuil nach einer Reise durch Russland nachzuweisen, dass das Paläozoikum auch das Perm mit einschließt. Sie legten damit die noch heute gebräuchliche Klassifikation fest. Einteilung des Paläozoikums Stellung des Paläozoikums im Phanerozoikum: Äon: Phanerozoikum (– mya) Ära: Känozoikum (Erdneuzeit) (– mya) Ära: Mesozoikum (Erdmittelalter) (– mya) Ära: Paläozoikum (Erdaltertum) (– mya) System: Perm (– mya) System: Karbon (– mya) System: Devon (– mya) System: Silur (– mya) System: Ordovizium (– mya) System: Kambrium (– mya) Die Perioden Perm, Karbon und Devon werden informell unter der Bezeichnung Jungpaläozoikum zusammengefasst, während die Perioden Silur, Ordovizium und Kambrium zusammen als Altpaläozoikum bezeichnet werden. Vor dem Kambrium liegt das so genannte Präkambrium. Es umfasst die Äonen ab der Entstehung der Erde ca. mya bis zum Beginn des Phanerozoikums, d. h. 90 % der Erdgeschichte. Dies sind das Proterozoikum (– mya), das Archaikum (– mya) und das Hadaikum. (– mya). Leben im Paläozoikum Das früheste Paläozoikum ist gekennzeichnet durch das Auftreten der sogenannten Small-Shelly-Fauna im unteren Kambrium. Diese oft nur wenige Millimeter großen hartschaligen Organismen bildeten sehr unterschiedliche Formen aus und wurden weltweit nachgewiesen. Im Zuge der Kambrischen Explosion entwickelten sich fast alle auch heute noch existierenden Stämme des Tierreichs. Das Leben beschränkte sich anfangs auf die Ozeane. Erste Riff-Bildner waren die schon aus dem Präkambrium bekannten Algen­bildungen (Stromatolithen). Doch schon während des mittleren Ordoviziums entstanden größere, komplexere Riffe. Am Ende des Ordoviziums kam es auf dem Höhepunkt der oberordovizischen Vereisung zu einem Massenaussterben. Aus dem Silur ist eine vielgestaltige marine Riffgemeinschaft bekannt (Stromatoporen, Korallen, Bryozoen). Überreste erster silurischer Landpflanzen (Psilophyta) sind überliefert, wobei die Besiedelung der Kontinente durch moosartige Pflanzen (Bryophyten) und frühe Pilzformen wahrscheinlich bereits im Mittleren Kambrium begann und sich im Ordovizium verstärkt fortsetzte. Während des Devons entwickelten sich die Riffgemeinschaften weiter. In Deutschland, das damals in der tropischen Klimazone nahe dem Äquator lag, sind vor allem die Kalkmulden der Eifel und des Sauerlandes ein Beispiel dafür. Aus oberdevonischen Schichten geht hervor, dass das Leben schon das Land erobert hatte: Es sind die ersten Amphibien überliefert, die zumindest teilweise an Land lebten. Im Oberdevon kam es mit dem Kellwasser- und dem Hangenberg-Ereignis zu zwei großen Massenaussterben, denen bis zu 75 Prozent der ozeanischen Lebensformen zum Opfer fielen. Im Karbon waren die Kontinente bereits von einer vielfältigen Fauna bevölkert und hauptsächlich im Bereich des Äquators und an den Küstenregionen großflächig von den Wäldern bewachsen, deren Fossilien heute in den Steinkohlenflözen zu finden sind. Vor allem Arthropoden verzeichneten in der sauerstoffreichen Atmosphäre des Karbons ein später nicht mehr erreichtes Größenwachstum, so zum Beispiel die Riesenlibelle Meganeura oder Gliederfüßer wie Arthropleura, die im feucht-warmen Klima ausgedehnter Sumpflandschaften lebten. Über große Teile des Karbons und etwa bis zum Mittleren Perm herrschten besonders in der südlichen Hemisphäre die Kaltzeitbedingungen des Permokarbonen Eiszeitalters, mit einer Dauer von 80 bis 100 Millionen Jahren das zweitlängste Eiszeitalter der Erdgeschichte. Anfangs waren nur die in Polarnähe liegenden Festlandsbereiche des Großkontinents Gondwana von großen Eisschilden bedeckt, ehe die Gletscher zeitweise bis zum 40. südlichen Breitengrad vorrückten. Das geographische Verbreitungsgebiet vieler tropischer mariner Arten war auf die Tethys beschränkt, ein golfartiges Meer, das von Osten in den Superkontinent Pangaea hineinragte, der sich vor etwa 310 Millionen Jahren durch den Zusammenschluss der Landmassen von Gondwana und Laurussia gebildet hatte. Nachdem gegen Ende des Karbons die Waldlandschaften während verschiedener Glazialphasen mehrmals an Fläche einbüßten, erfolgte vor 305 Millionen Jahren aufgrund des zunehmend ariden Klimas der weitgehende Zusammenbruch der tropischen Regenwälder und eine damit verknüpfte Reduzierung der Feucht- und Sumpfgebiete. Vom Verlust dieser Biotope besonders betroffen waren Gliederfüßer, ein Großteil der damaligen Amphibien und frühe Reptilien mit semiaquatischer Lebensweise. Durch die Fragmentierung der Lebensräume ging die Biodiversität der Landwirbeltiere an der Karbon-Perm-Grenze deutlich zurück und blieb im frühen Perm zunächst niedrig, ehe im weiteren Verlauf die Artenvielfalt allmählich wieder zunahm. Die größten landbewohnenden Tiere im Perm waren die Therapsiden, die „säugetierähnlichen Reptilien“. Am Ende des Paläozoikums, an der Perm-Trias-Grenze, ereignete sich das größte Massenaussterben der Erdgeschichte, in dessen Verlauf über 90 Prozent der marinen Arten und rund 75 Prozent der an Land lebenden Arten ausstarben. Die Dauer der biologischen und ökologischen Krise wurde in der älteren wissenschaftlichen Literatur mit mehreren hunderttausend Jahren angegeben, laut einer 2014 publizierten Analyse reduziert sich dieses Zeitfenster auf zwei Kernbereiche von jeweils 60.000 Jahren (± 48.000 Jahre). Hingegen kommt eine 2018 veröffentlichte Studie zu dem Ergebnis, dass die unmittelbare Krisenzeit maximal 30.000 Jahre umfasste, möglicherweise beschränkt auf wenige Jahrtausende. Die Goniatiten, Vorläufer der später im Mesozoikum erfolgreichen Ammoniten, entgingen nur knapp der Auslöschung. Lediglich zwei oder drei Arten überlebten den Übergang vom Perm in die nachfolgende Trias. Die seit dem Kambrium weit verbreiteten Trilobiten starben zusammen mit vielen weiteren Arten vollständig aus. Geologische Befunde und Isotopenanalysen sprechen für eine sehr rasch verlaufende Klimaerwärmung mit zahlreichen Folgewirkungen als mögliche Ursache des Massenaussterbens. Literatur Steven M. Stanley: Wendemarken des Lebens. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1998, ISBN 3-8274-0475-4. Weblinks Das paleomap-project auf http://www.scotese.com/ bietet plattentektonische Rekonstruktionen der Kontinentanordnung im Paläozoikum: Kambrium: http://www.scotese.com/newpage12.htm Ordovizium: http://www.scotese.com/newpage1.htm Silur: http://www.scotese.com/newpage2.htm Devon: http://www.scotese.com/newpage3.htm Karbon: http://www.scotese.com/late.htm Perm: http://www.scotese.com/newpage5.htm Einzelnachweise
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https://de.wikipedia.org/wiki/Amateur
Amateur
Ein Amateur (französisch, von lateinisch amator ‚Liebhaber‘) ist eine Person, die – im Gegensatz zum Profi – eine Tätigkeit aus Liebhaberei ausübt, ohne einen Beruf daraus zu machen bzw. Geld für ihre Leistung zu erhalten. Ein Amateur ist ein Laie (griech. λαός laós ‚Volk‘ über λαϊκός laikós ‚zum Volk gehörig‘ und kirchenlateinisch laicus der ‚(kirchliche) Laie‘) und für seine Tätigkeit nicht formal ausgebildet, im Unterschied zur Fachkraft („der im Fachgebiet ausgebildeten“). Der Begriff sagt wenig über die Sachkenntnis von Amateuren aus, die durchaus professionelles Niveau haben kann. Dagegen wird der Begriff „amateurhaft“ abwertend im Sinne von „nicht auf professionellem Niveau“ gebraucht. Aus diesem Grund wird zur Beschreibung einer zwar als Amateur ausgeübten, aber dennoch als professionell anzusehenden Leistung häufig der Begriff der „Semi-Professionalität“ verwendet. Kommunikation Die Entwicklung von Basisfähigkeiten der Kommunikation ist eine grundlegende Anforderung für jeden Menschen im Rahmen seiner persönlichen Entwicklung. Da sich nur wenige Menschen beruflich eingehend mit der Professionalisierung ihrer Kommunikationskompetenzen befassen, bleiben sie meist Kommunikationslaien – im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation, der Experten-Laien-Kommunikation oder der öffentlichen Kommunikation. In letzterem Bereich ist es für Kommunikationslaien beispielsweise charakteristisch, dass sie die Systeme der Alltagspublizistik wie Public Relations, Propaganda, Werbung oder Journalismus nicht unterscheiden. Da das Publizistiksystem des Journalismus andere, konkurrierende Systeme der Alltagspublizistik, wie etwa Public Relations, unscharf und vielfach negativ darstellt, spiegelt sich dies in der öffentlichen Meinung wider. Musik Als Amateurmusik werden Musikaufführungen durch musikalische Laien verstanden, die, oft auf Grundlage von Ansätzen einer Instrumentenausbildung, vor einem Publikum vorgebracht werden, das sich des Amateurstatus der Aufführung bewusst ist. Der Erlebniswert scheint dem ästhetischen Wert meist vorgeordnet. Abgrenzungen können zu den Begriffen Gebrauchsmusik, Angewandte Musik, Umgangsmusik, Laienmusik, kommerzielle Musik, Muzak, zum Beispiel Funktionale Musik, ausgemacht werden. Die öffentliche Aufführung GEMA-pflichtiger Musik ist dort meldepflichtig und gibt zu Lizenzgebühren Anlass, ganz gleich, ob es sich um Aufführungen durch Amateure oder um Aufführungen durch Berufsmusiker handelt. Für Amateurmusik in Deutschland gibt es Förderrichtlinien, die sich an den Tätigkeiten entsprechender Vereine orientieren. Sport Allgemeines Im Sport ist die Bezeichnung Amateur für Außenstehende häufig unscharf und bietet daher manchmal Anlass für Kritik. Erst mit der Einführung der Olympischen Spiele 1894 wurde der Versuch einer internationalen Vereinheitlichung vorgenommen. Dies war jedoch zum Scheitern verurteilt, da der Wunsch der Staaten möglichst viele Medaillen zu gewinnen, zu merkwürdigen Hilfskonstruktionen führte. Der Amateurstatus war lange Zeit Voraussetzung für die Teilnahme an Olympischen Spielen. Auch bestimmte namhafte Tennisturniere wie etwa die Wimbledon Championships waren zunächst nur für Amateure zugelassen. Die Gründung von Spartenverbänden und Vereinen wie dem Verband Deutscher Tennislehrer (VDT) im Jahre 1911 führten zur Professionalisierung. In vielen Sportarten ist die offizielle Trennung in Profis und Amateure nicht immer klar, oftmals kommt es zu Konflikten – insbesondere hinsichtlich der Zulassung zu Wettkämpfen. Erfolgreiche Amateure versuchen als Sportlehrer ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wobei die Spanne zwischen Freiberuflern und fest Angestellten sehr groß ist. In den meisten Fußballmeisterschaften wird zwischen Vertragsamateuren und Vertragsprofis unterschieden. Die Grenze geht nach Gehalt, ein Vertragsamateur hat entweder kein Gehalt oder eines, welches für den Lebensunterhalt zu niedrig ist. Fußball Im deutschen Fußballsport wurden die zweiten Mannschaften der Vertrags- oder Lizenzvereine (bei den Männern) bis 2005 als „Amateure“ deklariert, obwohl viele Spieler längst ihren Lebensunterhalt oder einen Teil desselben durch den Sport finanzierten. In den Zeiten des Kalten Krieges führte der Amateur-Begriff in den sozialistischen Staaten zu Kritik im Westen (siehe auch: Staatsamateur). In Deutschland gibt es im Fußball nach wie vor drei Kategorien: Lizenz- und Vertragsspieler sowie Amateure. Die frühere Regel, nach der Lizenz- und Vertragsspieler ausschließlich in „ihren“ Ligen, jedoch nicht in unterklassigen (Amateur-)Mannschaften eingesetzt werden durften, ist in der DFB-Spielordnung prinzipiell, d. h. mit gewissen Einschränkungen für die unteren Mannschaften der Proficlubs, aufgehoben. Umgekehrt gibt es eine Beschränkung für die Zahl der (Vertrags-)Amateure, die in einem Meisterschaftsspiel der Profis eingesetzt werden dürfen. Nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 23. Oktober 1992 können auch Amateurspieler als Arbeitnehmer eines Fußballvereins eingestuft werden. Geschieht dies, hat das zur Folge, dass ein betroffener Spieler die vom Verein gezahlten Gelder als Arbeitslohn nach Abs. 1 EStG versteuern müssen. Ob ein Amateurspieler als Arbeitnehmer einzustufen ist, ist im Einzelfall nach dem Gesamtbild der Umstände zu ermitteln. Für eine Einstufung als Arbeitnehmer spricht, dass „ein Sportler im Zusammenhang mit seiner Betätigung Zahlungen erhält, die nicht nur ganz unwesentlich höher sind als die ihm hierbei entstandenen Aufwendungen. Dann ist nämlich der Schluß gerechtfertigt, daß der Sport nicht mehr aus reiner Liebhaberei, sondern auch um des Entgelts willen betrieben wird“. Übersteigen also die Bezüge die tatsächlichen Aufwendungen (im Wesentlichen Reisekosten und Sportbekleidung inkl. Fußballschuhe), so spricht dies für ein Bestehen der Arbeitnehmereigenschaft. Ein weiteres Kriterium für diese ist die Weisungsgebundenheit: Ergeben sich aus der Vereinbarung zwischen dem Verein und dem Spieler Pflichten, wie z. B. die Pflicht zur Teilnahme an Spielen und am Training nach Weisungen des Vereins, so spricht dies ebenfalls für die Eigenschaft als Arbeitnehmer. Schließlich ist für diese Gesamtabwägung auch zu berücksichtigen, ob dem Spieler – wie bei Arbeitnehmern üblich – eine Lohnfortzahlung auch im Falle einer Krankheit (bzw. einer Verletzung) geleistet wird. Eine solche Entgeltfortzahlung liegt beispielsweise vor, wenn dem Spieler eine monatliche Grundvergütung und nicht nur eine „Auflaufprämie“ gezahlt wird. Weitere Sportarten Im Tennis zeichneten sich bereits sehr früh Tendenzen zur Trennung zwischen Amateur- und Profisport ab. 1920 führte der internationale Tennisverband ILTF eine Regelung ein: Die Spieler konnten von nun an lediglich Ersatz für Reisekosten und Spesen bei Turnieren geltend machen und das zunächst auch nur für acht Wochen eines Jahres. Während im Radsport die zuvor strikte Unterscheidung zwischen Amateuren und Profis in den 1990er-Jahren durch die Einführung der Einheitslizenz abgeschafft wurde, dauert diese Differenzierung in den nichtolympischen Sportarten Golf und Tanzen an. Im Boxsport kann man bei dem olympischen Amateurboxen und dem Profiboxen aufgrund der stark abweichenden Wettkampfregeln und der vollständig getrennten Verbandsstruktur durchaus von unterschiedlichen Sportarten sprechen. Die auffälligsten Unterschiede gibt es heute noch in den USA, wo es College-Sportlerinnen und -Sportlern verboten ist, aus dem Sport Nebeneinnahmen zu ziehen, wenn sie an Wettkämpfen der Hochschule teilnehmen wollen. Da sie hier von den z. T. sehr hohen Studiengebühren befreit sind und durch ein Stipendium Vollpension bekommen, kommt es hier zu einer Quersubvention der Sportarten mit wenigen Zuschauern durch die Zuschauersportarten. Da der College-Sport der Einstieg in eine lukrative Profikarriere sein kann, ist das Prinzip des College-Amateurs zwar umstritten, aber bisher (2013) hat es allen gerichtlichen Überprüfungen standgehalten. Theater Auch im Bereich des Theaters und der Kleinkunst spielen engagierte Amateure eine bedeutende Rolle. Im Gegensatz zum Laientheater (Beispiel: Ein Fußballverein inszeniert ein Weihnachtsspiel) gibt es im Amateurtheater durchaus Akteure, die über fundierte Ausbildungen verfügen, ihre Tätigkeit aber nicht professionell ausüben. Gerade in diesem Bereich werden jedoch oft Laien- mit Amateurbühnen vermischt bzw. verwechselt. Astronomie Amateurastronomen können große Anerkennung erfahren. Funk Im Bereich des Amateurfunkdienstes gilt, dass sich dessen Teilnehmer selbst eher als Funkamateure denn als Amateurfunker bezeichnen, um der erwähnten Abwertung durch den Begriff Amateur entgegenzutreten. Ersteres ist gleichzeitig der Begriff, den das deutsche Amateurfunkgesetz definiert. Auch Funkamateure tragen zur wissenschaftlichen Entwicklung, insbesondere im Bereich der Funktechnik bei. Viele von ihnen beschäftigen sich neben einer beruflichen Tätigkeit im Bereich der Funk- und Elektrotechnik zusätzlich mit Amateurfunk oder sind über dieses Hobby zu einer entsprechenden Profession gekommen. Pornografie In der Pornografie bezeichnet „Amateur“ eine Person, die pornografische Darstellungen (u. a.) von sich selbst veröffentlicht (Internet, Printmedien). Suggeriert wird, dass „Amateurdarsteller“ damit keine primären finanziellen Interessen verfolgen. Auf gängigen "Amateurportalen" werden die Medien jedoch durchaus monetarisiert und Ersteller vergütet. Im Unterschied zu professionellen Produktionen wird eine "authentischere" Darstellung suggeriert. Die Konsumenten können mit den Akteuren häufig auch kommunizieren, fließende Übergänge zu Sexarbeit sind möglich. Siehe auch Hobby Do it yourself Dilettant Weblinks Die neuen Amateure – zur Konjunktur einer Sozialfigur, Radiobeitrag über die Jahrestagung der Sektion Professionssoziologie in Zusammenarbeit mit der Sektion Wissenssoziologie, 5. bis 6. Juni 2014 am Institut für Soziologie der TU Berlin, abgerufen am 2. April 2016. Einzelnachweise Hobby Sozialfigur Personenbezeichnung (Bildung)
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https://de.wikipedia.org/wiki/Shandong
Shandong
Shandong, dt. nach Stange auch Schantung oder Lessing-Othmer Schandung genannt (), ist eine Provinz an der chinesischen Ostküste. Shandong liegt am Unterlauf des Gelben Flusses (Huang He). Von 1898 bis 1914 war mit dem Gebiet Kiautschou ein Teil der Provinz Pachtgebiet des Deutschen Reichs. Nachbarprovinzen sind Anhui, Hebei, Henan und Jiangsu. Geographie Lage Den Osten der Provinz bildet die Shandong-Halbinsel zwischen dem Golf von Bohai und dem Gelben Meer. Die Küste von Shandong ist 3000 km lang. Der Huang He mündet in Shandong in den Bohai-Golf. Es gehören auch einige Inseln, insbesondere die Miaodao-Inseln zum Gebiet Shandongs. Westlich der Provinz befindet sich das Taihang-Gebirge, wodurch Shandong seinen heutigen Namen erhielt, den man mit östlich der Berge übersetzen kann. Topographie Man kann das Gebiet der Provinz in vier Teile einteilen: Die Ebene in Nordwest-Shandong wurde durch Ablagerungen des Gelben Flusses gebildet und ist ein Teil der Nordchinesischen Ebene. Durch die Ebene verlaufen der Gelbe Fluss und der Kaiserkanal. Sie ist ein wichtiges Landwirtschaftsgebiet. Die Jiaolai-Ebene reicht bis an die Küste und liegt zwischen den hügeligen Gebieten in Süd- und Zentral-Shandong. Die Flüsse Jiaolai He, Wei He und Dage He fließen durch diese Ebene. Die Gebirge in Zentral- und Süd-Shandong bestehen aus mehreren über 1000 Meter hohen Bergen, wie zum Beispiel dem Tai Shan, Lu Shan, Yi Shan und Meng Shan. Hier befindet sich auch der höchste Punkt der Provinz, der 1545 m hohe Tai Shan. Das Jiaodong-Hügelland besteht aus den weniger als 1000 Meter hohen Daze Shan und Kunzu Shan. Es macht einen großen Teil der Shandong-Halbinsel aus. Klima Shandong hat ein Monsunklima der warmgemäßigten Zone mit heißen, regnerischen Sommern und trockenen, sonnigen Wintern. Es gibt deutliche klimatische Unterschiede zwischen den Küstenregionen und dem Landesinneren. Die Temperaturen liegen im Jahresdurchschnitt bei 11 °C an der nordöstlichen Küste und 14,5 °C im Westen und Süden. Der Jahresniederschlag beträgt im Nordwesten 560 mm und im Südosten 1170 mm. Da 60 bis 70 % der Niederschläge im Sommer fallen, kann es zu Überschwemmungen und in anderen Jahreszeiten zu Dürre kommen. Gewässer Der Gelbe Fluss beeinflusst die Provinz Shandong sehr stark, denn er ist einerseits für die Schwemmebene, auf welcher der Großteil der Provinz liegt, verantwortlich, und andererseits hat er seinen Lauf mehrmals gewechselt, wobei die Bevölkerung der Provinz und deren Behausungen oft in Mitleidenschaft gezogen wurde. Eine besonders starke Flut wurde im Jahr 1876 verzeichnet, nach enormen Regenfällen schwollen Ufer von Seen und Flüssen an und überfluteten ganze Dörfer. Darauf folgte eine Hungersnot, in welcher nahezu 10.000 Menschen ihr Leben ließen. Insgesamt betrug die Summe der Opfer fast 100.000, da die gesamte Region betroffen war. Am 30. April finden seither Gedenktage statt, obwohl diese seit 1976, 100 Jahre nach dem Unglück, von der Regierung offiziell verboten sind. Bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. verlief der Gelbe Fluss in mehreren Armen durch die heutige Provinz, wobei die meisten dieser Arme nördlich seines heutigen Laufes lagen. Bereits vor etwa 2000 Jahren begann man mit dem Bau von Deichen entlang des Flusses, wobei diese Deiche die Änderung des Flusslaufes etwas begrenzt haben, andererseits jedoch die Überschwemmungen verschlimmern, wenn der Fluss über die Deiche tritt. In den 3000 Jahren der Geschichtsschreibung in China wurden die Unterläufe des Gelben Flusses mehr als 1500 Mal überschwemmt. Eine bedeutende Änderung des Flusslaufes geschah im Jahre 1128, als nach einer großen Überschwemmung der Gelbe Fluss im nördlichen heutigen Jiangsu in das Gelbe Meer zu münden begann. Im Jahre 1855, wiederum nach einer katastrophalen Überschwemmung, bewegte sich das Flussbett wieder in Richtung Norden, wo es sich bis in das 12. Jahrhundert befand und wo es sich auch heute befindet. Eine Folge dieser Überschwemmung war auch, dass der Kaiserkanal seine Schiffbarkeit einbüßte. Wichtige Städte Die Hauptstadt der Provinz Shandong ist Jinan, weitere wichtige Städte sind: Jining, Tai’an, Qingdao, Weifang, Yantai und Zibo. Administrative Gliederung Shandong ist in 16 bezirksfreie Städte unterteilt (Stand: Zensus 2020): Jinan (), 10.247 km², 9.202.432 Einwohner; Liaocheng (), 8.715 km², 5.952.128 Einwohner; Dezhou (), 10.356 km², 5.611.194 Einwohner; Dongying (), 7.923 km², 2.193.518 Einwohner; Zibo (), 5.965 km², 4.704.138 Einwohner; Weifang (), 16.143 km², 9.386.705 Einwohner; Yantai (), 13.746 km², 7.102.116 Einwohner; Weihai (), 5.797 km², 2.906.548 Einwohner; Qingdao (), 11.067 km², 10.071.722 Einwohner; Rizhao (), 5.348 km², 2.968.365 Einwohner; Linyi (), 17.191 km², 11.018.365 Einwohner; Zaozhuang (), 4.563 km², 3.855.601 Einwohner; Jining (), 11.187 km², 8.357.897 Einwohner; Tai’an (), 7.762 km², 5.472.217 Einwohner; Binzhou (), 9.453 km², 3.928.568 Einwohner; Heze (), 12.239 km², 8.795.939 Einwohner. Größte Städte Die Einwohnerzahlen sind auf dem Stand von Ende 2018 und beziehen sich auf die eigentliche städtische Siedlung. Geschichte Altertum Wegen seiner Lage am Rande der nordchinesischen Ebene war Shandong schon sehr früh dem Einfluss der chinesischen Zivilisation ausgesetzt. Schon die frühesten Dynastien (Shang-Dynastie und Zhou-Dynastie) kontrollierten West- und Zentralshandong. Die Shandong-Halbinsel lag dagegen zunächst außerhalb der chinesischen Einflusssphäre. Dort lebte das Volk Laiyi, das als barbarisch angesehen wurde und schnell sinisiert wurde. Zur Zeit der Frühlings- und Herbstannalen und zur Zeit der Streitenden Reiche gab es in Shandong zwei Staaten: Qi im Gebiet des heutigen Linzi und Lu im Gebiet des heutigen Qufu. Lu war die Heimat von Konfuzius. Es war jedoch relativ klein und unterlag schließlich dem im Süden gelegenen Chu. Der Staat Qi dagegen war die ganze Epoche über eine größere Macht. Zur Zeit der Qin-Dynastie gab es erstmals einen zentralisierten chinesischen Staat. Während der darauffolgenden Han-Dynastie gab es im Gebiet des heutigen Shandong zwei Provinzen: Qingzhou und Yanzhou. Zur Zeit der Drei Reiche gehörte Shandong zum Königreich Wei. Nach einer kurzen Zeit der Einheit wurde Shandong zusammen mit dem Rest Nordchinas von Nomaden aus dem Norden erobert. Im nächsten Jahrhundert wechselten die Herrscher Shandongs schnell. Mittelalter Zu Beginn des 12. Jahrhunderts, zur Zeit der Song-Dynastie, spielt einer der klassischen Romane der chinesischen Literatur, die Abenteuergeschichte der Räuber vom Liang-Schan-Moor in Shandong. Sie gibt einen detailreichen Einblick in das Leben dieser Zeit (niedergeschrieben im 14. Jahrhundert). Nachdem die Song-Dynastie China zunächst wiedervereinigt hatte, war sie gezwungen, Nordchina 1142 an die Jin-Dynastie der Jurchen abzutreten. Unter der Jin-Dynastie wurde der Name Shandong erstmals benutzt. Unter der Ming-Dynastie umfasste die Provinz ungefähr dasselbe Gebiet wie heute, dazu einige Gebiete Liaonings (im Süden der Mandschurei). Die Mandschu eroberten ganz China, 1644 Shandong, und gründeten die Qing-Dynastie. Unter dieser Dynastie nahm Shandong mehr oder weniger seine heutigen Grenzen an. Shandong war eine der Regionen Chinas mit den meisten Rebellionen gegen die Qing. Nennenswert sind etwa die Aufstände der Weißer-Lotus-Sekte, die Gruppe der Acht Trigramme, die im Jahr 1780 rebellierte, oder die Nian-Rebellion; auch der Boxeraufstand hatte seine Wurzeln in Shandong. 19. bis 21. Jahrhundert Im Laufe des 19. Jahrhunderts geriet China zunehmend unter westlichen Einfluss und Bedrohung. Shandong war durch seine Lage an der Küste besonders betroffen. Das Gebiet Kiautschou in der Provinz Shandong war deutsche Kolonie. Durch den Versailler Vertrag ging das Gebiet 1919 an Japan, was die Bewegung des vierten Mai auslöste. In den letzten Jahren hat sich die Wirtschaft Shandongs – vor allem des Ostens – sehr schnell entwickelt, und Shandong ist zu einer der reichsten Provinzen Chinas geworden. Bevölkerung Die Bevölkerung Shandongs ist mit 95,79 Mio. Menschen nach der von Guangdong die zweitgrößte in China. 7,06 % der Bevölkerung der Volksrepublik lebt in dieser Provinz. Die Bevölkerungsdichte beträgt 582 Einwohner pro Quadratkilometer und ist damit die zweithöchste unter den chinesischen Provinzen beziehungsweise die fünfthöchste, wenn man die regierungsunmittelbaren Städte mit einbezieht. Das Bevölkerungswachstum ist jedoch im nationalen Vergleich niedrig, trotz der Zuwanderung in die wohlhabenden Städte. Auch herrscht in Shandong ein sehr hohes Gleichgewicht zwischen männlicher und weiblicher Bevölkerung (etwa 102 Männer auf 100 Frauen im Jahr 2000). Die Urbanisierungsrate für 2016 wurde mit 55 % angegeben. 2013 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 76,5 Jahren und damit über dem chinesischen Durchschnitt. 99,3 % der Bevölkerung sind Han. Größere ethnische Minderheiten sind die Hui (0,6 %) und die Mandschu. Bevölkerungsentwicklung Bevölkerungsentwicklung der Provinz seit dem Jahre 1954. Wirtschaft Im Jahr 2015 war die Wirtschaft Shandongs mit einem BIP in Höhe von 6,30 Billionen Yuan (1.011 Milliarden US-Dollar) die drittgrößte Chinas. Das BIP pro Kopf betrug 67.706 Yuan (10.194 US-Dollar/ KKP:19.495 US-Dollar) pro Jahr (Rang 9 unter den chinesischen Provinzen). Das Wohlstandsniveau in der Provinz lag damit ungefähr auf dem Niveau von Argentinien und betrug 125 % des chinesischen Durchschnitts. Zwischen der Provinz Shandong und dem Freistaat Bayern existiert bereits seit über 30 Jahren eine Partnerschaft für Wirtschaft und Entwicklung. Landwirtschaft Die Landwirtschaft erwirtschaftet etwa 15 % des BIP, beschäftigt jedoch mehr als die Hälfte der Arbeitskräfte Shandongs. Zu den wichtigsten Anbauprodukten gehören Weizen, Mais, Sorghum, Hirse, Kartoffeln und Bohnen. Weitere wichtige landwirtschaftliche Erzeugnisse sind Baumwolle, Erdnüsse, Tabak und Flachs. Shandong ist eines der drei wichtigsten Baumwollanbaugebiete in Nordchina, außerdem gehört es zu den bedeutendsten Anbaugebieten von Obst und Gemüse. Etwa 40 % der Erdnüsse Chinas werden in Shandong angebaut. In zwei Jahren werden normalerweise drei Ernten eingebracht. In manchen Gebieten mit guter Bewässerung kann man sogar zwei Ernten pro Jahr erzielen. Die Viehzucht ist ebenfalls bedeutend: Shandong ist der wichtigste Produzent von Geflügelfleisch in China, daneben gehört es zu den führenden Provinzen in der Rinder-, Schweine- und Schafzucht. Die Küstenregionen sind reich an Fischen, Krebsen und Seetang; trotzdem stammt der überwiegende Teil des Fischfanges aus Zuchtbetrieben. Bergbau Die abbauwürdigen Ressourcen sind Gas, Öl, Kohle, Eisen, Bauxit, Diamanten, Saphir und Gold. Der Goldabbau in Shandong (Yantai) ist führend in China. Im Nordwesten Shandongs, in der Nähe von Dongying, liegt das Shengli-Ölfeld, das zu Chinas größten Ölfeldern gehört. Industrie Die Industrie erwirtschaftet die Hälfte des BIP und beschäftigt etwa ein Viertel der Arbeitskräfte. Das Zentrum der Industrie liegt in Jinan, in geringerem Ausmaß in Qingdao und Zibo, daneben sind Weifang und Umgebung ein neues Zentrum der petrochemischen Industrie. Wichtige Industriezweige sind die Nahrungsmittelindustrie, Papier, Haushaltsgeräte, Baustoffe, Textilien, die Eisen- und Stahlindustrie, der Maschinenbau und die Gummiindustrie. Im Jahr 2000 war ein Viertel der Unternehmen in Staatsbesitz, das jedoch 40 % des Umsatzes generierte. Generell dominieren die Großunternehmen, die Hälfte des BIP wird von nur 1000 Firmen erwirtschaftet. Dienstleistungen Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet 35 % des BIP und beschäftigt 25 % der Arbeitskräfte. Handel, Gastgewerbe und Transport spielen die wichtigsten Rollen; der Außenhandel und der internationale Tourismus spielen eine untergeordnete Rolle. Verkehr Die Eisenbahnstrecken von Peking nach Shanghai und von Peking nach Hongkong durchqueren den Westen Shandongs. Weitere Eisenbahnlinie verlaufen von Qingdao nach Jinan und von Qingdao nach Yantai. Daneben gibt es noch mehrere kleinere Eisenbahnlinien, insgesamt umfasste das Eisenbahnnetz im Jahr 2000 mehr als 2400 km. In Shandong gibt es ein dichtes und gleichmäßig über die Provinz verteiltes Straßennetz. Es gibt mehr als 71.000 km Straßen, davon mehr als 2000 km Autobahn. Wichtige Häfen gibt es in Qingdao, Yantai, Rizhao und Weihai; Qingdao ist, gemessen am Frachtumschlag, der siebentgrößte Hafen Chinas. Der wichtigste Binnenschifffahrtsweg ist der Xiaoqing; insgesamt sind mehr als 2500 km Wasserstraßen schiffbar. Größere Flughäfen gibt es in Jinan und Qingdao. Von Yantai nach Dalian, das an der anderen Seite des Bohai-Golfes in der Provinz Liaoning liegt, gibt es seit kurzem die erste kommerzielle Wasserflugzeugstrecke. Bildung Die Analphabetenquote in Shandong ist mit 8,5 % (2000) relativ hoch und die zweithöchste in Ostchina. 2010 war sie auf 5,0 % gesunken. Sehenswürdigkeiten Von den fünf heiligen Bergen des Daoismus in China ist der Tai Shan der berühmteste, wenn auch mit einer Höhe von 1.545 m keineswegs der höchste. Im alten chinesischen Weltbild, das das Reich der Mitte als Quadrat betrachtete, verkörpert der Tai Shan den östlichen Eckberg. „Shan-Dong“ bedeutet wörtlich übersetzt „Berg des Ostens“ oder „östlich des Bergs“. Qufu, der Geburtsort des Konfuzius, gehört zu den Nationalschätzen erster Ordnung. Bedeutende Persönlichkeiten Aus Shandong stammen neben Konfuzius auch Mengzi, der, geboren im Staat Zhou im südlichen heutigen Shandong, zu seinen bedeutendsten Schülern gehört und dessen Erbe erhielt. Ein weiterer bedeutender Philosoph aus Shandong war Zou Yan, der im 3. Jh. v. Chr. die Theorie der fünf Elemente entwickelte. Aus der Region um Jinan stammte Bian Que, der als Erfinder der traditionellen chinesischen Medizin gilt. Zhou Yongnian, ebenfalls aus Jinan, war der Gründer des chinesischen Bibliothekswesens. Im 12. Jahrhundert war Li Qingzhao eine der bedeutendsten Dichterinnen des Landes. Sòng Jiāng (宋江), der „Regenspender von Schantung“, ist die Hauptfigur des Volksromans „Die Räuber vom Liang-Schan-Moor“, der ebenfalls anfangs des 12. Jahrhunderts spielt. Weitere Persönlichkeiten Liu Bolin (* 1973), moderner Künstler, der mit seinen „Invisible Man“-Bildern berühmt wurde Chen Mingming (* 1950), Diplomat der Volksrepublik China Sui Xinmei (* 1965), Kugelstoßerin Weblinks Einzelnachweise Provinz (China) Hochschul- oder Universitätsstadt Verwaltungseinheit als Namensgeber für einen Asteroiden
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https://de.wikipedia.org/wiki/Stillgew%C3%A4sser
Stillgewässer
Stillgewässer (auch Standgewässer, Stehgewässer oder stehende Gewässer) sind natürliche oder künstlich geschaffene Gewässer, in denen keine oder nur eine geringfügige Fließgeschwindigkeit vorhanden ist. Sie gehören zu den Binnengewässern, ihnen stehen die Fließgewässer gegenüber. Nicht zu den Stillgewässern gehören die Ozeane und Meere. Innerhalb der Hydrologie beschäftigt sich die Limnologie mit stehenden und fließenden Gewässern, primär Süßgewässern, aber auch Sonderformen saliner Binnengewässer (wie Salzwasserseen), die nicht unter die Meereskunde fallen. Klassifizierung Wichtige Kriterien zur Unterscheidung von Stillgewässern sind deren Größe, die Tiefe, die Wasserführung sowie die Entstehungsweise. In Bezug auf die Tiefe unterscheidet man zwischen: Seen, die über eine ausreichende Tiefe verfügen, damit sich eine Temperaturschichtung entwickeln kann, die über längere Zeit bestehen bleibt und nur wenige Male pro Jahr umgeschichtet werden kann. Dies ist in der Regel ab etwa 8 bis 10 m Tiefe der Fall. Pflanzenbewuchs ist nur im Uferbereich (Litoral) möglich. Flachgewässer, deren Wasserkörper häufig umgeschichtet wird, manchmal sogar täglich. Die Flachgründigkeit hat zur Folge, dass Schwimmpflanzen mit ihren Wurzeln den Grund erreichen und theoretisch die ganze Wasseroberfläche besiedeln können. Bei der Unterscheidung verschiedener Flachgewässer sind die Kriterien der Wasserführung und der Entstehungsweise wichtig: Weiher sind Flachwasserseen mit oder ohne ständige Wasserführung. Sie können ohne bauliche Maßnahmen bzw. Pumpeneinsatz nicht trockengelegt werden. Sehr große Weiher werden auch Flachseen genannt, solche mit einer kleinen Wasseroberfläche zählt man zu den Kleinweihern. Tümpel sind flache, periodisch austrocknende Wasseransammlungen mit natürlicherweise stark schwankenden Wasserständen ohne Wasserführung bzw. Ablauf. Sie können natürlichen oder menschlichen Ursprungs sein. Lachen, Laken oder Pfützen sind episodisch wasserführend. Teiche sind von Menschen geschaffene Gewässer, deren Wasserstand meist künstlich regulierbar ist, so dass ein Teich auch zeitweise trockengelegt sein kann. Sölle sind eiszeitlich bedingt entstandene Weiher oder Tümpel aus ehemaligem Toteis, in Nordostdeutschland auch Pfuhle genannt. Altarme und Altwasser sind abgeschnürte Mäander, wobei beim Altwasser keine Verbindung mehr zum Fluss besteht. Stillgewässer können auch aufgrund der Größe unterschieden werden. Gebräuchliche Kategorien sind: Kleinstgewässer wie Pfützen, Lachen etc. sind nur bis zu einigen Quadratmetern groß. Kleingewässer (Tümpel, Teiche, Kleinweiher) haben eine Oberfläche, die bis zu etwa 1 ha groß ist. Großgewässer, zu denen Seen und große Teiche gehören, sind größer als ca. 1 ha. Die Grenzwerte stellen lediglich eine nützliche Orientierungshilfe für die Praxis dar. Die biologische Qualität von Stillgewässern wird anhand des Trophiensystems in Trophiestufen eingeteilt. Das bei Fließgewässern angewandte Saprobiensystem ist aufgrund der unterschiedlichen biologischen Zonierung nicht geeignet. Formen von Stillgewässern sind auch künstlich angelegte Teiche, Weiher oder Seen, die besonderen Nutzungen wie der Fischzucht, dem Bergbau oder Badezwecken dienen. Auch geflutete Kiesgruben, Lehmgruben und Tagebaurestlöcher zählen dazu. Sie alle weisen veränderte Lebensbedingungen und entsprechende Biozönose auf. Nicht süßwassergefüllte Stillgewässer sind Salzseen und -lacken oder solche mit gänzlich verändertem Chemismus wie Säureseen aller Art. Im Grenzbereich der Limnologie mit der Ozeanologie liegen küstennahe (litorale) Gewässer, wie die Lagunen, die oft ebenfalls eine andere Salinität haben als das angrenzende offene Meer. Im Schnittgebiet zu den Grundwasser-Wissenschaften liegen Quelltöpfe, Höhlenseen und andere unterirdische Sonderformen. Im Grenzbereich zur Feuchtgebietsforschung liegen Erscheinungen wie Blänken, Väte und Alvarseen, Tümpel- und Lacken-Netzwerke, oder Überschwemmungszonen. Stehendes Wasser auf Gletschern und antauendem Permafrost untersucht auch die Glaziologie als Wasserwissenschaft. Heiße Seen und Flachgewässer stellen einen Sonderzweig in Kontakt mit der Vulkanologie dar, dazu gehören auch viele übersäuerte Stillgewässer. Ökosysteme Abhängig von Größe, Bewirtschaftung und ihren weiteren Eigenschaften weisen die Ökosysteme der verschiedenen Stillgewässer mehr oder weniger Ähnlichkeiten mit dem „Ökosystem See“ auf. Ökologischer Zustand Der ökologische Zustand von Fließ- bzw. Oberflächengewässern (wie von Grundwasser) wird in der Europäischen Union (EU) nach der Richtlinie 2000/60/EG (EU-Wasserrahmenrichtlinie, WRRL) nach verschiedenen Kriterien analysiert und nach fünf Graden eingeteilt: „sehr gut“, „gut“, „mäßig“, „unbefriedigend“, „schlecht“. Siehe auch Moorauge Seentherapie Stiller See, Stilles Wasser Übereinkommen zum Schutz und zur Nutzung grenzüberschreitender Wasserläufe und internationaler Seen Woog Einzelnachweise Limnologie Biotoptyp
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https://de.wikipedia.org/wiki/Sternwind
Sternwind
Sternwind ist ein kontinuierlicher Strom von Materie, der von der Oberfläche von Sternen ausgeht. Die Windgeschwindigkeiten betragen je nach Sterntyp zwischen einigen zehn und mehreren 1000 km/s, die beobachteten Massenverlustraten reichen von bis Sonnenmassen pro Jahr. Sternwinde sind ein elektrisch leitfähiges Plasma und wechselwirken deshalb entsprechend mit Magnetfeldern. Sie können das Magnetfeld des Sterns weit nach außen tragen und interstellare Materie sowie kosmische Strahlung aus der näheren Umgebung des Sterns fernhalten. Dabei gebildete blasenförmige Strukturen um den Stern werden Astrosphären genannt, im Fall massereicher Sterne auch ( für „Sternwind-Blasen“). Der Sternwind der Sonne ist der Sonnenwind, ihre Astrosphäre die Heliosphäre. Formen Es gibt verschiedene Formen von Sternwinden, die sich durch ihren Antriebsmechanismus unterscheiden. Winde kühler Sterne wie die von roten Riesen bestehen aus neutralen Atomen und Molekülen wie Kohlenstoffmonoxid, Silikaten und Ähnlichem. Diese staubreichen Winde sind mit nur einigen zehn km/s vergleichsweise langsam. Die Materie wird in der Atmosphäre des Roten Riesen durch Schockwellen aufgrund von Pulsationen beschleunigt. In einem gewissen Abstand vom Stern, bei dem die Temperatur hinreichend abgesunken ist, kondensiert das Gas zu Staub. Die antreibende Kraft ist der Strahlungsdruck auf die Moleküle des Staubes durch Streuung. Die Massenverlustraten können mit bis zu Sonnenmassen pro Jahr sehr hoch sein. Solche Winde treten in den Spätphasen der Sternentwicklung auf und sind zum Beispiel für die Entstehung der planetarischen Nebel verantwortlich. Bei sonnenähnlichen Hauptreihensternen besteht der Wind aus geladenen Teilchen, meist Protonen und Elektronen. Solche Winde wie der Sonnenwind werden hauptsächlich durch die extremen Temperaturen der Korona von einigen Millionen Kelvin angetrieben. Der dabei wirkende Gasdruck beschleunigt den Wind auf einige hundert km/s. Gegenwärtig verliert die Sonne etwa Sonnenmassen pro Jahr, ihr Wind hat daher keinen Einfluss auf den Entwicklungsweg der Sonne. Bei Hauptreihensternen mit einer äußeren Konvektionschicht bildet sich eine Korona. Diese dünne Atmosphäre wird (durch noch nicht vollständig verstandene Prozesse) auf mehrere Millionen Kelvin erwärmt, und in der Folge erreichen die Bestandteile des Plasmas eine Wärmebewegung, die zum Abströmen als Sternwind ausreicht. Winde heißer Sterne, etwa ab einer Oberflächentemperatur von 10.000 K, haben dieselbe chemische Zusammensetzung wie die Sternoberfläche selbst. Die meisten Atome sind hierbei einfach oder mehrfach ionisiert. Diese Winde können einige tausend km/s schnell werden. Winde heißer Sterne werden ebenfalls durch den Strahlungsdruck des Zentralsterns angetrieben, aber anders als bei kühlen Winden wirkt er nicht durch Streuung des kontinuierlichen Sternspektrums, sondern durch Absorption in Spektrallinien im ultravioletten Bereich. Die Massenverlustraten reichen von in Hauptreihensternen über in Überriesen bis hin zu in Wolf-Rayet-Sternen. Der extreme Stern η Carinae hat während eines etwa zwanzigjährigen Ausbruchs um 1840 etwa eine halbe Sonnenmasse pro Jahr verloren. Der Sternwind heißer Sterne ist hochgradig inhomogen. Die Inhomogenität kann bei windakkretierenden Röntgendoppelsternen indirekt beobachtet werden. Dabei wird der Sternwind von einem kompakten Stern, einem Weißen Zwerg, einem Neutronenstern oder einem Schwarzen Loch, eingefangen und über eine Akkretionsscheibe auf den Stern transferiert. Beim Aufprall auf der Oberfläche eines Weißen Zwerges oder Neutronensterns wird Röntgenstrahlung als thermische Strahlung frei, die direkt proportional zur Menge des akkretierten Windes ist. Dies ermöglicht, die klumpige Struktur des Sternwinds heißer Sterne zu analysieren. Bei manchen Sterntypen, die Material akkretieren, wie etwa die T-Tauri-Sterne, kann sich ein Wind in Form eines Jets bilden. Dabei wird ein Teil des auf den Stern stürzenden Materials durch ein Magnetfeld abgelenkt und längs der Polachse weggeschleudert. Die Sternwinde wechselwirkender Doppelsternsysteme können mit hoher Geschwindigkeit kollidieren und dabei Radio-, Röntgen- und Gammastrahlung erzeugen. Solche Systeme nennt man Colliding-Wind Binary. Einfluss auf die Entwicklung des Sterns Während Sternwinde im Hauptreihenstadium keinen großen Einfluss auf die Entwicklung des Sterns haben, werden die späteren Stadien davon entscheidend beeinflusst. Viele massereiche Sterne entwickeln sich am Ende nur deswegen zu Weißen Zwergen und explodieren nicht als eine Supernova, weil sie vorher ausreichend Masse verloren haben. Weblinks Einzelnachweise Stellarphysik
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https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsitzender
Vorsitzender
Ein Vorsitzender (, kurz ; ) ist eine Person, die ein Kollegialorgan leitet. Allgemeines Das Wort Vorsitzender ist sprachlich das Nomen Agentis von Vorsitz, der Funktion des Vorsitzenden. Sein offizieller Titel kann zum Beispiel auch Präsident, Generaldirektor oder erster Direktor sein. Das Wort Vorsitzender tauchte erstmals 1777 bei Justus Gottlieb Rabener auf. Während sich beim Einzelorgan die Frage des Vorsitzes nicht stellt, wählt das Kollegialorgan entweder aus seinen Mitgliedern oder ein anderes Organ den Vorsitzenden des Kollegialorgans. So wählt beispielsweise der Aufsichtsrat einer deutschen Aktiengesellschaft gemäß Abs. 1 AktG aus seiner Mitte einen Vorsitzenden und mindestens einen Stellvertreter, weil der Aufsichtsrat aus mindestens drei Mitgliedern besteht ( AktG). Aufgaben Der Vorsitzende ist meist kein Vorgesetzter oder Dienstvorgesetzter der übrigen Mitglieder des Kollegialorgans. Er regelt die Verwaltungsaufgaben, leitet Verhandlungen, koordiniert die Tagesordnung, betreibt Zeitmanagement, führt Abstimmungen durch und verkündet Entscheidungen. Der Aufsichtsratsvorsitzende beispielsweise beruft gemäß Abs. 1 AktG die Sitzung ein. Über die Sitzungen ist eine Niederschrift anzufertigen, die der Vorsitzende zu unterzeichnen hat ( Abs. 2 AktG). Werden vom Aufsichtsrat mehrere Personen zu Vorstandsmitgliedern bestellt, so kann der Aufsichtsratsvorsitzende ein Mitglied zum Vorstandsvorsitzenden ernennen ( Abs. 2 AktG). Er ist Versammlungsleiter bei der Hauptversammlung. Deshalb nimmt der Aufsichtsratsvorsitzende eine Sonderstellung ein: Die meisten seiner Aufgaben kann er nur mit den anderen Aufsichtsratsmitgliedern erfüllen (er ist hierbei Kollegialorgan), bei der Leitung der Hauptversammlung fungiert er als Einzelorgan. In mitbestimmten Unternehmen wählt der Aufsichtsrat aus seiner Mitte einen Aufsichtsratsvorsitzenden und einen Stellvertreter ( Abs. 1 MitbestG). Der Vorstandsvorsitzende repräsentiert den Vorstand als Kollegialorgan, er ist Leiter von Vorstandssitzungen und Koordinator der Vorstandsarbeit, muss jedoch nicht zugleich Vorstandssprecher sein. Arten Je nach Art des Kollegialorgans gibt es Vorsitzende beim Beirat (Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium der Finanzen), Gremium (Parlamentarisches Kontrollgremium), Kollegialgericht (Vorsitzender Richter), Organ (Vorstandsvorsitzender, Aufsichtsratsvorsitzender), in der Politik (Fraktionsvorsitzender, Parteivorsitzender), Ratsgremium (Betriebsratsvorsitzender, Bundesrat, Bundestag, Gemeinderat, Personalrat, Stadtrat, Vorsitzender des Staatsrats) oder Verwaltungsbeirat. Der Verwalter übernimmt den Vorsitz in der Wohnungseigentümerversammlung ( Abs. 5 WEG). International heißt der Vorstandsvorsitzende in der Schweiz Verwaltungsratspräsident, in angelsächsischen Ländern Chairman of the Board. Siehe auch Chief Executive Officer (CEO) Obmann Meister vom Stuhl Vorsitzender des Europäischen Rates Weblinks Einzelnachweise Berufliche Funktion Leitungsorgan
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https://de.wikipedia.org/wiki/Diagnose
Diagnose
In der Medizin stellt die Diagnose, genannt auch Krankheitsdiagnose und Krankheitserkennung, nach allgemeinem Verständnis das Ergebnis der Feststellung oder Bestimmung einer Krankheit dar. (Die Tätigkeit heißt Diagnostik.) Das Wort ist abgeleitet von , ‚Entscheidung‘ (bestehend aus und , ‚Urteil‘). Eine Diagnose entsteht durch die zusammenfassende Gesamtschau und Beurteilung der bei einem Kranken als Krankendiagnose erhobenen Befunde. Dabei kann es sich beispielsweise um einzelne Beschwerden und Krankheitszeichen (Symptome) oder typische Symptomkombinationen (Syndrom) handeln. Auch Normalbefunde oder nicht krankhafte Normabweichungen können zur Diagnosestellung beitragen. Diese Befunde werden durch systematische Befragung (Anamnese), durch eine körperliche Untersuchung sowie durch chemische oder apparative Untersuchungen erhoben (siehe Medizinische Untersuchung). Die Diagnose ist entscheidend für die weitere Vorgehensweise bei der Behandlung und damit Grundlage der Therapie. In medizinischen Klassifizierungssystemen, wie der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD), werden Diagnosen schematisch in Gruppen eingeteilt und so grob abgebildet. Auch in der Psychologie wird der Begriff Diagnose verwendet (siehe Psychologische Diagnostik). Im pflegerischen Bereich wird als Pflegediagnose ein Zustand oder ein gesundheitliches Problem bezeichnet, das Pflegemaßnahmen begründet oder beeinflusst. Wege zur Diagnose Der Weg zur Diagnose, die Diagnosefindung, wird auch als Diagnostik bezeichnet und endet typischerweise mit der Benennung des gefundenen Krankheitsbildes. In die Benennung gehen häufig auch Vorstellungen über Krankheitsursache und -entstehung (Ätiologie und Pathogenese) ein. Die Diagnostik kann rein klinisch erfolgen (bereits in den Hippokratischen Schriften grundlegend dargestellt). Meist jedoch handelt es sich um die gezielte Abfolge verschiedener Untersuchungen, z. B. psychologische Diagnostik oder bildgebende Diagnostik. Mit dem Begriff Routinediagnostik kann gemeint sein: eine ohne besonderen Aufwand, ohne extra Anforderung, durchführbare Maßnahme (z. B. bei Laboren) eine Abfolge von ohne konkreten Verdacht durchgeführten Maßnahmen (z. B. bei Screening, „mal durchchecken“) eine in Behandlungsleitlinien für klinische Symptome (z. B.: Hinterwandinfarkt) durchzuführende Maßnahme eine in Behandlungsprotokollen in festen Zeitabständen durchzuführende Maßnahme Unter Differenzialdiagnostik wird die Identifizierung und gegebenenfalls der Ausschluss von Erkrankungen mit ähnlicher oder sogar identischer Symptomatik vor Beginn einer Behandlungsmaßnahme verstanden. Arten von Diagnosen Im Idealfall fügen sich die erhobenen Einzelbefunde zu einem einheitlichen Bild zusammen und lassen nur eine einzige sichere Diagnose zu. Nicht in allen Fällen können jedoch sichere Diagnosen herausgearbeitet werden, daher haben sich bestimmte traditionelle Begriffe eingebürgert, die sich auf den Grad der Sicherheit einer Diagnose beziehen. Ausschlussdiagnose Die Ausschlussdiagnose () ist eine Diagnose, die sich aus dem schrittweisen Ausschluss aller anderen möglichen Erkrankungen mit denselben Symptomen ergibt, bis nur noch die Ausschlussdiagnose übrig bleibt. Verdachts- und Arbeitsdiagnose Liefern weder Diagnostik noch Differenzialdiagnostik ein sicheres Ergebnis, dann wird der vermuteten Diagnose ein V. a. (Verdacht auf) vorangestellt. Die Begriffe Verdachts- und Arbeitsdiagnose werden häufig synonym verwendet. Sie sind grundsätzlich Ausgangspunkt weiterer Untersuchungen, um einen Verdacht zu erhärten oder auch zu verwerfen. In der Notfallmedizin wird der Begriff der Arbeitsdiagnose für Symptomenkomplexe verwendet, die im Rahmen einer notärztlichen Versorgung oder in einer Notaufnahme nur zeitverzögert näher differenziert werden können, weil dazu nötige Labor- oder andere Untersuchungen, wie Computertomographie oder (bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts) konventionelle Röntgendiagnostik, entsprechend Zeit benötigen. Beispiele hierfür sind das akute Koronarsyndrom und das Polytrauma. Gründe, sich nur auf einen begründeten Verdacht zu beschränken, also keine exakte Diagnose zu stellen, liegen typischerweise darin, dass weiterführende Untersuchungen in keinem sinnvollen Verhältnis zu der therapeutischen Konsequenz stehen, vom Patienten abgelehnt werden oder für diesen ein Gesundheitsrisiko bergen. Auch ein Mangel an Möglichkeiten oder Zeit (beispielsweise im Notfall) oder Kostengründe können dagegenstehen. So ist beispielsweise die Diagnose grippaler Infekt immer eine Verdachtsdiagnose, solange keine virologische Untersuchung durchgeführt wurde. Ebenso hat sich in der Notfallmedizin der Begriff des akuten Koronarsyndroms eingebürgert, unter dem letztlich alle Symptome einer Minderdurchblutung des Herzens zusammengefasst werden. Die Differenzierung, ob es sich also konkret um eine Angina pectoris oder einen Herzinfarkt handelt, erfolgt dann zweizeitig. Selbstdiagnose Die Selbstdiagnose (auch: Eigendiagnose) ist die medizinische und in der Regel laienhafte Beurteilung von Beschwerden und Symptomen, die eine Person mithilfe von Fachliteratur, Internet (Dr. Google) und anderen Quellen oder Hilfsmitteln an sich selbst vornimmt. Differentialdiagnose Als Differentialdiagnose (auch Differenzialdiagnose; auf Befundschreiben abgekürzt DD) bezeichnet man die Gesamtheit aller Diagnosen, die alternativ als Erklärung für die erhobenen Symptome (Krankheitszeichen) oder medizinischen Befunde in Betracht zu ziehen sind oder in Betracht gezogen worden sind. Eine systematische Differentialdiagnostik als Lehrgegenstand der Nosologie findet sich erstmals in den Schriften des römischen Arztes Caelius Aurelianus im 5. Jahrhundert. Diagnose ex juvantibus Bei nicht sicher gestellter Diagnose kann gelegentlich durch eine probeweise Therapieanwendung anhand einer beobachteten Verbesserung des klinischen Bildes oder einer Heilung ex post auf die Richtigkeit einer ursprünglichen Diagnose geschlossen werden. Man nennt dies Diagnosis ex juvantibus (Diagnose vom Heilerfolg her). Fehldiagnose Eine falsch gestellte Diagnose wird als Fehldiagnose bezeichnet. Die Ursachen können zum Beispiel an falschen Anwendungen bei den Labormethoden liegen. Häufig wird eine falsche Diagnose den Ärzten angelastet. 2010 wurden durch die Gutachterstellen der Ärzteschaft bei 2.199 Patienten falsche Diagnosen oder Behandlungen festgestellt, in deren Folge 87 Patienten starben. Nach Aussage von Fachleuten ist die Fehlerquote angesichts von rund 400 Millionen Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr jedoch gering. Vorgehensweise bei der Erarbeitung einer Diagnose (Diagnostik) Bereits beim Erstkontakt kann anhand von Anamnese und körperlicher Untersuchung eine Arbeitsdiagnose erstellt werden. Letztere ist Ausgangspunkt für das weitere Vorgehen, mit dem Ziel notwendige, ergänzende Informationen zu erlangen. Anhand der hinzugekommenen Informationen wird dann im ersten Schritt die Arbeitsdiagnose bestätigt oder verworfen bzw. verändert. Zur Erlangung einer gesicherten Diagnose kann es manchmal mehrerer solcher Schritte bedürfen. Die Auswahl der notwendigen diagnostischen Methoden richtet sich auch nach der Wahrscheinlichkeit, Therapierbarkeit und Bedrohlichkeit der verbleibenden Differenzialdiagnosen und nach dem mit der Maßnahme verbundenen Aufwand und Risiko. Der Vorgang endet, wenn nur noch eine Diagnose in Frage kommt. Häufig wird der Vorgang vorher aber (vernünftigerweise) abgebrochen – und zwar dann, wenn die verbleibenden Differenzialdiagnosen nur noch Entitäten enthalten, die entweder nicht therapierbar sind, nicht therapiebedürftig sind oder alle die gleiche (dann oft symptomatische) Therapie nahelegen. Eine Herausforderung der medizinischen Diagnostik ist im Notfall der Zeitmangel. Grundlegende Diagnostik Die wichtigsten Methoden zur Diagnostik (Herausfinden einer Diagnose) sind die Anamnese (Vorgeschichte, z. B. durch Befragung des Patienten oder anderer Personen aus dem Umfeld), körperliche Untersuchung (Untersuchung des Patienten unter Einsatz der Sinne und einfacher Hilfsmittel, vor allem durch Inspektion, Palpation, Perkussion und Auskultation) sowie die Berücksichtigung des Patientenumfeldes. Dabei können beispielsweise herumliegende Spritzen oder Medikamente am Ort eines Notfalles oder der Zustand der Patientenwohnung wichtige Hinweise geben. Apparative Diagnostik Die einfachen Untersuchungsmethoden sind in den meisten Fällen hinreichend genau, um Krankheiten mit lebensbedrohlichen Konsequenzen erkennen oder ausschließen zu können. Der Einsatz apparativer Methoden muss bezüglich des zu erwartenden Nutzen-Risiko-Verhältnisses (z. B. bei belastenden Röntgenstrahlen) und Nutzen-Aufwand-Verhältnisses (z. B. bei kostenintensiven MRT-Untersuchungen) abgewogen werden. Apparative Diagnostik kann dann sinnvoll sein, wenn sich daraus Erkenntnisse für die Behandlung des Patienten gewinnen lassen. Ausnahmen hiervon sind etwa Obduktionen zur Klärung von berufsgenossenschaftlichen oder rechtlichen Fragen. Auch im Rahmen der Qualitätssicherung zukünftiger Behandlungen anderer bzw. beim Feststellen genetischer Ursachen einer Erkrankung, um ggf. Angehörige frühzeitig behandeln zu können, kann Apparative Diagnostik hilfreich sein. Beispiele für Apparative Diagnostik sind Labordiagnostik (Untersuchung von Blut, Urin usw.), Gewebs- und Zelldiagnostik mittels Histologie oder Zytologie, bildgebende Verfahren (Sonografie, Endoskopie, Röntgen, CT, MRT und Nuklearmedizinische Bildgebung), Messung elektrischer Felder des Körpers (EKG, EEG, EMG und ENG), Funktionsuntersuchungen (Lungenfunktionstest, Druckmessungen in Gefäßen und Schließmuskeln), Reflexuntersuchung, Provokations- und Belastungstests (Leistungstests (Ergometrie) und Glukosetoleranztest). Insbesondere auch die Augenheilkunde bedient sich einer ganzen Reihe von apparativen Untersuchungsgeräten. Anforderungen an eine Diagnose Ob eine Diagnose sinnvoll und zielführend ist, hängt auch von der Qualität der Definition der zugrundeliegenden Kategorien ab. Einer wohldefinierten Kategorie (zum Beispiel Knochenbruch am Unterarm) lässt sich ein Krankheitsbild anhand weniger Kriterien (Sturz in der Anamnese, Schmerzen (siehe auch: automatisierte Schmerzerkennung), Funktionsausfall des betroffenen Arms, Diskontinuität des Knochens im Röntgenbild) zuordnen und damit einer adäquaten Therapie zuführen (z. B. Gipsschiene). Im Rahmen der Notfallmedizin kommt es darauf an, in sehr kurzer Zeit Erkenntnisse hinsichtlich der ersten Maßnahmen zu gewinnen. Das ist zum Beispiel gerade bei lebensbedrohlichen Situationen wie dem Herzinfarkt unbedingt erforderlich. Bei Krankheiten, deren Kategorien weniger scharf definiert, umstritten oder komplex sind, ist das Risiko einer Fehldiagnose und damit einer Fehlbehandlung größer. Dieses Problem betrifft zum Beispiel die Psychiatrie. Insbesondere die Persönlichkeitsstörungen sind hier problematische Kategorien. Gewöhnlich muss die Aussagekraft eines Diagnoseverfahrens einer Überprüfung nach wissenschaftlicher Methode standhalten können, um von der Hochschulmedizin und der Krankenkasse als anerkannt zu gelten. Nicht alle Diagnosen werden zum Beispiel von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland bezahlt. Die evidenzbasierte Medizin hat weitere Kriterien dazu entwickelt. Vor allem außerhalb von Krankenhäusern und Arztpraxen werden oft Methoden eingesetzt, die nicht den wissenschaftlichen Kriterien genügen, etwa in der Alternativmedizin und Naturheilkunde. Klassifizierung Im Rahmen des gesetzlichen Abrechnungssystems (G-DRG) muss für die Verschlüsselung der Diagnosen in Deutschland die ICD-10 verwendet werden (die internationale Klassifikation der Krankheiten). Hierzu gibt das Deutsche Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) eine deutsche Version heraus, die ICD-10-GM (German Modification). Die ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) wurden durch das GKV-Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) zum 31. Dezember 2011 abgeschafft. Siehe auch Triage, die Ersteinschätzung vor der ersten Diagnose aufgrund krisenhaftem Zeitdruck Fehlerdiagnose Literatur Hermann Franz Oskar Haberland (Hrsg.): Die Differentialdiagnose chirurgischer Erkrankungen einschließlich der Grenzgebiete mit therapeutischen Hinweisen. Bearbeitet von Wilhelm Braeucker, H. F. O. Haberland, H. Klose und M. zur Verth. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1935. Norbert Donner-Banzhoff: Die ärztliche Diagnose. Erfahrung, Evidenz, Ritual. Hogrefe, Bern 2022, ISBN 978-3-456-86194-4. Rudolf Gross: Medizinische Diagnostik: Grundlagen und Praxis. Berlin / Heidelberg / New York 1969 (= Heidelberger Taschenbücher. Band 48). . Christa Habrich, Frank Marguth, Jörn Henning Wolf (Hrsg.) unter Mitarbeit von Renate Wittern: Medizinische Diagnostik in Geschichte und Gegenwart. Festschrift für Heinz Goerke zum sechzigsten Geburtstag. München 1978 (= Neue Münchner Beiträge zur Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften: Medizinhistorische Reihe. Band 7/8), ISBN 3-87239-046-5. Walter Siegenthaler: Differentialdiagnose innerer Krankheiten. 15. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart / New York 1984, ISBN 3-13-344815-3. Weblinks dimdi.de – Übersetzungshilfe für Diagnosen: ICD-10 (German Modification – Version 2013) Einzelnachweise ! Klinische Psychologie
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https://de.wikipedia.org/wiki/Calciumcarbonat
Calciumcarbonat
Calciumcarbonat (fachsprachlich), Kalziumkarbonat oder in deutscher Trivialbezeichnung kohlensaurer Kalk, ist eine chemische Verbindung der Elemente Calcium, Kohlenstoff und Sauerstoff mit der chemischen Formel CaCO3. Als ein Calcium-Salz der Kohlensäure gehört es zur Stoffgruppe der Carbonate. Es ist ein farbloser, kristalliner Feststoff, dessen Kristallstruktur aus den Ionen Ca2+ und CO32− im Verhältnis 1:1 besteht. In der Natur kommt Calciumcarbonat hauptsächlich als Kalkstein, Kreide und Marmor vor. Auch in Organismen wie den Schalenweichtieren findet sich Calciumcarbonat. Vorkommen Calciumcarbonat ist eine der am weitesten verbreiteten Verbindungen auf der Erde, vor allem in Form von Sedimentgesteinen. Es tritt vor allem in der Form des Minerals Calcit (Kalkspat, Doppelspat) auf, das mit einem Anteil von rund fünf Prozent zu den häufigsten Mineralen der Erdkruste gehört. Es ist nicht nur in den massiven Kalkgesteinen das vorherrschende Mineral, in Verbindung mit Quarz, Baryt und Fluorit bildet es auch das Muttergestein sehr vieler Erzgänge. Es kann sogar der einzige Bestandteil von Gängen sein, deren Mächtigkeit von einigen Zentimetern bis zu einigen Dekameter reicht. Weitere Modifikationen von Calciumcarbonat sind die Minerale Aragonit und Vaterit. Der Name Aragonit leitet sich vom bedeutendsten Vorkommen des Minerals in Aragonien ab. Es kommt vermehrt im Umfeld von marinen Gewässern vor. Die Ursache hierfür ist das im Meerwasser enthaltene Magnesium, das die Bildung von Aragonit gegenüber Calcit begünstigt. Aragonit ist neben Calcit das häufigste Biomineral. Es ist der anorganische Bestandteil in Perlmutt in Muscheln, ist auch häufig in Perlen enthalten und kommt außerdem in Schalen von marinen Einzellern und Korallen vor. Im Vergleich zu Calcit und Aragonit kommt Vaterit in der Natur nur selten vor. Es ist nach dem deutschen Chemiker und Mineralogen Heinrich Vater benannt. In den Gehäusen mancher Schnecken kommen alle drei Anhydratmodifikationen der Verbindung nebeneinander vor. Daneben existieren mit Monohydrocalcit und Ikait zwei weitere pseudopolymorphe Minerale, die Hydrate von Calciumcarbonat darstellen. Das instabile Monohydrocalcit ist das Monohydrat des Calciumcarbonats. Das erste natürliche Vorkommen von Monohydrocalcit wurde 1959 und 1964 als ein unreines Sediment im Issyk-Kul-See in Kirgisien beschrieben. In Lebewesen kommt es in Blasensteinen von Meerschweinchen und in den Gehörsteinchen einiger Wirbeltiere vor. Ikait ist das Hexahydrat von Calciumcarbonat und wurde in der Natur erstmals 1963 in Form von bis zu 20 Meter hohen Säulen am Ikkafjord auf Grönland entdeckt. Der Fundort verlieh dem Mineral auch seinen Namen. Das Mineral ist bei Atmosphärendruck über 0 °C instabil und geht darüber in Calcit über. Seine Bildung wird von Magnesium (das in Meerwasser reichlich enthalten ist) und von anderen Additiven begünstigt. Calciumcarbonat ist der Hauptbestandteil des sedimentär gebildeten Kalksteins, des metamorphen Marmors und weiterer Sedimentgesteine wie zum Beispiel Oolith oder Stromatolith. In der belebten Natur kommt es im Außenskelett von Krebstieren, Korallen, Muscheln, Schnecken sowie Einzellern vor. In diesen liegt es zum Teil auch in einer der mehreren bekannten amorphen Calciumcarbonatphasen (ACC) vor. Die ersten Kalkgesteine nennenswerten Ausmaßes entstanden durch Stromatolithe vor über zwei Milliarden Jahren. Calciumcarbonat ist im Boden weiträumig vorhanden. Die wichtigsten Calcium-Minerale in unseren Boden sind Calcit und Dolomit [CaMg(CO3)2]. Sie werden im Boden freigesetzt, wenn Karbonatgesteine oder Mergel verwittern. Entgegen landläufiger Meinung enthalten die Knochen und Zähne der Wirbeltiere kein Calciumcarbonat, sondern die ebenfalls calciumhaltigen Stoffe Hydroxylapatit (in Knochen) und zusätzlich Fluorapatit in den Zähnen. Allerdings kommt Calciumcarbonat beispielsweise bei Pflanzen vor. Die Blatthaare des Roten Hartriegels sind mit Calciumcarbonat überzogen, das bei Berührung mit empfindlichen Stellen der menschlichen Haut zu Reizerscheinungen führen kann. Calciumcarbonat wurde auch auf dem Planeten Mars nachgewiesen. Modifikationen in der Natur In der Natur bildet Calciumcarbonat verschiedene Gesteine, die zwar chemisch identisch sind, sich jedoch in mancherlei Hinsicht unterscheiden. Calcit ist eines der wenigen Minerale, das in reiner Form als Gesteinsbildner in allen drei Hauptgruppen vertreten ist. Denn neben den Sedimenten Kreide und Kalkstein sowie dem Metamorphit Marmor gibt es auch magmatische Calciumcarbonat-Gesteine – die Carbonatite. Kreide Kreide ist ein feines, mikrokristallines Sedimentgestein, das durch Ablagerung von durch photosynthetischen Kohlensäureentzug gefälltem Calcit sowie der aragonitischen Schalen von fossilen Kleinlebewesen, wie Coccolithen der Coccolithophoriden und Schalen der Foraminiferen, entstanden ist. Kreide tritt an zahlreichen Standorten entlang des europäischen Kreidegürtels zutage, von Großbritannien über Frankreich bis hin zur Insel Rügen in Norddeutschland, und wird stellenweise abgebaut. Seekreide am Grund von Seen oder in verlandeten Seebecken besteht fast vollständig aus gefälltem Calcit. Die in der Schule verwendete Tafelkreide wird inzwischen allerdings meist nicht mehr aus echter Kreide, sondern vor allem aus Gips (Calciumsulfat) hergestellt. Kalkstein Kalkstein wird ebenfalls überwiegend von Lebewesen gebildet und ist stärker verfestigt als Kreide. Die Kalkablagerung geschieht entweder direkt oder indirekt aus den Überresten der Lebewesen, wie zum Beispiel von Schnecken, Muscheln, gesteinsbildenden Steinkorallen und Schwämmen, die Calciumcarbonat zum Aufbau von Außen- oder Innenskeletten abscheiden. Indirekt wird er dadurch gebildet, dass Lebewesen, vor allem phototrophe, CO2 assimilieren und so das Milieu alkalisieren, was zur Ausfällung von Calciumcarbonat führt. Die Größe der Carbonatkristalle liegt zwischen derjenigen von Kreide und Marmor. Große Kalkstein-Vorkommen befinden sich zum Beispiel auf der Schwäbischen und Fränkischen Alb, im Jura, in den Kalkalpen und den Westalpen, im Himalaya und in vielen anderen Gebieten. Marmor Marmor ist ein grobkristallines, metamorphes Gestein, das entsteht, wenn Kreide, Kalkstein oder Dolomit unter dem Einfluss hoher Temperaturen und/oder hoher Drücke (über 1000 bar) umkristallisiert werden. Große Marmor-Vorkommen finden sich in Europa beispielsweise in Südtirol (Laas), Österreich (Gummern), Norwegen (Molde) oder im italienischen Carrara, der Heimat des reinweißen Statuario, aus dem Michelangelo seine Skulpturen schuf, sowie auch in Nordamerika. Darstellung Synthetisches Calciumcarbonat wird als PCC ( „gefälltes Calciumcarbonat“) bezeichnet – im Unterschied zu GCC (engl. „gemahlenes Calciumcarbonat“). PCC kann auf verschiedene Arten hergestellt werden. Bekannte Prozesse sind die Fällung mit Kohlendioxid, das Kalk-Soda-Verfahren und der Solvay-Prozess, bei dem PCC als Nebenprodukt der Ammoniak-Herstellung anfällt. Die Fällung mit Kohlendioxid ist der am häufigsten eingesetzte Prozess, insbesondere in den On-site-Anlagen der Papierindustrie. Sauberer Kalkstein beziehungsweise Branntkalk wird zunächst zum Calciumhydroxid (Kalkmilch) gelöscht und anschließend als dünne Suspension dem Reaktionsbehälter zugeführt. Dort leitet man so lange Kohlendioxid ein, bis das Calciumhydroxid vollständig zu Calciumcarbonat umgesetzt ist. Die Reaktionsdauer kann durch den Verlauf des pH-Wertes beurteilt und gesteuert werden. Die Fällung erfolgt bei einem Feststoffgehalt von etwa 20 %. Über die Prozessführung (Temperatur, Druck, Zeit, Konzentration) können unterschiedliche Kristallformen (Kristallmorphologien) und Kornverteilungen erzeugt („gezüchtet“) werden. Bevorzugt wird die rhomboedrische oder skalenoedrische Kristallform. Weil mit hochreinen Ausgangsprodukten gearbeitet werden kann, sind die PCCs besonders weiß und haben auch Vorteile bezüglich der Opazität. Inzwischen erzeugen große Papierfabriken PCC in einem „Verbund“, indem sie Kohlenstoffdioxid, das bei der Verbrennung in Kraftwerken in Form von Rauchgasen entsteht, durch Bindung an Calciumhydroxid wieder rückgewinnen. Dies stellt jedoch keinen Beitrag zur Reduzierung der Kohlenstoffdioxid-Konzentration in der Atmosphäre (Klimawandel) dar, weil bei der zuvor notwendigen Herstellung von Kalkhydrat natürlicher Kalkstein gebrannt werden muss, wobei wieder CO2 freigesetzt wird. Eine außergewöhnliche Calciumcarbonat-Lagerstätte gibt es im französischen Villeau, wo ein fossiler Calciumcarbonat-Niederschlag seit über 30 Millionen Jahren nie verfestigt wurde, sondern locker geblieben ist und so in seiner Zusammensetzung und Struktur dem künstlich gefällten PCC gleicht. Beim Kalk-Soda-Verfahren entsteht Calciumcarbonat als Nebenprodukt bei der Herstellung der Ätzalkalien Natriumhydroxid und Kaliumhydroxid. Vaterit fällt besonders aus übersättigten Lösungen in Form mikroskopisch kleiner Kristalle aus. Monohydrocalcit kann durch Entwässerung unter ständigem Absaugen des Wassers des Hexahydrates oder durch Additive, wie z. B. Magnesium, direkt in einem Temperaturbereich von 0 bis 40 °C synthetisiert werden. Ikait konnte erstmals 1865 von Pelouze durch Einleiten von Kohlendioxid in eine wässrige Calciumoxid/Zucker-Lösung hergestellt werden. Es kann auch durch Zugabe einer Natriumcarbonatlösung in eine eisgekühlte Calciumchloridlösung hergestellt werden. Das Zermahlen von Ikait führt zu einer Abgabe des Kristallwassers, wodurch neben Calcit auch eine beträchtliche Menge an Vaterit entsteht. Amorphes Calciumcarbonat ist nach der Stufenregel von Ostwald bei der Kristallisation von Calciumcarbonat die erste Phase, die ausfällt. Es enthält eingeschlossenes und interstitielles Wasser, jedoch kann der Gehalt an Wasser variieren und wandelt sich im Weiteren in wässrigen Lösungen zu einer der wasserfreien polymorphen Phasen des Calciumcarbonats um. Verschiedene Arten von Additiven können ACC stabilisieren, jedoch kann stabilisiertes ACC auch ohne die Hilfe von Zusätzen erhalten werden, wenn es bei hoher Übersättigung gefällt wird. ACC, das frei von Zusätzen ist und aus äquilibrierten, leicht übersättigten (metastabilen) wässrigen Calciumcarbonatlösungen mithilfe eines plötzlichen Wechsels in ein schlechtes Lösungsmittel für Calciumcarbonat ausgefällt wurde (z. B. durch „Abschrecken“ in Ethanol). ACC wurde erstmals von Johnston et al. durch Mischen konzentrierter Lösungen von Calciumchlorid und Natriumcarbonat hergestellt. Später wurde eine Methode gefunden, wodurch beim Einleiten von Kohlendioxid in eine gesättigte Calciumhydroxidlösung zunächst amorphes Calciumcarbonat entsteht, das dann weiter zu Calcit kristallisiert. Eigenschaften Physikalische Eigenschaften Calciumcarbonat kommt in mehreren wasserfreien und auch zwei Hydrat-Modifikationen sowie weiteren amorphen Formen vor. Alle sind in reiner Form farb- und geruchlose Feststoffe. Calciumcarbonat zerfällt ab ungefähr 600 °C in Calciumoxid und Kohlenstoffdioxid, wobei die genaue Zerfallstemperatur vom vorliegenden CO2-Partialdruck abhängt. Die bei Normalbedingungen thermodynamisch stabilste und damit weitaus häufigste Calciumcarbonat-Modifikation ist das Calcit. Wie alle nichtkubischen, lichtdurchlässigen Minerale hat es die besondere Eigenschaft der Doppelbrechung, also einen einfallenden Lichtstrahl in zwei polarisierte Lichtstrahlen zu zerlegen, die verschieden stark gebrochen werden. Calcit kristallisiert bei Normalbedingungen in einer trigonalen Struktur in der . Zudem existieren noch eine Hochtemperaturmodifikation (985 °C bei Normaldruck) mit der Raumgruppe und mehrere Hochdruckmodifikationen (Calcit II–Calcit V). Bei Raumtemperatur entsteht Calcit II bei 1,70 GPa, der dann bei 2,15 GPa in Calcit III übergeht. Calcit III ist bei Raumtemperatur bis 6,16 GPa stabil und wandelt sich erst bei einer Temperaturerhöhung auf 345 °C in Aragonit um. Aragonit kristallisiert in einer orthorhombischen Kristallstruktur mit der Raumgruppe . Die Calciumionen liegen annähernd auf den Positionen einer hexagonal dichtesten Packung, die durch Stauchung entlang der sechszähligen Achse verzerrt wird. Aragonit ist trocken und bei Raumtemperatur über einen unbestimmten Zeitraum stabil. Dagegen wandelt er sich in Lösung langsam in Calcit um, dessen Morphologie bei der Umwandlung von Aragonit abhängig von den Bedingungen ist. Findet die Transformation in Lösung statt, so erhält man rhomboedrische Kristalle, während die nadelförmige Struktur des Aragonits bestehen bleibt, wenn die Umwandlung durch Erhitzen erfolgt. Die Aragonit-Calcit-Transformation ist irreversibel und findet nicht bei einer bestimmten Temperatur statt. Beim Erhitzen auf 400 °C dauert die Umwandlung zu Calcit ungefähr drei Stunden, während sie bei 470 °C nur wenige Minuten dauert. Der gesamte Umwandlungsbereich liegt zwischen 387 und 488 °C. Geologisch mineralisierter Aragonit tendiert nicht dazu, sich zwischen 10 und 90 °C umzuwandeln, während sich synthetisch hergestellter Aragonit in Lösung nahe 90 °C in Calcit umwandelt. Aragonit ist jedoch die stabilste Phase des Calciumcarbonats oberhalb 70 °C und 1013 hPa und bei extremen Drücken. Vaterit ist die instabilste wasserfreie kristalline Form des Calciumcarbonats. Er ist im trockenen Zustand über einen langen Zeitraum stabil, wandelt sich dagegen bei Kontakt mit Wasser aufgrund von Auflösung und anschließender Rekristallisation in Calcit um. Daher ist es schwierig, Vaterit aus wässrigen Lösungen zu erhalten. Die Phasenumwandlungstemperatur zu Calcit ist abhängig von den jeweiligen Synthesebedingungen und liegt im Bereich von 320 bis 460 °C. Er kristallisiert in einer hexagonalen Kristallstruktur mit der Raumgruppe . Monohydrocalcit, das Monohydrat von Calciumcarbonat, kristallisiert in einer der beiden trigonalen Kristallstrukturen mit der Raumgruppe oder . Es ist instabil und kristallisiert innerhalb weniger Stunden, beim Befeuchten mit Wasser sofort, in die wasserfreie Phase Calcit um. Eine Temperaturerniedrigung und eine Erhöhung des hydrostatischen Druckes stabilisieren es. Eine Rückbildung zum Hexahydrat Ikait ist nicht zu beobachten. Das Ikait als Hexahydrat von Calciumcarbonat kristallisiert in der monoklinen Raumgruppe . Die Struktur enthält diskrete CaCO3-Ionenpaare, die jeweils von einer Hülle aus 18 Wassermolekülen umgeben sind. Es ist bei Atmosphärendruck über 0 °C instabil, bei Drücken von 6 bis 7 kbar jedoch auch bei Raumtemperatur stabil. Es existiert zwar teilweise bei höheren Temperaturen, beginnt jedoch bei über 5 °C eine Umwandlung zu Calcit, die auch bei erneuter Temperaturerniedrigung nicht mehr aufgehalten werden kann. Löslichkeitsbestimmungen zeigen, dass Ikait im Vergleich zu Aragonit und Calcit löslicher ist und seine Löslichkeit im Gegensatz zu den wasserfreien Polymorphen mit sinkender Temperatur abnimmt. Als amorphes Calciumcarbonat (ACC) werden Modifikationen von Calciumcarbonat bezeichnet, die weder diskrete Röntgen- noch Elektronenbeugungsreflexe liefern. Es enthält bis zu einem Molekül Wasser pro Carbonat-Ion. Es ist instabil, wobei niedrige Fällungstemperaturen bei der Herstellung die amorphe Phase stabilisieren, während ein Temperaturanstieg zu einer schnellen Kristallisation führt. Auch eine stark alkalische Mutterlösung oder die Verwendung geeigneter Additive bei der Fällung, wozu vor allem Magnesium, Phosphate und eine Reihe organischer Substanzen gehören, stabilisieren ACC. Das Kristallisationsprodukt hängt von den Bedingungen ab. So bildet sich im Bereich von 14 bis 30 °C innerhalb von 3 bis 6 Stunden Vaterit und Calcit, während von 60 bis 80 °C in 17 bis 22 Stunden Aragonit und Calcit entstehen. Im dazwischen liegenden Temperaturbereich (40–50 °C) bilden sich alle drei kristallinen wasserfreien Phasen. In Gegenwart organischer Substanzen wie Aminen, Aminosäuren und Carbonsäuren wandelt sich ACC dagegen in Vaterit um. Dabei sind Ethylendiamin und Natriumaspartat die besten Additive für die Vateritbildung. Chemische Eigenschaften Wie alle Carbonate ist auch Calciumcarbonat empfindlich gegenüber Säuren. Auf dieser einfachen Reaktion beruht die gebräuchlichste Erkennungsmethode für Carbonatgesteine. Tropft man etwas Salzsäure auf einen Kalkstein, wird Kohlenstoffdioxid frei und lässt die Flüssigkeit aufbrausen. Diese Säureempfindlichkeit machte sich der Sage nach auch der karthagische Feldherr Hannibal zunutze, als er 218 vor Christus mit seinen Elefanten die Alpen überquerte. Um den Tieren das Klettern im Fels zu erleichtern, befahl er seinen Soldaten, große Mengen Essig auf das kompakte Kalkgestein zu schütten, worauf das Gestein „chemisch“ verwitterte und die Soldaten mühelos Stufen für die Elefanten in den Fels brechen konnten. Calciumcarbonat selbst ist in reinem Wasser kaum löslich. Die Löslichkeit beträgt gerade einmal 14 Milligramm pro Liter, wobei das Carbonat-Ion als Hydrogencarbonat-Ion in Lösung geht. Bei Anwesenheit von gelöstem Kohlenstoffdioxid steigt die Löslichkeit jedoch um mehr als das Hundertfache. Auf diesem Effekt beruht die Verwitterung von Kalkgestein, wobei sich das leicht lösliche Calciumhydrogencarbonat bildet. Wegen seiner Löslichkeit ist Calciumhydrogencarbonat ein Bestandteil der meisten natürlichen Gewässer, je nach Gestein in unterschiedlichen Konzentrationen. Die Konzentration von Calciumcarbonat im Wasser wird in Deutschland mit „Grad deutscher Härte“ (1 °dH = 10 mg CaO/Liter Wasser oder 17,85 mg CaCO3/Liter oder 0,18 mmol/l) angegeben. In Frankreich wird die Maßeinheit „Grad französischer Härte“ benutzt, wobei 1 °fH = 0,1 mmol Ca2+/l oder Mg2+Ionen entspricht. In der Schweiz wird entweder die direkte Angabe über mmol/l oder die französische Härte verwendet. Der Umkehrung dieses Lösevorgangs, der Ausfällung, verdanken die meisten natürlichen Vorkommen von Calciumcarbonat ihre Entstehung. Da die Löslichkeit des Calciumcarbonats proportional zur Menge des gelösten Kohlendioxids und damit dem Gehalt an Kohlensäure ist, wird sie von den gleichen Faktoren bestimmt, die auch die Konzentration des Kohlendioxids (gemessen als Partialdruck) bestimmt. Der komplizierte Mechanismus, der an manchen Wasserläufen sichtbar ist, so etwa bei den Kalkterrassen in Pamukkale (Türkei), wird durch das Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht beschrieben. Dabei steigt die Löslichkeit von Kohlendioxid mit zunehmendem Druck und sinkender Temperatur. Wenn Wasser zum Beispiel durch die feinen Rinnen (Diaklasen) eines Kalkgesteins oder eines calciumhaltigen vulkanischen Gesteins fließt, steht es unter Druck und kann dadurch sehr viel mehr Calciumcarbonat lösen. Erreicht dieses Wasser dann das Freie, gleichen sich der Wasserdruck und die Temperatur an den Atmosphärendruck und die Umgebungstemperatur an. Das Kohlendioxid entweicht, das Calciumcarbonat fällt aus und bildet die typischen Kalkablagerungen. Auf diese Weise entstehen unter anderem Travertine (Begriff, der trotz Unterschiede oft synonym je nach Region und Sprache auch für Kalksinter oder Kalktuff verwendet wird), mehr oder weniger poröse Kalkgesteine. Ähnliche Vorgänge (Druckänderungen) laufen an Stromschnellen und Wasserfällen von Flüssen ab, wobei sich ebenfalls Travertine bilden. Neben dem Kohlendioxidgehalt bestimmt auch die vorhandene Wassermenge das Gleichgewicht zwischen gelöstem und ungelöstem Calciumcarbonat. Sinkt der Wasseranteil, entsteht zunächst eine übersättigte Lösung, aus der dann Calciumcarbonat ausfällt. Dies kann in der Natur durch Verdunsten bzw. Verdampfen oder durch Ausfrieren auftreten. Das bekannteste Beispiel für die Fällung von Calciumcarbonaten durch Verdunstung ist die Bildung von Tropfsteinen in den Karsthöhlen von Kalkgesteinen, den Stalaktiten und Stalagmiten. Auf der Verschiebung des Löslichkeits-Gleichgewichtes (Ausfall von Calciumcarbonat durch Temperaturerhöhung) beruht unter anderem auch die Bildung von Kesselstein in Heizkesseln, an Durchlauferhitzern und ähnlichen Geräten. Auch Lösungsvorgänge als Bildung von Strukturen sind in der Natur anzutreffen, die sich zum Beispiel in Form von Styolithen (einige Millimeter bis Zentimeter lange Vorsprünge oder Säulchen, die im Inneren von Kalkgesteinsbanken als unregelmäßige, gerippte Ebenen auftreten) zeigen. Ähnliche Vorgänge sind in der Tiefsee zu beobachten. Die Calcit- und Aragonit-Kompensationstiefe bezeichnet die Tiefe im Meer, unterhalb der sich Calcit und Aragonit vollständig auflöst. Ursache ist die Zunahme der Kohlendioxidkonzentration im Wasser mit zunehmender Meerestiefe. Auch durch andere saure Bestandteile der Luft sowie durch Nitrifikation im Boden wird Calciumcarbonat gelöst. In der Luft enthaltene Schwefeloxide bilden in wässriger Umgebung Schwefelsäure (H2SO4). Diese verwandelt Kalk in Calciumsulfat (CaSO4) oder Gips (CaSO4 · 2 H2O). Calciumsulfat ist mit etwa 2 g/l zwar ebenfalls wenig wasserlöslich, aber besser löslich als Calciumcarbonat, was zu einem langsamen Auswaschen von Kalkoberflächen durch Feuchtigkeit führt. Verwendung Natürliches Calciumcarbonat (Kalkstein) wird in großen Mengen als Rohstoff für die Baustoff-Industrie, als Zuschlagstoff in der Stahlindustrie, als mineralischer Dünger, als Futterkalk und als mineralischer Füllstoff in diversen industriellen Anwendungen verwendet (z. B. in Papieren, Farben, Lacken, Putzen, Kunststoffen und Rückseitenbeschichtungen von Teppichen). Insgesamt werden jährlich über 400 Millionen Tonnen Kalkgestein abgebaut. Baustoff Das Haupteinsatzgebiet ist die Herstellung von Zement (Calciumsilicat, Calciumaluminat) und Branntkalk. Durch Brennen von Kalk entsteht Branntkalk. Aus diesem wird durch Löschen mit Wasser Kalkhydrat (Calciumhydroxid Ca(OH)2, gelöschter Kalk) hergestellt. Mit dem Kohlenstoffdioxid der Luft reagiert er wiederum zu Kalk und schließt den technischen Kalkkreislauf. Kalkhydrat und Kalk eignen sich als Putz oder Wandbeschichtungen wie dem Tadelakt. Die ersten Entdecker dieses Phänomens waren die Römer, die im großen Stile Kalkbrennanlagen betrieben. Füllstoff Nach dem weltweit verkauften Volumen ist Calciumcarbonat in Form von Gesteinsmehl der wichtigste Füllstoff. Sofern die Füllstoffe auch die optische Erscheinung des Endprodukts beeinflussen, ist oft ein hoher Weißgrad erwünscht, den nur der Kalkstein weniger Lagerstätten erfüllt. Der größte industrielle Anwender von weißen Calciumcarbonaten ist mit einer Menge von über 10 Millionen Tonnen (weltweit) pro Jahr die Papierindustrie, danach folgen die Kunststoff- und die Baustoff-Industrie (Putze und Farben) mit insgesamt nochmals 15 Millionen Tonnen pro Jahr. Für den Einsatz in der Papierindustrie, vor allem als Streichfarbe, werden in Europa insbesondere Lagerstätten in Frankreich, Italien, Deutschland, Norwegen und Österreich abgebaut, wobei das Mineral durch Nassmahlung zerkleinert und als Slurry (teilweise per Tankschiff) in den Handel kommt. Landwirtschaft Beim Bodengefüge werden über den Calciummagnesiumcarbonat-Gehalt der pH-Wert und dadurch die strukturellen Eigenschaften, die biotische Aktivität sowie die Speicherfähigkeit und Umsetzung der Nährstoffe im Boden beeinflusst. Das macht den pH-Wert zur wichtigsten Kenngröße für die Bewirtschaftung aller Bodentypen. Dabei spielt eine ausreichende Kalkversorgung mit „freiem“, nicht an Bodenpartikel gebundenem Calciumcarbonat eine bedeutende Rolle. Durch Kalkung wird versucht, einer Bodenversauerung entgegenzuwirken und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten oder zu verbessern. Calciumcarbonat dient so seit Jahrhunderten zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit in der Landwirtschaft. Die Bestimmung des Calciumcarbonatgehaltes im Boden erfolgt durch Zusetzung von 10%iger Salzsäure und Bewertung der auftretenden Reaktion, wie einer Schaumbildung. Lebensmittelzusatzstoff In Deutschland wurde Calciumcarbonat durch die Farbstoff-Verordnung ab 1959 als Lebensmittelfarbstoff für die Verwendung in Lebensmitteln zugelassen. Zur Übernahme der Richtlinie des Rats zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für färbende Stoffe, die in Lebensmitteln verwendet werden dürfen in nationales Recht wurde die Farbstoff-Verordnung 1966 angepasst und für Calciumcarbonat die E-Nummer E 170 aufgenommen. Ab 1978 wurde die Verwendung in Deutschland durch die Zusatzstoff-Zulassungsverordnung geregelt. Durch die Verordnung (EG) Nr. 1333/2008, die am 20. Januar 2009 in Kraft trat, ist die Verwendung von Calciumcarbonat als Lebensmittelzusatzstoff im ganzen EWR einheitlich geregelt. E 170 ist in Gruppe I und zusammen mit anderen Farbstoffen, wie Riboflavine, Zuckercouleur oder Carotin in Gruppe II: Lebensmittelfarbstoffe ohne Höchstmengenbeschränkung einsortiert und kann somit ohne Mengenbegrenzung (quantum satis) verwendet werden. Calciumcarbonat wird in Lebensmitteln neben der Verwendung als Farbstoff auch als Füllstoff, Säureregulator, Trennmittel oder Rieselhilfe eingesetzt. Im Speisesalz ist es als Rieselhilfe enthalten. Calciumcarbonat wird gebrochen und/oder gemahlen und kommt stückig oder als Mehl in den Handel. Weitere Einsatzbereiche Calciumcarbonat fand früher auch als Tafelkreide Verwendung, insbesondere in Frankreich als sogenannte Champagnerkreide, die aus Kreidegestein besteht, einem chemisch sehr reinen Calciumcarbonat. Etwa 55 Prozent der in Deutschland verkauften Kreide bestanden 1990 aus Gips (Calciumsulfat). Für einige Anwendungen sind natürliche Calciumcarbonate nicht optimal, so dass hier synthetische Calciumcarbonate verwendet werden. Mit der Bezeichnung Hydro-Calcit wird synthetisches Calciumcarbonat in der Wassertechnik zur Entsäuerung von Wässern mit „aggressiver Kohlensäure“ verwendet. Dieses Verfahren gilt als eines der ältesten Entsäurerungsverfahren. Zusammen mit Magnesiumcarbonat wird Calciumcarbonat in Medikamenten zur Magensäureregulation (Antazida) eingesetzt. Siehe auch Kalkseife Kesselstein Tropfstein Technischer Kalkkreislauf, mit den Kreislaufstoffen Calciumcarbonat (dieser Artikel), Calciumoxid und Calciumhydroxid Kalkablagerung Liste der E-Nummern Liste der Lebensmittelzusatzstoffe Literatur Temple C. Patton: Pigment Handbook. S. 109 bis 128, John Wiley & Sons, ISBN 0-471-67123-1. Lothar Göttsching und Casimir Katz (Hrsg.): Papierlexikon. Gernsbach 1999, ISBN 3-88640-080-8. Wolfgang Tegethoff: Calciumcarbonat. ISBN 3-7643-6424-6. Einzelnachweise Calciumverbindung Carbonat Arzneistoff Pharmazeutischer Hilfsstoff Lebensmittelfarbstoff Düngemittel Füllstoff Lebensmittelzusatzstoff (EU)
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https://de.wikipedia.org/wiki/Snapchat
Snapchat
Snapchat ist ein kostenloser Instant-Messaging-Dienst mit der Möglichkeit, unter Snapchat+ kostenpflichtige Zusatzfunktionen zu abonnieren. Die Nutzung ist auf Mobilgeräten mit Android oder iOS und im Webbrowser (Chrome und Edge) möglich. Der Dienst ermöglicht den privaten Austausch von Fotos, Videos und Textnachrichten, das Speichern von Aufnahmen, sowie das Teilen des eigenen Standorts mit Freunden und das Veröffentlichen von Videoclips. Beschreibung Snapchat wurde im September 2011 von Robert „Bobby“ Murphy und Evan Spiegel gegründet. Firmensitz ist Los Angeles, Kalifornien. Im September 2013 versandte der Dienst 350 Millionen Nachrichten pro Tag. Das Angebot eines Aufkaufs durch die Facebook Inc. (heute: Meta Platforms) für zunächst eine Milliarde und später drei Milliarden US-Dollar wurde abgelehnt. Sein Wert wurde im September 2015 mit 19 Milliarden US-Dollar beziffert. Im April 2016 sahen ca. 100 Millionen aktive Nutzer täglich 10 Milliarden Video-Clips. Mit dieser Aktivität liegt Snapchat weltweit noch vor Facebook, das auf ca. acht Milliarden tägliche Video-Aufrufe kommt. Snapchat unterscheidet sich von anderen sozialen Mediendiensten in seinem Aufbau. Neben der herkömmlichen Messaging-Funktion für die Kommunikation von einer Person zur anderen oder in Gruppenchats erhalten die Nutzer keine Profile, die mit Inhalten weiter ausgebaut werden. Sie erhalten stattdessen ihre eigenen einseitig ausgerichteten Channels, über die immer wieder neue Inhalte verbreitet werden können. Deren Inhalte können andere Nutzer anschauen, jedoch nicht direkt kommentieren oder liken. Nach einiger Zeit verschwinden diese Inhalte wieder. Klassisch entspricht es eher einem Tagebuch, das sie temporär mit anderen Nutzern teilen. Kurzum erhält jeder Nutzer einen Sender und so die Möglichkeit, einen Kanal mit Fotos oder Kurzfilmen nach seinem Belieben für seine Zielgruppe zu bespielen, welche mit diversen Filtern versehen werden können. Am 24. September 2016 wurde das Unternehmen Snapchat Inc. in Snap Inc. umfirmiert. Dabei wurde die eigene Kamerabrille Spectacles angekündigt, mit der man bis zu 10 Sekunden lange Videos aufnehmen kann. Im April 2022 hatte das Unternehmen weitere Hardware angekündigt, eine Drohne mit dem Namen Pixy. Nach nur vier Monaten wurde der Verkauf der bereits fertig entwickelten, autonom fliegenden Drohne wieder beendet. Geschichte Entwicklung Nach verschiedenen Dokumenten und Aussagen kontaktierte Reggie Brown Evan Spiegel mit seiner Idee von sich selbst löschenden Bildern, da dieser bereits Erfahrungen im Geschäfts- und Managementbereich hatte. Bobby Murphy, der Erfahrungen im Bereich Codieren und Programmieren hatte, wurde danach eingeweiht. Die nächsten Monate arbeiteten die drei eng zusammen, bis Spiegel und Murphy beschlossen, Brown jeglichen Zugang zum Projekt Snapchat zu verweigern. Zu Beginn fokussierte sich das Team mehr auf die Verwendbarkeit der App und technische Aspekte als auf die Markenpolitik. Eine Ausnahme bildete die Entscheidung, das von Brown entworfene Maskottchen Ghostface Chillah, benannt nach Ghostface Killah der Hip-Hop-Gruppe Wu-Tang Clan, beizubehalten. Am 8. Mai 2012 schickte Brown eine E-Mail an Evan Spiegel, in der er anbot, alle Anteile, die er von Snapchat besaß, zu verkaufen. Die Anwälte der Firma antworteten, dass Brown niemals eine kreative Verbindung zu Snapchat gehabt habe, und beschuldigten ihn außerdem des Betrugs, da er sich gegenüber Spiegel und Murphy als Produktionsentwickler ausgegeben habe. Daraus schlossen die Anwälte, dass Brown keine wertvollen Beiträge zur Entwicklung der App geleistet und deshalb keinen Anspruch auf irgendwelche Anteile der Firma habe. In ihrem ersten Blog-Eintrag vom 9. Mai 2012 beschrieb CEO Evan Spiegel die Unternehmensphilosophie: „Snapchat isn’t about capturing the traditional Kodak moment. It’s about communicating with the full range of human emotion – not just what appears to be pretty or perfect.“ („Bei Snapchat geht es nicht darum, den traditionellen Kodak-Moment einzufangen. Es geht darum, den vollen Umfang menschlicher Emotionen zu transportieren – nicht nur, was hübsch oder perfekt zu sein scheint.“) Sie bezeichnen Snapchat als das Ergebnis der Diskussion um die Langlebigkeit von persönlichen Informationen in anderen sozialen Netzwerken. Im August 2017 läutete Snapchat die Testphase der neuen Funktion „Crowd Surf“ ein, mit der Videoclips verschiedener Nutzer (zu einem Ereignis) miteinander kombiniert werden können. So soll am Ende ein interaktiver Clip entstehen, der die jeweilige Veranstaltung aus verschiedenen Blickwinkeln zeigt. Im November 2017 kündigte Snapchat eine Neugestaltung an, die Anfang 2018 umgesetzt und daraufhin vielfach kritisiert wurde. Ingrid Angulo von CNBC führte an, dass das Versenden eines Snaps und das Wiedersehen von Storys komplizierter sei, Storys und eingehende Snaps nun auf derselben Seite aufgeführt seien und die Discover-Seite nun gesponserte Inhalte enthalte. Im Februar 2018 versendete Kylie Jenner einen Tweet, in dem sie das neue Design der Snapchat-App kritisierte. Daraufhin sank der Börsenwert von Snapchat Inc. zwischenzeitlich um 1,7 Milliarden US-Dollar. Mitte 2022 wurde eine Web-Version angekündigt. Bis dahin war der Chat-Dienst nur als App für Mobilgeräte nutzbar, nicht aber an PCs/Laptops, wie es bei zahlreichen Konkurrenz-Angeboten bereits seit längerer Zeit möglich ist. Wachstum Während im Mai 2012 noch etwa 20 Bilder pro Sekunde verschickt wurden, konnte am 28. November desselben Jahres bereits das milliardste geteilte Foto in der iOS-App gemeldet werden. Durchschnittlich wurden damals 20 Millionen Fotos am Tag gesendet. In diesem Monat gab Spiegel auch zu, Probleme bei der Zustellung mancher Bilder, sogenannter Snaps, in Echtzeit zu haben. Am 29. Oktober wurde die Android-App veröffentlicht. Im Dezember 2012 fügte Snapchat die Videofunktion hinzu. Indem man den Auslöser gedrückt hält, können nun Videos bis zu zehn Sekunden Länge aufgenommen und verschickt werden. Nach einmaligem Ansehen löscht sich das Video automatisch. Spiegel erklärte, durch diesen Prozess könne die Videodatei auf die Größe eines Fotos komprimiert werden. Im Februar 2013 verklagte Reggie Brown Spiegel und Murphy. Brown zufolge sei er ursprünglich der Vertriebsleiter gewesen und habe die Idee für den Dienst, den er Picaboo nannte, gehabt. Er erklärte außerdem, das Maskottchen entworfen sowie die Idee für den heutigen Firmennamen gehabt zu haben. Browns Anwälte legten Dokumente offen, die die Zusammenarbeit von Spiegel und Murphy belegen sollten, doch Snapchat bezeichnete die Klage als wertlos und Browns Taktik als Erpressung. Im Zuge des Prozesses sagte Brown aus, er habe geglaubt, ein gleichberechtigter Partner gewesen zu sein und zugestimmt zu haben, Kosten sowie Gewinn zu teilen. Spiegel hingegen beschrieb Brown als einen unbezahlten Praktikanten, der nützliche Erfahrung mitgebracht habe. Außerdem sagte Murphy, er habe nie genau verstanden, was Browns Rolle im Unternehmen gewesen wäre, ihn aber als einen Praktikanten eingeschätzt. Monate später tat Spiegel den Prozess als ein Exempel von Opportunisten ab, die sich schnell wachsende Unternehmen suchen, um von deren harter Arbeit zu profitieren. Im Juni 2013 wurde die Version 5.0 „Banquo“ für iOS veröffentlicht. Der Name ist eine Anspielung auf den geisterhaften Helden in Shakespeares Macbeth, der über das Böse siegt. Das Update enthielt zahlreiche Verbesserungen und Neuerungen wie die Wisch-Funktion oder den Doppelklick zum Antworten. Ebenfalls im Juni wurde Snapkidz veröffentlicht. Wenn sich Benutzer mit einem Alter von unter 13 Jahren anmeldeten, konnten sie zwar auf den aufgenommenen Bildern malen, jedoch keine Bilder an andere Nutzer verschicken. Außerdem konnten die Bilder nur direkt auf dem Gerät gespeichert werden. Im Oktober 2013 wurde die Geschichten-Funktion eingeführt, mit der Nutzer ihre Bilder in chronologischer Reihenfolge in eine Storyline posten können, die von allen Freunden angesehen werden kann. Am 1. Mai 2014 wurde die Möglichkeit gestartet, über Video-Chat zu kommunizieren. Außerdem enthielt das Update die Direktnachrichten-Funktion, über die kurzlebige Textnachrichten an Nutzer geschickt werden können. Am 9. September 2014 verkündeten die Inhaber von Snapchat, dass der Prozess gegen den Kollegen und ehemaligen Freund Reggie Brown mit einem Vergleich über eine nicht genannte Summe abgeschlossen wurde. Im Zuge dessen mussten sie Brown zugestehen, die ursprüngliche Idee von Snapchat gehabt zu haben. In der Pressemitteilung wurde Spiegel zitiert: „We are pleased that we have been able to resolve this matter in a manner that is satisfactory to Mr. Brown and the Company. We acknowledge Reggie’s contribution to the creation of Snapchat and appreciate his work in getting the application off the ground.“ („Wir sind froh, dass wir in der Lage waren, diese Angelegenheit so zu lösen, dass die Situation für Herrn Brown und das Unternehmen zufriedenstellend ist. Wir erkennen Reggies Beitrag zur Entwicklung von Snapchat an und schätzen seine Mitarbeit, die App von Grund auf gestaltet zu haben.“) 2015 erwarb Snapchat das Start-up-Unternehmen Looksery, eine App, mit der Nutzer Videos von sich verändern können. Laut den vom Unternehmen veröffentlichten Zahlen verschickten die Nutzer im Mai 2015 zwei Milliarden solcher Videos am Tag. Im November waren es sechs, und 2016 zehn Milliarden pro Tag. Stand April 2022 hat Snapchat 332 Millionen täglich aktive Nutzer weltweit. Börsengang Anfang 2017 ging Snapchat an die Börse. Die Nachrichtenagentur Reuters bezeichnete dieses Ereignis als „eine(n) der größten Börsengänge in der Technologiebranche überhaupt“. Im Juni 2017 bot Snapchat eine neue ortsbasierte Funktion, die „Snap Map“, an. Mit dieser ist es Benutzern möglich, den eigenen Standort zu teilen, aber auch die Position der eigenen Kontakte und Storys an bestimmten Orten zu finden. Obwohl die Standortfreigabe deaktiviert werden kann, war das neue Feature heftiger Kritik von Kinder- und Datenschützern ausgesetzt, weil damit sehr leicht ein intimes Bewegungsprofil entstehen kann. Entwickelt wurde die „Snap Map“ in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Mapbox. Filter Die verschickten Medien, welche Snaps genannt werden, können mit verschiedenen Filtern versehen werden. Die Filter kann man durch Wischen nach links oder rechts auf seinen Snap anwenden. Neben einem Filter, der die aktuelle Uhrzeit, den aktuellen Wochentag, die Temperatur, den Akkustand, die momentane Geschwindigkeit oder die Höhe angibt, auf der man sich befindet, gibt es auch Schwarzweiß- und Sättigungsfilter. Des Weiteren gibt es Geofilter: Diese sind ortsspezifisch und meistens in größeren Städten auf der ganzen Welt verfügbar. Einen Geofilter erhält man, wenn man sich in einer bestimmten Stadt oder in einem Gebiet aufhält, in dem ein Geofilter verfügbar ist. Mit Geofiltern kann man seinen Freunden leichter zeigen, wo man sich gerade befindet. Beispielsweise gibt es einen Filter in Stuttgart, welcher den Schriftzug „Welcome to Stuttgart“ über das Bild legt. Über die Snapchat-Website kann jeder Nutzer Vorschläge für neue Geofilter einreichen. Es sind weitere Filter für bestimmte Tage verfügbar, wie zum Beispiel zum Oktoberfest, zu Weihnachten, zu Bundesligaspielen oder zur Bundestagswahl. Snapchat hat elf Smileys eingeführt, die hinter dem Namen des Kontaktes erscheinen. Damit können Kontakte einfacher und übersichtlicher kategorisiert werden, diese Funktion ersetzt die abgeschaffte Freundesliste bzw. Best-Friends-Feature. Abhängig sind die angezeigten Smileys von der Anzahl der jeweiligen Snaps mit dem Gesprächspartner. Dadurch soll schnell ersichtlich werden, wer zum engeren Freundeskreis gehört. Zum Beispiel steht ein gelbes Herz für den Kontakt, mit dem man am meisten Snaps austauscht oder ein Baby-Smiley steht für eine Person, mit der man erst seit kurzem befreundet ist. Sobald man mit dem Gesprächspartner mehr als drei Tage durchgehend „snappt“, erscheinen die sogenannten „Flammen“. Pro Tag steigt die Anzahl der Flammen. Wenn man jedoch innerhalb 24 Stunden nicht zurück snappt, verliert man diese. Allerdings wird durch eine Sanduhr darauf hingewiesen, dass bald ein Verlust der Flammen droht. Storys und Spotlights Storys sind Abfolgen von Snaps, die eine Erzählung bilden. Sie folgen dem traditionellen Verlauf beim Geschichtenerzählen. Die Snaps erscheinen in chronologischer Reihenfolge aus Anfang, Mitte und Schluss. Standardmäßig sind die Datenschutz-Einstellungen so eingestellt, dass nur die Kategorie „Meine Freunde“ die eigenen Storys sehen kann. Das kann aber jederzeit geändert werden. Man kann sich die Storys seiner Freunde ansehen, indem man den jeweiligen Kreis des Freundes gedrückt hält. Die Storys bleiben 24 Stunden verfügbar und werden danach automatisch gelöscht. Passend dazu nimmt der Kreis mit der Zeit ab. Der äußere Ring des Kreises stellt dar, wie viel Zeit bei dem aktuellen Snap noch übrig ist. Der Ring verschwindet, während man den Snap betrachtet und zeigt an, wie viel Zeit einem dabei noch bleibt. Der innere Kreis wird kleiner, während man die Snaps in der Story anschaut, und zeigt an, wie viel Zeit innerhalb der Story noch übrig ist. Sollte der Wunsch bestehen, dass sich eine oder mehrere der eigenen Storys nicht nach 24 Stunden löschen, ist es möglich, diese davor zu speichern. Neben Storys gibt es die Spotlights, die ähnlich funktionieren, aber mehr wie die App Tiktok aufgebaut sind. Seit Juni 2022 gibt es in dem Spotlightfeature sogar Kommentare. In diesen kann jeder ausdrücken wie ihm das Video gefallen hat. Spotlight Kommentare können aktiviert oder deaktiviert werden. Shows Im „Entdecken“-Bereich der Snapchat-App erscheinen seit 2015 „Shows“. Diese Vertikal-Videos sind zwischen drei und sieben Minuten lang, enthalten zum Teil animierte Grafiken und sind im Vergleich zu üblichen TV-Sendungen viel schneller geschnitten. Inhalte werden geliefert von über 100 Markenpartnern, darunter: Axel Springer mit „Bild Fußball“, Brainpool TV („LUKE! Die Woche und ich“), Promiflash mit „Celebrity News“, funk, Load Studios, Onefootball, Spiegel („Bento Mic Drop“), Tastemade und ze.tt aus der Zeit-Verlagsgruppe („Out Now!“). Sicherheit und Kritik Fragwürdige Versprechen von kurzweiligen Medien Das wesentliche Erfolgsmerkmal von Snapchat besteht im Versprechen, dass Medien nur einmal vom Empfänger angesehen werden können. Nach wenigen Sekunden erfolgt eine automatische Löschung. Damit hebt sich die Plattform von anderen Chat-Diensten ab, bei denen die Inhalte entweder auf das Zielgerät oder in die Cloud des Anbieters übertragen werden. In beiden Fällen hat der Nutzer zahlreiche Möglichkeiten, diese Inhalte – auch nachträglich – herunterzuladen, um sie dauerhaft zu speichern. Dies ist nicht für alle Inhalte vom Nutzer gewünscht. Vor allem intime Bilder werden daher über Snapchat geteilt, in der Absicht, dass diese vom Empfänger nur angesehen, aber nicht dauerhaft gespeichert werden können. Bereits 2014 hat dies US-amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC dieses Versprechend als irreführend und falsch beurteilt, da es zahlreiche Möglichkeiten gab, um dies zu umgehen. Daran hat sich zum Stand 2023 kaum etwas geändert. Dies ist jedoch nicht nur der nachgewiesenen sicherheitstechnisch mangelhaften Umsetzung von Snapchat geschuldet, die etwa empfangene Bilder ungeschützt im Gerätespeicher abgelegt hat. Bildschirmfotos werden zudem von Snapchat nicht verhindert. Die App informiert lediglich den Sender darüber, dass der Empfänger einen Screenshot erstellt hat. Selbst bei korrekter Implementierung kann eine dauerhafte Speicherung kaum wirkungsvoll verhindert werden, sofern man das Zielgerät und dessen Umgebung nicht vollständig kontrolliert. Ist das nicht gegeben, lässt sich lediglich der Aufwand für eine dauerhafte Speicherung erhöhen. Zum Stand 2023 lassen sich Medien über verschiedene Umwege mit vergleichsweise geringem Aufwand dauerhaft speichern. Etwa, in dem eine Videoaufnahme erstellt wird. Aus dieser lassen sich mit entsprechender Software auch Bilder extrahieren. Eine weitere Möglichkeit sind Drittanbieter-Clients, welche die Medien empfangen und sie abspeichern, statt sie zu löschen. Auch die Benachrichtigung des Empfängers, welche von der offiziellen App bei Screenshots versendet wird, erfolgt hier nicht. Alternativ gibt es Hardware-Lösungen, die beispielsweise mit einer zweiten Kamera den Bildschirm abfotografieren. Unbedarfte Nutzer, die sich aufgrund der automatischen Löschfunktion in falscher Sicherheit wiegen, laufen Gefahr, dadurch sensible Inhalte zu versenden, die vom Empfänger weiter verbreitet werden können. Denkbar sind etwa Nacktaufnahmen, anhand derer man den Absender identifizieren kann. Solche Aufnahmen könnten zur Demütigung oder Erpressung des Opfers eingesetzt werden und dessen Privatleben erheblich schädigen. Ein Beispiel für solch einen Fall ereignete sich Anfang 2023: Ein 17-Jähriger schickte Nacktfotos per Snapchat an eine unbekannte Frau. Diese speicherte das Bild und drohte mit Veröffentlichung, sofern der Jugendliche nicht die geforderten 200 Euro bezahlt. Dieser wollte der Erpressung nicht nachkommen, woraufhin die Täterin das kompromittierende Bild auf Instagram veröffentlichte. 2021 wurde eine 17-Jährige beim Sex gefilmt und die Aufnahmen anschließend auf Snapchat verschickt. Der Täter relativierte seine Handlung damit, dass die Inhalte bei Snapchat wieder verschwinden würden und war überrascht davon, dass ihn dies vor einer Verurteilung nicht schützt. Sicherheit Im Oktober des Jahres 2014 geriet eine Sammlung von etwa 200.000 Bildern in den Umlauf, die mit der Anwendung verschickt worden waren. Die Entwickler schlossen eine Kompromittierung ihrer Server aus und verwiesen auf Anwendungen von Drittanbietern. In ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen untersagen sie deren Nutzung. Seit iOS 11 ist es möglich, Bildschirmaufnahmen zu machen. Damit ist / war es auch möglich, heimlich Aufnahmen von Bildern zu machen. Doch nun registriert Snapchat auch, wenn ein User eine Bildschirmaufnahme macht. Es wird dann angezeigt: „Du hast Screenshots (vom Chat) gemacht“ bzw. „{user} hat einen Screenshot gemacht“. Im Juni 2021 räumte Snapchat ein, dass der Speed-Filter zu Problemen mit der Verkehrssicherheit geführt hat. 8 Jahre nach Einführung wurde er entfernt. Der Filter zeigt die aktuelle Geschwindigkeit in aufgenommenen Videos an. Dies hat zu zahlreichen Aufnahmen geführt, die Nutzer mit überhöhter Geschwindigkeit beim Filmen mit verschiedenen Verkehrsmitteln zeigen. Einige schwere Unfälle wurden seit 2015 direkt oder indirekt damit in Verbindung gebracht, wodurch es zu Klagen gegen den Konzern kam. Der Filter wurde bereits Jahre zuvor von verschiedenen Kreisen kritisiert. Bis Mitte 2021 hatte Snapchat darauf mit den Worten reagiert, die Sicherheit der Nutzer habe oberste Priorität. Jedoch wurde bis dahin nichts unternommen und der Filter auch nicht entfernt. Mitte 2021 testete das Technik-Magazin c’t sichere Messenger. Snapchat und Skype fielen bereits bei der Auswahl der Testkandidaten durch, da sie keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bieten. Dies ist Voraussetzung für sichere Kommunikation, da die Nachrichten und Inhalte ansonsten von dritten mitgelesen werden können. Viele Konkurrenten wie beispielsweise Signal oder WhatsApp unterstützen seit längerem eine solche Verschlüsselung. Bei korrekter Implementierung ist lediglich der Gesprächspartner technisch dazu in der Lage, die Inhalte zu lesen. Anfang 2022 wurden bei verschiedenen kommerziellen Sozialen Netzwerken Schwachstellen bei der Bearbeitung von Behördenanfragen bekannt. Unbefugte missbrauchten dabei Anfragen, die für Notfälle gedacht waren, um unbefugten Zugriff auf die vom Anbieter zugreifbaren Nutzerdaten zu erhalten. Darunter sind auch sensible Daten, wenn diese ungeschützt gespeichert waren. Unter anderem Apple-Nutzer waren davon betroffen. Snapchat gab an, ebenfalls solche Anfragen erhalten zu haben. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen erklärte es jedoch nicht, ob diese gefälscht waren und dadurch Daten von Nutzern an unbefugte herausgegeben wurden. In einer Anfang 2023 veröffentlichten Studie stellt Mozilla fest, dass die Angaben von Snapchat im Google Play Store irreführend seien und die Sicherheit der Anwender gefährden. Es werden Nutzerdaten gesammelt und auch an Dritte weitergegeben, ohne dies transparent zu kennzeichnen. Mozilla unterteilte die analysierten Apps in drei Kategorien. Snapchat befindet sich zusammen mit TikTok und Twitter in der schlechtesten Kategorie. Dies gefährde die Sicherheit und Privatsphäre der Nutzer, außerdem wird das Vorgehen als irreführend kritisiert. Datenabfluss durch mangelnde Absicherung und Ermittlungen der FTC Ende Dezember 2013 veröffentlichten Hacker die Daten von rund 4,6 Millionen Snapchat-Nutzern, die überwiegend in den USA lebten, im Internet. Dafür nutzten sie die zu diesem Zweck eingerichtete Website snapchatdb.info. Auf Sicherheitslücken hatte bereits am 27. August 2013 die Gruppe Gibson Security hingewiesen. Kritisiert wurde, dass der Snapchat-Gründer die Sicherheitslücke zunächst heruntergespielt hat. Und sich auch dann nicht inhaltlich zu dem Vorfall äußerte, nachdem dieser öffentlich bekannt geworden ist. Am 9. Januar 2014 veröffentlichten die Entwickler eine neue Version der Software. Die US-amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC ermittelte daraufhin gegen Snapchat und stellte schwere Versäumnisse bei der Absicherung fest: So habe der Konzern seine Funktion zum Finden von Freunden nicht geschützt, wodurch unbefugten der Zugriff auf die Ende 2013 veröffentlichten Daten von 4,6 Millionen Nutzern erst möglich wurde. Der Bericht bemängelt zudem, dass man sich mit einer fremden Nummer bei dem Dienst anmelden konnte. Dabei folgte keinerlei Verifizierung. Für Nutzer ist dies nicht erkennbar, sodass private Daten an Dritte übermittelt werden können, da diese im Glaube sind, mit dem Eigentümer der Nummer zu kommunizieren. Darüber hinaus stellte die FTC weitere Mängel fest, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der schweren Sicherheitslücke standen, allerdings dennoch die Sicherheit sowie das Vertrauen in den Dienst negativ beeinträchtigen. Beispielsweise sind zahlreiche Methoden bekannt, womit sich die automatische Löschung von gesendeten Inhalten umgehen lässt. Zudem sammelt der Dienst mehr Nutzerdaten, als transparent kommuniziert. Die FTC schlussfolgerte daraus, dass die umfangreichen Versprechungen von Snapchat hinsichtlich Sicherheit und Privatsphäre falsch waren. Als Folge davon wurde das Unternehmen unter Beobachtung gestellt. Missbrauch von Nutzerdaten durch Mitarbeiter mittels SnapLion Durch Whistleblower wurde Mitte 2019 der Missbrauch von SnapLion bekannt. Dabei handelt es sich um ein internes System, wodurch Mitarbeiter weitreichenden Zugriff auf Nutzerdaten erhalten, darunter auch private Inhalte. Ursprünglich war es dafür gedacht, um der Datenherausgabe durch Strafverfolgungsbehörden nachzukommen. Bis zu diesem Zeitpunkt war dessen Existenz nicht öffentlich bekannt. Die Whistleblower spielten Medien verschiedene interne Dokumente zu, die unter anderem zeigen, wie ein Mitarbeiter auf Nutzerdaten zugreift, ohne dass es dafür eine rechtliche Grundlage gab. Dabei handelte es sich um keinen Einzelfall: Die Insider gaben an, dass mehrere Mitarbeiter mit SnapLion die Daten von Nutzern missbraucht haben. Interne E-Mails zeigen Diskussionen von Mitarbeitern, die den Datenmissbrauch umfangreich behandeln. Die Vorwürfe des Missbrauchs wurden von Snapchat weder bestätigt noch dementiert. Laut eines Pressesprechers habe Snapchat robuste Prozesse und würde viel Wert auf die Sicherheit sowie Privatsphäre der Nutzer legen. Laut den Whistleblowern hat SnapLion jedoch keine ausreichende Protokollierung der Anfragen, sodass dies gar nicht nachvollziehbar ist, ob diese berechtigt sind oder etwa private Personen ausspioniert werden. Außerdem werde das Werkzeug nicht mehr nur für Strafverfolgungsbehörden genutzt, sondern auch für viele Alltagsszenarien – beispielsweise das Zurücksetzen eines vergessenen Passwortes. Vergleichbare Vorfälle gab es bereits bei anderen großen Anbietern kommerzieller Sozialer Netzwerke. Nutzer müssten daher davon ausgehen, dass alle ihre Daten von dritten gelesen und möglicherweise missbraucht werden, sofern diese nicht durch Verschlüsselung effektiv davor geschützt werden, so Alex Stamos, der ehemalige Leiter der Sicherheitsabteilung bei Facebook. Bei Snapchat selbst war zu diesem Zeitpunkt keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vorhanden, sodass von Seiten des Unternehmens und deren Mitarbeiter/Partner grundsätzlich darauf zugegriffen werden konnte. Datenschutz Eine Übersetzung der Datenschutzerklärung offenbart zudem, dass sich die Betreiber des Dienstes zahlreiche und mitunter auch undurchsichtige Rechte im Umgang mit Nutzerdaten sowie deren Speicherung und Weitergabe einräumen lassen. Snapchat räumte sich das unwiderrufliche Recht ein, die auf den Servern des Unternehmens gespeicherten Bilder seiner Nutzer zu verwenden, zu bearbeiten und zu veröffentlichen. Mit einer Neufassung der Datenschutzrichtlinien des Dienstes vom November 2015 darf Snapchat auch Name, Bild und Stimme seiner Nutzer in sämtlichen Medien unbefristet verwenden. Bild und Stimme sollen dabei in den sogenannten „Live Stories“ verwendet werden dürfen. Eine Nutzung von Snapchat gilt als Einverständniserklärung zu diesen Geschäftsbedingungen. Weblinks Offizielle Website Was ist Snapchat? Erklärung, Gefahren und Risiken. techfacts.de / SAT 1 Ratgeber , ndr.de – Wie funktionieren die Snapchatfilter? (englisch) Einzelnachweise Instant Messenger Instant-Messaging-Protokoll Chat-Dienst Soziales Netzwerk Augmented-Reality-Software Android-Software IOS-Software
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https://de.wikipedia.org/wiki/Ursprache
Ursprache
Als Ursprache (auch Grundsprache bzw. Protosprache) bezeichnet man in der Linguistik eine in der Regel hypothetische Sprachform, aus der sich alle Sprachen einer Sprachfamilie oder einer genetischen Einheit entwickelt haben. Hypothetische Ursprachen können mit den Verfahren der vergleichenden Sprachwissenschaft teilweise rekonstruiert werden. Ursprachen in diesem Sinn sind Gegenstand des Artikels. Davon zu unterscheiden ist eine primitive Frühform der Sprache, die vor mehreren Millionen Jahren von Urmenschen gesprochen wurde (siehe hierzu Sprachursprung) und die ebenfalls als „Ursprache“ oder „Protosprache“ bezeichnet werden kann. Über eine „Ursprache“ in diesem Sinn liegen keine linguistischen Erkenntnisse vor. Von ihr ist nicht viel mehr bekannt, als dass es sie gegeben haben muss. Die Unmöglichkeit, die von Urmenschen gesprochene Sprache zu rekonstruieren, wurde bereits von Johann Gottfried Herder erkannt, der einer der Schöpfer des Begriffs Ursprache ist. Rekonstruktion Durch den systematischen Vergleich der miteinander verwandten Nachfolgesprachen (zum Beispiel anhand von Wortgleichungen) können Ursprachen bis zu einem gewissen Grad erschlossen werden. Eine exakte und vollständige Rekonstruktion ist bei hypothetischen Ursprachen jedoch nicht möglich. Eine Ausnahme ist das Lateinische, die Ursprache der romanischen Sprachen: Der Ursprung ist durch Schriftquellen außerordentlich gut belegt und muss nicht rekonstruiert werden. Allerdings ist der gemeinsame Ausgangspunkt der romanischen Sprachen nicht das klassische Latein der schriftlichen Überlieferung, sondern das gesprochene Latein der Spätantike. Dieses Vulgärlatein muss wiederum rekonstruiert werden, vor allem anhand der romanischen Einzelsprachen. Ursprache und Tochtersprachen Die Nachfolgesprachen (manchmal auch „Folgesprachen“ genannt) werden häufig als Tochtersprachen bezeichnet. Die Ursprache wäre dann eigentlich die „Muttersprache“, doch weil der Begriff Muttersprache bereits eine andere Bedeutung hat, wird er in diesem Sinne selten verwendet. Gelegentlich findet man stattdessen aber die Bezeichnung Elternsprache. Ursprache und Vor-Ursprache Nach der veralteten Stammbaumtheorie kann eine Ursprache als die Wurzel eines Baumes aufgefasst werden, dessen Zweige die späteren Einzelsprachen repräsentieren. Genau genommen handelt es sich jedoch nicht um die Wurzel, sondern um die Stelle der Verzweigung. Eine Ursprache ist nämlich nicht irgendeine gemeinsame Vorstufe, sondern die „jüngste“ gemeinsame Vorform aller belegten Sprachen einer Sprachfamilie (vergleichbar mit dem letzten gemeinsamen Vorfahren in der Genetik, siehe Most recent common ancestor). Die zu einer Sprachfamilie „X“ gehörige Ursprache wird „Ur-X“ („Proto-X“) oder „X“ genannt, eine frühere Stufe „Früh-Ur-X“ und eine Vorstufe „Vor-Ur-X“ oder „Vor-X“ („Prä-X“). Die Unterscheidung zwischen „Ur-X“ und „Vor-Ur-X“ wird allerdings nicht immer genau beachtet, insbesondere wenn sich zwischen der Vorstufe und der Proto-Stufe keine weiteren bekannten Sprachformen abgezweigt haben. Die älteren Vorläufer (Vor-Ur-X) sind nicht auf vergleichendem Wege erschließbar, sondern nur durch interne Rekonstruktion, gegebenenfalls mithilfe von frühen Lehnwortschichten. Ursprachen als „moderne“ Sprachen Der Begriff Ursprache oder Protosprache kann irreführenderweise suggerieren, es handele sich um eine „einfache“ (primitive) Sprache. Mit dem Sprachursprung haben die in der Linguistik erforschten Ursprachen jedoch nichts zu tun. Der Erwerb der Sprachfähigkeit durch den Menschen verlief in unbekannten Zwischenschritten mindestens über Jahrhunderttausende. Ursprachen, die in vielen Einzelheiten linguistisch rekonstruiert werden können, sind also zu unterscheiden von einer hochspekulativen „Proto-Sprache“, die von Urmenschen gesprochen wurde. Auch eine theoretische Proto-Welt-Sprache (eine hypothetische Ursprache aller heute gesprochenen Sprachen) läge zeitlich sehr weit vor einer konkreten Ursprache wie der Proto-Indoeuropäischen, die etwa auf 3500 v. Chr. datiert wird. Diese Datierung kennzeichnet die Periode des beginnenden Spätneolithikums. Ursprachen im hier besprochenen Sinne gehören immer zu einer begrenzten, nachweisbar historisch zusammenhängenden Gruppe von Sprachen. Ursprachen haben auch keine „primitivere“ Struktur als die heutigen Sprachen. Es sind im Grunde ganz normale, „moderne“ und sehr komplexe Sprachen, vergleichbar mit den aus der Antike, dem Mittelalter und der Gegenwart bekannten Sprachen. Mit diesen hochentwickelten Ursprachen konnte man im Prinzip alles ausdrücken, wobei Ausdrücke für moderne Erscheinungen natürlich fehlen. Beispiele Ein typisches Beispiel für eine rekonstruierte Ursprache ist die indogermanische Ursprache (Urindogermanisch), die aus den indogermanischen Einzelsprachen rekonstruiert worden ist. Nach dem Vorbild des Indogermanischen sind inzwischen für viele Sprachfamilien oder genetische Einheiten Ursprachen rekonstruiert worden, zum Beispiel Proto-Uralisch, Proto-Turkisch, Proto-Mongolisch, Proto-Tungusisch, Proto-Sinotibetisch, Proto-Semitisch, Proto-Afroasiatisch, Proto-Nilosaharanisch (mit Einschränkungen), Proto-Bantu und viele andere. Andererseits gibt es bedeutsame Sprachfamilien, bei denen eine Rekonstruktion der Ursprache bisher nicht gelungen ist, z. B. die Niger-Kongo-Sprachen. Siehe auch Genetische Verwandtschaft (Linguistik) Literatur Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0. Stichwort: „Ursprache“. Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02335-3. Stichwort: „Sprachursprung“. Weblinks Say something in Proto-Indo-European (von Geoffrey Sampson) Einzelnachweise Sprachtyp
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182.82145
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https://de.wikipedia.org/wiki/Galapagosinseln
Galapagosinseln
Die Galapagosinseln (in anderer Schreibweise Galápagos-Inseln, , IPA lokal: ; offiziell ) sind ein Archipel im östlichen Pazifischen Ozean. Sie liegen am Äquator ca. 1000 km westlich der ecuadorianischen Küste in Südamerika und gehören zu Ecuador. Sie bilden die gleichnamige Provinz Galápagos mit der Hauptstadt Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristóbal. Das Wort (spanisch u. a. für ‚Wulstsattel‘) bezieht sich auf den Schildkrötenpanzer, der bei einigen Arten der Galapagos-Riesenschildkröten im Nackenbereich wie ein Sattel aufgewölbt ist. Die außerordentliche und einmalige Flora und Fauna der Inselgruppe gehören zum Weltnaturerbe der UNESCO. Sie werden durch den Nationalpark der Galapagosinseln geschützt. Etwa 97 % der Fläche der Inseln und 99 % der sie umgebenden Gewässer innerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone stehen dadurch unter strengem Naturschutz. Die landwirtschaftliche und fischereiliche Nutzung sowie das Betreten der Inseln und das Befahren der Gewässer sind streng reglementiert und werden durch die Nationalparkverwaltung mit Sitz in Puerto Ayora kontrolliert. Im Januar 2022 wurde das Meeresschutzgebiet um das 60.000 km² große Hermandad auf 198.000 km² erweitert. Es gehört zu den größten Meeresschutzgebieten der Welt. Inseln Die Inselgruppe besteht aus 13 Inseln mit einer Fläche von mehr als 10 km² und über 100 kleineren bis winzigen Inseln, darunter die weit nordwestlich liegenden Darwin und Wolf. Fünf Inseln sind besiedelt: Santa Cruz, San Cristóbal, Isabela, Floreana und Baltra (keine Wohnbevölkerung, aber ein Militärstützpunkt mit Kasernen für ca. 400 Soldaten und Angehörige der Küstenwache). Inseln mit einer Fläche von mehr als einem Quadratkilometer sind in der nachstehenden Tabelle aufgelistet: Unter den zahlreichen kleineren Inseln sind die Daphne-Inseln (vor allem Daphne Major), Plaza Sur, Isla Sin Nombre sowie der isolierte Roca Redonda, eine Vogelbrutstätte, erwähnenswert. Geschichte Vorkolumbianische Ära Laut einer Studie von Thor Heyerdahl und Arne Skjølsvold aus dem Jahr 1952 deuten Scherben und andere Artefakte von mehreren Stätten auf den Inseln auf den Besuch südamerikanischer Völker in präkolumbianischer Zeit hin. Die Gruppe fand eine Flöte und Scherben von mehr als 130 Keramikstücken, die später als prä-inkanisch identifiziert wurden. Es wurden jedoch nie Reste von Gräbern, Zeremonialgefäßen und Konstruktionen gefunden, was darauf hindeutet, dass vor der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert keine dauerhafte Besiedlung stattgefunden hat. Es ist nicht klar, wer die ersten Besucher der Inseln waren, aber sie waren wahrscheinlich unbeeindruckt von dem Mangel an Süßwasser auf den Inseln. Ob die Inkas es jemals hierher geschafft haben, ist umstritten; 1572 behauptete der spanische Chronist Pedro Sarmiento de Gamboa, dass Túpac Yupanqui, der zweite Sapa Inka des Inkareiches, den Archipel besucht habe, aber dafür gibt es kaum Beweise, und viele Experten halten es für eine weit hergeholte Legende, zumal die Inkas keine Seefahrer waren. Europäische Reisen Die europäische Entdeckung der Galápagos-Inseln erfolgte, als der Spanier Tomás de Berlanga, der damalige Bischof von Panama, nach Peru segelte, um einen Streit zwischen Francisco Pizarro und seinen Leutnants beizulegen. De Berlangas Schiff kam vom Kurs ab, als der Wind nachließ, und seine Mannschaft erreichte die Inseln am 10. März 1535. Sie strandeten an einer der Vulkaninseln. Mehrere Tage verbrachten sie dort und suchten nach Trinkwasser. Zehn Pferde und zwei Spanier verdursteten. Die Restlichen tranken den Saft der Kakteen und erbeuteten Seelöwen und Riesenschildkröten. In einer Schlucht fanden sie schließlich ausreichend Trinkwasser für die Heimfahrt. Die Inselgruppe wurde zunächst als bezeichnet, da niemand so weit draußen im Ozean noch Inseln vermutet hätte und starke Strömungen zwischen den Inseln und um sie herum bei den Seefahrern leicht den Eindruck erwecken konnten, die Inseln selbst änderten immer wieder ihre Lage. Der erste englische Kapitän, der die Galápagos-Inseln besuchte, war Richard Hawkins im Jahr 1593. Im 17. Jahrhundert bis zum frühen 19. Jahrhundert waren die Inseln Versteck und Fluchtort für meist englische Seeräuber – darunter John Cook oder William Cowley – die meist Goldschiffe der Spanier aus Mexiko und Südamerika überfielen. Im 19. Jahrhundert wurden die Inseln nach den dort vorkommenden Riesenschildkröten in Islas Galápagos umbenannt. Ecuadorianisches Galápagos Am 12. Februar 1832 nahm General José de Villamil die Inseln für Ecuador in Besitz. Er nannte die Inseln Archipiélago del Ecuador. Es begann die erste dauerhafte Besiedlung der Inseln. Zuvor waren die Inseln im Besitz der Spanier, die jedoch kein Interesse an ihnen zeigten. José de Villamil wurde erster Gouverneur der Galápagos-Inseln und brachte eine Gruppe von Sträflingen auf die Insel Floreana, und im Oktober 1832 schlossen sich ihnen einige Handwerker und Bauern an. 1835 besuchte Charles Darwin die Inseln. 1892 wurden die Galapagosinseln zu Ehren der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus in Archipiélago de Colón umbenannt. In den 1920er Jahren lebten rund 400 Menschen auf den Inseln. Viele, wie Floreana oder Isabela, waren von 1934 bis 1959 Strafkolonien. 1959 erklärte die ecuadorianische Regierung die Inseln zum Nationalpark Galápagos, mit rund 1000 Bewohnern. 1968 waren 97 Prozent der Landfläche unter Schutz des Nationalparks gestellt; Siedlungen und bisherige landwirtschaftliche Flächen erhielten Bestandsschutz. Seit 1978 stehen die Inseln auf der UNESCO-Liste des Weltnaturerbes. 1996 kam es zur Ausrufung des Marine-Reservats Galápagos durch das Instituto Ecuatoriano Forestal de Areas Naturales y Vida Silvestre. 1998 wurde der Schutz des Marine-Reservats Galapágos durch den Nationalpark Galápagos gesetzlich verankert. 2001 wurde das Weltnaturerbegebiet um das Marine-Reservat erweitert. Von 2007 bis 2010 war das Naturerbe auf der Roten Liste der UNESCO geführt. Geografie Die Galapagosinseln sind vulkanischen Ursprungs. Die tektonische Platte (Nasca-Platte), auf der die Inseln liegen, bewegt sich über einen Hot-Spot, der auch heute noch vulkanische Aktivität auf den Inseln Isabela und Fernandina bewirkt und bereits davor seine Spuren in der Karibik hinterließ. Die Inseln werden in Richtung Südosten älter, allerdings überlappen die Datierungen der Gesteine der einzelnen Inseln, da diese nicht durch singuläre vulkanische Ereignisse entstanden. Auf der Insel Fernandina brach der Vulkan Cumbre zuletzt im April 2009 aus, auf Isabela der Wolf am 7. Januar 2022. Einige Gesteine der Inseln entstanden vor 89 Ma unter den heißesten Temperaturen des Phanerozoikums. Bevölkerung Die Volkszählung von 2015 ergab eine Einwohnerzahl von 25.244. Nur fünf der Inseln sind bewohnt: Baltra, Floreana, Isabela, San Cristóbal und Santa Cruz. Puerto Ayora auf Santa Cruz ist mit Abstand der größte Ort, gefolgt von Puerto Baquerizo Moreno, der Hauptstadt der Provinz Galápagos auf San Cristóbal und Puerto Villamil auf Isabela. Biogeografie Aufgrund ihrer Entfernung von anderen Landmassen zeichnen sich die Galapagosinseln durch eine Vielzahl endemischer Tier- und Pflanzenarten aus. Die Einführung fremder Arten sowie die Jagd haben im 19. Jahrhundert viele einzigartige Tierarten fast zum Aussterben gebracht. Die Galapagos-Riesenschildkröten waren lange durch Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführte Ziegen bedroht, die den Schildkröten ihre Nahrung wegfraßen; dieses Problem wurde durch gezielte Tötung der Ziegen, u. a. aus Helikoptern, im Jahr 2007 gelöst. Die Gelege von Vögeln und darüber hinaus das Überleben aller Tiere, die sich über Jahrmillionen an die spezifischen Lebensräume der Inseln angepasst haben, sind durch die mittlerweile (2009) etwa 25.000 Einwohner und ihre ursprünglich mitgebrachten, für das Ökosystem fremden Kleintiere (Hunde, Katzen und Ratten) bedroht. Durch Lebensmittellieferungen gelangen oft Parasiten, Krankheitskeime, Tiere und Pflanzen auf die Inseln. Über 200 neue Arten kamen in den letzten zehn Jahren (Stand 2009) auf die Inseln, darunter Parasiten, die das Blut von Finkenküken saugen, oder Malariaerreger, die Pinguine befallen. Die eingeschleppte Fruchtfliege Ceratitis capitata ist eine gefährliche Plage, denn sie kann sehr viele verschiedene Kulturarten befallen und deren Früchte verfaulen lassen. Sie ist eine enorme Bedrohung für die Inseln. Klima Obwohl die Inseln in Äquatornähe liegen, ist das Klima aufgrund des mit 20 Grad Celsius relativ kühlen Meerwassers (vom Humboldtstrom und von aufsteigendem Tiefenwasser) eher gemäßigt. Das nährstoffreiche Tiefenwasser ist verantwortlich für den Artenreichtum rund um den Archipel. El Niño In sogenannten El-Niño-Jahren verändern sich die Meeresströmungen und die Niederschlagsmengen. Das ausbleibende Tiefenwasser dezimiert auf das Meer angewiesene Arten, während sich aus den hohen Regenmengen ein überdurchschnittliches Pflanzenwachstum und daraus ein saisonbedingter Tierreichtum ergibt. 1999 verursachte ein heftiger El Niño ein schwerwiegendes Korallensterben sowie die Vernichtung von ca. 60 % der Pinguin-Population. Niederschlag Die Regenzeit dauert, mit einem Gipfel im April, von Januar bis Juni. Das übrige Jahr über fällt fast kein Niederschlag. Lediglich in den höheren Lagen gibt es, vor allem an der Südostseite der höheren Inseln, einen feinen Nieselregen („Garua“) und folglich auch ganzjährig grüne Vegetation. Das Wetter ändert sich mit zunehmender Höhe auf den großen Inseln. Die Temperatur nimmt mit der Höhe allmählich ab, während die Niederschläge aufgrund der Kondensation von Feuchtigkeit in den Wolken an den Hängen zunehmen. Es gibt eine große Spanne an Niederschlägen von einem Ort zum anderen, nicht nur mit der Höhe, sondern auch in Abhängigkeit von der Lage der Inseln und auch mit den Jahreszeiten. Die folgende Tabelle, die dem nassen Jahr 1969 entspricht, zeigt die Variation der Niederschläge an verschiedenen Orten der Insel Santa Cruz: Der Niederschlag hängt auch von der geographischen Lage ab. Im März 1969 betrug der Niederschlag über der Charles-Darwin-Station an der Südküste von Santa Cruz 249,0 mm, während auf der Insel Baltra im selben Monat nur 137,6 mm Niederschlag fiel. Dies liegt daran, dass Baltra in Bezug auf die vorherrschenden Südwinde hinter Santa Cruz liegt, so dass der größte Teil der Feuchtigkeit im Hochland von Santa Cruz niedergeht. Auch die Niederschläge ändern sich von einem Jahr zum anderen erheblich. An der Station Charles Darwin betrug der Niederschlag im März 1969 249,0 mm, im März 1970 jedoch nur 1,2 mm. Auf den größeren Inseln wirkt sich das Muster von allgemein feuchtem Hochland und trockenerem Tiefland auf die Flora aus. Die Vegetation im Hochland ist tendenziell grün und üppig, teilweise mit tropischen Wäldern. Die Tieflandgebiete haben eine eher trockene und halbtrockene Vegetation, mit vielen dornigen Sträuchern und Kakteen, und anderswo fast kahles Vulkangestein. Naturschutz Nach der Ausrufung des Nationalparks Galápagos und der Gründung der Charles-Darwin-Forschungsstation wurden die Galápagosinseln zunehmend von Tourismus und Fischereiwirtschaft geprägt. Ursprünglich ein Traumziel für Biologen, wurden sie zu einem boomenden Wirtschaftsraum, in dem ökonomische Interessen gegen ökologische abgewogen werden müssen. Das Meeresgebiet rund um die Inseln bietet großen Fischreichtum. Besonders gefragt sind Haifischflossen und Seegurken. Der Fang von Seegurken ist unter Auflagen erlaubt, der Fang von Haifischen dagegen verboten. Allgemein ist der Fischfang im Meeresschutzgebiet Reserva Marina Galápagos nur unter Auflagen erlaubt, wobei für bestimmte Arten besondere Bestimmungen und Auflagen gelten. Es kommt immer wieder zu Konflikten zwischen Naturschützern und Fischern, die sich durch die Auflagen behindert fühlen. Im März 2004 kam es wieder zu Unruhen; im Juni desselben Jahres wurden die Charles-Darwin-Forschungsstation und die Nationalparkverwaltung für zwei Wochen blockiert. Daraufhin wurde nicht, wie in Nachhaltigkeitsuntersuchungen gefordert, die Quote gesenkt. In der folgenden Fangsaison, Herbst 2004, wurde dann diese Quote bei weitem nicht ausgeschöpft. Im April 2007 erklärte die Regierung Ecuadors die Inseln mit ihrer einzigartigen Fauna und Flora zu einem ökologischen Risikogebiet. Tourismus, Luftfahrt und Ansiedlung sollen künftig eingeschränkt werden. Ecuador wollte damit möglichen Maßnahmen der UNESCO zuvorkommen, die wiederholt damit gedroht hatte, der Inselgruppe im Pazifischen Ozean den vor drei Jahrzehnten verliehenen Status als Welterbe der Natur abzuerkennen. Im Juni 2007 setzte die UNESCO die Inseln auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes. Regulierungen des Tourismus, Siedlungsbeschränkungen und Bestrebungen zur Selbstversorgung mit Energie und Lebensmitteln führten im Juli 2010 zur Streichung von der Roten Liste. Noch immer gelten jedoch mehr als die Hälfte aller endemischen Tierarten und jede fünfte Pflanzenart als bedroht. Seit Jahren gibt es strenge Zuzugsregeln für die einheimische Bevölkerung. Diese wurden in der Vergangenheit zunächst kaum durchgesetzt. Seit dem Inkrafttreten der Gesetze von 2007 hat sich der Zustrom von illegalen Zuwanderern vom Festland zwar spürbar verringert, trotzdem nimmt die Wohnbevölkerung insgesamt weiter zu. Mitte Januar 2022 unterzeichnete Ecuadors Präsident Guillermo Lasso auf einem Forschungsschiff in der Bucht von Puerto Ayora im Beisein von Ex-US-Präsident Bill Clinton und Kolumbiens Staatschef Iván Duque ein entsprechendes Dekret, das das Meeresschutzgebiet auf insgesamt 198.000 km² erweitert. Der neu hinzugekommene 60.000 km² große Teil namens „Hermandad“ soll die Galapagosinseln mit den Inseln Coiba (Panama), Malpelo (Kolumbien) und Kokos (Costa Rica) verbinden und die Wanderrouten bedrohter Tierarten schützen. Die Staatschefs der beteiligten Länder hatten den Plan auf der UN-Klimakonferenz 2021 in Glasgow angekündigt. Eintragung als Weltnaturerbe Die Galapagosinseln wurden 1978 aufgrund eines Beschlusses der zweiten Sitzung des Welterbekomitees als Naturerbestätte in die Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen. Nach der Erweiterung um das Meeresschutzgebiet 2001 umfasst die Welterbestätte nun eine Fläche von 14.066.514 ha. In der Begründung für die Eintragung heißt es zusammenfassend: Die Eintragung erfolgte aufgrund der Kriterien (vii), (viii), (ix) und (x). Flora Auf den Galapagosinseln kommen heute 697 erfasste Pflanzenarten vor. Von den 439 heimischen Arten (die bereits vor der Entdeckung auf Galapagos vorkamen) sind 167 Arten endemisch (auf Galapagos entstanden und nur dort vorkommend). Die restlichen 258 nichtheimischen Arten, die zum Teil große Probleme verursachen, wurden durch den Menschen eingeführt. Die Anzahl der nichtheimischen Pflanzenarten hat im Laufe der Jahre signifikant zugenommen und ist vermutlich inzwischen erheblich größer. Die auf Galapagos heimischen nichtendemischen Pflanzenarten sind zum größten Teil auch im benachbarten Südamerika zu finden. Da nur wenige Arten eine Gründerpopulation auf den Inseln etablieren konnten, ist die Artenzusammensetzung auf den Inseln „disharmonisch“ im Gegensatz zur „harmonischen“ Flora des Festlandes. Es fehlen zum Beispiel die Palmen, Nadelbäume und die Bignoniaceae. Andererseits haben einzelne Pflanzengruppen eine adaptive Radiation, also eine Vermehrung der Arten durch Besetzung von freien ökologischen Nischen und Spezialisierung erfahren. Beispiele dafür sind in den Gattungen Scalesia, Opuntia und Chamaesyce zu finden. Auf den Galapagosinseln gibt es sieben unterschiedliche Vegetationszonen in Abhängigkeit von der Höhenlage. Es bestehen jedoch erhebliche Unterschiede in der Ausprägung der Vegetationszonen zwischen den verschiedenen Inseln. Auf San Cristóbal gibt es z. B. nur vier dieser Zonen. Auf der Insel Española ist nur die trockene Küstenzone und die Übergangszone vorhanden. Auf Fernandina ist die Vegetation auf die von Lava verschonten „Vegetationsinseln“ beschränkt und man findet eine hochreichende Trockenzone sowie die Zone des Scalesia-Waldes. In der hier vorgestellten Art sind die Vegetationszonen insbesondere auf Santa Cruz ausgeprägt: Litoral- oder Küstenzone (vom Meeresspiegel bis etwa 10 m), mit salzwasserresistenten Pflanzen. An steinigen geschützten Küstenabschnitten vier Mangrovenarten, oft Mangrovenwälder (Avicennia germinans, Conocarpus erectus, Laguncularia racemosa, Rhozophora mangle). An sandigen Stränden sukkulente Kräuter und Sträucher, z. B. Ipomoea pes-caprae, Nolana galapagensis (endemisch), Heliotropium curassavicum, Cryptocarpus pyriformis. In dieser Zone sind nur relativ wenige endemische Arten. Trockenzone (10 bis ca. 100 m), während der Regenzeit mit einer grünen Buschlandschaft, flächenmäßig die größte Vegetationszone mit der größten Anzahl an Endemiten; es gibt Wälder mit laubabwerfenden Bäumen und Sträuchern, die in der Trockenzeit kahl sind. Besonders auffällig sind die beiden Arten von Bursera (B. graveolens und B. malacophylla, von denen die zweite endemisch ist) mit ihren kahlen weißen Stämmen. Weitere häufige Bäume sind Croton scouleri, Prosopis juliflora und Parkinsonia aculeata. Häufige Büsche sind Cryptocarpus pyriformis, Castela galapageia (endemisch), Scutia pauciflora und Cordia lutea. Häufige Winden sind Galápagos-Passionsblume (Passiflora foetida var. galapagensis) und zwei Arten von Cuscuta (C. acuta, C. gymnocarpa, beide endemisch). Folgende Kakteen sind in dieser Zone zu finden: Der Galápagos-Säulenkaktus Jasminocereus thouarsii (endemische Gattung mit nur einer Art) und der ebenfalls endemische Lavakaktus Brachycereus nesioticus, sowie sechs endemische Arten von Opuntien mit mehreren Variationen. Die Opuntien können baumförmig sein, was eine Anpassung an den Fraß von Schildkröten und Landleguanen ist. Besonders große Opuntien können bis zu 12 m hoch werden. Die Art O. helleri kommt nur auf den nördlichen Inseln vor, auf denen weder Landleguane noch Schildkröten vorkommen. Diese Opuntie bildet nur niedrige Büsche und hat weiche Stacheln. Übergangszone (100 bis ca. 200 oder 300 m) In dieser Zone nehmen Trockensträucher und Kakteen allmählich ab; es herrscht nebliges, feuchtes Klima. Man findet hier relativ viele Sträucher und Stauden, auch zunehmend mehr Epiphyten und Flechten. Häufige Arten sind Pisonia floribunda und Psidium galapageium (endemisch). Scalesia-Zone (ca. 200 bis 400 m, teilweise bis 600 m) Hier wächst tropisch-feuchter Bergwald mit üppigem Pflanzenwachstum aufgrund außerordentlich fruchtbaren Bodens, durch häufige Niederschläge (vorwiegend als feiner Nieselregen, Garua genannt) und die hohe Luftfeuchtigkeit ist er das ganze Jahr über grün. Diese Vegetationszone ist vor allem durch Scalesia pedunculata gekennzeichnet (auf Santa Cruz, San Cristóbal und Santiago). Scalesia ist eine endemische Gattung mit mindestens 10 Arten, die vermutlich auf eine Art zurückgehen. Diese (mit der Sonnenblume verwandten) Korbblütler haben sich auf Galapagos zu Bäumen entwickelt, was innerhalb dieser Familie eher selten ist. In der Scalesia-Zone sind Laub- und Lebermoose häufig, aber auch Farne, Orchideen, Peperomia (4 Arten, drei davon endemisch) und die einzige auf Galápagos vorkommende Bromelienart Racinaea insularis. Auf Grund der Fruchtbarkeit der Böden und der Feuchtigkeit wurden große Teile dieser Zone in Kulturland umgewandelt. Braune Zone (ca. 400–450 m). Es herrschen als Bäume und Büsche Psidium galapageium, Acnistus ellipticus (endemisch) und Zanthoxylum fagara sowie Tournefortia pubescens (endemisch) vor. Diese sind mit zahlreichen Epiphyten (Moose, Lebermoose, Farne) bewachsen, die in der Trockenzeit eine bräunliche Färbung verursachen. Bemerkenswert sind die epiphytischen Lebermoose der Gattung Frullania (z. T. endemisch). Diese Zone ist durch das Einwirken des Menschen mittlerweile fast vollständig verschwunden, einige Überreste dieser Zone findet man noch im Norden von Santa Cruz. Miconia-Gestrüppzone (ca. 550 bis 700 m). Vorherrschend sind Büsche der endemischen Art Miconia robinsoniana und Farne. Auffällig sind auch epiphytische Bärlappe der Gattung Lycopodium (z. B. L. passerinoides). Dieser Vegetationstyp kommt nur auf Santa Cruz und San Cristobal vor. Die Flächen sind größtenteils für landwirtschaftliche Nutzung gerodet. Pampa-Graszone. Im darüber liegenden Hochland (nur in den höchsten Insellagen) wachsen vor allem Kräuter, Gräser und Farne, aber keine Bäume mehr. Erwähnenswert ist aber der bis zu 6 m hohe, endemische Baumfarn Cyathea weatherbyana, der an geschützten Stellen, in Kratern und Rinnen wächst. In den höheren Lagen (Scalesia-, Miconia- und Pampazone) der Galapagos-Inseln haben die Poaceae mit 66 Arten (davon 10 endemische Arten) und die Cyperaceae mit 35 Arten ihren Verbreitungsschwerpunkt. Von den eingeschleppten Pflanzenarten sind folgende besonders problematisch: Psidium guajava (wegen ihrer Früchte schon 1858 eingeführt, verdrängt Scalesia und Miconia), der Chinarindenbaum, Cinchona succirubra (auf Santa Cruz eingeführt, weit verbreitet in der Miconia-Zone), Wandelröschen (Lantana camara, auf Floreana) und die Brombeere (Rubus niveus auf San Cristóbal). Fauna Auf den Galapagosinseln und um sie herum herrscht großer Artenreichtum. Viele Arten, die nur dort heimisch sind (rund 40 Prozent), wurden auch nach den Inseln benannt. Die meisten von ihnen kommen dort endemisch vor, das heißt nirgendwo anders auf der Erde. Einige der auf den Inseln lebenden Tiere sind: Säugetiere Galapagos-Seelöwe (Zalophus wollebaeki), end. Galápagos-Seebär (Arctocephalus galapagoensis), end. Galápagos-Reisratten (Nesoryzomys), end. Galápagos-Schildreisratte (Aegialomys galapagoensis syn. Oryzomys galapagoensis), end. Haarschwanzfledermäuse (Lasiurus), zwei Arten Mähnenrobbe (Otaria flavescens) Vögel, 149 Arten (inkl. Zugvögel, ohne nur selten anzutreffende Arten) Amerikanischer Sandregenpfeifer (Charadrius semipalmatus) Amerikanischer Stelzenläufer (Himantopus mexicanus) Aztekenmöwe (Larus atricilla) Bahamaente (Anas bahamensis) Bindentaucher (Podilymbus podiceps) Blauflügelente (Anas discors) Blaufußtölpel (Sula nebouxii) Bindenfregattvogel (Fregata minor) Braunmantel-Austernfischer (Haematopus palliatus) Brauner Pelikan (Pelecanus occidentalis) Darwinfinken (Geospizinae), 13 Arten, end. Drosseluferläufer (Tringa macularia) Falkennachtschwalbe (Chordeiles minor) Feenseeschwalbe (Gygis alba) Fischadler (Pandion haliaetus) Fluss-Seeschwalbe (Sterna hirundo) Franklinmöwe (Larus pipixcan) Gabelschwalbe (Progne modesta) Gabelschwanzmöwe (Creagrus furcatus), end. Galápagosbussard (Buteo galapagoensis) Galápagos-Pinguin (Spheniscus mendiculus), end. Galápagos-Schleiereule Galápagos-Ohreule (Asio galapagoensis) Galápagos-Taube (Zenaida galapagoensis) Galapagosralle (Laterallus spilonotus) Galapagosscharbe (Phalacrocorax harrisi), end. Galapagosalbatros (Phoebastria irrorata), end. Galapagoswellenläufer (Oceanodroma tethys) Galapagosschopftyrann (Myiarchus magnirostris), end. Galápagosspottdrosseln (Nesomimus), vier Arten, end. Glattschnabelani (Crotophaga ani), Neozoon Goldschnabel-Sumpfhuhn (Neocrex erythrops) Goldwaldsänger (Dendroica petechia) Großer Gelbschenkel (Tringa melanoleuca) Hudsonbrachvogel (Numenius hudsonicus) Kanadareiher (Ardea herodias) Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola) Kleiner Gelbschenkel (Tringa flavipes) Kleiner Schlammläufer (Limnodromus griseus) Kleiner Mangrovenkuckuck (Coccyzus melacoryphus) Königsseeschwalbe (Sterna maxima) Kuba-Flamingo (Phoenicopterus ruber) Kuhreiher (Bubulcus ibis) Krabbenreiher (Nyctinassa violacea) Galapagos-Sturmvogel (Pterodroma phaeopygia) Lavamöwe (Larus fuliginosus), end. Lavareiher (Butorides sundevalli), end. Madeirawellenläufer (Oceanodroma castro) Mangrovereiher (Butorides striatus) Nazcatölpel (Sula granti) Noddiseeschwalbe (Anous stolidus) Odinshühnchen (Phalaropus lobatus) Prachtfregattvogel (Fregata magnificens) Rauchschwalbe (Hirundo rustica) Reisstärling (Dolichonyx oryzivorus) Rotschnabel-Tropikvogel (Phaeton aethereus) Rotschwanz-Tropikvogel (Phaethon rubricauda) Rotfußtölpel (Sula sula websteri) Rubintyrann (Pyrocephalus rubinus) Sanderling (Calidris alba) Schlammtreter (Tringa semipalmata) Silberreiher (Ardea alba) Steinwälzer (Arenaria interpres) Teichralle (Gallinula chloropus) Thorshühnchen (Phalaropus fulicaria) Wiesenstrandläufer (Calidris minutilla) Wilsonwassertreter (Phalaropus tricolor) Wanderfalke (Falco peregrinus) Wanderwasserläufer (Tringa incana) Reptilien Galapagos-Landleguane (Conolophus), drei Arten, end. Galapagos-Riesenschildkröten (Chelonoidis sp.), 15 Arten, end. Geckos (Phyllodactylus), sechs Arten Meerechse (Amblyrhynchus cristatus), end. Lavaechsen (Microlophus), sieben Arten Schlanknattern (Alsophis), zwei Arten Pseudalsophis, eine Natterngattung mit 12 Arten auf den Galapagosinseln. Wirbellose Tiere Ameisen, ca. 20 Arten Galapagos-Holzbiene (Xylocopa darwini) Galapagos Skorpion (Hadruroides maculatus galapagoensis) Galapagos-Winkerkrabbe (Uca helleri) Galapagos-Hundertfüßer (Scolopendra galapagoensis) Käfer, ca. 200 Arten Landschnecken (Bulimulus), ca. 60 Arten Rote Klippenkrabbe (Grapsus grapsus) Tourismus Der Tourismus ist auf den Galapagosinseln inzwischen die größte Einnahmequelle, aber zugleich auch die größte Bedrohung für das sensible Ökosystem und die Tierwelt des Archipels. Die Touristen kommen in der Regel per Flugzeug auf den Inseln an (Flughafen Seymour (IATA-Code: GPS) und Flughafen San Cristóbal (IATA-Code: SCY)) und treten dann eine meist organisierte Gruppenreise an. Bei den Gruppenreisen handelt es sich um Kreuzfahrten oder um landbasierte Rundreisen, wobei sich die landbasierten Rundreisen mit Hotelübernachtungen inzwischen größerer Beliebtheit erfreuen. Die wichtigsten Städte mit Übernachtungsmöglichkeiten und bedeutendsten Häfen für die Kreuzfahrttouristen sind: Baltra (nur Hafen – keine Übernachtungsmöglichkeiten), Puerto Ayora (Insel Santa Cruz), Puerto Baquerizo Moreno (Insel San Cristóbal) und Puerto Villamil (Insel Isabela). Aufgrund des Einschreitens der UNESCO werden die Touristenströme inzwischen sehr stark kontrolliert und gelenkt. Seit 2009 wurde hierfür ein neues Kontrollsystem eingeführt: die sogenannte INGALA-Transit-Kontrollkarte (Spanisch: ). Hierbei handelt es sich um eine Art elektronisches Visum, das vor Abflug auf die Inseln erworben werden muss. Die Idee hinter diesem Visum ist, die illegale Einwanderung vor allem von Arbeitskräften, seien es Ausländer oder Einheimische, besser kontrollieren und verfolgen zu können. Nationalparkregeln Zur Erhaltung der Inselwelt sowie zum Schutz von Flora und Fauna wurden folgende Regeln festgelegt: Alle Besucher müssen von zertifizierten Nationalparkführern begleitet werden. Besucher dürfen die Inseln nur auf markierten Pfaden betreten und müssen die Parkregeln befolgen. Tiere dürfen nur ohne Blitz fotografiert werden. Das Mitbringen von fremden Organismen (tierisch oder pflanzlich) ist strengstens verboten. Die Zerstörung oder das Entwenden von Pflanzen, Tieren oder Teilen davon ist streng verboten. Beim Beobachten von Tieren ist ein Mindestabstand von 2 Metern einzuhalten. Das Berühren, Füttern oder Stören von Tieren ist verboten. Zelten ist nur an bestimmten Stellen außerhalb des Nationalparks und mit Genehmigung gestattet. Rauchen oder Lagerfeuer sind innerhalb des Nationalparks ausdrücklich verboten. Das Hinterlassen von Abfall auf den Inseln oder im Meer ist verboten. Es sollen keine Souvenire aus Teilen von Pflanzen oder Tieren gekauft werden. Das Bemalen oder Beschreiben von Steinen oder Einritzen von Bäumen und Blättern ist nicht gestattet. Fischen ist mit spezieller Fischerei-Genehmigung erlaubt. Sportliche Aktivitäten wie Wasserski, Jetski, Gleitschirmfliegen, Drachenfliegen oder Hubschrauberfliegen sind verboten. Die für den Tourismus bedeutendsten Inseln sind: die Insel Santa Cruz mit der Stadt Puerto Ayora (touristisches Zentrum des Archipels mit sehr guter touristischer Infrastruktur), die Insel San Cristóbal mit der Stadt Puerto Baquerizo Moreno (Verwaltungssitz und zweitwichtigster Flughafen), die Insel Isabela mit der Stadt Puerto Villamil (man findet hier ebenfalls einen kleinen Flughafen) sowie Floreana mit der Siedlung Puerto Velasco Ibarra. Die touristische Bedeutung der Insel Baltra bzw. South Seymour beschränkt sich auf den Besitz des wichtigsten Flug- und Kreuzfahrthafens. Statistik Auf den Galapagosinseln gab es im Jahr 2008 insgesamt 77 Schiffe, die über ein gültiges Patent verfügten und Touristen befördern durften. Insgesamt gab es jedoch 86 Patente, mit denen pro Woche maximal 1.866 Touristen befördert werden durften. Die Inseln wurden im Jahr 1979 noch von nur insgesamt 11.765 Touristen besucht. 2004 wurde die 100.000er-Grenze überschritten (mit 108.948 Touristen), 2013 mit 204.000 Ankünften die 200.000er-Marke. Auch in den folgenden Jahren blieben die Besucherzahlen in derselben Größenordnung. Dann kam es zu einem Anstieg auf ca. 241.000 im Jahr 2017 und auf über 270.000 Besucher (seit 2018). Im Jahr 2019 war ein Drittel der Besucher ecuadorianischer Nationalität. Die größten Gruppen ausländischer Touristen stammten aus den USA (29 %), dem Vereinigten Königreich, Deutschland (je 5 %) und Kanada (4 %). Im Jahr 2008 bereiste ein Großteil der Touristen (52 %) die Galapagosinseln noch per Schiff während einer der zahlreich angebotenen Kreuzfahrten, während es 2015 nur noch 32 % waren. Die Ankünfte per Flugzeug verteilten 2019 sich auf die Flughäfen Baltra (72 %) San Cristobal (28 %). Siehe auch Liste der auf den Galápagos-Inseln endemischen Bedecktsamer Galápagos-Affäre Iriomote (zu Okinawa gehörende japanische Insel, die auch „Galapagos des Ostens“ genannt wird) Literatur Jürgen Alex: Galapagos. Eine Arche Noah versinkt. In: mtv (Medical Tribune). 49/1978, Georg Baur: Ein Besuch der Galápagos Inseln. Cotta, München 1892 (Digitalisat) Wolfgang Bittmann, Brigitte Fugger: Galápagos Reiseführer Natur. BLV, München/ Wien/ Zürich 1991, ISBN 3-405-14066-8 (Galápagos. 5., komplett überarb. Auflage. Tecklenborg, Steinfurt 2007, ISBN 978-3-934427-77-8). Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Galápagos. Die Arche Noah im Pazifik. Mit Inselführer. Aktualisierte Taschenbuchausgabe. Piper, München/ Zürich 2001, ISBN 3-492-21232-8. Bodo Müller, Matthias Stolt: Galapagos. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-909-2. Carmen Rohrbach: Inseln aus Feuer und Meer. Galapagos – Archipel der zahmen Tiere. Frederking & Thaler, München 1989, ISBN 3-89405-027-6. Margret Wittmer: Postlagernd Floreana. Ein außergewöhnliches Frauenleben am Ende der Welt. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1995, ISBN 3-404-61901-3. G. Zizka & K. Klemmer: Pflanzen und Tierwelt der Galápagos-Inseln. Entstehung, Erforschung, Gefährdung und Schutz. Kleine Senckenbergreihe Nr. 20. 1994; 152 Seiten. ISBN 3-929907-14-3 Ira L. Wiggins & Duncan M. Porter: Flora of the Galapagos Islands. Stanford University Press, 998 Seiten; 1971. ISBN 0-8047-0732-4 Videos Patrick Morris: Naturwunder Galapagos. Inseln, die die Welt veränderten. BBC Germany, 2007. Heinz Sielmann: Galápagos. Erlebnisse und Erkenntnisse. 2004, ISBN 3-8312-1830-7. Weblinks Charles Darwin Forschungsstation (englisch, spanisch, französisch, deutsch) Galapagos-Nationalpark-Verwaltung Charles Darwin Foundation (englisch) Galápagos Conservation Trust (englisch) Zur Geologie der Galápagos-Inseln (englisch) Sammlung von hist. Karten, Literatur, Ephemera etc. (englisch) Freunde der Galapagos Inseln – Schweizer Verein Einzelnachweise Inselgruppe (Ecuador) Inselgruppe (Pazifischer Ozean) Inselgruppe ohne Kontinentalbezug Nationalpark in Südamerika Nationalpark in Ecuador Welterbestätte in Amerika Welterbestätte in Ecuador Weltnaturerbestätte Ehemals gefährdete Welterbestätte Provinz Galápagos
Q38095
277.584499
1616025
https://de.wikipedia.org/wiki/Terminologielehre
Terminologielehre
Die Terminologielehre, auch Terminologiewissenschaft und Terminologieforschung, auch Terminologie genannt, ist die Wissenschaft von Begriffen und ihren Bezeichnungen im Bereich der Fachsprachen. Allgemeines Erkenntnisobjekt der Terminologielehre sind insbesondere die Bildung von Begriffen und Begriffssystemen, ihre Darstellung mit Hilfe von Definitionen und Benennungen sowie die fachliche Phraseologie. Die Terminologielehre erarbeitet terminologische Grundbegriffe und Richtlinien für die Terminologiearbeit und Terminographie (Fachlexikographie), also für die systematische Erfassung und Verwaltung von Termini. Terminologie spielt in der Privatwirtschaft, in öffentlichen Einrichtungen sowie in Bildung und Wissenschaft eine wichtige Rolle. Sie fördert Effizienz und Eindeutigkeit in der Fachkommunikation. Eine saubere Verwendung von Terminologie optimiert die Unternehmenssprache (Corporate Language), vermeidet Verständnisprobleme, erhöht die Lesefreundlichkeit, ermöglicht die optimale Nutzung von Wissenspotenzialen, führt zu größerer Rechtssicherheit und spart Kosten. Eine Normung liefert in Deutschland die DIN 2342 (Begriffe der Terminologielehre). Begriffsinhalt und Begriffsumfang Aus der Terminologielehre stammen beispielsweise Begriffsinhalt und Begriffsumfang. Begriffsinhalt ist die Gesamtheit aller Merkmale eines Begriffs, Begriffsumfang ist die „Gesamtheit der einem Begriff auf derselben Hierarchiestufe untergeordneten Begriffe“. Der Begriffsumfang des Begriffs Fahrzeug beispielsweise besteht aus den Unterbegriffen Landfahrzeug, Wasserfahrzeug, Luftfahrzeug und Raumfahrzeug. Der Begriffsinhalt des Luftfahrzeuges umfasst dessen Merkmale, innerhalb der Erdatmosphäre zu fliegen oder zu fahren (Ballonfahren). Hierdurch grenzt sich das Luftfahrzeug vom Raumfahrzeug ab, das im Weltraum unterwegs ist. Der Begriffsumfang wird umso kleiner, je größer der Begriffsinhalt ist. Literatur Reiner Arntz, Heribert Picht, Felix Mayer: Einführung in die Terminologiearbeit. Olms, Hildesheim 2002, ISBN 3-487-11553-0 Helmut Felber, Gerhard Budin: Terminologie in Theorie und Praxis (= Forum für Fachsprachen-Forschung, Band 9), Narr, Tübingen 1989, ISBN 3-87808-783-7. Michael Gal: Begriff, Definition, Begriffsanalyse. Grundzüge der Terminologie. In: ders., Internationale Politikgeschichte. Konzeption – Grundlagen – Aspekte. Thelem, Dresden/München 2021 (2. Aufl.), ISBN 978-3-95908-446-8, S. 165–184. Felix Mayer: Eintragsmodelle für terminologische Datenbanken. Ein Beitrag zur übersetzungsorientierten Terminographie. Gunter Narr, Tübingen 1998, ISBN 3-8233-5350-0, S. 25–39. H. Suonuuti: Guide to Terminology. Helsinki 1997 Eugen Wüster: Einführung in die allgemeine Terminologielehre und terminologische Lexikographie (= Abhandlungen zur Sprache und Literatur, Band 20), 3. Auflage mit einem Vorwort von Richard Baum, Romanistischer Verlag, Bonn / Ergon, Würzburg 1991, ISBN 3-924888-48-5 / ISBN 3-89913-401-X Einzelnachweise Lexikografie Übersetzung Dolmetschen Angewandte Linguistik
Q1725664
254.820289
90117
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Adverb
Adverb (Plural: die Adverbien), auch Umstandswort (in Texten des 18./19. Jahrhunderts auch: Nebenwort), bezeichnet in der Grammatik eine Wortart. Nach der Definition, die in der deutschen Sprachwissenschaft heute mehrheitlich zugrunde gelegt wird, sind Adverbien: (1) unveränderliche (unflektierbare) Wörter, die (2) als Einzelwörter Satzglieder bilden können. Typische Beispiele sind Wörter wie „oft“, „gerne“ oder „glücklicherweise“ wie in: Wir essen oft im Restaurant. Ich gebe gerne ein Trinkgeld. Glücklicherweise war noch ein Tisch frei. Sie erweisen sich als Satzglieder durch ihre Umstellbarkeit ins Vorfeld des Aussagesatzes („Wir essen oft im Restaurant“ – „Oft essen wir im Restaurant“) und als unflektierbar, weil sie nicht wie attributive Adjektive gebraucht werden können (also nicht: „die ??gernen / ??often Restaurantbesuche“). Als Satzglieder haben Adverbien typischerweise die Funktion einer Adverbialen Bestimmung. Grundsätzlich ist aber zwischen einer Wortart (Adverb) und einer grammatischen Funktion (Adverbial) zu unterscheiden, denn ebenso ist die Wortart Substantiv verschieden von einer Funktion als Subjekt oder Objekt im Satz, und das Verb als Wortart ist verschieden von seiner Funktion als Prädikat des Satzes. Wörter, die als Adverbien bezeichnet werden, kommen auch nicht nur als Adverbiale vor, sondern manchmal auch in anderen Funktionen, etwa als Prädikativum oder als Objekt. Obwohl Adverbien schon alleinstehend als Satzglieder dienen können, können sie außerdem durch zusätzliche Bestimmungen zu komplexeren Adverbphrasen ausgebaut werden. Viele Grammatiken stellen bei ihrer Erläuterung des Adverbs eine Einteilung in Bedeutungsklassen in den Mittelpunkt: Adverbien des Ortes, der Zeit, der Art und Weise usw. Ausdrücke solcher Bedeutungstypen können jedoch im Prinzip verschiedenen Wortarten angehören. Es muss also unabhängig bestimmt werden, welche derartigen Angaben Adverbien sind und welche nicht – zum Beispiel, ob eine Ortsangabe wie „gegenüber“ als Adverb oder Präposition zählen soll, oder eine Zeitangabe wie „später“ als Adverb oder Adjektiv. Der vorliegende Artikel behandelt schwerpunktmäßig solche Abgrenzungsfragen zwischen den Wortarten (zu den Bedeutungsklassen wird überwiegend auf Spezialartikel verwiesen). Obwohl trennscharfe grammatische Definitionen im Prinzip existieren, ist vor allem das Verhältnis von Adverbien und Adjektiven oft von Unklarheiten geprägt. In diesem Bereich sind teils Redeweisen üblich, die eine systematische Trennung zwischen Wortart und Funktion wieder zum Verschwimmen bringen. Ein solcher Fall betrifft die Verwendungen des Adjektivs im Deutschen. Wörter wie langsam oder spät sind als Adjektive flektierbar: „langsame Fahrt“, „späte Rückkehr“. Folglich sind sie nach der obigen Wortartdefinition grundsätzlich keine Adverbien, sondern Adjektive; sie bleiben es also auch in Konstruktionen wie „langsam fahren“, „spät zurückkehren“ (es handelt sich dann um die Wortart Adjektiv in einer Funktion als Adverbial). In der Geschichte der deutschen Grammatikschreibung sind diese letzteren Verwendungen jedoch oft als „Adverbien“ gesehen worden, und diese Redeweise hält sich auch in manchen heutigen Grammatiktexten weiterhin (auch unter dem Namen „Adjektivadverb“). Eine ähnliche Unklarheit betrifft die von Adjektiven abgeleiteten adverbiellen Formen wie sie im Englischen oder den romanischen Sprachen vorkommen: Englisch: happy → happily („glücklich“ oder „glücklicherweise“) Französisch: intelligent → intelligemment („intelligent / intelligenterweise“) In der Sprachwissenschaft gibt es Diskussionen darüber, ob diese Formen nicht am ehesten als Wortformen von Adjektiven zu analysieren wären (also eher als Flexion statt als Wortableitung). Diese vermeintlich typischsten Fälle von Adverbien sind also gerade die, bei denen die Wortart besonders unsicher ist. Sie werden jedoch einhellig als „Adverbien“ bezeichnet, auch in Texten, wo sie der Wortart nach als Adjektive eingestuft werden. Entwicklung des Begriffs „Adverb“ Die Bezeichnung „Adverb“ geht zurück auf , ist also ursprünglich Neutrum eines Adjektivs adverbius mit der Bedeutung „beim Verb stehend“. Dies wiederum entstand als Übersetzung des griechischen Ausdrucks epirrhema () in der Grammatik des Dionysios Thrax. Diese ursprüngliche Benennung bedeutet demnach ein „Beiwort zur Satzaussage (dem )“. Das Adverb war also aufgrund seiner besonderen syntaktischen Funktion von Anfang an klar vom Adjektiv getrennt (das in der antiken Grammatik aber ebenfalls als Unterart des Nomens i. w. S. eingeordnet wurde). Jedoch werden schon in der Grammatik des Dionysios Thrax für diese Kategorie auch Beispiele gegeben, die über eine Beifügung zum Verb hinausgehen. Adverbien können sich also, anders als die Bezeichnung es nahelegt, nicht nur auf Verben beziehen (mehr dazu siehe später im Abschnitt „Nicht-adverbiale Verwendungen“). Die Wortart Adverb war bereits in der älteren Grammatik des Deutschen Gegenstand grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten. In der Deutschen Sprachlehre von Johann Christoph Adelung (1781) werden einerseits in inhaltlicher Betrachtung adverbielle Verhältniswörter (wie „heute, dort, immer“) von Eigenschaftswörtern („schön, gut“) getrennt, zugleich aber werden für die Wortartdefinition alle derartigen Wörter als „Adverbien“ zusammengefasst, die syntaktisch von einem Verb abhängen. Es ergibt sich also eine Gegenüberstellung von attributiven (flektierten) Adjektiven einerseits und andererseits einer Klasse aus unveränderlichen rein adverbiellen Wörtern und adverbiell gebrauchten Adjektiven und auch prädikativ gebrauchten Adjektiven. Das heißt, auch das Wort schwarz in „Das Pferd ist schwarz“ wird von Adelung als Adverb eingeordnet. Die Einteilung wird also rein morphosyntaktisch begründet (mit Betonung darauf, dass alle Verwendungen in der Klasse Adverb unflektiert sind), lexikalische oder Bedeutungsfaktoren sind untergeordnet. Diese Kategorie Adverb sollte zugleich aber nicht einfach eine syntaktische Funktion sein, sondern eine Wortart ergeben, indem nur Einzelwörter darunter genommen werden, keine zusammengesetzten Ausdrücke. Diese Konzeption gleicht bereits späteren Definitionen des Adverbs als „adverbielles Einzelwort“. Die Einstufung prädikativ gebrauchter Eigenschaftswörter als Adjektive statt Adverbien hat sich im Gefolge der Arbeit von Karl Ferdinand Becker durchgesetzt. Allerdings vertritt dieser (in Deutsche Sprachlehre, 1841) insgesamt ein gänzlich entgegengesetztes Modell, in dem ein Adverb gar nicht als Wortart anerkannt wird. Becker unterscheidet vor allem Verben, Substantive und Adjektive als „Begriffswörter“ und demgegenüber „Formwörter“ wie Pronomen, Präpositionen etc. Er schreibt: „Das Adverb der Weise ist seiner Natur nach ein Begriffswort, und nur als eine besondere Form des Adjektivs anzusehen (...) die Adverbien des Raum- und Zeitverhältnisses hingegen sind ihrer Natur nach Formwörter, und meistens besondere Formen der Pronomen.“ Das Adverb erscheint somit nicht mehr als eigenständige Wortart, nachdem ausschließlich ein inhaltliches (lexikalisch-semantisches) Kriterium angelegt wird. Die heutige Einteilung, die neben prädikativen auch adverbielle Adjektive Adjektive sein lässt, statt sie als Adverb auszusondern, geht maßgeblich auf Hans Glinz zurück (Die innere Form des Deutschen, 1952). Glinz verweist darauf, dass die Abspaltung adverbieller Adjektive in eine separate Wortart der Adverbien größtenteils damit begründet wird, dass in Sprachen wie Latein, Englisch oder Französisch die adverbielle Verwendung eigene Endungen erhält; das System des Deutschen müsse aber aus sich selbst heraus analysiert werden. Glinz resümiert (1968): „Die Unterscheidung von unflektiertem Adjektiv und Adverb ist für das heutige Deutsch eine bloße Fiktion, der keinerlei sprachliche Wirklichkeit entspricht.“ Dies sei ebenso, als wolle man das Präteritum des deutschen Verbs in ein „Imperfekt“ und einen „Aorist“ unterteilen, weil das klassische Griechisch diese Vergangenheitstempora unterscheidet. Einen gegenläufigen Einfluss übte allerdings zunächst die Grammatik von Helbig & Buscha (1970) aus, in der adverbielle Adjektive wiederum als Adverbien („Adjektivadverbien“) bezeichnet wurden, weil ihre Position im Satz als Wortart-Kriterium zugrunde gelegt wurde. In modernen Darstellungen wird eine Bestimmungsweise des Adverbs verwendet, die sich im Gegensatz zu den älteren Ansätzen weder auf eine Bedeutung stützt noch auf einzelne Konstruktionen. Stattdessen definiert sie die Wortart als ein Potenzial von Eigenschaften, das mit dem Wort als solchem verbunden ist. Adverbien werden charakterisiert als (1) unflektierbare Wortart, deren Vertreter (2) für sich allein ein Satzglied bilden können. Das Kriterium für Satzglied-Status ist hierbei die Fähigkeit, im Vorfeld zu erscheinen, d. h. vor dem finiten Verb im Aussagesatz: {Heute / dorthin / eilends / deswegen }_ kam Hans. Die Abgrenzung erfolgt also zu Wortarten, die potenziell flektierbar sind (vor allem Adjektive) und die nicht dasselbe Potenzial an syntaktischen Stellungseigenschaften haben (vor allem Partikeln, die nicht vorfeldfähig sind). Siehe den Abschnitt #Abgrenzung zu anderen Wortarten. Klassifizierung von Adverbien In diesem Abschnitt wird eine erste Übersicht von Beispielen gegeben, die möglichst unkontroverse Fälle von Adverbien auflisten soll. Die Darstellung der Abgrenzungskriterien und die Frage, welche Wörter nicht zu den Adverbien gehören, folgt anschließend. Die Übersicht orientiert sich vorläufig an der Bestimmung, dass den Kernbestand der Adverbien Einzelwörter bilden, die keine andere Verwendung haben als die adverbielle. Da dies eine negative Bestimmungsweise ist, ergibt sich soweit eine uneinheitliche Restklasse von Wörtern, die lediglich gemeinsam haben, dass sie keiner anderen Kategorie eindeutig zugeordnet werden können. Bedeutungsklassen Die inhaltlichen Bedeutungsklassen von Adverbien sind prinzipiell dieselben, die auch für Adverbiale allgemein angegeben werden können. Es ist aber unklar, wie viele Bedeutungsklassen zu unterscheiden sind und wie sie sich zueinander verhalten und voneinander abgrenzen. Einteilungen, die mit wenigen Typen auskommen (zum Beispiel fünf Klassen in der Dudengrammatik), setzen Klassen an, die in sich nicht einheitlich sind. In der Regel findet sich nur für Lokal- und Temporaladverbien eine einheitliche Definition bzw. ein einheitliches Kriterium. Für Einzelheiten siehe die verlinkten Spezialartikel. Beispiel einer Systematik mit fünf Klassen: Lokaladverbien („Ortsadverbien“) zur Bezeichnung von Orten oder Richtungen / Pfaden: hier, draußen, rechts, dort … Temporaladverbien („Zeitadverbien“) zur Bezeichnung einer zeitlichen Lage, Ausdehnung oder Beziehung: damals, nachher, gestern …. Modaladverbien bilden eine Gruppe mit einer nicht genau abgegrenzten Anzahl verschiedener Unterklassen und bezeichnen zum Beispiel die Art und Weise eines Vorgangs (nicht die Modalität) („flugs“), Intensität („sehr“), Begleitumstände („insgeheim“), Einstellungen („gerne“) usw. Kausaladverbien bezeichnen im engen Sinn Ursachen eines Sachverhalts („dadurch, deshalb“), hinzugenommen wird aber meist ein „weiterer Sinn“, der in die Konjunktionaladverbien, Text- und Satzadverbiale übergeht (nämlich, sonst, trotzdem, dennoch) (diese Beispiele werden aber manchmal auch den Modaladverbien zugeschlagen). Satzadverbien/Kommentaradverbien/Modalwörter bezeichnen vor allem Bewertungen des Sprechers über den ausgedrückten Satzinhalt („unglücklicherweise“), Einschätzungen über Wahrheit oder Möglichkeit des Inhalts („vielleicht“) oder andere Sprechereinstellungen („ehrlich gesagt“). Siehe Adverbiale Bestimmung#Untergruppe: Satzadverbiale Syntaktische Klassen Funktionsklassen Man kann Adverbien danach unterscheiden, ob sie Inhaltswörter sind oder nur zum Verweis auf adverbiale Bedeutungen dienen, deren Inhalt sie offenlassen. Adverbien mit verweisender Funktion sind Demonstrativadverbien, Frageadverbien sowie Relativadverbien. Diese Gegenüberstellung wird auch als eine Unterscheidung zwischen „absoluten Adverbien“ (Inhaltswörter) und „Pro-Adverbien“ bezeichnet (siehe auch unter Pronomen #Pro-Nomen und Pro-Adverb). Ein Demonstrativadverb kann auf einen Umstand verweisen, der in der Sprechsituation zu beobachten ist (Deixis) oder im Text zuvor erwähnt wurde (Anaphorik), zum Beispiel kann auf die Art und Weise eines Geschehens verwiesen werden (demonstratives Modaladverb, erstes Beispiel unten) oder auf einen Ort (zweites Beispiel): So möchte ich auch tanzen können! Dort brüten viele Pinguine. Frageadverbien und Relativadverbien fungieren als Ersetzungen für alle Arten von Adverbialen in einem Fragesatz bzw. Relativsatz; sie können also sowohl für Adverbien als auch für adverbiale Präpositionalphrasen oder Adverbialsätze etc. stehen. Sie haben spezialisierte Formen je nach adverbialer Bedeutungsklasse, z. B. wo, wann, wie, warum …. In dieser Gruppe treten auch Pronominaladverbien auf: wozu, womit etc. Positionsklassen Klassifikation nach Nachbarschaft zu anderen Kategorien Adverbien bilden eine sehr heterogene Gruppe. Verschiedene Untergruppen der Adverbien sind gekennzeichnet durch Abgrenzungsprobleme, und möglicherweise Übergänge, zu jeweils anderen Kategorien. Adjektiv-ähnliche Adverbien: Abgesehen von den Adverbien, die sowieso von Adjektiven abgeleitet sind, finden sich verschiedene andere Wörter, die Adjektiven ähneln, indem sie Eigenschaften bezeichnen und zu adverbial gebrauchten Adjektiven synonym sein können. Beispiele: Französisch vite („schnell“, vgl. das Adjektiv rapide), Englisch well („gut“, vgl. das Adjektiv good); Deutsch oft (vgl. das Adjektiv häufig). Substantiv-ähnliche Adverbien: Darunter Fälle, die als erstarrter Adverbialkasus eines Substantivs zu deuten sind oder dazu analog sind. Beispiele: Die Zeitadverbien des Englischen und Deutschen vom Typ yesterday / gestern (mit der substantivtypischen Adjektivableitung „gestrig“), morgens, nachts. Siehe auch die Beispiele im Abschnitt #Adverbformen im Lateinischen. Präpositions-artige Adverbien: Beispielsweise: gegenüber, abseits, links. Siehe unten im Abschnitt #Adverb und Präposition. Abgrenzung zu anderen Wortarten Adverb und Adjektiv Adverbial gebrauchte Adjektive Adjektive können im Deutschen in verschiedenen Konstruktionen vorkommen. Man unterscheidet drei Grundtypen, wie in den folgenden Beispielen: a) Das schnelle Auto überholte. b) Das Auto ist/scheint schnell. c) Das Auto beschleunigt schnell. In c) macht das Wort „schnell“ eine Aussage über das Ereignis des Beschleunigens, in a) und b) über das Auto selbst; der Ereignisbezug ist aber nicht das, was den Typ c) definiert, denn alle solchen Bedeutungsvarianten erscheinen auch innerhalb der Konstruktion a) („schnelles Auto, schnelle Beschleunigung, schnelle Fahrt“ usw.). Es handelt sich vielmehr um einen Unterschied zwischen drei syntaktischen Konstruktionen, und in allen kann man „schnell“ als dieselbe Wortart Adjektiv einstufen, da auch keine äußeren Anzeichen für einen Wortartwechsel zu sehen sind. Man unterscheidet dann lediglich nach der Funktion a) attributive Verwendung b) prädikative Verwendung c) adverbiale Verwendung des Adjektivs. (Zur genauen Abgrenzung der drei Konstruktionen siehe Prädikativum #Begriffsabgrenzung). Ein Unterschied zwischen den Konstruktionen besteht darin, ob Adjektive flektiert (gebeugt) werden: In der attributiven Konstruktion a) zeigen sie Übereinstimmung mit dem Substantiv in den Merkmalen Kasus, Numerus und Genus. Zwischen dem Artikel „das“ und dem Substantiv „Auto“ erscheint das Adjektiv schnell also in der Form „schnelle“. Flektiert werden Adjektive im Deutschen allerdings nur in attributiver Verwendung (genauer gesagt, nur als Linksattribut). Das unflektierte Auftreten ist also keine Besonderheit, die speziell mit dem adverbiellen Gebrauch in c) zusammenhängen würde (siehe die Reihe verschiedener anderer Konstruktionen, die alle als Prädikativum zusammengefasst werden). Insgesamt ergibt sich die Unterscheidung: Adverbial = eine grammatische Funktion (die z. B. auch von Präpositionen oder Konjunktionen markiert werden kann, und wofür nach diesem Modell gleichermaßen Adjektive oder Adverbien dienen können). Adverb = eine Wortart (die meistens in der Funktion eines Adverbials vorkommt). In Abgrenzung zu Adjektiven gehören dann zur Wortart Adverb nur Wörter, die nie flektiert in attributiver Verwendung wie a) oben vorkommen können (der Stern * bezeichnet grammatisch ausgeschlossene Formen): * Der vielleichte Verkauf des Autos. * Der Verkauf ist vielleicht. Er verkauft vielleicht sein Auto. Alternativen: Das „Adjektivadverb“ Die soeben dargestellte Auffassung, dass die adverbielle Verwendung eines Adjektivs keinen Übergang in eine eigene Wortart Adverb bedeutet, ist in der Sprachwissenschaft heute deutlich die Mehrheitsmeinung. Die Verwendung der Bezeichnung „Adverb“ für Fälle wie oben in c) („Das Auto beschleunigt schnell.“) wird zum Beispiel im Metzler-Lexikon Sprache rundheraus als „falsch“ bezeichnet. Hieraus lässt sich aber auch ablesen, dass sich diese Verwendung tatsächlich immer wieder findet. Eine weitere Variante ist, diese adjektivbasierten Adverbiale als sogenanntes Adjektivadverb von den anderen Fällen abzusetzen. Auch diese Begriffsbildung wird in der Sprachwissenschaft heute mehrheitlich abgelehnt, begründet unter anderem damit, dass diese Bezeichnung schon gar nicht in einheitlicher Bedeutung verwendet wird. In Grammatiken, die eine Kategorie „Adjektivadverb“ einführen, kann es der Fall sein, dass diese Bezeichnung genau bedeutungsgleich mit „adverbielles Adjektiv“ verwendet wird. Die eigene Wortprägung ist dann nur dadurch motiviert, dass die Endungslosigkeit deutscher adverbieller Adjektive (im Gegensatz zu den übrigen Schulsprachen) als Auffälligkeit empfunden wird, die eine Benennung verdient. In dieser Deutung ist die Bezeichnung „Adjektivadverb“ jedoch ungenau, weil das enthaltene Grundwort „Adverb“ ansonsten als Bezeichnung einer Wortart verstanden wird. Eine andere Deutung des Konzepts „Adjektivadverb“ besteht darin, dass es als Untertyp des Adverbs in einem strengen Sinn angesetzt wird, also dass in den adverbiellen Fällen ein Kategoriewechsel zwischen Adjektiv und Adverb ohne äußere Kennzeichnung angenommen wird (sogenannte Konversion; im Beispiel unten dargestellt als das Anhängen einer „Null“-Endung). Solche Deutungen können dadurch motiviert sein, dass die sichtbare Adverbialmorphologie, die in anderen Sprachen an solchen Adjektiven erscheint, ebenfalls als Wortbildung mit Kategoriewechsel aufgefasst wird; dann würden mit der Annahme von Konversion im Deutschen alle diese Fälle einheitlich erfasst: quick (Adj.) → quick-ly (Adv) schnell (Adj.) → schnell-∅ (Adv) Ein unabhängiger Nachweis für einen solchen Kategoriewechsel im Deutschen ist aber nie erbracht worden, und bereits die hierbei vorausgesetzte Analyse des Englischen ist in der Fachliteratur strittig (ebenso wie bei gleich gelagerten Fällen in anderen Sprachen). Diese Diskussion ist weiter unten im Einzelnen dargestellt, siehe besonders die Abschnitte #Adverbformen im Lateinischen und #Adverbformen im Englischen. Steigerungsformen Bestimmte Untergruppen von Adverbien, die steigerbare Eigenschaften bezeichnen, können auch mit Steigerungsformen (Komparativ und Superlativ) auftreten. Hierin drückt sich eine Nähe dieser Adverbien zur Kategorie Adjektiv aus, und die Existenz von Steigerungsformen wirft wiederum die Frage auf, in welchem Maße das Adverb als Wortart eigenständig ist. In einigen Sprachen gibt es Steigerungsformen ganz regelmäßig für Formen, die als „Adverbien“ bezeichnet werden, so im Lateinischen und Englischen; dies sind genau die Fälle, wo die Frage gestellt wird, ob die Adverbformen möglicherweise sowieso Wortformen des Adjektivs sind. Im Lateinischen wird eigentlich nicht das Adverb gesteigert, sondern die Steigerungsform des Adjektivs erhält eine adverbielle Endung (siehe unten). Die Verhältnisse im Englischen erscheinen eher wie die Steigerung eines Adverbs: Hier wird ein Komparativ durch den Zusatz von more gebildet und der Superlativ durch most (wie es auch bei mehrsilbigen Adjektiven geschieht). Dies gilt in gleicher Weise für abgeleitete wie für einfache Adverbien: quickly – more quickly often – more often In der deutschen Grammatik wird oft vermerkt, dass es zu einigen Adverbien Steigerungsformen gibt, allerdings oft nur durch Suppletion (Austausch des Stammes): bald – eher – am ehesten wohl – wohler – am wohlsten gern – lieber – am liebsten oft – öfter – am häufigsten (selten auch: am öftesten) Obwohl die Grundformen „bald, wohl, gern, oft“ nur adverbiell vorkommen, ist jedoch in einigen dieser Fälle die Komparativform nachweislich ein Adjektiv, denn sie kann flektiert als Attribut vorkommen: „Öftere Kontrollen sind ratsam.“ „Die ehere Verfügbarkeit ist ein Vorteil.“ Adverbien und prädikative Einzelwörter (Adkopula) Es gibt im Deutschen einige Wörter, die nur als Prädikativum vorkommen können: Der Rest ist egal. (*NICHT*: „ein egaler Rest“) Wir sind quitt. Sie gingen quitt auseinander. (= „Sie waren quitt, als sie auseinandergingen“: sekundäres Prädikativum) *NICHT*: „die quitten Partner“ Manche Grammatiker stufen solche Wörter als Adverbien ein, weil es eine Restgruppe von unflektierbaren Einzelwörtern ist (obwohl sie keine Verwendungen als Adverbial haben). Andere stufen sie wegen ihrer prädikativen Bedeutung als Adjektive ein, die nur Verwendungsbeschränkungen unterliegen (mit der Folge, dass sie nie flektiert vorkommen), oder es wird vorgeschlagen, eine eigene Wortart für sie zu schaffen, die sogenannte Adkopula, die dann von Adjektiven und Adverbien abzugrenzen wäre. Adverb und Präposition Die Abgrenzung zwischen Adverbien und Präpositionen ist ebenfalls komplex und mit Unsicherheiten behaftet. Eine traditionell häufig eingenommene Position ist, dass es für Präpositionen kennzeichnend sei, eine Ergänzung zu regieren, wogegen Adverbien dies nie könnten. So werden für Wörter wie links oder gegenüber manchmal zwei Varianten angesetzt: links für sich allein sei ein Adverb, eine Konstruktion wie links der Straße zeige hingegen eine Präposition. Im Ergebnis führt dies zu einer Doppelklassifikation von sehr vielen Wörtern. Von anderen Autoren wiederum wird eine solche Abgrenzung nach Rektionseigenschaften teils gar nicht vorausgesetzt, teils auch anders gezogen. Im Zusammenhang mit dem Grundsatz, dass Adverbien Wörter sind, die keine Ergänzungen regieren, entsteht in vielen Einteilungen auch eine Klasse von Adverbien allein dadurch, dass Präpositionen und ihre pronominalen Ergänzungen zusammen ein einziges Wort bilden: die sogenannten Pronominaladverbien. Beispiele: damit (= mit diesem), darauf (= auf das / auf dem), hiervon (= von hier, oder: von diesem). Diese Bildungen werden in der wissenschaftlichen Literatur allerdings öfter der Kategorie der Präpositionen zugeordnet (da das präpositionale Element darin als ihr Kopf angesehen wird). Formen wie darauf können auch als Präpositionalobjekt dienen, also als Ergänzung von Verben, die eine spezielle Präposition an ihrem Objekt fordern, etwa: „auf etwas warten / darauf warten“. Insofern wäre nicht zu erwarten, dass die Präposition auf und die Variante darauf ganz verschiedenen Wortarten angehören. In der Sprachwissenschaft ist auch manchmal erwogen worden, Präpositionen und gewisse Typen von Adverbien überhaupt zu einer Wortart zusammenzufassen. Hierbei würden Unterschiede in den Rektionseigenschaften nicht zur Trennung von Wortarten benutzt und gewisse Untertypen von Adverbien würden als „intransitive Präpositionen“ eingeordnet werden. Solche Versuche, die nicht allgemein akzeptiert sind, deuten die Möglichkeit eines Programms an, Adverbien in größerem Stil in andere Wortarten einzugliedern. Adverb und Substantiv Eine Abgrenzung zwischen Adverb und Substantiv ist im Deutschen aus praktischen Gründen nötig, um die Rechtschreibregel anzuwenden, dass Substantive großgeschrieben werden. Aus den Rechtschreibregeln geht hervor, dass Ausdrücke, die mit Artikel vorkommen, als Substantive eingestuft werden, artikellose Einzelwörter in gleicher Bedeutung dagegen nicht: des Abends – abends Die Endung -s wird daher im ersten Beispiel als Genitiv-Flexion des Substantivs aufgefasst, im zweiten Beispiel aber als Wortbildungselement, das eine Ableitung vom Substantiv zum Adverb vornimmt. In Bildungen wie dem Adverb „nachts“ kann überdies -s keinen Genitiv bezeichnen (jedoch in der Form „des Nachts“ auch nicht, trotz der Großschreibung als Substantiv). Somit wird die Abgrenzung der Wortarten in diesem Bereich öfters durch einzelne Rechtschreibkonventionen festgelegt, etwa darin, dass zu schreiben ist „des Öfteren“ statt einer alternativ denkbaren Zusammenrückung „desöfteren“ (die dann ein Adverb sein müsste). Adverb und Partikel Die Bezeichnung Partikel begegnet in einem weiteren und einem engeren Sinn. Im weiteren Sinn werden so manchmal alle nicht flektierbaren Wortarten bezeichnet (v. a. in älterer Literatur, diese Redeweise wurde z. B. in neueren Auflagen der Dudengrammatik aufgegeben). Im engeren Sinn werden Partikeln definiert als unflektierbare Wörter, die keine Satzglieder sind, also nicht allein das Vorfeld des Satzes besetzen können und keine verknüpfende Funktion haben. Aus dem ersten Kriterium ergibt sich, dass dann z. B. Steigerungswörter wie „sehr, ziemlich, ungemein“ in der Germanistik meist nicht als Adverbien eingestuft werden, sondern als Partikeln (auch im engen Sinn); allerdings wird eingeräumt, dass die Unterscheidung nicht völlig trennscharf ist. Die Klassifikation von Wörtern wie „ziemlich“ als Partikeln statt Adverbien würde sich darauf stützen, dass man Kontraste feststellt wie: Widerwärtig hat das gestunken. (?) Ziemlich hat das gestunken. Andere Ansätze fassen den Begriff Adverb weiter; so werden Steigerungswörter in der englischsprachigen und linguistisch orientierten Literatur eher als Gradadverbien bezeichnet. Einige von diesen weisen im Englischen die adverbtypische Endung -ly auf (z. B. fairly, utterly). Adverb und Konjunktion Adverb und Pronomen Adverbielle Endungen: Wortbildung oder Flexion? Übersicht über Bildungsweisen von Adverbien Die Wörter, die üblicherweise als Adverbien bezeichnet werden, stellen eine sehr uneinheitliche Gruppe dar. Dies zeigt sich auch an Unterschieden im inneren Aufbau solcher Wörter. Hinsichtlich der morphologischen Verfahren können folgenden Typen unterschieden werden: Einfache Adverbien (lexikalische Adverbien, lexikalische Simplizia); vgl. die Beispiele „oft“, „gern“ in der Einleitung. Hierzu wären auch Fälle zu zählen, die komplex wirken, aber wo die Art der Zusammensetzung undurchsichtig ist: „vielleicht“, „immerhin“. Zusammengezogene Ausdrücke, bei denen das Zusammenwirken mehrerer Wörter noch nachvollziehbar ist: „miteinander“, „dergestalt“, „dahinter“. (Man beachte besonders die Trennbarkeit des letzteren Typs in manchen Varietäten des Deutschen, wie: „Da kann ich nichts für.“) Abgeleitete Adverbien mit Endungen, die spezielle adverbiale Bedeutungsklassen herstellen. Beispiele im Deutschen: -weise leitet meist bewertende, kommentierende Satzadverbiale ab: „glücklich-er-weise“; -wärts ist eine Endung zur Bildung von Richtungsadverbialen (seitwärts, ostwärts). Dieser Typ fällt in den Bereich der mehr oder weniger regelhaften Wortbildung. Wegen der Existenz solcher Wortbildungsverfahren werden die Adverbien als offene lexikalische Klasse eingestuft. Abgeleitete Adverbformen, die bei Adjektiven die adverbielle Verwendung als solche kennzeichnen. Beispiel: Die englische Form „happi-ly“ entspricht verschiedenen Typen von Adverbialen, die im Deutschen durch die Formen „glücklich“ und „glücklicherweise“ unterschieden werden. Traditionell herrscht die Erwartung, dass auch solche Formen wie z. B. mit engl. -ly Fälle von Wortbildung sein sollten, in der Fachliteratur gibt es aber viel Diskussion darüber, ob es sich hier nicht eher um Flexionsformen der Wortart Adjektiv handelt (siehe unten zum Lateinischen sowie Englischen). Abgeleitete Adverbien im Deutschen Anders als in vielen anderen Sprachen haben im Deutschen Adjektive keine Markierung für die adverbiale Funktion als solche. Adverbien als abgeleitete Wörter entstehen im Deutschen vorwiegend dadurch, dass Adjektive oder Substantive Endungen für spezielle Bedeutungstypen von Adverbialen erhalten, die dann eindeutig der Wortbildung zugerechnet werden (häufig, aber nicht ausschließlich Satzadverbiale). Beispiele: dumm → dummerweise erwiesen → erwiesenermaßen Vorsicht → vorsichtshalber Historisch handelt es sich hier um die nicht reguläre Bildungsweise der Zusammenrückung, also Umkategorisierung einer syntaktischen Verbindung zu einem einzigen Wort. Im Inneren dieser Formen sieht man daher mitunter noch alte Flexionselemente bzw. Fugenlaute. Beispielsweise: Aus dem Substantiv halbe (= mhd. für „Seite“; auch in: inner-halb) entsteht: vorsicht.s-halber (nhd. auch parallele Umdeutung als Postposition: der Vorsicht halber) Aus dem Substantiv weise (= „Weise“ im Nhd.) entsteht dumm-er-weise (ursprünglich adverbieller Genitiv). Rechtschreibregeln haben hier zeitweise auch die Schreibung dummer Weise vorgesehen. Diese Bildung ist im heutigen Deutsch sehr produktiv. Ein weiteres Beispiel, das ebenfalls eindeutig dem Bereich der Wortbildung angehört, sind Formen auf -s, zu denen es auch Alternativen als Adjektive auf -ig gibt: rückwärt-s / rückwärt-ig abwärt-s / abwärt-ig beiderseit-s / beiderseit-ig Bei Adverbien, die keine einfachen Wörter (keine Simplizia) sind, kann zwischen produktiven Verfahren und nicht voll produktiven „Mustern“ unterschieden werden (also beschränkt auftretende Gruppen von einzelnen Wörtern, deren Bildungsweise sich gleicht). Es gibt im Deutschen auch weitere Spuren von Markierungen, die den lateinischen, romanischen oder englischen Fällen mehr gleichen, aber nicht regelhaft sind. Beispielsweise ist in manchen adverbial gebrauchten Wörtern des Deutschen ein Adjektivstamm zusammen mit einer Endung -e erkennbar: fern – ferne lang – lange; vgl.: „Der Besuch ist lange geblieben“ (lange dient nur als Zeitadverbial). Ebenso findet sich ein wiederkehrendes -lich sicher – sicherlich bitter – bitterlich; vgl.: „Sich bitterlich beklagen“ Diese wenigen Fälle verhalten sich im heutigen Deutsch als adverbielle Einzelwörter. Die Adverbformen des Lateinischen, Romanischen oder Englischen, die unten dargestellt werden, sind dagegen produktiv und werden regulär auf alle Adjektive angewandt, die in adverbieller Konstruktion erscheinen (ein Verhalten, das als eher typisch für Flexion statt für Wortbildung angesehen wird). Adverbformen im Lateinischen Die lateinische Grammatik ordnet das Adverb in die weit gefasste Kategorie Nomen, also im Sinne von „deklinierbare Wortarten“ ein. Damit ist offensichtlich nicht gemeint, dass die Adverb genannten Wörter dekliniert werden, sondern dass sie in vielen Fällen selbst Deklinationsformen sind. Wie im Deutschen gibt es erstarrte Einzelwörter, die aus Zusammenrückungen stammen: hodiē „heute“ (ursprünglich: „(an) diesem Tag“, von diēs „der Tag“ im Ablativ). Eine zweite Gruppe sind erstarrte Kasusformen von einfachen Substantiven oder Adjektiven. Beispiele: grātīs „kostenlos“ (ursprünglich Ablativ von grātia „Dank“) tantum „nur“ (ursprünglich Akkusativ von tantus, -a, um „so viel“) Zusätzlich zu solchen erstarrten Formen werden als „Adverb“ gleichermaßen auch Wörter bezeichnet, die durch eine regelmäßige Endung aus Adjektiv-Stämmen gebildet werden. Diese adverbiellen Endungen lauten unterschiedlich, jeweils abhängig von der Flexionsklasse des Adjektivs. Dies spricht für die Einstufung, dass diese „Adverbien“ eigentlich Flexionsformen eines Adjektivs sind. Im Gegensatz hierzu steht allerdings eine Grammatiktradition, die stattdessen davon ausgeht, dass es sich um eine Ableitung mit Wechsel vom Adjektiv zu einer („unveränderlichen“) Wortart Adverb handeln sollte. Die Diskussion zwischen diesen beiden Standpunkten wurde schon unter den Grammatikern der Antike geführt. Formen: Adjektive der o/a-Deklination erhalten regelmäßig das Suffix -ē. Beispiele: clar-us, -a, -um → Adverbielle Form: clar-ē pulcher, pulchra, pulchrum → Adverbielle Form: pulchr-ē Adjektive der dritten Deklination erhalten regelmäßig das Suffix -(i)ter. Beispiele: celer (mask.) celeris (fem.), celere (neutr.) → celer-iter (adv.) fort-is (m., f.), fort-e (neutr.) → fort-iter (adv.) vehemens (m., f., n.) (Stamm: vehement-) → vehemen-ter (adv., gekürzt statt *vehement-ter) Der Unterschied zwischen „pulcher“ und „celer“ zeigt, dass es nicht der Auslaut eines Adjektivs ist, der über die Adverbform entscheidet, sondern allein die Zugehörigkeit zu einer Deklinationsklasse. Auch zu den Steigerungsformen des Adjektivs werden adverbielle Formen gebildet: Der adverbielle Komparativ ist identisch mit dem Komparativ des Adjektivs im Neutrum Singular (Endung -ius): fortis, Komparativ: fortior (m.,f.), fortius (Neutrum = adverbielle Form) Der Superlativ des Adjektivs wird durch eine Stammerweiterung -issim- gebildet, die der o/a-Deklination angehört; der adverbielle Superlativ wird dann mit der regelmäßigen Endung -ē gebildet. vehemens, Superlativ vehement-issim-us/-a/-um → vehementissim-ē (adv.) Es gibt allerdings einige wenige Fälle von Adverbien, die sich morphologisch nicht auf Adjektive zurückführen lassen, aber trotzdem Komparativformen bilden: diu („lange (Zeit)“) – diutius („länger(e Zeit)“). Adverbformen in den romanischen Sprachen Die lateinische Adverbmarkierung wurde in der Geschichte der romanischen Sprachen schon sehr früh durch andere Bildungen ersetzt. Es entwickelten sich dann zwei Typen: Zum einen der Gebrauch von neutralen Formen des Adjektivs, also Formen, die wie Adjektive mit einem Genusmerkmal aussehen, aber keine Übereinstimmung (Kongruenz) mit einem Bezugswort zeigen. In manchen romanischen Sprachen bzw. Varietäten begegnen auch endungslose Adjektive. Spanisch trabajan duro „Sie arbeiten hart(mask.).“ Katalanisch treballen dur Zum anderen Affixe der Form -ment(e). (In der Fachliteratur wird auch für diesen Typ diskutiert, ob es sich um Derivation oder Flexion des Adjektivs handelt.) Für weitere Einzelheiten siehe auch unter Spanische Grammatik#Prädikative und adverbielle Adjektive und Spanische Grammatik#Adverb. Neutrale Flexionsformen, und zwar dann Formen des Neutrums, zur Markierung adverbieller Adjektive finden sich auch in den nordgermanischen sowie in den slawischen Sprachen. Adverbformen im Englischen Im Englischen können Adjektive produktiv mit einer Endung versehen werden, wenn sie in adverbieller Funktion gebraucht werden, nämlich durch Anhängen des Suffixes -ly. Beispiele: beautiful-ly, stupid-ly, quick-ly. Auch bei diesen traditionell stets „Adverbien“ genannten Bildungen ist der Wortart-Status uneindeutig. Unter den eindeutigen Fällen von Wortbildungsaffixen im Englischen gibt es auch eine Variante von -ly, die Adjektive ableitet: friend → friend-ly Freund freundlich (Substantiv → Adjektiv) dead → dead-ly tot tödlich (Adjektiv → Adjektiv; nicht produktiv) Diese Variante von -ly verhält sich wie ein reguläres Wortbildungselement, insofern sie weitere Wortbildung unterstützt. Im Unterschied hierzu kann das adverbbildende -ly nicht von anderen Wortbildungsregeln weiterverarbeitet werden, obwohl gleichartige Einschränkungen nicht einmal für einfache Adverbien auftreten (vgl. das Beispiel seldom): friendly → friendliness (Adjektiv → Substantiv) deadly → deadliness (Adjektiv → Substantiv) seldom → seldomness („Adverb“ → Substantiv) Jedoch nicht: rarely → * rareliness (stattdessen nur: rareness, auch wenn die Bedeutung die gleiche ist wie seldomness) Eine weitere Eigenart ist, dass das adverbielle Affix im Inneren von Komposita in der Regel wegfällt, auch wenn ein Bezugswort vorhanden ist, das im Satz eine adverbielle Form erfordern würde: to spread widely – aber: widespread Die Eigenschaft, dass adverbielles -ly im Inneren von komplexen Wortstämmen wegfällt, unterscheidet es von echten Wortbildungsaffixen und wäre stattdessen eher typisch für eine Flexion des Adjektives. Aus solchen und weiteren Beobachtungen wird von verschiedenen Autoren abgeleitet, dass es sich bei den englischen Formen wie rare-ly der Wortart nach weiterhin um Adjektive handeln müsste. Die traditionelle Bezeichnung „Adverb“ wäre dann hier eigentlich als Bezeichnung einer grammatischen Funktion zu verstehen, nicht als eine Wortart im strikten Sinn. Nicht-adverbiale Verwendungen von Adverbien Im Gegensatz zu einer traditionellen Definition des Adverbs als „adverbiales Einzelwort“ und im Gegensatz zum Wortsinn der Bezeichnung „Ad-Verb“ werden unflektierbare Wörter, die als nähere Bestimmung zu einem Substantiv erscheinen, ebenfalls als Adverbien bezeichnet. In dieser Verwendung erscheinen vor allem Orts- und Zeitadverbien. Sie unterscheiden sich von Adjektiven immer noch dadurch, dass sie unflektiert nach dem Substantiv erscheinen: [Das Auto dort] ist meins. [Die Versammlung gestern] war schwach besucht. Eine Stellung vor dem Substantiv ist dann nur für adjektivische Ableitungen möglich: Die gestrige Versammlung Solche attributiven Verwendungen von Adverbien finden sich auch im Englischen, auch mit der adverbtypischen Endung -ly: [His transformation into a werewolf so rapidly] was unnerving. shortages both nationally and internationally of these metals Ferner ist zu beobachten, dass viele Wörter, die sonst adverbiell gebraucht werden, aber als Adjektivattribute unmöglich sind, auch noch in prädikativer Funktion vorkommen können; auch dies gilt nicht als Hinderungsgrund, hier die Wortart Adverb anzusetzen: Er bemühte sich umsonst. NICHT: * die umsonsten Bemühungen Diese Bemühungen waren umsonst. Er führt das Geschäft allein. NICHT: * der alleine Inhaber (nur: alleiniger Inhaber) Er ist / bleibt allein. Sprachen mit flektierten Adverbien Der Definitionsansatz, wonach Adverbien generell als unflektierbare Wortart charakterisiert werden, hat das Problem, dass die Existenz von Flexion etwas ist, worin sich die Sprachen der Welt besonders stark unterscheiden. Bei den klassischen „unflektierbaren Wortarten“ Präposition und Konjunktion gibt es in manchen Sprachen Fälle, wo sie sehr wohl mit Flexion vorkommen (siehe z. B. unter Person (Grammatik)#Person als Flexionsmerkmal). Ebenso sind auch bei Adverbien Flexionsformen beschrieben worden, allerdings selten. Die Zuschreibung der Wortart Adverb stützt sich dann darauf, dass es Wörter sind, die aus formalen Gründen keiner anderen Wortart zugeteilt werden können. Flektierte Adverbien sind unter anderem in mehreren Sprachen der Kaukasusregion beschrieben worden. Das folgende Beispiel aus dem Artschinischen zeigt Kongruenz des Adverbs mit dem Subjekt des Satzes. Nicht nur das Hilfsverb (AUX) als finiter Teil des Prädikats stimmt hier im Merkmal Femininum Singular mit dem Subjekt des Satzes überein, sondern zusätzlich auch das Adverbial „früh“: buwa dez dītaru xoalli barʃi erdi Mutter(FEM.SG) mir früh-FEM.SG Brot backen AUX-FEM.SG „Die Mutter hat mir früh das Brot gebacken.“ Trivia Der französische Schriftsteller Léon Bloy schreibt in einer Rezension des Werkes Là-bas seines Kollegen Joris-Karl Huysmans: Literatur Duden. Die Grammatik. 8. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2009. Wolfgang Fleischer, Irmhild Barz: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 4. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2012. (Kapitel 4: Wortbildung des Adverbs). Kjell-Åke Forsgren: Zur Kategorie Adverb als Grenzzonenerscheinung in der deutschen Grammatik des 19. und 20. Jahrhunderts. In: Stephanos Matthaios, Aino Kärnä (Hrsg.): Das Adverb in der Grammatikographie. Teil II. (= Beiträge zur Geschichte der Sprachwissenschaft, 18). Nodus, Münster 2008, ISSN 0939-2815. S. 5–35. Wilhelm Geuder: Eine Art Wortart: Das Adverb im Deutschen. In: Zeitschrift für Sprachwissenschaft 38-2 (2019), 191–241. doi:10.1515/zfs-2019-2004. Heinz Giegerich: The morphology of -ly and the categorial status of ‘adverbs’ in English. In: English Language and Linguistics, 16 (2012), S. 341–359. doi:10.1017/S1360674312000147 Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. aktualisierte u. überarbeitete Auflage. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart u. Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02335-3. Lemma: Adverb, S. 12. Martin Hummel: Adjectives with adverbial functions in Romance. In: Martin Hummel, Salvador Valera (eds.): Adjective Adverb Interfaces in Romance. John Benjamins, Amsterdam 2017. S. 13–46. John Payne, Rodney Huddleston, Geoffrey Pullum: The distribution and category status of adjectives and adverbs. In: Word Structure 3 (2010), 31–81. doi:10.3366/E1750124510000486 – Manuskriptversion als pdf. Harm Pinkster: On Latin Adverbs. North-Holland, Amsterdam 1972. (Elektronische Version: Amsterdam University Press, 2006. doi:10.1515/9789048503995) Karin Pittner, Judith Berman: Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. 4. Auflage, Narr, Tübingen 2010 (EA 2004), ISBN 978-3-8233-6610-2. Weblinks https://grammis.ids-mannheim.de/systematische-grammatik/278. https://grammis.ids-mannheim.de/progr@mm/5293. https://grammis.ids-mannheim.de/kontrastive-grammatik/3995 http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/adverb-sprachwissenschaft. Einzelnachweise (Kurzzitate beziehen sich auf die obige Literaturliste) Wortart
Q380057
309.354012
257089
https://de.wikipedia.org/wiki/Kannada
Kannada
Kannada (ಕನ್ನಡ ), auch Kanaresisch, ist eine Sprache aus der dravidischen Sprachfamilie. Sie wird in Südindien, hauptsächlich im Bundesstaat Karnataka, von etwa 44 Millionen Muttersprachlern gesprochen und vornehmlich in Kannada-Schrift geschrieben. Die Sprecher des Kannada bezeichnet man als Kannadiga. Verbreitung und Sprecherzahl Das Verbreitungsgebiet des Kannada deckt sich weitgehend mit dem südindischen Bundesstaat Karnataka, dessen Grenzen 1956 entlang der Sprachgrenze des Kannada gezogen wurden. Daneben gibt es kannadasprachige Minderheiten in den angrenzenden Gebieten Südindiens. Seit jüngerer Zeit wird Kannada auch unter Auslandsindern in den USA, im Vereinigten Königreich sowie in Kanada und Australien gesprochen. Das Kannada dient im Bundesstaat Karnataka als Amtssprache. Die meisten nicht-kannadasprachigen Einwohner des Bundesstaates beherrschen Kannada als Zweitsprache. Daneben ist es auf überregionaler Ebene als eine von 22 Verfassungssprachen Indiens anerkannt. Laut der indischen Volkszählung 2011 wird Kannada von knapp 44 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Davon leben gut 41 Millionen in Karnataka, wo Kannada-Sprecher rund zwei Drittel der Bevölkerung stellen. Größere Minderheiten von Kannada-Sprechern finden sich auch in den Nachbarbundesstaaten Tamil Nadu (1,3 Millionen), Maharashtra (1,0 Millionen) und Andhra Pradesh (0,5 Millionen). Sprachverwandtschaft Kannada gehört zur Familie der hauptsächlich in Südindien verbreiteten dravidischen Sprachen. Neben Telugu, Tamil und Malayalam ist Kannada eine der vier großen dravidischen Sprachen. Innerhalb dieser Sprachfamilie gehört Kannada zum süddravidischen Zweig. Der nächste Verwandte des Kannada ist Badaga. Diese unter der Stammesbevölkerung des Nilgiri-Gebirges in Tamil Nadu gesprochene Sprache wird teilweise auch als Kannada-Dialekt aufgefasst. Mit den in Nordindien gesprochenen indoarischen Sprachen ist Kannada nicht verwandt. Es ist aber recht stark durch Sanskrit, die klassische Sprache des Hinduismus, beeinflusst worden und hat neben einer großen Zahl an Lehnwörtern auch strukturelle Merkmale aus dieser indoarischen Sprache übernommen. Sprachformen Kannada teilt sich in vier Dialektgruppen ein, die aus weiteren Unterdialekten bestehen. Der südliche Dialekt wird in und um die beiden größten Städte Karnatakas, Bengaluru und Mysuru gesprochen. Im Raum Mangaluru ist der westliche Dialekt verbreitet. Der nördliche Dialekt wird in der Gegend von Dharwad gesprochen, der nordöstliche Dialekt in und um Vijayapura. Der nördliche und nordöstliche Dialekt sind von Marathi, der indoarischen Sprache des Nachbarbundesstaates Maharashtra, beeinflusst worden. Parallel zu den geografischen Dialekten existieren Kastendialekte beziehungsweise Soziolekte. Die Hauptunterscheidung liegt hierbei zwischen den Dialekten der Brahmanen, Nichtbrahmanen und Dalit-Dialekten. In jüngerer Zeit treten aber auch bei den Soziolekten verstärkt Klassenunterschiede an die Stelle der Kastenzugehörigkeit. Geschriebene und gesprochene Sprache unterscheiden sich im Kannada recht stark voneinander, wenn auch die Diglossie weniger stark ausgeprägt ist als etwa im verwandten Tamil. Als überregionale Standardumgangssprache hat sich die gesprochene Sprache der gebildeten Stadtbevölkerung Bengalurus und Mysurus eingebürgert. Sprach- und Literaturgeschichte Kannada wird in drei Sprachstufen eingeteilt: Altkannada (bis 1200), Mittelkannada (1200–1700) und modernes Kannada (seit 1700). Das älteste erhaltene Sprachzeugnis des Kannada ist eine im Distrikt Hassan gefundene Inschrift, die auf die Zeit um 450 datiert wird. Kannada ist nach Tamil die zweitälteste dravidische Literatursprache. Das älteste bekannte Werk der Kannada-Literatur, das dem Rashtrakuta-König Amoghavarsha I. zugeschriebene Kavirajamarga, eine in Versform geschriebene Abhandlung über die Dichtkunst, wird auf das erste Viertel des 9. Jahrhunderts datiert. Im 10.–12. Jahrhundert entstanden Gedichte, epische Dichtungen und Fabeln vornehmlich aus der Feder der jainistischen Autoren Pampa, Ponna und Ranna. Das erste Prosa-Werk auf Kannada ist das Lokopakara des Chavundaraya aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Wichtige Autoren des ausgehenden 12. Jahrhunderts sind die hinduistischen Dichter Harihara und Raghavanka. Während der Zeit des Vijayanagar-Königreichs im 14.–16. Jahrhundert erlebte die Kannada-Literatur durch die Patronage des Hofes einen Aufschwung. Die bekanntesten Autoren dieser Periode sind Chamarasa und Kumara Vyasa. Nachdem Indien zu einer britischen Kolonie geworden war, versiegte die Kannada-Literatur. Erst Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine Renaissance der Kannada-Literatur ein, die nun auch aus westlichen Einflüssen schöpfte und neue Genres wie den Roman und die Kurzgeschichte einführte. Insgesamt siebenmal konnte ein kannadasprachiger Autor den Jnanpith Award, den wichtigsten indischen Literaturpreis, gewinnen, zuletzt Girish Karnad (1998) und U. R. Ananthamurthy (1994). Schon früh hatte sich eine einheimische Kannada-Grammatiktradition entwickelt. Deren wichtigste Werke sind das Shabdamanidarpana des Keshiraja aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und das Shabdanushasana des Bhattakalanka (1604). Die erste westliche Kannada-Grammatik erschien 1820. Im 19. Jahrhundert beschäftigten sich vornehmlich christliche Missionare mit dem Kannada. Vor allem der deutsche Missionar Ferdinand Kittel erwarb sich mit seinem Kannada-Englisch-Wörterbuch (1894) und seiner Grammatik (1903) große Verdienste. Schrift Wie viele indische Sprachen verfügt Kannada über eine eigene Schrift, die Kannada-Schrift. Diese ähnelt der Telugu-Schrift sehr und gehört zur Familie der indischen Schriften. Mit den übrigen Schriften Indiens, Tibets und Südostasiens teilt sie den gemeinsamen Ursprung von der Brahmi-Schrift aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. und ein gemeinsames Funktionsprinzip: Es handelt sich bei ihnen um eine Zwischenform aus Alphabet und Silbenschrift, sogenannte Abugidas, bei denen jedes Konsonantenzeichen einen inhärenten Vokal a besitzt, der durch diakritische Zeichen modifiziert werden kann. Typisch für eine südindische Schrift zeichnet sich die Kannada-Schrift durch ihre runden Formen aus. Phonologie Kannada besitzt 34 konsonantische Phoneme. Typisch für die indischen Sprachen ist die Unterscheidung nach fünf Artikulationsorten: velar, palatal, retroflex, dental und labial. Bei den Plosiven (Verschlusslauten) kontrastieren stimmlose und stimmhafte Laute. Durch die zahlreichen Lehnwörter aus dem Sanskrit haben die aspirierten Plosive (sowohl stimmlose als stimmhafte) im Kannada Phonemstatus erlangt, so dass die Plosive wie in den indoarischen Sprachen in Viererreihen auftreten (z. B. k, kh, g, gh). In ererbten dravidischen Wörtern kommen keine aspirierten Konsonanten vor. Bei nachlässiger Aussprache und in bestimmten Dialekten können sie durch die entsprechenden unaspirierten Laute ersetzt werden. Die Konsonanten f und z kommen nur in jüngeren Lehnwörtern, etwa aus dem Englischen, vor, deshalb wird ihnen nicht immer ein Phonemstatus zugestanden. Die beiden Nasale ñ und ṅ sind Allophone von n, die nur vor den entsprechenden Plosiven vorkommen. In der Kannada-Schrift werden Nasale vor Plosiven durchgängig mit dem Anusvara ṃ wiedergegeben, das je nach folgendem Konsonant für m, n, ṇ, ñ oder ṅ stehen kann. Im Kannada kommen zehn Vokalphoneme vor. Die Vokale a, i, u, e und o kommen jeweils in Paaren von langem und kurzem Vokal vor. Dazu kommen die phonematischen Diphthonge ai und au. Ferner gibt es den Vokal /ǣ/, der auf englische Lehnwörter beschränkt ist (z. B. von englisch bank), und daher meist nicht als vollwertiges Phonem gezählt wird. In bestimmten Dialekten kommt er aber auch in echten Kannada-Wörtern vor. Fast alle Kannada-Wörter enden auf einen Vokal. Bei Lehnwörtern, die auf einen Konsonanten enden, wird oft ein sogenannter enunziatorischer Vokal u oder i angehängt (z. B. von englisch bus). Am Wortanfang können alle Konsonanten außer retroflexem ḷ und ṇ vorkommen. Konsonantencluster (Aufeinanderfolgen von zwei oder mehr Konsonanten) am Wortanfang kommen nur bei Lehnwörtern vor (z. B. „Liebe“, aus dem Sanskrit). Vor allem ungebildete Sprecher fügen aber oft einen Sprossvokal ein und sprechen z. B. /piriti/. Die Betonung liegt im Kannada stets auf der ersten Silbe eines Wortes. Sie ist also nicht bedeutungsunterscheidend und auch nicht allzu stark ausgeprägt. Beim Auftreffen von Morphemen innerhalb eines Wortes oder Wörtern untereinander können Sandhi-Prozesse auftreten. So wird zwischen dem Wortstamm („Blume“) und dem Instrumentalsuffix -iṃda ein Gleitlaut v eingefügt: . Werden zwei Wörter aneinandergefügt, kann der stimmlose Anfangskonsonant des zweiten Worts stimmhaft werden. Diese Erscheinung kommt aber in der Schrift meist nicht zum Ausdruck: („Unterlippe“), gesprochen /keḷaduṭi/. Ein phonologischer Prozess, der nur in der Umgangssprache vorkommt, ist der Ausfall (Synkope) eines Vokals in der zweiten Silbe von drei- oder mehrsilbigen Wörtern (z. B. schriftsprachlich , umgangssprachlich „Name“). Grammatik Kannada ist eine agglutinierende Sprache und drückt die Beziehungen von Wörtern untereinander durch Suffixe (Nachsilben) aus. Nomina Genera Kannada kennt drei Genera: Maskulinum (männlich), Femininum (weiblich) und Neutrum (sächlich). Die Genuseinteilung beruht dabei auf dem natürlichen Geschlecht (Sexus): Für männliche Personen oder Götter benutzt man das Maskulinum, für weibliche Personen oder Göttinnen das Femininum und für Tiere oder Dinge in der Regel das Neutrum. Bei den Stämmen auf -a und den Personen bezeichnenden Stämmen auf -u ist das Genus an den Suffixen des Nominativs Singular erkennbar: vgl. ಸೇವಕನು sēvaka-nu (mask.) „Diener“, ಸೇವಕಳು sēvaka-ḷu (fem.) „Dienerin“ und ಮರವು mara-vu (neutr.) „Baum“. Pluralbildung Die Nomina im Kannada kommen in zwei Numeri vor: Singular und Plural. Der Plural wird agglutinativ durch eines von vier möglichen Suffixen gebildet: -aru bei männlichen und weiblichen Stämmen auf -a (z. B. ಹುಡುಗ huḍuga „Junge“ – ಹುಡುಗರ huḍugaru „Jungen“) -aṃdiru bei männlichen und seltener weiblichen Verwandtschaftsbezeichnungen (z. B. ಅಣ್ಣ aṇṇa „älterer Bruder“ – ಅಣ್ಣಂದಿರು aṇṇaṃdiru „ältere Brüder“) -avaru für die sogenannte Respektform. Formal steht das Wort im Plural, die Bedeutung bleibt aber singularisch. (z. B. ತಾಯಿ tāyi „Mutter“ – ತಾಯಿಯವರು tāyiyavaru etwa „Frau Mutter“) -gaḷu bei sämtlichen Neutra und teilweise bei männlichen Personenbezeichnungen (z. B. ಮರ mara „Baum“ – ಮರಗಳು maragaḷu „Bäume“, ಶತ್ರು śatru „Feind“ – ಶತ್ರುಗಳು śatrugaḷu „Feinde“) Deklination Substantive werden im Kannada in sieben Kasus dekliniert: Nominativ, Genitiv, Akkusativ, Dativ, Instrumental, Vokativ und Lokativ. Adjektive Adjektive können entweder einfach (z. B. ಒಳ್ಳೆ oḷḷe „gut“) oder von Substantiven abgeleitet (z. B. ಬಲವಾದ balavāda „stark“ von ಬಲ bala „Stärke“) sein. Als Attribut steht das Adjektiv stets in seiner unveränderten Stammform vor seinem Bezugswort, d. h., es wird nicht mitdekliniert: ಸಣ್ಣ ಮನೆ saṇṇa mane „ein kleines Haus“ – ಸಣ್ಣ ಮನೆಗಳು saṇṇa manegaḷu „kleine Häuser“. Bisweilen verschmilzt das Attribut auch mit seinem Bezugswort zu einem Kompositum: ಎಳೆಮಗು eḷe-magu „kleines Kind“. An ein prädikativ verwendetes oder substantiviertes Adjektiv wird das Personalpronomen der 3. Person Singular angehängt (z. B. ಈ ಕುದುರೆ ಒಳ್ಳೆದು ī kudure oḷḷe-du „dieses Pferd ist gut“). Zahlwörter Die Zahlwörter von 1 bis 10 lauten: Die Zahlwörter von 11 bis 19 werden gebildet, indem die Zahlwörter für die Einer an han- oder hadi- angehängt werden (11 ಹನ್ನೊಂದು hannoṃdu , 12 ಹನ್ನೆರಡು hanneraḍu, 13 ಹದಿಮೂರು hadimūru etc.). 20 hat die besondere Form ಇಪ್ಪತ್ತು ippattu Die Zahlwörter von 30 bis 90 werden durch Zusammensetzung der Zahlwörter von 3 bis 9 und hattu für 10 gebildet (30 ಮೂವತ್ತು mūvattu, 40 ನಾಲ್ವತ್ತು nālvattu etc.). Die Wörter für 100 und 1000 lauten ನೂರು nūru und ಸಾವಿರ sāvira. Wie in Südasien üblich, gibt es spezielle Zahlwörter für 100.000 (ಲಕ್ಷವು lakṣavu, vgl. Lakh) und 10.000.000 (ಕೋಟಿ kōṭi, vgl. Crore). Verben Ähnlich wie im Deutschen besteht das Verb aus Stamm + Tempuszeichen + Personalendung. Das Verb kennt im Kannada drei Tempora: Das Präsens wird durch Anfügung des Morphems -(u)tt- an den Stamm gebildet (ಮಾಡುತ್ತೇನೆ māḍuttēne „ich tue“). Das Futur wird durch Anfügung des Morphems -(u)v- an den Stamm gebildet. (ಮಾಡುವೆನು māḍuvenu „ich werde tun“). Außer der Zukunft können Futurformen auch regelmäßig in der Gegenwart vorkommende Handlungen ausdrücken („ich pflege zu tun“). In der Umgangssprache wird statt Futur wie im Deutschen oft Präsens verwendet. Das Präteritum wird durch Anfügung des Morphems -(i)d- an den Stamm gebildet (ಮಾಡಿದೆನು māḍidenu „ich tat“). Jedoch gibt es nicht wenige unregelmäßige Verben, deren Präteritum man lernen muss, z. B. ಕೊಂದೆನು kondenu von ಕೊಳ್ಳು koḷḷu „stellen“, ಬಂದೆನುbandenu von ಬರು baru „kommen“, ಇದ್ದೆನು iddenu von ಇರು iru „da sein“ usw. Mit dem Partizip Präsens auf -uttā + iru „sein“ lassen sich Verlaufsformen bilden: ಮಾಡುತ್ತಾ ಇರುತ್ತೇನೆ māḍuttā iruttēne „ich tue gerade“, ಮಾಡುತ್ತಾ ಇದ್ದೆನು māḍuttā iddenu „ich tat gerade“. Ebenso entstehen Perfektformen aus dem Partizip Perfekt + iru. Das Partizip Perfekt wird gebildet: bei den regelmäßigen Verben mit -i (ಮಾಡಿ māḍi „gemacht“) bei den unregelmäßigen Verben tritt -u an den Perfektstamm (ಬಂದು bandu „gekommen“) Zusammen mit iru entsteht so ein Perfekt (ಬಂದಿರುತ್ತೇನೆ band’ iruttēne „ich bin gekommen“) und ein Plusquamperfekt (ಬಂದಿದ್ದೆನು band’ iddenu „ich war gekommen“). Es gibt mehrere Formen des Imperativs: Der unhöfliche Du-Imperativ ist die Grundform: ಮಾಡು! māḍu! „mach!“ Für den höflichen Sie-Imperativ wird -iri angehängt: ಮಾಡಿರಿ! māḍiri „machen Sie!“ Bei einer Aufforderung an die Gruppe (Hortativ) wird -ōṇa angehängt: ಮಾಡೋಣ māḍōṇa! „machen wir!“ Schließlich gibt es eine Aufforderung an sich selbst mit -ali: ಮಾಡಲಿ māḍali „ich mach dann mal“ Die Modalverben „können“, „sollen“ und „müssen“ werden durch Verberweiterungen ausgedrückt: ಮಾಡಬಲ್ಲೆನು māḍaballenu „ich kann machen“, ಮಾಡಲಾರೆನು māḍalārenu „ich kann nicht machen“, ಮಾಡಬೇಕು māḍabēku „ich muss machen“, ಮಾಡಬಹುದು māḍabahudu „ich sollte machen“ usw. Syntax Die feste Satzstellung im Kannada ist Subjekt-Objekt-Verb (SOV). Demnach steht das Subjekt an erster Stelle im Satz (ihm können höchstens noch Umstandsbestimmungen der Zeit und des Ortes vorangehen) und das Prädikat stets am Satzende. Wie es für SOV-Sprachen charakteristisch ist, stehen im Kannada Attribute stets vor ihrem Bezugswort, untergeordnete Sätze vor Hauptsätzen, Vollverben vor Hilfsverben und es werden Postpositionen statt Präpositionen eingesetzt. Komplexe Sätze bestehen aus einem Haupt- und einem oder mehreren Nebensätzen. Generell kann ein Satz nur ein finites Verb enthalten. Das Kannada kennt keine Konjunktionen, Nebensätze werden ebenso wie Parataxen durch infinite Verbformen gebildet. Dazu gehören der Infinitiv, das Gerundium und das Partizip. Daher stehen ähnlich (aber nicht gleich) wie im Türkischen statt Wörtern wie „dass“, „wenn“ oder „um zu“ diese infiniten Verbformen. Zum Beispiel heißt „Ich gehe hinaus, um einen Kaffee zu trinken“: ಒಂದು ಕಾಫಿ ಕುಡಿಯುವುದಕ್ಕೆ ಹೊರಗೆ ಹೋಗುತ್ತೇನೆ Ondu kaphi kudiyuvudakke horage hōguttēne, wörtlich: „Zum Einen-Kaffee-Trinken hinaus gehe ich“. „Wenn“ ist die Verb-Endung -are: ನೀನು ಅವನನ್ನು ನೋಡಿದರೆ ನನಗೆ ಹೇಳು Nīnu avanannu nōḍid-are, nanage hēḷu, wörtlich: „Du ihn seh-wenn, mir sag (es)“, also: „Sag mir, wenn du ihn siehst“. Usw. Auch in Relativsätzen stehen keine Relativpronomen, sondern Partizipien. Zum Beispiel: ನಿನ್ನೆ ಬಂದ ಹುಡುಗ ನನ್ನ ತಮ್ಮ ಆಗಿದ್ದ Ninne banda huḍuga nanna tamma agidda, wörtlich: „Der gestern gekommene Junge mein Bruder war“, also: „Der Junge, der gestern gekommen ist, war mein Bruder.“ Wortschatz Die einheimische Grammatik teilt die Kannada-Wörter in vier Kategorien ein. Hauptkriterium ist dabei, in welcher Beziehung sie zum Wortschatz des Sanskrit stehen. Dieses Konzept stammt ursprünglich aus den Tochtersprachen des Sanskrit, wurde aber auch auf das unverwandte Kannada übertragen. Als dēśya (ದೇಶ್ಯ „lokal“) bezeichnet man echte Kannada-Wörter ohne Entsprechung im Sanskrit. Zu dieser Kategorie gehören dravidische Erbwörter wie ತಾಯಿ tāyi „Mutter“ (vgl. Tamil தாய் tāy), ಕಾಲು kālu „Fuß“ (vgl. Tamil கால் kāl) oder ನಡೆ naḍe „gehen“ (vgl. Tamil நட naṭa). Als tatsama (ತತ್ಸಮ „dasselbe wie das [d. h. ein Sanskritwort]“) bezeichnet man Sanskrit-Wörter, die in unveränderter Form im Kannada vorhanden sind. Ein Großteil von ihnen wie ಚಂದ್ರ caṃdra „Mond“ (von चन्द्र candra), ಮುಖ mukha „Gesicht“ (von मुख mukha) oder ಗೃಹ gr̥ha „Haus“ (von गृह gr̥ha) ist aus dem Sanskrit ins Kannada entlehnt worden. Es kann sich aber auch um Erbwörter handeln, die im Sanskrit als dravidische Entlehnungen existieren, z. B. ಬಲ bala „Stärke“ (Sanskrit वल bala), ಮಣಿ maṇi „Juwel“ (Sanskrit मणि maṇi) und ಮಾಲೆ māle (Sanskrit माला mālā). Als tadbhava (ತದ್ಭವ „daraus [d. h. aus einem Sanskritwort] entstanden“) bezeichnet man Wörter, die ursprünglich aus dem Sanskrit stammen, aber lautlichen Veränderungen unterlegen sind, z. B. ಅಕ್ಕರ akkara „Buchstabe“ (von akṣara), ಅಗಸ agasa (von akāśa) „Himmel“ oder ಕತಿ kati „Geschichte“ (von kathā). Als anyadēśya (ಅನ್ಯದೇಶ್ಯ „fremdländisch“) bezeichnet man Lehnwörter aus anderen Sprachen. Diese können ihren Ursprung in folgenden Sprachen haben: Hindustani (Hindi bzw. Urdu), z. B. ತಯಾರು tayāru „fertig“ (von तैयार taiyār), ಸರ್ಕಾರ sarkāra „Regierung“ (von सरकार sarkār), ಮಾಲೀಕ mālīka „Besitzer“ (von मालिक mālik). Diese Hindustani-Wörter können wiederum ursprünglich aus anderen Sprachen stammen. Teils sind sie auch über Vermittlung des Telugu oder Marathi ins Kannada gelangt. Englisch, z. B. ನಂಬರು naṃbaru „Nummer“ (von number), ಟಿಕೀಟು ṭikīṭu „Fahrkarte“ (von ticket), ಡಾಕ್ಟರು ḍākṭaru „Arzt“ (von doctor) Portugiesisch, z. B. ಮೇಜು mēju „Tisch“ (von mesa) Französisch, z. B. ಕುಸೀನಿ kusīni „Küche“ (von cuisine) Literatur Allgemeine Beschreibungen Sanford B. Steever: Kannada. In: Sanford B. Steever (Hrsg.): The Dravidian Languages. London 1998, S. 129–157. Grammatiken M. S. Andronov: The Kannada Language. Übers. V. Korotky. Moscow 1969. Hans Jensen: Grammatik der kanaresischen Schriftsprache. Leipzig 1969. Harold F. Schiffman: A Reference Grammar of Spoken Kannada. Washington D.C. 1979. Lehrbücher L. Halemane & M.N. Leelavathi: An Intensive Course in Kannada. Mysore 1983. Harold Spencer, W. Preston (Bearb.): A Kanarese Grammar with Graduated Exercises. Mysore 1950. Robert Zydenbos: A Manual of Modern Kannada. Heidelberg 2020 (Open Access: kostenlos erhältlich in PDF-Format) Wörterbücher Weblinks Einzelnachweise Einzelsprache Karnataka
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505.671331
260851
https://de.wikipedia.org/wiki/Ballei
Ballei
Ballei ([]; historisch auch Balley) bezeichnete etwa ab dem 13. Jahrhundert einen Verwaltungsbezirk oder eine Ordensprovinz eines Ritterordens, mit meist mehreren Komtureien bzw. Kommenden. Leiter einer Ballei war der Bailli oder Landkomtur. Die Ballei ist wahrscheinlich der Verwaltungsorganisation Siziliens nachempfunden und hat ihre Wurzeln im Beamtenstaat der Normannen. Die Bezeichnung Ballei geht über mittellateinisch ballivus „Aufseher“ und mittellateinisch baillivus „königlicher oder lehnsfürstlicher Beamter, meist von untergeordetem Rang“, zurück auf lateinisch baiulus „Lastträger“ (siehe auch Bailli). Die weitere Herkunft ist ungeklärt. Deutscher Orden Die Verwaltung einer Ballei des Deutschen Ritter-Ordens unterstand dem Landkomtur. Die Balleien Österreich, An der Etsch und im Gebirge, Elsaß-Schwaben-Burgund und Böhmen unterstanden zeitweilig direkt dem Hochmeister als sogenannte Kammer-Balleien. Die deutschen Balleien und später die Besitzungen in Italien, Griechenland und Spanien unterstanden dem Deutschmeister. Historische Balleien des Deutschen Ordens (Die Orte in Klammern nennen jeweils den Sitz des Landkomturs) Heutige Balleien des Deutschen Ordens Der dritte Zweig des Deutschen Ordens, das Institut der Familiaren (Abkürzung hinter dem Namen „FamOT“), gliedert sich in die Balleien Österreich mit den Komtureien „An Enns und Salzach“ und „An der Drau“ Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main und den Komtureien „An Isar, Lech und Donau“, „An der Donau“, „Franken“, „Am Oberrhein“, „An Tauber, Neckar und Bodensee“, „An Rhein und Main“, „An Rhein und Ruhr“, „An Weser und Ems“ und „An Elbe und Ostsee“ Ad Tiberim (Italien) An der Etsch und im Gebirge (Südtirol) mit der Komturei „Am Inn und Hohen Rhein“ Ballivia in Bohemia, Moravia et Silesia (Tschechien und Slowakei) Priorat Laibach in Slowenien und die selbständige Komturei „Alden Biesen“ in Belgien Johanniterorden Einige Großpriorate des alten Johanniterorden waren in Balleien eingeteilt, deren Bailli die Kommenden beaufsichtigten. Die Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem genannt Der Johanniterorden ist der seit 1382 autonome und seit 1538 evangelische Zweig. Der Johanniterorden nannte seine Piliers auch Ballivi conventuales. Der Pilier der Deutschen Zunge war der Großbailli, der Oberaufseher der Festungswerke. Im modernen Malteserorden ist Bailli ein Ehrentitel für ehemalige Großmeister, verdiente Großkreuz-Ritter und Kardinäle. Diesen Titel tragen aktuell bspw. Albert II. von Monaco, Théodore-Adrien Kardinal Sarr, Juan Carlos I. und Henri von Luxemburg (siehe auch: Profess-Ehren- und Devotions-Großkreuz-Bailli des Malteserordens, Obedienz-Ehren- und Devotions-Großkreuz-Bailli des Malteserordens, Ehren- und Devotions-Großkreuz-Bailli des Malteserordens). Nach dem Vorbild der Johanniter wurden die Kapitulare anderer katholischer Orden Bailli genannt (Stephansorden, Konstantinorden). Siehe auch Liste der Kommenden des Deutschen Ordens Liste der Kommenden des Templerordens Liste ehemaliger Johanniterkommenden Bailiff #Kanalinseln für die Bailiwicks Guernsey und Jersey Literatur Ballei. In: Meyers Konversations-Lexikon. Eine Encyklopädie des allgemeinen Wissens. Band 2: Atlantis – Blatthornkäfer. 4., gänzlich umgearbeitete Auflage. Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig 1885. J. F. Niermeyer, C. van de Kieft (Hrsg.): Mediae Latinitatis lexicon minus. = Medieval Latin Dictionary. = Lexique latin médiéval. = Mittellateinisches Wörterbuch. Band 1: A – L. 2., Korr. Auflage. Brill, Leiden u. a. 2002, ISBN 90-04-12899-9. K. Borchardt: The Military-Religious Orders in the Crusader West. In: A. J. Boas (Hrsg.): The Crusader World. London/ New York 2016, S. 111–128. (books.google.ru) Einzelnachweise Weblinks Balley Brandenburg – Mitte des Ordens Organisation (Mittelalter) Deutscher Orden .Ballei Malteserorden Ballei
Q4996207
110.37696
31795
https://de.wikipedia.org/wiki/Molek%C3%BClmasse
Molekülmasse
Als Molekülmasse, auch molekulare Masse (), früher Molekulargewicht (), wird in der Chemie die Summe der Atommassen aller Atome in einem Molekül bezeichnet. Bei Salzen wird von Formelmasse gesprochen, da Salze aus Ionen in einem größeren Kristallverbund aufgebaut sind. In Analogie zur Atommasse wird die Molekülmasse vielfach als relative Molekülmasse aufgefasst. Diese ist eine Größe der Dimension Zahl mit der Einheit Eins. Die absolute Molekülmasse ist dagegen eine Größe der Dimension Masse, die üblicherweise als das Produkt der relativen Molekülmasse mit der atomaren Masseneinheit angegeben wird. Sie kann auch mit einem sehr viel kleineren Zahlenwert in der SI-Einheit Kilogramm angegeben werden. Relative Atommassen liegen in einer leicht handhabbaren Größenordnung (1 bis < 300), zudem stimmen sie für ein jeweiliges Isotop mit der stets ganzzahligen Massenzahl nahezu überein. Diese Vorteile übertragen sich auf die relativen Molekülmassen (außer bei biologischen Großmolekülen). Beim Vorliegen mehrerer Isotope wird mit dem gewichteten arithmetischen Mittel der Atommassen der Isotope gerechnet; wo das notwendig ist, geht die Nähe zur Ganzzahligkeit verloren. Beispiele Wassermolekül aus den Atomen 1H und 16O. Die hochgestellten Zahlen geben die Massenzahlen an. Mit diesen wird hier gerechnet. Summenformel: Bei der Rechnung mit Atommassen ergibt sich nur ein geringer Unterschied zu . Glucosemolekül aus den Atomen 1H, 12C und 16O Summenformel: Bei der Rechnung mit Atommassen erhält man die relative Molekülmasse 180,16. Natriumchlorid aus den Atomen 23Na mit der Atommasse 22,99 und Cl, von dem es zwei stabile Isotope 35Cl und 37Cl gibt mit der mittleren Atommasse 35,45. Hier ist ein Rechnen mit Massenzahlen nicht möglich, sondern nur mit Atommassen. Summenformel: Nicht verwechselt werden darf die Molekülmasse mit der molaren Masse. Diese ist das Verhältnis der Masse eines Stoffes zu seiner Stoffmenge. Aufgrund der Festlegungen zur Stoffmengeneinheit Mol und zur atomaren Masseneinheit stimmt allerdings die relative Molekülmasse mit dem Zahlenwert der molaren Masse überein, wenn letztere in der Einheit „Gramm pro Mol“ (Einheitenzeichen g/mol) angegeben wird (bis auf einen für die Praxis bedeutungslos kleinen Unterschied). Einzelnachweise Chemische Größe
Q182854
283.670027
450129
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwimmbecken
Schwimmbecken
Ein Schwimmbecken, oft auch genannt, ist ein Becken, das zum Baden, Schwimmen, Spielen oder für den Schwimmsport und andere Wassersportarten verwendet wird. Das klassische Schwimmbecken besitzt eine rechteckige Form und ist meistens gefliest. Besonders Hotels in wärmeren Gebieten haben im Freien oft Schwimmbecken mit allen möglichen Formen, da diese bevorzugt zur Erholung, zum Spielen und Planschen genutzt werden. Für den Schwimmsport werden jedoch rechteckige Becken benötigt, damit sie mit schwimmenden Abgrenzungen in mehrere Schwimmbahnen aufgeteilt werden können. Diese Becken sind in der Regel nach den Standards der FINA (Fédération Internationale de Natation) ausgelegt. Diese definieren eine Langbahn mit 50 m Länge und eine Kurzbahn mit 25 m Länge, auf letzterer werden die Kurzbahnwettkämpfe ausgetragen. Daneben gibt es an Schulen Lehrschwimmbecken, die als Schwimmlernzentren einer oder oft mehreren Schulen zugeordnet sind. Werden die schulischen Schwimmlernzentren nicht für das Schulschwimmen genutzt, stehen sie in der Regel dem Schwimmsport zur Verfügung. Schwimmbecken im privaten Bereich, welche nur wenige Meter Abmessung haben, werden auch schlicht als Pool bezeichnet. Hygiene und technische Aspekte Die Wasserqualität muss besonders in öffentlichen, viel genutzten Schwimmbecken regelmäßig überprüft werden, da sich sonst Krankheitserreger bilden können. Diese Prüfung erfolgt in Deutschland durch Behörden wie das Gesundheitsamt. Eine dauerhaft ausreichende Wasserqualität wird mittels technischer Anlagen wie Filtern, speziellen Konstruktionsprinzipien für die Beckendurchströmung oder mittels chemischer Methoden wie der Zugabe von Chlor gewährleistet. Filteranlage Alle öffentlichen Schwimmbecken besitzen Wasserfilteranlagen, um Blätter, Schmutz und sonstige gröbere Verunreinigungen im Wasser zu entfernen. Das Beckenwasser fließt über die Überlaufrinne ab. Dadurch werden schwimmende Teile (Haare, Körperzellen, Blätter, Blütenstaub) abgesaugt. Von dort fließt es durch Leitungen zum Filter. Im Filter läuft es durch die Filterschichten und gelangt gereinigt und eventuell mit Chlor aufbereitet wieder zurück ins Becken. Chlor Ohne chemische Zusätze würden sich einzellige Algen entwickeln, die durch das in ihnen enthaltene Chlorophyll zu einer Grünfärbung des Wassers führen. Diese Mikroorganismen sind so klein, dass sie von mechanischen Filteranlagen nicht zurückgehalten werden können. Um diese Organismen und auch für den Menschen schädliche Bakterien im Wasser abzutöten, werden dem Wasser in geringen Mengen chemische Verbindungen zugesetzt, die das Element Chlor enthalten. Die deutsche DIN 19643 fordert für die Desinfektion eine Keimtötung an Pseudomonas aeruginosa von vier Zehnerpotenzen innerhalb von 30 Sekunden, um die Ansteckungsgefahr für Badegäste möglichst niedrig zu halten. Um dies zu erreichen, werden in Deutschland dem Beckenwasser zwischen 0,3 und 0,6 mg/l (Warmsprudelbecken 0,7–1,0 mg/l) freies Chlor zugesetzt. In der Schweiz liegen die Chlorwerte zwischen 0,2 und 0,8 mg/l (Warmsprudelbecken 0,7–1,5 mg/l) gemäß der SIA 385/9. In Österreich gibt die ÖNORM M 6215 folgende Werte vor: von pH-Wert 6,5 bis 7,4 mindestens 0,3 mg/l freies Chlor, von pH-Wert 7,4 bis 7,8 mindestens 0,5 mg/l, mit einer Maximalkonzentration von 1,2 mg/l für Hallenbäder und 2,0 mg/l für Freibäder. Zum Vergleich: Die WHO fordert für die sichere Desinfektion von Trinkwasser einen Chlorwert ≥ 0,5 mg/l bis maximal 5,0 mg/l, mit einem Mindestgehalt an Chlor von 0,2 mg/l beim Verbraucher. Der typische Hallenbadgeruch kommt nicht vom freien Chlor, sondern von Chlorverbindungen, und kann auf eine unsachgemäße Wasseraufbereitung hinweisen. Der Geruch entsteht auch, wenn das Chlor im Wasser mit Harnsäure aus Urin oder mit Hautschuppen reagiert. Dadurch entsteht Trichloramin, das als typischer Schwimmbadgeruch wahrgenommen werden kann. pH-Wert Der pH-Wert sollte in öffentlichen Bädern, gemäß DIN 19643 Teil 1, zwischen 6,5 und 7,6 liegen. Zu niedrige pH-Werte können dazu führen, dass das Wasser korrosiv wird. Wenn er zu hoch ist, neigt das Wasser zunehmend zu Kalkablagerungen und die Desinfektionskraft von Chlor lässt nach. Außerdem können Augen- und Hautreizungen auftreten, wenn der pH-Wert nicht stimmt. Alkalität Beim Erwärmen des Wassers wird Kohlenstoffdioxid abgegeben, wobei der pH-Wert des Wassers steigt. Durch Wasseraufbereitung, Aktivsauerstoff-Verbindungen, Calciumhypochlorit, Chlorbleichlauge oder Chlorwasser kann der pH-Wert verändert werden. Bei weichem Wasser treten häufiger und stärker pH-Wert-Änderungen auf als bei härterem Wasser. Deswegen spricht man von einer „Pufferung“ des Wassers gegen pH-Wert-Schwankungen, die in Alkalität gemessen wird. Der Ideal-Wert für die Alkalität liegt bei 100 – 150 mg/l CaCO3 (Calciumcarbonat). In Europa (SI-Einheit) nennt man sie m-Wert, also 2–3 mmol/l. Beckeneinströmung Aufgabe der Beckeneinströmung ist es, das Desinfektionsmittel, im Schwimmbad meist Chlor, möglichst schnell und gleichmäßig an jede Stelle im Becken zu bringen und die Schmutzstoffe möglichst schnell aus dem Becken zu entfernen. Nach heutiger Normung muss das komplette eingeströmte Wasser über die Überlaufrinne fließen, um eine optimale Oberflächenreinigung zu erreichen. Ausnahmen sind die Durchströmung unter Hubböden und Wellenbecken während des Wellenbetriebes. Man unterscheidet: Bei der Vertikaldurchströmung wird das Reinwasser über sogenannte Einströmtöpfe am Boden des Beckens eingeströmt. Die Einströmtöpfe müssen so ausgebildet sein, dass das Wasser verteilt eingeströmt wird und nicht in einem Strahl zur Wasseroberfläche schießt. In der DIN 19643-1, 9.2, wird eine maximale Beckenfläche von 6 m² pro Einströmtopf empfohlen, d. h. für ein Becken mit 100 m² Wasserfläche müssten etwa 17 Einströmungen vorgesehen werden. Es ist darauf zu achten, dass die Wasserverteilung zu den einzelnen Einströmungen gleichmäßig (Hirschgeweih) ist. Bei Edelstahlbecken wird meist eine Variante der Vertikaldurchströmung eingesetzt, die Einströmrinnen. Diese Rinnen im Beckenboden sind mit einer Abdeckung mit Ausströmöffnungen abgedeckt. Der Abstand zwischen zwei Einströmrinnen sollte nicht mehr als 4,5 m betragen. Bei der Strahlenturbulenz wird das Reinwasser durch Einströmdüsen in den Beckenwänden eingeströmt. Die Düsen sind etwa 30 cm über dem Beckenboden versetzt gegenüberliegend angebracht. Bei tiefen Becken, wie etwa Sprungbecken oder Becken mit Hubboden werden die Einströmdüsen auf zwei Ebenen angebracht. Die Anzahl der Einströmdüsen hängt von der Beckenbreite ab, der Düsendurchmesser vom Volumenstrom. Für die Einströmung muss genügend Druck an der Düse zur Verfügung stehen. Die Längsdurchströmung ist eine nicht mehr gebräuchliche Art der Durchströmung, wo auf einer Beckenseite das Wasser eingeströmt wird und auf der gegenüberliegenden Seite ein Teil des Wassers wieder abgesaugt wird. Nur ein Teil des eingeströmten Wassers, häufig 50 %, wird über die Überlaufrinne abgeführt. Energieverbrauch Freibäder benötigen wie alle Schwimmbäder zum Erhalt einer angenehmen Badetemperatur eine relativ große Menge Energie. 1988 wurden die Heizkosten für alle öffentlichen Bäder in Deutschland auf ca. 400 Mio. Euro beziffert; eine Summe, die infolge deutlich höherer Energiekosten mittlerweile noch um einiges höher sein dürfte. Ein Teil der benötigten Wärmeenergie wird durch solare Strahlungsgewinne infolge von Sonneneinstrahlung auf die Wasserfläche erzielt, dennoch muss zugeheizt werden. Man geht davon aus, dass während einer Badesaison der zusätzlich nötige Heizenergiebedarf eines Beckens mit 23 °C Stütztemperatur bei ca. 300 kWh/m² Oberfläche liegt. Die Schwimmbadheizung kann mittels Solarthermie vollständig regenerativ gedeckt werden. Bei diesen Anlagen fällt Wärmebedarf und die Erzeugung zeitlich zusammen, zudem sind sie mit Wärmepreisen von 0,04–0,07 €/kWh heute mit konventionellen Energien wirtschaftlich konkurrenzfähig. Da Schwimmbäder nur geringe Vorlauftemperaturen benötigen, können sie ebenfalls sehr wirtschaftlich mittels Wärmepumpen beheizt werden. Poolüberdachung und Poolabdeckung Zum Zweck der Energie- und Kosteneinsparung verfügen viele Schwimmbecken über eine wärmedämmende Abdeckung. Bei Einsatz einer solchen Schwimmbadabdeckung, die nachts die Auskühlung des Beckens verringert, lassen sich die auftretenden Wärmeverluste um 40 bis 50 % reduzieren. Eine Schwimmbadabdeckung wird für den Privatgebrauch entweder als Poolüberdachung oder als Poolabdeckung realisiert. Während eine Poolüberdachung meist eine 0,5–3,5 m hohe, durchsichtige Plexiglaskonstruktion ist, handelt es sich bei einer Poolabdeckung um eine meist begehbare, flache Konstruktion aus Paneelen, die direkt auf dem Wasser schwimmen. Ziel dieser Abdeckungen: Schutz von Mensch und Tier Verhindern einer Verschmutzung des Pools durch äußere Einflüsse (Laub, Äste, Vogelkot, Regenwasser etc.) Verlangsamung der Wasserabkühlung Stromersparnis durch geringeren Einsatz der Wärmepumpe Verlängerung der Benutzungszeit Im Gegensatz zu einer Poolabdeckung kann es sich bei einer Poolüberdachung, abhängig vom Bundesland, um ein genehmigungspflichtiges Bauvorhaben handeln. Grundsätzlich fallen konventionelle Überdachungssysteme im Regelfall nicht unter die bis 100 m² Grundfläche baugenehmigungsfreie Kategorie „luftgetragene Überdachung“, sondern möglicherweise unter die Kategorie „fliegende Bauten“. In der BayBO bspw. ist dieser Fall nicht explizit geregelt, entsprechend ist ein Gespräch mit der Baubehörde anzuraten. Im französischen Gesetz wurden am 3. Januar 2003 einige Vorbeugungs- sowie Sicherheitsmaßnahmen festgelegt. Alle errichteten Schwimmbecken müssen die Norm NF P 90-308 erfüllen. Sinn und Zweck dieser Bestimmung ist es, Anzahl und Unfälle durch Ertrinken von Kindern unter fünf Jahren zu verhindern. Sie legt die Mindestanforderungen an Sicherheit, Prüfverfahren und die Verbraucherinformation in Hinblick auf die Sicherheitsabdeckung und deren Einhängevorrichtung fest. Elektrische Anlagen In Bereichen von Wasserbecken, also auch von Schwimmbecken, besteht für Menschen auf Grund der feuchten Umgebungsbedingungen ein höheres Risiko, durch elektrische Anlagen und Einrichtungen gefährdet zu werden, als in der sonst üblichen trockenen Umgebung. Elektrische Geräte wie Pumpen, Steuerungen, Dosierungsanlagen, Beleuchtung usw. sollten immer von einem Fachmann installiert werden. Es gelten besondere Anforderungen für die elektrischen Anlagen in diesen Bereichen. Sie sind Gegenstand der Norm/Sicherheitsbestimmung DIN VDE 0100-702 (VDE 0100-702). Eine ausführliche Erläuterung zur Ausführung der elektrischen Anlage in Bereichen von Schwimmbecken und anderen Wasserbecken nach DIN VDE 0100-702 (VDE 0100-702) mit vielen Bildern und Lösungen von Praxisproblemen ist in Band 67B der VDE-Schriftenreihe enthalten. „Kalkablagerungen“ Vermeintliche „Kalkablagerungen“ in Schwimmteichen oder Schwimmbecken bestehen meist aus homogenen Gemischen von Calciumcarbonat, Mischcarbonaten, Apatit, Siliziumdioxid und Silikaten und sind deswegen auch mit Säuren nur schwer lösbar. Diese mattenförmigen harten Ablagerungen können auf Beckenwandfolien, Betonverkleidungen und durch Sedimentation am Boden stattfinden, wenn Restwasser im Winter veralgt und nicht gechlort wird. Der Entstehungsvorgang in (künstlichen) Gewässern durch Biomineralisation ist bei Wasserhärte#Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht eingehend beschrieben. Bauarten gemäß FINA Die Angaben beziehen sich auf die Standards der FINA. Planschbecken Die Planschbecken dienen den Kleinkindern zur Wassergewöhnung und zum Spielen und sind oft mit zusätzlichen Wasserattraktionen wie Wasserpilz, Wasserspeier etc. ausgestattet. Laut den KOK-Richtlinien sollten Planschbecken den unterschiedlichen Körpergrößen und Spielwünschen der Kinder angepasst sein, daher wird eine Wassertiefe von 0,00 bis max. 0,50/0,60 m empfohlen. Nichtschwimmerbecken Nichtschwimmerbecken haben eine Wassertiefe bis höchstens 1,35 m und für die Wassergewöhnung einen Zugang aus niedrigen Treppenstufen, der sich meist über eine gesamte Seitenlänge des Beckens erstreckt. Nichtschwimmerbecken sind für diejenigen gedacht, die das Schwimmen (noch) nicht erlernt haben und Bodenkontakt oder Schwimmhilfen wie Schwimmflügel benötigen. Schwimmerbecken Schwimmerbecken haben eine Wassertiefe von mehr als 1,35 m. Bei einer Beckenlänge von 25 Metern sind mindestens vier, bei einem 50-Meter-Becken sechs in Nischen der Beckenwände eingelassene Beckenleitern vorgeschrieben, davon kann eine durch eine Beckentreppe ersetzt werden. Schwimmbecken bei den Olympischen Spielen Generell wird bei Wettkämpfen zwischen der 25-m-Kurzbahn und der 50-m-Langbahn unterschieden, wofür jeweils unterschiedliche Weltrekordlisten geführt werden. Ein Schwimmbecken bei den Olympischen Spielen muss besondere Kriterien erfüllen, damit die gleichen Bedingungen in allen olympischen Sportstätten herrschen und ein besserer internationaler Vergleich stattfinden kann. Die Eigenschaften eines olympischen Schwimmbeckens sind folgende: Auf dem Beckengrund befinden sich schwarze Linien entlang der Bahnen, damit sich die Schwimmer beim Freistil-, Brust- und Schmetterlingsschwimmen besser orientieren können. Neben den Bahnen 1 und 8 müssen an der Außenseite jeweils 2,5 m Platz zum Beckenrand sein, was de facto zwei leeren Bahnen entspricht. Diese tragen meist die Nummern 0 und 9 und können bei anderen Wettkämpfen mit verwendet werden, sodass die maximale Bahnanzahl in einem Sportbecken in der Regel bei zehn liegt. Die Genauigkeitsanforderungen an die Beckenlänge sind hoch, da bereits eine Längendifferenz von 1 cm nach zwei Bahnen zu einer Zeitdifferenz von circa 1/100 Sekunde führt. Aus diesem Grund wurde die Zeitmessung auf tausendstel Sekunden, die bei den Olympischen Spielen 1972 verwendet wurde, wieder abgeschafft. Wenn elektronische Anschlagsfelder benutzt werden, so muss die Strecke zwischen ihnen trotzdem 50 m betragen. Damit ist gemeint, dass, wenn solche Platten im Nachhinein innerhalb des Beckens montiert werden, sich durch deren Stärke die Schwimmstrecke um wenige Millimeter bzw. Zentimeter verkürzen kann. Wettkampfschwimmbecken Um für Wettkämpfe geeignet zu sein, müssen Schwimmbecken samt ihren umgebenden Einrichtungen zumindest den Vorschriften der nationalen Schwimmverbände genügen. Die Deutsche Vorschrift kennt Bahnen der Kategorien A (mit höchsten Anforderungen für internationale Wettkämpfe in der Zuständigkeit von FINA und LEN), B, C und letztlich D (für regionale amtliche Wettkämpfe). Trennwände und Absenkböden sind in der europäischen Norm EN 13451-11 geregelt. So wird eine Neigung von höchstes 6,6 % festgelegt. Becken haben demnach samt montierter Anschlagmatten oder -platten eine Länge von 50 oder 25 m aufzuweisen. Gemessen wird auf Millimeter, Toleranz besteht nur nach oben hin: + 2 oder + 3 cm von der Soll-Länge. Je nach Wettkampftyp sind Beckenbreiten von 25 (für A), 21 (B), 16,67 (C) oder 10 m (D) gefordert. Für Schwimmen ist eine Tiefe von 2 m erforderlich, für Synchronschwimmen eine solche von 3 m auf einer Teillänge von 12,5 m. 8 Bahnen werden durch 9 gespannten Bahntrennleinen, mit wellenbrechenden Schwimmkörpern von 5 bis 15 cm Durchmesser, abgeteilt. Die äußersten Leinen sind in der Grundfarbe grün, es folgen jeweils 2 blaue Leinen und in der Mitte 3 gelbe. Die Auftauchmarkierung liegt 15 m vom Absprung entfernt, die Mitte von 50-m-Becken wird ebenfalls 20 cm lang andersfarbig markiert, die ersten und letzten 5 m sind rot. Seitlich der 2,5 m breiten Bahnen 1 bis 8 müssen im Fall A Leerbahnen vorhanden sein. Bahnen sind 2,5 m breit, für Jugendliche eventuell nur 2 m. Bahnlinien am Beckenboden und Ziellinien an den Beckenwänden weisen Querstriche auf. Oberhalb der Wasserfläche ist bei Meter 15 eine Fehlstartleine in mind. 1,2 m Höhe gespannt, die bei Bedarf ins Wasser fällt, und dienen Flaggenleinen 5 m vor den Bahnenden in 1,80 m Höhe Rückenschwimmern als Wendehinweis. Anschlagplatten reichen 30 cm über und 60 cm unter die Wasseroberfläche und dürfen Löcher oder Schlitze nur bis 8 mm Breite aufweisen, damit man sich nicht mit einem Finger verhängen kann. Absprungsockel haben eine mit 5 bis 8 mm Radius gerundete Vorderkante, die mit der Beckenwand fluchtet und 50–75 cm über dem Ruhewasserspiegel liegt. Die oben liegende Absprungplatte muss mind. 50 cm × 50 cm groß sein und 5–10° vom Becken weg ansteigen. Ein Abstoßkeil mit 30° Neigung erfordert eine 75 cm lange Platte. Anschlagmatten sind 2,40 m breit, 0,9 m hoch und 1 cm (± 2 mm) dick. Die Wassertemperatur ist 25–28 °C. Es darf keine die Schwimmzeiten beeinflussende Strömung bestehen. Die Raumakustik erfordert eine Dämpfung. Nahe der Wasseroberfläche muss Frischluft vorhanden sein. Beleuchtung von 1500 (A) bzw. 600 (B) Lux (1 m über dem Wasser gemessen) ist gefordert, und dass Unterwasserscheinwerfer nicht blenden dürfen. Während Wasserball auf innen 3 m breite Tore in 1,80 oder 2 m tiefen Becken gespielt wird, benötigt Unterwasser-Rugby die viel größere Tiefe (3,5–5 m) eines Sprungbeckens. Hallendecken müssen mindestens 4 m (lichte Höhe) über dem Wasser liegen, bei Wasserballnutzung 6 m, bei Sprunganlagen entsprechend höher. Beckenraststufen von 10 bis 15 cm Breite in 1,20 bis 1,35 m Tiefe nützen zum Ausrasten. Das Überlaufrinnensystem Finnische Rinne mit vorgelagerter Anlaufschräge und Überlaufkante (ähnlich einem Streichwehr) dämpft Wasserwellen am besten. Mehrzweckbecken Mehrzweckbecken sind Becken, die sowohl Nichtschwimmer- als auch Schwimmerbereiche umfassen. Sprungbecken Sprungbecken haben eine Wassertiefe von mindestens 3,40 m. Die Sprungtürme sind normalerweise 1 m, 3 m, 5 m, 7,5 m oder 10 m hoch. Für solche Sprunganlagen werden Wassertiefen von 4,5 oder 5 m gefordert. Für maximal 5 m Höhe reicht eine Tiefe von 3,80 m. Bretter (50 cm breit) und Plattformen (1,5 bis 3 m breit), die gleich weit über den Beckenrand (1,25 oder 1,50 m) ragen, müssen 2 bis 2,9 m seitlichen Achsabstand haben. Sprungbretter für Leistungsspringen sind aus Alu und 5 oder 6 m lang und der vordere Auflagepunkt zur Einstellung der Härte und je nach Körpergewicht per justierbarer Walze verstellbar. Die Wasseroberfläche wird durch eine mechanische Kräuselanlage oder Berieselung am Rand bewegt und dadurch optisch erkennbar gemacht. Nur im Training dürfen Luftblasen (Bubbleanlage am Beckenboden, „Luftkissen“) das Wasser beim Eintauchen weicher machen. Die Schwingungsfrequenz von Plattformen und Turm sind mit 10 bzw. 3,5 Hz festgelegt. Eine Plattform darf unter 1000 N Last (Gewichtskraft von etwa 100 kg) nur 1 mm nachgeben. Swiss Swimming empfiehlt Sprungbecken tiefer und größer als von FINA gefordert zu errichten, da moderne Bretter mehr federn und größere Höhen und bei ungeübten Springern auch mehr Weite des Sprungs erzielen. Sprungbretter und -plattformen dürfen −0/+5 cm Höhentoleranz aufweisen und sind bei Außenanlagen auf der Nordhalbkugel bevorzugt nach Norden auszurichten, damit die Sonne und ihr Reflex am Wasser nicht blendet. Auch Trockensprunganlagen werden behandelt. Empfohlen werden warmer Whirlpool oder Dusche für Springer, eine ins Wasser reichende Treppe um Springern schnelles und leichtes Heraussteigen zu ermöglichen und eventuell sogar ein Lift zur 10-m-Plattform. Der Schweizer Verband fordert 26 °C Wassertemperatur. Variobecken Variobecken sind Becken mit höhenverstellbarem Zwischenboden, mit dem die Wassertiefe variiert werden kann. Allerdings ergibt sich das Problem, eine ausreichende Beckendurchströmung zur Reinigung sicherzustellen. Wellenbecken Im Wellenbecken werden künstliche Wellen erzeugt, was mit mehreren Methoden geschehen kann. Wellenbecken haben eine Auslaufseite, also eine Seite mit leichtem Anstieg, vergleichbar mit Stränden. Warmbecken Die Wassertemperatur in Warmbecken beträgt 32 °C bis 35 °C. Weitere Bauarten Aufstellbecken Eine andere Art von Schwimmbecken sind Aufstellbecken, die auf den Boden gestellt und mit Wasser befüllt werden. Solche Becken bestehen meist aus einer festen Kunststoffwand, die auf- und abbaubar ist. Außerdem gibt es seit jüngerer Zeit sogenannte Quick-Up-Pools. Sie besitzen überhaupt keine feste Wand mehr, sondern nur noch einen aufblasbaren Ring und stellen sich alleine durch das Befüllen mit Wasser auf. Infinity Pool Ein Infinity Pool ist ein Pool, bei dem eine Seitenkante nicht höher als der Wasserspiegel im Becken ist. Oft ist diese Seitenkante aus dickem Glas. Über die Glaskante schwappendes Wasser wird außen in einer Überlaufrinne aufgefangen und bleibt im Wasserkreislauf. Man kann den Eindruck haben, das Wasser würde in der Endlosigkeit (engl. „infinity“) verschwinden. Oft ist die Überlaufkante an der Seite des Beckens, an der die Aussicht auf die Umgebung am schönsten ist. Schwimmteich, Naturpool, biologischer Pool Ein Schwimmteich oder Badeteich ist ein stehendes Gewässer, das meist künstlich angelegt wurde und das gut zum Schwimmen oder Baden geeignet ist. Man nennt ihn auch Naturpool, biologischer Pool oder Bioteich. Man unterscheidet Schwimmteich für öffentliche Nutzung = Freibad mit biologischer Wasseraufbereitung Schwimmteich für private Nutzung. Badeschiff Ein Badeschiff ist ein zum Fluss hin geschlossener Behälter, der einen Wasserzulauf hat. Bekannte Badeschiffe sind das Badeschiff (Berlin) (seit 2004) und das Badeschiff (Wien). Meerwasserschwimmbad Meerwasserschwimmbäder werden direkt ans Meer gebaut und sind vor allem im Vereinigten Königreich weit verbreitet. Meist werden die Becken so gebaut, dass diese durch den Tidenhub auf natürliche Weise ständig mit frischem Meerwasser versorgt werden und ohne zusätzliche Pumpen in einem regelmäßigen Zyklus ein vollständiger Wasseraustausch stattfindet. Private Anlagen Viele Hausbesitzer stellen in ihrem Garten im Sommer ein transportables Schwimmbecken auf oder haben Schwimmbecken, die in den Boden eingelassen sind. Letztere müssen in der Regel dem Bauamt als bewilligungsfreies Bauvorhaben gemeldet werden. Da hier meist etwas tiefer gegraben wird, handelt es sich um eine bauliche Angelegenheit, vergleichbar dem Bau einer Garage oder einer Scheune. Viele solcher Schwimmbecken haben ein System zur Erwärmung des Wassers per Sonnenkollektor, manche eine Abdeckung (schwimmend oder selbsttragend oder hochgewölbt um darunter schwimmen zu können) gegen Auskühlung durch Verdunstung und nächtliche Abstrahlung, häufig besteht eine Wasseraufbereitung: Desinfektion (Entkeimung durch Chlor-, Chlordioxid- oder Ozonzugabe, durch UV-Bestrahlung oder Ultrafiltration) manchmal findet eine Wasserenthärtung oder -entsäuerung statt. Das Füllen privater Pools kann gegen eine Gebühr sehr rasch von der Feuerwehr über Schläuche aus Hydranten erfolgen. Die Gemeinde Wallern an der Trattnach (Oberösterreich) erhebt eine Gebühr für Swimmingpool-Besitzer. Da sich das Füllen der Pools auf wenige Tage (Mitte April/Anfang Mai) im Jahr konzentriert, wodurch der Wasserverbrauch sich in dieser Zeit vervierfacht, muss die Gemeinde selbst das Wasser in dieser Zeit zu einem höheren Preis kaufen. Größenrekorde Das größte Schwimmbecken der Welt ist mit einer Fläche von mehr als 12 Hektar das 2015 eröffnete City Stars in Scharm asch-Schaich. Es löste das San Alfonso del Mar in Algarrobo (Chile) ab, das 2006 erbaut wurde und eine Länge von 1013 Metern, eine Fläche von 8 Hektar und ein Volumen von fast 250.000 m³ Wasser aufweist. Pools dieser Größe können neben dem Schwimmen auch zum Windsurfen oder zum Befahren mit Elektrobooten und kleinen Segelbooten genutzt werden. Als das größte Beckenbad Europas gilt mit 23.000 m² Wasserfläche – mehrere Becken zusammenhängend mit einem uferverbauten Teich – das Freibad in Fürstenfeld (Österreich). Das größte Beckenbad der Schweiz ist mit 16.000 m² Wasserfläche das Freibad Weyermannshaus in Bern. Das größte Beckenbad Deutschlands ist mit 11.000 m² Wasserfläche das Brentanobad in Frankfurt am Main. Weblinks Einzelnachweise Wasserreservoir Schwimmsport Badeanlagentyp
Q1501
140.097061
1629
https://de.wikipedia.org/wiki/Flugzeug
Flugzeug
Ein Flugzeug ist ein Luftfahrzeug, das schwerer als Luft ist und den zu seinem Fliegen nötigen dynamischen Auftrieb mit nicht-rotierenden Auftriebsflächen erzeugt. In der enger gefassten Definition der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) ist es auch immer ein motorisiertes Luftfahrzeug. Der Betrieb von Flugzeugen, die am Luftverkehr teilnehmen, wird durch Luftverkehrsgesetze geregelt. Umgangssprachlich werden Flugzeuge mitunter auch Flieger genannt, der Ausdruck Flieger hat als Hauptbedeutung jedoch den Piloten. Definition Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (International Civil Aviation Organization, ICAO) definiert den Begriff Flugzeug wie folgt: Im rechtlichen Sprachgebrauch ist ein Flugzeug ein motorgetriebenes Luftfahrzeug, schwerer als (die von ihm verdrängte) Luft, das seinen Auftrieb durch Tragflächen erhält, die bei gleichbleibenden Flugbedingungen unverändert bleiben, allgemeinsprachlich Motorflugzeug genannt. Wenn in einem Gesetzestext also von Flugzeugen die Rede ist, dann sind immer nur Motorflugzeuge gemeint, nicht aber Segelflugzeuge, Motorsegler und Ultraleichtflugzeuge. Letztere sind in Deutschland eine Unterklasse der Luftsportgeräte. Manche Autoren verwenden eine weiter gefasste Definition, nach der auch die Drehflügler eine Untergruppe der Flugzeuge darstellen. Die eigentlichen Flugzeuge werden dann zur besseren Abgrenzung als Starrflügler, Starrflügelflugzeug oder Flächenflugzeug bezeichnet. Diese Einordnung widerspricht aber sowohl der rechtlichen Definition als auch dem allgemeinen Sprachgebrauch und kann damit als veraltet betrachtet werden. Die in diesem Artikel verwendete Definition richtet sich nach der umgangssprachlichen Bedeutung des Begriffes Flugzeug, die sämtliche Luftfahrzeuge umfasst, die einen Rumpf mit festen Tragflächen besitzen. Abgrenzung zu anderen Luftfahrzeugen Bei Flugzeugen wird der Auftrieb – bei der Vorwärtsbewegung des Luftfahrzeugs – durch die Umlenkung der notwendigen Luftströmung an den Tragflächen (mit geeignetem Profil und Anstellwinkel) erzeugt. Durch die Umlenkung wird der Luft ein senkrecht nach unten gerichteter Impuls übertragen. Nach dem ersten Newtonschen Gesetz erfordert diese Richtungsänderung der Strömung nach unten eine stetig wirkende Kraft. Nach dem dritten Newtonschen Gesetz (Actio und reactio) wirkt dabei eine gleiche und entgegengesetzte Kraft, der Auftrieb, auf die Tragfläche. Neben der starren Verbindung von Flügel und Flugzeugrumpf gibt es mit Wandel- und Schwenkflügelflugzeugen auch einige Flugzeugtypen, bei denen die Flügel flexibel am Flugzeugrumpf fixiert sind. Damit können bei diesen Typen Einsatzanforderungen realisiert werden, die mit einer starren Tragfläche nicht möglich sind. Im weiteren Sinn benutzen das Starrflügelprinzip auch Luftfahrzeuge mit vollkommen flexiblen Tragflächen, wie Gleit- und Motorschirme, sowie mit zerlegbaren Tragflächen wie bei Hängegleitern. Bodeneffektfahrzeuge Bodeneffektfahrzeuge fliegen mit Hilfe von Tragflächen knapp über der Erdoberfläche und ähneln damit tief fliegenden Flugzeugen. Sie sind jedoch in der Regel nicht in der Lage, über den Einflussbereich des Bodeneffektes hinaus zu steigen, und gelten daher – ähnlich wie Luftkissenfahrzeuge – nicht als Luftfahrzeuge. Drehflügler Bei Drehflüglern (Hubschrauber, Helikopter) sind die Tragflächen in Form eines horizontalen Rotors aufgebaut. Die Luftströmung über den Rotorblättern ergibt sich aus der Kombination der Drehbewegung des Rotors und der anströmenden Luft aus Eigenbewegung und Wind. Einige Drehflügler, wie zum Beispiel die Verbundhubschrauber oder Kombinationsflugschrauber, besitzen jedoch neben ihrem Hauptrotor auch mehr oder weniger lange, feste Tragflächen, die für zusätzlichen Auftrieb sorgen. Ein Zwischending zwischen Starrflügelflugzeugen und Drehflüglern sind die Wandelflugzeuge, die im Flug die Flugmodi (Flugzustände) wechseln können. Raketen Anders als das Flugzeug fliegt die Rakete mit einem Raketentriebwerk (Rückstoßantrieb) durch Ausstoßen mitgeführter Stützmasse unabhängig von einer Luftströmung, auch wenn sie für Flugphasen in der Atmosphäre aerodynamische Steuerflächen haben kann. Diese dienen aber nicht dem Auftrieb, sondern nur der Stabilisierung und Steuerung. Ein Sonderfall ist der Raumgleiter, der meist mit einer Trägerrakete startet und im aerodynamischen Flug landet. Er kann als Flugzeug angesehen werden. Rotorflugzeuge Ein Rotorflugzeug besitzt als Tragorgane Flettner-Rotoren, die den Magnus-Effekt nutzen. Rotorflugzeuge sind selbst im Modellbau nur selten anzutreffen und haben bisher keine praktische Bedeutung. Sie dürfen nicht mit Drehflüglern verwechselt werden. Schwingenflugzeuge Bei Ornithoptern, auch Schwingenflugzeug genannt, bewegen sich die Tragflächen wie Vogelflügel auf und ab, um Auftrieb und Vortrieb zu erzeugen. Sie werden daher teils auch Flatterflügel genannt. Besonders in der Frühzeit der Luftfahrt wurde versucht, Schwingenflugzeuge nach dem Vorbild der Natur zu bauen. Es ist nicht bekannt, dass personentragende Flugzeuge dieses Typs bisher geflogen sind, es gibt aber funktionsfähige, ferngesteuerte Modell-Ornithopter und Kleinstdrohnen, so z. B. das DelFly der TU Delft. Genereller Aufbau Traditionell wird ein Flugzeug in drei Hauptgruppen (Konstruktionshauptgruppen) unterteilt: Flugwerk, Triebwerksanlage und Ausrüstung. Flugwerk Das Flugwerk besteht aus dem Rumpfwerk, dem Tragwerk, dem Leitwerk, dem Steuerwerk und dem Fahrwerk bei Landflugzeugen bzw. den Auftriebskörpern (Schwimmern) bei Wasserflugzeugen. Bei Senkrechtstartern und Segelflugzeugen älterer Bauart kann anstelle von Fahrwerk oder Schwimmern ein Kufenlandegestell vorhanden sein. In vielen, meist älteren Veröffentlichungen wird statt Flugwerk der Begriff Flugzeugzelle oder einfach Zelle verwendet. Rumpfwerk Der Flugzeugrumpf ist das zentrale Konstruktionselement der meisten Flugzeuge. An ihm ist das Tragwerk angebracht, er beherbergt neben den Piloten auch einen Großteil der Betriebsausrüstung. Bei einem Passagierflugzeug nimmt der Rumpf die Passagiere auf. Oft ist auch das Fahrwerk ganz oder teilweise am Rumpf. Die Triebwerke können in den Rumpf integriert werden. Bei Flugbooten bildet der Rumpf den Haupt-Auftriebskörper. Man unterscheidet verschiedene Rumpfformen. Heute sind runde Rumpfquerschnitte die Regel, wenn die Maschine eine Druckkabine besitzt. Frachtmaschinen besitzen oft einen rechteckigen Rumpfquerschnitt, um das Beladevolumen zu optimieren. Die meisten Flugzeuge besitzen nur einen Rumpf, daneben gibt es auch Maschinen mit Doppelrumpf und Nurflügelflugzeuge. Tragwerk Das Tragwerk besteht neben einer oder mehreren Tragflächen als Hauptkomponente aus sämtlichen Auftrieb liefernden Komponenten. Leitwerk Das Leitwerk besteht aus dem Höhenleitwerk mit den Höhenrudern und den zugehörigen Trimmrudern, dem Seitenleitwerk mit dem Seitenruder und dem Trimmruder dafür und den Querrudern. Zudem ist die Hauptaufgabe des Leitwerks, die gegebene Fluglage und Richtung zu stabilisieren, ferner die Steuerung um alle drei Achsen des Flugzeuges. Steuerwerk Das Steuerwerk oder die Steuerung besteht beim Starrflügelflugzeug aus dem Steuerknüppel oder der Steuersäule mit Steuerhorn oder Handrad und den Seitensteuerpedalen, mit denen die Steuerbefehle gegeben werden. Für die Übertragung der Steuerkräfte bzw. -signale können Gestänge, Seilzüge, Hydraulik, elektrische (Fly-by-wire) oder optische (Fly-by-light) Signale eingesetzt werden. Die Steuersäule wird bei einigen modernen Flugzeugen durch den Sidestick ersetzt. Fahrwerk Das Fahrwerk ermöglicht einem Flugzeug, sich am Boden zu bewegen, die erforderliche Abhebegeschwindigkeit zu erreichen, die Landestöße zu absorbieren und Stöße z. B. durch Bodenwellen zu dämpfen. Fahrwerke werden eingeteilt in starre, halbstarre und Einziehfahrwerke. Ein starres Fahrwerk behält auch während des Fluges unverändert seine Position bei; das halbstarre Fahrwerk wird teilweise eingezogen (z. B. nur das Bugfahrwerk). Ein Einziehfahrwerk kann nach dem Start eingezogen und gegebenenfalls durch Fahrwerksklappen abgedeckt werden und muss vor der Landung wieder ausgefahren werden. Flugzeuge mit hoher Endgeschwindigkeit haben stets Einziehfahrwerke. Fahrwerke können auch eingeteilt werden gemäß ihrer Anordnung. Weitverbreitete Fahrwerksform ist das „Bugradfahrwerk“, bei dem ein oder mehrere kleine Räder am Flugzeugvorderteil angebracht sind und das Hauptfahrwerk hinter dem Flugzeugschwerpunkt liegt. Dies ermöglicht während des Rollens am Boden gute Sicht für den Piloten im Vergleich zum ehemals weit verbreitete Heck- oder Spornfahrwerk mit einem kleinen Rad oder einem Schleifsporn am Heck; es kommt heute nur noch selten zum Einsatz. Eine Besonderheit ist das Tandemfahrwerk, bei dem die Fahrwerksteile vorne und hinten am Rumpf gleich groß sind und sich die Hauptlast teilen, das Flugzeug wird seitwärts durch Stützräder am Tragwerk stabilisiert. Triebwerk Die Triebwerksanlage eines Flugzeuges umfasst einen oder mehrere Motoren (i. Allg. von gleicher Bauart) mit Zubehör. Die häufigsten Bauweisen sind: Hubkolbenmotor (Flugmotor) mit Propeller, Gasturbine (Wellenleistungstriebwerk) mit Propeller (Turboprop) sowie das Turbinen-Strahltriebwerk, meist in Turbofan-Bauweise. Selten/experimentell sind Staustrahltriebwerk, Raketentriebwerk oder Elektromotor. Zum Zubehör gehören das Kraftstoffsystem und -leitungen, ggf. eine Schmieranlage, die Motorkühlung, Triebwerksträger und Triebwerksverkleidung. Außerhalb der Kampffliegerei sind die Strahltriebwerke aus Wartungsgründen mittlerweile nicht mehr in Flügel oder Rumpf integriert, eine Ausnahme bildet die Nimrod MRA4. Als Treibstoff wird meist Kerosin, AvGas, MoGas oder Ethanol verwendet. Betriebsausrüstung Die Betriebsausrüstung eines Flugzeuges umfasst alle bordseitigen Komponenten eines Flugzeuges, die nicht zu Flugwerk und Triebwerk gehören und die zur sicheren Durchführung eines Fluges erforderlich sind. Sie besteht aus den Komponenten zur Überwachung von Fluglage, Flug- und Triebwerkszustand, zur Navigation, zur Kommunikation, aus Versorgungssystemen, Warnsystemen, Sicherheitsausrüstung und gegebenenfalls Sonderausrüstung. Der elektronische Teil der Betriebsausrüstung wird auch Avionik genannt. Viele Fachautoren zählen inzwischen das Steuerwerk oder die Steuerung nicht mehr zum Flugwerk, sondern zur Betriebsausrüstung, da bei modernen Flugzeugen die Steuerung von den Sensoren der Betriebsausrüstung und von Bordrechnern wesentlich beeinflusst wird. Bauweisen Werkstoffe für Flugzeuge sollten eine möglichst große Festigkeit (s. a. Spezifische Festigkeit) gegenüber statischen und dynamischen Beanspruchungen besitzen, damit das Gewicht des Flugzeuges möglichst klein gehalten werden kann. Grundsätzlich eignen sich insbesondere Stähle, Leichtmetalllegierungen, Holz, Gewebe und Kunststoffe für den Flugzeugbau. Während Holz bis zu mittleren Größen sinnvoll angewendet worden ist, wird heute im Flugzeugbau allgemein die Ganzmetall- und Gemischtbauweise bevorzugt, bei der verschiedene Materialien so kombiniert werden, dass sich ihre jeweiligen Vorteile optimal ergänzen. Strukturen an Flugzeugen lassen sich durch verschiedene Konstruktions- und Bauweisen realisieren. Häufige Konstruktionsweisen sind Fachwerke, Schalen- und Halbschalenkonstruktionen; die Bauweisen werden in Holzbauweise, Gemischtbauweise, Metallbauweise und FVK-Bauweise unterschieden. Holzbauweise Bei der Holzbauweise wird für den Rumpf ein Gerüst aus hölzernen Längsgurten und Spanten geleimt, das anschließend mit dünnem Sperrholz beplankt wird. Die Tragfläche besteht aus einem oder zwei Holmen, an die im rechten Winkel vorne und hinten die sog. Rippen angeleimt sind. Die Rippen geben dem Flügel die richtige Form. Vor dem Holm ist der Flügel mit dünnen Sperrholz beplankt, diese Beplankung wird Torsionsnase genannt. Sie verhindert, dass sich der Flügel beim Flug parallel zum Holm verdreht. Hinter dem Holm ist der Flügel mit einem Stoff aus Baumwolle oder speziellem Kunststoff bespannt. Dieser Stoff wird auf dem Holm oder der Torsionsnase und an der Endleiste, die die Rippen an der Flügelhinterkante verbindet, festgeklebt und mit Spannlack bestrichen. Spannlack zieht sich beim Trocknen zusammen und sorgt so dafür, dass die Bespannung straff ist. Bei Motorflugzeugen muss der Stoff zusätzlich noch an den Rippen festgenäht werden. Modernere Bespannstoffe aus Kunststoff ziehen sich beim Erwärmen zusammen, sie werden zum Spannen gebügelt. In die oberen Spannlackschichten wird bei Motorflugzeugen Aluminiumpulver als UV-Schutz eingemischt. Beispiele für solche Flugzeuge sind z. B. die Schleicher Ka 2 oder die Messerschmitt M17. Die reine Holzbauweise ist inzwischen veraltet. Metallbauweise Die Metallbauweise ist bei Motorflugzeugen die gängigste Bauweise. Der Rumpf besteht aus einem verschweißten oder vernieteten Metallgerüst, das außen mit Blech beplankt ist. Die Tragflächen bestehen aus einem, bei großen Flugzeugen auch mehreren, Holmen, an die die Rippen angenietet oder angeschraubt sind. Die Beplankung besteht wie beim Rumpf aus dünnem Blech. Eines der bekanntesten Motorflugzeuge in Metallbauweise ist die Cessna 172, aber es gibt auch Segelflugzeuge aus Metall, wie den LET L-13 Blaník. Gemischtbauweise Die Gemischtbauweise ist eine Mischung aus Holz- und Metallbauweise. Üblicherweise besteht hierbei der Rumpf aus einem geschweißten Metallgerüst, das mit Stoff bespannt ist, während die Flügel wie in der Holzbauweise gebaut sind. Es gibt allerdings auch Flugzeuge, deren Tragflächen ebenfalls aus einem bespannten Metallgerüst bestehen. Der Grundaufbau aus Holmen und Rippen unterscheidet sich aber nur durch die verwendeten Materialien von der Holzbauweise. Die Schleicher K 8 ist ein Flugzeug mit einem Rumpf aus Metallgerüst und hölzernen Tragflächen, bei der Piper PA-18 bestehen die Tragflächen aus einem Aluminiumgerüst. Kunststoffbauweise Die Metallbauweise wird seit einigen Jahren zunehmend durch die Faser-Verbund-Kunststoff-Bauweise (kurz: FVK-Bauweise) verdrängt. Das Flugzeug besteht aus Matten, meistens Gewebe aus Glas-, Aramid- oder Kohlenstofffasern, die in Formen gelegt, mit Kunstharz getränkt und anschließend durch Erhitzen ausgehärtet werden. An den Stellen des Flugzeuges, die viel Energie aufnehmen müssen, wird zusätzlich ein Stützstoff, entweder Hartschaumstoff oder eine Wabenstruktur eingeklebt. Auch hier wird nicht auf Spanten im Rumpf und Holme in den Tragflächen verzichtet. Die FVK-Bauweise wurde zuerst im Segelflug angewendet, das erste Flugzeug dieser Bauweise war die FS 24, der Prototyp wurde 1953 bis 1957 von der Akaflieg Stuttgart gebaut. Inzwischen gehen aber auch Hersteller von Motorflugzeugen auf die FVK-Bauweise über, z. B. Diamond Aircraft oder Cirrus Design Corporation. Beispiele für die FVK-Bauweise sind der Schempp-Hirth Ventus oder die Diamond DA 40. Vor allem im Großflugzeugbau werden zurzeit auch Kombinationen aus Metallbauweise und FVK-Bauweise hergestellt. Ein populäres Beispiel ist der Airbus A380. Wartung und Lebensdauer Wartung Flugzeuge unterliegen während ihrer gesamten Lebensdauer verpflichtenden Wartungsanforderungen durch zertifizierte Betriebe. Diese sind in A-, B-, C- und D-Check eingeteilt, letzterer erfolgt nach ca. sechs bis zehn Jahren oder mehreren 10.000 Flugstunden. Dabei wird das gesamte Flugzeug generalüberholt. Die Wartungsintervalle der Turbinen liegen bei 20.000 Flugstunden. Lebensdauer Flugzeuge unterliegen, im Gegensatz zu bestimmten Einzelkomponenten wie Fahrwerken, grundsätzlich keiner maximalen Betriebsdauer. Verkehrsflugzeughersteller setzen bei der Konstruktion für ihre Maschinen nur eine Zielgröße für die Lebensdauer fest, bei Boeing Minimum Design Service Objective, bei Airbus Design Service Goal (DSG) genannt. Diese Zielgrößen orientieren sich an der typischen Nutzung innerhalb von 20 Jahren. Die meisten Typen sind auf etwa 50.000–60.000 Flugstunden konstruiert; die Zahl der möglichen Flüge schwankt zwischen 20.000 bei Langstreckenmaschinen, z. B. Boeing 747, und 75.000 bei Kurzstreckenmaschinen, z. B. Boeing 737. Diese Mindestzielgrößen werden insbesondere hinsichtlich des Alters und der Flugstunden in großer Zahl überschritten. Airbus bietet, noch bevor die erste Maschine die Grenze des DSG erreicht, eine erweiterte Grenze Enhanced Service Goal (ESG) in Verbindung mit bestimmten Wartungsanforderungen an. Seit dem Jahr 1988 stieg durch den Vorfall bei Aloha-Airlines-Flug 243 das Thema ausgedehnte Rissbildung (Widespread Fatigue Damage, WFD) bei älteren Flugzeugen in der Aufmerksamkeit von Behörden und Herstellern. Die Federal Aviation Administration verlangt bei Flugzeugen mit einem Höchstabfluggewicht von 75.000 Pfund (34 t) seit dem Jahr 2011 mit Beginn ab 2013–2017 (je nach Alter des Flugzeugtyps) von den Herstellern die Angabe von Limits of Validity (LOV, Grenzen der Gültigkeit), bei deren Überschreitung die Flugzeuge nicht weiter betrieben werden dürfen. Diese Obergrenzen liegen deutlich oberhalb der Mindestzielgrößen mit 30.000–110.000 Flügen oder 65.000–160.000 Flugstunden Boeing schätzt, dass bei Inkrafttreten für die ältesten Flugzeuge im Juli 2013 nur 25 Boeing-Maschinen weltweit oberhalb der neuen LOV liegen. Militärflugzeuge werden für eine Einsatzzeit von ca. 15 Jahren konzipiert, jedoch nur für 5.000–8.000 Flugstunden. Auf dem Rollfeld legt eine Verkehrsmaschine im Mittel 5 km pro Flug zurück. Daraus ergibt sich innerhalb der Lebensdauer eine Kilometerleistung am Boden von mehr als 250.000 km. Grundlagen: Auftrieb und Vortrieb Auftrieb Die Größe der dynamischen Auftriebskraft an einer Tragfläche (mit ihrem gegebenen Profil) wird von den Größen Anstellwinkel (dem Winkel zwischen der anströmenden Luft und der Flügelebene), der Profilform, der Tragflächengröße, der Dichte der Luft und ihrer Strömungsgeschwindigkeit bestimmt. Durch Erhöhung des Anstellwinkels bei konstanter Fluggeschwindigkeit steigt der Auftrieb proportional; dies trifft bei der Besonderheit des Überschallfluges nicht zu. Bei Lifting-Body-Flugzeugen ist der Rumpf aerodynamisch so geformt, dass er einen großen Anteil des Auftriebs liefert. Im Geradeausflug ist die Auftriebskraft gleich der Gewichtskraft (Gleichgewicht); bei Flugmanövern wie Start und Steigflug ist sie größer, beim Sinkflug geringer als die Gewichtskraft. Zusammenhang zwischen Auftrieb, Vortrieb und Luftwiderstand Um sich vorwärts zu bewegen, muss das Luftfahrzeug Vortrieb erzeugen, um den Widerstand zu überwinden, der die freie Vorwärtsbewegung hemmt. Der Luftwiderstand eines Luftfahrzeuges ist abhängig vom Formwiderstand, auch parasitärer Widerstand genannt, bedingt durch die Reibung der Luft am Körper des Luftfahrzeuges, vom Auftrieb. Der vom Auftrieb abhängige, „induzierte“ Teil des Luftwiderstands wird induzierter Widerstand genannt. Während sich die parasitäre Widerstandsleistung mit zunehmender Fluggeschwindigkeit in dritter Potenz der Geschwindigkeit vergrößert, verringert sich die induzierte Widerstandsleistung umgekehrt proportional. Der resultierende Gesamtwiderstand führt während des Fluges zu einem Energieverlust, der durch Energiezufuhr (Treibstoff, Sonnen- oder Windenergie) ausgeglichen werden muss, um den Flug fortzusetzen. Ist die zugeführte Energie größer als der Verlust durch den Gesamtwiderstand, wird das Luftfahrzeug beschleunigt. Diese Beschleunigung kann auch in Höhengewinn umgesetzt werden (Energieerhaltungssatz). Maßgeblich für die aerodynamische Qualität eines Luftfahrzeugs ist sowohl ein günstiger Strömungswiderstandsbeiwert (-Wert) als auch das Verhältnis vom Widerstandsbeiwert zum Auftriebsbeiwert , die Gleitzahl . Den Zusammenhang zwischen dem Widerstandsbeiwert und dem Auftriebsbeiwert eines bestimmten Flügelprofils und damit dessen aerodynamische Charakteristik nennt man die Profilpolare, dargestellt im Polardiagramm nach Otto Lilienthal. Daraus ergibt sich die Auftriebsformel sowie die Widerstandsformel wobei und für die Beiwerte von Auftrieb und Widerstand, für Staudruck (abhängig von Geschwindigkeit und Luftdichte) und für die Bezugsfläche steht. Fluggeschwindigkeit und Flugenveloppe Man kann zwischen folgenden Ausdrücken für Geschwindigkeiten unterscheiden: Angezeigte Geschwindigkeit (engl. indicated air speed, IAS) Kalibrierte Geschwindigkeit (engl. calibrated air speed, CAS), ist die um den Instrumentenfehler korrigierte IAS. Äquivalenzgeschwindigkeit (engl. equivalent air speed, EAS), ist die um die Kompressibilität korrigierte CAS. Wahre Geschwindigkeit (engl. true air speed, TAS), ist die um die Luftdichte in größerer Flughöhe korrigierte EAS. Geschwindigkeit über Grund (engl. ground speed, GS), ist die um den Wind korrigierte TAS. Mach-Zahl (engl. mach number, MN), ist eine EAS, ausgedrückt durch ein Vielfaches der Schallgeschwindigkeit. Der Flugzeugführer bekommt über seinen Fahrtmesser die Geschwindigkeit gegenüber der umgebenden Luft angezeigt. Diese wird aus statischem und dynamischem Druck am Staurohr des Fahrtmessers ermittelt. Diese angezeigte Geschwindigkeit (indicated air speed, abgekürzt IAS) ist von der Luftdichte und somit der Flughöhe abhängig. Die IAS ist maßgeblich für den dynamischen Auftrieb. Sie hat daher die größte Bedeutung für die Piloten. In modernen Cockpits wird die IAS rechnerisch um den Instrumentenfehler korrigiert und als CAS angezeigt. Der mögliche Geschwindigkeitsbereich eines Flugzeugs in Abhängigkeit von der Flughöhe wird durch die Flugenveloppe dargestellt. Die untere Grenze wird dabei von der Überziehgeschwindigkeit, die obere Grenze vom Erreichen der Festigkeitsgrenzen dargestellt. Bei Flugzeugen, die bedingt durch die hohe Leistung ihres Antriebs den Bereich der Schallgeschwindigkeit erreichen können, die aber nicht für Überschallflüge konstruiert sind, liegt sie in einem gewissen Abstand unterhalb der Schallgeschwindigkeit. Wie schnell ein Flugzeug bezogen auf die Schallgeschwindigkeit fliegt, wird durch die Mach-Zahl dargestellt. Benannt nach dem österreichischen Physiker und Philosophen Ernst Mach, wird die Mach-Zahl 1 der Schallgeschwindigkeit gleichgesetzt. Moderne Verkehrsflugzeuge mit Strahltriebwerk sind i. A. optimiert für Geschwindigkeiten (IAS) von Mach 0,74 bis 0,90. Damit die Tragfläche ausreichend Auftrieb erzeugt, wird mindestens die Minimalgeschwindigkeit benötigt. Sie wird auch als Überziehgeschwindigkeit bezeichnet, weil bei ihrem Unterschreiten ein Strömungsabriss (engl. stall) erfolgt und der Widerstand stark ansteigt, während der Auftrieb zusammenbricht. Die Überziehgeschwindigkeit verringert sich, wenn Hochauftriebshilfen (wie Landeklappen) ausgefahren sind. Beim Drehflügler ist die Fluggeschwindigkeit durch die Aerodynamik der Rotorblätter begrenzt: Einerseits können die Blattspitzen den Überschallbereich erreichen, andererseits kann es beim Rücklauf zum Strömungsabriss kommen. Die bezogen auf die Masse des Drehflüglers zu installierende Antriebsleistung steigt außerdem überproportional zur möglichen Maximalgeschwindigkeit. Flugzeuge starten und landen vorteilhafterweise gegen den Wind. Dadurch wird die zum Auftrieb beitragende angezeigte Geschwindigkeit größer als die Geschwindigkeit über Grund, mit der Folge, dass wesentlich kürzere Start- und Landestrecken gebraucht werden als bei Rückenwind. Arten des Vortriebs Zur Erzeugung des Vortriebs gibt es verschiedene Möglichkeiten, je nachdem, ob und welche Mittel mit welchem Krafterzeugungs- und -übertragungsprinzip eingesetzt werden sollen: ohne Eigenantrieb Bei Segelflugzeugen, Hängegleitern und Gleitschirmen ist der Vortrieb auch ohne Eigenantrieb gewährleistet, da vorhandene Höhe verlustarm in Geschwindigkeit umgewandelt werden kann. Der Höhengewinn selbst erfolgt durch Windenschlepp, Schleppflugzeuge oder Aufwinde (z. B. Thermik oder Hang- und Wellenaufwinde), oder durch erhöhte Startposition. Propeller in Verbindung mit Muskelkraft Eine extreme Form des Propellerantriebs stellen Muskelkraft-Flugzeuge (HPA) dar: Ein Muskelkraftflugzeug wird nur mit Hilfe der Muskelkraft des Piloten angetrieben, unter Ausnutzung der Gleiteigenschaften der Flugzeugkonstruktion, die verständlicherweise extrem leicht sein muss. Propeller in Verbindung mit einem Elektromotor Ein Propeller kann auch durch einen Elektromotor angetrieben werden. Diese Antriebsart wird vor allem bei Solarflugzeugen und bei Modellflugzeugen verwendet, mittlerweile auch bei Ultraleichtflugzeugen. Propeller in Verbindung mit Kolbenmotoren Propeller in Verbindung mit Kolbenmotoren waren bis zur Entwicklung der Gasturbine die übliche Antriebsart. Als praktische Leistungsgrenze für Flugmotoren dieser Art wurden angesehen, als erreichbare Geschwindigkeit 750 km/h. Heute ist diese Antriebsart für kleinere ein- bis zweimotorige Flugzeuge üblich. Auf Grund der besonderen Anforderungen an die Sicherheit der Motoren werden spezielle Flugmotoren verwendet. Turboprop Propellerturbinentriebwerke – kurz Turboprop – werden für Kurz- und Regionalverkehrsflugzeuge, militärische Transportflugzeuge, Seeüberwachungsflugzeuge und ein- oder zweimotorige Geschäftsreiseflugzeuge im Unterschallbereich verwendet. Weiterentwicklungen für die zukünftige Verwendung in Verkehrsflugzeugen und militärischen Transportflugzeugen sind „Unducted Propfan“, auch „Unducted Fan“ (UDF) genannt und „Shrouded Propfan“ (z. B. MTU CRISP). Turbinenstrahltriebwerk Turbinen-Strahltriebwerke werden für moderne schnelle Flugzeuge bis nahe zur Schallgeschwindigkeit (bis zum Transschallgeschwindigkeitsbereich oder dem transsonischen Geschwindigkeitsbereich) oder auch für Geschwindigkeiten im Transschall- und Überschallbereich eingesetzt. Für Flüge im Bereich der Überschallgeschwindigkeit besitzen Turbostrahltriebwerke zur Leistungserhöhung oft eine Nachverbrennung. Staustrahltriebwerk Staustrahltriebwerke erreichen Hyperschallgeschwindigkeiten und besitzen nur wenige bewegte Teile. Sie funktionieren jedoch i. A. erst bei hohen Geschwindigkeiten und müssen erst anderweitig auf diese beschleunigt werden. Eine Kombination aus Turbostrahltriebwerk mit Nachverbrennung und Staustrahltriebwerk wird Turbostaustrahltriebwerk oder Turboramjet genannt. Pulsstrahltriebwerk Historisch war das Pulsstrahltriebwerk der Vorgänger des Raketentriebwerks, damals für Marschflugkörper. Aufgrund weniger bewegter Teile und einfacher Funktionsweise ist es leicht zu bauen; extrem hoher Verschleiß ermöglicht nur Betriebsdauern von (maximal) wenigen Stunden. Wegen des sehr lauten Betriebsgeräusches sind Pulsstrahltriebwerke in einigen Ländern verboten. Raketentriebwerke Raketentriebwerke werden bisher nur bei Experimentalflugzeugen verwendet. Booster Um den Vortrieb und besonders den Auftrieb beim Start von STOL-Flugzeugen zu erhöhen, wurden zeitweise auch Booster in Form von Strahltriebwerken (Beispiel: Varianten der Fairchild C-123) oder auch Feststoff- oder Dampfraketen (siehe auch Booster (Raketenantrieb)) eingesetzt. Wandelflugzeug Wandelflugzeuge, auch als Verwandlungsflugzeuge oder Verwandlungshubschrauber bezeichnet, nutzen beim Senkrechtstart die Konfiguration eines Hubschraubers. Beim Übergang zum Vorwärtsflug werden sie zum Starrflügler umkonfiguriert. Sie kombinieren so Vorteile von Drehflügler und Starrflügler. Die Wandlung erfolgt meist durch Kippen des Rotors, der dann als Zugtriebwerk arbeitet – Kipprotor oder Tiltrotor genannt (z. B. Bell-Boeing V-22). Zu den Wandelflugzeugen gehören auch Kippflügel-, Schwenkrotor-, Einziehrotor- und Stopprotorflugzeuge. Die meisten nicht durch Strahltriebwerke angetriebenen Senkrechtstarter (VTOL-Flugzeuge) gehören zu den Wandelflugzeugen. Flugsteuerung Die Flugsteuerung, engl. Flight Control System (FCS), umfasst das gesamte System zur Steuerung von Flugzeugen um alle drei Raumachsen. Neben der am häufigsten im Flugzeugbau eingesetzten aerodynamischen Flugsteuerung mit Steuerflächen werden auch Gewichtssteuerungen und Schubvektorsteuerungen verwendet. Zur Flugsteuerung gehören die Steuerelemente – z. B. Steuerflächen, bewegliche Massen, Steuerdüsen –, die Bedienorgane (z. B. Steuerknüppel und Seitenruderpedal) im Cockpit und die Übertragungselemente für die Steuereingaben von den Bedienorganen zu den Steuerelementen. Achsen Zur Beschreibung der Steuerung werden Achsen benannt: Querachse (Nicken, ), Längsachse (Rollen, ), und Hochachse (Gieren, ). Jeder Achse ist bei einem 3-Achs-gesteuerten Flugzeug mit aerodynamischer Flugsteuerung eine oder mehrere Steuerflächen zugeordnet. Eine 2-Achs-Steuerung verzichtet z. B. auf Querruder oder Seitenruder, die fehlende Komponente wird durch die Eigenstabilität ersetzt. Siehe auch: Roll-Pitch-Yaw-Winkel Steuerelemente Die Steuerelemente der verschiedenen Steuerungssysteme sind bei der aerodynamischen Flugsteuerung Ruder, Klappen, verwindbare Tragflügel und/oder Leitwerke, adaptive Profile die einen Teil der Anströmung zur Steuerung umlenken; bei der Gewichtssteuerung bewegliche Massen, z. B. der Körper des Piloten der relativ zum Flugzeug verlagert wird; bei der Schubvektorsteuerung der Abgasstrahl eines Antriebs, der zur Steuerung gezielt gerichtet wird. Beim Senkrechtstarter kommen als weitere Steuerungsmöglichkeiten insbesondere im Schwebe- und Transitionsflug das Kippen bzw. Schwenken von Rotoren oder Strahltriebwerken hinzu. Die Steuerung eines Flugzeuges sei am Beispiel der aerodynamischen Steuerung über Ruder dargestellt: Die Querruder am hinteren Ende der Tragflächen steuern – immer zugleich und entgegengesetzt – die Querlage des Flugzeugs, also die Drehung um die Längsachse, das Rollen. Die Höhenruder am hinteren Ende des Flugzeugs regulieren die Längsneigung, auch Nicken oder Kippen genannt, indem der Anstellwinkel verändert wird. Das Seitenruder – beim konventionellen Starrflügelflugzeug am hinteren Ende des Flugzeugs – dient der Seitensteuerung, auch Wenden oder Gieren genannt. Trimmruder am Höhenruder dienen der Höhentrimmung. Größere Flugzeuge haben auch Trimmruder für Quer- und Seitenruder. Störklappen () dienen der Begrenzung der Geschwindigkeit im Sinkflug und der Verminderung des Auftriebs. Das Flugzeug kann simultan um eine oder mehrere dieser Achsen drehen. Das Höhenruder ist in der Regel hinten am Flugzeugrumpf angebracht, ebenso das Seitenruder, diese Kombination wird als Heckleitwerk bezeichnet. Abweichend davon kann die Höhensteuerung auch vorne platziert sein (Canard). Höhen- und Seitenruder können auch kombiniert werden wie beim V-Leitwerk. Die Funktion der Querruder kann durch gegenläufigen Ausschlag der Höhenruder ersetzt werden. Alle Arten von Trimmrudern dienen der Stabilisierung der Flugzeuglage und erleichtern dem Piloten die Flugsteuerung. Bei modernen Flugzeugen übernimmt der Autopilot die Kontrolle der Trimmruder. Die Hochauftriebshilfen werden beim Starten, im Steigflug und zum Landeanflug benutzt. An der Hinterkante der Flügel befinden sich die Hinterkantenauftriebshilfen oder Endklappen (flaps), die im Gegensatz zu den Rudern immer synchron an beiden Tragflügeln verwendet werden. Größere Flugzeuge und STOL-Flugzeuge haben meist auch noch Nasenauftriebshilfen in Form von Vorflügeln (Slats), Krügerklappen oder Nasenklappen (Kippnasen), die analog zu den an der hinteren Tragflächenkante gelegenen Landeklappen an der vorderen Tragflächenkante ausfahren. Durch die Klappen kann die Wölbung des Tragflügelprofils so verändert werden, dass die Abrissgeschwindigkeit gesenkt wird und auch beim langsamen Landeanflug oder im Steigflug der Auftrieb erhalten bleibt. Für die Begrenzung der Geschwindigkeit im Sinkflug werden auf den Tragflächen angebrachte sogenannten Brems-/Störklappen, „Spoiler“ genannt, verwendet. Im ausgefahrenen Zustand vermindern sie den Auftrieb an den Tragflächen (Strömungsablösung). Durch den verringerten Auftrieb ist ein steilerer Landeanflug möglich. Spoiler werden auch zur Unterstützung der – in bestimmten Flugbereichen auch als Ersatz für – Querruder verwendet. Nach der Landung werden die Spoiler voll ausgefahren, so dass kein (positiver) Auftrieb mehr wirken kann. Dies geschieht meist durch einen Automatismus, der unter anderem durch das Einfedern des Hauptfahrwerks bei der Landung eingeleitet wird. Es gibt auch Steuerflächen mit mehrfachen Funktionen: Flaperons: arbeiten sowohl als Klappen als auch als Querruder Spoilerons: arbeiten sowohl als Spoiler als auch als Querruder Elevons: arbeiten sowohl als Höhenruder als auch als Querruder, insbesondere beim Nurflügel-Flugzeug Neben der konventionellen Anordnung der Steuerflächen existieren, wie vorher angedeutet, auch Sonderformen: Das Canard („Entenflugzeug“) hat das Höhenruder vorne, beispielsweise Gyroflug SC01 Speed-Canard Der Nurflügel hat kein separates Höhenruder, beispielsweise der Bomber Northrop B-2 Die Boxwing-Tragfläche verwendet ein kombiniertes Höhen-/Querruder, Seitenruder existieren in Form von Störklappen an den äußeren Flächenenden. Bedienorgane Bedienorgane sind diejenigen Hebel und Pedale, die im Cockpit vom Piloten betätigt werden können und zur Steuerung des Flugzeugs dienen. Steuerknüppel, Steuerhorn oder Sidestick Steuerknüppel, Steuerhorn oder Sidestick dienen zur Steuerung der Querlage und der Längsneigung und steuern das Querruder und das Höhenruder. Der Steuerknüppel eines Flugzeugs dient zum gleichzeitigen Steuern von Querneigung und Längsneigung. Er befindet sich vor dem Unterbauch des Piloten und wird normalerweise mit einer Hand gehalten. Das Steuerhorn ist eine andere Einheit zur Steuerung von Flugzeugen um die Längs- und Querachse. Angeordnet ist es im Cockpit zentral vor dem Piloten und verfügt über Haltegriffe für beide Hände. Dabei werden die Kräfte, die während des Fluges auf das Flugzeug wirken, in Form von Widerstand und Ausschlag auf die Steuereinheit übertragen. Ein Sidestick ist ein Steuerknüppel, der nicht zentral vor dem Piloten, sondern seitlich angeordnet ist und nur mit einer Hand bedient wird. Seitenruderpedale Die Pedale zur Seitensteuerung betätigen das Seitenruder und in der Regel am Boden auch die Bremsen. Bei Segelflugzeugen wird die Radbremse (wenn vorhanden) meist durch Ziehen des Bremsklappenhebels betätigt. Trimmung Zur dauerhaften Trimmung dienen ein Trimmrad oder ein Trimmhebel zum Ausgleich von Kopf- oder Schwanzlastigkeit (Höhentrimmung), eine Trimmeinheit zum Ausgleich seitlicher Kräfteunterschiede, z. B. bei mehrmotorigen Flugzeugen zur Kompensation eines Motorausfalls (Seitentrimmung). Übertragungselemente Die Übertragung der Steuereingaben kann erfolgen mechanisch durch Stangen oder Seile, hydromechanisch durch Hydraulikleitungen, elektrisch durch Fly-by-Wire oder, fiberoptisch durch Lichtleiter (Fly-by-Light). Instrumente zum Erkennen der Lage im Raum Seine Lage im Raum erkennt der Flugzeugführer entweder durch Beobachtung der Einzelheiten des überflogenen Gebiets und des Horizonts oder durch Anzeigeinstrumente (Flugnavigation). Bei schlechter Sicht dient der künstliche Horizont der Anzeige der Fluglage in Bezug auf die Nickachse, also den Anstellwinkel des Flugzeugrumpfes, und bezüglich der Rollachse, der sogenannten Querlage (Banklage). Die Himmelsrichtung, in die das Flugzeug fliegt, zeigen der magnetische Kompass und der Kurskreisel. Magnetischer Kompass und Kurskreisel ergänzen sich gegenseitig, da der Magnetkompass bei Sink-, Steig- und Kurvenflügen zu Dreh- und Beschleunigungsfehlern neigt, der Kurskreisel jedoch nicht. Der Kurskreisel hat jedoch keine eigene „nordsuchende“ Eigenschaft und muss mindestens vor dem Start (in der Praxis auch in regelmäßigen Abständen beim Geradeausflug) mit dem Magnetkompass kalibriert werden. Der Wendezeiger dient zur Anzeige der Drehrichtung und zur Messung der Drehgeschwindigkeit des Flugzeugs um die Hochachse (engl. rate of turn). Er enthält meistens eine Kugellibelle, die anzeigt, wie koordiniert eine Kurve geflogen wird. Für die Höhensteuerung sind mindestens zwei Instrumente wichtig: Die Flughöhe wird über den barometrischen Höhenmesser dargestellt; die relative Änderung der Höhe, die sogenannte Steigrate bzw. Sinkrate, ausgedrückt als Höhenunterschied pro Zeitspanne, bekommt der Flugzeugführer über das Variometer signalisiert. Zusätzlich wird bei größeren Flugzeugen im Landeanflug die absolute Höhe über Grund über den Radarhöhenmesser angezeigt. Weitere Klassifizierungen Neben der naheliegenden Klassifizierung nach der Bauweise oder der Antriebsart haben sich weitere Klassifizierungen etabliert. Klassifizierung nach Verwendungszweck Zivilflugzeuge Zivilflugzeuge dienen der zivilen Luftfahrt, dazu gehört die allgemeine Luftfahrt und der Linien- und Charterverkehr durch die Fluggesellschaften (Airlines). Zivilflugzeuge werden hauptsächlich nach folgendem Schema klassifiziert: Die ersten Flugzeuge waren Experimentalflugzeuge. Experimentalflugzeuge, auch Versuchsflugzeuge genannt, dienen dem Erforschen von Techniken oder dem Testen von Forschungserkenntnissen im Bereich der Luftfahrt. Sehr früh in der Geschichte des Flugzeugs entstanden auch die Sportflugzeuge. Ein Sportflugzeug ist ein Leichtflugzeug zur Ausübung einer sportlichen Tätigkeit, entweder zur Erholung oder bei einem sportlichen Wettkampf. Noch vor dem Ersten Weltkrieg kam es zur Erprobung und zum Bau des Passagierflugzeugs. Passagierflugzeuge dienen dem zivilen Personentransport und werden auch als Verkehrsflugzeug bezeichnet. Kleinere Passagierflugzeuge werden auch als Zubringerflugzeuge bezeichnet. Speziell für Geschäftsreisende entworfene kleine Passagierflugzeuge sind die Geschäftsreiseflugzeuge, für die auch der engl. Ausdruck Bizjet verwendet wird. Ein Frachtflugzeug ist ein Flugzeug zum Transport von (kommerzieller) Fracht. Flugzeugsitze sind daher nur für die Mannschaft eingebaut, meist enthalten sie heute ein Transportsystem für Paletten und Flugzeugcontainer. Eine Unterkategorie des Frachtflugzeugs ist das Postflugzeug. Frühe Postflugzeuge konnten auch dem Transport einzelner Personen dienen. Für den Bereich der Land- und Forstwirtschaft werden spezielle Flugzeuge verwendet, die Dünger, bodenverbessernde Stoffe und Pflanzenschutzmittel in Behältern mitführen können und über Sprühdüsen, Streuteller oder ähnliche Einrichtungen verbreiten können. Sie werden allgemein als Agrarflugzeuge bezeichnet. Feuerlöschflugzeuge, auch „Wasserbomber“ genannt, sind Flugzeuge, die Wasser und Löschadditive in ein- oder angebauten Tanks mitführen und über Schadfeuern abwerfen können. Es gibt unter dem Begriff Rettungsflugzeug (amtlich „Luftrettungsmittel“ genannt) verschiedene unterschiedliche Kategorien wie Rettungshubschrauber, Intensivtransporthubschrauber, Notarzteinsatzhubschrauber oder Flugzeuge zur Rückholung von Patienten aus dem Ausland. Unter den Überbegriff Search and Rescue (SAR) fallen Flugzeuge, die zum Suchen und Retten von Unfallopfern verwendet werden. Es gibt zahlreiche Sonderbauformen wie z. B. Forschungsflugzeuge mit spezieller Ausrüstung (spezielles Radar, Fotokameras, sonstige Sensoren). Militärflugzeuge Militärflugzeuge sind Flugzeuge, die der militärischen Nutzung unterliegen. Ganz sauber ist die Grenze jedoch nicht immer zu ziehen. Viele Flugzeuge erfahren sowohl militärische als auch zivile Verwendung. Militärflugzeuge werden nach folgenden Verwendungszwecken unterschieden: Ein Jagdflugzeug ist ein in erster Linie zur Bekämpfung anderer Flugzeuge eingesetztes Militärflugzeug. Heute spricht man eher vom Kampfflugzeug, da die Flugzeuge dieser Kategorie keiner eindeutigen Aufgabe zugeordnet werden können. Sie werden für den Luftkampf, die militärische Aufklärung, die taktische Bodenbekämpfung und/oder andere Aufgaben genutzt. Ein Bomber ist ein militärisches Flugzeug, das dazu dient, Bodenziele mit Fliegerbomben, Luft-Boden-Raketen und Marschflugkörpern anzugreifen. Ein Verbindungsflugzeug ist ein kleines Militärflugzeug, mit dem in der Regel Kommandeure transportiert werden. Es kann außerdem der Gefechtsfeldaufklärung dienen (heute nur noch bei Truppenübungen), als kleineres Ambulanzflugzeug dienen oder für Botendienste eingesetzt werden. Heute werden als Verbindungsflugzeug meistens leichte Hubschrauber eingesetzt. Luftbetankung bezeichnet die Übergabe von Treibstoff von einem Flugzeug zu einem anderen während des Fluges. Üblicherweise ist das Flugzeug, das den Treibstoff zur Verfügung stellt, ein speziell für diese Aufgabe entwickeltes Tankflugzeug. Ein Aufklärungsflugzeug ist ein Militärflugzeug, das für die Aufgabe konstruiert, umgebaut oder ausgerüstet ist, Informationen für die militärische Aufklärung zu beschaffen. Manchmal werden Aufklärungsflugzeuge auch als Spionageflugzeuge bezeichnet. Ein Schlachtflugzeug, auch Erdkampfflugzeug genannt, ist ein militärischer Flugzeugtyp, der besonders für die Bekämpfung von Bodenzielen vorgesehen ist. Dieser Typus stellt eine eigene Flugzeugart dar, die ganz spezifische taktische Aufgaben erfüllen soll. Da die Angriffe in niedrigen bis mittleren Flughöhen stattfinden und mit starkem Abwehrfeuer zu rechnen ist, werden besondere Schutzmaßnahmen ergriffen, wie Panzerung der Kabine und Triebwerke gegen Bodenfeuer. Transportflugzeuge, die mit seitlich ausgerichteten Maschinenwaffen oder gar Rohrartillerie ausgerüstet sind, nennen sich Gunship. Drehflügelflugzeuge in der Rolle von Erdkampfflugzeugen werden als Kampfhubschrauber bezeichnet. Ein Trainer ist ein Flugzeug, das zur Ausbildung von Piloten benutzt wird. Transportflugzeuge sind besondere Frachtflugzeuge, die für den militärischen Lastentransport entwickelt werden. Sie müssen robust, zuverlässig, variabel für den Personen-, Material- oder Frachttransport geeignet sowie schnell ein- und ausladbar sein. Transportiert werden können, auch in Kombination, zum Beispiel Hilfsgüter, Fallschirmspringer, Fahrzeuge, Panzer, Truppen oder Ausrüstung. Die Klassifikation ist in der Praxis nicht immer streng zwischen zivil und militärisch zu trennen, denn manche Zweckbestimmung kann unabhängig vom Einsatz gegeben sein. Beispielsweise können Fracht- bzw. Transportflugzeuge je nach Fracht, Sanitätsflugzeuge je nach Arzt/Patient und Trainer je nach Lehrer/Schüler sowohl im Zivil- als auch im Militärbereich vorkommen. Klassifizierung nach Struktur des Flugzeugs Flugzeuge, die starre Tragflügel besitzen, werden häufig auch nach der Anzahl und Lage der Tragflügel zum Rumpf kategorisiert. Ein Eindecker ist ein Flugzeug mit einer einzigen Tragfläche bzw. einem Paar Tragflügeln. Eindecker werden wiederum unterteilt in Tiefdecker, bei denen die Unterseite der Tragfläche mit der Unterseite des Rumpfes abschließt; Mitteldecker, bei denen die Tragfläche in der Mitte der Rumpfseiten angeordnet ist; Schulterdecker, bei denen die Tragflächen auf oder in der Oberseite des Rumpfes angeordnet sind; Hochdecker, bei denen die Tragfläche über der Oberseite des Rumpfes verstrebt angeordnet sind. Doppeldecker ist die Bezeichnung für ein Flugzeug, das zwei vertikal gestaffelt angeordnete Tragflächen besitzt. Eine Sonderform des Doppeldeckers ist der „Anderthalbdecker“. Um die Zeit des Ersten Weltkriegs gab es auch Dreidecker. Doppelrumpfflugzeuge besitzen zwei Rümpfe, sie sind gewissermaßen die Katamarane unter den Flugzeugen. Jeder Rumpf besitzt hierbei in der Regel ein eigenes Cockpit. Damit nicht zu verwechseln sind Flugzeuge mit einem doppelten Leitwerksträger, die jedoch nur einen Rumpf aufweisen, der meistens als Rumpfgondel ausgebildet ist. Asymmetrische Flugzeuge sind ein sehr seltener Flugzeugtyp, das bekannteste Exemplar ist die Blohm & Voss BV 141 von 1938. Hier ist die Flugzeugkanzel auf der Tragfläche, während der Propeller und Motor den Rumpf alleine besetzen. Die Tragflächen sind asymmetrisch ausgebildet. Als Canard oder Entenflugzeug wird ein Flugzeug bezeichnet, bei dem das Höhenleitwerk nicht konventionell am hinteren Ende des Flugzeugs montiert ist, sondern vor der Tragfläche an der Flugzeugnase; das Flugbild erinnert an eine fliegende Ente. Sind im Extremfall beide Tragflächen annähernd gleich groß, wird diese Auslegung auch als Tandemflügel bezeichnet. Ein Nurflügel ist ein Flugzeug ohne ein separates Höhenruder, bei dem es keine Differenzierung zwischen Tragflächen und Rumpf gibt. Bildet der Rumpf selbst den Auftriebskörper und hat dieser nicht mehr die typischen Dimensionen eines Tragflügels, wird er als Lifting Body bezeichnet. Die Vereinigung dieser beiden Konzepte nennt man Blended Wing Body. Ein Wasserflugzeug ist ein Flugzeug, das für Start und Landung auf Wasserflächen konstruiert ist. Es hat meist unter jeder der beiden Tragflächen einen leichten, bootartigen Schwimmer. Bei Flugbooten ist der gesamte Rumpf schwimmfähig. Wasserflugzeuge und Flugboote können nur vom Wasser aus starten oder im Wasser landen. Sind diese Flugzeuge mit (meist einziehbaren) Fahrwerken versehen, mit denen sie auch vom Land aus starten und auf dem Land landen können, werden sie Amphibienflugzeuge genannt. Klassifizierung nach Start- und Landeeigenschaften Starrflügelflugzeuge und einige Typen der Drehflügler benötigen eine mehr oder weniger präparierte Start- und Landebahn einer gewissen Länge. Die Ansprüche reichen von einem ebenen Rasen ohne Hindernisse bis zur asphaltierten oder betonierten Piste. Flugzeuge, die mit besonders kurzen Start- und Landebahnen auskommen, werden als Kurzstartflugzeug oder STOL-Flugzeuge typisiert. Flugzeuge, die senkrecht starten und landen können, sind Senkrechtstarter oder VTOL-Flugzeuge. Sie benötigen gar keine Start- und Landebahn, sondern nur einen festen Untergrund ausreichender Größe, der ihr Gewicht tragen kann, und auf dem der Abwind (engl. downwash), der durch das VTOL-Flugzeug erzeugt wird, nicht allzu viel Schaden anrichtet, z. B. ein Helipad. VTOL-Flugzeuge, die auf dem Boden senkrecht nach oben stehend starten und landen, sind Heckstarter. Unbemannte Flugzeuge Im zivilen Bereich sind unbemannte Flugzeuge meistens als Modellflugzeug gebräuchlich und werden über Funkfernsteuerungen gesteuert, selten über Programmsteuerungen. Unbemannte Flugzeuge im militärischen oder staatlichen Einsatz werden Drohnen genannt. Das Spektrum reicht hier von Modellflugzeugen zur Zieldarstellung für Flugabwehrkanonen über unbemannte Aufklärungsflugzeuge bis hin zu unbemannten bewaffneten Kampfflugzeugen (Kampfdrohnen). Im staatlichen Bereich werden Drohnen von Polizei und Zoll zur Tätersuche und Verfolgung eingesetzt, häufig mit Video- und Wärmebildkameras, für die bisher bemannte Polizeihubschrauber eingesetzt werden. Die Steuerung erfolgt dabei ebenfalls über Funkfern- oder Programmsteuerung. Während Drohnen in der Regel wiederverwendbar sind, werden unbemannte Flugzeuge mit fest eingebauten Sprengköpfen als Marschflugkörper bezeichnet. Geschichte Die Flugpioniere 1810 bis 1811 konstruierte Albrecht Ludwig Berblinger, der berühmte Schneider von Ulm, seinen ersten flugfähigen Gleiter, führte ihn jedoch der Öffentlichkeit über der Donau unter ungünstigen Windverhältnissen vor und stürzte unter dem Spott der Zuschauer in den Fluss. Der englische Gelehrte Sir George Cayley (1773 bis 1857) untersuchte und beschrieb als Erster in grundlegender Weise die Probleme des aerodynamischen Flugs. Er löste sich vom Schwingenflug und veröffentlichte 1809 bis 1810 einen Vorschlag für ein Fluggerät „mit angestellter Fläche und einem Vortriebsmechanismus“. Er beschrieb damit als Erster das Prinzip des modernen Starrflügelflugzeugs. Im Jahr 1849 baute er einen bemannten Dreidecker, der eine kurze Strecke flog. Der Russe Alexander Moschaiski baute ein Flugzeug mit einem Dampfmaschinenantrieb, mit dem er zwischen 1882 und 1886 mehrere Flugversuche unternahm. Das Flugzeug konnte vom Boden abheben, verlor jedoch in der Folge an Geschwindigkeit und sackte ab. Seine verbesserte Version, die mit mehr Leistung ausgestattet war, wäre nach der Schlussfolgerung des russischen Luftfahrtforschungsinstituts ZAGI (getestet 1982) flugfähig. Zu dem Flug ist es jedoch durch den Tod des Konstrukteurs nicht mehr gekommen. Otto Lilienthal und Clement Ader Der Flugpionier Otto Lilienthal (1848–1896) entwickelte nach ausführlichen theoretischen und praktischen Vorarbeiten Gleitflugzeuge und führte mit ihnen erfolgreiche Gleitflüge nach dem Prinzip „schwerer als Luft“ durch. Er ist deutlich über 1.000-mal gesegelt. Die erzielten maximalen Flugweiten lagen bei 250 Metern. Die aerodynamische Formgebung seiner Tragflügel erprobte er auf seinem „Rundlaufapparat“, der von der Funktion her ein Vorgänger der modernen Windkanäle war. Clement Ader hat mit seiner Eole den ersten (ungesteuerten) motorisierten Flug in der Geschichte ausgeführt. Bei der Eole handelte es sich um einen freitragenden Nurflügel-Eindecker, der von einer auf eine vierblättrige Luftschraube wirkenden 4-Zylinder-Dampfmaschine angetrieben wurde. Die Eole hob am 9. Oktober 1890 zu ihrem einzigen Flug ab, flog ca. 50 m weit, stürzte ab und wurde dabei zerstört. Einen der ersten gesteuerten Motorflüge soll der deutsch-amerikanische Flugpionier Gustav Weißkopf im Jahr 1901 über eine Strecke von einer halben Meile zurückgelegt haben. Hierzu gab es lediglich Zeugenaussagen, aber keinen fotografischen Beweis. Karl Jatho hat sich, in ihm zugeordneten handschriftlichen Notizen, „Luftsprünge“ mit seinem motorisierten Jatho-Drachen ab dem 18. August 1903 zugeschrieben, die von zunächst ca. 18 m, später bis ca. 60 m reichten. Der Zeitpunkt der Entstehung dieser Notizen und der Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung sind unklar; ebenso unklar ist der Status von Zeugenaussagen zu diesen Luftsprüngen, die im August 1933, also 30 Jahre später, erfolgt sein sollen. Für 1907 belegte Flugversuche mit dem Jatho-Drachen scheiterten. Brüder Wright Die herausragende flugtechnische Leistung der Brüder Wright war die Entwicklung der ersten vollständigen aerodynamischen Flugsteuerung des Flugzeugs um alle drei Raumachsen, die sie selbst als notwendige Voraussetzung für den kontrollierten Motorflug ansahen und bereits mit ihrem 1902 Wright Glider erreichten. Sie verwendeten einen Tragflächenverwindungsmechanismus, den Vorläufer des heutigen Querruders, zur Steuerung der Rollbewegung um die Längsachse (das seitliche Neigen), ein (vorn angebrachtes) Höhenruder („Canard“) für die Steuerung der Nickbewegung um die Querachse sowie ein Seitenruder für die Kontrolle des Gierens um die Hochachse, ohne welches eine Kurve weder ein- noch wieder ausgeleitet werden kann. Mit dieser Dreiachssteuerung als Basis reichten sie bereits im März 1903 das Patent ihrer Flying Machine ein (erteilt 1906). Dass sie am 17. Dezember 1903 mit ihrem Wright Flyer als Erste erfolgreich einen andauernden, gesteuerten Motorflug durchführten, fußte auf den praktischen Erfahrungen mit dem Glider. Darüber hinaus haben sie ihre Flüge genauestens dokumentiert und innerhalb kurzer Zeit in weiteren Flügen die Tauglichkeit ihres Flugzeuges zweifelsfrei bewiesen. Von herausragender Bedeutung ist, dass Orville Wright bereits 1904 mit dem Wright Flyer II einen gesteuerten Vollkreis fliegen konnte. Samuel Pierpont Langley, ein Sekretär des Smithsonian-Instituts, versuchte einige Wochen vor dem Wright-Flug, sein „Aerodrome“ zum Fliegen zu bringen. Obwohl sein Versuch scheiterte, behauptete das Smithsonian-Institut einige Zeit, die Aerodrome wäre die erste „flugtaugliche Maschine“. Der Wright Flyer wurde dem Smithsonian Institut mit der Auflage gestiftet, dass das Institut keinen früheren motorisierten Flug anerkennen dürfe. Diese Auflage wurde von den Stiftern formuliert, um die frühere Darstellung des Instituts, Langley hätte mit der Aerodrome den ersten erfolgreichen Motorflug durchgeführt, zu unterbinden. Diese Auflage führte immer wieder zu der Vermutung, dass es vor den Wright Flyern erfolgreiche Versuche zum Motorflug gegeben habe, deren Anerkennung aber im Zusammenhang mit der Stiftungsauflage unterdrückt worden sei. Die ersten Motorflugzeuge waren meistens Doppeldecker. Versuchsweise wurden auch mehr als drei Tragflächen übereinander angeordnet. Eine solche Mehrdeckerkonstruktion stammte von dem Engländer Horatio Frederick Phillips. Mit dem Fünfzigdecker „Horatio Phillips No. 2“ gelang ihm im Sommer 1907 der erste Motorflug in England. Erste Ärmelkanalüberquerung Im Jahr 1909 setzte Europa weitere praktische Meilensteine in der Geschichte des Flugzeugs. Am 25. Juli 1909 überquerte Louis Blériot mit seinem Eindecker Blériot XI als Erster mit einem Flugzeug den Ärmelkanal. Sein Flug von Calais nach Dover dauerte 37 Minuten bei einer durchschnittlichen Flughöhe von 100 Metern. Blériot konnte somit den von der englischen Zeitung Daily Mail für die erste Kanalüberquerung ausgelobten Geldpreis entgegennehmen. Mit der Blériot XI wurde ihr Konstrukteur „Vater der modernen Eindecker“. Der Erfolg der Maschine machte ihn zum ersten kommerziellen Flugzeughersteller. Vom 22. bis zum 29. August 1909 fand mit der „Grande Semaine d’Aviation de la Champagne“ eine Flugschau bei Reims statt, die mehrere Rekorde bescherte: Henri Farman flog eine Strecke von 180 Kilometern in drei Stunden. Blériot flog die höchste Fluggeschwindigkeit über die 10-Kilometer-Strecke mit 76,95 km/h. Hubert Latham erreichte auf einer „Antoinette“ des Flugzeugkonstrukteurs Levasseur mit 155 m die größte Flughöhe. 1910 gelang dem französischen Ingenieur Henri Fabre mit dem von ihm konstruierten Canard Hydravion der erste Flug mit einem Wasserflugzeug. Monocoque Im Jahr 1912 erfindet Louis Béchereau die Monocoque-Bauweise für Flugzeuge. Die Rümpfe anderer Flugzeuge bestanden aus einem mit lackiertem Stoff überzogenen Gerüst. Das von Béchereau entworfene Deperdussin-Monocoque-Rennflugzeug besaß jedoch einen Stromlinienrumpf aus einer Holzschale ohne inneres Gerüst. Neu war auch die „DEP“-Steuerung, bei der auf dem Steuerknüppel für die Nickbewegung ein Steuerrad für die Rollbewegung saß, ein Prinzip, das heute noch vielfach Verwendung findet. Als Triebwerk besaß das Flugzeug einen speziellen Flugzeugmotor, den Gnôme-Umlaufmotor. Die Deperdussin Monocoques waren die schnellsten Flugzeuge ihrer Zeit. Ein wesentlicher technischer Durchbruch gelang kurz vor dem Ersten Weltkrieg dem russischen Konstrukteur und Piloten Igor Iwanowitsch Sikorski, der später eher als Hersteller von Flugbooten und Konstrukteur von Hubschraubern in den USA bekannt wurde. Von 1913 bis 1914 bewies er mit den ersten von ihm konstruierten „Großflugzeugen“, dem zweimotorigen Grand Baltiski, dem viermotorigen Russki Witjas und dessen Nachfolger, dem viermotorigen Ilja Muromez, dass solche großen Flugzeuge sicher und stabil fliegen können, selbst wenn ein oder zwei Motoren abgestellt sind oder ausfallen. Der Erste Weltkrieg Während des Ersten Weltkrieges erkannten die Militärs den Wert der Luftaufklärung. Zugleich wollten sie den Gegner an einer Aufklärung hindern. Das Flugzeug entwickelte sich zur Waffe, und die Grundlagen des Luftkrieges mit Propellerflugzeugen wurden gelegt. Die zu Anfang des Krieges noch weit verbreiteten Flugzeuge mit Druckpropeller wurden durch die wendigeren und schnelleren Maschinen mit Zugpropeller ersetzt. Hierzu trug bei, dass die Synchronisierung der Bordmaschinengewehre mit dem Propeller über ein Unterbrechergetriebe entwickelt wurde, so dass man mit der starren Bewaffnung durch den eigenen Propellerkreis schießen konnte. Auf diese Weise konnte der Pilot mit dem Flugzeug den Gegner anvisieren, was den Einsatz von Maschinengewehren im Luftkampf wesentlich erfolgreicher machte. Aus den Flugzeugen wurden Granaten, Flechettes und darauf folgend erste spezielle Spreng- und Brandbomben abgeworfen. Dabei sollten zunächst die Soldaten in den feindlichen Linien und später auch Fabriken und Städte getroffen werden. Während des Ersten Weltkrieges wurde eine Flugzeugindustrie aus dem Boden gestampft, es entstanden die ersten Flugplätze, und die Technik des Flugfunks wurde entwickelt. Durch den Einsatz von neuen Metallen (Aluminium) wurden Flugzeugmotoren immer leistungsfähiger. Im Jahr 1915 erprobte Hugo Junkers das erste Ganzmetallflugzeug der Welt, die Junkers J 1. Hugo Junkers baute 1919 auch das erste Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt, die Junkers F 13, deren Konstruktionsprinzipien richtungweisend für folgende Flugzeuggenerationen wurden. Zwischenkriegszeit Während des Ersten Weltkrieges war die Flugzeugproduktion stark angekurbelt worden. Nach diesem Krieg mussten die Flugzeughersteller ums Überleben kämpfen, da nicht mehr so viele Militärflugzeuge gebraucht wurden. Gerade in Europa gingen viele der ehemaligen Flugzeughersteller in Konkurs, wenn es ihnen nicht gelang, ihre Produktion auf zivile Güter umzustellen. In den USA waren Kampfflugzeuge geradezu zu Schleuderpreisen zu kaufen. Ehemalige Piloten von Kampfflugzeugen mussten sich eine neue Beschäftigung suchen. Kommerzielle zivile Luftfahrt Sowohl in den USA als auch in Europa entstanden viele neue zivile Dienste und Luftfahrtgesellschaften, wie z. B. die Luft Hansa 1926. Die bekanntesten Passagierflugzeuge dieser Zeit waren die Junkers F 13, die Junkers G 38, die Dornier Wal, die Handley Page H.P.42 und die Junkers Ju 52/3m. Langstreckenflüge Die große Herausforderung nach dem Krieg waren Langstreckenflüge, vor allem die Überquerung des Atlantik. Diese Aufgabe kostete einige Menschenleben, bis eines von drei in Neufundland gestarteten Curtiss-Flugbooten der US-Navy, die Curtiss NC-4, nach 11 Tagen am 27. Mai 1919 in Lissabon landete. In der Zeit vom 14. bis 15. Juni 1919 gelingt den britischen Fliegern Captain John Alcock und Lieutenant Arthur Whitten Brown der erste Nonstop-Flug über den Atlantik von West nach Ost. Ihr Flugzeug war ein zweimotoriger modifizierter Bomber Typ Vickers Vimy IV mit offenem Cockpit. Charles Lindbergh gelingt zwischen 20. und 21. Mai 1927 mit seinem Flugzeug „Ryan NYP“ Spirit of St. Louis der erste Nonstop-Alleinflug von New York nach Paris über den Atlantik. Er gewinnt damit den seit 1919 ausgelobten Orteig Prize. Allein dieser Überflug brachte der US-amerikanischen Flugzeugindustrie und den US-amerikanischen Fluggesellschaften einen deutlichen Aufschwung. Eine von Daniel Guggenheim finanzierte Reise Lindberghs durch alle US-Bundesstaaten führte im ganzen Land zum Bau von Flugplätzen. Am 12. April 1928 gelingt der Transatlantikflug von Ost (Baldonnel in Irland) nach West (Greenly Island – Neufundland) durch Hermann Köhl, James Fitzmaurice und Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld mit einer modifizierten Junkers W 33. Flugboote Ab Ende der 20er Jahre beginnt das Zeitalter der großen Flugboote, deren bekannteste Vertreter die Dornier Do X und Boeing 314 waren. Haupteinsatzbereich waren weite Transatlantik- und Pazifikflüge. Mit der Flugbootkombination Short Mayo war ab 1937 in England für Transatlantikflüge experimentiert worden. Der Sinn der Short-Mayo-Kombination war, mit einem leicht betankten Flugboot, in diesem Fall einer Short-S.21, ein schwerbeladenes Wasserflugzeug (eine Short-S.20) auf Flughöhe zu tragen und dort auszuklinken. Diese Kombination sollte das Verhältnis zwischen Leistung, Nutzlast und Treibstoff optimieren. Katapultflugzeuge Als Pionier im Katapultflugzeugbau gilt Ernst Heinkel, der 1925 eine Abflugbahn (noch kein Katapult) mit Flugzeug auf das japanische Schlachtschiff Nagato aufsetzte und erfolgreich persönlich in Dienst nahm. Auf wenigen großen Passagierschiffen wie der Bremen wurden mit dem Aufkommen der Katapulttechnik Katapultflugzeuge eingesetzt, die mittels eines Dampfkatapults gestartet wurden. Die Flugzeuge dienten meist zur schnellen Postbeförderung, wie die Heinkel HE 12 und die Junkers Ju 46. Im militärischen Bereich wurden Katapultflugzeuge hauptsächlich für die Luftaufklärung eingesetzt. Kleine Maschinen, wie die Arado Ar 196, wurden von großen Kriegsschiffen aus eingesetzt und große Katapultflugzeuge, wie die Dornier Do 26, wurden in den 1930er Jahren von der Lufthansa für den Transatlantik-Luftpostverkehr von Flugstützpunktschiffen aus eingesetzt und im Zweiten Weltkrieg als Transportflugzeuge und See-Fernaufklärer. Höhenflugzeuge Bereits ab 1937 begann die deutsche Luftwaffe mit dem Bau von Höhenflugzeugen, diese waren mit Druckkabinen ausgestattet und erreichten Höhen zwischen 12.000 und 15.000 m. Die bekanntesten Vertreter waren die Junkers EF 61, später die Henschel Hs 130 und die Junkers Ju 388. Sie dienten als Höhenaufklärer bzw. Höhenbomber, allerdings wurden sie nur in wenigen Exemplaren gebaut. Als erstes Passagierflugzeug mit einer Druckkabine erlaubte der Boeing 307 Stratoliner einen Flug über dem Wetter und damit eine wesentliche Komfortsteigerung für die Passagiere. 1939 bis 1945 Am 20. Juni 1939 startet mit der Heinkel He 176 das erste Versuchsflugzeug mit regelbarem Flüssigkeitsraketenantrieb. Dieses Flugzeug besitzt auch als erstes als Rettungsmittel eine abtrennbare Cockpitkapsel mit Bremsschirm. Der Pilot musste sich im Notfall dann allerdings von der Kapsel befreien und mit dem Fallschirm abspringen. Das Flugzeug erreichte eine maximale Geschwindigkeit von ca. 750 km/h. Die Heinkel He 178 war das erste Flugzeug der Welt, das von einem Turbinen-Luftstrahltriebwerk angetrieben wurde. Der Erstflug erfolgte am 27. August 1939. Durch die Luftschlacht um England geriet das Jagdflugzeug zunächst in den Mittelpunkt. Die beiden herausstechenden Typen dieser Zeit waren die Messerschmitt Bf 109 und die Supermarine Spitfire, die durch Verbesserungen der Aerodynamik und auch der Leistungsfähigkeit der Motoren im Laufe ihrer Entwicklung wesentlich in ihrer Leistungsfähigkeit gesteigert wurden. Die Heinkel He 280 war das erste zweistrahlige Flugzeug der Welt; es besaß zwei Turbostrahltriebwerke. Es war auch das erste Flugzeug, das mit einem Schleudersitz ausgerüstet war. Der Erstflug fand am 2. April 1941 statt. Seinen ersten Einsatz als Rettungsgerät hatte der Schleudersitz wohl am 13. Januar 1943, als sich der Pilot aus einer He 280 katapultieren musste, die wegen Vereisung flugunfähig geworden war. Die Alliierten setzten für den strategischen Luftkrieg große viermotorige Bombenflugzeuge ein. Da Angriffe wegen der deutschen Luftverteidigung oft nachts geflogen werden mussten, hielt die Avionik in den Luftkrieg Einzug. Geräte zu Positionsbestimmung, wie das GEE-Verfahren, Radar zur Navigation und zur Nachtjagd und auch Funkgeräte zogen in Einsatz ein. Der Kampf führte zu immer größeren Flughöhen und Geschwindigkeiten. Um die Bombenflugzeuge wirksam schützen zu können, wurden Jagdflugzeuge mit großer Reichweite entwickelt, etwa die North American P-51 Die Arado Ar 234B-2 von 1944 war der erste vierstrahlige Bomber mit einem Autopiloten (PDS), gefolgt. Kurz vor Kriegsende entstand der zweistrahlige Nurflügler Horten H IX. Die Außenhülle war mit einer Mischung aus Kohlenstaub und Leim beschichtet, um Radarstrahlen zu absorbieren. Mit der Messerschmitt Me 163 wurde Mitte 1944 ein Raketengleiter, ausgehend von einem Segelflugzeug, zur Einsatzreife entwickelt. Als Objektschutzjäger eingesetzt bestach das Flugzeug durch seine Steigleistung, war jedoch aufgrund der Einsatzumstände praktisch wirkungslos. Während dieser Zeit steigerte sich die Fluggeschwindigkeit bis in den transsonischen Bereich. Umfangreiche Forschungsprojekte, insbesondere auf deutscher Seite, führten zu grundlegenden Entdeckungen der in der Hochgeschwindigkeitsaerodynamik, etwa die Anwendung der Tragflächenpfeilung oder die Entdeckung der Flächenregel. Produkt dieser Bemühungen war der schwere Strahlbomber Junkers Ju 287 mit negativer Pfeilung der Tragflächen und Anwendung der Flächenregel. Die Japaner errangen mit ihrer leichten und wendigen Mitsubishi Zero Sen im Pazifik zunächst herausragende Erfolge. Erst spätere Entwicklungen der USA erlaubten es, gegen den Gegner mit Erfolgsaussicht vorzugehen. Als die Lage Ende 1944 für Japan immer aussichtsloser wurde, ersannen sie Kamikaze-Flugzeuge, deren Piloten das voll Sprengstoff gepackte Flugzeug selbstmörderisch auf alliierte Schiffe lenkten. 1945 bis heute 1947 durchbrach die Bell X-1 als erstes Flugzeug offiziell die Schallmauer, inoffiziell war das nach Berichten deutscher Kampfflieger aus Versehen bereits 1945 mit einer Messerschmitt Me 262 gelungen. Die X-1 war ein Experimentalflugzeug mit Raketenantrieb, welches von einer B-29 in ca. 10 km Höhe getragen und dort ausgeklinkt wurde, woraufhin der Raketenantrieb zündete und das Flugzeug die Schallmauer durchbrach. Mit dem Kalten Krieg und dem Koreakrieg (1950–1953) begann das Wettrüsten der Strahlflugzeuge. Am 8. November 1950 gelang der weltweit erste Sieg in einem Luftkampf zwischen Strahlflugzeugen, bei dem eine MiG-15 von einer Lockheed P-80 abgeschossen wurde. Grundsätzlich waren die P-80 und Republic F-84 den sowjetischen Jets jedoch nicht gewachsen und wurden deshalb bald von der F-86 Sabre abgelöst. Mit der Inbetriebnahme der britischen De Havilland DH.106 Comet bei der Fluggesellschaft BOAC begann 1952 das Zeitalter der Strahlturbinen auch für Verkehrsflugzeuge. Allerdings wurden die wechselnden Druck-Belastungen nicht ausreichend berücksichtigt – der Verkehr fand jetzt in größeren Höhen statt und die Lastwechsel der Druckkabine führten zu Haarrissen im Rumpf. Als 1954 zwei Maschinen dieses Typs abstürzten, musste mit großem Aufwand nach den Ursachen geforscht werden; es handelte sich um Materialermüdung. Diese Forschung kam allen Konstrukteuren zugute. Mit der Tupolew Tu-104 etablierte währenddessen die Sowjetunion ab 1956 erfolgreiche Liniendienste. Die Comet nahm mit einem weitgehend neu konstruierten Rumpf als DH.106 Comet 4B im Herbst 1958 ihren Dienst wieder auf, allerdings nur kurz vor der Boeing 707, welche eine etwas höhere Reichweite hatte und mehr als doppelt so viele Passagiere befördern konnte. Eine verbesserte Wirtschaftlichkeit brachte ab 1962 der Einsatz der leistungsstärkeren und verbrauchsärmeren Mantelstromtriebwerke (engl. Turbofan). Anfang der 1970er Jahre begann der Einsatz von Großraumpassagierflugzeugen wie zum Beispiel dem Boeing 747 „Jumbo-Jet“ und der McDonnell Douglas DC-10, später kamen Airbus-Baureihen dazu; größtes Passagierflugzeug ist heute der Airbus A380. Mit Beginn der 1950er Jahre begann die Entwicklung weitreichender strategischer Bomber, die auch Atombomben tragen konnten. Die bekanntesten Vertreter waren die Boeing B-52, Convair B-58, Mjassischtschew M-4, die Tupolew Tu-95 und die Avro Vulcan. Die B-58 war das erste Kampfflugzeug mit einem zentralen Bordrechner, der die zahlreichen Baugruppen zusammenfasste. 1955 rüstete die französische Firma Sud Aviation ihren Hubschrauber Alouette II mit einer 250-kW-Turboméca-Artouste-Wellenturbine aus und baute damit den ersten Hubschrauber mit Gasturbinenantrieb. Mit dem Hawker Siddeley Harrier begann die Serienherstellung senkrechtstartender VTOL-Flugzeuge ab 1966. Allerdings kamen fast alle anderen VTOL-Flugzeuge nicht über das Prototypenstadium hinaus. Die USA entwickeln zurzeit (2005) mit dem Lockheed Martin F-35 eine neue Generation von V/STOL-Flugzeugen. Mit dem Vietnamkrieg trafen erneut sowjetische und amerikanische Flugzeuge aufeinander. Dabei erwies sich die MIG 21 gegenüber der amerikanischen McDonnell F-4 Phantom II in vielen Fällen als überlegen. Die Boeing B-52 wurde zu großflächigen Bombardements eingesetzt. Der umfangreiche Einsatz von Hubschraubern, wie der CH-47 Chinook und Bell UH-1, wurde immer wichtiger. Mit dem Jungfernflug der Tupolew Tu-144 am 31. Dezember 1968 und der Concorde am 2. März 1969 begann die Episode des Überschall-Passagierluftverkehrs. Die Amerikaner hatten bei konventionellen zivilen, mit Turbinenstrahltriebwerken angetriebenen Passagierflugzeugen eine Monopolstellung erreicht. Diese wollten Engländer und Franzosen durch den Bau der Concorde durchbrechen. Der gestiegene Ölpreis (er vervielfachte sich während der Ölkrisen 1973 und 1979/80) machte die Concorde unwirtschaftlich. Der enorme Kraftstoffverbrauch galt als ökologisch bedenklich. British Airways und Air France – damals beide staatliche Fluggesellschaften – wurden von ihren Regierungen zum Kauf der Concorde genötigt. Der letzte Flug einer Concorde fand am 26. November 2003 statt. Die Lockheed F-117A Nighthawk der United States Air Force war das weltweit erste einsatzbereite Flugzeug, das sich die Tarnkappentechnik konsequent zunutze machte. Die erste F-117A wurde 1982 ausgeliefert. Während des Baus der F-117 wurde sie von den amerikanischen Ingenieuren als „hoffnungsloser“ Fall bezeichnet, da sie vermuteten, dass das Flugzeug aufgrund seiner Form nie in der Lage sein würde zu fliegen. Bevor sie einen offiziellen Namen bekamen, nannten die Ingenieure und Testpiloten die unkonventionellen Flugzeuge, die während des Tages versteckt wurden, um Entdeckung durch sowjetische Satelliten zu verhindern, „Cockroaches“ (Kakerlaken). Diese Bezeichnung wird noch immer häufig benutzt, weil diese Flugzeuge nach Meinung vieler zu den hässlichsten gehören, die bislang gebaut wurden. Das Flugzeug wird auch „Wobblin Goblin“ genannt, speziell wegen ihrer unruhigen Flugeigenschaften bei Luftbetankungen. Es lässt sich auf Grund seiner instabilen aerodynamischen Eigenschaften nur mit Computerunterstützung fliegen. Mit dem Raketenflugzeug SpaceShipOne gelang am 21. Juni 2004 der erste privat finanzierte suborbitale Raumflug über 100 km Höhe. Die Maschine wurde von der Firma Scaled Composites im Rahmen des Projekts Tier One entwickelt, um den Wettbewerb Ansari X-Prize der X-Prize Foundation für sich entscheiden zu können. Dieser stellte zehn Millionen Dollar für denjenigen in Aussicht, der als Erster mit einem Fluggerät neben dem Piloten zwei Personen oder entsprechenden Ballast in eine Höhe von mehr als 100 Kilometer befördert und dies mit demselben Fluggerät innerhalb von 14 Tagen wiederholt. Laufende Forschung und Zukunft Um der Thematik der notwendigen Treibstoffeinsparung zu begegnen, wird häufig der mögliche Einsatz von Nurflüglern diskutiert. Damit soll auch die Lärmbelastung gesenkt werden. Ein realistischer Forschungsschwerpunkt ist der erweiterte Einsatz von Leichtbauwerkstoffen wie CFK und bedingt GLARE. Auch werden neue Triebwerke mit Wärmerückgewinnung über Wärmeübertrager entwickelt. Die Nutzung aerodynamischer Erkenntnisse bei z. B. den Winglets oder den Gurney Flaps werden untersucht. Im militärischen Bereich setzen sich immer mehr die Drohnen durch und mit der Boeing AL-1 werden ganz neue Waffensysteme auf Laser-Basis erprobt. Rekorde Fluggeschwindigkeit Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die von Flugzeugen erreichten Geschwindigkeitsrekorde: Größe Als größtes Flugzeug überhaupt gilt das Frachtflugzeug Antonow An-225 „Mrija“, von dem nur ein einziges Exemplar fertiggestellt und am 27. Februar 2022 zerstört wurde. Es übertraf alle anderen Flugzeuge an Länge, Startgewicht und Gesamtschub. Der Airbus A380 ist nach Kapazität, Spannweite, Höhe und Startgewicht das größte Passagierflugzeug der Welt, aber nicht das längste – das ist die Boeing 747-8 mit 76,30 m. Die größte Spannweite aller Flugzeuge hat das für Raketenstarts vorgesehene Scaled Composites Stratolaunch. Das leistungsfähigste Einzeltriebwerk besitzt die zweistrahlige Boeing 777-300 mit 512 kN Schub. Die größte Reichweite ist nur schwer festlegbar, da diese bei jedem Flugzeug durch Einbau zusätzlicher Tanks (im Extremfall bis zum maximalen Startgewicht) erhöht werden kann; die größte Reichweite in Serienversion bietet die Boeing 777-200LR mit 17.446 km. Die größte jemals ohne Nachtanken erzielte Reichweite erreichte die Voyager mit 42.212 km. Siehe auch Liste von Flugzeugtypen Literatur Ludwig Bölkow (Hrsg.): Ein Jahrhundert Flugzeuge. Geschichte und Technik des Fliegens. VDI, Düsseldorf 1990, ISBN 3-18-400816-9. R. G. Grant: Fliegen. Die Geschichte der Luftfahrt. Dorling Kindersley, Starnberg 2003, ISBN 3-8310-0474-9. Ernst Götsch: Einführung in die Flugzeugtechnik. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1971, ISBN 3-87234-041-7. Ernst Götsch: Luftfahrzeugtechnik. Einführung, Grundlagen, Luftfahrzeugkunde. Motorbuchverlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-02006-8. Oskar Höfling: Physik, Band II, Teil 1, Mechanik – Wärme, 15. Auflage. Dümmlers, Bonn 1994, ISBN 3-427-41145-1. Knaurs Lexikon der Naturwissenschaften. Droemersche Verlagsanstalt, Th. Knaur Nachf., München und Zürich 1969. Wie funktioniert das? Meyers erklärte Technik, Band 1. Bibliographisches Institut, Mannheim und Zürich 1963. Weblinks Airplanes.se Physikalische Grundlagen dargestellt vom Deutschen Aero Club Einzelnachweise Luftfahrzeug
Q197
716.007089
7281
https://de.wikipedia.org/wiki/1390
1390
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Heiliges Römisches Reich 16. Februar: Nach dem kinderlosen Tod Ruprechts I. ist mit seinem Neffen Ruprecht II. wieder die gesamte Kurpfalz in einer Hand vereinigt. Graf Philipp I. von Nassau-Weilburg und Saarbrücken errichtet die Burg Philippstein. Sie dient in erster Linie der Absicherung seines Territoriums und der Bergbauminen. Frankfurt-Sachsenhausen wird mit einer Stadtmauer umgeben, zu der unter anderem das Affentor und der Kuhhirtenturm gehören. Weitere Ereignisse in Europa 19. April: Robert II., erster schottischer König aus dem Hause Stewart, stirbt in Dundonald Castle, Ayrshire. Sein ältester überlebender Sohn legt seinen Geburtsnamen John ab, und wird im August in Scone als Robert III. gekrönt. Da er jedoch seit 1387 durch den Tritt eines Pferdes teilweise gelähmt ist, liegt die eigentliche Macht in der Hand seines Bruders Robert Stewart, 1. Duke of Albany, des Great Chamberlain von Schottland. 9. Oktober: Nach dem Tod von Johann I. besteigt sein elfjähriger Sohn Heinrich III., bislang erster Fürst von Asturien, den Thron von Kastilien und León. Kleinasien und Kreuzfahrerstaaten 20. März: Manuel III. wird nach dem Tod seines Vaters Alexios III. Kaiser und Großkomnene von Trapezunt. Philadelphia im Mäandertal (heute Alaşehir), die letzte byzantinische Stadt in Kleinasien, eine isolierte griechische Enklave, wird von den Osmanen erobert. Byzanz muss den osmanischen Türken zur Eroberung Hilfstruppen zur Verfügung stellen. Johann I. von Aragón übergibt die Stadt Neopatros an Nerio I. Acciaiuoli, den Herzog von Athen. Das Herzogtum Neopatria hört damit faktisch zu existieren auf. Nordafrika Anfang Juli: Eine französisch-genuesische Flotte bestehend aus rund 100 Galeeren sticht unter dem Oberbefehl von Louis II. de Bourbon in See. Das Ziel des Unternehmens, das sowohl vom römischen Papst Bonifatius IX. als auch vom avignonesische Gegenpapst Clemens VII. als Kreuzzug deklariert wird, ist die Hafenstadt Mahdia im Reich der Hafsiden im nordafrikanischen Ifrīqiya, die seit längerem als Stützpunkt für muslimische Piratenfahrten und den damit einhergehenden Menschenhandel fungiert. Nach der Ankunft Ende Juli beginnt die Belagerung der Stadt. Als ein sarazenisches Entsatzheer aufmarschiert, entwickelt sich allerdings ein zermürbender Stellungskrieg. Im Kreuzfahrerlager brechen Seuchen aus, und die Moral sinkt auf einen Tiefpunkt. Mitte September: Der Kreuzzug gegen Mahdia endet mit einem auf zehn Jahre geschlossenen Waffenstillstand, die Stadt Mahdia soll für fünfzehn Jahre ihre Steuern statt an den hafsidischen Kalifen in Tunis an Genua abführen. Die Kreuzritter verlassen Ende September Nordafrika. Auf dem Rückweg werden einige Häfen auf Sardinien angegriffen, die als Nachschubbasis für die Piraten gedient haben, dabei wird unter anderem Cagliari für Genua erobert. Barquq besiegt as-Salih Haddschi II. endgültig und macht sich damit zum zweiten Mal zum Sultan der Mamluken in Ägypten. Urkundliche Ersterwähnungen Die Fichtenmühle bei Heideck sowie die Steffelmühle und die Trebitzmühle bei Altenkunstadt werden erstmals urkundlich erwähnt. Die Orte Autengrün, Berzovia, Feilitzsch, Feuerthalen, Greppin, Labenz, Moosmühle, Neidingen, Schimmendorf, Schirnewitz, Skeliwka, Straach, Temnitztal, Thalkleinich, Vărădia, Vierschau und Wuschan werden erstmals urkundlich erwähnt. Wissenschaft und Technik Die Halepaghen-Schule Buxtehude wird als Lateinschule erstmals urkundlich erwähnt. Kultur Architektur Die Stadt Bologna beauftragt den Architekten Antonio di Vincenzo mit dem Bau der Basilika San Petronio auf der Piazza Maggiore. Literatur Das isländische Flateyjarbók, die umfangreichste Handschriftensammlung der isländischen Frühzeit, wird fertiggestellt. Es wird vermutet, dass sie ursprünglich als Geschenk für König Olaf Hákonarson bestimmt war. 1390/1391: Das irische Book of Ballymote, eine mittelalterliche Zusammenstellung historischer, hagiografischer und anderer literarischer Texte, wird verfasst. Religion Das Kloster El Paular der Kartäuser wird auf Anweisung von Heinrich III. von Kastilien an der Stelle einer alten Kapelle errichtet. Kiprian wird Metropolit von Kiew, der ganzen Rus und Litauen. Geboren Geburtsdatum gesichert 23. Juni: Johannes von Krakau, Priester der Diözese Krakau und Theologieprofessor an der dortigen Jagiellonen-Universität († 1473) 24. August: Otto I., Pfalzgraf von Mosbach († 1461) 3. Oktober: Humphrey, Duke of Gloucester, englischer Hochadliger und Regent von England († 1447) 27. Dezember: Anne de Mortimer, englische Adelige († 1411) Genaues Geburtsdatum unbekannt November: Elisabeth von Görlitz, Herzogin von Luxemburg, Herzogin von Brabant und Limburg sowie Herzogin von Bayern-Straubing und Gräfin von Holland, Seeland und Hennegau († 1451) Francesco Barbaro, venezianischer Humanist und Diplomat († 1454) Dietrich, Graf von Oldenburg († 1440) Dietrich Schenk von Erbach, Erzbischof von Mainz († 1459) Archibald Douglas, schottischer Adeliger, Guardian of Scotland sowie Herzog von Touraine († 1439) Matthäus Ensinger, Baumeister der süddeutschen Gotik († 1463) Georg I. von Schaumberg, Fürstbischof des Hochstiftes Bamberg († 1475) Ranuccio Farnese il Vecchio, italienischer Condottiere, Herr von Montalto, Latera, Farnese, Ischia, Valentano und Cellere, Senator in Rom und Graf von Piansano († 1460) Israel Isserlein, deutscher Rabbiner († 1460) Johann I. von Glymes, niederländischer Edelmann († 1427) Ludwig, Fürst von Orange, Herr von Orbe, Echelens, Grandson etc. († 1463) Magnus von Sachsen-Lauenburg, Bischof von Cammin und Hildesheim († 1452) Moctezuma I., Herrscher über die aztekischeStadt Tenochtitlán († 1469) Cristoforo Moro, Doge von Venedig († 1471) Peter I., Graf von Brienne und Conversano sowie Graf von Saint-Pol († 1433) André de Toulongeon, Großstallmeister von Frankreich († 1432) Giovanni Vitelleschi, italienischer Condottiere und Kardinal († 1440) Johannes Walling, deutscher römisch-katholischer Geistlicher an der römischen Kurie und Dompropst in Lübeck († 1458) Geboren um 1390 Barbara von Cilli, Statthalterin in Ungarn sowie römisch-deutsche, ungarische und böhmische Königin († 1451) Jan van Eyck, flämischer Maler († 1441) Lukas Moser, deutscher Maler Ralph Pudsey, englischer Ritter († 1468) Gestorben Todesdatum gesichert 26. Januar: Adolf VII. der Milde, Graf von Holstein-Kiel und Graf von Holstein-Plön (* um 1327) 6. Februar: Adolf von Nassau-Wiesbaden-Idstein, Bischof von Speyer und Erzbischof von Mainz (* 1353) 16. Februar: Ruprecht I., Pfalzgraf und Kurfürst von der Pfalz, Gründer der Universität Heidelberg (* 1309) 4. März: Ulrich I. von Rosenberg, böhmischer Adeliger 20. März: Alexios III., Kaiser und Großkomnene von Trapezunt (* 1338) 27. März: Hedwig von Sagan, Königin von Polen und Herzogin von Liegnitz (* 1340/1350) 13. April: Konrad von Gelnhausen, katholischer Priester, Theologe und Universitätsprofessor (* um 1320/25) 17. April: Guy Brian, englischer Adeliger, Militär und Diplomat (* um 1309) 19. April: Robert II., König von Schottland (* 1316) 26. Mai: Ferry Cassinel, Erzbischof von Reims 8. Juli: Albert von Rickmersdorf, deutscher Mathematiker und Logiker und Bischof von Halberstadt (* um 1316) 10. Juli: Tommaso Orsini, italienischer Kardinal der Römischen Kirche 14. August: John Arundel, englischer Adliger (* um 1364) 20. August: Konrad Zöllner von Rotenstein, Hochmeister des Deutschen Ordens (* um 1325) 24. August: Reinhard von Sayn, Bischof von Kulm 4. September: Ruprecht VII., Graf von Nassau 23. September: Johann I., Herzog von Lothringen (* 1346) 9. Oktober: Johann I., König von Kastilien und León (* 1358) Genaues Todesdatum unbekannt Hafis, persischer Dichter, (* um 1315) Hartlevus de Marca, erster Rektor der Universität zu Kölln (* um 1360) Ulrich Kyser, Spitalmeister des Kreuzherrenklosters in Memmingen Nikolaus von Rakonitz, böhmischer Theologe und Rektor der Prager Karlsuniversität (* um 1350) Potho von Pothenstein, Bischof von Münster und Schwerin As-Salih Haddschi II., Sultan der Mamluken in Ägypten Giusto de’ Menabuoi, italienischer Maler Sikander Shah, Sultan von Bengalen (* um 1335) at-Taftāzānī, islamischer Theologe, Logiker, Rechtsgelehrter und Koranexeget (* 1322) Tile Wardenberg, Bürgermeister von Cölln (hingerichtet) Wartislaw V., Herzog von Pommern (* 1326) Weblinks
Q6375
86.679071
92261
https://de.wikipedia.org/wiki/County
County
County [] ist die englische Bezeichnung für Grafschaft. Vielfach wird die historische Bezeichnung jedoch auch für politische Verwaltungseinheiten bzw. Landkreise verwendet, denen keine Adelspersonen vorstehen. Siehe hierzu: County (Irland) County (Kanada) County (Liberia) County (Vereinigte Staaten) Grafschaft (Vereinigtes Königreich) Grafschaft (England) Grafschaft (Schottland) Grafschaft (Wales) Verwaltungsgliederung Jamaikas County (Kenia): Kenia#Territoriale_Gliederung Auch in Australien gibt es Countys, die aber keinen Verwaltungszweck haben, sondern reine Katastereinheiten sind. Etymologie und Schreibung County stand ursprünglich für das Gebiet, das der Rechtsprechung eines Count bzw. eines Earl unterstand. Beide Adelstitel werden im Deutschen üblicherweise mit Graf übersetzt, wobei Earl die Bezeichnung für einen englischen und Count die für einen nicht-englischen Grafen ist. Hergeleitet ist dies wiederum vom franz. „Comte“, einem französischen Amtstitel. Siehe auch dort → Comte. Auch deutschsprachige Wörterbücher verzeichnen das Wort. Der Duden empfiehlt die Pluralbildung Countys (im Gegensatz zu engl. counties) und als Genus das oder die. Die Genitivform des Nomens im Neutrum lautet des Countys. Einzelnachweise Weblinks Englische Sprache Verwaltungseinheit
Q28575
766.507556
21012
https://de.wikipedia.org/wiki/Raute
Raute
Eine Raute oder ein Rhombus (von ) ist in der Geometrie ein ebenes Viereck mit vier gleich langen Seiten. Gegenüberliegende Seiten sind parallel und gegenüberliegende Winkel gleich groß. Etymologie Das Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache sieht eine Verwendung des geometrischen Begriffs „Raute“ (mittelhochdeutsch rūte von althochdeutsch rūta, entlehnt von lateinisch ruta) seit dem 14. Jahrhundert und nennt die Entstehung „dunkel“. Den Auflagen von 1934 bis 1975 zufolge ergebe sich ein Rhombus, wenn die Spitzen der vier Kronblätter der Rautenblüte durch Geraden verbunden würden. Die Erstverwendung in der Geometrie sei für 1539 bezeugt. Spätere Auflagen enthalten diese Erklärung nicht mehr und führen nur eine fachsprachlich gleichbedeutende spätmittelhochdeutsche Form rūta an. Botanische etymologische Lexika weisen darauf hin, dass die Weinraute keine rhombische Laubblattspreite habe. Dem Etymologischen Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer zufolge entstand der Begriff durch die „zuerst in der Heraldik auftretende geometrische Figur in der stilisierten vierteiligen Blütenform der Pflanze“ als Entlehnung aus lateinisch rūta, griechisch rhȳtḗ (ῥυτή) („Bitterkraut“). Bezeichnungen, Darstellungen und Verwendung als Zeichen Neben „Raute“ werden die Ausdrücke „Rhombus“ (Plural: Rhomben) und „Karo“ verwendet. Beispielsweise heißt ein Webmuster bei Textilien: „Karomuster“. Ein Quadrat, das auf der Spitze steht, wird manchmal ebenfalls verallgemeinernd als Raute bezeichnet. Rautenformen als Schriftzeichen finden sich in Unicode im Block Geometrische Formen, beispielsweise ◆ (U+25C6 „vollflächiges Karo“), ◇ (U+25C7 „hohles Karo“) und ◊ (U+25CA „Spitzraute“). In der Heraldik heißen rautenförmige Elemente auch Wecke und Spindel, das auf die Spitze gestellte Quadrat auch Kantenwürfel. Symbole in Rautenform oder mit rautenförmigen Bestandteilen kommen in vielen Verwendungen wie z. B. als Logo von Sportvereinen und Firmen vor. Eigenschaften Eine Raute ist ein ebenes Viereck mit vier gleich langen Seiten. Alternativ lässt sich die Raute als Parallelogramm definieren, dessen Diagonalen einander rechtwinklig schneiden (siehe orthodiagonales Viereck). Für jede Raute gilt: Gegenüberliegende Seiten sind parallel. Gegenüberliegende Innenwinkel sind gleich groß, benachbarte Innenwinkel supplementär, d. h., ihre Summe ist 180°. Die Innenwinkel werden durch eine Diagonale halbiert. Die beiden Diagonalen stehen senkrecht aufeinander und halbieren einander. Sie besitzt einen Inkreis und ist daher ein Tangentenviereck. Inkreismittelpunkt ist der Schnittpunkt der Diagonalen. Die Diagonalen sind Symmetrieachsen. Die beiden Symmetrieachsen stehen also senkrecht aufeinander. Sie ist punktsymmetrisch (zweizählig symmetrisch) bezüglich des Schnittpunkts der Diagonalen. Die Symmetriegruppe ist die Kleinsche Vierergruppe. Die Raute kann charakterisiert werden als Parallelogramm mit zwei benachbarten gleich langen Seiten Parallelogramm mit orthogonalen Diagonalen Parallelogramm mit einer Diagonalen, die einen Innenwinkel halbiert Drachenviereck mit paarweise parallelen Seiten Viereck mit orthogonalen Diagonalen, die einander halbieren Viereck mit genau 2 Symmetrieachsen, von denen jede durch zwei gegenüberliegende Eckpunkte verläuft Viereck, dessen zwei Diagonalen jeweils zwei gegenüberliegende Innenwinkel halbieren Um eine Raute zu konstruieren, sind zwei Bestimmungsstücke, z. B. die Seitenlänge und ein Winkel, notwendig. Formeln Optimierungsprobleme und das Quadrat Es gibt verschiedene Optimierungsprobleme für Rauten. Sucht man eine Raute, die bei gegebener Länge der Höhe oder gegebenem Flächeninhalt des Inkreises den minimalen Umfang gegebener Länge der Höhe oder gegebenem Flächeninhalt des Inkreises den minimalen Flächeninhalt gegebenem Umfang die maximale Höhe oder den maximalen Flächeninhalt des Inkreises gegebenem Umfang den maximalen Flächeninhalt gegebenem Flächeninhalt die maximale Höhe oder den maximalen Flächeninhalt des Inkreises gegebenem Flächeninhalt den minimalen Umfang hat, dann ergibt sich als Lösung jeweils das Quadrat. Jeweils zwei der sechs Optimierungsprobleme sind im Prinzip dieselbe Fragestellung mit anderen gegebenen Größen, sodass es eigentlich nur drei verschiedene Optimierungsprobleme sind. Für die genannten Optimierungsprobleme ist das Quadrat die gesuchte Raute. Das gilt selbstverständlich nicht für alle Optimierungsprobleme. Dass die Optimierungsprobleme für die Höhe und den Flächeninhalt des Inkreises jeweils dieselbe Lösung haben, ist offensichtlich, weil der Flächeninhalt des Inkreises eine stetige und streng monoton steigende Funktion mit der Funktionsvariablen ist. Ist zum Beispiel bei gegebener Höhe die Raute mit dem kleinsten Flächeninhalt gesucht, dann kann man den Flächeninhalt mit Ungleichungen abschätzen. Eine Raute mit den Diagonalenlängen und hat die Höhe und den Flächeninhalt . Das Quadrat mit der Seitenlänge hat dieselbe Höhe und den Flächeninhalt . Wegen der Ungleichung vom arithmetischen und geometrischen Mittel gilt für alle positiven Diagonalenlängen und und Gleichheit genau dann, wenn ist. Daraus folgt, dass (zu jeder Höhe ) das Quadrat die Raute mit dem kleinsten Flächeninhalt ist. Kombinationen mehrerer Rauten Zum Stern („Rautenstern“) schließen sich nur Rauten, deren Zentriwinkel (also der Winkel in der Spitze, in der man sie aneinanderlegt) gleich mit einer natürlichen Zahl ist. Sie bilden dann einen -zackigen Stern. Das gilt nicht für den dreidimensionalen Fall, hierbei lassen sich auch anderswinklige Rauten in ihrer Spitze aneinanderfügen und ergeben dann pyramidenförmige Spitzen. Parkettierungen mit Rauten Durch seine Definition eignet sich jede Raute für eine flächendeckende Parkettierung, aber nur in zwei Hauptrichtungen (siehe platonische Parkettierung). Hier bildet die Rautenparkettierung (mit ihrer Sonderform, dem Quadratgitter, also einem orthogonalen Raster) eine der 17 möglichen Symmetriegruppen der Parkettierungen. Eine solche Kachelung (flächenfüllende, schiefwinklig-platonische Kachelung) findet sich auf der Staatsflagge Bayerns (Rautenflagge), heraldische Fachsprache: schräg gerautet. Eine Besonderheit ist die aperiodische (quasikristalline) Penrose-Parkettierung zweier Rauten mit Innenwinkeln von 36° und 144° bzw. 72° und 108°. Polyeder mit Rauten Einige Polyeder haben Rauten als Seitenflächen, zum Beispiel die Rhomboeder. Die Oberfläche von Rhombendodekaeder und Rhombentriakontaeder, zweier catalanischer Körper, besteht aus kongruenten Rauten. Rhomboeder, Rhombendodekaeder und Rhombentriakontaeder sind Polyeder, die ausschließlich von Rauten begrenzt sind. Die genannten Polyeder sind drehsymmetrisch, d. h., sie können durch Drehung um bestimmte Rotationsachsen auf sich selbst abgebildet werden. Rauten in Architektur, Kunst und Design Die Rhombusleiste wird zur Verkleidung von Fassaden oder für Sichtschutzwände eingesetzt. Der Querschnitt bildet jedoch üblicherweise keine Raute, sondern ein Parallelogramm. Weblinks Weiterführende Informationen, Berechnungsbeispiele und Abbildungen Einzelnachweise Viereck Vierecksgeometrie
Q41159
218.969319
3705
https://de.wikipedia.org/wiki/Ohm
Ohm
Das Ohm ist die SI-Einheit des elektrischen Widerstands mit dem Einheitenzeichen (großes griechisches Omega). Sie ist nach dem deutschen Physiker Georg Simon Ohm benannt. Der Kehrwert des elektrischen Widerstandes, also der elektrische Leitwert, hat die Einheit Siemens. Definition Das Ohm ist der Widerstand, der zwischen zwei Punkten eines elektrischen Leiters besteht, wenn eine konstante Potentialdifferenz (elektrische Spannung) von 1 Volt in dem Leiter einen Strom von 1 Ampere erzeugt: Seit der Revision des SI von 2019 ist das Ohm dadurch definiert, dass zwei Naturkonstanten feste Werte zugewiesen wurden: der Elementarladung e und der Planck-Konstante h. Das Verhältnis RK = h/e2 wird Von-Klitzing-Konstante genannt und ist definitionsgemäß Die Von-Klitzing-Konstante RK spielt eine zentrale Rolle beim Quanten-Hall-Effekt und lässt sich mit großer Präzision reproduzieren. Für Präzisionsmessungen wird daher heute das Ohm über Quanten-Hall-Widerstände realisiert. Geschichte Das Ohm als „praktische“ CGS-Einheit Für den elektrischen Widerstand gab es ursprünglich viele unterschiedliche Maße. Werner Siemens beschrieb 1860 ein Widerstandsnormal, das aus einer Quecksilbersäule von 1 m Länge und 1 mm2 Querschnitt bei einer Temperatur vom 0 °C bestand. Der Widerstand dieses Normals wurde als „Siemens-Einheit“ (SE) bezeichnet und entsprach ungefähr 0,94 Ω. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden mehrere Systeme elektromagnetischer Maßeinheiten entwickelt, denen die Basisgrößen Länge (Zenti- oder Millimeter), Masse (Gramm oder Milligramm) und Zeit (Sekunde) zugrunde lagen. Eine Variante, das elektromagnetische CGS-Einheitensystem, definiert die elektrischen Einheiten über die Kraftwirkung von elektrischen Strömen (ampèresches Gesetz). Die kohärente Einheit für den elektrischen Widerstand ist in diesem System cm/s (später in Anlehnung an das Ohm auch „Abohm“ genannt). Da 1 cm/s ein sehr kleiner Wert ist, definierte die British Association for the Advancement of Science (BAAS) 1874 eine „praktische“ Einheit namens „Ohm“, die mit der Definition von der Größenordnung der Siemens-Einheit war. Zuvor hatten im Jahr 1861 die beiden englischen Elektro-Ingenieure Josiah Latimer Clark und Charles Tilston Bright vorgeschlagen, die Einheit des elektrischen Widerstands mit Volt (nach dem italienischen Physiker Alessandro Volta) und die Einheit der elektrischen Spannung mit Ohma zu benennen. Auf dem ersten Internationalen Elektrizitätskongress wurde am 21. September 1881 die Definition der BAAS international übernommen. Zur Realisierung des Ohm wurde ein genau spezifiziertes Quecksilbernormal eingeführt. Das „internationale“ Ohm Auf dem Vierten Internationalen Elektrizitätskongress, abgehalten 1893 in Chicago, wurde diese Realisierungsvorschrift modifiziert und fand für das Deutsche Reich Eingang in das „Gesetz betreffend die elektrischen Maßeinheiten“ vom 1. Juni 1898. In der Formulierung der Internationalen Konferenz für elektrische Einheiten und Normale in London 1908 enthält sie folgende Festlegungen: 14,4521 g Quecksilber, Quecksilbersäule von 106,300 cm Länge mit durchweg gleichem Querschnitt, konstanter Strom, Temperatur des schmelzenden Eises. Das so definierte Ohm wurde „internationales Ohm“ genannt. Die ursprünglich nur als Realisierungsvorschriften gedachten Definitionen der „internationalen“ elektrischen Einheiten – auch für Ampere und Volt gab es solche – wurden dadurch eigenständige Einheiten, unabhängig von den CGS-Einheiten. Zur Abgrenzung wurde das über das ampèresche Gesetz definierte CGS-Ohm „absolutes Ohm“ genannt. Das „absolute“ Ohm als SI-Einheit Durch verbesserte Messmöglichkeiten und Spannungsquellen mit konstanteren, aber geringfügig anderen Spannungswerten (Normalelemente) ergaben sich im Laufe der Folgezeit nicht mehr akzeptable Abweichungen zwischen den absoluten und den internationalen elektrischen Einheiten. Aus diesem Grund beschloss die 8. Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) im Jahr 1933, dass diese Abweichungen präzise vermessen werden sollten mit dem Ziel, zukünftig nur noch die absoluten Einheiten zu verwenden. Der bereits 1913 diskutierte Gegenvorschlag, ein MKSΩ-System einzuführen mit dem internationalen Ohm als vierter Basiseinheit, wurde 1946 endgültig verworfen, weil dann die Gleichsetzung der mechanischen und der elektrischen Energieeinheit (1 Nm = 1 VAs) zu neuen Werten von Volt und Ampere geführt hätte, die weder mit den absoluten noch mit den internationalen identisch gewesen wären. Nach kriegsbedingter Verzögerung führte 1946 das Internationale Komitee für Maß und Gewicht (CIPM), ratifiziert 1948 von der 9. CGPM, wieder das absolute Ohm als alleinige Einheit ein. Präzisionsbestimmungen verschiedener nationaler Institute ergaben: 1 Ωint =  Ωabs. Das Ohm war nun Teil des MKSA-Systems (mit dem Ampere als vierter Basiseinheit), welches wiederum zum Internationalen Einheitensystem (SI) weiterentwickelt wurde. Das Ampere war über das ampèresche Gesetz definiert und das Ohm wurde vom Ampere abgeleitet, sodass die Definition des Ohms von 1881 unverändert beibehalten wurde. Nur der Wortlaut der Definition und die Beschreibung durch Basiseinheiten hatten sich geändert. Das „konventionelle“ Ohm-90 Im Jahr 1980 wurde der Quanten-Hall-Effekt entdeckt: Bei starken Magnetfeldern und sehr tiefen Temperaturen zeigt sich, dass der Quotient aus Hall-Spannung und Strom nicht kontinuierlich beliebige Werte annehmen kann, wenn die Stärke des Magnetfelds variiert wird. Der Quotient ist immer ein ganzzahliger Bruchteil der Von-Klitzing-Konstante RK = h/e2. Da diese Konstante fundamental und zeitlich absolut stabil ist und mit großer Genauigkeit reproduziert werden kann, wurde 1990 der bestbekannte Wert von RK, bezeichnet als = 25812,807 Ω, durch internationale Vereinbarungen als Standard für die Realisierung des elektrischen Widerstandes festgelegt. Damit wurde de facto eine neue Maßeinheit geschaffen, das „konventionelle“ Ohm Ω90, das (wie früher das „internationale“ Ohm) parallel zum SI-Ohm existierte. Das Ohm seit der SI-Reform Mit der Revision des SI von 2019 wurde das Konzept der Basiseinheiten abgeschafft. Das Ohm ist seitdem direkt durch die Konstanten e und h definiert und der Wert von RK per Definition exakt festgelegt. Die konventionelle Festlegung von und das Ω90 sind obsolet. Das SI-Ohm weicht vom Ω90 um ab. Symbol Das Einheitenzeichen ist der griechische Großbuchstabe Omega (Ω). Neben dem SI-Präfix μ (Mikro-) ist es der einzige griechische Buchstabe, der für SI-Einheiten verwendet wird. Wenn das Zeichen nicht verfügbar ist, soll laut DIN-Norm 66 030 ersatzweise „Ohm“ geschrieben werden. In Computersystemen wird das Ω wie folgt kodiert: Unicode enthält zusätzlich ein Zeichen namens (U+2126). Dieses wurde jedoch lediglich zur Kompatibilität mit älteren Zeichenkodierungsstandards aufgenommen. Es ist kanonisch äquivalent zum Omega und soll in neu erstellten Texten nicht verwendet werden. Weblinks Einzelnachweise Elektromagnetische Einheit Georg Simon Ohm
Q47083
511.144634
965863
https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Flibellen
Großlibellen
Die Großlibellen (Anisoptera) sind eine Unterordnung der Libellen und umfassen weltweit etwa 2800 Arten, die in elf Familien untergliedert werden. In Deutschland sind 51 Arten der Großlibellen verbreitet. Merkmale Die Großlibellen sind meist größer und kräftiger gebaut als die Kleinlibellen. Sie besitzen wesentlich größere Facettenaugen, die bei vielen Arten in der Kopfmitte zusammenstoßen, immer aber weniger als eine Augenbreite voneinander getrennt sind. Die Hinterflügel sind meist etwas breiter als die Vorderflügel ausgebildet. Bei vielen Arten sind die Flügel teilweise bunt getönt oder dunkel gefleckt. Die Flügeladerung ist sehr reichhaltig ausgebildet. Ein auffälliges Merkmal bei allen Großlibellen ist das Flügeldreieck nahe der Basis von Vorder- und Hinterflügel, dessen Gestalt eine Rolle bei der Unterscheidung der Familien spielt. Großlibellen sind oft sehr geschickte und ausdauernde Flieger. Sie können beide Flügelpaare unabhängig voneinander bewegen, sehr schnelle Wendungen ausführen, teilweise sogar rückwärts fliegen. Es gibt unter den Großlibellen auch Wanderarten, die regelmäßig sehr große Strecken überwinden. In Ruhestellung werden die Flügel seitlich vom Körper abgespreizt. Auch Großlibellen können ihre Flügel, ähnlich wie bei den Kleinlibellen üblich, über dem Rücken zusammenklappen. Dies tun die Tiere allerdings nur im Ausnahmefall, zum Beispiel bei ungünstiger Witterung, wie starkem Wind oder Regen. Die Großlibellen haben ebenso wie die Kleinlibellen und die Eintagsfliegen keinen Mechanismus, ihre Flügel parallel zum Rücken zu falten. Dies können lediglich die Neuflügler. Die Larven der Großlibellen leben räuberisch im Wasser. Sie unterscheiden sich von den Larven der Kleinlibellen durch das Fehlen der blattförmigen Hinterleibsanhänge. Stattdessen besitzen sie am Hinterleibsende eine Analpyramide aus fünf kräftigen Stacheln, die sie unter anderem zur Verteidigung einsetzen können. Die Larven haben Kiemen und können sich durch Ausstoßen von Wasser aus der Kiemenkammer fortbewegen. Während die erwachsene Form nur einige Wochen lebt, kann das Larvenstadium sogar mehrere Jahre dauern. Systematik Weltweit werden die Großlibellen in folgende Überfamilien und Familien unterteilt: Gomphoidea Flussjungfern (Gomphidae) Aeshnoidea Edellibellen (Aeshnidae) Austropetaliidae Petaluroidea Petaluridae Cordulegastroidea Quelljungfern (Cordulegastridae) Neopetaliidae Chlorogomphidae Libelluloidea Falkenlibellen (Corduliidae) Macromiidae Segellibellen (Libellulidae) Synthemistidae Großlibellen in Kunst und Kultur Großlibellen sind Namensgeber und Maskottchen des 2003 gegründeten freien Unix-Derivats DragonFly BSD. Literatur Weblinks Einzelnachweise Wikipedia:Artikel mit Video
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https://de.wikipedia.org/wiki/Aktiengesellschaft
Aktiengesellschaft
Eine Aktiengesellschaft (Abkürzung der deutschen, österreichischen, liechtensteinischen, schweizerischen und belgischen Rechtsform: AG, in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz SA, für Société Anonyme; Abkürzungen weiterer Länder siehe unten) ist eine privatrechtliche Vereinigung und wird durch das Aktienrecht geregelt. Dabei handelt es sich um eine Kapitalgesellschaft, deren Grundkapital in Aktien zerlegt ist. Definition Die Aktiengesellschaft ist eine Gesellschaftsform, die in der Regel den Betrieb eines Unternehmens zum Gegenstand hat. Sie gilt als typische Unternehmensform von Wirtschaftsunternehmen mit großem Kapitalbedarf. Bei der Aktiengesellschaft stellt sich die kapitalgesellschaftliche Konzeption, die auf Vermögensvereinigung und Vermögensmehrung gerichtete Zielsetzung, am deutlichsten dar. Die Aktiengesellschaft zeichnet sich insbesondere durch folgende Eigenschaften aus: Sie ist eine juristische Person bzw. eine Körperschaft, also eine auf Mitgliedschaft beruhende, aber als Vereinigung selbständig rechtsfähige rechtliche Einheit, die selbst als Träger von Rechten und Pflichten auftritt und vor Gericht klagen und verklagt werden kann. Sie ist eine Kapitalgesellschaft, also auf ein bestimmtes Grundkapital in der Weise gestützt, dass die Haftung der Mitglieder, also der Aktionäre, auf dieses Kapital beschränkt ist. Das Grundkapital ist in Aktien zerlegt. Diese sind heute selten in Aktienurkunden verbrieft. Börsennotierte AGs in Deutschland beispielsweise verbriefen ihre Aktien oft nur in einer Globalurkunde, die bei Clearstream hinterlegt wird. Im Regelfall sind die Aktien übertragbar (fungibel). Es gehört allerdings nicht zu den notwendigen Wesensmerkmalen einer Aktiengesellschaft, dass die Aktien an einer Börse gehandelt werden. Die Aktiengesellschaft vereint in der Regel eine große Anzahl von (vielfach passiven) Aktionären, die ihr Kapital in die Unternehmung investiert haben, um aus den von der Gesellschaft erwirtschafteten Erträgen Dividenden zu erhalten. Die Aktionäre nehmen ihre mitgliedschaftlichen Rechte in der Regel in Aktionärsversammlungen durch Ausübung ihres Stimmrechts wahr. Die Geschäfte der Gesellschaft werden aber von besonderen Organen geführt. Aktiengesellschaften können sich durch Ausgabe neuer Aktien oder durch die Begebung von Anleihen leichter neues Kapital beschaffen, als dies bei vielen anderen Unternehmensformen der Fall ist, vor allem dann, wenn die Gesellschaft an der Börse gehandelt wird. Deshalb ist die Aktiengesellschaft die Unternehmensform der Wahl für Großunternehmen, aber auch für Unternehmen, die schnell wachsen, etwa in neuen Wirtschaftszweigen. Der Bestand des Unternehmens wird von seinen Eigentümern unabhängig, anders als etwa bei einer von ihrem Inhaber abhängigen Einzelunternehmen oder OHG. Damit wird die Existenz dauerhafter. Vor allem bei börsennotierten Unternehmen oder bei Mitarbeiterbeteiligungen besteht die Möglichkeit, dass sich auch Kleinanleger beteiligen und somit am Unternehmenserfolg teilhaben. Bei Misserfolg des Unternehmens besteht das Risiko des Totalverlustes des eingesetzten Kapitals, jedoch in der Regel keine darüber hinausgehende Nachschusspflicht. Die Schweizer Aktiengesellschaft Die gesetzlichen Grundlagen über die Aktiengesellschaft werden im Schweizer Obligationenrecht in den Artikeln 620 bis 771 behandelt. Zur Gründung einer AG benötigt man ein Aktienkapital von mindestens CHF 100'000 (Obligationenrecht Art 621), wobei mindestens 20 % bzw. in jedem Fall mindestens CHF 50'000 in Form von Bargeld oder Sacheinlagen (qualifizierte Gründung) unmittelbar vorhanden sein müssen (Obligationenrecht Art 632). Der fehlende Teil des Aktienkapitals muss als nicht einbezahltes Aktienkapital bilanziert werden, wobei dies nur bei Namenaktien möglich ist. Der Name der Gesellschaft (wird als Firma bezeichnet) muss schweizweit einmalig sein (Obligationenrecht Art 951). In der Firma muss die Rechtsform (AG) angegeben sein (Obligationenrecht Art 950). Geschichte Erste Vorläufer des Prinzips der Anteilsteilung sind bereits zu Zeiten des Römischen Reiches zu finden, wo sich verschiedene Händler zusammenschlossen, um teure Handelsreisen vorzufinanzieren (Kapitalvereinigungen). Diese Finanzbündnisse bestanden damals jedoch nur bis zum Abschluss der Handelsreise und gingen nicht über diese hinaus. Im 14. und 15. Jahrhundert schlossen sich in Preußen ebenso wie in der heutigen Steiermark Erzabbau- und Erzverarbeitungsunternehmer zusammen, um die kostspieligen Untertageunternehmen gemeinsam langfristig zu finanzieren. So wurden 1415 in Leoben und bald im ganzen deutschen Sprachraum Genossenschaften (Gewerkschaften) gegründet, die sich durch Anteile, sogenannte Kuxe, finanzierten. Diese Kuxe wurden zunächst nur von Industriepartnern, später jedoch auch an industriefremde Kaufleute, Adel und Klöster ausgegeben und gehandelt und stiegen und fielen in ihrem Wert. Im Jahr 1407 wurde in Genua die St. Georgsbank (Banco di San Giorgio) gegründet, die oft auch als erste „wirkliche“ Aktiengesellschaft bezeichnet wird. Die erste als moderne Aktiengesellschaft organisierte Unternehmung war die 1602 gegründete Niederländische Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oostindische Compagnie; abgekürzt: V.O.C. bzw. VOC) oder Kompanie (Compagnie). Deutschland Unternehmensformen der vorindustriellen Zeit sind oft nach Art der Herstellung oder Arbeitsweise zu charakterisieren – allgemein werden Handwerk, Verlag und Manufaktur unterschieden. Mit Einsetzen der Industrialisierung wurde der Kapitalbedarf auch im deutschen Sprachraum größer. Als Geldquelle für große Investitionen kamen daher die Kommanditgesellschaft auf Aktien und die Aktiengesellschaft auf. Die Gründung von Aktiengesellschaften wurde seit 1807 nach dem im Rheinland geltenden code de commerce geregelt. 1815 übernahm man die Bestimmungen für die société anonyme aus dem französischen Recht in das Rheinische Handelsgesetzbuch. Um die Erlaubnis zur Gründung einer Aktiengesellschaft zu erlangen, bedurfte es des Nachweises der Gemeinnützigkeit, wie im Königreich Preußen. Dadurch waren in den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts Aktiengesellschaften vornehmlich nur beim Straßenbau, in der Schifffahrts- und in der Versicherungsbranche zu finden. In Preußen entstanden zwischen 1801 und 1831 nur fünfzehn Aktiengesellschaften (ohne Eisenbahnen und Chausseen). Vor 1843 waren in der Rheinprovinz lediglich 41 Aktiengesellschaften (ohne Eisenbahnen und Chausseen) beantragt worden. Am 1. Januar 2016 waren 15.453 Aktiengesellschaften in deutschen Handelsregistern registriert. Die Aktiengesellschaft in verschiedenen Ländern In allen deutschsprachigen Ländern gibt es die Rechtsform der Aktiengesellschaft (siehe Aktiengesellschaft (Deutschland), Aktiengesellschaft (Österreich), Aktiengesellschaft (Schweiz), Aktiengesellschaft (Belgien)). Es gibt zudem Mischformen, beispielsweise die Kommanditaktiengesellschaft (Schweiz) bzw. die Kommanditgesellschaft auf Aktien (Deutschland). Im Zuge weitergehender Harmonisierungsbestrebungen wurde auf europarechtlicher Grundlage mit der Europäischen Aktiengesellschaft (lat. societas europaea, SE) eine vergleichbare Gesellschaftsform geschaffen. Zu den Details der Aktiengesellschaften in den verschiedenen Ländern siehe die folgenden länderspezifischen Artikel: Literatur R. Ek, Ph. v. Hoyenberg: Aktiengesellschaften : Gründung - Leitung. 2. Auflage. München 2006, ISBN 3-406-55188-2. Andreas Fleckner: Antike Kapitalvereinigungen. Ein Beitrag zu den konzeptionellen und historischen Grundlagen der Aktiengesellschaft. Böhlau Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-412-20474-7. M. R. Theisen, M. Wenz: Aktiengesellschaft. 2. Auflage. Stuttgart 2005, ISBN 3-7910-2266-0. Weblinks Einzelnachweise Rechtsform Gesellschaftsrecht (Deutschland)
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https://de.wikipedia.org/wiki/Konfirmation
Konfirmation
Konfirmation ( „Befestigung“, „Bekräftigung“, „Bestätigung“) ist ein feierliches öffentliches Glaubensbekenntnis gefolgt von einer individuellen Segenshandlung in den meisten evangelischen Kirchen, in der Neuapostolischen Kirche, der Apostolischen Gemeinschaft und in der Christengemeinschaft. Da das mit der Konfirmation verbundene Bekenntnis zur durch die meist im Kinderalter geschehenen Taufe begründeten Kirchenzugehörigkeit die Religionsmündigkeit voraussetzt, wird die Konfirmation meist im Alter von 14 oder 15 Jahren gefeiert. Im Gegensatz zur Firmung (lateinisch confirmatio) gilt sie jedoch, außer in der Christengemeinschaft, nicht als Sakrament, wie es die römisch-katholische Kirche, die anglikanische und altkatholische Kirche sowie alle orthodoxen und orientalischen Kirchen verstehen. Die begriffliche Unterscheidung zwischen Firmung und Konfirmation, wie sie im Deutschen durchklingt, gibt es allerdings in den meisten anderen Sprachen nicht. Weil die Konfirmation bis zur Verlegung des Schuljahresendes in den Sommer und der Verlängerung der Schulpflicht für die meisten Volksschüler mit dem Ende der Schulzeit zusammenfiel, war sie auch ein bürgerliches Initiationsritual, das am Wechsel in das Erwachsenenleben stattfand. Bedeutung Die Zahl der Konfirmierten im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland verringerte sich, analog zu den kleiner werdenden evangelischen Altersjahrgängen, von 240.000 Konfirmierten 2008 auf 166.000 Konfirmierte 2018. Die Quote der Konfirmierten an allen evangelischen Jugendlichen eines Jahrgangs sank in dieser Zeit von 91 Prozent auf 84 Prozent. Trotz der sinkenden absoluten und relativen Zahlen gehört die Konfirmation damit zu einer der stabilsten Ausdrucksformen des Evangelischseins. Die Konfirmation hat in ihrer geschichtlichen Entwicklung vier Bedeutungen bekommen: die persönliche Bestätigung der Taufe und damit das bewusste Ja zum christlichen Glauben und zur Kirchenzugehörigkeit. Abschluss des kirchlichen Unterrichtes mit „Lehrbefragung“ bzw. Katechismusprüfung Zulassung zum Abendmahl Eintritt ins (kirchliche) Erwachsenenleben Die Konfirmation wird kirchenrechtlich als Übertritt zum mündigen Kirchenmitglied gesehen, wobei die konkreten Rechte in den verschiedenen Kirchen unterschiedlich sind: In einigen Kirchen, insbesondere der lutherischen Tradition, dürfen nur Konfirmierte am Abendmahl teilnehmen. In Kirchen, die eine offene Kommunion oder das Kinderabendmahl praktizieren, hat dieser Punkt keine Bedeutung mehr. In vielen Kirchen haben Konfirmierte das Recht, Taufpaten zu sein, auch wenn sie noch nicht volljährig sind. In einigen Schweizer Kirchen ist mit der Konfirmation das Stimmrecht und das aktive und passive Wahlrecht in der Kirchengemeinde verbunden, es kann also im Prinzip ein 16-jähriger Konfirmierter Kirchenältester oder Synodale werden. Auch in einigen deutschen Landeskirchen besitzen 14-jährige Konfirmierte bereits das aktive Wahlrecht für das Presbyterium bzw. den Kirchenvorstand. Das aktive Wahlrecht fällt somit mit der Konfirmation zusammen. Wegen der eingeschränkten Geschäftsfähigkeit ist das passive Wahlrecht in den meisten EKD Gliedkirchen an die Volljährigkeit gebunden. Zudem besitzen sie das Recht, in Notfällen Ungetaufte zu taufen (Nottaufe). Ritus Die Konfirmation wird im Rahmen eines Festgottesdienstes vollzogen, in dem die Konfirmanden ihren Glauben öffentlich bekräftigen sollen. Damit wird an ihre Taufe als Kind angeknüpft, bei der Eltern und Paten stellvertretend für sie den Glauben bekannt haben. In einigen Kirchen geschieht das durch das Sprechen des apostolischen Glaubensbekenntnisses, in anderen wird kein spezifisches Bekenntnis verlangt, sondern die Teilnahme an der öffentlichen Feier gilt als öffentliche Bekräftigung des Glaubens. Die Konfirmanden empfangen den Segen durch Handauflegung sowie einen biblischen Konfirmationsspruch, der sie weiter durch ihr Leben begleiten soll. Danach (heute oft auch am Vorabend oder zu einem anderen geeigneten Zeitpunkt) nehmen sie häufig zum ersten Mal am Abendmahl teil. Seit in einigen evangelischen Landeskirchen das Kinderabendmahl eingeführt wurde, verliert diese Zulassung zum Abendmahl jedoch zunehmend an Bedeutung. Das eigene „Ja“ zum Glauben gewinnt dafür an Gewicht. Die Konfirmation ist gewöhnlich mit einem Familienfest und Geschenken verbunden. Die Geschenke waren traditionell am Übertritt ins Erwachsenenleben orientiert. So wurde regelmäßig die erste Armbanduhr oder Aussteuer an den Konfirmanden geschenkt. In früheren Jahrhunderten – etwa in der Barockzeit – wurde den Konfirmanden anlässlich ihres Ehrentages oft eine besonders aufwändig gestaltete Bibel mit Namens- und Jahresprägung als Erinnerung geschenkt. So finden sich Exemplare von Konfirmationsbibeln aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die ein handliches Format und eine edle Gestaltung mit schwarzem Ledereinband und ziseliertem Goldschnitt auf allen drei Buchschnittseiten aufweisen. Wurde eine Konfirmandenbibel auch verbunden mit dem Wunsch verschenkt, dass der Beschenkte diese zur Bibellektüre verwenden möge, so zeigt der fast makellose Erhaltungszustand mancher barocker Konfirmationsbibeln in historischen Bibliotheken, dass diese wenig bis gar nicht benutzt wurden (was übrigens auch oft für historische Traubibeln gilt). Daneben lassen sich auch Exemplare finden, die belegen, dass der Konfirmand seine Bibel als Begleiter durch sein ganzes Leben verwendet hat, etwa wenn starke Gebrauchsspuren und handschriftliche biographische Einträge zu finden sind. Traditionell trugen Konfirmanden in Deutschland festliche schwarze Kleidung. Jungen bekamen früher oft ihre ersten langen Hosen. In anderen Ländern sind dagegen weiße Kleider (der Mädchen) oder Alben (für alle Konfirmanden) zur Konfirmation üblich, die vergleichbar dem Taufkleid die Reinheit des Getauften symbolisiert. Zeitpunkt In den deutschen Landeskirchen findet die Konfirmation üblicherweise im Alter von 14 Jahren statt. Der ursprüngliche Grund lag darin, dass die meisten Volksschüler mit der 8. Klasse an Ostern ihre Schulzeit beendeten und vielfach von zuhause weggingen. Auch nach der Verlängerung der Schulzeit und der Verlegung des Schuljahresendes auf den Sommer wurden sowohl das Konfirmationsalter als auch die Jahreszeit beibehalten. Das Alter wurde beibehalten, weil Jugendliche in Deutschland seit der Weimarer Republik mit Vollendung des 14. Lebensjahres religionsmündig sind und nun selbst über ihre Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft entscheiden und bestimmen können. An der früher weit verbreiteten Festlegung der Konfirmation auf den Palmsonntag wird in einigen Landeskirchen festgehalten. Die Feier am Palmsonntag hat ihren Ursprung darin, dass die Konfirmation in Verbindung mit der Entlassung aus der Volksschule gesehen wurde und vor Antritt der oft am 1. April beginnenden Lehre erfolgen sollte. In anderen deutschen Landeskirchen gelten heute andere Regelungen; so sollen die Konfirmationen beispielsweise im Rheinland und in Westfalen zwischen Ostern und Pfingsten, frühestens also an Quasimodogeniti und spätestens an Exaudi, stattfinden. Quasimodogeniti ist als der Sonntag nach Ostern in der alten Kirche der Sonntag, an dem die Täuflinge der Osternacht ihre weißen Taufgewänder wieder ablegten, und damit ein Tag der Tauferinnerung. Die Verbindung zur Konfirmation liegt somit nahe. Im badischen Markgräflerland wird die Konfirmation traditionell am Sonntag Judika gefeiert; deshalb wird sie im regionalen alemannischen Dialekt oft noch als „Judika“ bezeichnet. In den Schweizer Landeskirchen findet die Konfirmation im Alter von 15 oder 16 Jahren statt, wodurch sie mit dem Abschluss der obligatorischen Schulzeit zusammenfällt und auch so einen Übertritt ins Erwachsenenalter markiert. Mit der landesweiten Einführung des Schuljahrendes im Sommer gegen Ende des 20. Jahrhunderts ist die früher selbstverständliche Feier der Konfirmation an Palmsonntag hinfällig geworden, und sie findet oft im Frühsommer statt. In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche können Konfirmationen ganzjährig gefeiert werden. Vorbereitungszeit: Die Konfirmandenarbeit Die Vorbereitung auf die Konfirmation dauert je nach Kirchenordnung zwischen neun Monaten und mehreren Jahren. Da während der nationalsozialistischen Herrschaft der Religionsunterricht meist nicht den Vorstellungen der Kirche entsprach, wurde in den 1930er Jahren in vielen Gemeinden ein drittes Unterrichtsjahr eingeführt, und der Unterricht begann bereits in der 6. Klasse. Damit wurde zwischen Vorkatechumenen, Katechumenen und Konfirmanden unterschieden. Im zweijährigen Modell werden die Jugendlichen während des ersten Unterrichtsjahrs als Vorkonfirmanden, Katechumenen oder Präparanden, während des zweiten Jahres als Konfirmanden bezeichnet. Traditionell findet der Konfirmandenunterricht einmal wöchentlich statt und wird von einem Pfarrer oder einer Pfarrerin abgehalten. In den letzten Jahrzehnten werden daneben in vielen Landeskirchen andere Formen wie 14-täglicher Unterricht, Kursunterricht oder Blockunterricht praktiziert. Statt des traditionellen Terminus „Konfirmandenunterricht“ wird daher in Anlehnung an die Jugendarbeit inzwischen zumeist von „Konfirmandenarbeit“ gesprochen. Gemeinsame Freizeiten oder sogenannte „Konfi-Camps“ gewinnen an Bedeutung. Zunehmend wirken auch Ehrenamtliche, jugendliche Mitarbeiter und Eltern in der Konfirmandenarbeit mit. An vielen Orten beginnt der Unterricht inzwischen schon in der 3. oder 4. Klasse, eine Phase der Jugendarbeit schließt sich an, bevor dann nach einem weiteren Unterrichtsjahr die Konfirmation mit 14 Jahren stattfindet. Im Konfirmandenunterricht sollen Glaubensinhalte behandelt werden. Das früher übliche Auswendiglernen von Katechismustexten, Bibelversen und geistlichen Liedern sowie Abfragen des Erlernten tritt seit den 1970er-Jahren mehr und mehr zurück. Die Kirche in ihrer ganzen Vielfalt zu erfahren und zu verstehen, durch klassischen Unterricht, Besuche oder Praktika, sowie Begleitung während einer Phase der Pubertät zu bieten, sind stattdessen in den Vordergrund getreten. In der Konsequenz wurde der Vorstellungsgottesdienst weithin umgeformt: Die Prüfung durch Abfragen von Erlerntem wurde durch das gemeinsame Erarbeiten eines Gottesdienstes ersetzt, womit die Jugendlichen ihr Verständnis eines Themas zeigen. Während dieser Zeit sind die Konfirmanden angehalten, regelmäßig die Gottesdienste ihrer Kirchengemeinde zu besuchen. Allerdings ist das Interesse an der Teilnahme an den Gottesdiensten unter den angehenden Konfirmanden im Bereich der Landeskirchen im Allgemeinen gering, so dass die meisten Kirchengemeinden seit vielen Jahren ein Kontrollsystem eingeführt bzw. eine Mindestbesuchszahl als Voraussetzung für die Zulassung zur Konfirmationsfeier festgelegt haben. Geschichte Streit zwischen Gläubigen- und Säuglingstaufe Die evangelische Konfirmation geht auf den in Straßburg wirkenden Reformator Martin Bucer zurück und ist erstmals 1539 in der hessischen Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung formuliert. Martin Luther selbst hatte die Firmung wegen ihres Sakramentscharakters und fehlenden Schriftbezugs noch abgelehnt. Nach Luther bedurfte die Taufe keiner weiteren Ergänzung. Stattdessen sollte es eine Einführung in den Katechismus geben. Anstöße zur Entwicklung der evangelischen Konfirmation kamen letztlich durch die reformatorische Täuferbewegung, die die Taufe als persönliches Bekenntnis zum Glauben verstand (Gläubigentaufe) und die Kindertaufe als unbiblisch ablehnte. Martin Bucer entwickelte als Kompromiss das Modell der Konfirmation: Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung als Kompromiss Die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung nennt sechs wesentliche Punkte der Konfirmation: Erinnerung an die Taufe Prüfung über die fürnemsten Stücke der christlichen Lehre Bekenntnis der Konfirmanden Handauflegung Fürbitte Zulassung zum Abendmahl Persönliches Bekenntnis oder Initiationsfeier? Flächendeckend konnte die Konfirmation sich erst im 18. Jahrhundert durchsetzen, als der Pietismus in Deutschland zunehmend die Bedeutung des persönlichen Bekenntnisses betonte. Gleichzeitig entwickelte sich die Konfirmation zur Schulabschlussprüfung und -feier. Im 19. Jahrhundert entstand unter Freireligiösen, Freidenkern und in der Arbeiterbewegung das Bedürfnis, eine Initiationsfeier ohne religiösen Hintergrund zu veranstalten. Als Alternative zur Konfirmation entstand die Jugendweihe, die jedoch auch in den Jahren der Weimarer Republik eine gesellschaftliche Randerscheinung blieb. Mehr als 95 Prozent der Jugendlichen feierten nach wie vor das Fest der Konfirmation bzw. der Firmung. Entwicklung in den neuen Bundesländern Erst in der DDR, in der die evangelische Konfirmation seit 1954 von staatlicher Seite stark bekämpft und die Jugendweihe favorisiert wurde, änderte sich dies. Wer die staatlich geforderte Jugendweihe verweigerte, musste mit Nachteilen rechnen. Seit etwa 1960 konnten Jugendliche zuerst an der Jugendweihe teilnehmen und sich ein Jahr später konfirmieren lassen. Während der weiteren Entwicklung nahm die Bedeutung der Konfirmationsfeier im Verhältnis zur Jugendweihe immer mehr ab. Verzeichnete die Anzahl der Konfirmationen im Bereich der neuen Bundesländer nach dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung zunächst eine deutliche Zunahme, so gewann die Jugendweihe nach kurzer Zeit wieder an Bedeutung, nicht zuletzt weil die beiden großen christlichen Konfessionen nur eine untergeordnete Rolle spielen und die Mehrheit der Bevölkerung konfessionslos ist. In den westlichen Bundesländern, in denen die Jugendweihe bis zur Wiedervereinigung nur ein Schattendasein fristete, erfuhren Jugendweihen/-feiern durch die Zuwanderung von Ostdeutschen eine Wiederbelebung. Konfirmation und andere Konfessionen In den katholischen und orthodoxen Kirchen nimmt die Firmung bzw. Myronsalbung nicht (bzw. im Westen allenfalls akzidentiell zusätzlich) die Rolle eines Übergangsrituals ein. In den Ostkirchen wird die Versiegelung mit dem heiligen Myron (= Chrisam) unmittelbar im Anschluss an die Taufe gespendet, während als Kinder getaufte lateinische Katholiken die Firmung in der Regel durch einen Bischof im Alter von mindestens 7 (im deutschen Sprachraum für gewöhnlich zwischen 12 und 16) Jahren empfangen. In der Neuapostolischen Kirche wird ein 14-jähriger Jugendlicher nach einem Jahr Konfirmationsunterricht konfirmiert. Dabei soll er mit einem Gelübde die bisher erfahrenen Sakramente (Taufe, Versiegelung) bestätigen und künftig Selbstverantwortung für sein Glaubensleben tragen. Baptisten, Mennoniten und andere taufgesinnte Kirchen kennen keine Konfirmation, da erst mit der Gläubigentaufe die Aufnahme in die volle Mitgliedschaft der Gemeinde erfolgt. Allerdings wird in diesen Kirchen ein zwei- bis dreijähriger Bibelunterricht für 12- bis 14-Jährige angeboten. Am Ende dieses Unterrichts steht ein besonderer Abschlussgottesdienst. Einige evangelische Kirchen (Methodisten, Altreformierte) kennen zwar das öffentliche Bekenntnis des Glaubens als Voraussetzung für die Mitgliedschaft, haben aber kein festgelegtes Konfirmationsalter. Jugendliche bzw. Erwachsene sollen ihren Glauben erst dann bekräftigen, wenn sie sich dazu innerlich in der Lage sehen. Gewöhnlich wird in solchen Kirchen zum Abschluss des Unterrichtes ein Einsegnungsgottesdienst gefeiert, während die Konfirmation ihrem theologischen Gehalt nach erst später bei der „Gliederaufnahme“ zum Ausdruck kommt, dann erst beginnt die volle und mündige Kirchenmitgliedschaft. Diese Kirchen vermeiden in der Regel das Wort Konfirmation sowohl für den Einsegnungsgottesdienst als auch für die Bekenntnisfeier. In der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland (EmK) wird vom „Kirchlichen Unterricht“ gesprochen, dessen feierlicher Abschluss bislang jedoch nur selten mit der sogenannten „Gliederaufnahme“ verbunden ist. Kritik Es gibt die Kritik, ein Großteil der Konfirmanden nehme vor allem aus familiären und finanziellen Gründen an der Konfirmationsfeier teil. Der Glaube an Gott, Jesus Christus oder die Bibel spiele nur in wenigen Fällen eine Rolle für die Teilnahme an der Konfirmationsfeier. Das gebe eine große Zahl der betroffenen Jugendlichen auf Nachfrage auch offen zu. Diese Kritik führte in evangelikalen und einigen freikirchlichen Kreisen zu Kritik an der Konfirmationspraxis der evangelischen Landeskirchen. Sie sehen in der formellen Einsegnung anlässlich der Konfirmationsfeier eher eine de facto „Aussegnung“: Für viele Konfirmanden sei die Feier der vorläufig letzte Kontakt mit ihrer Kirchengemeinde. Schon Johann Hinrich Wichern (1808–1881), der Initiator der Inneren Mission der Evangelischen Kirche, kritisierte die herrschende Praxis der Konfirmation: Er sprach bereits von einer „religiösen Verwahrlosung der meisten Elternhäuser“, der Unaufrichtigkeit der Gelübde, dem Desinteresse am Eintritt in die Abendmahlsgemeinschaft der christlichen Gemeinde. Er sagte, dass die Konfirmation von den meisten Heranwachsenden und ihren Eltern lediglich als Abschluss der Kindheit und Übergang zu ungebundenem Erwachsensein betrachtet wird. Daher schlug er vor, den kirchlichen Unterricht mit abschließender „Einsegnung“ zu erhalten, aber das öffentliche Glaubensbekenntnis und das Gelübde als Voraussetzung der Zulassung zum Heiligen Abendmahl davon zu trennen und solchen vorzubehalten, denen es mit dem christlichen Glauben und Leben ernst ist. Mit der Kritik an der landeskirchlichen Konfirmation ist in einigen Punkten darüber hinaus eine Kritik an der Praxis der Kindertaufe verbunden: Eine Konfirmation im religionsmündigen Alter ist nur nötig, weil die Kinder zuvor als Unmündige (in der Regel noch als Säuglinge) getauft wurden. Tauf- wie Konfirmationspraxis (falls letzteres dann überhaupt noch notwendig wäre) müsse auf einer mündigen persönlichen Entscheidung für den christlichen Glauben beruhen. Studien zur Konfirmandenarbeit Als eines der wenigen Bildungsfelder außerhalb der Schule wird die Arbeit mit Konfirmanden seit 2007 intensiv wissenschaftlich erforscht. An der Eberhard-Karls-Universität Tübingen wurden zwei empirische Studien zur Konfirmandenarbeit durchgeführt, die in der Buchreihe „Konfirmandenarbeit erforschen und gestalten“ veröffentlicht sind. In der ersten Studie zur Konfirmandenarbeit (2007/2008) wurden über 11.000 Konfirmanden sowie deren Eltern und die Mitarbeitenden mit Fragebögen zu zwei Befragungszeitpunkten befragt. In der zweiten Studie zur Konfirmandenarbeit (2012/2013) wurde dieser Forschungsansatz wiederholt und um eine weitere Befragung von ehemaligen Konfirmanden zwei Jahre nach ihrer Konfirmation ergänzt. In den Jahren 2021/2022 wurde durch die Evangelische Hochschule Ludwigsburg und die Humboldt-Universität zu Berlin eine dritte bundesweite und internationale Studie durchgeführt. Neben diesen bundesweiten Studien koordiniert das von Friedrich Schweitzer gegründete und mittlerweile von Henrik Simojoki und Wolfgang Ilg geleitete Forschungsteam auch eine internationale Studie, an der sich neben Deutschland neun weitere Länder beteiligen (Dänemark, Estland, Finnland, Norwegen, Österreich, Polen, Ungarn, Schweden und die Schweiz). Seit 2022 stellt das Forschungsteam der Konfi-Studien mit dem Online-Tool „i-konf“ ein Feedback-Tool bereit, mit dem Gemeinden einen wissenschaftlich entwickelten Fragebogen eigenständig einsetzen und auswerten können. Das Evaluationsverfahren lehnt sich an das System der Freizeitenevaluation an und beruht auf dem Prinzip der vernetzten Selbstevaluation. Konfirmationsjubiläen In vielen Gemeinden wird das Jubiläum der Konfirmation, auch Jubelkonfirmation genannt, mit einer erneuten Segenshandlung in der Kirche der früheren Konfirmation oder in der Kirche des aktuellen Wohnorts gefeiert und mit einem Festgottesdienst am Vormittag, einer Feierstunde am Nachmittag und manchmal auch mit dem gemeinsamen Besuch der Gräber verstorbener Mitkonfirmanden begangen. Für die Jubilare wird oft auch ein anschließendes Wiedersehenstreffen organisiert. Der Termin für die Jubelkonfirmation wird örtlich unterschiedlich festgesetzt. Die Agende für die VELKD und die UEK bietet als Gottesdienstformular das Gedächtnis der Konfirmation an, es sind aber auch freiere Formen möglich. Obwohl die Konfirmation im Luthertum im Gegensatz zur katholischen Firmung nicht als Sakrament gilt, wird ihr in der protestantischen Gedächtnis- und Jubiläumskultur sehr große Bedeutung zugemessen, die jegliches katholische Brauchtum übertrifft. So ist die Feier von Firmungsjubiläen in der katholischen Kirche völlig unbekannt. Trivia Fitzgerald Kusz nahm in seinem erstmals 1976 in Nürnberg aufgeführten Theaterstück Schweig, Bub! eine Familienfeier anlässlich einer Konfirmation zur Handlung. Film Geld oder Glaube. Ein Jahr Konfirmandengruppe, Film von Heidi und Bernd Umbreit Siehe auch Gemeindeunterricht Jugendweihe Firmung Initiation Einsegnungsgottesdienst Jungbürgerfeier Bar Mitzwa Übergangsritus Weblinks Häufig gestellte Fragen zur Konfirmation der Evangelischen Kirche in Deutschland Informationsseite der reformierten Landeskirche Zürich FAQ zur Konfirmation bei www.konfiweb.de Religionspäd. Institut Loccum, Materialien und Entwürfe für den Konfirmandenunterricht SELK: Wissenswertes in Theorie und Praxis zur Konfirmation aus der Sicht einer lutherischen Freikirche Neuapostolische Kirche: Konfirmation Einzelnachweise Feste und Brauchtum (Protestantismus) Evangelisches Kirchenwesen Familienfest Passageritus
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https://de.wikipedia.org/wiki/Infektion
Infektion
Eine Infektion (wohl neuzeitliche Sekundärbildung aus , ‚vergiften‘; wörtlich ‚hineintun‘) oder Ansteckung ist das (passive) Eindringen von Krankheitserregern in einen Organismus, wo sie verbleiben und sich anschließend vermehren, bei Pflanzen spricht man dabei auch von einem Befall. Der rein mechanische Vorgang, bei dem Infektionserreger mit dem Wirt in Kontakt kommen, wird als Infizierung bezeichnet. Siedelt sich der Infektionserreger nach dem Kontakt nicht im Wirt an, kommt es also zu keiner Haftung des Erregers im Makroorganismus und das Infizierungsgeschehen ist beendet. Konkret handelt es sich bei den Krankheitserregern um pathogene Lebewesen (z. B. Bakterien, Pilze und Parasiten) oder um Moleküle (z. B. Viren, Transposons und Prionen), die zum Überleben einen Wirt benötigen. Krankheiten, die durch Ansteckung mit Krankheitserregern (Pathogenen) verursacht werden, nennt man Infektionskrankheiten. Das unbeabsichtigte Eindringen von Mikroorganismen, Viren, Viroiden und Prionen in ein Nährmedium wird als Kontamination bezeichnet, das absichtliche (aktive) Hineinbringen als Inokulation und das Vorhandensein und Wachstum ohne Virulenz als Besiedlung oder Kolonisation (Beispiel Darmbakterien). Infektionen werden grundlagenwissenschaftlich von der Infektionsbiologie erforscht und von der klinischen Infektiologie behandelt. Die statistische Erfassung von Infektionskrankheiten in einer Population ist ein Teilbereich der Epidemiologie. Als erster wissenschaftlich haltbarer Erklärungsversuch der Lehre von der Ansteckung bzw. mit einer Theorie der Infektion gilt die Schrift De Contagione et contagiosis morbis et eorum curatione libri tres von Girolamo Fracastoro aus dem Jahr 1546. Der Nachweis des Zusammenhangs zwischen einem Infektionserreger und einer Infektionskrankheit wird bis heute durch Überprüfung der Henle-Koch-Postulate erbracht. Wundinfektionen führte Robert Koch 1887 auf ganz bestimmte Bakterien zurück. Der Nachweis eines Erregers oder der Immunreaktion in einem Wirt erfolgt durch eine abgestufte Diagnostik. Pathophysiologie Infektionen entstehen, wenn auf einen Organismus Pathogene wie Bakterien, Viren, Pilze, Einzeller (siehe auch Protozoen), Parasiten (zum Beispiel bei Wurmerkrankungen) oder Prionen von außen einwirken (Infektionsdruck), dann in den Körper eindringen, anhaften, sich in ihm vermehren und (außer bei latenten Infektionen) eine Reaktion der körpereigenen Abwehr (Immunsystem) auslösen. Ob es zu einer Vermehrung der Keime kommt und wie heftig die Infektion verläuft, hängt vom Verhältnis zwischen dem Keim („Gast“) und dem Immunsystem des Menschen (Wirt) ab. Bei den meisten Erregern ist für eine Infektion eine bestimmte Anzahl notwendig (minimale Infektionsdosis), die in den Körper gelangen muss. Häufige Begleiterscheinungen einer Infektion sind Immunreaktionen und eventuell auch eine Pathogenität bis hin zur Letalität. Morbidität und die Mortalität in einer Population sind statistische Maßzahlen dafür. Symptome einer Krankheit im Zusammenhang mit einer Infektion bezeichnet man als apparente Infektionskrankheit. Wenn eine Infektion keine Symptome hervorruft, spricht man von einer inapparenten oder auch asymptomatischen Infektion. Derartige Infektionen können dennoch eine Immunreaktion und eine Immunität gegen weitere Infektionen mit dem gleichen Erreger hinterlassen (stille Feiung). Kolonisation und Symbiose Eine Infektion unterscheidet sich von einer „Ansiedlung“ oder „Besiedlung“ (Kolonisation) durch kommensale Bakterien und Pilze, welche auf deren Haut bzw. Schleimhäuten leben, ohne in den Organismus einzudringen. Eine derartige Standortflora verdrängt über die Platz- und Nahrungskonkurrenz sogar pathogene (krankmachende) Keime und bildet dadurch einen sehr wichtigen Teil der Krankheitsabwehr bzw. Krankheitsvermeidung. Bei geschädigter Haut oder Schleimhaut oder bei Immunschwäche können allerdings auch diese Keime eine Infektion verursachen (endogene Infektion). In diesem Zusammenhang ist besonders Staphylococcus aureus bedeutend, der sehr häufig kleinere Entzündungen verursacht, aber in Verbindung mit Multiresistenzen und geschwächten Patienten lebensbedrohend wird. Tiere benötigen Mikroorganismen zur Verdauung ihrer Nahrung in Darm (und den Vormägen bei Wiederkäuern), so wie manche von diesen ihren Wirt brauchen, um sich zu ernähren und zu vermehren (siehe Symbiose). Meist bleibt diese Symbiose im Gleichgewicht. Es gibt aber Keime, die aus diesem Gleichgewicht ausbrechen und dann gefährlich werden, was als opportunistische Infektion bezeichnet wird. Daneben existieren noch Kommensale, die im Gegensatz zu Symbionten dem Wirt keinen Nutzen erbringen, aber auch nicht in einen gesunden Wirt eindringen. Koevolution Eine Beobachtung bei der Pathogenese in natürlichen Wirten ist, dass an den Wirt angepasste Krankheitserreger ihm meist nicht sehr schaden, da sie ihn für ihre eigene Entwicklung benötigen und das Immunsystem durch Zellschäden und Apoptose aktiviert wird. Die Vermeidung einer Immunreaktion erleichtert die Replikation und die Übertragung (synonym Transmission) an weitere Wirte. Beispielsweise erreichen Herpes-simplex-Viren Infektionsquoten (synonym Durchseuchung) von über 90 % der deutschen Bevölkerung mit wenig ausgeprägten Symptomen. Das simiane Immundefizienz-Virus erzeugt in seinen natürlichen Wirten kein AIDS, im Gegensatz zu HIV im Menschen. Dagegen löschen sich Infektionen mit Ebolavirus im Menschen, nicht aber in ihren natürlichen Wirten, gelegentlich durch ihre hohe Virulenz selbst aus, bevor eine effiziente Transmission erfolgt, da der Wirt stark geschwächt ist und bald verstirbt; folglich sind sein Bewegungsradius und somit die Verbreitung des Virus begrenzt. Ein schwerer Infektionsverlauf mit hoher Sterblichkeit (siehe Letalität und Mortalität) ist zumeist ein Anzeichen dafür, dass der verursachende Erreger noch nicht an den betreffenden Organismus als seinen Reservoirwirt angepasst ist. Der Übergang von Pathogenen mit einer hohen Replikation (und erzeugten Schäden) zu einer dauerhaften Infektionsquote (Infect and persist, unter Vermeidung von Schäden) ist fließend. Anders ausgedrückt, neigen angepasste infektiöse Objekte zur Persistenz und einer regulierten Reproduktionsrate, während weniger angepasste Pathogene tendenziell zur vorzeitigen Beendigung der Infektionskette führen. Ausnahmen sind z. B. H5N1-Viren in Vögeln, Yersinia pestis und humane Pockenviren im Menschen. Die Anpassung erfolgt jedoch meistens seitens des Wirts, da die Pathogene mit ihren Artgenossen in Konkurrenz stehen und ein weniger reproduktives Pathogen schneller untergehen würde. Daher tritt eine Minderung der Pathogenität bei Pathogenen vor allem in Verbindung mit einer erhöhten Reproduktionsrate auf. Die Anpassung des Wirts an das Pathogen wird als Wirtsrestriktion oder -resistenz bezeichnet. Zu den bekannten antiviralen und antibakteriellen Mechanismen gehören beim Menschen z. B. der Myxovirus-Resistenzfaktor Mx1, die PAMP-Rezeptoren, der dsRNA-aktivierte Inhibitor der Translation DAI, das MDA5, die Oligoadenylatsynthase OAS1, das Langerin, das Tetherin, das APOBEC3, das TRIM5alpha und die Proteinkinase R. Darüber hinaus erfolgt die Immunantwort. Kriterien zur Einteilung Infektionen können nach verschiedenen Aspekten eingeteilt werden. Reihenfolge des Auftretens Primärinfektion (Erstinfektion): die erstmalige Übertragung, also der erste Kontakt des Organismus mit einem Krankheitserreger. Sekundärinfektion (Zweitinfektion): eine Erregerübertragung nach der Erstinfektion, zusätzlich und mit anderen Erregern. Eine solche zusätzliche Infektion kann das Immunsystem vor erhebliche Probleme stellen und auch die Therapie und Medikation (Auswahl und Anwendung von Medikamenten) erschweren. Der Verlauf der Erkrankung ist zumeist heftiger und zeigt vielfältige Symptome. Superinfektion (Suprainfektion): In der Virologie: eine erneute Infektion mit demselben Virus (Neuinfektion) nach einer bereits bestehenden Primärinfektion. In der Medizin und Bakteriologie: eine weitere (meist bakterielle) Infektion auf der Grundlage einer (meist viralen) Infektion. Auch eine Superinfektion kann das Immunsystem vor erhebliche Probleme stellen. Therapie und Medikation sind erschwert, der Krankheitsverlauf ist zumeist heftiger mit vielfältigen Symptomen. Doppelinfektion: eine gleichzeitige Übertragung von zwei verschiedenen Erregern. Koinfektion: die gleichzeitige Präsenz von mindestens zwei verschiedenen Erregern oder Varianten (Subtypen) des gleichen Erregers. Reinfektion: Neuansteckung mit dem gleichen Erreger nach Abheilen einer Erstinfektion (Primärinfektion). Infektionsverlauf Transiente Infektion: siehe Hit and Run Persistente Infektion: siehe Infect and persist Infektionsattribute nach zeitlichem Ablauf der Krankheitserscheinungen: foudroyant, perakut: schnell und gefährlich, da nachfolgend schwerer, oft tödlicher Krankheitsverlauf. akut: plötzlich beginnend, heftige Auswirkungen subakut: weniger heftig chronisch: allmählich beginnend, sich länger erstreckend rezidivierend: sich wiederholend mit demselben Erreger latent, persistierend: über einen langen Zeitraum mit dazwischenliegenden, klinisch stummen Phasen Krankheitserreger Nach ätiologischen Gesichtspunkten werden unterschieden: Bakterielle Infektion Virusinfektion Virusoidinfektion Prioneninfektion Protozoeninfektion Wurminfektion Parasitäre Infektion Pilzinfektion Algeninfektion Herkunft und Übertragung der Erreger Endogene Infektion (Autoinfektion): Der Erreger stammt aus der körpereigenen, normalerweise völlig harmlosen Flora. Er gelangt bei geschwächtem Immunsystem z. B. über die Haut, aus der Lunge oder aus dem Darm in den Blutkreislauf. Exogene Infektion: Der Erreger stammt aus der Umgebung. Bedeutende Infektionswege sind: Tröpfcheninfektion (die an Sekretpartikelchen haftenden Erreger werden vor allem beim Husten, Niesen, Schreien und Sprechen übertragen) Inhalationsinfektion (etwa bei Varicellen, Lungenpest und Lungenmilzbrand) Schmierinfektion (Kontaktinfektion, Schmutzinfektion) durch Berührung verunreinigter Gegenstände Infektion über Austausch von Körperflüssigkeiten Infektion über blutsaugende Insekten Wundinfektion (bei etwa 10 Prozent aller Operationen) Nahrungsmittelinfektion Nosokomiale Infektion: Die Infektion findet im Krankenhaus, in einer Arztpraxis oder einer anderen medizinischen Einrichtung statt, und der Erreger stammt aus dem für diese Orte typischen Keimspektrum. Häufig zeigen die typischen bakteriellen Erreger aus dem Bereich Arztpraxis oder Krankenhaus – z. B. Pseudomonaden – eine hohe Resistenz gegenüber gebräuchlichen Antibiotika (Medikamente zur antimikrobiellen Therapie von Infektionen). Nosokomiale Infektionen sind zugleich auch iatrogene Infektionen, wenn der Erreger bei der Durchführung medizinischer Eingriffe übertragen wird, beispielsweise durch Katheter oder Intubation. Iatrogene Infektion: Wie bei der nosokomialen Infektion wird der Erreger in einer medizinischen Einrichtung bei einem medizinischen Eingriff übertragen (auf den Patienten oder auch auf das Personal), jedoch kann es sich auch um andere als die krankenhaustypischen Erreger handeln. Sollte sich beispielsweise ein Arzt oder das Pflegepersonal im Krankenhaus oder in einer Praxis nach einer intravenösen Injektion bei einem HIV-Patienten hinterher mit der kontaminierten Kanüle verletzen und sich dabei mit HIV infizieren, bezeichnet man dies als iatrogene Infektion, aber nicht als nosokomiale Infektion. Wenn durch Unachtsamkeit ein anderer Patient mit einer kontaminierten Nadel infiziert wird, spricht man ebenfalls von einer iatrogenen Infektion. Polymer-assoziierte Infektion: Erreger besiedeln die Kunststoffoberflächen von Kathetern, künstlichen Herzklappen oder künstlichen Gelenken. Eintrittspforte der Erreger Enterale Infektion: Die Krankheitserreger dringen über den Darm in den Organismus ein. Der gesamte Verdauungstrakt (Mund, Rachen, Speiseröhre, Magen und der gesamte Darm) wird dabei als das Innere eines Tunnels betrachtet, das selbst nicht zum Körperinneren gezählt wird. Der Darm, aus dem die Infektionserreger in das eigentliche Körperinnere eindringen, gilt hier als Eintrittspforte. Fäkal-orale Infektion: Erreger aus Fäkalien gelangen durch den Mund in den Organismus, z. B. durch verunreinigtes Trinkwasser. Parenterale Infektion: Im wörtlichen Sinn handelt es sich um eine Infektion, bei der die Krankheitserreger „am Darm vorbei“, also nicht über den Verdauungstrakt in den Organismus gelangt sind. Im medizinischen Sprachgebrauch ist parenteral gleichbedeutend mit „direkt ins Blut“. Perkutane Infektion: Die Erreger gelangen über die Haut in den Organismus. Permuköse Infektion: Die Erreger gelangen über die Schleimhäute in den Organismus. Inhalationsinfektion: Die Erreger gelangen über die Atemwege in den Organismus. Urogenitale Infektion: Die Erreger gelangen über den Harntrakt in den Organismus. Genitale Infektion: Die Erreger gelangen über die Geschlechtsorgane in den Organismus. Intrauterine Infektion: Die Erreger gelangen während der Schwangerschaft in den Körper des ungeborenen Kindes. Ausdehnung der Infektion Lokalinfektion: Die Erreger bleiben dort, wo sie den Körper zuerst infiziert haben (Eintrittspforte). Sie verursachen nur an dieser Stelle Symptome, ohne sich im Organismus weiter zu verteilen. Generalisierte Infektion: Die Erreger vermehren sich zuerst an der Eintrittspforte und gelangen dann über das Blut zu ihren eigentlichen Manifestationsorganen (Befallsorganen). Das sind oft die Leber, Milz, lymphatische Organe, die Haut oder das Nervensystem. An der Eintrittspforte sind die Erreger dann nicht mehr nachweisbar. Fokale Infektion (Herdinfektion): eine nach einer lokalen Erregerübertragung durch Bakterien, besonders durch Streptokokken, auftretende nachfolgende (sekundäre) Erkrankung. Die Erreger gelangen von einem Ausgangsherd, der durch eine lokale Infektion im Körper entstanden ist, mit Verzögerung durch septische Metastasierung oder schubweise Ausschüttung aus diesem Ausgangsherd über den Blutkreislauf in entferntere Körperregionen oder Organe und verursachen dort entzündliche oder auch allergische Krankheitsabläufe. Bereits vor dem Aufkommen einer Lehre von der Fokalinfektion hatte Benjamin Rush 1871 den Zusammenhang von Zahnerkrankungen mit anderen Krankheitsherden erkannt; um 1900 begann der Internist Hans Paessler (1868–1938) die von Mundhöhle ausgehenden Herdinfektionen zu erforschen. Gefördert haben um 1916 besonders Frank Billings (1854–1832) und Edward Charles Rosenow (* 1875) die Lehre von der Fokalinfektion in der Zahnmedizin und deren elektiven Lokalisation. Systemische Infektion: Die Erreger breiten sich durch Einschwemmung über die Blutbahn über ein gesamtes Organsystem (beispielsweise das Zentralnervensystem) oder den ganzen Organismus aus. Symptomauffälligkeit bzw. Abwehrkraft des Organismus Stumme (symptomlose, asymptomatische, inapparente) Infektion: Wenn das Immunsystem gesund und der Erreger an den Menschen angepasst ist, kommt es nach der Erregerübertragung nicht zum Ausbruch der Krankheit (klinisch nicht manifest, symptomlos). Der Mensch dient dann dem Erreger als Reservoirwirt. Es treten keine Krankheitsanzeichen auf, es findet nur eine stille Feiung statt (Immunisierung ohne Impfung und ohne Erkrankung). Subklinische Infektion: Die Abwehrmechanismen überwiegen und verhindern ein Ausbrechen der Krankheit. Durch Ausbildung einer sterilen Immunität oder kurzfristige Resistenzsteigerung wird der Erreger eliminiert. Die Infektion ist zeitlich begrenzt. Persistierende Infektion: Der Erreger lebt zeitlich unbegrenzt mit dem Wirt zusammen, die Vermehrung im Organismus ist jedoch begrenzt, Krankheitsanzeichen treten nicht auf. Es gibt mehrere Möglichkeiten: Ausbildung einer Immunität, Steigerung der erregerunspezifischen Immunabwehr, Bildung von Interferon oder Stimulierung der Lymphozyten. Durch negative Beeinflussung (z. B. Stress) oder Immunsuppression (z. B. mit Medikamenten nach Organtransplantation) kann die persistierende Infektion zu einer manifesten Infektion werden (klinische Symptome). Latente Infektion: Zwischen Erreger und Abwehr besteht ein Gleichgewicht, zeitlich unbegrenzt oder so lange, bis einer von beiden überwiegt und entweder die Krankheit ausbricht oder der Erreger abgetötet wird. Tolerierte Infektion: Der meist intrauterin (in der Gebärmutter) erworbene Erreger kann sich vermehren und anschließend während des ganzen Lebens ausgeschieden werden. Der Wirt erkrankt jedoch nicht, es sei denn, seine Immuntoleranz geht verloren. Okkulte (maskierte) Infektion: Eine Erregerinvasion hat stattgefunden, die Erreger sind jedoch weder direkt noch indirekt nachweisbar. Bei Symptomen ungeklärter Ursache wie Schmerzen und Fieber kann eine solche versteckte Infektion vermutet werden. Ein Virus kann unter Umständen bei einer Zellteilung auf Tochterzellen übertragen werden und sein Genom persistiert in der Wirtszelle, ansonsten ist es aber nicht übertragbar (zeitweilig oder dauerhaft). So wird z. B. eine HBV-Infektion beim Menschen mit nicht nachweisbarem Hepatitis-B-Antigen (HBsAg) als okkulte Infektion bezeichnet. Abortive Infektion: Erregerübertragung mit nur leichten Krankheitserscheinungen. Manifeste (apparente, klinische) Infektion: Erregerübertragung mit deutlichem Ausbruch der Infektionskrankheit (klinische Symptome). Opportunistische Infektion: Erregerübertragung bei schon erkrankten Menschen mit Immunschwäche, die bei gesunden Menschen mit normalem Immunsystem nicht zu einer Erkrankung führen würde. Die Erreger machen sich die erworbene Abwehrschwäche des Körpers zunutze. Weitere Unterscheidungen Infektionsort (geographisch) Autochthone Infektion: eine Infektion vor Ort mit dem jeweiligen Erreger Allochthone Infektion: eine von einem anderen Ort eingeschleppte (importierte) Infektion. Direkte und indirekte Infektion Direkte Infektion: Erregerübertragung von Mensch zu Mensch ohne Zwischenschritte. Indirekte Infektion: Übertragung mittels verschiedener Überträger. Hierzu zählen Vektoren wie beispielsweise blutsaugende Insekten sowie Wasser, Nahrung und beliebige Gegenstände. Horizontale und vertikale Infektion Horizontale Infektion: Erregerübertragung vom Wirt zu einem anderen Wirt der gleichen Generation. Vertikale Infektion: Erregerübertragung von einem Wirt zu seinen Nachkommen. Pränatale Infektion: Erregerübertragung vor der Geburt in der Gebärmutter (intrauterin) über den Mutterkuchen (transplazentar). Perinatale Infektion: Erregerübertragung während der Geburt. Postnatale Infektion: Erregerübertragung nach der Geburt, z. B. durch die Muttermilch. Präpatente und patente Infektion (bei Zoonosen) Präpatente Infektion: bei einer Parasiteninfektion die Phase von der Aufnahme bzw. dem Eindringen infektionsfähiger Parasitenstadien in den Organismus bis zur Entwicklung ausgewachsener, eierlegender Parasiten. In den Körperausscheidungen des Wirtes sind keine Fortpflanzungsprodukte zu finden. Patente Infektion: die Phase nach der Entwicklung der Eindringlinge zu ausgewachsenen, eierlegenden Parasiten. Ihre Fortpflanzungsprodukte treten nun in den Körperausscheidungen des Wirtes auf. Diese Begriffe werden in der Humanmedizin bei Zoonosen verwendet, aber auch in der Veterinärmedizin (z. B. bei Infektionen von Kleintieren mit Würmern). Zeitliche Dynamik von Infektion und Erkrankung Hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs einer Infektion unterscheidet man den Infektionszeitpunkt, eine eventuell darauffolgende Latenzperiode und schließlich die infektiöse Periode (Infektionsperiode) als die Zeitspanne, innerhalb deren der Infizierte, anders als während des latenten Stadiums, ansteckend ist. Der Zeitraum zwischen der Ansteckung und der ersten Ausbildung klinischer Symptome wird Inkubationszeit genannt. Prävention Die überwiegend hygienischen Maßnahmen der Expositionsprophylaxe verhindern weitgehend eine Übertragung von Krankheitserregern, die für Infektionen verantwortlich sind. Außerdem kommen unter Umständen eine Chemoprophylaxe bzw. Postexpositionsprophylaxe in Betracht. Vielen Infektionskrankheiten kann außerdem durch gezieltes Bewirken einer Immunität vorgebeugt werden, vor allem durch Impfung (Infektionsprophylaxe durch aktive Immunisierung), in einigen Fällen auch durch passive Immunisierung. Therapie Die Behandlung von Infektionen hängt unter anderem von den auslösenden Erregern ab. Es kommen dabei vor allem die Entfernung des Infektionsherdes sowie eine antimikrobielle Therapie mit Antibiotika in Betracht. Siehe auch Infektiologie Infektionsschutz Seuche Infektionsepidemiologie Literatur David M. Knipe, Peter M. Howley, Diane E. Griffin (Hrsg.): Fields Virology. 5. Auflage. Lippincott Williams & Wilkins, Philadelphia 2007, ISBN 978-0-7817-6060-7. Karl Sudhoff: Infektion und Infektionsverhütung im Wandel der Zeiten und Anschauungen. In: Sudhoffs Archiv. Band 21, 1929, S. 207–218. Weblinks Ziel- und Effektorzellen einer Infektion auf monozyten.de (englisch) Darstellung von Infektionen mit Schwerpunkt Lungenerkrankungen auf lungeninformationsdienst.de Einzelnachweise Infektionskrankheit
Q166231
329.781446
42707
https://de.wikipedia.org/wiki/Graf
Graf
Graf, weiblich Gräfin, ist ein Adelstitel, der in den meisten europäischen Ländern verliehen wurde. Wortherkunft Die althochdeutschen Formen grafio und gravo stammen wahrscheinlich über das mittellateinische graffio vom byzantinisch-altgriechischen grapheus „Schreiber“. Der lateinische Ausdruck comes, auf den die meisten anderssprachigen Versionen zurückgehen (frz. comte/comtesse, engl. count/countess, ital. conte/contessa, span. conde/condesa usw.) bedeutet wörtlich „Begleiter“ (des Königs). Zu spätrömischer Zeit wurde als comes largitionum (Begleiter der Schatzkammer) ein hoher kaiserlicher Finanzbeamter bezeichnet. Graf als Adelstitel Amtsposition als Ursprung des Grafentitels Im Merowinger- und Frankenreich war ein Graf ein königlicher Amtsträger, der in einer Verwaltungseinheit, also einer Grafschaft oder einem Gau, die königlichen Hoheitsrechte ausübte. Karl der Große beseitigte die letzten Reste der älteren Stammesherzogtümer und führte stattdessen die sogenannte Grafschaftsverfassung ein. Die Verwaltung im Reich lag nun, wie bereits teils in merowingischer Zeit, vor allem in den Händen der Grafen. Diese fungierten nicht nur als Heerführer, sondern auch als königliche Amtsträger bei der Ausübung der Regalien. In bestimmten Bereichen waren sie Stellvertreter des Königs, zum Beispiel als Mark-, Burg- und Pfalzgrafen. Besondere Bedeutung erlangten die Markgrafen: In ihrem Amt bündelten sich verschiedene Kompetenzen in den neuen Marken, wo sie über weitreichende Sonderrechte verfügten. Die Übertragung von Ämtern und Gütern an ausgesuchte Adelsfamilien sicherte deren Loyalität und begründete eine neue Reichsaristokratie, die an der Königsherrschaft partizipierte; es handelte sich damit in der Zeit Karls des Großen noch nicht um vererbbare, sondern verliehene Ämter. Einer besseren Herrschaftsdurchdringung des Vielvölkerreichs sollten die sogenannten Königsboten (missi dominici) dienen. Diese wurden paarweise entsandt, je ein weltlicher und ein geistlicher Bote (in der Regel ein Graf und ein Bischof), um Anweisungen und Erlasse durchzusetzen und Abgaben einzutreiben, aber auch zur Demonstration der königlichen Herrschaftspräsenz und zur Kontrolle vor Ort. Sie konnten in einem zugeteilten Bezirk wenn nötig die unmittelbare Herrschaftsgewalt ausüben und Urteile fällen. Es waren die missi, welche den Treueeid abnahmen, den in den Jahren 789 und 802 alle männlichen Bewohner des Reiches ab dem Alter von zwölf Jahren dem König leisten mussten, um ihm die Loyalität seiner Untertanen zu sichern. Auch später blieben die Grafen in bestimmten Gebieten des Reichsguts, einer Königspfalz mit Umland oder später einer Reichsburg mit Umland, Stellvertreter des Königs. In der Regel entstammten diese „Amtsgrafen“ dem fränkischen (nach Angliederung der entsprechenden Gebiete auch dem schwäbischen, bairischen oder sächsischen) Adel (Edelfreie). Meist verfügten sie in dem entsprechenden Amtsbezirk (der Grafschaft) über umfangreichen Eigenbesitz (Allod), was ihnen die Durchsetzung ihrer Amtsgewalt erleichterte. Der Graf war zunächst mit Wehrhoheit und Gerichtsbarkeit, später auch mit Finanz- und Verwaltungshoheit ausgestattet. Die Grafschaftsverfassung des Frankenreichs wurde außer in seinen Nachfolgestaaten Deutschland, Frankreich und Italien auch von England (County), Spanien und Ungarn (Komitat) übernommen. Schon von Beginn an bestand durch die häufige Wahl der Grafen aus dem lokalen Adel die Tendenz zur Erblichkeit. Ein König musste schon gute Gründe vorbringen, um dem Sohn eines Grafen die Nachfolge seines Vaters zu verwehren. Seit den Ottonen wandelte sich die Bedeutung des Grafentitels durch seine zunehmende Erblichkeit und die Einbindung ins Lehnssystem vom ursprünglichen Amt zum Begriff für die zusammengefassten Rechte eines Adligen in einem bestimmten Bereich. Die Grafenrechte wurden durch Tausch, Verkauf und Erbteilungen immer mehr privatrechtlich behandelt, die Grenzen zwischen Amtsgewalt und Privatbesitz verschwammen. Als äußeres Zeichen dieser Entwicklung setzte sich vermehrt die Bezeichnung der Grafschaft nach dem jeweiligen Herrschaftsmittelpunkt (der Hauptburg) des Grafen anstatt nach der ursprünglichen Bezeichnung des betreffenden Reichsgaues durch. Im Hochmittelalter gerieten die meisten Grafschaften und damit deren Rechte unter die Kontrolle edelfreier oder aus der Ministerialität emporsteigender Geschlechter oder der bereits mächtigen Herzöge. Die Salier versuchten – ohne nachhaltigen Erfolg – die Reorganisation der Grafschaften durch ihren ministerialischen Dienstadel zu erreichen. Die Verwaltung der Grafschaft und der mit ihr verbundene Titel waren daher überwiegend nicht mehr mit einer jederzeit widerrufbaren Amtsposition verbunden, sondern zum erblichen Lehen geworden. Der Grafentitel als adlige Rangstufe Im Spätmittelalter wurden die Inhaber vieler großer Lehnsterritorien in den Grafenstand erhoben, aus der Amtsbezeichnung wurde ein Adelstitel. Die Ehefrau eines Grafen ist „Gräfin“, die Söhne von Grafen sind in der Regel ebenfalls Grafen. Die unverheiratete Tochter eines Grafen ist Gräfin, wurde jedoch seit dem 17. Jahrhundert auch als „Comtesse“ (frz. comtesse „Gräfin“, deutsch: Komtesse, auch Komtess) angesprochen, was bis ins späte 19. Jahrhundert gebräuchlich blieb. Der deutsche Adel unterteilte sich allmählich in Hohen und Niederen Adel. Zum Hohen Adel zählten diejenigen Grafen, die reichsunmittelbare Territorien von „fürstmäßiger Größe und Bedeutung“ regierten, für welche sie auf den Grafenbänken des Reichstags über Sitz und Stimme verfügten. Sie bildeten damit den untersten Rang der Reichsstände. Die bloßen Titulargrafen (ohne solche Territorien) gehörten hingegen zum Niederen Adel. Im Heiligen Römischen Reich konnte der Adelstitel „Graf/Gräfin“ nur vom Kaiser (oder bei Sedisvakanz von einem Reichsvikar) verliehen werden. Man spricht insoweit auch von „Reichsgrafen“, wobei dieser Begriff zweischichtig ist: Die „regierenden“, reichsunmittelbaren Grafen trugen ihre Territorien direkt vom Reich zu Lehen. Aufgrund der Verpflichtung zur Stellung eines militärischen Aufgebots wurden solche gräflichen, fürstlichen oder herzoglichen Reichslehen auch Fahnlehen genannt. Nachdem die zuvor formlosen Hoftage ab 1495 im Reichstag institutionalisiert wurden, erhielten die reichsunmittelbaren Grafen dort auf den „Grafenbänken“ Sitz und Stimme (neben Herzögen, Fürsten und Kirchenfürsten) und gehörten dadurch zu den Reichsständen. Sie zählten damit zum Hohen Adel und werden im Gothaischen Genealogischen Handbuch in der (roten) Bandreihe Fürstliche Häuser in der „Zweiten Abteilung: Genealogie der deutschen Standesherren“ geführt (siehe Auflistung). Ihnen stand die Anrede Erlaucht zu. Über ihren Wappen führen sie den Fürstenhut. Die vom Grafen abgeleiteten Titel Pfalzgraf, Landgraf und Markgraf haben eine besondere Bedeutung und gehörten im Alten Reich nicht zu den gräflichen, sondern zu den fürstlichen Rängen (siehe unten). Die bloßen Titulargrafen, die ihren Grafentitel „vom Reich“ (das heißt vom Reichsoberhaupt) seit dem 16. Jahrhundert zunehmend als Rangerhöhung erhalten haben, aber keine Regierungsgewalt in Territorien mit Sitz und Stimme im Reichstag ausübten, zählen zum Niederen Adel und stehen im Rang auch nicht über solchen Grafen, die ihre Titel von anderen Monarchen erhalten haben. Sie bilden die breite Masse der Grafen und werden im „Gotha“ in der (grünen) Bandreihe Gräfliche Häuser geführt, gemeinsam mit den von anderen Souveränen erhobenen Grafen. Ihnen stand die Anrede Hochgeboren zu und über ihren Wappen führen sie die neunzackige Grafenkrone. Auch niederadlige Grafen konnten reichsunmittelbar sein, und zwar wenn sie zur Reichsritterschaft zählten; sie waren damit allerdings nicht im Reichstag vertreten und somit auch nicht „reichsständisch“. Bis zum frühen 18. Jahrhundert war „das Reich“ (also der Kaiser) die einzige Quelle von „Grafungen“ im Reich, analog etwa zu Grafenerhebungen durch den französischen oder den englischen König. Als einziger der regierenden Reichsfürsten durfte der König von Böhmen, der auch zu den sieben Kurfürsten zählte, für sein Gebiet ebenfalls Grafenerhebungen vornehmen, doch fielen unter dem Haus Luxemburg ab 1347 und später unter dem Haus Habsburg ab 1531 die böhmische Königskrone und die deutsche Kaiserkrone über lange Zeiträume in Personalunion zusammen. Den Habsburgerkaisern stand es also frei, entweder Reichstitel (als Wahlkaiser des Heiligen Römischen Reichs) oder erbländische Titel (für ihre Königreiche Böhmen und Ungarn) zu verleihen. Erst ab 1701 begann der erste König in Preußen mit (seltenen) eigenständigen Grafenerhebungen; die anderen Reichsfürsten mussten bis zum Untergang des Alten Reichs 1806 für Grafenerhebungen beim Kaiser ein entsprechendes Gesuch stellen. Das Herzogtum Holstein stand, wie auch das Herzogtum Schleswig, welches außerhalb des Reiches lag, in Personalunion zum Königreich Dänemark, weshalb an schleswig-holsteinische Adelsfamilien (vor allem an die alten Equites Originarii) häufiger dänische Lehnsgrafentitel verliehen wurden, seltener Reichstitel. Die Lehnsgrafentitel sind primogen (das heißt Erstgeburtstitel); oft erfolgte nach dem Übergang des Landes an Preußen 1866 aber die preußische Anerkennung, bisweilen auch eine Erweiterung der Primogeniturtitel auf allgemeine Erblichkeit. Nach dem Ende des alten Reiches 1806 wurden im Deutschen Bund die einzelnen Bundesfürsten souverän und durften daher nunmehr selbst Adelsverleihungen vornehmen, ohne Limit, bis hinauf zum Fürstenstand. Ebenso im Deutschen Kaiserreich von 1871 bis 1918, in dem allerdings keine Reichstitel vom Kaiser mehr verliehen wurden. Eine insbesondere im Preußen des 19. Jahrhunderts häufige Variante der Grafung war die Verleihung als Erstgeburtstitel an bedeutende Fideikommissherrn, also die jeweiligen Besitzer eines gesetzlich gebundenen Familiengutes oder Güterkomplexes. Erst nach dem Tod des jeweiligen Grafen ging der Erstgeburtstitel (mitsamt dem Besitz) dann auf den ältesten Sohn über, während die übrigen Familienmitglieder entweder Freiherren bzw. Freiinnen oder (meist) schlicht von hießen. Dies sollte einer „Inflation“ besitzloser Grafen vorbeugen. Eine besonders merkwürdige Variante des dänischen Lehnsgrafenstandes wurde 1672 der Familie von Brockdorff verliehen, mit einem primogenen Lehnsgrafentitel für den jeweils ältesten Sohn, dem Baronstitel für die jüngeren Söhne, jedoch dem Gräfinnentitel für die Töchter (um sie zu „guten Partien“ zu machen). Wie im österreichischen Adel waren auch im Deutschen Kaiserreich Grafenerhebungen in aller Regel altem Adel vorbehalten. Umso mehr stieß es bei den großen Höfen und im Uradel auf Argwohn, als der Fürst Reuß j. L., der ein winziges Ländchen regierte, 1881 den in Paris lebenden Bankier Adolf Wilhelm Kessler in den erblichen Grafenstand erhob, kurz nachdem dieser den „einfachen“ preußischen Adelsbrief erhalten hatte. Dabei war der Freiherrenstand übersprungen worden, der ansonsten meist die inoffizielle Obergrenze für die Titelverkäufe kleiner Bundesfürsten, wie etwa Sachsen-Meiningen u. a., darstellte. Das preußische Heroldsamt erkannte folglich für Herrn von Kessler den Grafenstand mit Wirkung für Preußen nicht an. Vielmehr schloss Preußen mit den übrigen deutschen Königreichen, Sachsen, Bayern und Württemberg, am 26. Oktober 1888 ein Geheimabkommen „zur Verhinderung mißbräuchlicher Adelsverleihungen“. Unter sanftem politischem Druck wurden auch die kleinen Bundesstaaten bis 1912 zum Beitritt veranlasst – wenn auch nicht ohne Widerstände. (Siehe auch: Käuflichkeit von Adelstiteln). Auch in den anderen europäischen Monarchien gab (oder gibt) es Grafenerhebungen. Im britischen Adel entspricht dem Grafen der Earl, der aber wie alle anderen britischen Adelstitel stets ein Erstgeburtstitel ist; ähnliches gilt für den spanischen Adel. Der skandinavische Adel, der französische Adel, der niederländische, belgische und teils auch der italienische Adel folgen jedoch weitgehend denselben Regeln des historischen Adelsrechts wie der deutsche und österreichische Adel. Für die Einhaltung dieser tradierten Prinzipien (sowie auch für die Vorbereitung der Adelserhebungen oder -erhöhungen) waren (oder sind) die Heroldsämter der Krone zuständig. Im deutschsprachigen Raum wacht heute der Deutsche Adelsrechtsausschuss über die Einträge in das Gothaische Genealogische Handbuch und damit über die Einhaltung des historischen Adelsrechts bei der Feststellung der Eintragungsfähigkeit. Durch die Aufhebung der Adelsvorrechte in der Weimarer Republik wurden 1919 die „Vorrechte der Geburt“ (und damit die Standesvorrechte des Adels) abgeschafft (Artikel 109 Abs. 3 Weimarer Reichsverfassung). Die Adelstitel wurden zu Bestandteilen des amtlichen Nachnamens, wodurch der frühere Adelstitel (dessen weibliche Formen weiterhin gebildet werden) nach den Vornamen erscheinen, während sie zu Zeiten der Monarchie auch teilweise als Titel vor die Vornamen gesetzt wurden. (In Österreich hingegen war es bis 1919 üblich, den Adelstitel zwischen dem Vor- und dem Nachnamen einzufügen). Der Österreichische Adel wurde durch das Adelsaufhebungsgesetz ausdrücklich abgeschafft und die Führung des Adelsprädikats „von“ sowie von Rangtiteln sogar unter Strafe gestellt. Nach dem allgemeinen Sprachgebrauch lautet die mündliche Anrede „Graf/Gräfin Soundso“ (unter Weglassung des „von“). Die behördliche Adressierung von Briefen lautet „Herrn Woldemar Graf von XY“, während im privaten Schriftverkehr oft noch die traditionelle Höflichkeitsform „S.H. Woldemar Graf von XY“ verwendet wird. Abgeleitete Titel Landgraf (comes provincialis, comes patriae, comes terrae, comes magnus u. ä.): anfangs Amtstitel eines Lehensträgers unmittelbar vom König. Später gehörten die Landgrafen von Thüringen und Hessen dem Reichsfürstenstand an und waren annähernd einem Herzog gleichgestellt Markgraf (marchio): im Frühmittelalter Amtsträger in einer Grenzmark eines Reiches (daher auch Grenzgraf oder comes terminalis). Später in den meisten europäischen Ländern ein Adelstitel im Rang zwischen Graf und Fürst/Herzog (Marquis, Marchese, Marqués, Marquess). Im Heiligen Römischen Reich jedoch nur selten verwendeter Titel bestimmter regierender Reichsfürsten wie der Markgrafen von Meißen oder Markgrafen von Baden, die im Rang etwa Herzögen gleichgestellt waren (und deren Titel daher in anderen Sprachen als Margrave übersetzt wird, in betontem Unterschied zu den vorgenannten rangniedrigeren Marquis usw.). Gaugraf (comes): im Frühmittelalter der Amtsträger in einem Gau (und Führer eines Heerbanns); später abgekommen und nicht als Rangtitel verwendet. Pfalzgraf (comes palatinus) und Hofpfalzgraf (comes palatinus caesareus): Amtsträger als unmittelbarer Vertreter des Königs (bzw. des Kaisers), später im Reichsfürstenstand, einem Fürsten gleichgestellt, aber mit höherem Ansehen verbunden Reichsgraf: ursprünglich der Graf einer anfangs königs-, dann reichsunmittelbaren Grafschaft, reichsständisch mit Sitz und Stimme im Reichstag. Seit dem 17. Jahrhundert zunehmend auch als Bezeichnung für den reinen Adelstitel Graf, sofern er durch den römisch-deutschen Kaiser verliehen war. Der Grafentitel wurde im Alten Reich nur selten unmittelbar an Bürgerliche verliehen (Briefadel); zumeist durchliefen die Familien zuvor die Erhebung in den einfachen Adelsstand (sofern sie nicht bereits dem Uradel angehörten) und dann in den Freiherrenstand, bevor sie schließlich die „Grafung“ als üblicherweise letzte Rangerhöhung erhielten. In den nächsthöheren Fürstenstand schafften es nur wenige Familien. Lehnsgraf: seit 1671 der dänische Grafenstand (lensgreve) als höchster Rang des titulierten Adels in Dänemark. Titel für den diplomierten Inhaber einer Lehnsgrafschaft (Territorium, ein großes Rittergut als Familienfideikommiss), bzw. für dessen erstgeborenen Sohn als präsumptiven Nachfolger. Burggraf (praefectus, castellanus): Amtsbezeichnung eines Lehnsnehmers des Königs (reichsunmittelbar) oder eines Landesherrn (Herzog, Graf, Fürstbischof, Bischof: landesunmittelbar) in einem kleinen Territorium, welcher in der Burggrafschaft Administration, Jurisdiktion und Militärverwaltung ausübte; später Adelstitel. Freigraf, z. B. die Freigrafschaft Burgund, Entwicklung aus der vormaligen Pfalzgrafschaft Burgund. Erbgraf: der erstgeborene Sohn bzw. Erbe eines reichsständischen (nach der Mediatisierung standesherrlichen) und somit hochadligen Grafen (vergleichbar etwa einem Erbprinzen). Spezielle Titel: Wildgrafen (comites silvestres), Raugrafen und Rheingrafen: Diverse Geschlechter von Gaugrafen in Nachfolge der südwestdeutschen Emichonen; aus den Rheingrafen gingen später die Grafen von Salm hervor, die den Titel Wild- und Rheingrafen führten. Hallgrafen: Grafschaft zur Überwachung und Organisation des Salzhandels um Bad Reichenhall; 1169 von Heinrich dem Löwen als Herzog von Bayern eingezogen. In anderen Sprachen: Earl, in nichtbritischen Gebieten Count (englisch) Conte (italienisch) Comte (französisch, katalanisch) Conde (spanisch) Vicomte (französisch): ursprünglich der Stellvertreter eines Grafen (Vizegraf). In Frankreich, England (Viscount) und den Niederlanden (Burggraaf) eigenständiger Titel zwischen Baron und Graf. Graf als nichtständische Amtstitel Auch einige nichtadelige Amtsträger werden traditionell als Graf bezeichnet. Richterliche Ämter mit Verwaltungsbefugnissen: Freigraf: der durch den Gerichtsherrn (Stuhlherrn) eingesetzte Vorsitzende eines Freigerichts (auch Femegericht genannt). Jeder unbescholtene Freie konnte Vorsitzender oder Schöffe eines Femegerichtes werden. Gograf (niederdeutsch: Gohgreve): der von den Landbewohnern gewählte und vom Landesherrn bestätigte Bauernrichter eines größeren Bezirks in Norddeutschland Zentgraf (centenarius): Stellvertreter eines Grafen (Vizegraf), im Hessischen und Südwestdeutschen (dieselbe Bedeutung wie im Norddeutschen Gograf) Verwaltungsbeamte, teils mit richterlicher Befugnis: Hansegraf: Das historische Amt des Hansegrafen oder Hansgrafen ist erstmals 1184 in Regensburg belegt und war je nach Stadt verschieden ausgestaltet; meist handelte es sich um Beamte für Hanse-, Markt- oder Handelsangelegenheiten. Deichgraf: Bei waterschappen und einigen Deichgenossenschaften trägt der Obmann die Bezeichnung Deichgraf (niederdeutsch: Diekgreve). Holzgraf: Vorsitzender für das Forstwesen. Er wurde von den Markgenossen gewählt. Wichgraf: unterstand einem Bischof Bördegraf: gutsherrlicher Bote oder Untervogt eines Gerichtsbezirks (Börde) Salzgraf: Leiter eines Salzwerkes mit richterlichen Befugnissen Literatur Manfred Mayer: Geschichte der Burggrafen von Regensburg. München 1883. Johann Stephan Pütter: Anleitung zur juristischen Praxi wie in Teutschland sowohl gerichtliche als außergerichtliche Rechtshändel … verhandelt und in Archiven beygeleget werden. Theil 2: Zugaben: insonderheit von der Orthographie und Richtigkeit der Sprache und vom teutschen Canzley-Ceremoniel. 5. Auflage. Vandenhoeck, Göttingen 1802. Dietmar Willoweit, Elmar Wadle: Graf, Grafschaft. In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, I. Band: Aachen – Haussuchung. Schmidt, Berlin 1971, Sp. 1775–1795. Weblinks alle 1918 noch blühenden gräflichen Familien im Adelslexikon.com Anmerkungen Adelstitel
Q28989
208.30736
35588
https://de.wikipedia.org/wiki/Zimmer
Zimmer
Als Zimmer wird ein Raum bezeichnet, der einen von Wänden, Boden und Decke umschlossenen Teil einer Wohnung oder eines Gebäudes, insbesondere eines Wohngebäudes bildet, eine gewisse Größe bzw. Grundfläche aufweist (in der Regel mindestens circa 10 m²) und üblicherweise über Fenster verfügt (ausgenommen Badezimmer, die oft fensterlos sind). Nicht als Zimmer bezeichnet werden in der Regel die Räume, die ausdrücklich nicht Wohnzwecken dienen, wie der Abstellraum, Garagen, Stallungen oder Nebenräume wie Hausflure, Liftschächte und Ähnliches. Ein Zimmer betritt man durch eine Tür. Oberirdische Zimmer besitzen meist Fenster, die zur Belichtung und zur Belüftung dienen. Zimmer in Tiefparterren oder Untergeschossen dagegen können Kellerfenster haben, Zimmer im obersten Geschoss eventuell (auch oder nur) Dachfenster bzw. Oberlichter. Bei Wasserfahrzeugen und Luftschiffen nennt man die Räume Kabinen oder Kajüten, bei Schienenfahrzeugen Abteile, bei Wohnmobilen und Wohnwagen ebenfalls Zimmer. Wohnraum – Raum, Zimmer, halbes Zimmer Bei der Beschreibung von Wohnraum wird oftmals der Begriff „halbes Zimmer“ verwendet. Es gibt keine allgemein gültige Definition dieses Begriffs. In der im März 1951 eingeführten und 1983 zurückgezogenen „DIN 283 – Blatt 1 – Wohnungen“ hatten „vollwertige Wohnräume“ mindestens 10 Quadratmeter und „halbe Zimmer“ 6 bis 10 Quadratmeter sowie eine Mindestbreite von 2,10 Metern über 2/3 der Grundfläche. Küchen mit mindestens 12 m² wurden hierin als Wohnküchen bezeichnet. Speziell in der Zeit nach der Deutschen Wiedervereinigung konnte die Verwendung der Begriffe „Zimmer“ und „Raum“ zu einiger Verwirrung bei der Wohnungssuche führen. So entsprach manche „Vierraumwohnung“ im Plattenbau der ehemaligen DDR einer „Zweizweihalbzimmerwohnung“ nach westlicher Terminologie, da sie neben den Räumen für die Funktionen Wohnen und Schlafen über zwei unter 10 m² große Räume für die Kinder verfügten. Aber auch im Altbaubereich gab und gibt es Wohnungen mit zwei „halben“ Zimmern, z. B. nach der Zusammenlegung einer 2- und einer 2-1/2-Zimmer-Wohnung auf einer Etage, da in der Regel nur eine Küche benötigt wird und so eine der Küchen als Wohnraum umgenutzt werden kann – das Ergebnis wäre in diesem Fall eine 4-2/2-Zimmer-Wohnung. Der Zensus 2011 über Gebäude und Wohnungen in der Bundesrepublik Deutschland, Stichtag 9. Mai 2011, definiert keine halben Zimmer mehr. Hier wird nur der Begriff Raum definiert: Die Zahl der Räume umfasst alle Wohn-, Ess- und Schlafzimmer und andere separate Räume (z. B. bewohnbare Keller- und Bodenräume) von mindestens 6 m² Größe sowie abgeschlossene Küchen unabhängig von deren Größe. Bad, Toilette, Flur und Wirtschaftsräume werden grundsätzlich nicht mitgezählt. Ein Wohnzimmer mit einer Essecke, Schlafnische oder Kochnische ist als ein Raum zu zählen. Dementsprechend bestehen Wohnungen, in denen es keine bauliche Trennung einzelner Wohnbereiche gibt (z. B. Loft-Wohnungen) aus nur einem Raum. Heute wird der Begriff neben kleinen Räumen auch für Durchgangszimmer und andere nicht vollwertige Räume, wie beispielsweise Abstellkammern, gebraucht. Unabhängig davon (der Zensus ist eine rein statistische Erhebung) werden bis heute die Begriffe „Zimmer“ (über 10 m²) und „halbes Zimmer“ (6–<10 m²) in der Wohnungswirtschaft verwendet, wobei Küchen niemals berücksichtigt werden, durchaus aber ein Durchgangszimmer wie ein „Berliner Zimmer“ – dies ist bei Wohnungssuchen zum Zwecke der Gründung einer Wohngemeinschaft im Altbau relevant. In der Schweiz wird für eine Wohnung maximal ein halbes Zimmer angerechnet. Als halbe Zimmer zählen Wohnküchen mit einer Nettowohnfläche von mindestens 12 m², Wohndielen oder Essplätze mit Fenstern ins Freie und einer verkehrsfreien Fläche von mindestens 6 m². Arten von Zimmern Zimmer werden benannt nach ihrem Hauptzweck Wohnzimmer Küche Badezimmer Schlafzimmer oder Klosterzelle Vorratskammer Esszimmer, Speisezimmer Arbeitszimmer, Büro, Atelier, Schreibzimmer, Lesezimmer, Amtszimmer, Konferenzzimmer Kinderzimmer, Spielzimmer Garderobe (Raum) Gästetoilette Fremdenzimmer Gästezimmer Hotelzimmer Wartezimmer Klassenzimmer nach ihrer Lage Kellerraum Dachzimmer, Giebelzimmer, Hinterzimmer, Mansardenzimmer nach ihrem Stil Berliner Zimmer Suite, luxuriöse Zimmerflucht nach ihrer Nutzung Gefängniszelle Waschküche nach ihrem Zugangsweg Durchgangszimmer (Zimmer, durch das weitere Zimmer betreten werden können (z. B. Berliner Zimmer)) gefangenes Zimmer (Zimmer, welches hinter einem Durchgangszimmer liegt und ausschließlich über dieses betreten oder verlassen werden kann) nach ihrer Größe halbes Zimmer Wortherkunft, historische und spezielle Begriffe Das Wort leitet sich von ab (vergl. ) und bedeutet ursprünglich hölzernes Blockwerk, Blockhaus. Da diese Bauweise vergleichsweise aufwändig war, wurden oft nur der ebenerdige Wohnraum in Blockbauweise ausgeführt. Das Zimmer war also die gezimmerte Stube. Diese Bedeutung lebt noch in der regionalen Fachsprache des Zimmermanns in dem Ausdruck Zimmer ausdrücklich nur für die Eckverbindung (die Schrot) eines Blockbaus weiter. Mit dem Zimmer zusammenhängende Begriffe sind: Alkoven, eine abgetrennte Nische eines Zimmers, mit kammerähnlichem Charakter Gaden, der Raum eines einräumigen Gebäudes Kammer, der abgetrennte Raum, ursprünglich ‚Verschlag‘ Stube, der heizbare Raum, meist der repräsentative Hauptwohnraum (siehe auch Gute Stube) Gemach (zu gemächlich): Wohnraum, in den man sich aus den öffentlichen Räumlichkeiten zurückziehen konnte, „Privatraum“ Kabuff: bezeichnet gewöhnlich einen dunklen, engen Raum Kabäuschen: bezeichnet ein Kleinstzimmer, in dem bspw. nur Bett und Nachttisch Platz finden. (Das Wort Kombüse wird auf mittelniederländisch kabuyse oder kabuys zurückgeführt und erscheint im 15. Jahrhundert im Mittelniederdeutschen als kabuse (siehe auch Kabuff): Damals bedeutete es so viel wie Bretterverschlag als Küchenraum an Bord, auch kleines, niedriges Deckshaus für die Küche.) Kabinett (von altfranzösisch cabine ‚Hütte‘, vergl. Kabine): Das Hinterzimmer (historisch entsprechend dem Hinterstübchen, Hintergaden, im Bauernhaus der Raum hinter der heizbaren Stube, Schlafstätte der Altbauern oder des besseren Gesindes), der Nebenraum einer Einzimmerwohnung, davon der Ausdruck „mit Küche und Kabinett“, wenn das eine Zimmer von Schlaf- und Kochbereich freigehalten werden kann, für eine „bessere“ Wohnung niedrigen Standards oder für ‚den gesamten Hausrat‘; dann auch allgemein der Rückzugsraum in einer herrschaftlichen Wohnung oder einem Club, ein Raum für vertrauliche Beratung oder ein abgeschlossenes Beratungszimmer mit dem dort tagenden Gremium, etwa dem Regierungskabinett Kemenate, Kaminraum Séparée, abgeteilter, sichtgeschützter Bereich in einem Lokal oder Restaurant Gesindestube, Raum im Bauernhaus für das Gesinde Siehe auch Bernsteinzimmer Frauenzimmer Zimmerpflanze Weblinks Einzelnachweise Typ von Innenräumen Innenarchitektur
Q180516
106.491594
2640
https://de.wikipedia.org/wiki/Kelvin
Kelvin
Das Kelvin (Einheitenzeichen: K) ist die SI-Basiseinheit der thermodynamischen Temperatur und zugleich gesetzliche Temperatureinheit in der EU, der Schweiz und fast allen anderen Ländern. Das Kelvin wird vor allem in Naturwissenschaft und Technik zur Angabe von Temperaturen und Temperaturdifferenzen verwendet. Der Zahlenwert einer Temperaturdifferenz ist in den beiden Einheiten Kelvin und Grad Celsius (°C) gleich. Allerdings ist die Kelvin-Skala gegenüber der Celsius-Skala um −273,15 K verschoben: Der absolute Nullpunkt liegt bei 0 K (−273,15 °C) und eine Temperatur von 0 °C entspricht 273,15 K. Das Kelvin wurde nach William Thomson, dem späteren Lord Kelvin, benannt, der im Alter von 24 Jahren die thermodynamische Temperaturskala vorschlug. Bis 1967 lautete der Einheitenname „Grad Kelvin“, das Einheitenzeichen war °K. Definition Das Kelvin ist über die Boltzmann-Konstante definiert. Diese wurde dazu im Rahmen der Revision des Internationalen Einheitensystems 2019 auf den Wert festgelegt. Ein Kelvin ist damit diejenige Änderung der thermodynamischen Temperatur T, die einer Änderung der thermischen Energie kBT um exakt Joule entspricht. Mit dieser Definition ist das Kelvin unabhängig von Materialien und Normalen definiert, hängt aber über das Joule von den (ebenfalls über Konstanten definierten) Basiseinheiten Meter, Kilogramm und Sekunde ab und damit letztlich von den drei Konstanten , und . Zuvor war das Kelvin über die Temperatur am Tripelpunkt (fest/flüssig/gasförmig) von Wasser definiert. Der Nullpunkt der Kelvinskala (T = 0 K) liegt beim absoluten Nullpunkt. Diese Temperatur ist jedoch nach dem Nernstschen Wärmesatz weder messbar noch erreichbar. Zusammenhang mit dem Grad Celsius Die Celsius-Skala der Temperatur ist so definiert, dass die Temperatur in Grad Celsius gemessen gegenüber der Temperatur in Kelvin um exakt 273,15 verschoben ist: Durch diese Festlegung wurde erreicht, dass die Differenz zwischen zwei Temperaturwerten in Kelvin und Grad Celsius gemessen zahlenmäßig gleich groß sind und gleichwertig verwendet werden können. . Gefrier- und Siedepunkt von Wasser bei Normalbedingungen (101,325 kPa Druck) liegen mit dieser Definition bei fast exakt 0 °C (273,15 K) und 100 °C (373,15 K). Geschichte Bis 2018: Separate Temperaturskala Eine absolute Temperaturskala mit dem Wert 0 am absoluten Nullpunkt wurde 1848 von William Thomson (dem 1. Baron Kelvin) vorgeschlagen. Die Teilungen dieser Temperaturskala trugen zunächst die Bezeichnung °A (für absolut). Sie wurde so definiert, dass Temperaturdifferenzen den gleichen Zahlenwert hatten wie auf der Celsius-Skala, die wiederum den Gefrierpunkt (0 °C) und den Siedepunkt (100 °C) von Wasser als Fixpunkte hat. Die absolute Skala und die Celsius-Skala waren dadurch um einen festen Wert gegeneinander verschoben. (Eine andere absolute Temperaturskala ist die Rankine-Skala, die sich an die Fahrenheit-Skala anlehnt.) 1948 wurde durch die 9. Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) festgelegt, dass eine absolute thermodynamische Skala den Tripelpunkt des Wassers als einzigen fundamentalen Fixpunkt haben sollte. Vor allem die starke Abhängigkeit des Siedepunkts vom Luftdruck hatte die Kalibrierung über die bisherigen Fixpunkte schwierig gemacht. Der Tripelpunkt hingegen war leicht und eindeutig reproduzierbar. Der Nullpunkt der Celsius-Skala (damals noch englisch centesimal scale genannt) sollte nach neuer Definition exakt 0,01 Grad darunter liegen. In Vorwegnahme des zukünftigen Namens der Einheit wurde für „Grad Absolut“ das Zeichen °K festlegt. Da Temperaturdifferenzen angegeben als absolute Temperatur und als Celsius-Temperatur denselben Zahlenwert haben, sollte für sie die „neutrale“ Einheitenbezeichnung „Grad“ (deg) verwendet werden. 1954 wurde das Kelvin von der CGPM in der bis zum 19. Mai 2019 gültigen Form definiert und zur Basiseinheit erklärt. Dadurch bekam zugleich das Grad Celsius eine neue Definition. Die Bezeichnung war zunächst „Grad Kelvin (°K)“ und wurde 1967 auf „Kelvin (K)“ geändert. Die Definition lautete seitdem: „Das Kelvin, die Einheit der thermodynamischen Temperatur, ist der 273,16-te Teil der thermodynamischen Temperatur des Tripelpunktes des Wassers.“. Zugleich wurde festgelegt, dass Temperaturdifferenzen ebenfalls in Kelvin anzugeben sind (und nicht mehr in Grad), wobei bei Celsius-Temperaturen alternativ auch die Bezeichnung „Grad Celsius“ erlaubt ist, die hier synonym zu „Kelvin“ ist. 2007 wurde noch hinzugefügt, dass es sich um (selbstverständlich chemisch reines) Wasser mit der Isotopenzusammensetzung von Standardozeanwasser handeln sollte. Die Messverfahren waren so präzise geworden, dass der Einfluss der Isotopen­zusammensetzung auf den Tripelpunkt des Wassers (Größenordnung von etwa 10 mK) relevant wurde. Da die Tripelpunkttemperatur zur Kalibrierung von Temperaturmessinstrumenten für andere Temperaturbereiche unhandlich war, schuf man 1990 die ITS-90 („Internationale Temperaturskala von 1990“). Sie verzeichnet mehrere auf über einen großen Temperaturbereich hin verteilte Referenzwerte, zum Beispiel wohldefinierte Schmelzpunkte; der Tripelpunkt des Wassers ist auch hier zentraler Bezugspunkt. Seit 2019: Anbindung an die thermische Energie Die thermodynamische Temperatur ist direkt proportional zur thermischen Energie, mit der Boltzmann-Konstanten als Proportionalitätsfaktor. Solange die Einheiten von Energie (Joule) und Temperatur (Kelvin) unabhängig voneinander definiert waren, musste die Boltzmann-Konstante experimentell bestimmt werden. Diese Messungen wurden im Laufe der Zeit immer präziser und erreichten schließlich die Präzision der Realisierung des Kelvin über den Tripelpunkt des Wassers. Damit war die Existenz zweier konkurrierender Definitionen nicht mehr zu rechtfertigen. Der Boltzmann-Konstanten wurde ein fester Wert in der Einheit J/K zugewiesen und das Kelvin dadurch direkt an das Joule gekoppelt. Der Wert der Boltzmann-Konstanten, die seitdem ein nur durch Konvention festgelegter Skalierungsfaktor ist, wurde so gewählt, dass das neue Kelvin möglichst genau mit dem alten übereinstimmte. Diese Änderung trat mit der Revision des Internationalen Einheitensystems am 20. Mai 2019 in Kraft. Symbol Das Symbol für die Maßeinheit ist der Großbuchstabe „K“. Der Unicode-Standard in Unicodeblock „Buchstabenähnliche Symbole“ enthält zwar zusätzlich das Symbol U+212A KELVIN SIGN, aber nur aus Gründen der Kompatibilität. Das Unicode-Konsortium rät ausdrücklich von dessen Verwendung ab. Die Verwendung von SI-Präfixen für Vielfache (Kilo-, Mega-, ...) ist beim Kelvin unüblich. Für Bruchteile des Kelvin werden mK, μK und nK verwendet. Beziehung zu anderen Einheiten Kelvin als Maß für Energie Häufig ist es wichtig zu wissen, ob eine energetische Barriere allein aufgrund von thermischen Fluktuationen überwunden werden kann. Die Wahrscheinlichkeit zur Überwindung der Barriere wird durch die Boltzmannverteilung bestimmt: Eine Barriere wird faktisch nie überwunden, bei wird sie leicht überwunden und bei wird die Barriere quasi nicht wahrgenommen. Der Einfachheit halber gibt man Energien deshalb oft in Kelvin an, oder Temperaturen in energetischen Einheiten wie Joule oder Elektronenvolt (eV). Die Umrechnungsfaktoren sind dann: Dies soll am Beispiel des Wasserstoffmoleküls verdeutlicht werden: Die Rotationsenergie und die Energie der Schwingung der Wasserstoffatome gegeneinander sind gequantelt, d. h. sie können nur diskrete Werte annehmen. Um das Molekül vom nichtrotierenden Zustand in den langsamst rotierenden Zustand zu überführen, bedarf es einer Energie von 15 meV, entsprechend 174 K. Wasserstoff rotiert also bei Raumtemperatur schon ganz beträchtlich. Für den ersten Schwingungszustand sind 516 meV, entsprechend 5980 K erforderlich. Wasserstoffmoleküle beginnen also erst bei sehr hohen Temperaturen Schwingungen auszuführen. Umrechnung in andere Temperaturskalen Temperaturen in Kelvin lassen sich über eine Zahlenwertgleichung wie folgt exakt umrechnen: {| | Grad Celsius: ||   || ||   || |- | Grad Fahrenheit: || || ||   || |- | Grad Rankine: || || || || |} Fixpunkte Farbtemperatur Das Kelvin dient auch zur Angabe des Farbeindrucks von „weißem“ Licht. Das Spektrum eines thermischen Strahlers (Glühbirne, Gasflamme, Sonne …) ist durch seine Temperatur gegeben, und entsprechend ordnet man auch dem Licht eines nicht-thermischen Strahlers (LED, Leuchtstoffröhre …) eine „Farbtemperatur“ zu. Wird beispielsweise die Farbtemperatur einer LED-Lampe mit 3000 K angegeben, so bedeutet das, dass sie denselben Farbeindruck erzeugt wie ein thermischer Strahler mit einer Temperatur von 3000 K. Diese Farbe würde man als „warmweiß“ bezeichnen, wobei „warm“ in diesem Zusammenhang nicht mit der Temperatur zusammenhängt, sondern mit der Einteilung von Farben in „warme“ (eher rötliche) und „kalte“ (eher bläuliche) Farben. Somit stehen hohe Farbtemperaturen für eher kalte Farbeindrücke. Weblinks The Internet resource for the International Temperature Scale (ITS) of 1990 – The water triple point (englisch) Das Kelvin – Schweizer Bundesamt für Metrologie METAS Neubestimmung der Boltzmann-Konstante k für die Neudefinition der Basiseinheit Kelvin – PTB Einzelnachweise Temperatureinheit William Thomson, 1. Baron Kelvin als Namensgeber
Q11579
1,580.317836
139279
https://de.wikipedia.org/wiki/Telefonie
Telefonie
Die Telefonie (seit 1996 veraltete Schreibweise: Telephonie; griechisches Kunstwort , von „fern, weit“ und „Stimme“) bezeichnet in erster Linie die Sprachkommunikation über eine technische Vorrichtung (z. B. Telefonnetz). Der erste Forscher, dem diese Form der Übermittlung von Sprachdaten bereits 1860 gelang, war Philipp Reis. Eine Übertragung von Sprache wird entweder durch analoge Telefondienste erreicht oder durch digitale, zum Beispiel ein Telefonnetz (z. B. ISDN), ein Funknetz (zum Beispiel GSM) oder ein paketvermitteltes Datennetz (zum Beispiel bei der IP-Telefonie). Wichtig ist dabei eine möglichst geringe Verzögerung (akzeptabel sind maximal 200 ms) und eine gute Tonqualität (meistens wird der Sprachverständlichkeit wegen der Frequenzbereich zwischen 300 und 3400 Hz übertragen). Endgeräte bei einem kabelgebundenen Telefonnetz sind Telefone, bei einem drahtlosen Funknetz Mobiltelefone und bei der IP-Telefonie ein spezielles IP-Telefon (VoIP- oder SIP-Telefon) oder ein Computer. Für die automatische Anrufannahme existieren Anrufbeantworter oder Voice-Mailboxen. Bei Funkdiensten werden Funkgeräte verwendet. Bei der Kommunikation über ein Telefonnetz wird das Ziel über eine numerische Rufnummer adressiert, bei der IP-Telefonie über die IP-Adresse, einen Benutzernamen oder eine ENUM-Rufnummer. Siehe auch Bildtelefon Headset Telefongespräch Weitere Bedeutungen Daneben bezeichnet Telefonie die ungewollte Übertragung von Schallschwingungen, z. B. vom Lautsprecher auf das Mikrofon. Dadurch entstehen hohe Pfeiftöne und Echos. Bei Hörgeräten werden diese Pfeiftöne von älteren Trägern oft nicht wahrgenommen, wohl aber von jüngeren Leuten in seiner Umgebung. Die mechanische Einwirkung vom Lautsprecher bzw. Schallwellen und Körperschall auf das Steuergitter einer Verstärkerröhre, auf Schwingkreise oder andere Bauteile wird als Mikrofonie bezeichnet. Dadurch entstehen Störgeräusche. Auch Belüftungsanlagen können ein Telefonieproblem aufweisen: ein sogenannter Telefoniedämpfer aus Mineralwolle wird eingebaut, um die Luft passieren zu lassen, aber die Schallübertragung zu verhindern. Als weitere Bedeutung wird mit Telefonie oder auch Phonie der Sprechfunk bezeichnet, insbesondere in Gegenüberstellung zur Telegrafie. Telefonie in diesem Sinne (etwa beim Jedermannfunk) setzt also keine telefonnetzartige Organisationsform voraus. Weblinks Historisches Archiv und Bibliothek PTT – Akten und Bibliotheksbestände zur Geschichte der Telefonie (Schweiz)
Q944584
122.312386
984418
https://de.wikipedia.org/wiki/Drakestra%C3%9Fe
Drakestraße
Als Drakestraße (Drake-Passage) wird die Meeresstraße zwischen der Südspitze Südamerikas (Kap Hoorn) und der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel (Prime Head, nördlichster Punkt der Trinity-Halbinsel) bezeichnet. Sie verbindet den Atlantischen Ozean, speziell die Scotiasee, mit dem Pazifischen Ozean und gehört zum Südlichen Ozean. Name Sie ist nach Francis Drake benannt, da dieser sie auf seiner Weltumsegelung auf der Suche nach zwei im Sturm abgetriebenen Begleitschiffen zufällig entdeckte. Geschichte Das Seegebiet wurde erstmals 1616 von Willem Cornelisz Schouten befahren, der die Straße ursprünglich nach Jakob Le Maire, dem Entdecker Kap Hoorns, Strait of Le Maire benannte. Es ist möglich, dass das Gebiet bereits vor Drake und Schouten von den spanischen Kapitänen Francisco de Hoces (1526) und Gabriel de Castilla (1603) befahren wurde. Deshalb wird die Meeresstraße in spanischen, argentinischen und chilenischen Quellen oft auch als Mar de Hoces (Hoces Meer) bezeichnet. Im Spanischen wird allerdings unter Estrecho de Le Maire der Durchgang zwischen Feuerland und Staateninsel verstanden. Geographie Die Straße ist von der Staateninsel bis zu den Südshetlandinseln 480 Seemeilen breit und fast frei von Inseln, was dem Antarktischen Zirkumpolarstrom die Möglichkeit gibt, als einzige Meeresströmung den gesamten Globus zu umfließen. Dies verhindert das Vordringen wärmeren Wassers an die antarktische Küste und ermöglicht so erst die Ausbildung der gewaltigen Eiskappe. Bis in das späte Eozän (vor etwa 35 Millionen Jahren) war die Drakestraße noch verschlossen und die Antarktis wesentlich wärmer als heute, vergleichbar dem heutigen Skandinavien. Die Tierwelt des Seegebietes ist reichhaltig. Wale und Delfine, aber auch Albatrosse oder Pinguine können beobachtet werden. Weblinks Meerenge (Südlicher Ozean) Francis Drake Meerenge in Südamerika Meerenge in Antarktika Wikipedia:Artikel mit Video
Q143650
84.795172
28739
https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChling
Frühling
Der Frühling oder Lenz, auch das Frühjahr genannt, ist eine der vier Jahreszeiten und folgt auf den Winter. In den gemäßigten Zonen ist es die Zeit der erwachenden und sprießenden Natur. Im Laufe eines Jahres ändern sich Tageslänge (als Dauer des lichten Tages) und Tagbogen der Sonne (mit höchstem mittäglichem Sonnenstand) abhängig von der geographischen Breite eines Ortes. Dies führt auf der Erde in mittleren Breiten zu deutlich ausgeprägten Jahreszeiten, die sich auf beiden Hemisphären in jährlichem Turnus wiederholen. Während auf der einen Hemisphäre Herbst ist, ist auf der anderen Frühling; vom Südfrühling der Südhalbkugel wird der Nordfrühling der Nordhalbkugel unterschieden. Astronomisch beginnt der Frühling mit einer Tag-und-Nacht-Gleiche (auf der Nordhalbkugel am 20./21. März; auf der Südhalbkugel 22./23. September) und endet astronomisch mit der Sommersonnenwende (20./21. Juni auf der Nordhalbkugel). Meteorologisch wird er meist auf Anfang März angesetzt. Entstehung Zeitraum Der Frühlingsbeginn kann auf unterschiedliche Weise festgelegt werden; astronomisch geschieht dies nach der Stellung der Erde zur Sonne, meteorologisch meist nach Kalendermonaten und phänologisch nach den Stadien sich entwickelnder Pflanzen, etwa ihrer Blüte. Astronomisch beginnt der Frühling mit dem Äquinoktium, einer „Tag-und-Nacht-Gleiche“: Auf der Nordhalbkugel am 20. März (vor 2012 auch am 21. März, nach 2047 auch am 19. März), auf der Südhalbkugel am 22. oder 23. September. Mit dem astronomischen Sommerbeginn zur Sommersonnenwende am 21. Juni endet der Frühling gegenwärtig immer am gleichen Tag. Meteorologisch beginnt der Frühling auf der Nordhalbkugel am 1. März, auf der Südhalbkugel am 1. September. Er ist (meteorologisch gesehen) – wie auch die drei anderen Jahreszeiten Sommer, Herbst und Winter – genau drei Monate lang und wurde aus Gründen der Statistik so festgelegt. Aus diesen statistischen Zeiträumen dürfen aber keine Erwartungen an das Wetter abgeleitet werden, sie sind jeweils die drei Kalendermonate, in denen am ehesten ein sommerliches etc. Wetter zu erwarten ist. Durch diese Einteilung können Monate einfacher in „trocken“, „heiß“, „kalt“ usw. eingeteilt werden. Phänologisch beginnt der Frühling mit dem ersten Blühen regional unterschiedlicher Pflanzenarten. Auf der Nordhalbkugel tritt dies für gewöhnlich in den Monaten März, April und Mai ein, auf der Südhalbkugel dagegen im September, Oktober und November. In Mitteleuropa beginnt demnach der Vorfrühling bereits mit den ersten Blüten der Schneeglöckchen, der Vollfrühling ist aber erst mit dem Blühbeginn der Apfelbäume erreicht. Dieser Zeitraum, in dem die Natur erwacht, wird im deutschen Sprachgebrauch auch als Frühjahr bezeichnet. Wirkung auf den Menschen Mit der steigenden Lichtintensität werden vermehrt Serotonin, und die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron ausgeschüttet. Serotonin sorgt für ein besseres Allgemeinbefinden und kann eine leicht euphorische Stimmung bewirken. Daher erwachen bei vielen Menschen besonders im Frühling die sogenannten Frühlingsgefühle, – falls noch nicht vorhanden – die Suche nach einem Partner und Verliebtheit. Das gleiche Phänomen gibt es in der Tierwelt (Appetenzverhalten, Balz, Brut- und Setzzeit). Vermutlich spielen beim Menschen auch optische Reize durch leichtere Kleidung eine Rolle. Bei manchen Menschen jedoch stellt sich stattdessen eine Frühjahrsmüdigkeit ein. Sonstiges In vielen Kulturen gibt es Frühlingsfeste und Frühlingsriten. So leiten sich zum Beispiel diverse kirchliche bewegliche Feiertage vom Datum des Frühlingsbeginns ab. Das persische bzw. kurdische Neujahr und das Neujahr der Bahá'í werden zum Beispiel am Nouruz gefeiert. Viele Frühlingsblumen – vor allem Zwiebelpflanzen – ziehen sich nach der Blüte wieder unter die Erde zurück und überlassen ihren Platz späteren Blühern. Aus dem Garten bekannt sind Beispiele wie die Veilchen und die Primeln. Redewendungen „Frühlingsgefühle haben“ beschreibt ein gehobenes Gefühl im Frühling. Umgangssprachlich und auch scherzhaft meint man damit, dass man sich besonders leicht zu anderen Menschen hingezogen fühlt. „Ihren zweiten Frühling“ erlebt eine Person, die sich – meist in höherem Alter – noch einmal verliebt. Literatur und Musik Zahlreiche Gedichte, Anthologien und Frühlingslieder widmen sich dem Frühling und seinen Eigenheiten. Eduard Mörike:Er ist’s („Frühling läßt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte […]“) Theodor Fontane:„O schüttle ab den schweren Traum / und die lange Winterruh;es wagt es der alte Apfelbaum, Herze, wag’s auch du!“ Comedian Harmonists:„Veronika, der Lenz ist da, die Mädchen singen tralala …“ Antonio Vivaldi:La Primavera (‚Der Frühling‘) in Le quattro stagioni (‚Die vier Jahreszeiten‘) Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling (Film) Le sacre du printemps, Ballett von Igor Strawinski Primavera (Der Frühling), Gemälde von Botticelli Der Frühling in Vier Jahreszeiten, Gemälde von Giuseppe Arcimboldo Siehe auch Frühlingshimmel Mr. Collins’ zweiter Frühling Weblinks Christoph Landolt: Frühling auf Schweizerdeutsch: Uustag, Huustage & Langsi, Lanzig. Wortgeschichte vom 28. März 2023, hrsg. von der Redaktion des Schweizerischen Idiotikons. Planet Wissen zum Thema Der Frühling in klassischer Musik Einzelnachweise Jahreszeit
Q1312
618.493922
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https://de.wikipedia.org/wiki/Ostasien
Ostasien
Ostasien ist eine Subregion im Osten Asiens. Die Grenzen gegenüber den benachbarten Großräumen werden unterschiedlich gezogen. Großes Modell und kleines Modell Die geografische Abgrenzung Ostasiens ist umstritten. Das „kleine“ Modell zählt hierzu denjenigen Teil Asiens, der unter dem Einfluss des außertropischen Monsuns steht. Hierzu gehören die heutigen Staaten Volksrepublik China (mit Hongkong und Macau, aber gelegentlich ohne Xinjiang, Innere Mongolei und Tibet), Republik China (Taiwan), Japan, Nordkorea und Südkorea. Vietnam wird geographisch zu Südostasien gerechnet, gehört jedoch kulturell zu Ostasien. Das von Carl Ritter entwickelte „große“ Modell unterscheidet zwischen Nordostasien unter Einschluss der Mongolei und des pazifischen Küstengebiets Russlands östlich des Amur sowie Südostasien. Im Allgemeinen wird der Begriff heute auf das „kleine“ Modell bezogen, das sich auch kulturhistorisch als derjenige Teil Asiens definieren lässt, der von der chinesischen Kultur (v. a. chinesische Schriftzeichen, Daoismus, Konfuzianismus, der Mahayana-Buddhismus, Essstäbchen) geprägt wurde. Die zahlenmäßig größten Völker Ostasiens sind Han-Chinesen (vgl. Völker Chinas), Japaner (inkl. Ainu, Ryūkyū), Koreaner und Vietnamesen. Anmerkung Nordostasien als weit gefasster Begriff Nordostasien umfasst im weiteren Sinn Nordasien und Ostasien, also den gesamten asiatischen Teil Russlands (Sibirien und Ferner Osten) und die Mongolei sowie die Volksrepublik China, die Republik China (Taiwan), Japan, Nordkorea und Südkorea. Im engeren Sinn ist nur das „eigentliche“ nördliche Ostasien gemeint: die Volksrepublik China (gelegentlich nur nördlich der Chinesischen Mauer), Japan, die Republik China auf Taiwan, die Halbinsel Korea, sowie der fernöstliche Teil Russlands. In der Politik Am Ostasiengipfel („East Asia Summit“, EAS) sind neben den ostasiatischen auch die südostasiatischen Staaten sowie Indien, Australien und die USA beteiligt. Die Ostasiatische Gemeinschaft (englisch: East Asian Community; EAC) ist ein geplanter Handelsblock, der die ASEAN-Freihandelszone oder den Ostasiengipfel (East Asia Summit, EAS) mit einschließt. Hans-Peter Bartels lenkt den Blick auf acht große Konflikte in Ostasien, die den Weltfrieden bedrohen. Im Sport An den Ostasienspielen nehmen derzeit folgende Staaten und Territorien teil: – (Taiwan) Russische Statthalterschaft Ostasien wurde auch eine russische Statthalterschaft genannt, die zwischen 1903 und 1905 bestand und russisch Dalni Wostok, d. h. Ferner Osten, hieß. Sie bestand aus dem Generalgouvernement Amur, dem Pachtgebiet Kwantung und der restlichen Mandschurei. Siehe auch CrossAsia Ferner Osten Transnationale Umweltverschmutzung in Ostasien Weblinks YT-Kanal mit vielen alten Filmen aus der Region Einzelnachweise Region in Asien Kulturraum in Asien
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https://de.wikipedia.org/wiki/Relativismus
Relativismus
Der Relativismus, gelegentlich auch Relationismus (entsprechend von , „Verhältnis“, „Beziehung“), ist eine philosophische Denkrichtung, welche die Wahrheit von Aussagen, Forderungen und Prinzipien als stets von etwas anderem bedingt ansieht und absolute Wahrheiten verneint –, dass also jede Aussage auf Bedingungen aufbaut, deren Wahrheit jedoch wiederum auf Bedingungen fußt und so fort. Diese Rahmenbedingungen ermöglichen es, die Aussage auch zu verändern und zu verhandeln. Relativisten begründen dies oft mit dem epistemologischen Argument, dass eine sichere Erkenntnis der Welt unmöglich ist. Andere verweisen auf den zusammengesetzten Charakter von Wahrheiten, die stets auf andere Wahrheiten Bezug nehmen. Ethische Relativisten verwerfen die Idee absoluter ethischer Werte. Verschiedene Teilströmungen leiten daraus unterschiedliche Konsequenzen ab. Einige ethische Relativisten gehen davon aus, dass in letzter Konsequenz alle ethischen Werte und Aussagen über die Welt gleichermaßen wahr sind. Andere vertreten die Position, dass einige Aussagen "wahrer" oder "richtiger" als andere sind. Einteilung Relativistischen Theorien zufolge ist die Geltung von Aussagen prinzipiell abhängig von Voraussetzungen, die ihrerseits keine allgemeine Geltung beanspruchen können. Daher lassen sich relativistische Positionen danach einteilen, welche Klasse von Geltungsansprüchen als relativ angesehen wird und welche Art von Voraussetzungen in Anschlag gebracht wird. Entsprechend den dabei möglichen Kombinationen ergibt sich eine Vielzahl verschiedener Spielarten relativistischen Denkens. Der erkenntnistheoretische Relativismus Vor dem Hintergrund einer anscheinend objektiv erkennbaren Welt – etwa auch mit Hilfe von Messinstrumenten – sind Wissenschaftler oft geneigt, an eine objektive wissenschaftliche Wahrheit zu glauben. Erkenntnistheoretische Relativisten lehnen das ab und meinen das mit der Tatsache begründen zu können, dass es keine Wissenschaft gibt, die nicht bestimmter Festsetzungen bedarf, um überhaupt zu klären, worin ihr Objektbereich besteht und von welcher Art die Erkenntnismethoden über diesen Objektbereich sein sollen. Dieser Zusammenhang ist durch die historistische Wissenschaftstheorie des Philosophen Kurt Hübner explizit gemacht worden. Dennoch aber ist damit noch nicht das Problem gelöst, wie sich Objektivität im Mantel der Relativität denken lässt. Der Mathematiker, Physiker und Philosoph Hermann Weyl hat jedoch die Richtung zur Lösung dieses Problems mit Hilfe der Invariantentheorie angegeben. Bedeutungsrelativismus Der Bedeutungsrelativismus (semantischer Relativismus) nimmt an, dass sprachliche Ausdrücke nur im Zusammenhang der Sprache verständlich sind, in der sie formuliert werden. Es wird davon ausgegangen, dass die Sprachen oder Sprachfamilien in andere Sprachen prinzipiell oder partiell unübersetzbar sind. Kritik Der Bedeutungsrelativismus wird unter anderem dafür kritisiert, dass er, um seine These zu belegen, auf Beispiele aus der betreffenden Sprache oder auf ausführliche Sprachvergleiche zurückgreifen muss, was ihm unter seinen eigenen Voraussetzungen überhaupt nicht möglich wäre. Deshalb argumentiert unter anderem Donald Davidson, dass der Begriff der Sprache selbst bereits Übersetzbarkeit impliziert, da es andernfalls keine Möglichkeit gäbe, etwas überhaupt als Sprache zu identifizieren. Wahrheitsrelativismus Der Wahrheitsrelativismus (ontologischer Relativismus) wiederum vertritt die Ansicht, dass es keine absolute Wahrheit gibt, sondern die Wahrheit vom Beobachter abhängt. Jede Überzeugung (Religionen, Ideologien, Wissenschaften, Weltbilder etc.) baue auf Dogmen und Axiomen auf. Da diese Dogmen und Axiome hinsichtlich ihres Absolutheitsanspruches von Relativisten angezweifelt werden, findet er keine absolute Wahrheit mehr. Weil aber absolute Wahrheiten wegen ihrer grundsätzlichen Beziehungslosigkeit gar nicht für spezielle Problemlösungen verwertbar sind, sucht der Relativist auch keine absoluten Wahrheiten, sondern nur Begründungsendpunkte, von deren Geltung er zwar persönlich überzeugt ist, für die er aber grundsätzlich keinen Absolutheitsanspruch stellen kann und will. Kritik Der Standardeinwand gegen den Wahrheitsrelativismus ist das Argument einer selbstreferentiellen Inkonsistenz: Wenn alle Behauptungen nur relativ gültig sind, betreffe dies auch die relativistische Behauptung selbst. Somit könne diese nicht als gültiger denn ihre Negation angesehen werden. Ginge man davon aus, dass der epistemische Relativismus universell gültig sei, beginge der Relativist einen performativen Selbstwiderspruch (Karl-Otto Apel, Jürgen Habermas, Vittorio Hösle): Der propositionale Gehalt seiner Behauptung stünde dann im Widerspruch zu dem Sprechakt, den er selbst vollzöge. Autoren wie Hösle und Apel sehen in diesem Argument eine Letztbegründung notwendiger Wahrheiten. Theodor W. Adorno hingegen findet diese Form der Widerlegung „armselig“ und plädiert dafür, im Relativismus eher eine beschränkte Gestalt des Bewusstseins zu sehen: „Hinter jener These steht die Verachtung des Geistes zugunsten der Vormacht materieller Verhältnisse als des Einzigen, das da zähle. […] Relativismus ist Vulgärmaterialismus, der Gedanke stört den Erwerb.“ Der Fehler in der Widerlegung mittels selbstreferentieller Inkonsistenz besteht für Vertreter der relativistischen Position darin, dass ein Relativist keinen Anspruch auf universelle Gültigkeit und damit auch keinen Anspruch auf universelle Gültigkeit des Relativismus erhebe, weil er keinerlei Anlass dazu habe. Von ihrem absolutistischen Standpunkt gingen Absolutisten wie etwa Vittorio Hösle wie selbstverständlich davon aus, dass Relativisten auch einen Anspruch auf universelle Gültigkeit stellen müssten, was sie aber nach ihrem Selbstverständnis grundsätzlich nicht tun; denn dann würden sie sich in ihrer Position freilich widersprechen. Tatsächlich behaupten Relativisten, ohne einen Absolutheitsanspruch auszukommen. Natürlich braucht auch ein Relativist Begründungsendpunkte zum Begründen. Diese sind von ihm aber nicht als Letztbegründungen im Sinne einer absoluten Wahrheit gedacht, wie etwa von Hösle unterstellt wird; denn Begründungsendpunkte sind für ihn bezogen auf den subjektiven Standpunkt des Begründenden selbst. Gegen den Wahrheitsrelativismus hat auch Karl Popper in zahlreichen Werken dezidiert und ausführlich Stellung genommen. Popper vertritt die Korrespondenztheorie der Wahrheit („Wahrheit als Übereinstimmung einer Aussage mit den Tatsachen“), welche er durch die Arbeiten Alfred Tarskis auf eine logisch-semantisch solide Grundlage gestellt sieht. Popper zur Folge können wir zwar niemals Gewissheit über die Wahrheit unseres (Vermutungs-)Wissens erlangen (vgl. Fallibilismus). An der objektiven Wahrheit und dem Streben danach können und müssen wir aber festhalten. Popper argumentiert gegen die These der Inkommensurabilität oder Unvergleichbarkeit von Theorien, denen unterschiedliche „Paradigmen“ zugrunde liegen, die also keinen gemeinsamen „Rahmen“ aus grundlegenden Annahmen teilen. Bei einander widersprechenden Theorien über die Wirklichkeit gibt es nach Popper zwar kein rationales Verfahren, mit dem wir die Wahrheit der einen und die Falschheit der anderen Theorie endgültig begründen könnten. Wir können jedoch, so Popper, mit rationalen und objektiven Methoden (auf Grundlage unseres vorläufigen Wissensstandes) festlegen, welche der Theorien wahrheitsnäher ist. Der Philosoph und Historiker Isaiah Berlin weist darauf hin, dass schon die Begrifflichkeit selbst auf Relationen hindeutet: „Wenn Wörter wie subjektiv, relativ, vorurteilsbehaftet und voreingenommen nicht Vergleichs- oder Kontrastbegriffe sind, wenn sie nicht auf die Möglichkeit ihres Gegenteils verweisen, auf objektiv (oder zumindest weniger subjektiv), auf unvoreingenommen (oder wenigstens weniger voreingenommen), was sollen sie dann überhaupt bedeuten? Sie auf alles zu beziehen, sie als absolute, statt als korrelative Ausdrücke zu verwenden, ist eine rhetorische Verdrehung ihrer gewöhnlichen Bedeutung.“ Berlin konzediert, dass kulturelle und historische Bedingtheiten wirksame Größen sind, sieht eine streng relativistische Position allerdings als irrig an: Um interkulturelle Kommunikation und gegenseitiges Verständnis zu ermöglichen, muss in bestimmtem Ausmaß „gemeinsamer Boden“ bestehen, welcher objektiv ist. Werterelativismus Innerhalb des Werterelativismus bzw. ethischen Relativismus lassen sich grundsätzlich ein deskriptiver und ein normativer Relativismus unterscheiden. Der deskriptive Relativismus bezieht sich darauf, dass die Moralvorstellungen der Menschen durch äußere Faktoren wie Kultur, Wirtschaftsordnung, Klassenzugehörigkeit etc. bedingt seien. Daher könne auch keine allgemein gültige Moral formuliert werden. So ist zum Beispiel der Ethnologe Melville J. Herskovits der Meinung: Maßstäbe und Werte sind relativ auf die Kultur, aus der sie sich herleiten. Daher würde jeder Versuch, Postulate zu formulieren, die den Überzeugungen oder dem Moralkodex nur einer Kultur entstammen, die Anwendbarkeit einer Menschenrechtserklärung auf die Menschheit als ganze beeinträchtigen. Der normative Relativismus steht dagegen auf dem Standpunkt, dass ein ethisches Urteil dann gültig sei, wenn es von dem moralischen Standpunkt der Gesellschaft aus gesehen, welcher der Urteilende angehört, richtig ist. So sieht beispielsweise der von Alasdair MacIntyre vertretene Kommunitarismus die Tradition als letzten Maßstab ethischer Rationalität. Seiner Ansicht nach können daher ethische Konflikte zwischen zwei unterschiedlichen Traditionen nicht gelöst werden. Kritik Der ethische Relativismus wird von manchen Kreisen als moralisch verwerflich oder gar politisch gefährlich angesehen. Er bezweifele die universelle Geltung der Menschenrechte. Weiterhin mache er die moralische Verurteilung von Praktiken wie der Verstümmelung oder Beschneidung weiblicher Genitalien auf einer absoluten Ebene unmöglich. Der Fehler in dieser Argumentation besteht nach relativistischer Ansicht darin, dass gerade die Befürworter erwähnter Praktiken sich auf ein absolutes Wertesystem bezögen. Gerade der Hinweis auf das Selbstbestimmungsrecht, d. h. die Möglichkeit des Einzelnen, nach seinen eigenen Wertsetzungen zu leben, nehme den Absolutisten die Möglichkeit, sich mit einem absolutistischen Argument über den Willen einzelner hinwegzusetzen. Die Forderung, die Handlungen des Einzelnen dürften sich nicht gegen den Willen oder die Freiheit anderer richten, ist jedoch selbst von ihrer Natur her normativ. Gegen den ethischen Relativismus argumentieren insbesondere der Realismus, die (Neu-)Scholastik und das Naturrecht. Diese bestreiten keinesfalls, dass ethische Relativisten auch ethische bzw. moralische Überzeugungen haben bzw. praktizieren können. Allerdings weisen sie darauf hin, dass sich ihre Überzeugungen häufig widersprechen und so nicht (alle) wahr sein können. Relativisten sehen jedoch keine Möglichkeit, absolute Wahrheiten zu etablieren, so dass alle unterstellten Widersprüche nur aus der Sicht von absolutistischen Positionen als solche erscheinen. Kritiker des deskriptiven Relativismus greifen diesen vor allem auf folgenden zwei Ebenen an. Auf der empirischen Ebene wird bestritten, dass die faktischen moralischen Unterschiede zwischen verschiedenen Individuen und Kulturen prinzipiell miteinander völlig unvereinbar seien. So wird als Beispiel in diesem Zusammenhang häufig der in der Vergangenheit in manchen „primitiven“ Gruppen wie den Eskimos verbreitete Brauch der Tötung alter und schwacher Menschen genannt. Diese geschah aber mit deren Einverständnis und Auf einer argumentationstheoretischen Ebene wird gegen den deskriptiven Relativismus der Einwand vorgebracht, dass aus deskriptiven Urteilen nicht ohne weiteres Geltungsurteile abgeleitet werden könnten. Daraus, dass Menschen tatsächlich unterschiedlich moralisch urteilen, könne nicht gefolgert werden, dass tatsächlich auch unterschiedliche Moralvorstellungen Gültigkeit haben. Dies gelte es ja gerade nachzuweisen. Der didaktische Relativismus In der sich anbahnenden Wissensgesellschaft ist dem Begriff Wissen nicht mehr mit dem herkömmlichen ontologischen Wahrheitsanspruch zu begegnen. Wissen wird heute und morgen als Unterscheidung in vielerlei Hinsichten und Bezugssystemen gesehen. Jedes Thema oder Problem kann heute unter sehr verschiedenen und andersartigen Referenzen konstruiert werden und jede dieser Konstruktionen hat je ihren eigenen Sinn. Wissen basiert in erster Linie auf Begriffen, Wissensarten, Wissenskontexten, Wissenslogiken und Wissensfeldern. In der didaktischen Wissenskonstruktion gilt es, einen soliden Relativismus zu verwirklichen, der davon ausgeht, dass Lehrende und Lernende einander ihre Bezugssysteme und die dahinter liegende Wissens-Architektur (Referenzbereiche, Relationen, Dimensionen, Wissenslogiken usw.) offenlegen müssen (Kösel 2007). Schwacher Relativismus: Dualismus und Trialismus Einen abgeschwächten Relativismus beinhaltet der Dualismus, etwa derjenige von Sein und Sollen, und der am Dualismus anknüpfende Trialismus, etwa derjenige, in der „sozialrealen Kultur“ ein verbindendes Drittes zu erblicken. Zugleich aber bieten beide Denkwege eine vermittelnde, letztlich eine systemische Lösung. Jede Sicht wird zunächst absolut gesetzt und dann aber auf der nächsten Stufe, dem Neben-, dem Mit- oder dem Gegeneinander relativiert. Geschichte Die zunehmende Bekanntschaft mit fremden Völkern und die damit einhergehende Einsicht in die Pluralität religiöser Vorstellungen, Weltbilder und lokaler Sitten und Gebräuche führte bereits in der antiken Sophistik zur Entwicklung relativistischer Auffassungen. So ist etwa der Homo-Mensura-Satz des Protagoras „Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der Seienden für ihr Sein und der Nicht-Seienden für ihr Nicht-Sein“ ein Ausdruck relativistischer Bescheidenheit, weil der Mensch eben kein Gott ist und über keine göttlichen Maße verfügt. Aber er wurde von seinen zeitgenössischen (göttertreuen, aristokratischen) Widersachern missverstanden. Mit der begrifflichen Unterscheidung von Natur („physis“) und menschlicher Satzung („nomos“) wurde zudem die Grundlage für einen ethischen Relativismus geschaffen, dem zufolge moralische Normen und Gesetze nicht auf der Natur, sondern auf menschlicher Übereinkunft beruhen und somit kontingent, das heißt sowohl kulturrelativ als auch historisch veränderlich sind. Neuere kritische Quellenforschung geht allerdings davon aus, dass der Homo-Mensura-Satz des Protagoras wie auch andere überlieferte erkenntnistheoretische Positionen der Sophisten statt im Sinne der heutigen (platonischen) Relativismusdefinition eher im Sinne der neuzeitlichen Systemtheorie beziehungsweise des (radikalen) Konstruktivismus zu verstehen sind. Der neuzeitliche Relativismus entwickelte sich insbesondere seit dem 18. Jahrhundert. Beeindruckt von der Entdeckung und Erkundung neuer Kontinente und der wachsenden Anzahl von Reiseberichten aus fernen Ländern entwickelten Gelehrte wie beispielsweise Herder, Humboldt oder Hamann – in kritischer Distanz zum universalistischen Vernunftbegriff der Aufklärung –Ansätze zu Sprach-, Kultur- und Rationalitätstheorien mit relativistischen Implikationen. Der Siegeszug der neuzeitlichen Wissenschaften schuf die weltanschaulichen Voraussetzungen für das Aufkommen einer Vielzahl relativistischer Theorien im Verlauf des 19. Jahrhunderts. So ging etwa der geschichtswissenschaftliche Historismus von der historischen Bedingtheit aller menschlichen Lebensäußerungen aus, während Biologismus und Psychologismus die relativistische Ansicht nahelegten, dass menschliches Denken und Verhalten nur mehr als Ausdruck der biologischen beziehungsweise psychischen Konstitution des Menschen zu verstehen seien, womit auch das Naturrecht auf eine relativistische Grundlage gestellt wurde. Im 20. Jahrhundert wurden explizit relativistische Positionen, insbesondere von Evans-Pritchard und anderen in der Ethnologie, von Benjamin Lee Whorf und anderen in der Linguistik (Sapir-Whorf-Hypothese) und von Thomas S. Kuhn und Paul Feyerabend in der postempiristischen Wissenschaftstheorie sowie von Kurt Hübner in seiner historistischen Wissenschaftstheorie entwickelt. Im Kontext der zeitgenössischen Philosophie weisen vor allem der Konstruktivismus, der Poststrukturalismus und der Pragmatismus vielfach relativistische Tendenzen auf. Im 21. Jahrhundert wendet sich vor allem das römisch-katholische Christentum unter Papst Benedikt XVI. gegen einen „um sich greifenden Relativismus“: Es bilde sich eine „Diktatur des Relativismus“ heraus, die nichts als definitiv anerkenne und die als letztes Maß nur noch das eigene Ich und seine Wünsche gelten lasse. Literatur J. W. Meiland, M. Krausz (Hrsg.): Relativism, Cognitive and Moral. Notre Dame, London 1982. M. Hollis, S. Lukes (Hrsg.): Rationality and Relativism. Oxford 1982. Arnhelm Neusüss: Ein Ausflug ins Gebirge – Wie unser Horizont sich verschob. Ein Lob des Relativismus. wjs, Berlin 2007, ISBN 978-3-937989-28-0. Günter Rohrmoser: Diktatur des Relativismus. Gesellschaft für Kulturwissenschaft, Bietigheim/Baden, 2007, ISBN 978-3-930218-38-7. Edmund Kösel: Die Modellierung von Lernwelten. Band II: Die Konstruktion von Wissen. Eine didaktische Epistemologie. Bahlingen, ISBN 978-3-00-020795-2. Gerhard Ernst (Hrsg.): Moralischer Relativismus. Mentis, Paderborn, 2009. Markus Seidel: Epistemic Relativism. A Constructive Critique. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2014, ISBN 978-1-137-37788-3. Bernd Irlenborn: Relativismus. De Gruyter, Berlin 2016, ISBN 978-3-11-046247-0. Josef Seifert: Der Widersinn des Relativismus – Befreiung von seiner Diktatur, Patrimonium-Verlag, Aachen 2016, ISBN 978-3-86417-053-9. Josef Seifert: Unbezweifelbare Wahrheitserkenntnis – Jenseits von Skeptizismus und Diktatur des Relativismus, Patrimonium-Verlag, Aachen 2015, ISBN 978-3-86417-038-6. Bernd Irlenborn/Michael Seewald (Hrsg.): Relativismus und christlicher Wahrheitsanspruch. Philosophische und theologische Perspektiven. Verlag Karl Alber, Freiburg/München 2020. ISBN 978-3-495-49135-5. Weblinks Rudolf Eisler: Relativismus. In: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. 1904. Übersichten und Bibliographien Katherine Hawley: Metaphysics and Relativity. (PDF; 49 kB), In: Robin Le Poidevin, Peter Simons, Ross Cameron, Andrew McGonigal (Hrsg.): Routledge Companion to Metaphysics. 2008. Einzelnachweise Erkenntnistheorie
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https://de.wikipedia.org/wiki/1350
1350
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Heiliges Römisches Reich 20. Februar: Die Bremer Erzbischofsfehde eskaliert, als der päpstliche Kandidat Gottfried von Arnsberg gegen seinen Rivalen Moritz von Oldenburg den Bann ausspricht. Die meisten Ministerialen des Erzstiftes halten jedoch weiterhin zu Moritz. Die Fehde entwickelt sich zu einem kriegerischen Konflikt. Am 13. Juli verständigt sich Moritz nach mehreren Scharmützeln auf einen Waffenstillstand mit dem Rat der Stadt Bremen, in der kurz zuvor die Pest ausgebrochen ist. Conrad Graf von Diepholz und die Grafen von Hoya, Gerhard III. und Johann II. werden als Schiedsrichter eingesetzt, um die Fehde beizulegen. Als Obmann fungiert Balduin von Steinfurt, der Bischof von Paderborn. Bereits am 2. September schließt Moritz ein Bündnis mit der Stadt Bremen. Bald darauf erfolgt auch eine Einigung mit Gottfried – dieser bleibt nominell Erzbischof und Moritz wird zum „Vormund des Erzbistums“ ernannt, womit er als Amtmann faktisch die Macht im Erzstift ausübt. 23./24. Februar: Die Mordnacht von Zürich ist ein geplanter Handstreich, bei dem während der Schweizer Habsburgerkriege die Stadt durch Hilfe von Verschwörern innerhalb der Stadtmauern erobert und die Regierung um Bürgermeister Rudolf Brun ermordet werden soll. Durch Verrat ist der Bürgermeister über die Umsturzpläne informiert und gut vorbereitet. Zahlreiche Verschwörer fallen in den ausbrechenden Kämpfen, weitere werden gefangen genommen und durch Rädern oder Enthaupten hingerichtet, ihre Güter eingezogen. Bereits am nächsten Tag ziehen Zürcher Truppen gen Rapperswil, von wo aus die Umsturzpläne ausgegangen sind. Die Stadt ergibt sich und wird noch am gleichen Abend gebrandschatzt. Bei der folgenden Zerstörung von Rapperswil wird die Burg Alt-Rapperswil zerstört und die Mauern der Stadt und das Schloss geschleift, sodass Rapperswil nicht mehr verteidigt werden kann. Stadtzürcher Truppen besetzen des Weiteren die Untere March und erlangen damit die Kontrolle über die Bündner Pässe. Februar: Der falsche Woldemar, den Karl IV. 1348 mit der Mark Brandenburg belehnt hat, wird als Betrüger entlarvt. Der bayerische Herzog Ludwig V. aus dem Haus Wittelsbach wird stattdessen mit Brandenburg belehnt. Woldemar hält sich ab März/April am askanischen Hof in Anhalt-Dessau auf, wo man ihm dennoch zeitlebens alle höfischen Ehren erweist. Weitere Ereignisse in Europa 22. August: Nach dem Tod von Philipp VI. wird sein Sohn Johann II. König von Frankreich. 29. August: In der Seeschlacht von Winchelsea im Rahmen des Hundertjährigen Krieges besiegt eine englische Flotte, befehligt von König Edward III. und Edward of Woodstock, ein aus vierzig Schiffen bestehendes Geschwader des Königreichs Kastilien unter dem Befehl des Franzosen Charles de la Cerda. Asien Auf Java wird König Rajasanagara zum neuen König von Majapahit. Es beginnt eine „Goldene Zeit“ von Macht und Eroberungen. Urkundliche Ersterwähnungen Burkat, Buchenbach, Engi, Haslen, Weickelsdorf und Weinböhla werden erstmals urkundlich erwähnt. Wirtschaft Der Kerzenwachs wird knapp. Karl IV. erlässt Sonderprivilegien für Imker. Wissenschaft und Technik Trinity Hall, das fünftälteste College der University of Cambridge, wird gegründet. um 1350: Die Enzyklopädie Das Buch der Natur von Konrad von Megenberg entsteht. Es ist weitgehend eine Übersetzung Thomas von Cantimprés Liber de natura rerum, enthält aber auch neues Material – etwa zu einigen Tier- und Pflanzenarten oder auch Beobachtungen zu Regenbögen. Kultur um 1350: In England löst der Perpendicular Style den Decorated Style in der Gotik ab. Religion Die Kirche ruft ein Jubeljahr aus, damit die Pest nicht noch mehr verbreitet wird. Katastrophen Die Pestepidemie in Europa erreicht ihren Höhepunkt. Der Schwarze Tod kostet zwischen 1347 und 1353 rund 25 Millionen Menschen das Leben. Er führt zu Geißlerzügen und Judenverfolgungen wegen angeblicher Brunnenvergiftungen. April/Mai: Die Pest erreicht Braunschweig. Historische Karten und Ansichten Geboren Geburtsdatum gesichert 23. Januar: Vinzenz Ferrer, katalanischer Dominikaner und Heiliger († 1419) 27. Juni: Manuel II., byzantinischer Kaiser († 1425) 12. Oktober: Dmitri Donskoi, Großfürst von Moskau († 1389) 26. November: Ibn al-Dschazarī, Koran-Gelehrter († 1429) 27. Dezember: Johann I., König von Aragón († 1396) Genaues Geburtsdatum unbekannt vor dem 13. April: Margarete von Dampierre, Gräfin von Flandern, Artois, Nevers, Rethel, Freigräfin von Burgund, Herzogin von Brabant und Limburg, Herzogin von Burgund († 1405) Anselm von Nenningen, Bischof von Augsburg († 1428) Bonifatius IX., Papst († 1404) Drung Kashiwa Rinchen Pel, Person des tibetischen Buddhismus († 1435) Nikolaus Faber, Abt von Ochsenhausen († 1422) Thomas Holland, englischer Adeliger und Militär im Hundertjährigen Krieg († 1397) Madhava, indischer Mathematiker und Astronom († 1425) Antonio Panciera, Patriarch von Aquileia und Kardinal († 1431) Pierre d’Ailly, französischer Theologe und Kardinal († 1420) Rainier II., Seigneur von Menton und Roquebrune († 1407) Richard le Scrope, englischer Kirchenfürst († 1405) Geboren um 1350 Eleonora di Arborea, Regentin von Sardinien († 1405) Blasius Lupus, tschechischer Philosoph († 1409) Bogislaw VI., Herzog von Pommern-Wolgast († 1393) Hinrich Brunsberg, deutscher Baumeister und Architekt († zwischen 1428 und 1435) Annabella Drummond, Königin von Schottland († 1401) Florentius Radewijns, holländischer Kirchenreformer († 1400) Georg von Hohenlohe, Bischof von Passau und Erzbischof von Gran († 1423) Guillaume de Challant, Bischof von Lausanne († 1431) Nikolaus von Kaaden, böhmischer Uhrmacher und Mechanikus († um 1420) Catherine Swynford, Mätresse und spätere Ehefrau von John of Gaunt († 1403) Leonore Teles de Menezes, portugiesische Adlige, Königin und Regentin ihres Landes († 1386) Herman von Vechelde, deutscher Fernhändler und Bürgermeister von Braunschweig († 1420) Andrew Wyntoun, schottischer Geistlicher und Geschichtsschreiber († um 1422) Gestorben Todesdatum gesichert 24. Januar: Johann von Aarwangen, Schweizer Politiker und Diplomat (* nach 1280) 25. Januar: Alvarus Pelagius, galicischer Franziskaner und Theologe, Bischof von Silves (* zwischen 1275 und 1280) 26. März: Alfons XI., König von Kastilien und León (* 1311) 3. April: Odo IV., Herzog von Burgund, Graf von Burgund und Graf von Artois (* 1295) 6. Juni: Bertrand de Saint-Geniès, Patriarch von Aquileia und Seliger der katholischen Kirche (* 1260) 10. Juli: Konrad II., Graf von Freiburg (* vor 1316) 2. August: Robert de Ferrers, englischer Adeliger (* 1309) 22. August: Tidemann von Güstrow, Münzherr und Bürgermeister von Lübeck (* um 1300) 22. August: Philipp VI., König von Frankreich (* 1293) 23. August: Johannes Mul, Bischof von Lübeck (* um 1291) 21. September: Arnold von Bardewik, deutscher Kaufmann und Ratsherr der Hansestadt Lübeck 26. September: Ibn Qaiyim al-Dschauzīya, hanbalitischer Gelehrter in Syrien (* 1292) 19. November: Raoul II. de Brienne, Graf von Eu und Guînes sowie Connétable von Frankreich 18. Dezember: Heinrich II., Vogt und Herr von Plauen und Herr zu Greiz (* um 1289) Genaues Todesdatum unbekannt Dietrich III. von Volmerstein, deutscher Adeliger Stefano Fiorentino, italienischer Maler (* 1301) Johannes Gobi, deutscher Autor einer Exemplasammlung (* 1300) Heinrich von Kiew, erster römisch-katholischer Bischof von Kiew Wedekin Klingenberg, Ratsherr der Hansestadt Lübeck Johann Strote, Weihbischof in Köln Gestorben um 1350 Yoshida Kenkō, japanischer Höfling, Dichter und buddhistischer Mönch (* um 1283) Weblinks
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https://de.wikipedia.org/wiki/Country-Musik
Country-Musik
Country-Musik, kurz auch Country [] genannt, ist eine aus den USA stammende Musikrichtung, die Anfang des 20. Jahrhunderts aus traditionellen Elementen der Volksmusik der europäischen Zuwanderervölker – insbesondere aus Irland und England – hervorging. Die ursprünglich in den südlichen Appalachen beheimatete Old-Time Music entwickelte sich durch urbane Einflüsse und Übernahme von Elementen anderer Musikgenres wie beispielsweise des Blues zur Country-Musik. Der oft als Synonym gebrauchte Begriff Country & Western beziehungsweise C&W ist irreführend, da er suggeriert, dass es sich hierbei um ein einheitliches Genre handle. Der Begriff geht zurück auf eine Chart-Bezeichnung, unter der das amerikanische Billboard-Magazine in den 1940er Jahren Titel aus den Genres Country- und Western-Musik gemeinsam aufgelistet hat. Die Geschichte der Country-Musik ist durch drei sich überschneidende Bewegungen geprägt: Die Traditionalisten befürworten eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen textlichen und musikalischen Themen. Die Erneuerer experimentieren mit neuen Stilvarianten, Ausdrucksformen und Instrumenten. Die Kommerzorientierten suchen die Nähe zur Popmusik, um ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Merkmale Country-Songs sind typischerweise melodisch und harmonisch eher einfach. Der Songwriter Harlan Howard beschrieb die Musik in einem oft zitierten Bonmot als „three chords and the truth“ (drei Akkorde und die Wahrheit). Textlich überwiegen moralische oder patriotische Geschichten aus einer ländlichen bzw. kleinbürgerlichen Perspektive „aus dem Bermuda-Dreieck von Bar, Bett und Baseballplatz – der Blues der einfachen weißen Leute“. Sexuell anstößige oder sozialkritische Inhalte sind eher selten. Beim traditionellen Country werden hauptsächlich Saiteninstrumente wie Gitarre, Banjo, Mandoline, Kontrabass oder Fiddle (eine einfache Geige), aber auch Akkordeon, Klavier oder Mundharmonika verwendet. Im zeitgenössischen Country kommen in Anlehnung an die Instrumentierung der Rockmusik Schlagzeug sowie Elektrogitarre und -Bass hinzu. Stilrichtungen Die Country-Musik lässt sich in Stilrichtungen unterteilen, von denen einige über viele Jahrzehnte lang aktuell sind, andere dagegen nur regionale, ethnische oder zeitweise Bedeutung besitzen. Die ursprüngliche Country-Musik vor 1920 wird als Old-Time- oder Hillbilly-Musik bezeichnet, die ab den 1990er Jahren dominierende Musik als New Country. Die Hauptstilrichtungen Bluegrass Der Bluegrass wird hauptsächlich mit akustischen Instrumenten im 2/4-Takt gespielt. Charakteristisch sind die Virtuosität der Musiker, der mehrstimmige Satzgesang und die schnellen Instrumentalstücke. Die typische Instrumentierung dieser Richtung besteht aus Fiddle, Banjo, Mandoline, Kontrabass und Westerngitarre. Die ursprüngliche Heimat des Bluegrass sind die Appalachen im Südosten der USA, Kentucky galt lange als bedeutendes Zentrum. So bezeichnet man Bluegrass noch oft als „Mountain Music“ oder „Old-Time Music“, obwohl sich dieser Begriff eher auf die traditionelle Volksmusik der Appalachen bezieht, aus der der Bluegrass hervorging. Der gebräuchliche Name geht auf die Blue Grass Boys zurück, die Band von Bill Monroe, der als Urgestein der kommerziellen Bluegrass-Musik gilt. Weitere stilbildende Musiker des Bluegrass der Gründerjahre waren der Banjospieler Don Reno, The Stanley Brothers, Bobby und Sonny Osborne, Jim und Jesse McReynolds und Bands wie Hylo Brown and The Timberliners. Aus dem Bluegrass entwickelte sich in den 1960er Jahren der Newgrass, der auch moderne Stilelemente übernahm und mit der Gruppe New Grass Revival während der 1980er Jahre Furore machte. Vertreter des heutigen Bluegrass sind beispielsweise Alison Krauss, Sam Bush, Tim O’Brien, Ricky Skaggs, Rhonda Vincent und Del McCoury. Bluegrass ist in den USA nach wie vor sehr populär und auch kommerziell erfolgreich. Bluegrass-Motive sind in der modernen Country-Musik allgegenwärtig, ein typisches Beispiel hierfür sind die älteren Werke der Dixie Chicks. Honky Tonk Der Honky Tonk entstand in den Clubs und Dance Halls rund um die texanischen Ölfelder, den sogenannten Honky-Tonk-Bars. Dort war es vielerorts so laut, dass die Instrumente elektrisch verstärkt werden mussten und ein Schlagzeug unverzichtbar war. Gespielt werden meist einfache und langsame 2/4-Takte, die durch ein spezielles Timing den typischen Groove bekommen. Die Texte befassen sich mit Alltagsproblemen und sind ungekünstelt und direkt. Sie haben mit den folkloristischen und heimatverbundenen Inhalten der traditionellen Country-Musik nur wenig gemein. Später wurde die Honky-Tonk-Musik zum Inbegriff der Stimmungsmusik der Südstaaten, in der sich fast alles um „Bier, Weib und Gesang“ dreht. Als Stilrichtung der neo-traditionellen Countrymusik ist der Honky Tonk noch von elementarer Bedeutung und exemplarisch für die Country-Musik in Texas und Oklahoma. Seine Prägung erhielt er beispielsweise durch Hank Williams Sr., Bob Wills und Merle Haggard. Instrumental ist er gekennzeichnet durch Fiddles, Honky-Tonk-Pianos und eine breite Palette von Gitarren (Elektrobässe, elektrische Slide- und Pedal-Steel-Gitarren, vereinzelt auch Dobros). Vertreten ist der Honky-Tonk-Stil bei nahezu allen Neo-Traditionalisten, zum Beispiel David Ball, David Lee Murphy, Jeff Carson, Mark Chesnutt, Tracy Byrd oder George Strait. Nashville Sound Ab Mitte der 1950er Jahre verlor die Country-Musik gegenüber dem Rock ’n’ Roll dramatisch an Boden. Einflussreiche Produzenten – allen voran Chet Atkins und Owen Bradley – begannen daraufhin, die ungeschliffene Musik zu glätten, um sie so einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Das Ergebnis war ein weicherer Sound, der oft durch Hintergrund-Chöre verstärkt wurde. Klassische Country-Instrumente wie Fiddle oder Pedal-Steel-Gitarre wurden nur noch selten eingesetzt. Während in den 1950er und 1960er Jahren noch die Traditionalisten vorherrschten, nahm Mitte der 1970er Jahre der Country-Pop überhand und verhalf dem Nashville-Sound zum Durchbruch. Viele Traditionalisten wie George Jones oder Loretta Lynn passten sich dem neuen Umfeld an. Andererseits schwenkten viele Künstler später auf den Neo-Traditionalisten-Boom ein, unter anderem Ricky Van Shelton, Steve Wariner, Dolly Parton und Kenny Rogers. Die Urban-Cowboy-Welle war geprägt von melodiösem Country-Pop im Nashville-Sound, Streicherkulisse und dem Einsatz von Synthesizern. Western Swing Der Western Swing wurde in den 1930er Jahren von Bob Wills und Milton Brown entwickelt. Er besteht im Wesentlichen aus einer Verbindung von traditioneller texanischer Musik mit Elementen des Blues und verschiedener Spielarten des Jazz und wurde im Laufe seiner Entwicklung von weiteren Stilrichtungen beeinflusst. Sein charakteristisches Merkmal ist die Verbindung von eigentlich eher urbanen Big Bands bzw. ihres typischen Sounds und dem eher ländlichen Cowboy-Image. Auf diese Weise entstand eine lebhafte, tanzbare Musik, die insbesondere in den großen Dance Halls von Texas und Oklahoma populär war. Der Western Swing gehörte zu den bedeutendsten Stilrichtungen der Country-Musik, hat aber seit Ende der 1940er Jahre an Bedeutung verloren. Moderne Vertreter des Western Swing sind unter anderem Asleep at the Wheel, Prairie Oyster oder Hot Club Of Cowtown. Americana Unter Americana versteht man vor allem sozialkritische, auf American-Folk-Motiven aufbauende Musik amerikanischer Liedermacher, die teilweise kommerzielle Erfolge verbuchen konnten. Anders als der im Nordwesten der USA noch stärker verwurzelte traditionelle Folk britisch-irischer Herkunft zeigt Americana starke Einflüsse der Rock- und Südstaatenmusik. Viele Künstler dieser Szene reihen sich selbst unter die Country-Sänger ein, manche veröffentlichten immer wieder reinrassige Country-Alben. Zu letzteren zählen unter anderem Emmylou Harris, Rodney Crowell, Mary Chapin Carpenter oder Kelly Willis. Typische Songwriter sind Nanci Griffith, Rosi Flores, Shawn Mullins, Delbert McClinton oder Joe Ely. Americana wird auch als Alternative Country oder Roots Rock bezeichnet. Regionale Stilrichtungen und Modeströmungen Bakersfield Sound Anfang der 1960er Jahre entstand im kalifornischen Bakersfield eine an Rockabilly und Honky Tonk angelehnte Variante der Country-Musik, bei der erstmals elektrisch verstärkte Instrumente vorherrschten. Gegenüber dem weichen Nashville Sound klangen die Gitarren hart und höhenbetont. Die Arrangements waren einfacher. Geprägt wurde der Bakersfield Sound von Interpreten wie Buck Owens oder Merle Haggard und ab Mitte der 1980er Jahre von Dwight Yoakam. Western Music Als Cowboy- oder Western Music wird eine Musikrichtung bezeichnet, die – romantisch verklärt – die Eroberung des amerikanischen Westens und das Leben der Cowboys zum Inhalt hat. Sie hatte ihren Höhepunkt während der 1930er und 1940er Jahre; bekannte Vertreter waren Roy Rogers, Gene Autry, Tex Ritter, Tex Fletcher und die The Sons of the Pioneers. Typisch für die Western Music ist neben Gitarre und Fiddle das Akkordeon, daneben oft mehrstimmiger Harmoniegesang. In der Cowboymusik werden die Weite der Landschaft und der Alltag in der Prärie, insbesondere die Bindung an die Pferde besungen. Die melodiösen, oft schmachtenden Balladen färbten stilistisch stark auf den Western Swing ab. Eine Spezialität der Cowboy-Musik ist das „Blue Yodeling“, eine amerikanische Variante des Jodelns. Einige der bedeutendsten zeitgenössischen Interpreten sind Michael Martin Murphey, Riders in the Sky oder Sons of the San Joaquin. Die Western Music hat zu allen Epochen auch auf andere Stilrichtungen abgefärbt: So war etwa die Musik von Interpreten wie Jimmie Rodgers und später Marty Robbins teilweise stark von der Cowboy-Musik inspiriert. Das Image der Country-Musik wurde wesentlich von der Western Music geprägt: selbst Vertreter der New-Country-Generation, die inhaltlich wenig mit dem Thema zu tun haben, treten im Cowboy-Outfit auf. Neo-Traditionalismus Der Neo-Traditionalismus entstand Mitte der 1980er Jahre als Antwort auf den durch Popeinflüsse bewirkten Identitätsverlust der Country-Musik. Eine kleine Gruppe von Interpreten um George Strait, Randy Travis, Clint Black, Keith Whitley, John Anderson und Ricky Skaggs veröffentlichte Alben mit traditionsorientierter Musik und löste damit einen Trend aus, der bis Ende der 1990er Jahre anhielt und über lange Jahre die Charts dominierte. In den 1990er Jahren erfolgreiche Star-Interpreten wie Garth Brooks, Alan Jackson oder Tracy Lawrence sind typische Vertreter des New Traditionalist Movement, die traditionelle Country-Musik modern aufbereiteten und mit Rock- und Blues-Elementen anreicherten. Nach einer sehr weiblich geprägten Pop-Strömung um die Jahrtausendwende sind die Neo-Traditionalisten allgemein wieder stark in den Charts vertreten, beispielsweise mit den Dixie Chicks, die sich seit 2006 allerdings mehr dem Rock-Pop-Bereich zugewendet haben, Toby Keith, Josh Turner, Billy Currington, Trace Adkins, Dierks Bentley und Brooks & Dunn. Die Neo-Traditionalisten sind stark von der Musik der Südstaaten wie Texas Music, Honky-Tonk, Western Swing, Southern Rock aber auch Bluegrass geprägt. Outlaw Seit Anfang der 1960er Jahre hatten in Nashville die Produzenten mehr und mehr an Macht gewonnen. Die eigentlichen Interpreten hatten kaum noch Einfluss auf die musikalische Gestaltung und Songauswahl. Einige Stars, allen voran Waylon Jennings, Willie Nelson, Johnny Cash und Kris Kristofferson – auch als The Highwaymen bekannt –, begannen daraufhin, ihre Platten selbst zu produzieren. Es schlossen sich immer mehr Musiker an, und die Outlaw-Bewegung beherrschte die Szene. Seit den 1980er Jahren überwiegen kantig-rockige Titel, eigenwillige Texte und nicht selten raue Stimmen. Typische Vertreter sind Hank Williams, Jr., David Allan Coe, Steve Earle und Charlie Daniels. Sie alle gelten als die Pioniere des modernen Country-Rock und werden der traditionsverhafteten Southern-Rock-Szene zugerechnet, die im Vorfeld der Country-Musik nahe an den Wurzeln der Rockmusik angesiedelt ist (Roots Rock, Traditional Blues und Rock ’n’ Roll) und in der Bands wie Lynyrd Skynyrd oder Interpreten wie John Fogerty musizieren. Rockabilly Rockabilly war die erste rein weiße Spielart des Rock ’n’ Roll und entstand, als junge weiße Musiker den schwarzen Rhythm & Blues interpretierten und mit Country-Elementen vermischten. Der Boom dieser Musik beschränkte sich auf die amerikanischen Südstaaten und auf die Zeit etwa zwischen 1954 und 1957. Merkmale sind sparsame Besetzung mit Kontrabass, der perkussiv gespielt wird, elektrische Leadgitarre und nervöser „Schluckaufgesang“. Häufig wird ein Bandecho verwendet, was dem Rockabilly einen „blubbernden Groove“ verleiht. Typische Vertreter dieser Stilrichtung waren neben dem frühen Elvis Presley auch Carl Perkins, Eddie Cochran und Gene Vincent. Country-Rock Der Country-Rock verbindet die oben genannten Musikgattungen des Outlaw und Southern Rock mit Rockabilly und traditionellem Blues. Vom reinen Roots Rock unterscheidet ihn nur die musikalische Aufbereitung wie glatter Sound, eingängige Rhythmen und Einbindung typischer Country-Instrumente wie Fiddles und Steel-Guitars neben diversen E-Gitarren. Stark behaupten konnte sich der Rock in der modernen Line-Dance-Szene, die in innigem Austausch mit dem Country-Mainstream steht; auch der neotraditionelle Honky Tonk wurde teilweise vom Country-Rock beeinflusst. Bekannte Interpreten sind beispielsweise Alabama, Linda Ronstadt oder The Byrds. Die moderne Country-Musik (New Country) der Hitparaden ist teilweise stark mit Rockelementen angereichert. Beispiele hierfür sind Keith Urban, Brooks & Dunn oder Lonestar. Im Umkreis des Country-Rocks bewegen sich neben den bereits unter Outlaw und Rockabilly erwähnten Interpreten Bands wie die Eagles, die Dire Straits oder die stark vom Southern Rock beeinflusste Nitty Gritty Dirt Band. Vertreter des gesetzteren Country-Blues sind Travis Tritt, Lee Roy Parnell und Wynonna Judd, die aus dem Countryduo The Judds hervorging. Tex-Mex In den USA verbreitet im Südwesten und in Texas. Wird auch als Norteño oder Tejano bezeichnet. Die Bands benutzen hauptsächlich dreireihige Akkordeons und „Bajo-Sextos“, wie der 6-saitige Bass bezeichnet wird. In den USA gibt es eine Reihe bekannter Tex-Mex-Stars wie Freddy Fender, Flaco Jiménez und dessen Bruder, Santiago Jiménez, Janie C. Ramírez und viele andere, vorwiegend Gruppen, die als Conjuntos bezeichnet werden. Die Musik besteht vorwiegend aus Balladen, Polkas, Boleros und Rancheras. Aus dem Tex-Mex-Umfeld stammen auch einige bekannte Neo-Traditionalisten, wie etwa Rick Trevino, Johnny Rodriguez oder der in beiden Welten beheimatete Emilio Navaira sowie Rockbands wie das Sir Douglas Quintet. Cajun-Musik Die von Harmonikas und Fiddeln geprägte Volksmusik der französischen Einwanderer im Südstaat Louisiana vermischte sich zunehmend mit der Country-Musik der umliegenden Staaten und wurde zu einer wegbereitenden Stilrichtung innerhalb der traditionellen Country-Musik. Bekannte Vertreter sind Jimmy C. Newman, Jo-El Sonnier und die Frauenband Evangeline. Der Country-Sänger Eddy Raven nahm viele Songs im Cajun-Sound auf, mehrere Country-Hits der 1990er Jahre sind im Cajun-Stil gehalten, beispielsweise Callin' Baton Rouge von Garth Brooks oder Down at the Twist and Shout von Mary Chapin Carpenter. Country-Gospel Er gehört zu den ältesten Stilrichtungen der Country-Musik. Charakteristische Merkmale sind die religiösen Inhalte und die einfach gehaltenen Arrangements. Den aus dem schwarzen Gospel bekannten Chorgesang gibt es in der Country-Variante nicht. Stattdessen wird häufig ein mehrstimmiger Satzgesang verwendet, der oft durch einen tiefen und prägnanten Bass ergänzt wird. Typische Vertreter sind die Statler Brothers und die Oak Ridge Boys. Country-Pop Diese Stilrichtung ist eine „weiche“, an Popmusik orientierter Seite der Country-Musik, die je nach Mode mehr oder weniger in den Vordergrund tritt. Beispiele sind unter anderem der Nashville Sound, der Ende der 1950er bis weit in die 1960er die kommerzielle Country-Musik-Produktion bestimmte. In den 1970er Jahren wurden Country-Songs immer stärker in den Pop-Charts gespielt (Dolly Parton oder John Denver) oder Popmusiker nahmen Country-Songs auf. Diese Tradition wurde in den 1980er Jahren fortgeführt; Beispiele hierfür sind Kenny Rogers, Don Williams, Conway Twitty, Crystal Gayle, Janie Fricke, Lee Greenwood oder Ronnie Milsap. Einige weibliche Interpreten, die während der 1990er Jahre stark vom Neo-Traditionalismus geprägt waren, wandten sich später verstärkt wieder dem Country- aber auch dem Mainstream-Pop zu (Shania Twain, Faith Hill, LeAnn Rimes). Neo-Traditionalisten wie Tim McGraw, Kenny Chesney, Collin Raye oder Trisha Yearwood versuchten sich zeitweise im Country-Pop, mit dem die führenden Plattenfirmen um das Jahr 2000 im Rahmen einer finanziell bedingten Crossover-Strategie auch die amerikanischen Pop-Stationen mitbedienen wollten. Mit Ausnahme weniger Erfolge, insbesondere Taylor Swift in ihrer Country Epoche 2006 bis 2012, scheiterte die Strategie jedoch an den Hörgewohnheiten des Publikums, die meisten Künstler kehrten in ihr Genre zurück. Die Country-Charts teilen sich in traditionelle und eher poporientierte Interpreten. Die einzelnen Jahrgänge der Country-Musik 2020er Jahre: 2020 – 2021 – 2022 – 2023 2010er Jahre: 2010 – 2011 – 2012 – 2013 – 2014 – 2015 – 2016 – 2017 – 2018 – 2019 2000er Jahre: 2000 – 2001 – 2002 – 2003 – 2004 – 2005 – 2006 – 2007 – 2008 – 2009 1990er Jahre: 1990 – 1991 – 1992 – 1993 – 1994 – 1995 – 1996 – 1997 – 1998 – 1999 1980er Jahre: 1980 – 1981 – 1982 – 1983 – 1984 – 1985 – 1986 – 1987 – 1988 – 1989 1970er Jahre: 1970 – 1971 – 1972 – 1973 – 1974 – 1975 – 1976 – 1977 – 1978 – 1979 1960er Jahre: 1960 – 1961 – 1962 – 1963 – 1964 – 1965 – 1966 – 1967 – 1968 – 1969 1950er Jahre: 1950 – 1951 – 1952 – 1953 – 1954 – 1955 – 1956 – 1957 – 1958 – 1959 1940er Jahre: 1940 – 1941 – 1941 – 1942 – 1943 – 1944 – 1945 – 1947 – 1948 – 1949 1930er Jahre: 1930 – 1931 – 1931 – 1932 – 1933 – 1934 – 1935 – 1937 – 1938 – 1939 1920er Jahre: vor 1923 – 1923 – 1924 – 1925 – 1927 – 1928 – 1929 Die Musikindustrie Die Kommerzialisierung der Country-Musik begann schon Anfang der 1920er Jahre, als erstmals Aufnahmen von ländlicher Musik auf Schallplatten gepresst wurden und das neue Medium Radio für eine landesweite Verbreitung sorgte. Die Country-Musik ist zu einem Multimilliarden-Dollar-Geschäft geworden, das von einer unüberschaubaren Zahl von Schallplattenfirmen, Musikverlagen, Radio- und Fernsehstationen, Interessenverbänden und Institutionen getragen wird. Obwohl es immer wieder Phasen ungehemmter Vermarktung gab, hat sich die Country-Musik niemals wirklich von ihren traditionellen Ursprüngen entfernt. Institutionen Academy of Country Music (ACM) Country Music Association (CMA) Country Music Foundation (CMF) Country Music Hall of Fame Association of Country Entertainers (ACE) Atlanta Country Music Hall of Fame America’s Old Time Country Music Hall of Fame Schallplatten-Labels Okeh Records – Bear Family Records – Bloodshot Records – Rounder Records -Starday Musikverlage Acuff-Rose – Cedarwood Music – Tree Publishing Manager und Produzenten Jimmy Bowen – Owen Bradley – Jack Clement – Paul Cohen – Jim Denny – George D. Hay – Ken Nelson – Ralph Peer – Sam Phillips – Fred Rose – Wesley Rose – Billy Sherrill – Jack Stapp Auszeichnungen ACM Awards Billboard Music Awards CMA Awards Country Music Hall of Fame NARAS Lifetime Achievement Award Nashville Songwriters Hall of Fame TNN Awards Radio- und Fernsehshows Grand Ole Opry Hee Haw Louisiana Hayride National Barn Dance Ozark Jubilee Midwestern Hayride WWVA Jamboree Town Hall Party Big D Jamboree Charts und Hitparaden Es existieren mehr als zehn verschiedene Country-Hitparaden, von denen aber nur zwei von Bedeutung sind: Billboard: Hot Country Songs beziehungsweise Top Country Albums Radio & Records: Country National Airplay Deutschsprachige Country-Szene Nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstand in Mitteleuropa eine eigenständige Country-Szene. Radiomoderatoren, Buchautoren, Konzertveranstalter und Verleger von Fanmagazinen setzten sich für die Verbreitung der Country-Musik im deutschsprachigen Raum ein. Beispielhaft seien Walter Fuchs, Thomas Jeier, Kai Ulatowski, Kai Niebergall, Hauke Strübing, Richard Weize oder Manfred Vogel genannt. Seit Mitte der 1970er Jahre wird Country-Musik von einer Reihe von Künstlern in deutscher Sprache interpretiert. Diese Stilrichtung wird durch die Fernfahrer- und Western-Hobbyisten-Szene beeinflusst und auch als Country-Schlager bezeichnet. Bekannte Interpreten sind unter anderem Tom Astor, Linda Feller, Truck Stop, Gunter Gabriel, Western Union, Gudrun Lange und Kactus sowie Jonny Hill. Literatur Standardwerke (Auswahl): Vladimir Bogdanov u. a. (Hrsg.): All Music Guide to Country. The Definite Guide to Country Music. Backbeat Books, San Francisco 2003, ISBN 0-87930-760-9 Byworth, Tony (Hrsg.): The Billboard Illustrated Encyclopedia of Country Music. Vorwort von Jack Clement. New York, N.Y.: Billboard Books, 2007 (320 Seiten), ISBN 0-8230-7781-0 Fred Dellar / Roy Thompson / Douglas B. Green: The Illustrated Encyclopedia of Country Music. Vorwort von Roy Acuff. 2. Aufl. Salamander Books, London 1978 (256 Seiten), ISBN 0-86101-012-4 Pamela Fox / Barbara Ching (Hrsg.): Old Roots, New Routes. The Cultural Politics of Alternative Country Music. University Of Michigan Press, An Arbor / Michigan 2009 (281 Seiten), ISBN 978-0-472-07053-4 Pamela Fox: Natural Acts. Gender, Race and Rusticity in Country Music. University Of Michigan Press, Ann Arbor / Michigan 2009 (269 Seiten), ISBN 0-472-07068-1 Walter Fuchs: Das neue große Buch der Country Music. Heel, Königswinter 2005, ISBN 3-89880-364-3 (umfassende Darstellung der Country-Musik unter Berücksichtigung der europäischen Szene, mit zahlreichen Kurzbiografien) Bill C. Malone: Country Music, USA. University of Texas Press, Austin 2002, ISBN 0-292-75262-8 (das Standard-Werk zur Geschichte der Country-Musik in englischer Sprache) Weblinks Einzelnachweise Musikgenre
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https://de.wikipedia.org/wiki/Koevolution
Koevolution
Koevolution, auch Coevolution, bezeichnet im Rahmen der Evolutionstheorie einen evolutionären Prozess mit wechselseitiger Anpassung zweier stark interagierender Arten. Dies kann sich über sehr lange Zeiträume in der Stammesgeschichte beider Arten erstrecken. Folglich ist der Begriff auf Artenpaare beschränkt, bei denen beide Arten einen starken Selektionsdruck aufeinander ausüben. Das Ergebnis der Koevolution sind Koadaptationen, die bei beiden beteiligten Arten auftreten. Koevolutionäre Prozesse können in mutualistische und antagonistische unterschieden werden, je nachdem, ob die Entwicklungen zum gegenseitigen Nutzen sind oder den gegenseitigen Selektionsdruck verschärfen. Beispiele Beispiele für Koevolution gibt es bei den Beziehungen zwischen den beiden beteiligten Arten einer Symbiose, z. B. den Bestäubern und den von ihnen bestäubten Pflanzen (Bedecktsamer) Beutegreifern und ihren Beutetieren oder -pflanzen (Räuber-Beute-Beziehung) Parasiten und ihren Wirten: Agrobacterium tumefaciens (Parasit) und dikotyle Pflanze (Wirt); Entwicklung der Behaarung des Menschen und Menschenläuse Weidetieren und dem von ihnen beweideten Grasland Begriffsverwendung Der ursprünglich ausschließlich in der Evolutionsbiologie verwendete Begriff ist in andere Disziplinen übernommen worden und hat dadurch fakultätsabhängige Bedeutungswandlungen erfahren: in der molekularen Biologie prägte Gabriel Dover 1984 den Begriff der „molekularen Koevolution“ in der Memetik: Die Koevolution von Memen und Genen. Die Koevolution zweier Memplexe wie Demokratie und Kapitalismus in der Astronomie: Theorie von Koevolution von Galaxien und Schwarzen Löchern Theorie des sich selbst organisierenden Universums von Erich Jantsch: Koevolution als allgemeiner Mechanismus der Entwicklung des Universums im Sinne einer universalen Evolutionstheorie. in der Informatik, Koevolution von Algorithmen in der Evolutionsökonomik als sich gegenseitig beeinflussende Entwicklung unterschiedlicher Systeme oder deren Komponenten in der Soziologie in der Ökonomie in der Kulturanthropologie wird Kultur als koevolutionärer Prozess der biologischen Evolution verstanden. Siehe auch Analogie (Biologie) (Konvergente Evolution) Mimikry Mimese Weblinks Einzelnachweise Evolution Biosoziologie und Soziobiologie
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https://de.wikipedia.org/wiki/Rugby-Union-Weltmeisterschaft
Rugby-Union-Weltmeisterschaft
Die Rugby-Union-Weltmeisterschaft () ist der wichtigste internationale Wettkampf im Rugby Union und wird seit 1987 alle vier Jahre unter derzeit zwanzig teilnehmenden Männer-Nationalmannschaften ausgetragen. Organisiert wird das Turnier vom World Rugby (WR), dem Rugby-Union-Weltverband. Der verliehene Pokal, der Webb Ellis Cup, ist nach William Webb Ellis benannt, dem die Erfindung des Spiels zugeschrieben wird. Die Rugby-Union-Weltmeisterschaft ist nach der Fußball-Weltmeisterschaft und den Olympischen Sommerspielen eines der größten internationalen Sportturniere der Welt. Amtierender Weltmeister ist die südafrikanische Nationalmannschaft, die mit insgesamt vier Siegen (1995, 2007, 2019, 2023) Rekordweltmeister sind. Format Qualifikation Eine Qualifikation wurde im Hinblick auf die zweite Weltmeisterschaft 1991 eingeführt, als 24 Nationen um acht der 16 Plätze spielten. Bei der ersten Weltmeisterschaft 1987 gab es noch keine Qualifikation. Sieben Mannschaften waren als Mitglieder des Weltverbandes IRFB (International Rugby Football Board, heute IRB) automatisch qualifiziert, die übrigen neun Mannschaften wurden eingeladen. Das bisherige Format sah vor, dass die acht Viertelfinalisten des vorhergehenden Turniers ohne Qualifikation teilnehmen, die übrigen zwölf Plätze wurden nach Kontinenten ausgespielt. Drei Mannschaften kamen hierbei aus Afrika, drei aus Amerika, eine aus Asien, drei aus Europa und zwei aus Ozeanien. Die verbleibenden zwei Qualifikationsplätze wurden zwischen den Mannschaften, die die Qualifikation verpasst haben, in einer Barrage (engl. repechage) ausgespielt. So spielten die besten nicht direkt qualifizierten Mannschaften aus Afrika und Europa gegeneinander, der Sieger tritt gegen eine amerikanische Mannschaft an. Um die letzte verbleibende Position spielte eine Mannschaft aus Ozeanien und eine aus Asien. Für die WM 2011 in Neuseeland waren erstmals die jeweils drei besten Mannschaften der Turniergruppen 2007 automatisch qualifiziert, sodass dann schon zwölf Teilnehmer feststehen. Dies soll die Bereitschaft in den fünfköpfigen Gruppen erhöhen, um den dritten Platz zu kämpfen. Dieser Modus wird seither beibehalten. Endrunde Im derzeitigen Modus wird das Turnier unter zwanzig Mannschaften über einen Monat in einem oder mehreren gastgebenden Ländern ausgetragen. In der anfänglichen Gruppenphase gibt es vier Gruppen mit je fünf Mannschaften. Die vier Halbfinalisten des vorherigen Wettbewerbs werden dabei auf die vier Gruppen verteilt, die übrigen vier Viertelfinalisten ebenso. Die Mannschaften, die über die Qualifikation zur Teilnahme gekommen sind, füllen die übrigen Plätze auf. In der Gruppenphase spielt jede Mannschaft einmal gegen jeden ihrer Gruppengegner, wobei vier Punkte für einen Sieg und zwei Punkte für ein Unentschieden verliehen werden. Bonuspunkte können erzielt werden, wenn eine Mannschaft während eines Spiels vier oder mehr Versuche erzielt oder mit sieben oder weniger Punkten Unterschied verliert. Die beiden besten Mannschaften jeder Gruppe kommen ins Viertelfinale, wobei jeweils der Gewinner einer Gruppe gegen den Zweiten einer anderen spielt. Die Viertelfinalsieger spielen unter sich die Halbfinals aus, in denen die Finalgegner bestimmt werden. Die Halbfinalverlierer spielen um den dritten Platz. Geschichte Vor Einführung der Weltmeisterschaft gab es im Rugby-Union-Sport mehrere Wettbewerbe, in denen Nationalmannschaften um Titel spielten. Das älteste bestehende Rugbyturnier ist das Six Nations und dessen Vorgänger, das zwischen England, Irland, Wales, Schottland, später Frankreich und seit 2000 Italien ausgespielt wird. Dieses Turnier war zwar eine rein europäische Angelegenheit, jedoch war es einer der wenigen regelmäßig ausgetragenen Wettkämpfe. Viermal, 1900, 1908, 1920 und 1924, war Rugby Teil der Olympischen Sommerspiele. Frankreich gewann die erste Goldmedaille, es folgte Australien, und die letzten beiden Male gewannen die Vereinigten Staaten. Danach entfernte das Internationale Olympische Komitee (IOC) Rugby aus dem Kanon der Sportarten. Die Idee einer Weltmeisterschaft geht bis in die 1950er Jahre zurück, jedoch machte der Weltverband IRFB (heute IRB) seinen Mitgliedern klar, dass er einen solchen Wettbewerb strikt ablehne. Zu Beginn der 1980er Jahre kam die Idee wieder zum Vorschein und wurde 1983 auf einer IRFB-Sitzung erneut abgelehnt. Die Australian Rugby Union (ARU) und die New Zealand Rugby Football Union (NZRFU), die Verbände Australiens und Neuseelands, verfassten daraufhin unabhängig voneinander einen Brief, der das IRFB aufforderte, eine Weltmeisterschaft durchzuführen. 1985 wurde diese Idee trotz Widerstandes, besonders von den irischen und britischen Delegationsmitgliedern, angenommen und die Ausrichtung der ersten Weltmeisterschaft zwei Jahre später an Australien und Neuseeland vergeben. Die entscheidende Stimme kam von den Delegierten Südafrikas, die das Projekt befürworteten, obwohl sie wussten, dass ein Boykott wegen der Apartheid es ihnen unmöglich machen würde, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Unter den 16 teilnehmenden Nationen gingen 1987 die All Blacks aus Neuseeland als Sieger hervor, nachdem sie Frankreich im Finale mit 29:9 bezwangen. England veranstaltete die folgende Weltmeisterschaft; einzelne Spiele wurden jedoch auch in Wales, Schottland, Irland und Frankreich ausgetragen. Australien siegte im Finale mit 12:6 über den Gastgeber England. 1995 kehrten die Springboks aus Südafrika nach dem Ende der Apartheid auf die internationale Bühne zurück. Als Gastgeber gewannen sie auch das Turnier, nach einem Finalsieg gegen Neuseeland. Nelson Mandela, bekleidet mit einem Springboks-Trikot und einer passenden Schildmütze, überreichte Kapitän Francois Pienaar die Trophäe. Der Verlauf des Turniers und besagte Szene sind auch zentraler Bestandteil des Films Invictus – Unbezwungen von Clint Eastwood. Wales war Gastgeber der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 1999, weitere Spiele fanden im Rest des Vereinigten Königreiches und in Frankreich statt. In diesem Jahr wurde die Zahl der Teilnehmer von 16 auf 20 erhöht. Australien gewann mit einem Sieg über Frankreich zum zweiten Mal den Weltmeistertitel. Das folgende Turnier sollte ursprünglich gemeinsam von Australien und Neuseeland ausgetragen werden; Differenzen zwischen dem IRB und der NZRFU über das Sponsoring, Werbung und den Kartenverkauf führten dazu, dass Australien zum alleinigen Ausrichter der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2003 bestimmt wurde. England gewann den Titel mit einem Sieg über Australien, und damit kam erstmals ein Weltmeister aus der nördlichen Hemisphäre. 750.000 Menschen versammelten sich in London, um das heimkehrende Team zu feiern. Die Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2007 fand hauptsächlich in Frankreich statt, einige Spiele wurden auch in Wales und Schottland ausgetragen. Südafrika errang mit dem Finalsieg über Titelverteidiger England zum zweiten Mal nach 1995 den Weltmeistertitel. Im November 2005 wurde Neuseeland zum Gastgeber für die Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2011 gewählt. Das Endspiel lautete wie 1987 wiederum Neuseeland – Frankreich; mit einem knappen 8:7-Sieg konnten die All Blacks zum zweiten Mal den Weltmeistertitel gewinnen. Am 28. Juli 2009 gab das IRB bekannt, dass die Weltmeisterschaften 2015 und 2019 von England respektive Japan ausgerichtet werden. Erstmals ernannte der Verband die Gastgeber der zwei kommenden Titelspiele gleichzeitig. Neben England und Japan hatten sich ebenfalls Italien und Südafrika beworben. Am 15. November 2017 wurde die Weltmeisterschaft 2023 an Frankreich vergeben. Am 12. Mai 2022 erfolgte die Vergabe der beiden Turniere Weltmeisterschaft 2027 und Weltmeisterschaft 2031 an Australien bzw. die Vereinigten Staaten. Letztgenanntes wird das erste Turnier auf dem amerikanischen Doppelkontinent sein. Bestimmung des Ausrichters Das gastgebende Land wird von den IRB-Mitgliedern ausgewählt. Organisiert wird das Turnier durch die Rugby World Cup Ltd (RWCL). Der Wahlvorgang wird von mehreren unabhängigen Notaren kontrolliert, die Wahl bleibt geheim. Bisher fanden alle Meisterschaften in Ländern statt, in denen der Rugbysport sehr populär ist. Mit der Wahl von Neuseeland zum Ausrichter 2011 setzt sich dieser Trend fort: Japan, eine traditionell schwächere Rugbynation, konnte sich nicht durchsetzen. Mittlerweile wird der Ausrichter fünf oder sechs Jahre vor dem Beginn der Veranstaltung bestimmt. Die Wahl der Gastgeber ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Es wird vermutet, dass die Bewerber, um Gastgeber zu werden, mit den stimmberechtigten IRB-Mitgliedern geheime Abmachungen treffen. So gab es im Jahr 2006 Vermutungen, dass der argentinische Rugbyverband für Neuseeland gestimmt habe, um als Gegenleistung an einem regelmäßig stattfindenden Turnier außerhalb der Weltmeisterschaft teilnehmen zu dürfen. Beliebtheit Das Turnier gehört hinter der Fußball-Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen zu den größten Sportanlässen der Welt. Die erste Austragung 1987 hatte eine kumulierte Fernsehzuschauerzahl von 300 Millionen weltweit. Die weltweite kumulierte Reichweite stieg im Jahr 2003 auf 495 Millionen, das Finale wurde in 205 Länder übertragen. Bei den 48 Spielen waren 1.837.547 Zuschauer in den Stadien anwesend, was einem Durchschnitt von 38.282 entspricht. Die Weltmeisterschaft 2015 galt als das bis dahin größte und beste Turnier. Zu den 48 Spielen kamen durchschnittlich 51.621, insgesamt also 2,47 Mio. Zuschauer. Ergebnisse Turniersieger Länderspezifischer Erfolg Insgesamt haben bisher 25 Nationalmannschaften an Endrunden der Rugby-Union-Weltmeisterschaft teilgenommen. Von allen neun bisherigen Turnieren wurde nur jenes im Jahr 2003 von einer Mannschaft aus der nördlichen Hemisphäre gewonnen. Jedoch stellte der Norden bisher jedes Mal – abgesehen von 1995, 2015 und 2023 – einen Endspielteilnehmer. Von den Mannschaften, die im kleinen Finale um den dritten Platz spielten, kam ebenfalls fast die Hälfte aus Europa. Zahlen und Rekorde Der Leistungsunterschied zwischen den Topmannschaften der Welt und den schwächeren Teams trat 1987 offen zu Tage: Die All Blacks aus Neuseeland erzielten 74 Punkte im Spiel gegen Fidschi und Frankreich erzielte 13 Versuche gegen Simbabwe. Die meisten Punkte in einem WM-Spiel erzielten 1995 ebenfalls die All Blacks beim 145:17 gegen Japan. Der größte Punktunterschied ist dagegen 142, erzielt beim 142:0 von Australien gegen Namibia bei der Weltmeisterschaft 2003. Bei seinem internationalen Durchbruch im Jahr 1995 stellte der Neuseeländer Jonah Lomu mehrere individuelle Rekordmarken auf. Er hält immer noch die Rekorde für die meisten Versuche in WM-Endrunden – 15 in den beiden Turnieren 1995 und 1999 – und die meisten Versuche in einer Endrunde – acht im Jahr 1999. Diese Rekorde wurde erst 2007 von Bryan Habana (Südafrika) wieder erreicht. Weitere neuseeländische Spieler halten WM-Weltrekorde – unter anderem erzielte Grant Fox 1987 mit 126 die meisten Punkte in einem Turnier, Simon Culhane erzielte die meisten Punkte in einem Spiel mit 45 in dem Rekordmatch gegen Japan. Im selben Spiel brach er auch den Rekord für die meisten Erhöhungen in einem Spiel, indem er zwanzig Mal traf, während Marc Ellis mit sechs die meisten Versuche in einem einzelnen Spiel erzielte. Der Engländer Jason Leonard bestritt zwischen 1991 und 2003 die meisten WM-Spiele mit 22. Dieser Rekord wurde erst 2015 vom legendären neuseeländischen Kapitän Richie McCaw eingestellt, der von 2003 bis 2015 ebenfalls 22 WM-Spiele bestritt. Im Zeitraum von 1999 bis 2011 erzielte der Engländer Jonny Wilkinson die Rekordzahl von 277 Punkten. Zudem hält er mit 14 den Rekord für die meisten Dropgoals. 8 davon gelangen ihm allein bei der WM 2003 – ebenso Rekord. Die meisten Teilnahmen an Rugby-Union-Weltmeisterschaften sind fünf, erzielt von Brian Lima (Samoa) zwischen 1991 und 2007, Mauro Bergamasco (Italien) zwischen 1999 und 2015 und Sergio Parisse (Italien) zwischen 2003 und 2019. Die meisten Siege einer Rugby-Weltmeisterschaft sind drei, die sowohl Neuseeland 1987, 2011 und 2015 und Südafrika 1995, 2007 und 2019 erzielten. Der jüngste Spieler, der in einem Rugby-Union-Weltmeisterschaft-Spiel einen Versuch erzielt hat, ist George North (Wales), der 19 Jahre und 166 Tage alt war, als er am 26. September 2011 in New Plymouth für Wales gegen Namibia traf. Am 2. Oktober 1999 erzielte Diego Ormaechea (Uruguay) im Alter von 40 Jahren 13 Tagen als ältester Spieler einen Versuch. Er hält damit gleichzeitig den Rekord als ältester Spieler, der jemals in einer WM aufgelaufen ist. Der jüngste Schiedsrichter, der ein Rugby-Union-Worldcup-Finale leitete, ist Craig Joubert (Südafrika), der am 23. Oktober 2011 bei dem Spiel zwischen Neuseeland und Frankreich 33 Jahre und 349 Tage alt war. Als weiteres Novum eines Rugby-WM-Finales war Joubert dabei jünger als einige der Spieler, die an dem Finale teilnahmen. Finanzielles Die Weltmeisterschaft 2023 in Frankreich kostete ca. 400 Millionen Euro, davon wurden 350 Millionen durch den Verkauf der Tickets erwirtschaftet. Die Summe von 400 Millionen ist jedoch umstritten, weil Teile des Aufwands auf das Budget der Olympischen Spiele 2024 gebucht wurden. Die Preise der Tickets reichten von 10 Euro bis 950 Euro für das Finale. Dank weiterer Einkünfte hofft der Organisator, eine Gemeinwirtschaftliche Gesellschaft (Groupement d’intérêt public), einen Überschuss von 40 Millionen zu erwirtschaften, der vollständig an die französischen Vereine ausgeschüttet wird. Siehe auch Liste bedeutender Rugby-Union-Wettbewerbe Rugby-Union-Weltmeisterschaft der Frauen Weblinks Internetseite zur jeweils aktuellen Weltmeisterschaft (englisch/französisch/spanisch) Turnierinformationen, Neuigkeiten und Statistiken (englisch) Einzelnachweise Erstveranstaltung 1987
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https://de.wikipedia.org/wiki/1500er
1500er
Ereignisse Politik und Weltgeschehen 1505: Ende des Landshuter Erbfolgekrieges 1505: König Alexander von Polen erkennt mit der sogenannten Konstitution „Nihil Novi“, als wichtigem Grundpfeiler der Republik Polen-Litauen, der polnischen Landbotenkammer das Recht auf Gesetzgebung zu. 1507: Auf der Weltkarte von Martin Waldseemüller erscheint zum ersten Mal der Name „America“ für den neu entdeckten Kontinent. Kultur Das französische Kartenblatt setzt sich um 1500 nahezu europaweit durch. Spielkarten erhalten cœur (Herz), pique (Lanze), trèfle (Kleeblatt) und carreau (Quadrat). Weblinks
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93.755535
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https://de.wikipedia.org/wiki/Taish%C5%8D-Zeit
Taishō-Zeit
Die Taishō-Zeit (jap. ) bezeichnet die Amtszeit des Tennō Yoshihito im Zeitraum vom 30. Juli 1912 bis zum 25. Dezember 1926 der Geschichte Japans. Taishō (, Ligatur: ) ist dabei die Regierungsdevise (Nengō) Yoshihitos. Sie war gekennzeichnet durch einen schwachen Herrscher, der aufgrund von Krankheit nicht mehr die Vitalität besaß, um das Land zusammenzuhalten. Daher gab es eine Machtverschiebung von den Traditionalisten und oligarchisch agierenden Beamten hin zu den demokratischen Parteien. Daher ist diese Zeit auch als Taishō-Demokratie in Japan bekannt. Sie unterscheidet sich dadurch auch von der vorangehenden reformorientierten Meiji-Zeit und der auf die Taisho-Zeit folgenden militaristischen Shōwa-Zeit. Etymologie Der Begriff Taishō wurde dem klassischen chinesischen Werk I Ging entlehnt. Dort findet sich in der Beschreibung des 19. Hexagramms lín folgender Satz (jap. Kanbun: ) mit der Bedeutung „großer und reibungsloser Fortschritt mit Gerechtigkeit – das ist der Weg des Himmels“, so dass Taishō („große Gerechtigkeit“) ausdrückt, dass eine gerechte Regierung, die auf die Zustimmung des Volkes setzt, angestrebt wird. Das Erbe der Meiji-Zeit Der Meiji-Kaiser verstarb am 30. Juli 1912, und Kronprinz Yoshihito folgte auf den Thron unter der Regierungsdevise Taisho. Die Endzeit der Meiji-Periode war gekennzeichnet durch massive Regierungsausgaben in Übersee-Investments und Verteidigungsprogramme. Hauptbelastung für die Staatskasse waren Militärausgaben von rund 30 % des Staatshaushalts, der Russisch-Japanische Krieg von 1904/05 und der Aufbau eines Kolonialreichs, das bereits Korea und Taiwan umfasste. Die Staatskasse war leer und es fehlte an Devisen, um die Auslandsschulden zu begleichen. Wie in der Meiji-Ära wurde Japan weiter von der westlichen Kultur beeinflusst. Kobayashi Kiyochika (1847–1915) übernahm westliche Maltechniken, arbeitete aber auch weiter an traditionellen japanischen Farbholzschnitten (ukiyo-e). Okakura Tenshin (1862–1913) hielt das Interesse an traditionellen japanischen Maltechniken aufrecht. Die Autoren Mori Ogai (1862–1922) und Natsume Soseki (1867–1916) studierten im Westen und brachten so den Einfluss europäischer Literatur und den westlichen Humanismus nach Japan. Die Meiji-Restauration gab auch neue intellektuelle Impulse. Beeinflusst durch amerikanische Gewerkschafter wuchs auch in Japan Interesse an sozialistischem Gedankengut. Durch die Industrialisierung entstand auch in Japan ein Proletariat, obwohl noch 80 % der Bevölkerung auf dem Land und von der Landwirtschaft lebten. Unter den Intellektuellen bildete sich eine linke Bewegung, die Ideale wie allgemeines Wahlrecht (der Männer), soziale Wohlfahrt, Arbeiterrechte und gewaltlosen Protest hochhielt. Die Unterdrückung der Bewegung durch die Regierung und der Einfluss anarchistischer Denker wie Kropotkin aber führte zu einer Radikalisierung der Bewegung. Die Sozialistische Partei Japans (, Nihon shakaitō) wurde ein Jahr nach ihrer Gründung 1906 wieder aufgelöst, die sozialistische Bewegung konnte sich in Japan nicht durchsetzen. Die radikale Linke hatte jedoch einen bedeutenden Einfluss auf junge chinesische Studenten in Tokio, und so wurde die Stadt zur Keimzelle der revolutionären Bewegung in China. Ereignisse Der Beginn der Taisho-Periode wurde markiert durch eine politische Krise, die die bisherige Politik des Kompromisses unterbrach. Als Saionji Kimmochi versuchte, den Militärhaushalt zu kürzen, trat der Armeeminister zurück, wodurch das durch die Seiyūkai gebildete Kabinett gestürzt wurde. Sowohl Yamagata als auch Saionji weigerten sich, ihr Amt weiter auszuüben, und es gelang den Genrōs nicht, eine Lösung zu finden. Öffentliche Bestürzung über die militärische Einmischung in der Politik und die Einsetzung von Katsura Tarō für eine dritte Amtszeit verstärkten die Forderungen nach einem Ende der Politik durch die Genro. Gegen den Widerstand der alten Garde gründeten konservative Kräfte 1913 eine eigene Partei, die Rikken Dōshikai, eine Partei, die bei den Wahlen im darauffolgenden Jahr die Mehrheit gegen die Seiyokai gewann. Am 12. Februar 1913 folgte Yamamoto Gonnohyōe (1852–1933) Katsura auf dem Posten als Premierminister. Er trat nach einer Bestechungsaffäre, bekannt als Siemens-Skandal, zurück. Im April 1914 ersetzte Ōkuma Shigenobu Yamamoto. Im weiteren Verlauf des Jahres erklärte die Regierung Ōkuma dem deutschen Reich den Krieg und trat damit auf der Seite der Entente in den Ersten Weltkrieg ein. 1915 entwarfen Ōkuma und Katō Takaaki die Einundzwanzig Forderungen an China, die Japan die Vorherrschaft über das Land sichern sollten. Bei der Pariser Friedenskonferenz 1919 wurden die deutschen Kolonien in Shandong an Japan abgetreten. Der Versuch Japans, in Sibirien Fuß zu fassen, scheiterte 1922 endgültig. Der Kronprinz Hirohito hatte aufgrund der Krankheit seines Vaters faktisch bereits seit 1921 die Regentschaft inne. Mit dessen Tod am 25. Dezember 1926 wurde Hirohito dann 124. Kaiser. Die neue Ära Shōwa (Erleuchteter Friede) wurde proklamiert. Am 10. November 1928 wurde er im Kaiserpalast Kyōto gekrönt. Insgesamt verschob sich in der Taisho-Periode die Macht vom Tennō und seinen Vertrauten, den Genrō, auf das Parlament und die neu gegründeten Parteien. Der Äraname diente so auch als Namensgeber für Ereignisse, die während dieser Zeit stattgefunden hatten. Man bezeichnet mit Taishō-Demokratie üblicherweise die Zeit (1905–31), in der japanische Kabinette Mitglieder aus politischen Parteien hatten. Im buddhistischen Kontext bezieht sich Taishō auf die Druckausgabe des kompletten sino-japanischen Kanons, die oft als „T.“ vor der Fundstellennummer abgekürzt wird. Umrechnung in den Gregorianischen Kalender Einzelnachweise Weblinks Nengō Periode der japanischen Geschichte
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https://de.wikipedia.org/wiki/1768
1768
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Polen / Russland / Osmanisches Reich 29. Februar: Marek Jandołowicz gründet zusammen mit Adam Stanisław Krasiński, Józef Pułaski und Großpolens Generalstarost Jerzy August Mniszech auf der Festung von Bar die Konföderation von Bar gegen die kaiserlich russische Vormundschaft und das Ende der Goldenen Freiheit in Polen-Litauen. Der Zusammenschluss der polnischen Kleinadeligen bemüht sich vergeblich um die Unabhängigkeit Polens von Russland. 5. März: Ein Stummer Sejm, der Repnin-Sejm, entscheidet sich für Russland als Schutzmacht für bestimmte Rechte in Polen. Kritiker der antirussischen Konföderation von Bar sind von den Beratungen ferngehalten. Der Kolijiwschtschyna-Aufstand der Hajdamaken unter dem Saporoger Kosaken Maksym Salisnjak bringt bis Ende Mai unter anderem die Städte Tscherkassy, Smila, Korsun, Kaniw, Bohuslaw, Swenyhorodka und Lyssjanka unter seine Kontrolle. Der Aufstand in der rechtsufrigen Ukraine richtet sich gegen die polnische Feudalherrschaft in der Woiwodschaft Bracław und ist eine Reaktion auf die Konföderation von Bar. Die von den orthodoxen Klöster der Region ausgehende antikatholische Propaganda unterstützt die Ausbreitung des Aufstandes. Der Kosake Iwan Gonta, der eine Kosakeneinheit des Woiwode der Woiwodschaft Kiew Franciszek Salezy Potocki befehligt, soll die Aufständischen vor Uman bekämpfen, das ab dem 17. Juni belagert wird, läuft aber stattdessen mit seiner Einheit zu den Aufständischen über. 21. Juni: Gegen das Versprechen, die Bevölkerung zu schonen, wird die Stadt Uman den Aufständischen übergeben. Entgegen der Abmachung beginnen diese sofort ein mehrtägiges Massaker an der polnischen und jüdischen Bevölkerung der Stadt, dem rund 20.000 Menschen in der Stadt und der Umgebung zum Opfer fallen. Auf Anordnung der russischen Kaiserin Katharina II., die befürchtet, der Aufstand könne auf die unter ihrer Verwaltung stehende Linksufrige Ukraine übergreifen, wird der Aufstand unterdrückt. Donkosaken-General Michail Kretschetnikow lädt die Aufständischen am 8. Juli zu einem Bankett ein, bei dem er die Hajdamaken, darunter auch Maksym Salisnjak und Iwan Gonta, gefangen nehmen lässt. Anschließend werden sie abgeurteilt. Maksym Salisnjak wird zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt, Iwan Gonta an den Großhetman der polnischen Krone Jan Klemens Branicki übergeben, der ihn über mehrere Tage foltern und hinrichten lässt. 25. September: Nach Verletzung osmanischen Territoriums durch ein russisches Kosaken-Regiment bei Balta erklärt Sultan Mustafa III. Russland den Krieg. Der fünfte Krieg zwischen beiden Reichen bricht aus. Er endet 1774 siegreich für die Russen unter Katharina der Großen. Korsika Mit dem Vertrag von Versailles vom 15. Mai überträgt die Republik Genua seinem Verbündeten Frankreich die Insel Korsika als Sicherstellung für die in den letzten Jahren durch den Kampf gegen die dortigen Aufständischen angefallenen Schulden. Frankreich erhält gegen eine jährliche Rente die Nutzungsrechte an der Insel für die Dauer von 10 Jahren. Da absehbar ist, dass Genua seine Schulden nicht zurückzahlen können wird, kommt der vom französischen Außen- und Kriegsminister Étienne-François de Choiseul vermittelte Vertrag einer endgültigen Abtretung gleich. Als die Franzosen jedoch versuchen, mit 10.000 Mann auf der Insel zu landen, um sie in Besitz zu nehmen, werden sie von den korsischen Widerstandskämpfern unter der Führung von Pasquale Paoli und Carlo Buonaparte bekämpft und vertrieben. Heiliges Römisches Reich Clemens Wenzeslaus von Sachsen wird Erzbischof von Trier und damit gleichzeitig Kurfürst. Er folgt dem am 12. Januar verstorbenen Johann IX. Philipp von Walderdorff. Mit Clemens wird 1803/06 die lange Liste der Trierer Kurfürsten enden. 27. Mai: Mit dem auf Vermittlung Russlands zustandegekommenen Gottorper Vertrag endet die offiziell über 300-jährige Zugehörigkeit Hamburgs zum dänisch regierten Herzogtum Holstein. Dänemark erkennt die Unabhängigkeit und Reichsunmittelbarkeit der Hansestadt an. Zugleich wird ein umfangreicher Gebietsaustausch vereinbart. Die Freie Reichsstadt Hamburg erlässt dafür dem dänischen Königshaus und dem Herzogtum Holstein-Gottorp Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 1,3 Mio. Reichstalern. Neben dem russischen Staatsminister Caspar von Saldern war auch Heinrich Carl von Schimmelmann als Mittler zwischen den Parteien beteiligt. Christian VII. von Dänemark ratifiziert den Vertrag am 3. Juli, die Hamburgische Bürgerschaft am 14. Juli, Zarin Katharina II. am 4. Oktober und Kaiser Joseph II. bestätigt den Gottorper Vergleich am 30. Mai 1769. 31. Dezember: Die Constitutio Criminalis Theresiana wird für die Österreichischen Erblande und die Länder der Böhmischen Krone in Kraft gesetzt, obwohl dieses Strafgesetzbuch von Staatsrat und Staatskanzlei wegen seiner Rückständigkeit abgelehnt worden ist. Sie ist bis 1787 in Kraft, gilt jedoch nicht in Ungarn. Die Theresiana ist neben der angestrebten Vereinheitlichung des Strafrechts in Österreich auch ein Versuch Maria Theresias, die damals üblichen Foltermethoden verbindlich zu regeln und zu beschränken. Asien Nachdem die Britische Ostindien-Kompanie ein Friedensangebot des Königreichs Mysore unter Hyder Ali zurückgewiesen hat und anschließend bis an die Malabarküste vorgestoßen ist, taucht dieser im November nach einer Umgehungsbewegung im Ersten Mysore-Krieg überraschend vor den Toren der praktisch unverteidigten Stadt Madras auf und zwing die Briten damit an den Verhandlungstisch. Phraya Taksin krönt sich zum Jahreswechsel nach seinem Sieg über die birmanischen Besatzungstruppen des Königs Hsinbyushin aus der Konbaung-Dynastie selbst zum König von Siam, das infolge des Untergangs des Königreichs Ayutthaya und der Zerstörung seiner Hauptstadt Ayutthaya im Vorjahr führungslos war. Statt die alte Hauptstadt wieder aufzubauen, gründet er das neue Königreich Thonburi. Allerdings gibt es seit dem Vorjahr zahlreiche lokale Kriegsherren, die die Souveränität Thonburis nicht anerkennen. Weltumsegelungen Louis Antoine de Bougainville 6. April: Der Franzose Louis Antoine de Bougainville trifft auf seiner Weltumseglung mit dem Schiff Boudeuse auf Tahiti ein und hält sich bis zum 16. April auf der Insel auf. 22. Mai: Louis Antoine de Bougainville entdeckt zu Pfingsten auf seiner Reise die von ihm so genannte Île de Pentecôte in der Südsee. Bougainvilles Expedition erforscht zahlreiche weitere pazifische Inseln, so die Neuen Hebriden, die Louisiaden, die nach König Ludwig XV. benannt werden und die Salomonen, die Bougainville nach fast 200 Jahren Vergessenheit neu entdeckt, und deren nördlichste Insel seinen Namen, Bougainville, erhält. September: Die Expedition erreicht die Molukken. Samuel Wallis/Philipp Carteret 20. Mai: Nach rund zweijähriger Reise trifft die HMS Dolphin unter dem Kommando von Samuel Wallis in England ein und vollendet damit seine Weltumrundung. 3. Juni: Die HMS Swallow, das zweite Schiff der Expedition, das im Vorjahr von der Dolphin getrennt wurde, trifft unter dem Kommando von Philipp Carteret auf Batavia ein, das Wallis wenige Monate zuvor verlassen hat. Als Samuel Wallis trotz seiner Verdienste das Kommando über die Endeavour und die damit verbundene Pazifikreise zugunsten James Cooks verweigert wird, verlässt er die Marine und zieht sich ins Privatleben zurück. James Cook 26. August: Das am 26. Mai in Dienst gestellte Segelschiff Endeavour läuft unter dem Kommando von James Cook mit 94 Mann Besatzung von Plymouth zu seiner ersten großen Pazifikreise aus. An Bord befinden sich 94 Personen und vor allem astronomische Instrumente, mit denen im Auftrag der Royal Society unter der Präsidentschaft des Astronomen James Douglas, 14. Earl of Morton, der Venustransit des Jahres 1769 beobachtet werden soll. Zu diesem Zweck soll auf Tahiti eigens eine Sternwarte errichtet werden. Überdies erhält Cook eine geheime Order mit dem Auftrag, diese erst zu öffnen, sobald der erste Teil der Reise – die Beobachtung des Venusdurchgangs – erfüllt ist. An Bord befinden sich neben der Crew zahlreiche internationale Wissenschaftler, unter ihnen der Astronom Charles Green sowie die Botaniker Joseph Banks, Daniel Solander und Herman Diedrich Spöring. Nach einer Zwischenstation auf Madeira am 12. September segelt die Endeavour weiter nach Rio de Janeiro, wo sie am 13. November eintrifft. Nachdem sie gründlich überholt worden ist, sticht sie im Dezember Richtung Feuerland und Kap Hoorn in See. Wirtschaft Im Großherzogtum Toskana wird unter Großherzog Peter Leopold und seinem Ersten Minister Franz Xaver Wolfgang von Orsini-Rosenberg die Generalpacht aufgehoben und die Steuereintreibung verstaatlicht. Für den bäuerlichen Besitz wird die Erbpacht eingeführt. Weiters werden Maßnahmen getroffen, um das weitere Anwachsen des unproduktiven Vermögens zur toten Hand zu verhindern, womit der Staat in das Recht der Kirche eingreift. Wissenschaft und Technik 4. März: In Mantua wird durch Erzherzogin Maria Theresia die Accademia Nazionale Virgiliana gegründet. Juni: Der schottische Universalgelehrte James Bruce beginnt in Alexandria mit den Vorbereitungen zu seiner großen Reise zu den Quellen des Nil. Mit Unterstützung des Mamlukenherrschers Ali Bey al-Kabir reist er z. T. als Türke verkleidet und verfolgt den Lauf des Nils stromaufwärts. Seine Reise dauert bis 1773. 20. November: Unweit von Mauerkirchen fällt ein Meteorit auf bayerisches Territorium. 6. Dezember: William Smellie gibt in Edinburgh die erste Lieferung der ersten Ausgabe der Encyclopædia Britannica heraus. Von nun an erscheinen wöchentlich Lieferungen dieses Produkts der Schottischen Aufklärung. Kultur Bildende Kunst 10. Dezember: König George III. gründet in London die Royal Academy of Arts. Unter den 34 Gründungsmitgliedern befinden sich mit Angelika Kauffmann und Mary Moser auch zwei Frauen. Erster Präsident der Kunstinstitution, die sich der Lehre und Förderung von Malerei, Bildhauerei und Architektur widmet, wird Joshua Reynolds. Joseph Wright of Derby malt das Gemälde Das Experiment mit dem Vogel in der Luftpumpe. Das Gemälde ist Teil einer Reihe von kerzenbeleuchteten Nocturnes, die er in den 1760er Jahren malt. Literatur 27. Februar: Der irisch-englische Autor Laurence Sterne veröffentlicht den Roman A Sentimental Journey Through France and Italy (Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien). Der Roman bleibt unvollendet, da der Autor wenige Tage nach der Veröffentlichung der ersten Kapitel stirbt, bevor er seinen Roman abschließen kann. Nachdem sich Johann Wolfgang Goethe und Käthchen Schönkopf nach zweijähriger Beziehung im Frühjahr einvernehmlich getrennt haben, verfasst Goethe das Schäferspiel Die Laune des Verliebten. Im Juli erkrankt Goethe schwer, woraufhin er sein Studium in Leipzig abbricht und im August in sein Frankfurter Elternhaus zurückkehrt, wo er sich unter dem Einfluss der Herrnhuter Stiftsdame Susanne von Klettenberg, einer Freundin seiner Mutter, intensiv mit Religion und Mystik beschäftigt. Im November beginnt er mit der Arbeit an seinem ersten Lustspiel Die Mitschuldigen. Christoph Martin Wieland veröffentlicht die philosophische Verserzählung Musarion. Musik Herbst: Die Eröffnung des Opernhauses in Eszterháza erfolgt mit der Uraufführung der Opera buffa Lo speziale (Der Apotheker) von Joseph Haydn. Vermutlich am 7. Dezember findet in Schwechat bei Wien die Uraufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel Bastien und Bastienne statt. Das Libretto stammt von Friedrich Wilhelm Weiskern, Johann Heinrich Müller und Johann Andreas Schachtner. Es basiert auf Charles-Simon Favarts, Marie Justine Benoîte Favarts und Harny de Guervilles Les amours de Bastien et Bastienne, einer Parodie auf Jean-Jacques Rousseaus einaktige Oper Le devin du village (Der Dorfwahrsager). Das Singspiel besteht aus einem Akt und ist in deutscher Sprache verfasst. Leopold Mozart bezeichnet es als Operetta, für den Librettisten Weiskern ist es „eine Französische Operacomique“. Dieses Genre ist zu diesem Zeitpunkt sehr in Mode. Im gleichen Jahr komponiert Wolfgang Amadeus Mozart die Oper La finta semplice. Auf Anregung von Kaiser Joseph II. tut er dies erstmals im Stil der Opera buffa. Das Werk kommt auf Grund von Intrigen allerdings erst im nächsten Jahr zur Aufführung. Die zweite Fassung der Oper Solimano von Davide Perez hat ihre Uraufführung im Palazzo Ajuda in Lissabon. Das Libretto stammt von Giovanni Ambrogio Migliavacca. Perez’ zweite Version des Solimano-Librettos gilt allgemein als das Meisterwerk des Komponisten. Gesellschaft 8. Juni: Der deutsche Archäologe und Kunstschriftsteller Johann Joachim Winckelmann wird auf der Rückreise von Deutschland nach Rom im Hotel Locanda Grande in Triest von dem vorbestraften Koch Francesco Arcangeli ermordet. 6. November: Kaiser Joseph II. stiftet den Orden des heiligen Josephs für die Burgmannschaft der Reichsburg Friedberg sowie der zugehörigen Burggrafschaft. Religion 7. Dezember: In Wien wird durch Fürsterzbischof Christoph Anton von Migazzi die Waisenhauskirche eingeweiht. Für die überlieferte Schilderung, Wolfgang Amadeus Mozart habe hierfür seine Waisenhausmesse komponiert, fehlen jedoch Beweise. Ignaz Franz verfasst das Kirchenlied Großer Gott, wir loben dich nach dem Te Deum laudamus aus dem 4. Jahrhundert. Historische Karten und Ansichten Geboren Erstes Quartal 7. Januar: Joseph Bonaparte, König von Neapel und Spanien († 1844) 12. Januar: Johann Georg Ludwig Brakebusch, deutscher lutherischer Theologe und Schriftsteller der Aufklärung († 1835) 16. Januar: Carl Andreas Göpfert, deutscher Komponist († 1818) 17. Januar: Sebastian Fahrländer, Schweizer Arzt und Politiker († 1841) 17. Januar: Smith Thompson, US-amerikanischer Politiker und Jurist († 1843) 23. Januar: Franz Antoine, österreichischer Pomologe († 1834) 24. Januar: Friedrich Erhard von Röder, preußischer General der Kavallerie († 1834) 25. Januar: Christoph Wilhelm Friedrich Penzenkuffer, deutscher Geistlicher, Pädagoge und Sprachforscher († 1828) 25. Januar: Justus Erich Walbaum, deutscher Typograf, Schriftgießer und Stempelschneider († 1837) 28. Januar: Axel Bundsen, dänischer Architekt und Baumeister († 1832) 28. Januar: Friedrich VI., König von Dänemark und Norwegen († 1839) 1. Februar: Alexandre-Jacques-Bernard Law de Lauriston, französischer General und Marschall von Frankreich († 1828) 1. Februar: Charles Tait, US-amerikanischer Politiker († 1835) 12. Februar: Franz II. Joseph Karl, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und als Franz I. Kaiser von Österreich († 1835) 12. Februar: Joseph von Hazzi, bayerischer Finanzbeamter, Schriftsteller über Forstwesen, Landwirtschaft und Statistik († 1845) 13. Februar: Édouard Adolphe Mortier, Marschall von Frankreich († 1835) 14. Februar: Paul Usteri, Schweizer Publizist und Politiker († 1831) 20. Februar: Vinzenz Ferrerius von Bianchi, österreichischer General und Herzog von Casalanza († 1855) 25. Februar: Friedrich von Adelung, deutscher Jurist und Philosoph († 1843) 26. Februar: Phra Phutthaloetla, als Rama II. König von Siam († 1824) 1. März: Pierre Coudrin, französischer Priester und Ordensgründer († 1837) 4. März: August Friedrich Holtzhausen, deutscher Ingenieur und erster deutscher Dampfmaschinenfabrikant († 1827) 4. März: Johann Friedrich Kind, deutscher Schriftsteller († 1843) 10. März: Karl Friedrich Gerhard Gruner, deutscher Kaufmann und Politiker († 1837) 15. März: Maria Anna Czartoryska, polnische Schriftstellerin († 1854) 17. März: Kaʻahumanu, regierende Königin von Hawaiʻi († 1832) 19. März: François Joseph Bosio, französischer Bildhauer († 1845) 21. März: Jean Baptiste Joseph Fourier, französischer Mathematiker und Physiker († 1830) 27. März: Arnold Mallinckrodt, deutscher Schriftsteller, Verleger und Publizist im preußischen Westfalen († 1825) 27. März: Joseph Schreyvogel, österreichischer Schriftsteller († 1832) 30. März: Maria Reynolds, Protagonistin des ersten öffentlichen Sex-Skandals in den USA († 1828) Zweites Quartal 2. April: Georg Friedrich Krause, preußischer Staatsrat und Forstwissenschaftler († 1836) 5. April: Dietrich Ludwig Gustav Karsten, deutscher Mineraloge († 1810) 11. April: Friedrich August Ludewig, deutscher Geistlicher, Pädagoge und Schriftsteller († 1840) 12. April: Christopher G. Champlin, US-amerikanischer Politiker († 1840) 14. April: Wilhelm von Dörnberg, deutscher General († 1850) 18. April: Willie Blount, US-amerikanischer Politiker († 1835) 18. April: Jean-Baptiste Debret, französischer Maler († 1848) 22. April: Friedrich David Gräter, württembergischer Theologe, Philosoph und Philologe, Begründer der wissenschaftlichen Nordistik in Deutschland († 1830) 23. April: José Álvarez Cubero, spanischer Bildhauer († 1827) 23. April: Friedrich Groos, deutscher Arzt und Philosoph († 1852) 27. April: Jeremiah Mason, US-amerikanischer Politiker († 1848) 3. Mai: Agustín Eyzaguirre, Präsident von Chile († 1837) 5. Mai: Karl Friedrich von dem Knesebeck, preußischer Generalfeldmarschall († 1848) 17. Mai: Caroline von Braunschweig-Wolfenbüttel, Gemahlin des britischen Königs Georg IV. († 1821) 17. Mai: Henry William Paget, britischer General und Staatsmann († 1854) 25. Mai: Kagawa Kageki, japanischer Tanka-Dichter († 1843) 29. Mai: Johann Martin Gehrig, deutscher römisch-katholischer Geistlicher († 1825) 12. Juni: Johann Gottfried Pahl, württembergischer Autor, Geistlicher und Politiker († 1839) 13. Juni: Girolamo Amati, italienischer Philologe, Gräzist, Epigraphiker, Paläograph und Handschriftenkundler († 1834) 20. Juni: William Findlay, US-amerikanischer Politiker († 1846) 25. Juni: Lazare Hoche, französischer General der Revolutionszeit († 1797) 25. Juni: Jakob Albrecht von Sienen, deutscher Jurist und Beamter († 1837) Drittes Quartal 6. Juli: Heinrich Backofen, deutscher Komponist und Klarinettist († 1830) 13. Juli: Peter Joseph Imhoff, deutscher Bildhauer († 1844) 18. Juli: Jean-Robert Argand, schweizerischer Buchhändler und Amateurmathematiker († 1822) 20. Juli: Franz Anton Schubert, deutscher Kirchenkomponist und Instrumentalist an der Katholischen Hofkirche Dresden († 1824) 25. Juli: William George Browne, englischer Afrika- und Asienreisender († 1813) 26. Juli: Johann Jakob Aders, deutscher Politiker, Banker und Sozialreformer († 1825) 27. Juli: Charlotte Corday, französische Adlige und Attentäterin († 1793) 27. Juli: Joseph Anton Koch, österreichischer Maler († 1839) 29. Juli: August Tischbein, deutscher Maler und Lithograph († 1848) 30. Juli: Friedrich August Marschall von Bieberstein, deutscher Botaniker und Forschungsreisender († 1826) 1. August: Karl Ludwig von Haller, Schweizer Staatsrechtler († 1854) 6. August: Jean-Baptiste Bessières, französischer General († 1813) 6. August: Josef Derossi, österreichischer Schauspieler († 1841) 10. August: Otto Christian Friedrich Kuhfahl, deutscher Pädagoge († 1837) 11. August: Johann Baptist Andres, deutscher Historiker, Theologe, Philosoph und Kirchenrechtler († 1823) 15. August: Christoph von Schmid, deutscher Dichter und Jugendbuchautor († 1854) 17. August: Louis-Charles-Antoine Desaix, französischer General († 1800) 22. August: Friedrich Delbrück, preußischer Theologe und Pädagoge († 1830) 24. August: Samuel Paynter, US-amerikanischer Politiker († 1845) 24. August: Julius von Voß, deutscher Schriftsteller († 1832) 26. August: Ferdinand von Schau, deutscher Offizier und Landrat († 1840) 27. August: Joseph Vitus Burg, Bischof von Mainz († 1833) 4. September: François-René de Chateaubriand, französischer Schriftsteller und Diplomat († 1848) 5. September: Andreas Ludwig Christoph Kettembeil, deutscher Jurist und Herausgeber († 1840) 6. September: Johann Friedrich Wilhelm Thym, deutscher reformierter Theologe und Pädagoge († 1803) 11. September: Karl Friedrich Alexander Freiherr von Arnswaldt, Wissenschaftspolitiker und Staatsminister († 1845) 12. September: Benjamin Carr, englisch-amerikanischer Komponist, Organist, Sänger und Musikverleger († 1831) 16. September: Rozalia Lubomirska, polnische Adlige, Opfer der Französischen Revolution († 1794) 20. September: Johann Gottfried Steinhäuser, Physiker, Mathematiker, Montanist und Jurist († 1825) 21. September: Louis Emmanuel Jadin, französischer Komponist und Professor († 1853) 25. September: Gottfried Mind, Schweizer Zeichner († 1814) Viertes Quartal 2. Oktober: William Carr Beresford, britischer General und portugiesischer Marschall († 1854) 6. Oktober: Josef Madersperger, Tiroler Schneidermeister und einer der Erfinder der Nähmaschine († 1850) 6. Oktober: Samuel C. Crafts, US-amerikanischer Politiker († 1853) 11. Oktober: Jean-Édouard Adam, französischer Chemiker und Physiker († 1807) 13. Oktober: Jacques Félix Emmanuel Hamelin, französischer Admiral († 1839) 17. Oktober: Israel Jacobson, deutscher jüdischer Reformer († 1828) 17. Oktober: Sophie von Dönhoff, preußische Adelige, in morganatischer Ehe Ehefrau von König Friedrich Wilhelm II. († 1834) 26. Oktober: Karl Friedrich Franciscus von Steinmetz, deutscher Generalleutnant und Kartograf († 1837) 28. Oktober: Johannes Daniel Falk, preußischer Theologe und Schriftsteller († 1826) 28. Oktober: Wilhelm Anton Ficker, deutscher Mediziner († 1824) 28. Oktober: Wilhelmine von Gersdorff, deutsche Adelige und Schriftstellerin († 1847) 30. Oktober: Jędrzej Śniadecki, polnischer Chemiker und Arzt († 1838) 31. Oktober: Simon Moritz von Bethmann, deutscher Bankier († 1826) 31. Oktober: Juan Egaña Risco, Präsident von Chile († 1836) 1. November: Christopher Ellery, US-amerikanischer Politiker († 1840) 2. November: Carl Bonaventura Witzka, deutscher Komponist und katholischer Theologe († 1848) 4. November: Francesco Maria Appendini, italienischer Philologe und Historiker († 1837) 8. November: Augusta Sophia, britisch-hannoveranische Prinzessin († 1840) 11. November: Asaf Jah III., Herrscher des indischen Fürstenstaats Hyderabad im Hochland des Dekkan († 1829) 18. November: Zacharias Werner, deutscher Dramatiker († 1823) 20. November: Andreas Leonhard Creuzer, deutscher Theologe († 1844) 21. November: Friedrich Schleiermacher, schlesischer protestantischer Theologe und Philosoph († 1834) 24. November: Georg Friedrich Rebmann, deutscher Publizist († 1824) 26. November: Ferdinand von Bubna und Littitz, österreichischer Feldmarschallleutnant († 1825) 3. Dezember: Xaver Bernauer, deutscher Orgelbauer († 1831) 19. Dezember: Aimée du Buc de Rivéry, französische Adlige (verschollen um 1788) Genaues Geburtsdatum unbekannt Conrad Christoph von Ahlefeldt, Erb- und Gerichtsherr aus Ascheberg, Kammerherr, Land- und Obergerichtsrat in Glückstadt und Klosterpropst von Uetersen († 1853) Christlieb Georg Heinrich Arresto, deutscher Schauspieler und Dichter († 1817) Friedrich Casimir Elias Eichler von Auritz, deutscher Offizier († 1829) Starez Leonid, russischer Mönch und Seelsorger († 1841) Geboren um 1768 Tecumseh, politischer und militärischer Führer der Shawnee und anderer Indianerstämme († 1813) Gestorben Erstes Halbjahr 1. Januar: Jean Restout der Jüngere, französischer Maler (* 1692) 2. Januar: Johann Simonis deutscher evangelischer Theologe und Orientalist (* 1698) 13. Januar: Giuseppe Simone Assemani, arabischer Orientalist (* 1687) 13. Januar: Pierre-Gabriel Buffardin, französischer Flötist (* 1693) 5. Februar: Karl von Arberg, deutscher Offizier (* 1705) 13. Februar: Adolf Gideon Bartholdi, preußischer Pädagoge (* 1688) 27. Februar: Johann Caspar Ulrich, Schweizer reformierter Pfarrer pietistischer Richtung (* 1705) 1. März: Hermann Samuel Reimarus, preußischer Orientalist, Philosoph und Theologe, Wegbereiter der wissenschaftlichen Bibelkritik (* 1694) 3. März: Nicola Antonio Porpora, italienischer Komponist und Gesangslehrer (* 1686) 11. März: Giovanni Battista Vaccarini, italienischer Architekt (* 1702) 18. März: Laurence Sterne, britischer Schriftsteller (* 1713) 4. April: Philipp von Imhoff, braunschweig-wolfenbüttelscher Generalleutnant (* 1702) 9. April: Sarah Fielding, englische Schriftstellerin und Übersetzerin (* 1710) 14. April: François de Cuvilliés der Ältere, französisch-deutscher Baumeister (* 1695) 19. April: Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, italienischer Landschaftsmaler (* 1697) 24. April: Johann Valentin Tischbein, thüringischer Maler in Laubach, Maastricht, Den Haag, Hildburghausen (* 1715) 4. Mai: Charles Étienne Louis Camus, französischer Mathematiker und Physiker (* 1699) 6. Mai: Conrad Nahmmacher, deutscher evangelischer Theologe und Pädagoge (* 1734) 18. Mai: Johann Adam Berner, deutscher Orgelbauer (* 1723) 25. Mai: Siegfried Cäso von Aeminga, deutscher Rechtswissenschaftler (* 1710) 26. Mai: Félix de Berroeta, spanischer Offizier, Kolonialverwalter und Gouverneur von Chile 2. Juni: Moritz Casimir I. von Bentheim-Tecklenburg, reg. Graf von Tecklenburg und Limburg, Herr zu Rheda (* 1701) 8. Juni: Johann Joachim Winckelmann, deutscher Archäologe und Kunstschriftsteller (* 1717) 19. Juni: Benjamin Tasker, britischer Kolonialgouverneur von Maryland (* 1690) 24. Juni: Johann Julius Hecker, preußischer Theologe und Gründer der praxisorientierten Realschule (* 1707) 24. Juni: Maria Leszczyńska, polnische Adelige, Königin von Frankreich und Navarra (* 1703) 28. Juni: George Hadley, englischer Physiker und Meteorologe (* 1685) 28. Juni: Johann Gottfried Tympe, deutscher orientalischer Philologe und evangelischer Theologe (* 1699) Zweites Halbjahr 4. Juli: Johann Gottfried Borlach, sächsischer Bergrat (* 1687) 11. Juli: José de Nebra, spanischer Komponist (* 1702) 14. Juli: James Short, britischer Mathematiker, Optiker und Teleskopbauer (* 1710) 20. Juli: Francesco Arcangeli, italienischer Mörder (* 1737) 20. August: Joseph Ignaz Philipp von Hessen-Darmstadt, Fürstbischof von Augsburg (* 1699) 24. August: Antonio de Guill y Gonzaga, spanischer Offizier, Kolonialverwalter sowie Gouverneur von Panama und Chile (* 1715) 25. August: Johann Conrad Seekatz, deutscher Maler (* 1719) 11. September: Joseph-Nicolas Delisle, französischer Astronom (* 1688) 17. Oktober: Ludwig VIII., Landgraf von Hessen-Darmstadt (* 1691) 19. Oktober: Agostino Masucci, italienischer Maler (* 1690) 28. Oktober: Michel Blavet, französischer Flötist und Komponist (* 1700) 31. Oktober: Francesco Maria Veracini, italienischer Violinist und Komponist (* 1690) 10. November: Johann Jacob Leu, Schweizer Enzyklopädist, Bürgermeister von Zürich und Bankier (* 1689) 17. November: Thomas Pelham-Holles, britischer Politiker (* 1693) 8. Dezember: Jean Denis Attiret, französischer Jesuiten-Missionar und Maler (* 1702) 13. Dezember: Johann Christoph von Dreyhaupt, deutscher Historiker (* 1699) 13. Dezember: Johann Conrad Peyer, Schweizer Jurist, Politiker und Dichter (* 1707) 14. Dezember: Ulla Tessin, schwedischer Hofdame, Oberhofmeisterin und Gräfin (* 1711) Genaues Todesdatum unbekannt Felix Benda, böhmischer Komponist (* 1708) Christian Kretzschmar, deutscher Baumeister des Barock und des Rokoko (* um 1700) Weblinks
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https://de.wikipedia.org/wiki/Glasschw%C3%A4mme
Glasschwämme
Die Glasschwämme (Hexactinellida (Gr.: Sechsstrahlige)) sind eine Klasse aus dem Stamm der Schwämme (Porifera). Zu den Glasschwämmen werden 662 Arten (Encyclopedia of Life: Stand 2023) gezählt, die ausschließlich im Meer, vom Litoral bis in die Tiefsee, leben. Glasschwämme stellen rund acht Prozent aller bekannten Schwammarten. Zurzeit sind sie in 19 Familien und 125 Gattungen untergliedert. Entwicklungsgeschichte Glasschwämme gehören zu den ältesten vielzelligen Tieren der Erdgeschichte. Sie traten bereits im Kambrium in Erscheinung, wo man sie in etwa 545 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten der Ediacara-Formation nachgewiesen hat. Ihre höchste Verbreitung erreichten sie im Jura und der Kreidezeit, in den flachen Gewässern der Tethys. Zu dieser Zeit erstreckte sich ein 7000 km langer Schwammriff-Gürtel vom heutigen Kaukasus, über Rumänien, Süddeutschland, die Iberische Halbinsel bis an die heutige Küste Neufundlands. Damit waren die Hexactinellida bedeutende Riffbildner, vergleichbar mit den heute lebenden Korallen. Die Kalkfelsen in der Fränkischen Alb sind z. B. fossile Überreste solcher Glasschwammriffe. Das einzig heute bekannte größere Glasschwammriff umfasst ca. 1000 Quadratkilometer vor der Westküste Kanadas. Verbreitung und Vielfalt Hexactinellida kommen in allen Weltmeeren vor und besiedeln vor allem die Tiefsee. Eine besonders große Dichte erreichen sie in den Gewässern rund um den antarktischen Kontinent in einer Tiefe von 100 bis 500 m. Obwohl sie dort nur in wenigen Arten vorkommen, können sie bis zu 90 Prozent der am Meeresboden sitzenden Lebewesen (Benthos) ausmachen. Die höchste Artenzahl in einer begrenzten Region wurde mit etwa 70 verschiedenen Arten an der Ostküste Japans in der vor Tokio gelegenen Sagami-Bucht gezählt. Die Vorkommen von Glasschwämmen aus dieser Region, in Tiefen von 150 bis 1000 m, sind seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts der Wissenschaft bekannt. Die Art Hyalonema sieboldii, damals noch als „Glaspflanze“ oder „Glaskoralle“ bezeichnet, wurde im alten Japan zu Zimmerschmuck oder Haarnadeln verarbeitet. Merkmale und Körperbau Glasschwämme weisen in ihrem Skelett sechsstrahlige oder davon ableitbare Nadelformen auf, die aus amorphem wasserhaltigem Siliziumdioxid (biogener Opal) aufgebaut sind. Die Bezeichnung der Klasse aufgrund der Morphologie ihrer Skelettelemente geht auf den Zoologen Eduard Oscar Schmidt zurück. In einer Glasschwammart können bis zu 20 verschieden geformte Nadeltypen auftreten. Viele Glasschwammspezies verfügen über einen basalen Stiel, aus einem großen einstrahligen (monaxonen) Spiculum, oder einem Bündel langer Fäden, mit dem sie Halt im Meeresboden finden. Ein Beispiel für den einstrahligen Aufbau ist die Art Monorhaphis chuni, die sich mit einer einzelne Schwammnadel von bis zu 3 m Länge und 8 mm Dicke im Tiefseeboden des Indischen und Pazifischen Ozeans verankert. Im Ostchinesischen Meer wurde ein Exemplar von Monoraphis chuni gefunden, das während seiner 11.000-jährigen Lebenszeit Nadeln von 3 Meter Länge und 1 Zentimeter Dicke ausbildete, deren „Jahresringe“ als Klimaarchiv dienen und lokal stark schwankende Wassertemperaturen (zwischen 2 und 10 Grad Celsius) belegen. Der Mechanismus der Nadelbildung der Hexactinellida ist in seinen Grundzügen aufgeklärt. Die Nadeln bestehen aus konzentrisch abgeschiedenen Lagen um einen zentralen Hohlkanal, den ein organisches Axialfilament ausfüllt. Dieses besteht größtenteils aus dem silikat-abscheidenden Enzym Silicatein, das zur Cathepsin-Unterfamilie gehört. Ein weiteres Enzym, die Silicase, dient dazu, das amorphe Silizium in Lösung zu halten. Silicase ist verwandt zu den Kohlenstoff-Anhydrasen, aktives Zentrum ist ein Metallkomplex mit Beteiligung von Zink. Die fertigen Nadeln bestehen neben der amorphen Silikat-Glasmasse zu größeren Anteilen aus Strukturproteinen, vermutlich zu großen Teilen Kollagen. Der „Verbundwerkstoff“ aus Silikatglas und Protein ist elastischer als reines Glas: So ist es möglich, eine Schwammnadel bis zur Kreisform zu biegen; beim Loslassen kehrt sie unbeschädigt in ihre Ausgangsform zurück. Lebensweise Glasschwämme leben als sessile Tiere standortsfest und ernähren sich als omnivore Filtrierer, indem sie Nahrungspartikel wie Plankton, Einzeller und Bakterien aus dem Wasser filtern. Bei Glasschwämmen konnte sowohl sexuelle als auch asexuelle Fortpflanzung nagewiesen werden. Die großen Glasschwämme bieten, mit ihren zahlreichen Hohlräumen, Lebensräume für zahlreiche wirbellosen Tierarten, aber auch Jungfische. Ein Beispiel hierfür ist der bis zu 40 Zentimeter große Gießkannenschwamm (Euplectella aspergillum), der eine Symbiose mit Garnelen eingeht. Nach dem Absterben der Schwämme bleiben ihre Skelettnadeln am Boden liegen und bilden mit der Zeit bis zu 2 Meter mächtige glaswollartige Nadelmatten, die den Meeresboden strukturieren und verändern. Glasschwämme sind daher ein bedeutender ökologischer Faktor in der Antarktis. Systematik Die bis 2023 erfassten 662 Spezies von Glasschwämmen werden in die beiden Unterklassen Amphidiscophora und Hexasterophora, die wiederum in 129 Gattungen und 19 Familien unterteilt werden: Amphidiscophora, Schulze, 1886 Amphidiscosida, Ordnung, Schrammen, 1924, mit den folgenden drei Familien Hyalonematidae, Gray, 1857 Monorhaphididae, Ijima, 1927 (monotypisch) Monorhaphis chuni Pheronematidae, Gray, 1870 Hexasterophora Schulze, 1886, mit drei Ordnungen Lychniscosida,Schrammen, 1903, mit den folgenden beiden Familien Aulocystidae, , 1887 Diapleuridae, , 1927 Lyssacinosida,Topsent, 1916 mit den folgenden vier Familien Aulocalycidae, , 1927 Euplectellidae, , 1867 Euplectella aspergillum, Gießkannenschwamm, , 1841 Leucopsacidae, , 1903 Rossellidae, , 1885 Anoxycalyx joubini, , 1916 Sceptrulophora, Mehl, 1992 mit den folgenden neun Familien Aphrocallistidae, , 1867 Auloplacidae, , 1912 Craticulariidae, , 1893 Cribrospongiidae, , 1864 Euretidae, , 1877 Farreidae, , 1872 Fieldingiidae, , 2004 Tretodictyidae, , 1886 Uncinateridae, , 2002 Galerie Literatur John N. Hooper, Rob W. van Soest (Hrsg.): Systema Porifera: A Guide to the Classification of Sponges. Kluver Academic/Plenum Publishers, New York 2002, ISBN 978-0-306-47260-2. Weblinks Glasschwämme – Dinosaurier der Meere. Süddeutsche Zeitung, 11. Mai 2010 Einzelnachweise Schwämme
Q263211
122.030568
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https://de.wikipedia.org/wiki/Phytotomie
Phytotomie
Phytotomie oder Pflanzenanatomie ist die Wissenschaft der Gestalt von Pflanzen, neben der Zootomie (Tiere) und Anthropotomie (Menschen) ein Bereich der Anatomie. Die Beschreibung der äußeren Struktur von Pflanzen wird allerdings oft als Morphologie bezeichnet, was den Begriff der Phytotomie oft auf die Beschreibung der inneren Struktur der Pflanzen beschränkt. Die Morphologie dient oft der Erkennung und Einordnung der Pflanzen, wobei die Erforschung der Pflanzenanatomie heute oft auf zellulärer Ebene stattfindet. Diese Wissenschaft(en) ist (sind) eng verknüpft mit der Systematik, die von einer differenzierten Beschreibung der inneren Organe und deren Funktion ausgeht. Geschichte Antike Um 300 vor unserer Zeitrechnung schrieb Theophrastos von Eresos einige Abhandlungen über Pflanzen, derer nur zwei überlebten. Er entwickelte Konzepte zur Morphologie und Einteilung von Pflanzen, die die wissenschaftlichen Prüfungen zur Zeit der Renaissance nicht überstanden. Neuzeit bis zum 18. Jahrhundert Caspar Bauhin, ein schweizerischer Mediziner und Botaniker, führte die Nomenklatur in der Taxonomie der Pflanzen ein. Er veröffentlichte 1596 die Pinax theatri botanici, die erstmals diese Namenskonvention zur Benennung von Spezies benutzte. Die Einteilungskriterien umschlossen natürliche – oft strukturelle – Bezüge und Ähnlichkeiten. Der italienische Arzt und Mikroskopist Marcello Malpighi war einer der zwei Begründer der Phytotomie. 1671 veröffentlichte er seine Anatomia Plantarum, den ersten großen Vorstoß in der Pflanzenphysiogamie seit Aristoteles. Der britische Arzt Nehemiah Grew stellt den anderen der beiden der Begründer dar. Er veröffentlichte 1672 An Idea of a Philosophical History of Plants und 1682 The Anatomy of Plants. Er findet Anerkennung als Entdecker der Pflanzenzellen, wobei er von 'Vesikeln' und 'Blasen' sprach. Er erkannte und beschrieb die Geschlechtsorgane von Pflanzen und deren Rolle in Übereinstimmung mit dem heutigen Verständnis. Im 18. Jahrhundert führte Carl von Linné, latinisierter Name Carolus Linnaeus, die auf Struktur basierende Taxonomie ein. In seinem Frühwerk beschäftigte er sich mit der Anatomie der Pflanzen. Während die wissenschaftlich anerkannte exakte strukturelle Ebene zum Vergleich und Unterscheidung sich mit zunehmendem Wissen gewandelt hat, sind doch die grundlegenden Prinzipien von Linnaeus eingeführt. 1753 veröffentlichte er sein Meisterwerk Species Plantarum. 19. Jahrhundert 1802 veröffentlichte der französische Botaniker Charles François Brisseau de Mirbel seine Traité d'anatomie et de physiologie végétale (Abhandlung über Pflanzenanatomie und -physiologie) und begründete damit die Wissenschaft pflanzlicher Zellbiologie. 1812 veröffentlichte Johann Jacob Paul Moldenhawer seine Beyträge zur Anatomie der Pflanzen mit mikroskopischen Studien von Pflanzengewebe. 1813 veröffentlichte ein Schweizer Botaniker, Augustin Pyrame de Candolle, die Théorie élémentaire de la botanique, in der er sich dafür ausspricht, allein die Anatomie und nicht die Physiologie der Pflanzen für die Klassifizierung heranzuziehen. Aufgrund einer wissenschaftlichen Basis führte er strukturelle Kriterien zur Definition und Unterscheidung von Pflanzengattungen ein. 1830 veröffentlichte Franz Meyen Phytotomie, die erste umfassende Übersicht über die Anatomie von Pflanzen. 1838 veröffentlichte der deutsche Botaniker Matthias Jakob Schleiden Contributions to Phytogenesis und behauptete darin, „die niedrigen Pflanzen bestehen alle aus einer Zelle, während höhere Pflanzen aus (mehreren) einzelnen Zellen zusammengesetzt sind“ und bestätigte damit Mirabels Werk. Der deutsch-polnische Botaniker Eduard Strasburger beschrieb den mitotischen Prozess in Pflanzenzellen und führte weiterhin aus, dass neue Zellkerne nur ausgehend von existierenden Kernen durch Teilung entstehen können. Seine Studien über Protoplasma wurden 1876 veröffentlicht. Gottlieb Haberlandt, ein deutscher Botaniker, studierte die Physiologie von Pflanzen und klassifizierte Pflanzengewebe anhand seiner Funktion. Auf dieser Grundlage veröffentlichte er 1884 Physiologische Pflanzenanatomie, in dem er zwölf verschiedene Gewebesysteme beschreibt (absorptiv, mechanisch, photosynthetisch usw.). Die britischen Paläobotaniker Dunkinfield Henry Scott und William Crawford Williamson beschrieben gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Struktur fossiler Pflanzen. Scotts Studies in Fossil Botany wurden 1900 publiziert. 20. Jahrhundert Nach Charles Darwin’s Origin of Species übertrug der kanadische Botaniker Edward Charles Jeffrey, der vergleichende Anatomie und Phylogenie verschiedener Gefäßpflanzen-Gruppen studierte, die Theorie auf Pflanzen, indem er deren Form und Struktur heranzog, um evolutionäre Linien herzustellen. Er veröffentlichte 1917 seine The Anatomy of Woody Plants. Der Zuwachs der vergleichenden Phytotomie wurde von der britischen Botanikerin Agnes Arber angeführt. Sie publizierte 1920 Water Plants: A Study of Aquatic Angiosperms, 1925 Monocotyledons: A Morphological Study und 1934 The Gramineae: A Study of Cereal, Bamboo and Grass. Nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte Katherine Esau 1953 Plant Anatomy, das an nordamerikanischen Hochschulen und darüber hinaus das Standardwerk zum inneren Aufbau von Pflanzen wurde, auch 2006 war es nach wie vor im Druck. Daran schloss 1960 sich ihre Anatomy of seed plants an. Quellen Siehe auch Pflanzenphysiologie Weblinks M. J. Farabee: Plants and their structure. Estrella Mountain Community College, Phoenix, Arizona 2001. Louisiana State University Herbaria: LSU Herbaria Keys Glossary Botanik Pflanzenmorphologie
Q4021
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https://de.wikipedia.org/wiki/Xiamen
Xiamen
Xiamen (; veraltet Post Amoy) ist eine Küstenstadt im Südosten der Volksrepublik China und im Süden der Provinz Fujian. Sie ist eine der 15 Unterprovinzstädte des Landes. Ihr Zentrum liegt auf einer dem Festland vorgelagerten Insel gleichen Namens und verfügt über einen internationalen Flughafen. Nach der Volkszählung 2020 hatte die Agglomeration von Xiamen 5,16 Millionen Einwohner. Allgemeines Xiamen ist auch bekannt unter dem lokalen Namen Amoy, der gleichzeitig der Name des dortigen Dialekts ist. Die Stadt gehört zu den ökonomischen Zentren des chinesischen Küstengebietes. Xiamen hat den Beinamen Kranich-Stadt, weil sich angeblich durchziehende Kraniche hier niedergelassen hatten. Vor der Insel Xiamen liegt das berühmte Inselchen Gulangyu (鼓浪屿), das zum Stadtbezirk Siming gehört. Das Klima der Stadt ist subtropisch, die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 21 °C. Bedingt durch dieses subtropische Klima, kann es in den Monaten Juli bis September vermehrt zu heftigen Taifunen kommen. Am 14. September 2016 zog der Taifun „Meranti“ über die südchinesische Küstenprovinz Fujian direkt über Taiwan, Gulangyu und Xiamen weiter ins Landesinnere, wo er ein Bild der Verwüstung hinterließ. Es war der stärkste Taifun seit etwa sechs Jahrzehnten. Das höchste Gebäude ist das Xiamen International Centre. Administrative Gliederung Xiamen setzt sich auf Kreisebene aus sechs Stadtbezirken zusammen. Zwei dieser Stadtbezirke – Siming und Huli – nehmen die Insel Xiamen (inklusive Gulangyu) ein (Stand: 2020): Stadtbezirk Siming 思明区, 85 km², 1.073.315 Einwohner, Süden der Xiamen-Insel Stadtbezirk Huli 湖里区, 77 km², 1.036.974 Einwohner, Norden der Xiamen-Insel Stadtbezirk Haicang 海沧区, 219 km², 582.519 Einwohner, im Südwesten Stadtbezirk Jimei 集美区, 274 km², 1.036.987 Einwohner, im mittleren Westen Stadtbezirk Tong’an 同安区, 671 km², 855.920 Einwohner, im Nordwesten Stadtbezirk Xiang’an 翔安区, 435 km², 578.255 Einwohner, im Nordosten Bevölkerung Der Zensus des Jahres 2000 zählte 2.053.070 Einwohner Xiamens. Die lokale Sprache ist ein Dialekt des Hokkien. Bevölkerungsentwicklung der Agglomeration laut UN Klima Geschichte Im Jahre 1313 begannen Franziskaner mit der Mission in Xiamen. Xiamen wurde seit 1541 von Europäern als Handelshafen genutzt und war im 19. Jahrhundert der Hauptexporthafen für Tee. Xiamen war bis zu seinem Rückzug vor der Qing-Dynastie nach Taiwan der letzte Stützpunkt von Zheng Chenggong (genannt Koxinga), der als Kriegsherr der Ming-Dynastie und Piratenanführer bekannt wurde. Mit dem Vertrag von Nanjing (1842), der den Ersten Opiumkrieg beendete, wurde Xiamen einer der für Großbritannien geöffneten Vertragshäfen. Wirtschaft Übersicht 1981 wurde Xiamen eine der ersten vier Sonderwirtschaftszonen Chinas. Seit 2001 bestehen im Rahmen der Three Mini Links regelmäßige Post-, Transport- und Handelsverbindungen zur nahe gelegenen von der Republik China auf Taiwan kontrollierten Insel Kinmen. Wirtschaftliche Daten: Bruttoinlandsprodukt: 64,8 Milliarden ¥ Renminbi Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 42.270 ¥ Renminbi – Platz 1 in Fujian Exporte: 8.793 Millionen US-Dollar Importe: 6.391 Millionen US-Dollar Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt hier um ein Mehrfaches über dem Durchschnitt der Provinz. Zahlen: Fujian Statistical Yearbook 2003 (Zahlen von 2002) Unternehmen Im Großraum Xiamen haben sich zahlreiche Betriebe der Elektroindustrie niedergelassen, so auch die Xiamen Hongfa Electroacoustic Co. Ltd, die Relais und elektronische Bauteile – etwa für Haushaltsgeräte – für den Weltmarkt herstellt, unter anderem für den deutschen Markt. Ebenso dort ansässig ist das auch auf dem europäischen Markt aktive Unternehmen King Long (einer der größten Omnibushersteller der Welt), sowie die Neonlite Electronic & Lighting (H. K.) Ltd. die für die deutsche IDV GmbH Energiesparlampen herstellt (siehe auch Megaman). Zu den landesweit bekannten Unternehmen aus Xiamen gehört die Fluggesellschaft Xiamen Airlines, die dem drittgrößten Fluggesellschaftsbündnis China Southern Airlines beigetreten ist. Im Logo von Xiamen Airlines ist ein Kranich zu sehen, der auf die Kraniche von Xiamen (s. o.) zurückgeht. Im Jahre 2012 gab die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform die Genehmigung zum Bau der U-Bahn Xiamen. Die erste Linie wurde im Dezember 2017 eröffnet. Die langfristigen Planungen sehen insgesamt elf Linien mit einer Gesamtlänge von 404 km und 188 Stationen vor; zusätzlich zu den im Betrieb befindlichen beiden Linien sind per Sommer 2019 drei weitere in Bau oder Planung. Hafen 2010 schloss sich der Hafen von Xiamen mit dem benachbarten Hafen Zhangzhou zusammen. Dieser größte Umschlagplatz im Südosten Chinas hatte im Jahr 2013 einen Seegüter-Umschlag von 191 Mio. Tonnen, davon 8,1 Mio. TEU, und war damit der achtgrößte Containerhafen Chinas. Weltweit befindet sich der Containerhafen von Xiamen auf Platz 18. Bis zum Jahr 2018 sollen für umgerechnet 16 Mio. US-Dollar vier Terminals mit speziellen Liegeplätzen für Kreuzfahrtschiffe ausgebaut werden. Bildung Xiamen kann als einer der bedeutendsten Orte in der deutsch-chinesischen Bildungszusammenarbeit in Südchina angesehen werden. Zahlreiche führende Universitäten sind in Xiamen angesiedelt. Zu den führenden Hochschule gehören die Xiamen-Universität, die Jimei-Universität und die Universität der Übersee-Chinesen. Zu einer bedeutenden Partnerschaft im Bildungsbereich zählt die Hochschulkooperation zwischen der Jimei-Universität (ca. 42.000 Studenten) im Stadtbezirk Jimei und der Technischen Hochschule Wildau in Deutschland, die im Jahr 2008 unterzeichnet wurde. Seitdem hat sich ein reger Austausch zwischen den Studenten und Dozenten beider Hochschulen entwickelt. Ebenfalls an der Jimei-Universität angesiedelt, werden jedes Jahr hunderte von chinesischen Studenten und Dozenten für ein Studium oder für Gastwissenschaften in Deutschland sprachlich vorbereitet. Das Freshman Institute der Fachhochschule Aachen wählt seit dem Jahr 2007 in Xiamen einen Teil seiner künftigen internationalen Studenten im Rahmen eines ganztägigen Assessment Centres aus. Die Xiamen-Universität betreibt ein Konfuzius-Institut an der Universität Trier. Im internationalen Bereich hat die von ihr veranstaltete „Xiamen Academy of International Law“, die einmal jährlich stattfindet, Bedeutung erlangt. Die Stadt-Berufshochschule Xiamen () unterhält freundschaftliche Kontakte zu Hochschulen in Polen, Italien und Deutschland. Tourismus Im Jahr 2002 besuchten 673.718 Touristen die Stadt Xiamen, auch wegen ihrer attraktiven Küstenlandschaft. Bedeutendes Ausflugsziel Xiamens ist die nur wenige hundert Meter entfernt liegende Insel Gulangyu, die autofrei ist und die den Blick erlaubt auf die Schulstadt Jimei sowie auf die größtenteils zu Taiwan gehörende Inselgruppe Kinmen. Die Überfahrt im Stehen mit der Personenfähre, die die Strecke in ein paar Minuten hinter sich bringt, ist nur begrenzt verfügbar (2018). Die Insel lässt sich an einem halben Tag gut „erwandern“. Die Wege sind – um sie trotz der starken Niederschläge gut begehbar zu belassen – keine Naturwege. Es gibt auf der Insel ein Orgelmuseum und ein Aviarium. Die Statue von Zheng Chenggong (genannt Koxinga) und der Sunlight Rock (63 m), letzterer mit Rundblick vom höchsten Punkt der Insel, bieten Aussichtsmöglichkeiten. Touristischer Anziehungspunkt ist auch der am Meer gelegene, im traditionellen Stil gehaltene Campus der Xiamen-Universität. Von Xiamen aus können die Rundhäuser der Hakka im Kreis Yongding besucht werden, die 2008 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurden. In der Stadt gibt es mit Oriental Heritage einen Freizeitpark. Städtepartnerschaften Cardiff im Vereinigten Königreich (seit 1983) Sasebo in Japan (seit 1983) Cebu auf den Philippinen (seit 1984) Baltimore in den Vereinigten Staaten (seit 1985) Wellington in Neuseeland (seit 1987) Penang in Malaysia (seit 1991) Trier in Deutschland (seit 2010) Persönlichkeiten Joseph Cheng Tsai-fa (1932–2022), römisch-katholischer Geistlicher und Erzbischof von Taipeh Literatur Siegfried Englert: Die Provinz Fujian in der VR China. Plöger, Annweiler 2013, ISBN 978-3-89857-289-7, S. 273–286. Damian Harper u. a.: China. 12. Auflage. Lonely Planet Publications, London 2011, ISBN 978-1-74179-589-9, S. 267–269. Weblinks Amoy Magic – Guide to Xiamen & Fujian Xiamen-Universität (englisch) Einzelnachweise Ort in Fujian Unterprovinzstadt (China) Ort mit Seehafen Millionenstadt Sonderwirtschaftszone Hochschul- oder Universitätsstadt
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119.129703
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https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sisch-Westafrika
Französisch-Westafrika
Französisch-Westafrika (, AOF) war von 1895 bis 1958 die Bezeichnung für die Föderation der französischen Kolonien in Westafrika. Zu Französisch-Westafrika gehörten bis zu neun Territorien: Obersenegal und Niger, Senegal, Mauretanien, Französisch-Sudan (heute Mali), Guinea, Dahomey (heute Benin), Obervolta (heute Burkina Faso) sowie die Elfenbeinküste. Verwaltungsgliederung Die Föderation hatte im Jahr 1956 eine Größe von etwa 4,7 Millionen km² und etwa 18,8 Millionen Einwohner. Ihre Verwaltungsstruktur bestand am Ende aus folgenden Gebietseinheiten: Geschichte Auf dem Gebiet von Obersenegal/Niger wurde 1911 ein eigener Militärdistrikt Niger, 1919 eine eigene Kolonie Obervolta (heute Burkina Faso) gegründet. Das übrige Territorium kam 1920 zu Französisch-Sudan. Bis 1902 war Saint-Louis Hauptstadt Französisch-Westafrikas, wurde dann aber von Dakar abgelöst. Oberster Verwalter war ein Generalgouverneur. 1946 wurde Französisch-Westafrika eine autonome Föderation innerhalb der Union française. 1958 wurden die Kolonien zu autonomen Republiken innerhalb der Communauté française – mit Ausnahme Guineas, das sich für die Unabhängigkeit entschied. Zum Zeitpunkt ihrer Gründung hatte die Föderation etwa 10 Millionen Einwohner und bei ihrer Auflösung 25 Millionen. 1910 gründete Frankreich Französisch-Äquatorialafrika (Afrique-Équatoriale française); dessen Organisation ähnelte der der AOF. Nach der Landung der Alliierten in Nordafrika im November 1942 schlossen sich die Truppen in Französisch-Westafrika den freifranzösischen Streitkräften unter Charles de Gaulle an. Sonstiges Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurden fast keine Afrikaner dieser Kolonien französische Staatsbürger. Sie galten als Untertanen („Sujets“) Frankreichs und hatten kaum Rechte vor Gericht, auf Eigentum, auf Reisefreiheit, zum Widersprechen, zum Wählen usw. Die vier Kommunen von Senegal waren die Ausnahme. Eines der Kriegsziele Frankreichs im Ersten Weltkrieg (man schloss Vereinbarungen mit den Alliierten über den Nahen und Mittleren Osten und Westafrika) war, ein geschlossenes Französisch-Westafrika, das heißt ohne deutsche oder britische Enklaven, zu erreichen. Auch im Orient war Großbritannien größerer Konkurrent als das Osmanische Reich, der eigentliche Kriegsgegner. Frankreich unterstützte Spanien von der AOF aus im Rifkrieg (1921–1926). Im Zuge der Kriegshandlungen setzte Spanien – mit Wissen Frankreichs, Großbritanniens, Deutschlands und anderer Länder – völkerrechtswidrig Giftgas ein, namentlich Senfgas (Loste). Generalgouverneure Französisch-Westafrikas Jean-Baptiste Chaudié (1895–1900) Noël Ballay (1900–1902) Ernest Roume (1902–1907) William Ponty (1908–1915) François Joseph Clozel (1916) Joost van Vollenhoven (1917–1918) Martial Merlin (1918–1923) Jules Carde (1923–1930) Jules Brévié (1930–1936) Marcel de Coppet (1936–1938) Léon Cayla (1939–1940) Pierre Boisson (1940–1943) Pierre Cournarie (1943–1946) René Barthès (1946–1948) Paul Béchard (1948–1951) Bernard Cornut-Gentille (1952–1956) Gaston Custin (1956–1957) Literatur Michael Crowder: West Africa under Colonial Rule. Hutchinson, London 1968. John D. Hargreaves: West Africa. The Former French States. Prentice-Hall, Englewood Cliffs 1967 Djibril Tamsir Niane, Jean Suret-Canale: Histoire de l'Afrique Occidentale. Présence Africaine, Paris 1961. Virginia Thompson, Richard Adloff: French West Africa. Stanford University Press, Stanford 1957. Naval Intelligence Division: French West Africa. H.M.S.O., London Band 1. The Federation. 1943 Band 2. The Colonies. 1944 Ronald J. Harrison Church: West Africa. 8. Auflage. Longman, London 1980. Guy de Lusignan: French-Speaking Africa since Independence. Pall Mall, London 1969. W. B. Morgan, John Charles Pugh: West Africa. Methuen, London 1969. Ruth Schachter-Morgenthau: Political Parties in French-Speaking West Africa. Clarendon Press, Oxford 1964. Jean Suret-Canale: French Colonialism in Tropical Africa, 1900–1945. Pica Press, New York 1971. Edward Mortimer: France and the Africans, 1944–1960. A Political History. Walker, New York 1969. Tony Chafer: The End of Empire in French West Africa: France's Successful Decolonization? Berg, Oxford/New York 2002, ISBN 978-1-85973-557-2. Michael Crowder: Colonial West Africa. F. Cass, London/Totowa 1978, ISBN 978-0-7146-2943-8. Richard Adloff: West Africa. The French-Speaking Nations Yesterday and Today. Holt, New York 1964. Weblinks Einzelnachweise Historisches Überseegebiet Historisches Territorium (Afrika) Geschichte (Benin) Geschichte (Burkina Faso) Geschichte (Elfenbeinküste) Geschichte (Guinea) Geschichte (Mali) Geschichte (Mauretanien) Geschichte (Niger) Geschichte (Senegal) Gegründet 1895 Aufgelöst 1958 Ehemaliges Hoheitsgebiet ohne Selbstregierung
Q210682
88.972617
216865
https://de.wikipedia.org/wiki/Computerphysik
Computerphysik
Computerphysik, auch Computational Physics (CP) oder Computergestützte Physik, ist ein Teilgebiet der Physik, das sich mit der Computersimulation physikalischer Prozesse befasst. Es wird bisweilen auch Physikinformatik oder Numerische Physik genannt. Als Grundlage dienen die Verfahren der numerischen Mathematik. Die Computerphysik befasst sich mit Methoden, welche die Ausgangsgleichungen, die ein physikalisches System beschreiben, numerisch oder algebraisch mit dem Computer lösen oder auch mit der Simulation von Regelsystemen, was die Aufstellung von Gleichungen erübrigt. Aufgrund vergleichbarer Verfahren existiert eine enge Beziehung zur Computerchemie, wodurch sie sich sehr stark gegenseitig beeinflussen. Arbeitsweise Die computergestützte Physik untersucht physikalische Probleme, die sich in der Regel zwar mit Gleichungen beschreiben lassen, deren Lösung sich aber nicht direkt in einer geschlossenen Formel berechnen lassen. Solche geschlossenen Lösungen existieren nur für sehr wenige idealisierte Systeme (z. B. Keplerproblem, Wasserstoffatom oder zweidimensionales Ising-Modell). Grundlage jeder Simulation ist ein Modell, das die Wirklichkeit im Rahmen gewisser Näherungen beschreibt. Der Computer dient zur Realisierung des modellierten Systems und zur Messung physikalischer Größen sowie zur Bestimmung der Auswirkungen der Modellparameter. Computergestützte Physik umfasst ggf. auch die Anpassung der Soft- und Hardware an das zu lösende Problem. Das Spektrum der benötigten Rechenressourcen reicht von einigen Millisekunden auf einfachen PCs bis zu monatelangen Rechnungen auf Großrechnern und Supercomputern. Beispiele Anwendungsgebiete Computergestützte Physik wird inzwischen zur Forschung in nahezu allen Teilgebieten der Physik eingesetzt: Quantenfeldtheorie / Gittereichtheorie, z. B. bei der Gitterchromodynamik zur Erforschung der starken Wechselwirkung Astrophysik und Kosmologie, z. B. bei der Entstehung des Universums Numerische Strömungsmechanik, z. B. bei Simulationen des Luftwiderstandes Statistische Physik, z. B. beim Ising- oder XY-Modell Plasmaphysik Festkörperphysik, z. B. bei Phasenübergängen Thermodynamik, z. B. Systeme der kondensierten Materie Meteorologie und Klimatologie, z. B. bei Wetter- und Klimasimulationen Biophysik, z. B. bei der Simulation von Proteinfaltungen Problemtypen Viele Computersimulationen physikalischer Systeme lassen sich auf die Lösung der folgenden mathematischen Probleme zurückführen: Lösung von Differentialgleichungen Lösung von Eigenwert- und Eigenvektor-Problemen Matrixinvertierung Berechnung von Integralen Methoden Zu den gängigsten Methoden der computergestützten Physik zählen: Monte-Carlo-Simulation, z. B. mittels des Metropolisalgorithmus Molekulardynamik-Simulation Finite-Differenzen-Methode Finite-Elemente-Methode Finite-Volumen-Methode Spektralmethode Dichtefunktionaltheorie Siehe auch Cheminformatik Bioinformatik Computational Engineering Science Literatur Alexander K. Hartmann, Heiko Rieger, Optimization Algorithms in Physics, Wiley-VCH, 2002, ISBN 3527403078 Alexander K. Hartmann, A Practical Guide To Computer Simulation, World Scientific Publishing Company, 2009, ISBN 9812834141 István Montvay, Gernot Münster, Quantum Fields on a Lattice, Cambridge Monographs on Mathematical Physics, ISBN 0521599172 Tao Pang, An Introduction to Computational Physics, Cambridge University Press, 2006, ISBN 0521825695 Philipp O.J. Scherer, Computational Physics: Simulation of Classical and Quantum Systems, second edition, Springer, Berlin, 2013, ISBN 9783319004006 Franz J. Vesely, Computational Physics – An Introduction, Kluwer Academic/Plenum Publishers, New York-London 2001, ISBN 0306466317 Weblinks Franz Vesely: Web-Tutorial "Computational Physics" Physikalisches Fachgebiet
Q909554
151.373656
197
https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsspeicher
Arbeitsspeicher
Der Arbeitsspeicher oder Hauptspeicher () eines Computers ist die Bezeichnung für den Speicher, der die gerade auszuführenden Programme oder Programmteile und die dabei benötigten Daten enthält. Der Hauptspeicher ist eine Komponente der Zentraleinheit. Da der Prozessor unmittelbar auf den Hauptspeicher zugreift, beeinflussen dessen Leistungsfähigkeit und Größe in wesentlichem Maße die Leistungsfähigkeit der gesamten Rechenanlage. Arbeitsspeicher wird charakterisiert durch die Zugriffszeit bzw. Zugriffsgeschwindigkeit und (damit verbunden) die Datenübertragungsrate sowie die Speicherkapazität. Die Zugriffsgeschwindigkeit beschreibt die Dauer, bis angefragte Daten gelesen werden können. Die Datenübertragungsrate gibt an, welche Datenmenge pro Zeit gelesen werden kann. Es können getrennte Angaben für Schreib- und Lesevorgang existieren. Zur Benennung der Arbeitsspeichergröße existieren zwei unterschiedliche Notationsformen, die sich aus der verwendeten Zahlenbasis ergeben. Entweder wird die Größe zur Basis 10 angegeben (als Dezimalpräfix; 1 kByte oder kB = 103 Bytes = 1000 Bytes, SI-Notation) oder zur Basis 2 (als Binärpräfix; 1 KiB = 210 Bytes = 1024 Bytes, IEC-Notation). Aufgrund der binärbasierten Struktur und Adressierung von Arbeitsspeichern (Byte-adressiert bei 8-Bit-Aufteilung, wortadressiert bei 16-Bit-Aufteilung, doppelwortadressiert bei 32-Bit-Aufteilung usw.) ist letztere Variante die üblichere Form, die zudem ohne Brüche auskommt. Soweit Arbeitsspeicher über den Adressbus des Prozessors angesprochen wird oder direkt im Prozessor integriert ist, spricht man von physischem Speicher. Modernere Prozessoren und Betriebssysteme können durch virtuelle Speicherverwaltung mehr Arbeitsspeicher bereitstellen, als physischer Speicher vorhanden ist, indem sie Teile des Adressraums mit anderen Speichermedien hinterlegen (etwa mit einer Auslagerungsdatei, pagefile oder swap u. a.). Dieser zusätzliche Speicher wird virtueller Speicher genannt. Zur Beschleunigung des Speicherzugriffs – physisch oder virtuell – kommen heute zusätzliche Pufferspeicher zum Einsatz. Grundlagen Der Arbeitsspeicher des Computers ist ein durch Adressen (in Tabellenform) strukturierter Bereich, der Binärwörter fester Größe aufnehmen kann. Durch die binäre Adressierung bedingt hat Arbeitsspeicher praktisch immer eine 'binäre' (auf Potenzen von 2 basierende) Größe, da andernfalls Bereiche ungenutzt blieben. Der Arbeitsspeicher moderner Computer ist flüchtig, d. h., dass alle Daten nach dem Abschalten der Energieversorgung verloren gehen – der Hauptgrund dafür liegt in der Technologie der DRAMs. Verfügbare Alternativen wie etwa MRAM sind allerdings für die Verwendung als Arbeitsspeicher noch zu langsam. Deshalb enthalten Computer auch Festspeicher in Form von Festplatten oder SSDs, auf dem das Betriebssystem und die Anwendungsprogramme und Dateien beim Abschalten erhalten bleiben. Die häufigste Bauform für den Einsatz in Computern ist das Speichermodul. Es ist zwischen verschiedenen RAM-Typen zu unterscheiden. Waren in den 1980ern noch übliche Bauweisen Speicher in Form von ZIP-, SIPP- oder DIP-Modulen, so wurden in den 1990ern vorwiegend SIMMs mit FPM- oder EDO-RAM genutzt. Heute kommen in Computern in erster Linie DIMMs mit z. B. SD-, DDR-SD-, DDR2-SD-, DDR3-SD oder DDR4-SDRAMs zum Einsatz. Geschichte Die ersten Computer hatten keinen Arbeitsspeicher, nur einige Register, die mit der gleichen Technik wie das Rechenwerk aufgebaut waren, also Röhren oder Relais. Programme waren fest verdrahtet („gesteckt“) oder auf anderen Medien, wie zum Beispiel Lochstreifen oder Lochkarten gespeichert und wurden nach dem Lesen direkt ausgeführt. „In Rechenanlagen der 2. Generation dienten Trommelspeicher als Hauptspeicher“ (Dworatschek). Zusätzlich wurde in der Anfangszeit auch mit eher exotischen Ansätzen experimentiert, beispielsweise mit Laufzeitspeichern in Quecksilberbädern oder in Glasstabspiralen (mit Ultraschallwellen beschickt). Später wurden Magnetkernspeicher eingeführt, die die Information in kleinen Ferritkernen speicherten. Diese waren in einer kreuzförmigen Matrix aufgefädelt, wobei sich je eine Adressleitung und eine Wortleitung in der Mitte eines Ferritkerns kreuzten. Der Speicher war nicht flüchtig, die Information ging jedoch beim Lesen verloren und wurde anschließend von der Ansteuerungslogik sofort wieder zurückgeschrieben. Solange der Speicher nicht beschrieben oder gelesen wurden, floss kein Strom. Er ist um einige Größenordnungen voluminöser und teurer herzustellen als moderne Halbleiterspeicher. Typische Großrechner waren Mitte der 1960er Jahre mit 32 bis 64 Kilobyte großen Hauptspeichern ausgestattet (zum Beispiel IBM 360-20 oder 360-30), Ende der 1970er Jahre (zum Beispiel die Telefunken TR 440) mit 192.000 Worten à 52 Bit (netto 48 Bit), also mit über 1 Megabyte. Der Kernspeicher als Ganzes bot ausreichend Platz, neben dem Betriebssystem, das aktuell auszuführende Programm zunächst von einem externen Medium in den Arbeitsspeicher zu laden und alle Daten zu halten. Programme und Daten liegen in diesem Modell aus Sicht des Prozessors im gleichen Speicher, die heute am weitesten verbreitete Von-Neumann-Architektur wurde eingeführt. Mit Einführung der Mikroelektronik wurde der Arbeitsspeicher zunehmend durch integrierte Schaltungen (Chips) ersetzt. Jedes Bit wurde in einem bistabilen Schalter (Flipflop) gespeichert, das mindestens zwei, mit Ansteuerlogik aber bis zu sechs Transistoren benötigt und relativ viel Chipfläche verbraucht. Solche Speicher verbrauchen immer Strom. Typische Größen waren integrierte Schaltungen (ICs) mit 1 KiBit, wobei jeweils acht ICs gemeinsam adressiert wurden. Die Zugriffszeiten lagen bei einigen 100 Nanosekunden und waren schneller als die Prozessoren, die um ein Megahertz getaktet waren. Das ermöglichte zum einen die Einführung von Prozessoren mit sehr wenigen Registern wie dem MOS Technology 6502 oder dem TMS9900 von Texas Instruments, die ihre Berechnungen größtenteils im Arbeitsspeicher durchführten. Zum anderen ermöglichte es den Bau von Heimcomputern, deren Videologik einen Teil des Arbeitsspeichers als Bildschirmspeicher verwendete und parallel zum Prozessor darauf zugreifen konnte. Ende der 1970er Jahre wurden dynamische Arbeitsspeicher entwickelt, die die Information in einem Kondensator speichern und nur noch einen zusätzlichen Feldeffekttransistor pro Speicherbit benötigen. Sie können sehr klein aufgebaut werden und benötigen sehr wenig Leistung. Der Kondensator verliert die Information allerdings langsam, die Information muss daher in Abständen von einigen Millisekunden immer wieder neu geschrieben werden. Das geschieht durch eine externe Logik, die den Speicher periodisch ausliest und neu zurückschreibt (Refresh). Durch die höhere Integration in den 1980er Jahren konnte diese Refreshlogik preiswert aufgebaut und in den Prozessor integriert werden. Typische Größen Mitte der 1980er waren 64 KBit pro IC, wobei jeweils acht Chips gemeinsam adressiert wurden. Die Zugriffszeiten der dynamischen RAMs lagen bei preiswertem Aufbau ebenfalls bei einigen 100 Nanosekunden und haben sich seitdem nur wenig verändert, die Größen sind jedoch auf einige GBit pro Chip gewachsen. Die Prozessoren werden heute nicht mehr im Megahertz-, sondern im Gigahertz-Bereich getaktet. Daher werden, um die durchschnittliche Zugriffszeit zu reduzieren, Caches verwendet und sowohl die Taktrate als auch die Breite der Anbindung des Arbeitsspeichers an den Prozessor erhöht (siehe Front Side Bus). Im Juni 2012 wurde bekannt gegeben, dass mit dem sogenannten Speicherwürfel (englisch und kurz genannt) eine neue kleinere und leistungsstärkere Bauform für Arbeitsspeicher entwickelt werden soll, bei der ein Stapel aus mehreren Dies genutzt werden soll. Eigens dafür wurde das Hybrid Memory Cube Konsortium gegründet, dem unter anderem ARM, Hewlett-Packard und Hynix beigetreten sind. Physischer und virtueller Arbeitsspeicher Um den physischen Arbeitsspeicher zu erweitern, können moderne Betriebssysteme zusätzlichen virtuellen Arbeitsspeicher auf Massenspeichern allozieren (platzieren, zuteilen). Diesen Speicher nennt man auch Swapspeicher. Um diese Erweiterung transparent zu realisieren, bedient sich das Betriebssystem eines virtuellen Speicherraumes, in dem sowohl der physische als auch der virtuelle Speicher vorhanden sind. Teile dieses virtuellen Speicherraumes – eine oder mehrere Speicherseiten – werden dabei entweder in das physisch vorhandene RAM oder in den Auslagerungsspeicher (Swapspace) abgebildet. Die Nutzungsrate der einzelnen Seiten bestimmt, welche Speicherseiten ausgelagert und nur auf Massenspeichern und welche im schnellen RAM existieren. Diese Funktionen werden von heutigen CPUs unterstützt, wobei die Menge des unterstützten Gesamtspeichers im Laufe der Entwicklung deutlich gestiegen ist. Der Auslagerungsspeicher stellt eine sehr preiswerte, aber mit extrem schlechter Leistung verbundene Erweiterung zum physischen Arbeitsspeicher dar. Ein Missverhältnis zwischen beiden Speicherarten ist an häufigem „Swappen“, also dem Verschieben von Daten zwischen Massen- und physischem Arbeitsspeicher, zu erkennen. Verglichen mit dem Arbeitsspeicher benötigt die Festplatte mit mehreren Millisekunden sehr lange, um die Daten bereitzustellen. Die Zugriffszeit auf den Arbeitsspeicher beträgt nur wenige Nanosekunden, was einem Millionstel der Festplatte entspricht. Cache Zugriffe auf den Arbeitsspeicher durch den Hauptprozessor werden zumeist über ein oder mehrere Pufferspeicher oder (kurz „Cache“) optimiert. Im Cache hält und benutzt der Rechner die am häufigsten angesprochenen Speicherbereiche, stellvertretend für die originären Hauptspeicherbereiche. Der Cache ist im Verhältnis zu anderen Speichern sehr schnell, da er möglichst direkt am Prozessor angebunden ist (bzw. sich in modernen Prozessoren direkt auf dem Die befindet). Allerdings ist er in der Regel nur wenige Megabyte groß. Bei geringem Speicherbedarf können Programme oder Teile davon fast ausschließlich im Cache laufen, ohne dass der Hauptspeicher angesprochen werden muss. Der Cache ist als Assoziativspeicher ausgeführt, kann also entscheiden, ob die Daten einer Adresse schon im Cache gespeichert sind oder noch vom Arbeitsspeicher geholt werden müssen. Dann wird ein anderer Teil des Caches aufgegeben. Der Cache wird dabei stets mit mehreren aufeinander folgenden Worten gefüllt, beispielsweise stets mit mindestens 256 Bit (sogenannter Burst-Modus), da es sehr wahrscheinlich ist, dass in Kürze auch Daten vor oder hinter den gerade benötigten gelesen werden sollen. Leistung von Speichermodulen Die Leistung von Speichermodulen (Takt und Schaltzeitverhalten, englisch ) misst sich vor allem in der absoluten Latenz. Die theoretische Bandbreite ist ausschließlich beim Burst-Transfer relevant. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass höhere numerische Timings eine schlechtere Leistung zur Folge hätten. Das gilt jedoch nur bei gleichem Takt, da sich die absolute Latenz aus den Faktoren (effektiver) Takt und Schaltzeitverhalten (Timing) ergibt. Berechnung Formel: Beispiel: DDR3-1333 CL8-8-8 Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass DDR2/3/4-SDRAM, obwohl sie höhere (numerische) Schaltzeiten (Timings) als DDR-SDRAM aufweisen, schneller sein können und eine höhere Bandbreite zur Verfügung stellen. Einige Speicherhersteller halten die offiziellen Spezifikationen der JEDEC nicht ein und bieten Module mit höheren Taktraten oder besserem Schaltzeitverhalten (Timings) an. Während DDR3-1600 CL9-9-9 einer offiziellen Spezifikation unterliegt, handelt es sich bei DDR2-1066 CL4-4-4-12 um nicht standardkonforme Speichermodule. Diese schnelleren Speicher werden oft als Speichermodule für Übertakter bezeichnet. CAS (column access strobe) – latency (CL) Gibt an, wie viele Taktzyklen der Speicher benötigt, um Daten bereitzustellen. Niedrigere Werte bedeuten höhere Speicherleistung. RAS to CAS Delay (tRCD) Dabei wird über die Abtastsignale „Spalten“ und „Zeilen“ eine bestimmte Speicherzelle lokalisiert, ihr Inhalt kann dann bearbeitet werden (Auslesen/Beschreiben). Zwischen der Abfrage „Zeile“ und der Abfrage „Spalte“ befindet sich eine festgelegte Verzögerung ⇒ Delay. Niedrigere Werte bedeuten höhere Speicherleistung. RAS (row access strobe) – precharge delay (tRP) Bezeichnet die Zeit, die der Speicher benötigt, um den geforderten Spannungszustand zu liefern. Erst nach Erreichen des gewünschten Ladezustandes kann das RAS-Signal gesendet werden. Niedrigere Werte bedeuten höhere Speicherleistung. Row-Active-Time (tRAS) Erlaubte Neuzugriffe nach festgelegter Anzahl von Taktzyklen, setzt sich rein rechnerisch aus CAS + tRP + Sicherheit zusammen. Command Rate (zu Deutsch Befehlsrate) Ist die Latenzzeit, welche bei der Auswahl der einzelnen Speicherchips benötigt wird, genauer gesagt, die Adress- und Command Decode Latency. Die Latenzzeit gibt an, wie lange ein Speicherbank-Adressierungssignal anliegt, bevor die Ansteuerung der Zeilen und Spalten der Speichermatrix geschieht. Typische Werte für DDR- und DDR2-Speichertypen sind 1–2T, meistens wird 2T genutzt. Praxis In der Praxis konnten FSB1333-Prozessoren von Intel mit ihrem Front Side Bus maximal 10 GiB/s an Daten empfangen. Das wird im üblichen Dual-Channel-Betrieb mit zwei Speicher-Riegeln bereits von DDR2-667 (10,6 GiB/s) ausgereizt. Aktuelle Prozessoren unterliegen dieser Beschränkung nicht mehr, da hier der Speichercontroller nicht mehr in der Northbridge, wie beim Sockel 775 und Vorgängern, sondern direkt auf der CPU verbaut ist. Neben Dual Channel spielt es auch eine Rolle, ob der Speicher Dual-Rank unterstützt. Dual-Rank steht für die beidseitige Bestückung der Speicherriegel mit doppelt so vielen, aber nur halb so großen Speicherchips. Insbesondere CPUs mit interner GPU, wie die AMD-Kaveri-Architektur, können von dieser Form der Speicherverschränkung profitieren. Anbindung des Arbeitsspeichers Die klassische Anbindung von physischem Speicher erfolgt über einen (bei Von-Neumann-Architektur) oder mehrere (bei der heute im PC-Bereich nicht mehr verwendeten Harvard-Architektur bzw. Super-Harvard-Architektur) Speicherbusse. Speicherbusse übertragen Steuerinformationen, Adressinformationen und die eigentlichen Nutzdaten. Eine von vielen Möglichkeiten ist es, für diese unterschiedlichen Informationen getrennte Leitungen zu nutzen und den Datenbus sowohl zum Lesen wie zum Schreiben von Nutzdaten zu verwenden. Der Datenbus übernimmt dann den eigentlichen Datentransfer. Aktuelle PC-Prozessoren benutzen zwischen zwei und vier 64-Bit-Speicherbusse, die aber seit etwa dem Jahr 2000 keine generischen Speicherbusse mehr sind, sondern direkt die Protokolle der verwendeten Speicherchips sprechen. Der Adressbus dient zur Auswahl der angeforderten Speicherzellen; von seiner Busbreite (in Bit) ist die maximal ansprechbare Anzahl von Speicherworten abhängig. An jeder Adresse sind bei heute üblichen Systemen meist 64 Bit abgelegt (siehe 64-Bit-Architektur), früher wurden auch 32 Bit (Intel 80386), 16 Bit (Intel 8086) und 8 Bit (Intel 8080) verwendet. Viele, aber nicht alle Prozessoren unterstützen feiner granulare Zugriffe, meist auf Byteebene, durch ihre Art der Interpretation von Adressen (Endianness, „Bitabstand“ von Adressen, misalignte-Zugriffe) auf Software-Ebene wie auch durch das Hardware-Interface (Byte-Enable-Signale, Nummer der niederwertigsten Adressleitung). Beispiel: Intel 80486 Adressbus: A31 bis A2 Datenbus: D31 bis D0 Byte-Enable: BE3 bis BE0 Endianness: Little Endian Unterstützung von misalignten Zugriffen: ja ansprechbarer Speicher: 4 Gi × 8 Bit als 1 Gi × 32 Bit Einer der wesentlichen Unterschiede der beiden bei PCs aktuellen Prozessorgenerationen „32-Bit“ und „64-Bit“ ist also der bereits angesprochene maximal ansteuerbare Arbeitsspeicher, der jedoch zum Teil mit Hilfe von Physical-Address Extension noch etwas über das übliche Maß hinaus erweitert werden kann. Allerdings ist mit der Anzahl der Bits einer Prozessorgeneration im Allgemeinen die Breite des Datenbusses gemeint, die nicht notwendigerweise mit der Breite des Adressbusses übereinstimmt. Allein die Breite des Adressbusses bestimmt jedoch die Größe des Adressraums. Aus diesem Grund konnte beispielsweise der „16-Bit“-Prozessor 8086 nicht nur 64 KiB (theoretischer 16-Bit-Adressbus), sondern 1 MiB (tatsächlicher 20-Bit-Adressbus) adressieren. Der Bus moderner Computer vom Cache zum Arbeitsspeicher wird schnell ausgeführt, also mit hoher Taktrate und Datenübertragung bei steigender und fallender Taktflanke (DDR: Double Data Rate). Er ist synchron und mit großer Wortbreite, zum Beispiel 64 Bit pro Adresse. Werden mehrere Speichersteckplätze auf der Hauptplatine eines PCs eingesetzt, so werden aufeinander folgende Adressen in verschiedenen Steckplätzen gespeichert. Das ermöglicht überlappenden Zugriff (Interleaved) bei Burst-Zugriffen. Innerhalb der Speicherchips werden ganze Adresszeilen in Schieberegistern gespeichert. Ein 1-MiBit-Chip kann zum Beispiel 1024 Zeilen mit 1024 Bit haben. Beim ersten Zugriff wird ein schnelles, internes 1024-Bit-Register mit den Daten einer Zeile gefüllt. Bei Burst-Zugriffen sind die Daten der folgenden Adressen dann bereits im Schieberegister und können mit sehr geringer Zugriffszeit von diesem gelesen werden. Sinnvollerweise überträgt man daher nicht nur das angeforderte Bit zum Prozessor, sondern gleich eine sogenannte „Cache-Line“, die heute 512 Bit beträgt (vgl. Prozessor-Cache). Hersteller Die größten Speicherchiphersteller sind: Nanya Technology Hynix Semiconductor Micron Technology Promos Samsung Toshiba Winbond Etron Fujitsu Siemens Computers Diese Hersteller teilen sich 97 Prozent Marktanteil. Anbieter von Speichermodulen, wie Corsair, Kingston Technology, MDT, OCZ, A-Data usw. (sogenannte Third-Party-Hersteller) kaufen Chips bei den genannten Herstellern und löten diese auf ihre Platinen, wofür sie ein eigenes Layout entwerfen. Außerdem programmieren sie die SPD-Timings gemäß ihren eigenen Spezifikationen, die durchaus schärfer eingestellt sein können als die der Originalhersteller. Für Dual-Channel- oder Triple-Channel-Betrieb sollten nach Möglichkeit annähernd baugleiche Module verwendet werden, damit die Firmware (bei PCs das BIOS oder UEFI) den Parallel-Betrieb nicht aufgrund von unvorhersehbaren Inkompatibilitäten verweigert oder das System dadurch instabil läuft. Es ist gängige Praxis, dass ein Hersteller beim selben Produkt im Laufe der Produktion andere Chips auf seine Module lötet bzw. umgekehrt unterschiedliche Hersteller die gleichen Chips verwenden. Da diese Informationen jedoch in so gut wie allen Fällen nicht zugänglich sind, ist man beim Kauf von Speicher-Kits auf der sicheren Seite – obwohl der Dual-/Triple-Channel-Modus normalerweise auch mit unterschiedlichen Modulen funktioniert. Als Mittler zwischen den großen Speicherchip- und Modulherstellern einerseits und dem Handel und den Verbrauchern andererseits haben sich in Deutschland Anbieter wie z. B. CompuStocx, CompuRAM, MemoryXXL und Kingston etabliert, die für die gängigsten Systeme spezifizierte Speichermodule anbieten. Das ist deshalb notwendig, weil einige Systeme durch künstliche Beschränkungen durch den Hersteller nur mit Speicher arbeiten, der proprietäre Spezifikationen erfüllt. Siehe auch Halbleiterspeicher Speicherausrichtung Bereitschaftsbetrieb, Ruhezustand für energiesparende Techniken, um mit dem Arbeitsspeicher umzugehen Speicherschutz, Speichermedium, Speichern Weblinks Einzelnachweise Rechnerarchitektur hu:Memóriaegység
Q5830907
160.391996
1816989
https://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rbasis
Militärbasis
Eine Militärbasis (auch: Militärstützpunkt) ist ein militärisch genutztes Gelände bzw. Einrichtung; sie dient der Stationierung von Truppen und militärischer Ausrüstung. Entsprechend den vielfältigen Aufgaben und Erscheinungsformen militärischer Einheiten treten auch deren Basen in vielerlei Formen auf. Zu nennen sind insbesondere: Militärische Hauptquartiere, Werften, Militär-Häfen, Behörden, Kasernen, Depots, Arsenale, Truppenübungsplätze, Festungen, Militärflugplätze und andere Luftwaffenstützpunkte, Raketenabschussbasen, Rundfunksender, Lazarette etc. Bei Militärbasen kann es sich um temporäre Einrichtungen, die nur für die Dauer einer bestimmten Operation aufrechterhalten werden, oder um dauerhafte Stützpunkte handeln. Zu unterscheiden sind Basen, die sich auf dem Territorium des Landes befinden, dessen Truppen auch dort stationiert sind, sowie Basen, die ein Land außerhalb seines Hoheitsgebietes, also in fremden Staaten, unterhält, etwa in verbündeten Nationen oder im Rahmen der Besetzung eines anderen Landes. Militärbasen sind in aller Regel abgesichert und der Zugang von Zivilisten ist beschränkt oder verboten. Sie sind mit Waffen und Versorgungsgütern ausgestattet und dienen der militärischen Logistik. Zur Versorgung der Truppe enthalten viele Stützpunkte entsprechende Einrichtungen wie Offizierskasinos, Kantinen, Kirchen, Schulen, Krankenhäuser, Einkaufsgelegenheiten und Sportstätten. Militärische Stützpunkte dienen damit häufig auch einer Region als Arbeitgeber, sodass die Auflösung bzw. der Abzug einer solchen Einrichtung auch zu wirtschaftlichen Konsequenzen führt. Militärbasen im Ausland Bei Militärstützpunkten im Ausland wird das Areal meist für viele Jahre vom Aufnahmestaat gepachtet oder anderweitig vertraglich in Besitz genommen. Ein Staat, der eine solche Militärbasis im Ausland unterhält, tut dies meist aus geopolitischen Gründen. Sei es aus Gründen der Machtprojektion, zur Offenhaltung militärischer Optionen oder zur Abschreckung eines Gegners in der betreffenden Region, in der Regel im Rahmen von Militärbündnissen. Als Beispiel hierfür kann die unter der Ägide der USA geschaffene militärische Infrastruktur der NATO in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg dienen. Nach dem Kalten Krieg gingen die USA dazu über, einige Basen in Europa zu schließen und ihre Soldaten auf neu geschaffenen Stützpunkten an anderen latenten Krisenherden zu stationieren. Eine weitere Grundlage für den Unterhalt von Militärbasen im Ausland sind Aufträge internationaler Organisationen wie der UNO. Militärbasen fremder Nationen sind häufig umstrittene Objekte in der Bevölkerung des Aufenthaltslandes. Neben der generell vorhandenen Konfrontation von zivilen und militärischen Angelegenheiten tritt eine nationale bzw. kulturelle Komponente hinzu. Auf der anderen Seite sind derartige Stützpunkte wegen ihres militärischen Charakters oft auch Ziel von Demonstrationen von Friedensaktivisten; so stand etwa der US-Raketenstützpunkt Mutlanger Heide in den 1980er Jahren wegen der dort stationierten nuklearen US-Mittelstreckenraketen im Zentrum der Auseinandersetzung um die so genannte Nachrüstung. Aktuell finden jährlich Demonstrationen gegen den US-Stützpunkt Ramstein Air Base statt. Siehe auch Liste von Militärbasen der Vereinigten Staaten im Ausland Marinestation#Auslandsstationen Liste der Bundeswehrstandorte in Deutschland Liste der Kasernen des österreichischen Bundesheeres, :Kategorie:Standort des Bundesheeres Weblinks Baseops.net: Militärische Basen von Luftstreitkräften weltweit (englisch) Granma Internacional, März 2007 (Kuba): Konferenz in Ecuador gegen Militärbasen Militärische Einrichtung
Q245016
95.347296
3177794
https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikationsprotokoll
Kommunikationsprotokoll
In der Informatik und in der Telekommunikation ist ein Kommunikationsprotokoll eine Vereinbarung, nach der die Datenübertragung zwischen zwei oder mehreren Parteien abläuft. In seiner einfachsten Form kann ein Protokoll definiert werden als eine Menge von Regeln, die Syntax, Semantik und Synchronisation der Kommunikation bestimmen. Protokolle können durch Hardware, Software oder eine Kombination von beiden implementiert werden. Auf der untersten Ebene definiert ein Protokoll das Verhalten der Verbindungs-Hardware. Handelt es sich um die Kommunikation in einem Rechnernetz, so spricht man von einem Netzwerkprotokoll. Typische Eigenschaften Protokolle unterscheiden sich stark in Zweck und Komplexität. Die meisten Protokolle legen eine oder mehrere der folgenden Vorgehensweisen fest: Feststellen der zugrundeliegenden physikalischen Verbindung (z. B. LAN oder W-LAN) oder der Existenz des anderen Endpunkts der Verbindung Datenflusskontrolle (Handshaking) Vereinbarung der verschiedenen Verbindungscharakteristiken Wie eine Botschaft beginnt und endet Wie eine Botschaft formatiert ist Was mit beschädigten oder falsch formatierten Botschaften getan wird (Fehlerkorrekturverfahren) Wie unerwarteter Verlust der Verbindung festgestellt wird und was dann zu geschehen hat Beendigung der Verbindung Bedeutung Kommunikationsprotokolle sind eine Grundlage des Internets und tragen wesentlich zu seiner Leistung und seinem Erfolg bei. Die wichtigsten sind das Internet Protocol (IP) und das Transmission Control Protocol (TCP), zusammengefasst als TCP/IP. Die meisten sind in den RFCs der Internet Engineering Task Force (IETF) beschrieben. Nur die einfachsten Protokolle werden allein verwendet, die meisten, insbesondere Netzwerkprotokolle, sind aus Schichten aufgebaute Protokollstapel, bei denen die oben aufgeführten Aufgaben unter den einzelnen Ebenen des Stapels aufgeteilt werden. Während ein Protokollstapel eine bestimmte Kombination von Protokollen kennzeichnet, die zusammenarbeiten, ist ein Referenzmodell eine Softwarearchitektur, die jede Schicht zusammen mit den Diensten aufzählt, die sie erbringen soll. Das klassische Sieben-Schichten-Modell ist das OSI-Modell, das dazu verwendet wird, Protokollstapel und Peer-Einheiten in Begriffe zu fassen. Didaktisch bietet das Referenzmodell auch Gelegenheit, allgemeinere Konzepte der Softwaretechnik zu lehren, wie Kapselung, Modularität und Delegation von Aufgaben. Dieses Modell hat überdauert, obwohl viele seiner ursprünglichen Bestandteile durch die ISO abgelöst wurden. Das OSI-Modell ist allerdings nicht das einzige Referenzmodell. Literatur Hartmut König: Protocol Engineering. Prinzip, Beschreibung und Entwicklung von Kommunikationsprotokollen. Teubner, Stuttgart u. a. 2003, ISBN 3-519-00454-2.
Q132364
484.216925
43710
https://de.wikipedia.org/wiki/Akkretionsscheibe
Akkretionsscheibe
Eine Akkretionsscheibe ist in der Astrophysik eine um ein zentrales Objekt rotierende Scheibe, die Materie in Richtung des Zentrums transportiert (akkretiert). Sie kann aus atomarem Gas, verschieden stark ionisiertem Gas (Plasma) oder interstellarem Staub bestehen. Beschreibung Der Durchmesser von Akkretionsscheiben reicht von einigen hundert Astronomischen Einheiten bis zu hunderten Parsec bei aktiven galaktischen Kernen. Die in den Akkretionsscheiben gespeicherte Materie kann die Masse des akkretierenden Objekts um eine bis zwei Größenordnungen übersteigen. Diese Scheiben werden als selbst-gravitierende Scheiben beschrieben, weil sie von der Gravitationskraft der in ihnen gespeicherten Materie stabilisiert und zusammengehalten werden. Die Temperatur eines Rings einer Akkretionsscheibe ist eine Funktion der Dichte, der Viskosität und der Rotationsgeschwindigkeit. Sie steigt daher in Richtung des Zentrums an und kann in der Übergangsschicht bis zu einige Millionen Kelvin erreichen. Das Strahlungsprofil einer Akkretionsscheibe ist in erster Näherung zusammengesetzt aus der Strahlung vieler Ringe unterschiedlicher Temperatur mit unterschiedlichem Abstand vom akkretierenden Objekt und reicht vom Infraroten bis hin zu harter Röntgenstrahlung. Auftreten Typische Akkretionsscheiben befinden sich um junge Sterne während und einige Zeit nach der Sternentstehung; hierzu gehören die T-Tauri-Sterne, Herbig-Ae/Be-Sterne und die FU-Orionis-Sterne. Bei älteren Sternen treten Akkretionsscheiben in Doppelsternsystemen auf, bei denen ein Massefluss von einem Spender zu einem kompakten Objekt stattfindet. Zu diesen Systemen zählen die Sternklassen der Symbiotischen Sterne, der Kataklysmischen Doppelsterne sowie die Röntgendoppelsterne. Die akkretierenden kompakten Objekte sind Neutronensterne, Schwarze Löcher sowie Weiße Zwerge. Seltener handelt es sich um Hauptreihensterne in Algolsternen, Beta-Lyrae-Sternen und Doppelperiodischen Veränderlichen. Bei den Akkretionsscheiben um die zentralen schwarzen Löcher von Galaxien sind um mehrere Größenordnungen größere Radien und Massentransferraten gefunden worden. Sie manifestieren sich je nach Blickwinkel und Akkretionsrate als Quasare, Aktive galaktische Kerne oder Seyfertgalaxien. In Akkretionsscheiben um Neutronensterne und Schwarze Löcher wird potentielle Gravitationsenergie umgesetzt, sodass die differentiell rotierenden Scheiben durch die Viskosität hell aufleuchten. Dieser Mechanismus kann je nach Kompaktheit, dem Quotient aus Masse und Radius des Objektes, bis zu 20-mal so effektiv sein wie die Erzeugung von Strahlung durch nukleare Prozesse, z. B. durch die Kernfusion. Außerdem bildet sich oft aus der verschlungenen Materie ein sogenannter Jet. Formen von Akkretionsflüssen Advektionsdominierter Akkretionsfluss (ADAF) ADAF steht für advection-dominated accretion flow, darunter versteht man eine aufgeblähte Materieströmung aus heißem, dünnem Gas, die eine etwa kugelige Gestalt um das Materie aufsammelnde Zentralobjekt annimmt. Die Astronomie ist auf die Existenz dieser heißen Akkretionsflüsse um kosmische Objekte wie Neutronensterne oder Schwarzer Löcher angewiesen, um erklären zu können, wie hochenergetische Röntgenspektren zustande kommen. Eigenschaften Ein ADAF ist eine spezielle, analytische Lösung, die in der Akkretionsphysik sehr bekannt ist. Der ADAF wurde 1994 entdeckt und weist ein paar klare Unterschiede zur Standardscheibe (SSD), auf. Im Wesentlichen liegt das darin begründet, dass die akkretierte Materie nicht effizient durch Strahlung gekühlt wird. Das ist eine so markante Eigenschaft, dass sich für solche Akkretionsflüsse der Oberbegriff RIAF für radiatively-inefficient accretion flow (durch Strahlung ineffizient gekühlter Akkretionsfluss) etabliert hat. Jeder ADAF ist demnach ein RIAF – aber nicht umgekehrt. Das Unterbleiben der Kühlung führt zur Aufheizung des Akkretionsflusses, der sich dadurch ausdehnt und ausgedünnt wird. Ein solch dünnes Gas kann durch Strahlung schlecht gekühlt werden, weil es kaum Wechselwirkungen zwischen Gas und Strahlung gibt. Im Gegensatz zur Standardscheibe wird die thermische Energie nicht durch elektromagnetische Wellen abgestrahlt, sondern im Gas als innere Energie und Entropie gespeichert. Der radiale Entropiegradient ist eine geeignete Größe, um den Unterschied der beiden wichtigsten analytischen Akkretionslösungen zu beschreiben. Der Entropiegradient verschwindet bei SSDs aber nicht bei ADAFs. Die somit im ADAF gespeicherte Energie wird durch das aufsammelnde Objekt, den sogenannten Akkretor, geschluckt. Teilchenbewegungen Das Geschwindigkeitsfeld im ADAF ist sub-Keplersch, d. h., dass bei einem vorgegebenen Radius die Rotation nur etwa 40 % der Keplerschen Umlaufgeschwindigkeit an diesem Radius ist. Die radiale Geschwindigkeit, also die Einfallgeschwindigkeit in Richtung auf das Zentralobjekt, ist vergleichbar mit dieser sub-Keplerschen Rotationsgeschwindigkeit. ADAFs bilden sich typischerweise bei kleinen Akkretionsraten aus. Pro Zeitspanne fällt verhältnismäßig wenig Materie auf den Akkretor. Bei hohen Akkretionsraten dominieren andere Akkretionslösungen, wie die Standardscheibe oder die sogenannten schlanken Scheiben (slim disks). Standardscheibe (SSD) Die Standardscheibe als Akkretionslösung wurde 1973 von Nikolai Shakura und Rashid Sunyaev entdeckt. Daher wird die Standardakkretionsscheibe (standard accretion disk, kurz: SAD) auch Shakura-Sunyaev-Disk oder SSD genannt. Kurze Zeit später wurde die SSD-Lösung relativistisch verallgemeinert. Die Standardscheibe ist einer von vielen Akkretionsflüssen, die auf der reinen Hydromechanik ohne Magnetfelder basiert und bezeichnet eine Materieströmung, die um ein zentrales, kosmisches Objekt rotiert. Der Materiefluss sammelt sich in einer flachen Scheibe, der sogenannten Akkretionsscheibe. Im Gegensatz zum ADAF findet man die Standardscheibe in unterschiedlicher Ausprägung in allen Akkretionsflüssen – unabhängig von der Akkretionsrate. Diese Aussage deutet sich zumindest in einem vereinheitlichenden Akkretionsmodell (accretion unification scheme) an. Eigenschaften Die Strömung rotiert in einer flachen, geometrisch dünnen Materiescheibe. Das Verhältnis von Scheibenhöhe H und typischen Scheibenradius R nennt man Skalenhöhe, diese ist für Standardscheiben viel kleiner als 1. Rotierende Materie besitzt Drehimpuls. Der Akkretionsfluss muss zu einer Scheibe abflachen, weil dieser Zustand energetisch günstiger ist und von der Drehimpulserhaltung diktiert wird. Die Scheibenform bzw. Achsensymmetrie ist gerade die korrespondierende Symmetrieeigenschaft zum erhaltenen Drehimpuls. Gas- und Staubscheiben rotieren generell nicht als starrer Körper, sondern differentiell. Man kann anhand von spektralen Rot- und Blauverschiebungen die Orbitalgeschwindigkeit in Abhängigkeit vom Radius messen. Akkretionsscheiben um Sterne oder Mehrfachsternsysteme, bei denen die Orbitalgeschwindigkeit gemäß dem 3. Keplerschen Gesetz vom Radius abhängt (), werden auch als Keplerscheiben bezeichnet. Für diese gilt, dass die Scheibe selbst so wenig Masse enthält, dass ihre Rotation praktisch nur vom Zentralstern bzw. den Zentralsternen bestimmt wird. Die Umlaufgeschwindigkeit nimmt mit der Annäherung an das Zentralobjekt zu. Es gibt allerdings einen innersten Rand der Scheibe, denn stabile Rotation bricht an der marginal stabilen Bahn zusammen. Dieser Innenrand heißt auch innerste stabile Kreisbahn (innermost stable circular orbit, ISCO). Die langsame Einfallbewegung zum Zentralobjekt nennt man „radial Drift“. Das Scheibenmaterial bewegt sich mikroskopisch wie eine zähe Flüssigkeit turbulent – also ungeordnet. Das Keplersche Geschwindigkeitsprofil ist demgegenüber eine geordnete, makroskopische Bewegung. Sie bedingt, dass benachbarte Ringe von Scheibenmaterial unterschiedlich schnell rotieren. Diese Flüssigkeitsringe stehen miteinander in Verbindung, so wie die Teilchen in einer Flüssigkeit locker zusammen gehalten werden. Doch die Rotation verschiebt die Ringe gegeneinander. Bei dieser Scherung wird dem Scheibenmaterial turbulente Bewegungsenergie entzogen und in Wärmeenergie umgewandelt. Generell heißt die Umwandlung einer Energie in Wärmeenergie Dissipation. Die Dissipation in Standardscheiben ist eine Folge der turbulenten, hydrodynamischen Viskosität. Der Temperaturverlauf in der Standardscheibe ist auf der Grundlage des Modells nach Shakura & Sunyaev genau bekannt. Die Scheibentemperatur T folgt einem Potenzgesetz und nimmt nach innen mit dem Radius r zu, aber sie nimmt mit der Masse M des Zentralobjekts ab. Die Maximaltemperatur am Innenrand hängt generell von der Masse des Zentralobjekts, der Akkretionsrate und dem Ort des Innenrands (ISCO) ab. Eine typische Maximaltemperatur in der Nähe eines supermassereichen Schwarzen Loches von 100 Millionen Sonnenmassen ist etwa eine Million Kelvin. Das entspricht etwa einem Zehntel der Zentraltemperatur der Sonne. Diese hohen Temperaturen belegen, dass das Scheibenmaterial häufig ein Plasma ist. Atomare und molekulare Standardscheiben sind nur bei tieferen Temperaturen denkbar. Dennoch spricht man oft von kalten Standardscheiben. Diese Bezeichnungsweise hat sich ergeben, weil es einen noch deutlich heißeren Akkretionsfluss gibt, den ADAF. Die Strahlung der Standardscheibe ist thermisch. Man kann sich die dünne Scheibe in Ringe zerlegt denken, von denen jeder Ring eine bestimmte Temperatur hat. Jeder Ring kann wie ein Planckscher Wärmestrahler behandelt werden, der bei einer bestimmten Wellenlänge sein Strahlungsmaximum annimmt. Das gesamte Spektrum der Standardscheibe ist entsprechend die Summe aller Ringe. Die optische Leuchtkraft der Standardscheibe ist proportional zur Masse des aufsammelnden Zentralobjekts. Außerdem nimmt die Leuchtkraft auch mit der Akkretionsrate zu. Durch die Abstrahlung elektromagnetischer Wärmestrahlung verliert der Akkretionsfluss Energie. Die Kühlung ist bei Standardscheiben besonders effizient. Das heißt, die thermische Energie des Materiestroms wird nahezu vollständig als Strahlungsenergie abgestrahlt. Das sorgt zusammen mit der Rotation dafür, dass der Akkretionsfluss in sich zusammenfällt und Standardscheiben dünne, abgeflachte Akkretionsflüsse sind. Dadurch wird das Scheibenmaterial verdichtet. Innerhalb der Scheibe kann sich elektromagnetische Strahlung kaum fortpflanzen, weil sie durch den Strahlungstransport ständig gestreut, absorbiert, reemittiert und reabsorbiert wird. Standardscheiben sind daher mehr oder weniger undurchsichtig (opak) für elektromagnetische Wellen. Diese Eigenschaft der Undurchsichtigkeit bei Standardscheiben verlieh ihnen das Attribut optisch dick. Teilchenbewegungen Zusammenfassend kann man sagen, dass in Akkretionsflüssen wie den Standardscheiben Energieformen ineinander umgewandelt werden. Am Anfang steht die Gravitationsenergie, eine potentielle Energie, die Materie in einigem Abstand zum Akkretor hat. Diese Energie der Lage wird im Falle der Standardscheiben zunächst vor allem in Rotationsenergie umgewandelt. Scherung und Turbulenz bewerkstelligen eine Umwandlung in thermische Energie. Schließlich findet eine Umwandlung in Strahlungsenergie statt. Dieser letzte Umwandlungsprozess ist der entscheidende für die Astronomie, machen sich doch auf diese Weise die kosmischen Objekte aus großer Entfernung bemerkbar. Weitere Akkretionsflüsse Das NRAF-Modell (non-radiative accretion flow) ist seit 1999 etabliert und wird aktuell intensiv weiterverfolgt. Prinzipiell subsumiert das Akronym NRAF sämtliche Akkretionsflüsse, die nicht durch Strahlung gekühlt oder geheizt werden können. Der heiße Akkretionsfluss kann innen, nahe vor dem gravitierenden Objekt, einen advektiven Torus ausbilden. Die ersten NRAF-Modelle waren rein hydrodynamisch. Später wurden die Modelle durch die Berücksichtigung von Magnetfeldern verfeinert. Dann ist eine wesentliche Zutat im Modell die ideale Magnetohydrodynamik. Dahinter verbirgt sich die einfachste Form der MHD, die nicht dissipativ ist. Viskositäten und Wärmeleitung werden nicht berücksichtigt. Das hat den numerischen Vorteil, dass das Gleichungssystem deutlich einfacher ist. Doch bereits die ideale MHD zeigt einen wichtigen Mechanismus: die bereits angedeutete Magnetorotationsinstabilität oder magnetische Rotationsinstabilität (engl. magneto-rotational instability, MRI). Diese Instabilität wurde von Balbus und Hawley 1991 entdeckt. Das führte zum alternativen Namen Balbus-Hawley-Instabilität. Die MRI ist wesentlich, um zu verstehen, weshalb Materie einer Akkretionsscheibe – trotz des hohen Drehimpulses – in ein Schwarzes Loch fallen kann. Die MRI sorgt für einen sehr effizienten Drehimpulstransport. Die damit verbundene magnetische Turbulenz ist deutlich wichtiger als die hydrodynamische Turbulenz. Damit diese MHD-Instabilität funktionieren kann, benötigt man nur ein rotierendes Objekt, z. B. einen Torus oder eine schlanke Akkretionsscheibe, und ein schwaches Magnetfeld, das dieses Objekt durchsetzt. Eine Alternative zum SSD-ADAF-Szenario heißt TDAT das für (truncated disk – advective tori), also trunkierte Scheiben – advektive Tori, steht. Das TDAT-Modell (Hujeirat & Camenzind 2000) ist dadurch charakterisiert, dass eine flache Akkretionsscheibe bereits bei deutlich größeren Radien als der marginal stabilen Bahn endet. Weiter innen schließt sich ein heißer ADAF an. Es wurden viele advektionsdominierte Modelle in den letzten Jahren vorgeschlagen. So kennt man Modelle wie die ADIOS (advection-dominated inflow/outflow solutions), bei dem auch signifikante Ausflüsse (Winde) berücksichtigt werden. Beim CDAF (convection-dominated accretion flow) spielt die Konvektion des akkretierten Plasmas eine wichtige Rolle. Mechanismus der Akkretion Aus der differentiellen Rotation um das Zentralobjekt (die inneren Bereiche rotieren aufgrund der Keplerschen Gesetze schneller) ergeben sich Reibungs- und Scherkräfte. Durch solche und andere turbulente Prozesse in der Scheibe werden Teilchen in Richtung des Zentralobjekts befördert, so dass dieses Masse gewinnt (akkretiert). Dazu müssen die Teilchen ihren Drehimpuls nach außen abführen (Drehimpulserhaltung), indem sie ihn auf andere Teilchen übertragen, die als Folge vom Zentralobjekt „weggedrückt“ werden. Die molekulare Viskosität ist zu klein, um für den Drehimpulsübertrag in der nötigen Größenordnung verantwortlich zu sein. Deshalb nimmt man an, dass die Scheibe turbulent wird und dies eine Viskosität erzeugt. Bei schwach ionisierten Scheiben übernehmen die Magnetfelder, die die Ionen unvermeidlich mit sich tragen, eine wichtige Rolle: sie bewirken Instabilität (Magnetorotationsinstabilität (MRI)), die zu Turbulenz in der Scheibe und damit zu einer dynamischen Viskosität führen. Die Theorie zur Beschreibung von Plasmen in Magnetfeldern ist die Magnetohydrodynamik (MHD). Disc Instability Model Akkretionsscheiben pendeln bei einer Reihe von Sternklassen zwischen zwei Zuständen, was auch als Disc Instability Model (dt. Scheibeninstabilitätsmodell) bezeichnet wird: ein Zustand mit hoher Viskosität (d. h. hoher innerer Reibung) und hoher Akkretionsrate (d. h. hoher Massentransferrate); in diesem Fall heizt sich die Scheibe aufgrund der hohen Viskosität auf, was zu einem starken Anstieg der elektromagnetischen Strahlung führt. ein Zustand mit niedriger Viskosität und niedriger Akkretionsrate. Die Viskosität des Materials in der Scheibe ändert sich zwischen den beiden Zuständen um einen Faktor 10. Dieser Zustandswechsel tritt sowohl bei engen Doppelsternen auf (wie z. B. Zwergnovae, AM-Canum-Venaticorum-Sterne und Röntgendoppelsterne geringer Masse) als auch bei Einzelsternen wie den FU-Orionis-Sternen, die in Phasen mit geringen Akkretionsraten als T-Tauri-Sterne klassifiziert werden. Der Zustandswechsel geschieht unabhängig von der chemischen Zusammensetzung; so besteht die Akkretionsscheibe bei den AM-CVn-Sternen fast ausschließlich aus Helium und wird in den anderen Fällen meist von Wasserstoff dominiert. Mit Hilfe des Disc Instability Models lassen sich die Eruptionen in den Sternklassen recht gut beschreiben, bisher ist jedoch für die sprunghafte Änderung der Viskosität keine physikalische Ursache bekannt. Entstehung Eine Gaswolke kann sich nur dann unter dem Einfluss der Gravitation zusammenziehen, wenn es in irgendeiner Form Reibung zwischen sich begegnenden Teilchen unterschiedlicher Geschwindigkeit gibt; andernfalls würden die Teilchen auch nach Kollisionen im Mittel die gleiche kinetische Energie behalten und damit auf Dauer nicht weiter unten im Potentialtopf Platz nehmen (d. h. näher zum Zentrum driften). Die Dissipation ist umso größer, je größer die Relativgeschwindigkeiten der Teilchen sind. Wenn die ganze sich zusammenziehende Wolke einen nennenswerten Gesamt-Drehimpuls hat, erfolgen Begegnungen parallel zur Rotationsachse im Mittel mit höherer Geschwindigkeit als senkrecht zur Achse. Dadurch werden die Bewegungen parallel zur Achse stärker verlangsamt als die, deren Bahndrehimpuls mit dem Gesamtdrehimpuls übereinstimmt (d. h. als die Bewegungen senkrecht zur Achse). Sobald die Bestandteile sich einigermaßen in einer Ebene bewegen, vermindert sich die Relativgeschwindigkeit deutlich und es bleibt eine Scheibe übrig. Für die Entstehung von Akkretionsscheiben gibt es Modelle. Bei ihnen spielen Strahlungsprozesse für die Dämpfung eine wesentliche Rolle. Siehe auch Protoplanetare Scheibe Sonnennebel Literatur Juhan Frank, Andrew R. King, Derek J. Raine: Accretion power in astrophysics (= Cambridge Astrophysics Series 8). Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1985, ISBN 0-521-24530-3. Weblinks Homepage von Andreas Müller → Lexikon → Akkretion Lexikon der Astrophysik von Andreas Müller → Standardscheibe Einzelnachweise Astrophysik
Q237604
102.61108
78546
https://de.wikipedia.org/wiki/Andesit
Andesit
Andesit (auch: Islandit) ist ein vulkanisches Gestein mit mittlerem SiO2-Gehalt (intermediärer Vulkanit). Sein plutonisches Pendant ist der Diorit. Etymologie und Geschichte Bei seinen Untersuchungen an süditalienischen Vulkanen identifizierte Leopold von Buch das Mineral Albit in Gesteinen, bei denen er eine Ähnlichkeit mit den Trachyten vermutete. Aus seinen diesbezüglichen Untersuchungen schloss er auf eine neue Gesteinsart. Unter Berücksichtigung von Gesteinsproben, die Gustav Rose auf den Liparischen Inseln gesammelt hatte, und von Ergebnissen über Vulkane aus den Humboldtschen Reisen in Südamerika sowie weiterer Beobachtungen von Franz Julius Ferdinand Meyen und Eduard Friedrich Poeppig auf diesem Kontinent schloss Buch 1835 in seinem Bericht vor der Königlichen Akademie in Berlin auf eine vergleichbare Zusammensetzung. Wegen der von ihm daraufhin vermuteten großen Verbreitung in den Anden prägte er den Begriff Andesit. Alexander von Humboldt lehnte jedoch seine Einschätzung bzw. diesen Vorschlag ab. Erst Justus Roth brachte 1861 den Namen wieder in die Gesteinsnomenklatur ein. Das Gestein wurde von Friedrich Johann Karl Becke im Jahre 1900 auf der Grundlage modernerer mineralogischer Gesichtspunkte als Ergussäquivalent des Diorits neu definiert. Hierzu führt Walter Ehrenreich Tröger als Typlokalität bei La Hoyada (Provinz Catamarca) in den argentinischen Anden an. Der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler wählte Andesit zum Gestein des Jahres 2020. Entstehung und Umwandlungen Andesit ist ein vulkanisches Gestein („Ergussgestein“), das insbesondere in Subduktionszonen und in den vulkanischen Zonen der ozeanischen Rücken (beispielsweise auf Island) auftritt. Andesite sind, neben ihren Begleitgesteinen, den Daciten, Rhyolithen und Kalkalkali-Basalten, die typischen Gesteine der Inselbögen und Orogene. Sie treten in Form von Lavaströmen, Lavadomen, als Bestandteil von pyroklastischen Ablagerungen und vulkanischen Brekzien sowie als Gänge und Lagergänge in Erscheinung. Das Gestein tritt bei Temperaturen von etwa 950 bis 1.000 Grad Celsius als Lava aus. Durch hydrothermale Lösungen können Andesite in ihrem Mineralbestand stark verändert (alteriert) werden. Dabei entstehen auf dem Wege einer Metasomatose mehrere neue Minerale im Ausgangsgestein. Diese Folgeprodukte werden als Propylite bezeichnet. Der Vorgang der Propylitisierung ist aber nicht allein auf Andesite beschränkt. Mineralbestand Andesite bestehen aus 0 bis 20 Prozent Quarz und aus Plagioklas-Feldspat, Pyroxen, Amphibol und Biotit. Fehlt Quarz, so führen Andesite Foide und werden als Foidführende Andesite bestimmt. Es gibt auch Granat- und Cordierit-führende Andesite; sie werden Granat-führende und Cordierit-führende Andesite genannt. Kommt Hornblende vor, werden sie als Hornblende-Andesit bezeichnet. Beim Vorhandensein von Olivin ist der Andesit nicht quarzführend (Olivin wird nur bei einer Silikatuntersättigung gebildet); stehen Andesite den Basalten nahe, besitzen diese jedoch meist weder Amphibol noch Biotit und der Anteil von Plagioklas ist gering. Andesite haben meist eine braunviolette bis graue Farbe und oft ein porphyrisches Gefüge. Porphyrische Andesite prä-permischen Alters werden mit anderen „alten“ intermediären Vulkaniten auch unter dem Sammelbegriff Porphyrit zusammengefasst. Vorkommen und Verwendung Das Synonym Islandit wurde vom britischen Geologen Ian S.E. Carmichael eingeführt, der den tertiären Vulkan Thingmuli (Þingmúli) in Ostisland um 1960 untersuchte. Dabei fand er eine ihm bislang unbekannte Gesteinsart, bei der im Gegensatz zu Gesteinen vom Festland die Eisenkonzentration mit steigendem Silikatanteil ebenfalls stieg. Er nannte diese Gesteinsart Islandit. Heute ist sie als Andesit bekannt. Islandit enthält häufig porphyrische Einsprenglinge (Zeolithe, Leucit etc.). Gegenwärtig eruptiert in Island vor allem der Vulkan Hekla Andesit. In Europa befinden sich Vorkommen von Andesit in Griechenland in Krokees bei Sparta auf dem Peloponnes, in Italien bei Predazzo im Bozener Raum und in den Euganeischen Hügeln, in Ungarn bei Szentendre, in Finnland bei Rovaniemi, in Spanien in den Pyrenäen in der Nähe des Ortes El Pont de Suert und in Deutschland in der Halleschen Mulde, im Flechtinger Höhenzug und im Raum von Saar und Nahe. In Ungarn existieren zahlreiche Abbaustellen, die hauptsächlich Straßenbauzuschlagstoffe und andere Brecherprodukte herstellen. Meist werden die Vorkommen für Schotter und Splitt verwendet und nur wenige Sorten gelangen als Naturwerkstein in den Handel. Natursteinsorten Porfido Verde Antico, Krokees bei Sparta auf dem Peloponnes in Griechenland Augit-Andesit (früher Augit-Porphyr genannt), bei Predazzo in Italien Kulturgeographische Bedeutung der Andesitlinie Ozeaniens Die Einteilung in die drei Gebiete Ozeaniens: Polynesien, Melanesien und Mikronesien stammt von Dumont d’Urville, einem der letzten großen Entdecker, der die Welt zwischen 1822 und 1840 dreimal umsegelte. Sie ist vor allem sprachlich-kulturell orientiert. Die Einwohner der westlichen Bereiche Polynesiens und Mikronesiens sind relativ hellhäutig, die Melanesier hingegen sehr dunkel bis schwarz. Ausschlaggebend für die Einteilung ist außerdem die so genannte Andesitlinie (auch Andesitgrenze). Sie bezeichnet nicht nur eine geologisch markante Grenze, sondern ist auch für die unterschiedliche kulturelle Entwicklung bis hin zur sozialen Struktur, zur Religion und zur Kultur von entscheidender Bedeutung gewesen, auch als Zeichen dafür, wie tief und direkt sogar geologische Voraussetzungen in die Geschichte der Völker hinein gewirkt haben (nicht nur durch den spektakulären Vulkanismus oder Erdbeben, sondern durch die Präsenz oder das Fehlen eines einzigen, noch dazu keineswegs direkt als Rohstoff verwendeten Gesteins). Der Begriff Andesitline entstand, bevor man die Geologie der Plattentektonik verstand. Erstmals verwendet wurde er 1912 durch den neuseeländischen Geologen Patrick Marshall, um die eindeutige strukturelle und vulkanologische Grenze zu bezeichnen, die sich vom Osten Neuseelands zu den Fidschi-Inseln bis nördlich der Neuen Hebriden und der Salomonen erstreckt. Die Linie ist nach dem Gestein Andesit benannt. Es kommt als vulkanisches Gestein in vielen Vulkangebieten vor (in Deutschland zum Beispiel in der Vulkaneifel), insbesondere am vulkanischen Rand (Pazifischer Feuerring) der großen pazifischen Bassins, dessen Verlauf sie in etwa folgt, und es sorgt in deren Umgebung für fruchtbare Böden, so dass die Bauern den fast stets vorhandenen Vulkanismus in Kauf nehmen. Die Linie folgt der Westkante der Inseln vor Kalifornien und passiert den Aleutenbogen südlich entlang der Ostkante der Halbinsel Kamtschatka, verläuft weiter entlang den Kurilen, Japan, den Marianen, Salomonen und stößt auf die Nordinsel Neuseelands. Auf der anderen Seite des Pazifiks verläuft die Linie nordöstlich entlang der Westkante der südamerikanischen Anden in Richtung Mexiko und von dort wieder zu den Inseln vor Kalifornien. Indonesien, die Philippinen, Japan, Neuguinea und Neuseeland – sie alle sind östliche Ausläufer der Kontinentalplatten von Australien und Asien – liegen außerhalb der Andesitlinie. Diese geologische Bruchlinie trennt im Pazifik zwei Großbereiche voneinander. Im Bereich östlich davon bestehen die Inseln vor allem aus den Spitzen unterseeischer Vulkane, die auch Korallenriffe- und -atolle bilden, und klimatisch sehr unterschiedlich ausfallen, je nach ihrer Lage im Wind, der Regen bringt oder nicht. Westlich davon liegen als Reste teilweise nacheiszeitlich überfluteter Regionen aus pleistozänen Sedimenten und metamorphem, kieselsäurereichem Andesitgestein aufgebaute „kontinentale“ Inseln, die landschaftlich sehr vielfältig und unterschiedlich sind (so genannte „Hohe“ Vulkan-Inseln mit Bergen, Tälern mit Schwemmland etc.), und schon wegen der günstigen Lage nahe dem Äquator auch klimatisch beste Voraussetzungen für eine Besiedlung boten. Die Inseln östlich der Linie sind hingegen aus kieselsäurearmen, basaltischen dünnflüssigen Laven aufgebaute, durch Hotspots (Hawai) und ozeanische Querverwerfungen entstandene Schildvulkane und entsprechen in ihrer Struktur nicht der australischen Kontinentalplatte, sondern dem ozeanischen Grund. Sie besitzen wegen der weit ärmeren Böden viel weniger Ressourcen als die westlichen Bereiche, ragen dazu oft nur wenige Meter über den Meeresspiegel. Dazu fehlt häufig das Süßwasser, und Tier- und Pflanzenwelt sind relativ verarmt. Ein entscheidender Grund für die kulturelle Bevorzugung andesitreicher Gegenden ist, dass die Böden, die sich auf vulkanischem Ausgangsgestein entwickeln, wegen des Reichtums an verschiedenen löslichen Mineralien äußerst fruchtbar sind. Die Bedeutung dieser Fruchtbarkeit wird umso größer, da vor allem unter tropischen Klimabedingungen die Böden vielfach nährstoffarm sind oder sehr schnell ausgelaugt werden, falls nicht, wie im Regenwald, ein biologischer Nährstoffkreislauf zwischen Wachstum und Verrottung existiert. Die gegen Osten immer schwieriger werdenden Bedingungen hinderten die während des Pleistozäns von Neuguinea kommenden Jäger und Sammler, die ab 1500 v. Chr. die Lapita-Kultur ausbildeten, zunächst daran, weiter nach Ozeanien vorzudringen, so dass diese Besiedelung erst sehr spät und nach der Zeitenwende etwa ab 300 n. Chr. durch Völker erfolgte, die über eine hochentwickelte Schifffahrtstechnik verfügten, welche ihnen erlaubte, ihre Nahrung zum größten Teil aus dem Meer zu beziehen. Diese Völker haben sowohl sprachliche wie phänotypische (Hautfarbe etc.) Gemeinsamkeiten. Literatur Encyclopedia Britannica. 15. Auflage. 1993, ISBN 0-85229-571-5. Friedrich Müller: Internationale Natursteinkartei. 10. Band. Ebner Verlag, Ulm 1987. Dietmar Reinsch: Gesteinskunde. In: Steinmetzpraxis. Das Handbuch für die tägliche Arbeit mit Naturwerkstein. 2., überarbeitete Auflage. Hrsg. vom Bildungszentrum für das Steinmetz- und Bildhauerhandwerk, Ebner Verlag, Ulm 1994, ISBN 3-87188-139-2. Andrew Sherratt (Hrsg.): Die Cambridge Enzyklopädie der Archäologie. Christian Verlag, München 1980, ISBN 3-88472-035-X. Weblinks Einzelnachweise Vulkanisches Gestein
Q181908
110.125818
17953
https://de.wikipedia.org/wiki/Amudarja
Amudarja
Der Amudarja oder Amudarya (auch Amu-Darja; ), in der Antike Oxus, ist ein Fluss im westlichen Zentralasien. Die Länge betrug ehemals 1415 km, gemessen von der Vereinigung der beiden Quellflüsse bis zur Mündung in den Aralsee. Wegen übermäßiger Wasserentnahme versickert der Fluss heute in der Wüste, bevor er sein ehemaliges Mündungsgebiet erreicht. Schreibweisen und Namen Neben der Schreibweise Amudarja wird auch die Schreibweise Amu Darja oder Amu-Darja verwendet. Von der englischen Schreibweise Amu Darya beeinflusst, sind auch Varianten mit y gebräuchlich: Amudarya, Amu-Darya, Amu Darya. In mittelalterlichen Texten heißt dieser Fluss sowohl auf Arabisch wie auch auf Persisch Dschayhun (), abgeleitet von Gihon, einem der vier Flüsse des Gartens Eden. Er ist ein in der iranischen Mythologie umkämpfter Grenzfluss zwischen Iran und Turan. Die auch im heutigen persischen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung Āmūdaryā () stammt über mittelpersisch drayak vom altpersischen drayah ab (mit der Bedeutung „Meer“ oder „großer Wasserlauf“). In anderen Sprachen lautet der Name dementsprechend: ; Omudarjo, turkmenisch Amyderýa, karakalpakisch Ámiwdárya, Amudarja. Auch im Türkischen wird der Fluss Ceyhun genannt. Dieser Name wird auch als männlicher Vorname verwendet (siehe Ceyhun). In der Antike lautete der Name des Flusses griechisch Ὦξος (Oxos) beziehungsweise lateinisch Oxus. Mit dem Amudarja wird ferner der Flussname Wehrōd in sassanidischer Zeit identifiziert, der als einer der beiden Hauptflüsse im kosmogonischen Weltmodell des mittelpersischen Bundahischn vorkommt. Für das Altpersische ist der Begriff *Waxšu (sprich Wachschu) rekonstruiert worden, der mit Vākhān (oder Wāchān; vgl. Wachandarja), dem altpersischen Namen der Region Wachan zusammenhängt. In Wakhi (Wāchi), der lokalen Sprache, trägt er noch heute den Namen Wux̌ (vgl. auch Wachsch). Flusslauf Der Amudarja entsteht an der Grenze von Afghanistan und Tadschikistan aus der Vereinigung seiner Quellflüsse Pandsch und Wachsch und entwässert durch das Tiefland von Turan weiter Richtung Aralo-Kaspische Niederung. Der Zusammenfluss befindet sich in einem weitläufigen Tal. Danach bildet der Oberlauf des Amudarja für ein kurzes Stück die Grenze Afghanistans zu Usbekistan, die bei Termiz von der Brücke der Freundschaft überquert wird, sowie Afghanistans zu Turkmenistan. Südlich von Kerki, wo sich Grenze und Fluss trennen, zweigt der Karakumkanal nach Westen ab (). Kurz danach, bei Kerki, zweigt nach Osten der Qarshikanal zum Talimardschan-Stausee ab. In nordwestlicher Richtung weiterfließend stellt der Amudarja nun die Grenze zwischen den Wüsten Karakum und Kysylkum sowie teilweise zwischen Usbekistan und Turkmenistan dar. In seinem Unterlauf bildet er die Großoase Choresm und erreicht im usbekischen Karakalpakistan schließlich ein Binnendelta. Bis vor wenigen Jahrzehnten mündete der Amudarja in den Aralsee. Heute erreicht er dessen noch verbliebene Reste nicht mehr; aufgrund der hohen Wasserentnahme und der gesteigerten Verdunstung (bedingt durch die Stauseen) versiegt der Fluss in der Wüste. Flusslängen Der Amudarja war zusammen mit seinem linken Quellfluss Pandsch bis zur ehemaligen Mündung in den Aralsee 2539 km lang, zusammen mit dessen längstem Quellfluss Wachandarja sogar 2743 Kilometer. Vom Zusammenfluss der Quellflüsse Pandsch (1125 km lang) und Wachsch (524 km) bis zum Aralsee betrug die Länge 1415 km. Seit den 1970er Jahren versiegte der Amudarja zeitweise vor dem Erreichen des Aralsees, seit den 1990er Jahren erreicht er den Aralsee nicht mehr. Die Aralsee-Restflächen sind heute im Südwestteil des ehemaligen Sees fast und im Südosten ganz verschwunden. Der seit 2007 unternommene Versuch, den ehemaligen See durch Einschränkung der Wasserentnahme aus den Zuflüssen langsam wieder zu füllen, beschränkt sich bisher auf den Syrdarja, der den heutigen Nördlichen Aralsee speist. Wasserhaushalt und Schiffbarkeit Das Einzugsgebiet des Amudarja beträgt 465.000 km². Zwischen 1911 und 1960 wies der Fluss an seiner Mündung in den Aralsee noch eine Abflussmenge von durchschnittlich 1775 m³/s auf. Gegenwärtig wird bereits durch die am Quellfluss Wachsch errichteten Talsperren viel Wasser entnommen. In den Karakumkanal fließen jährlich 12 km³ (etwa 380 m³/s). Beim Durchqueren der Wüsten gehen schätzungsweise 40 % verloren, das waren vor 1970 im Jahresmittel 790 m³/s. Seit den 1970er Jahren entziehen Bewässerungsmaßnahmen im Mittel über 1580 m³/s. Dies hat zur Folge, dass der Amudarja inzwischen nach rund 2300 km Länge versiegt und den Aralsee somit nicht mehr erreicht, was dessen Austrocknung noch weiter fördert. Derzeit (2023) baut Afghanistan einen neuen Kanal, den Kusch-Tepa-Kanal, der beim Ort Kuschtepa Wasser aus dem Amudarja in den Norden des Landes für Bewässerungszwecke ableiten soll. Die Breite des Kanals beträgt rund 100 Meter und er soll eine Länge von 285 Kilometern erreichen. Es werden massive Auswirkungen auf den Wasserhaushalt flussabwärts erwartet. Der Amudarja ist bzw. war nur schwer schiffbar. Geschichte Tektonische Bewegungen im Pliozän hoben und senkten die Region rund um den Aralsee. Diese veränderten den Verlauf der Flüsse. So floss der (Paläo-)Oxos durch den Ungus, den Usboi oder den Schelif-Darja nahe der afghanischen Grenze. Doch vor etwa 150.000 Jahren wandte er sich endgültig dem Aralsee zu. Der Oxos gab der an seinen Ufern blühenden Oxus-Kultur und der antiken Landschaft Transoxanien ihren Namen; am Oberlauf des Flusses befand sich unter anderem das antike Land Baktrien. Namensgebend war der Fluss außerdem für die Mittelasiatische Kobra (Naja oxiana) und die sogdische Festung Petra Oxiana. In der Antike diskutiert der Historiker Polybios (2. Jh. v. Chr.) in seinem Geschichtswerk (Buch X.48), an welcher Stelle der Fluss von den Nomaden überschritten werden kann. Laut einem seltsamen, wenn auch nicht unmöglichen Bericht konnten die Nomaden hinter einer Felswand an einem Wasserfall den Fluss überqueren. Einleuchtender schien ihm jedoch die eine zweite Quelle, die eine Überquerung des Flusses unterhalb des Katarakts über großen Felsplatten wahrscheinlich macht, wo der Amudarja/Oxos teilweise unterirdisch fließt. Der Fundort des sogenannten Amudarja- oder Oxus-Schatzes lag am Amudarja, vermutlich in der Nähe der antiken Stadt Tacht-i Sangin südlich von Schahritus. Orte Am Amudarja liegen unter anderem Termiz, Kerki, Türkmenabat, Beruniy (das alte Kath) und Nukus. Ungefähr 70 km vom Zusammenfluss von Pandsch und Wachsch entfernt liegt die afghanische Stadt Kundus. Auch Masar-e Scharif und Balch sind nicht weiter vom Fluss entfernt. Siehe auch Liste der längsten Flüsse der Erde Liste der Brücken über den Amudarja, den Pandsch, den Pamir und den Wachan Literatur Bertold Spuler: Āmū Daryā. In: Encyclopædia Iranica. 1989 Bertold Spuler: Āmū Daryā. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 1, 1960, S. 454b–457b John Wood: A Journey to the Source of the River Oxus. (1841) New edition, edited by his Son. With an Essay on the Geography of the Valley of the Oxus by Colonel Henry Yule. John Murray, London 1872 (online bei BSB) Weblinks Einzelnachweise Fluss in Turkmenistan Fluss in der Provinz Buxoro Fluss in der Provinz Surxondaryo Fluss in der Provinz Xorazm Fluss in Karakalpakistan Grenzfluss
Q8493
125.356063
2648199
https://de.wikipedia.org/wiki/Softwaredesign
Softwaredesign
Softwaredesign (auch Softwarekonstruktion) ist der Konstruktionsprozess zur Implementierung einer Software-Lösung. Üblicherweise vollzieht sich die Erarbeitung und Erstellung von Software in einem Softwareentwicklungsprozess, in den ständig immer wieder graduelle Verbesserungen einfließen. Doch gegenüber dem Softwareentwicklungsprozess erfordert die Konstruktion von Software ein abstrakteres Denken auf einer Metaebene zur Programmierarbeit. Softwaredesign ist in aller Regel erforderlich, um die Komplexität, welche die meisten Computerprogramme aufweisen, für die Programmierer handhabbarer zu machen und um zielverfehlendes Programmieren zu vermeiden. Softwaredesign Zur Gestaltung einer Software, die üblicherweise zu Beginn einer Softwareentwicklung an den oder die Entwickler herangetragen wird, können im Softwaredesign, je nach Aufgabenstellung, die folgenden Themenbereiche mehr oder weniger zur Umsetzung der Aufgabe benötigt werden: Objektorientierte Analyse und Design Entwurfsmuster Datenstruktur, Datenmodellierung, Entity-Relationship-Modell Softwarearchitektur Für den schriftlichen und grafischen Niederschrieb einer geplanten Programmierweise stehen verschiedene Konventionen und Modellierungssprachen zur Verfügung. Sprachen, Entwurfshilfsmittel, Entwurf Hierbei werden unterschiedliche Modellierungssprachen verwendet. Beispiele sind die Unified Modeling Language (UML) – eine graphische Modellierungssprache zur Spezifikation, Konstruktion und Dokumentation von Software-Teilen und anderen Systemen, die Fundamental Modeling Concepts (FMC) – eine semi-formale Methodik zur Kommunikation über komplexe Softwaresysteme, sowie die IDEF – eine Gruppe von Modellierungssprachen aus dem amerikanischen Behördenumfeld. Der Fokus beim Design ist verschieden. Während UML beispielsweise mit Klassendiagrammen die Darstellung von objektorientierten Strukturen (siehe auch Objektorientierte Analyse und Design) ermöglicht, aus denen unter Umständen auch Code generiert werden kann, konzentriert sich FMC eher auf die Erstellung von Plänen zur Kommunikation über komplexe Softwaresysteme. Entwurfsmuster Während des Entwurfs von Softwarearchitekturen stehen Entwickler häufig vor wiederkehrenden Problemen, zu welchen es bereits bekannte Lösungsansätze gibt. Durch die Wiederverwendung solcher Entwurfsmuster lässt sich der Entwicklungsprozess einer Software oftmals beschleunigen, da die Muster bereits getestet und erprobt sind. Softwareprojektierung Bei größeren Softwareprojekten: Rahmenbereitstellung: Vorbereitung und Management eines Projekts Definition und Anforderungserhebung eines Softwareprojekts, Führen eines Pflichtenhefts Im Allgemeinen eruieren Auftraggeber und Auftragnehmer im Zuge der Anforderungserhebung vor dem Softwaredesign zunächst die Anforderungen, die sich aus Stakeholder- bzw. Auftraggeber-Sicht an die zu erstellende Software ergeben. Im Zuge dessen erstellt ein Beteiligter – typischerweise der Auftraggeber – das sogenannte Lastenheft. Anschließend erarbeitet der Auftragnehmer zusammen mit dem Auftraggeber über verschiedene Vorgehensweisen ein Konzept, mit welchen Programmstrukturen, Programmiertechniken und Algorithmen diese Anforderungen erfüllt und programmiert werden sollen. Der Auftragnehmer hält die Ergebnisse dieses Konzepts in dem sogenannten Pflichtenheft fest. Aufgabenzuweisung an die Projektteammitglieder, Rollen im Team Die im Rahmen des Softwaredesign anfallenden Aufgaben können eine oder mehrere Personen erledigen, die dabei unterschiedliche Rollen einnehmen können. Diese Rollen sind unternehmensabhängig unterschiedlich benannt. Geläufige Bezeichnungen für die Rollen beteiligter Mitarbeiter mit Fachkenntnissen in der Softwaremodellierung sind Softwarearchitekt, IT-Consultant oder Softwareentwickler (auch „Programmierer“ oder „Softwareingenieur“ genannt). Siehe auch Interaction Design Software Design Description (IEEE 1016) Softwaretechnik Interfacedesign Datenmodellierung Softwarearchitektur Literatur Robert C. Martin: Clean architecture: das Praxis-Handbuch für professionelles Softwaredesign: Regeln und Paradigmen für effiziente Softwarestrukturen. mitp-Verl., Frechen 2018, ISBN 978-3-95845-724-9. John Ousterhout: Softwaredesign: Prinzipien, Techniken und Best Practices. O’Reilly, Heidelberg 2021, ISBN 978-3-96009-159-2. Rebecca Wirfs-Brock, Brian Wilkerson, Lauren Wiener: Objektorientiertes Software-Design. Hanser / Prentice Hall, München / London 1993, ISBN 3-446-16319-0, ISBN 0-13-202664-3. Peter Tabeling: Softwaresysteme und ihre Modellierung: Grundlagen, Methoden und Techniken. (eXamen.press) Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-25828-5. Weblinks www.uml.org – Offizielle „Unified Modeling Language“ Website www.fmc-modeling.org – Offizielle „Fundamental Modeling Concepts“ Website IEEE Software Engineering Collection Einzelnachweise Softwarearchitektur Softwaretechnik
Q857102
202.685007
10444505
https://de.wikipedia.org/wiki/WikiReader
WikiReader
WikiReader war ein Projekt, das eine Textversion von Wikipedia auf einem Mobilgerät darzustellen ermöglichte. Das Projekt erhielt Unterstützung durch Openmoko. Der Quellcode wurde veröffentlicht. Im Oktober 2009 stellte das Projekt einen portablen Offline-Reader für Wikipedia vor. Updates in verschiedenen Sprachen waren online verfügbar; so gab es Wikireaderversionen der englischen Wikipedia, Wiktionary, Wikiquote und dem Projekt Gutenberg, die zusammen auf einer vom Benutzer bereitgestellten SDHC-Speicherkarte (16 GB) installiert werden konnten. Im Unterschied zu Wikipedia selbst, weist das Gerät eine Kindersicherung auf. Das Gerät kann auch Forth-Programme ausführen; eine einfache Taschenrechner-Applikation wird mitgeliefert. Ende 2014 wurde die WikiReader Website geschlossen, und damit auch das Projekt aus unbekannten Gründen eingestellt. Seitdem gibt es keine Datenbank-Updates mehr für die noch vorhandenen WikiReader. Geräte und selbsterstellte Updates sind nur mehr über den Sekundärmarkt erhältlich. Spezifikationen Einschränkungen Nur-Text-Display: Das WikiReader-Gerät kann ausschließlich Text anzeigen. Es werden daher keine Wikipedia-Bilder gespeichert oder dargestellt. Tabellen: Der WikiReader zeigt keinen Artikeltext an, der sich innerhalb einer Wikipedia-Tabelle befindet. HTML „Spezialzeichen“: WikiReader kann bestimmte HTML-Sonderzeichen (Entitäten) im Artikeltext der Wikipedia nicht verarbeiten, diese werden daher am Display nicht angezeigt. Mathematische Formeln: Die Originalversion von WikiReader konnte noch keine mit LaTeX (siehe mathematische Ausdrücke) als Formel kodierte Informationen in Wikipedia-Artikeln anzeigen. Dieser Umstand wurde mit einem optionalen Firmware-Update behoben, die auf neueren WikiReadern vorinstalliert ist. Umgang mit ausgelassener Information: WikiReader liefert keinen Hinweis auf Lücken bei ausgelassenen Stellen in einem Artikel. Dies betrifft z. B. Bilder, Tabellen und mathematische Formeln sowie andere Informationen, die nicht in das Textformat umgewandelt werden konnten und einfach ausgelassen werden, ohne dabei Rückschlüsse auf die entstandene Informationslücke zu ermöglichen. Suchfunktion: Die Suchmöglichkeiten des WikiReaders sind sehr rudimentär. Es gibt keine Möglichkeit zur Volltextsuche. Es kann nur nach Lemmas von Wikipedia-Artikeln gesucht werden. WikiReader unterstützt die Vorschlagssuche bei Artikellemmas, angefangen mit dem ersten Buchstaben eines Lemmas. Suchbegriffe müssen richtig angegeben werden. Die Suche mit Wildcard wird nicht unterstützt. Siehe auch Kiwix Einzelnachweise Weblinks WikiReader Quellcode auf Github Wiki des Offline Wikipedia Reader Techmoan: WikiReader – Offline Wikipedia "The Internet without the Internet", YouTube vom 3. September 2018 Wikipedia
Q2447967
352.208574
52334
https://de.wikipedia.org/wiki/Tupel
Tupel
Tupel (abgeleitet von mittellateinisch quintuplus ‚fünffach‘, septuplus ‚siebenfach‘, centuplus ‚hundertfach‘ etc.) sind in der Mathematik neben Mengen eine wichtige Art und Weise, mathematische Objekte zusammenzufassen. Ein Tupel ist eine Liste endlich vieler, nicht notwendigerweise unterschiedlicher Objekte. Dabei spielt, im Gegensatz zu Mengen, die Reihenfolge der Objekte eine Rolle. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Tupel formal als Mengen darzustellen. Tupel finden in vielen Bereichen der Mathematik Verwendung, zum Beispiel als Koordinaten von Punkten oder als Vektoren in endlichdimensionalen Vektorräumen. Von Tupeln unabhängig von ihrer Länge ist selten die Rede. Vielmehr verwendet man das Wort -Tupel oder die im Abschnitt „Besondere Bezeichnungen…“ davon abgeleiteten speziellen Wörter, wenn sich aus dem Zusammenhang die Länge als feste Zahl oder als benannte Konstante wie ergibt. Betrachtet man dagegen viele endliche Folgen unterschiedlicher Längen von Elementen einer Grundmenge, spricht man von endlichen Folgen oder definiert einen neuen Begriff, der oft mit „Kette“ zusammengesetzt ist, z. B. Zeichenkette, Additionskette. In der Informatik wird der Begriff Tupel auch als Synonym für einen Datensatz verwendet. In diversen Programmiersprachen wie zum Beispiel Python, sind Tupel unveränderliche Datensätze. Notation Ein -Tupel ist eine Zusammenfassung von mathematischen Objekten in einer Liste. Im Gegensatz zu Mengen müssen die Objekte dabei nicht notwendigerweise voneinander verschieden sein und ihre Reihenfolge ist von Bedeutung. Tupel werden meist mittels runder Klammern notiert, wobei zwei aufeinanderfolgende Objekte durch ein Komma getrennt werden. Das an der -ten Stelle stehende Objekt heißt dabei die -te Komponente des Tupels. Gelegentlich werden zur Notation aber auch andere Klammertypen, wie spitze oder eckige Klammern verwendet: oder Auch andere Trennzeichen, wie Semikolon oder senkrechter Strich sind üblich. Weitere Notationsvarianten sind oder auch kurz , wenn die Länge des Tupels aus dem Kontext klar ist. Besondere Bezeichnungen für n-Tupel mit kleinem n Das 0-Tupel heißt leeres Tupel und wird durch notiert. Ein 2-Tupel wird auch geordnetes Paar oder Dupel genannt, ein 3-Tupel auch Tripel, ein 4-Tupel auch Quadrupel, ein 5-Tupel auch Quintupel, ein 6-Tupel auch Sextupel. Die Reihe wird analog durch lateinische Vervielfältigungszahlwörter fortgesetzt. Beispiele Tupel gleichartiger Objekte: und sind zwei 1-Tupel von Elementen einer Menge . , und sind drei verschiedene 2-Tupel ganzer Zahlen. ist ein 3-Tupel aus Mengen. ist ein 4-Tupel trigonometrischer Funktionen. Tupel verschiedenartiger Objekte: Ein gerichteter Graph ist ein Paar bestehend aus einer Menge von Knoten und einer Menge gerichteter Kanten . Ein Körper ist ein Tripel bestehend aus einer Menge und zwei zweistelligen Verknüpfungen und , die bestimmte Eigenschaften besitzen. Ein Wahrscheinlichkeitsraum ist ein Tripel bestehend aus einer Ergebnismenge , einer σ-Algebra und einem Wahrscheinlichkeitsmaß . Gleichheit von Tupeln Zwei Tupel und sind genau dann gleich, wenn sie gleich lang sind und ihre entsprechenden Komponenten gleich sind, das heißt und für . Darstellung als Menge Tupel können auch als Mengen dargestellt werden. Eine einfache Darstellung von -Tupeln lautet: Mit dieser Darstellung ist das geordnete Paar die Menge . Einer anderen Darstellung liegt die Vorstellung zugrunde, dass Tupel endliche Folgen bzw. Familien sind, das heißt Funktionen mit einem eventuell leeren Abschnitt der Menge der positiven natürlichen Zahlen als Indexbereich (geordnete Paare hier in eckigen Klammern): Nichtleere Tupel können auch rekursiv auf Basis geordneter Paare dargestellt werden (geordnete Paare auch hier in eckigen Klammern): Allerdings gilt für auf letztgenannte Weise dargestellte Tupel lediglich eine schwächere Form des Gleichheitsaxioms: Zwei gleich lange Tupel sind dann und nur dann gleich, wenn ihre entsprechenden Komponenten gleich sind. Unabhängig davon, wie Tupel als Mengen dargestellt werden, verhalten sich 2-Tupel genauso wie geordnete Paare und können wie diese verwendet werden, auch wenn sich, wie bei der Tupel-Darstellung als endlicher Folge, 2-Tupel- und Paar-Darstellungen unterscheiden. Die letzte der drei obigen Definitionen hat den Vorteil, dass sie auch für echte Klassen definiert ist, sofern das geordnete Paar für echte Klassen definiert ist. Das heißt, man kann z. B. das Monoid der Ordinalzahlen mit Addition und neutralem Element als Tupel definieren, obwohl es sich bei den Ordinalzahlen um keine Menge, sondern um eine echte Klasse handelt. Verwendung Tupel werden in der Mathematik zum Beispiel als Koordinaten von Punkten oder Vektoren in -dimensionalen Räumen und in der Informatik als Datenfelder und -strukturen verwendet. Folglich werden auch Zeilen oder Spalten von Matrizen ggf. als Tupel angesehen und behandelt. Siehe auch Kartesisches Produkt Familie (Mathematik) Index (Mathematik) Wort (Theoretische Informatik) Literatur Heinz-Dieter Ebbinghaus: Einführung in die Mengenlehre. 4. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg u. a. 2003, ISBN 3-8274-1411-3 (HochschulTaschenbuch). Roger Godement: Algebra. Hermann, Paris 1968. Weblinks Einzelnachweise Mengenlehre Mathematischer Grundbegriff
Q600590
86.960054
129414
https://de.wikipedia.org/wiki/Riad
Riad
Riad () ist die Hauptstadt des Königreichs Saudi-Arabien und der gleichnamigen Provinz. Die Stadt hat 6,9 Millionen Einwohner, die Provinz 8,5 Millionen (Stand 10. Mai 2022). Im Deutschen liest man gelegentlich auch Er-Riad. Die Stadt ist wirtschaftliches, administratives und kulturelles Zentrum des Landes. Sie beherbergt zahlreiche Universitäten, Museen sowie Baudenkmäler. Riad ist Sitz der saudi-arabischen Regierung, des Parlaments, aller staatlichen Zentralbehörden sowie zahlreicher diplomatischer Vertretungen. Riad ist seit der Unabhängigkeit Saudi-Arabiens im Jahr 1932 Hauptstadt. Historisch ist sie ein sehr wichtiger Durchreiseort des arabischen Raums, der Pilgerwege nach Mekka und Medina, der bedeutendsten Pilgerstätten des Islam. In Riad befindet sich seit 1824 der Hauptpalast des Königshauses Saud. Geographie Geographische Lage Riad ist in der Mitte der Arabischen Halbinsel in der Region Nadschd (auch Nedschd/Nedjd) gelegen. Die Stadt liegt durchschnittlich 612 Meter über dem Meeresspiegel und ist von Wüste umgeben. Im Westen reicht die Stadt heute bis an das Wadi Hanifa und zum Teil darüber hinaus. Das Stadtgebiet hat eine Fläche von 1554 Quadratkilometern, das entspricht etwa der Fläche Londons. Die Umgebung von Riad ist topographisch sehr vielfältig. Stadtgliederung Riad gliedert sich in 17 Stadtbezirke: Klima Riad befindet sich in der subtropischen Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 25,6 Grad Celsius. In den Sommermonaten zwischen Mai und September steigt die durchschnittliche maximale Temperatur auf 38,9 bis 43,4 Grad Celsius, begleitet von starker Sonneneinstrahlung; Regen ist während dieser Zeit des Jahres äußerst unwahrscheinlich. Temperaturen über 50 Grad Celsius sind nicht unbekannt, und auch in der Nacht sinken diese selten unter 20 Grad Celsius. Die minimalen Temperaturen liegen im Sommer bei 25,5 bis 28,9 Grad Celsius im Mittel. Die Luftfeuchtigkeit ist sehr gering und liegt in der Regel unter zehn Prozent. Staubstürme aus den Wüsten in der Umgebung sind im Sommer ein normales Ereignis. Die jährliche Niederschlagsmenge von etwa 99 Millimeter im Mittel fällt fast ausschließlich im Zeitraum von Dezember bis April. Im Winter, zwischen Dezember und Februar, beträgt die maximale Temperatur durchschnittlich 20,3 bis 22,7 Grad Celsius. Die minimalen Temperaturen liegen im Winter bei 8,9 bis 10,7 Grad Celsius im Mittel. Geschichte Entstehung Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem Wadi Hanifa und der benachbarten Stadt Diraja (heute ein Freiluftmuseum und nördlicher Vorort). In Diraja wurde die Staatsreligion, der Wahhabismus, entwickelt. Seit 1824 war sie das Zentrum der Dynastie der Saud. Nach der Eroberung durch Abd al-Aziz ibn Saud im Jahr 1902 begann von hier die Vereinigung der Beduinenstämme des zentralen Arabien, was 1932 zur Gründung des Königreichs Saudi-Arabien führte. Die ersten namentlich greifbaren Siedler in der Gegend waren die halb legendären Jadis. Die Kinda erlangten um 425 mit Hilfe der Himjar aus dem heutigen Jemen die Oberherrschaft im Nadschd. Im Jahr 540 zerstörten die Lachmiden die inzwischen in mehrere Reiche zerfallene Herrschaft der Kinda in Zentralarabien. Im 5. Jahrhundert wurde das Wadi und die alten Städte Hadschar al-Yamama, das unter dem heutigen Zentrum von Riad vermutet wird, und al-Chardsch, welches weiter im Südosten lag (heute Ruinen), von dem Stamm der Bani Hanifa übernommen. Al-Yamama, der Staat der Hanifah, florierte im 6. und 7. Jahrhundert. Zwei der Herrscher, Hawdha bin Ali und Musailima („der falsche Prophet“), spielten in der Zeit vor der endgültigen Konversion zum Islam eine wichtige Rolle. Unweit von al-Dschubaila in Aqraba kam es im Jahr 634 zu Kämpfen im Ridda-Krieg. Nach der Einführung des Islams blieb Hadschar noch bis gegen 900 ein bedeutender Ort, danach scheint die ganze Gegend verarmt zu sein, während sich die politischen Zentren des Islams immer weiter von Arabien entfernten. Ibn Battūta berichtete aber noch 1331 bis 1332 von Hadschar als schöner und fruchtbarer Stadt mit Bächen voll Wasser und vielen Bäumen. Die Stadt hat noch bis ins 15. Jahrhundert existiert und als Stammsitz der Bani Hanifah gedient. Najdah ibn 'Amir al-Hanafi gründete in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts einen charidschitischen Staat in der Region al-Yamamah. Von hier aus eroberte er die Ostküste im Bereich von Bahrain und der Stadt Qatif. Im Westen besetzte er die Stadt Taif unweit von Mekka. Sein Reich verfiel allerdings bald nach seiner Ermordung im Jahr 692. Der Stamm der Banu Uchaidhir errichtete um 866 ein Reich, das die Region des südlichen Nedschd von ihrer Hauptstadt al-Chidrima, nahe dem heutigen al-Chardsch südlich von Riad, aus beherrschte. Dieses Reich wurde von den Karmaten aus al-Hasa zerstört. Im 15. Jahrhundert kam es im Nadschd zu vielen Umsiedlungen und intensiverer Nutzung der Oasen. Ibn Dir, der Häuptling der ad-Dir, eines Clans der Bani Hanifa aus Hadschar, wollte das Wadi besser nutzen und lud 1446 den mit ihm verwandten Stamm der Murada aus der Gegend von al-Qatif am Persischen Golf ein, hier zu siedeln. Sie gründeten die Siedlungen Mulaibid und Ghasibah am östlichen Ufer des Wadis und nannten den neuen Ort Dir'iyyah, der auch alle Siedlungen mit einbezog, die sich an den etwa vier Kilometern des Wadis befanden, die zwischen den beiden Orten lagen. Frühe Neuzeit Ghasiba war der erste Hauptort der Murada „Wadi-Oase“ Dir'iyyah im Wadi Hanifa. Das südliche Nadschd wurde später zunächst allerdings von al-Uyainah (al-Uyaynah; im nördlichen Wadi westlich von al-Dschubaila) aus beherrscht. In den späten 1680er Jahren machte Muqrin bin Markhan at-Turaif am westlichen Wadi-Ufer zum Hauptort von Dir'iyyah. Ab 1725 beherrschte Dir'iyyah unter Muhammad ibn Saud (1735–1765), dem Gründer des ersten Saudi-Staates, das südliche Nadschd. Am östlichen Wadi-Ufer gegenüber von at-Turaif liegt der Ort Budschairi, wo die Familie des Scheichs Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb (1703–1792) residierte, nachdem sie aus al-Uyaina vertrieben worden war. Nach 1745 wurde dieser bedeutender als der Scheich Muhammad Ibn Saud, der in at-Turaif residierte, sich der Reformbewegung der Wahhabiten anschloss und 1744 mit dem Imam Muhammad bin Abd Al-Wahhab einen Pakt schloss. Die Al Saud brachten den Großteil der Arabischen Halbinsel unter ihre Herrschaft und drangen in das Hedschas vor, wo sie 1806 Mekka eroberten. In at-Turaif vollendete der Imam Sa'ud ibn 'Abd al-'Aziz (Imam 1803–1814) die Salwa-Paläste. Der bekannteste Baumeister dieser Zeit in ad-Dir'iyyah war Ibn Hazam. Der osmanische Sultan wollte die neue Macht in Zentralarabien einschränken und ließ Muhammad Ali Pascha von Ägypten einen Feldzug durch das Nadschd machen. Der Befehlshaber der Armee war Ibrahim Pascha, der Sohn von Muhammad Ali Pascha. Dieser ließ ad-Dir'iyyah erobern und zerstören. Die wichtigsten Mitglieder des Clans der Saudis wurden gefangengesetzt und zum Teil verschleppt oder hingerichtet. Moderne Die Familie al-Saud machte 1824 die junge Stadt Riad zu ihrem neuen Herrschersitz. Diese war 1735 auf den Ruinen von Hadschar zunächst als ummauerter Garten entstanden. Die hier entstandene Siedlung wurde von ad-Dir'iyyah aus häufig überfallen und schließlich 1773 von Abd al-Aziz ibn Muhammad erobert. Unter den Herrschern Imam Turki as-Saud (1824–1834) und seinem Sohn Faisal (1834–1838 und 1843–1865) entstand der zweite Saudische Staat. Als Regierungssitz diente das 1865 gebaute Fort Masmak in Riad. Im Norden des Nadschd stieg die Macht der ar-Raschid von Ha'il, während die Saudis durch interne Machtspiele geschwächt wurden, so dass sie bald auch den Süden eroberten und die Familie al-Saud 1891 nach Kuwait ins Exil ging. Im Jahr 1902 wurde Riad von Abd al-Aziz ibn Saud (1880–1953) zurückerobert, indem er das Fort al-Masmak stürmte. Von hier aus vertrieb er die Osmanen aus al-Hasa, unterwarf 1921 Hail, annektierte 1923 das Emirat Asir, eroberte, nachdem der Scherif von Mekka Hussein ibn Ali 1924 nach der Kalifenwürde griff, 1924/1925 Mekka und nannte sich ab 1926 König des Nadschd und Hedschas. Im Jahr 1932 gründete er das Königreich Saudi-Arabien. Seit den 1940er Jahren entwickelte sich Riad von einer relativ engen, räumlich isolierten Stadt zu einer großzügig angelegten Metropole. Nach dem Vorbild amerikanischer Städte wurden die neuen Siedlungen und ganze Stadtteile schachbrettartig angelegt und über leistungsfähige Hauptstraßen mit den inneren Bereichen verbunden. Das Bevölkerungswachstum der Stadt betrug zwischen 1974 und 1992 durchschnittlich 8,2 Prozent pro Jahr. Seit den 1990er Jahren kommt es in Riad immer wieder zu Anschlägen auf Einheimische und Ausländer sowie zu Protesten gegen das Königshaus. Am 13. November 1995 forderte die Explosion einer Autobombe vor einem Schulungsgebäude der saudischen Nationalgarde sieben Tote, darunter fünf US-amerikanische Ausbilder. Am 12. Mai 2003 starben bei einer Selbstmord-Anschlagsserie gegen US-amerikanische Zivilisten 34 Menschen. Am 8. November 2003 forderte ein Autobombenanschlag auf Wohnviertel mit Saudis und arabischen Ausländern 18 Tote. Alle Anschläge werden der al-Qaida, einem Netzwerk islamistischer radikal-militanter Gruppen zugeschrieben. Am 23. Juni 2006 stürmten in Riad saudische Sicherheitskräfte ein mutmaßliches Versteck der al-Qaida. Bei dem Feuergefecht starben sechs Extremisten und ein Polizist. Einwohnerentwicklung Lebten 1862 erst 7.500 Menschen in Riad, so waren es 1900 bereits 30.000. Besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte die Stadt ein rasantes Bevölkerungswachstum. Bis 1950 stieg die Bevölkerungszahl auf nur 120.000. Die Millionengrenze wurde dann um 1977 erreicht und im Jahr 1980 lebten in der Hauptstadt 1,3 Millionen Menschen. Die Volkszählung am 15. September 2004 ergab eine Einwohnerzahl von 4.087.152. Im Jahr 2010 hatte Riad schließlich 4,85 Millionen Einwohner. Für 2014 wurden 5,23 Millionen Einwohner geschätzt. Die Stadt wird planvoll vor allem auf riesigen Freiflächen im Norden erweitert, ein weiteres Wachstum ist absehbar und von der Infrastruktur her durchaus verkraftbar. Die ursprünglichen Einwohner waren fast ausschließlich Araber. Heute sind 90 Prozent der Bevölkerung arabischer Abstammung, entweder einheimische Saudis aus den ländlichen Räumen oder Menschen aus dem arabischen Raum, vornehmlich Ägypter, Jordanier, Palästinenser, Syrer und Libanesen. Die restlichen zehn Prozent sind zum größten Teil afrikanischer oder asiatischer Abstammung. Nicht arabischstämmige Ausländer sind meist als Gastarbeiter tätig. Die Bevölkerung besitzt eine stabile soziale Absicherung, jedoch steht diese nur Staatsangehörigen kostenlos zu. Die in Riad beschäftigten Gastarbeiter kommen zumeist aus dem asiatischen Raum – Indien, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka, Malediven, Malaysia, den Philippinen, Indonesien, Brunei und afrikanischen Ländern – Sudan, Äthiopien, Eritrea, Dschibouti, Somalia, Kenia, den Komoren, Tschad und Mauretanien. Aber auch sehr viele sind aus dem Iran, der Türkei und Zentralasien. Diese überwiegend jüngeren, männlichen Arbeitsmigranten sind vor allem in den geringer qualifizierten oder schwer körperlichen Tätigkeitsbereichen beschäftigt, in denen Saudis nicht arbeiten wollen. Hocharabisch ist Amtssprache, Englisch gilt als Sprache des Handels, außerdem werden noch einige arabische Dialekte gesprochen, die aber im offiziellen Gebrauch kaum Anwendung finden. Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Politik Stadtregierung Bürgermeister von Riad ist seit 2012 Abdullah Bin Abdulrahman Al-Muqbil, der den seit 1998 regierenden Abdul Aziz ibn Ayyaf Al-Miqrin ablöste. Am 10. Februar 2005 fanden erstmals seit 30 Jahren in der Hauptstadt Kommunalwahlen statt. Dabei wurde die Hälfte der 14 Mitglieder des Gemeinderates neu gewählt. Die andere Hälfte wird weiter von der saudischen Regierung ernannt. 140.000 der 470.000 Wahlberechtigten (29,8 Prozent) hatten sich registrieren lassen. Insgesamt bewarben sich 646 Kandidaten für die sieben Sitze im Gemeinderat. Die Wahlen gewannen auf Grund der Empfehlung von Klerikern überwiegend konservative Kandidaten, darunter meist Imame von Moscheen und Mitarbeiter islamischer Wohlfahrtsorganisationen. Aufgabe des Gemeinderates ist die Erstellung von Haushaltsplänen, die Ausarbeitung von Verträgen, die Entscheidung über die Ansiedlung von Unternehmen sowie Systemstudien und Kostenberechnungen. Städtepartnerschaften Riad unterhält mit folgenden Städten eine Partnerschaft: Acapulco, Mexiko Paris, Frankreich Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Beachtenswerte Bauten der Stadt sind die beiden Hochhäuser Al Faisaliyah und Kingdom Centre (Al Mamlaka), der Internationale Flughafen „König Khalid“, das König-Fahd-Stadion für 75.000 Zuschauer, des Fort Masmak (altes Fort, dessen Eroberung durch den Staatsgründer Abdul Aziz die Keimzelle des heutigen Staates ist), die Sahat al-Hukm und Qasr al-Hukm (mit Rathaus und Justizpalast) sowie der 170 Meter hohe Fernsehturm Riad. Einem riesigen UFO ähnelt das auffallende Gebäude des Innenministeriums. Vieles bei der Expansion der Hauptstadt, damals noch in Lehmbauweise, wurde in den 1920er und 1930er Jahren vom Baumeister Muraikan beaufsichtigt. Die Familie Al Saud residierte in ihrem Palast bei al-Badi'a im Batin am Wadi Hanifa ein paar Kilometer weiter südlich von al-Dir'iyya wo das Wadi einen Bogen nach Riad macht. Kurz vor 1937 wurde dort ein neuer Sommerpalast mit Gästehaus unweit des alten Palastes gebaut. Auf der gegenüberliegenden Seite des Wadis entstand vor 1937 eine neue Moschee. Etwas nördlich von Riad wurde zwischen 1936 und 1938 unter der Aufsicht des Baumeisters Ibn Qabba der Murabba-Palast gebaut (Qasr al-Murabba'), er diente als Familien- und Regierungssitz. Schon 1935 bestand das Haus der Amira Nura, einer Schwester des Königs Abd al-Aziz. Der kleine Palast mit den damals eher ungewöhnlichen Außenfenstern lag nördlich von Riad zwischen der Stadtmauer und dem Murabba-Komplex. Die Stadtmauern wurden 1950 eingerissen. Der Murabba-Bezirk liegt heute zentral in der Stadt und gehört zum benachbarten Nationalmuseum von Saudi-Arabien. Um das Museum liegt eine Park- und Erlebnisanlage sowie der Wasserturm von Riad. Der alte Stadtkern befindet sich heute im Stadtteil ad-Dira westlich der Straße Al Iman Turki Ibn Abdullah Ibn MHD. Das nördliche Tor in der Stadtmauer Al-Thumairi Gate ist leicht versetzt nahe dem alten Standort rekonstruiert worden. Das alte Fort al-Masmak ist erhalten und dient heute als Museum der Staatsgeschichte. Die große Freitagsmoschee ist durch einen repräsentativen Bau ersetzt worden und im Osten nimmt der Al-Hokm-Palast (Justiz) einen Großteil des alten Stadtkerns ein. Ein wenig traditionelle Lehmarchitektur befindet sich noch im Westen des historischen Kerns, als die Stadt in den 1930er Jahren außerhalb der Stadtmauern erweitert wurde. Allerdings werden weiter alte Straßenzüge abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Am Wadi Hanifah (am nordwestlichen Stadtrand) liegt das in den 1980er Jahren entstandene Diplomatic Quarter (DQ). Dieser Stadtteil wird überwiegend von Diplomaten und ihren Familien bewohnt. Hier sind auch alle ausländischen Botschaften ansässig. Das DQ hat einen hohen Grünanteil und hebt sich vom schachbrettartigen Straßensystem Riads ab. Im Norden der Stadt sind in den 1990er Jahren zwischen dem neuen Flughafen und den Banban-Sandfeldern (im Volksmund Rote Sande) zahlreiche königliche Paläste entstanden. Parks Die Hauptstadt beherbergt zahlreiche Parks und Grünanlagen. Im Stadtteil Olaya liegt der Al-Maktaba-Park. In diesem großen Areal gibt es Schwimmbecken, Wasserwege, Sitzecken und einen Uhrenturm. Der Salam Park liegt im Stadtteil Qasr Al-Hokm. Er wird im Westen von der King Fahad Road und im Süden von der Tariq bin Ziad Road begrenzt. Der Park beherbergt unterschiedliche Landschaften wie beispielsweise Ackerland und Palmenhaine. Im Zentrum befindet sich ein 33.000 Quadratmeter großer See, der verschiedene Tiefenebenen aufweist und von einem zehn Meter breiten Fußweg umgeben wird. Der Chamber of Commerce Park bedeckt eine Fläche von 25.000 Quadratmetern und liegt im Stadtteil al-Malaz. Er beherbergt grüne Hügel, Beete und Wasserbecken. Zahlreiche Gärten und Grünanlagen befinden sich im Diplomatic Quarter (DQ), einem der grünsten Stadtteile von Riad. Das Wadi Hanifa wird im Westen der Stadt zu mehreren kleinen Stauseen aufgestaut. Einer hat sogar einen Springbrunnen. Das Wadi Namar wurde im Südwesten der Stadt auf rund 1,5 km zu einem kleinen Stausee aufgestaut, über dessen felsige Talwände zu bestimmten Zeiten ein Wasserfall stürzt. Sport Fußball Die beliebteste Sportart ist Fußball. Al-Hilal ist der bekannteste Verein in Riad. Er spielt seit Einführung der Saudi-Arabischen Fußballmeisterschaft 1975/76 in der ersten Liga, der Saudi Arabian Premier League. Seit seiner Gründung 1957 hat der Verein zwölf Mal die nationale Meisterschaft und jeweils zwei Mal den Asienpokal der Landesmeister und die Arabische Champions League gewonnen. Heimspielstätte ist das 75.000 Zuschauer fassende King Fahd International Stadium. Al-Shabab, ein weiterer Klub aus Riad, gewann fünf Mal die Fußballmeisterschaft von Saudi-Arabien. Heimspielstätte des 1947 gegründeten Klubs ist ebenfalls das King Fahd International Stadium. Ein weiterer erfolgreicher Klub aus der Hauptstadt ist Al-Nassr. Der 1955 gegründete Verein wurde sechs Mal Fußball-Landesmeister. Heimspielstätte ist das Prince Abdulrahman bin Saud Stadium mit einer Kapazität für 27.000 Zuschauer. Weitere Sportarten Traditionell erfreuen sich auch die Falkenjagd sowie Pferde- und Kamelrennen großer Beliebtheit. Neuere Sportarten sind Golf, Tennis, Squash, Basketball und Schwimmen. Es gibt zahlreiche Reitzentren und Golfplätze (Sandanlagen) in der Region. E-Sport wird seit 2022 in einem großen Event gefördert. Sport für Frauen ist erlaubt, jedoch nur in geschlossenen Komplexen, zu denen Männer keinen Zutritt haben. Gastronomie Die Restaurants der Hauptstadt bieten dem Gast zahlreiche einheimische und internationale Spezialitäten. Für die traditionelle Küche Riads typische Lebensmittel sind Weizen (als Brotgetreide und vor allem in Form von Weizengrieß, Couscous oder Bulgur), Hirse, Datteln (das Brot der Wüste), diverse Gemüsesorten (oft gefüllt, als Schmorgericht oder milchsauer eingelegt) und Hülsenfrüchte. Ziegen, Schafe, Hühner, seltener Rinder und Kamele decken den Bedarf an tierischen Nahrungsmitteln. Die Gerichte werden hauptsächlich mit Kreuzkümmel, Muskat, Zimt und Safran gewürzt. Zur Anwendung kommen aber auch frische Pfefferminze, Petersilie oder Koriander. Es gibt in Riad spezialisierte Bereiche der Lebensmittelproduktion, die aus den Haushalten ausgelagert sind, etwa für Brot und Backwaren. Wobei das Brot (in vielerlei Formen) fester Bestandteil jeder Mahlzeit ist. Es wird fast immer in Stücke gebrochen, statt es zu schneiden. Es dient auch zum Aufnehmen der Speisen oder als Grundlage für Süßspeisen, wie beispielsweise Om Ali. Handel In Riad gibt es zahlreiche moderne Einkaufszentren, kleine Geschäfte und traditionelle Märkte (Suqs). Viele Einkaufszentren liegen in der Olaya-Straße, dazu gehören unter anderem das Kingdom Center, das Al-Nemer Shopping Center, das Al-Andalous Shopping Center, das Al-Mousa Center, das Al-Jarir Bookstore und das Al Faisaliah Center. Am King-Fahad-Highway steht das Al-Oruba Plaza. Einer der bedeutendsten Märkte in der Innenstadt ist der Dira Antik Suq am Dira-Platz, nahe dem Fort Masmak. Er bietet unter anderem Teppiche, Schmuck, Antiquitäten, Messingwaren, Lederwaren und Kleidung. Der überwiegende Teil der in Handarbeit hergestellten Waren stammt aus Pakistan oder Indien. Ein weiterer Markt ist Batha Suq, gelegen im Batha-Viertel. Dort werden hauptsächlich Elektrowaren, Haushaltsgeräte und Kleidung verkauft. Der Kuwaiti Suq auf der Olaya-Straße hat Haushaltswaren, Kleidung und in Handarbeit hergestellte traditionelle Waren im Angebot. Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Wichtige Wirtschaftszweige der Hauptstadt sind die Herstellung von Baustoffen, die Nahrungsmittelindustrie und erdölverarbeitende Industrie, hier insbesondere die Saudi Basic Industries Corporation. In Riad hat Tadawul, die einzige Börse Saudi-Arabiens, ihren Sitz. Die jüngere Stadtentwicklung vollzieht sich nach Norden. Die Stadt erhält einen Großteil ihres Trinkwassers mittels eines Pipelinesystems aus Meerwasser-Entsalzungsanlagen am Persischen Golf. Die meisten finanziellen Mittel werden für die Bevölkerung und die Infrastruktur aufgewendet. Wasser, Strom und Inlandstelefon sind für jeden Saudi kostenlos, das soll sich für die nicht Arbeitenden jedoch ändern. Es werden keine offiziellen Angaben zur Arbeitslosigkeit gemacht. Schätzungen gehen von einer Quote von bis zu 30 Prozent aus. Ein weiteres Problem für die jungen Saudis in Riad ist, dass hoch bezahlte Arbeitsplätze vom Staat nicht mehr wie selbstverständlich an jeden Saudi vergeben werden. Die Regierung versucht, den Einsatz ausländischer Gastarbeiter zu reduzieren und niedrig bezahlte Arbeitsplätze mit jungen Saudis zu besetzen – bislang werden nur 44 Prozent der Arbeitsplätze in Riad von Saudis bekleidet. Fast alle Führungspositionen in der Hauptstadt sind an Saudis vergeben. Verkehr Riad ist ein bedeutender Durchreiseort der arabischen Welt, der Pilgerwege nach Mekka und Medina, den wichtigsten Pilgerstätten des Islam. Die erste Eisenbahn erreichte Riad im Jahr 1951. Die Stadt besitzt einen internationalen Flughafen und eine Ringautobahn. Sie ist durch Fernverkehrsstraßen und Bahnlinien mit dem Persischen Golf an der Ostküste des Landes verbunden. Von 2014 bis 2023 haben mehrere internationale Konsortien aus Generalunternehmen und Zügehersteller ein komplettes U-Bahn-Netz errichtet. Es handelt sich um Bechtel/Siemens, Salini Impregilo/Bombardier/Ansaldo STS sowie FCC/Alstom. Darüber hinaus gibt es dieselgetriebene Omnibusse, die sich die Fahrspuren mit dem Individualverkehr teilen. Betreiber des Busliniennetzes ist die Saudi Public Transport Company (SAPTCO). Zum Einsatz kommen auch klimatisierte Doppeldeckerbusse. Alle Omnibusse besitzen einen abgeschirmten Teil für weibliche Fahrgäste. Auf dem Campus der König-Saud-Universität verkehrt seit Oktober 2012 der Oberleitungsbus Riad, er ist der erste des Landes. Bildung Die Stadt ist Sitz zahlreicher Universitäten, einer Islamischen Hochschule, einer Militärakademie, der Nationalbibliothek sowie Hochschulen für Verwaltung, Pädagogik und Technik. Folgende Universitäten befinden sich in Riad: König-Saud-Universität, König-Abdulaziz-Universität, Imam-Muhammad-bin-Saud-Universität, Arab Open University, König Khalid bin Abdul Aziz-Universität, Technical Trainers College, Princess Nora bint Abdul Rahman University. Persönlichkeiten Abd al-Aziz ibn Saud (1875–1953), Gründer des modernen Königreichs Saudi-Arabien und erster König Saudi-Arabiens (1932–1953) Faisal ibn Abd al-Aziz (1906–1975), König von Saudi-Arabien (1964–1975) Abd al-Aziz ibn Baz (1910–1999), Großmufti (1994–1999) Fahd ibn Abd al-Aziz (1921–2005), König von Saudi-Arabien (1982–2005) Abdullah ibn Abd al-Aziz (1924–2015), König von Saudi-Arabien (2005–2015) Mutaib ibn Abd al-Aziz (1931–2019), Politiker ʿAbd al-ʿAzīz Āl asch-Schaich (* 1943), Großmufti (seit 1999) Nasser al-Johar (* 1946), Fußballspieler und -trainer Osama bin Laden (1957–2011), Terrorist Chalid al-Falih (* 1960), Manager Khalid al-Temawi (* 1968), Fußballspieler Fahad al-Mehallel (* 1970), Fußballspieler Yousuf al-Thunayan (* 1970), Fußballspieler Fuad Amin (* 1972), Fußballspieler Sami al-Dschabir (* 1972), Fußballspieler Ramzy al-Duhami (* 1972), Springreiter Khamis al-Dosari (1973–2020), Fußballspieler Ibrahim al-Harbi (* 1975), Fußballspieler Turki bin Mohammed (* 1979), Politiker Abdulaziz bin Turki Al Saud (* 1983), Autorennfahrer Abdulaziz bin Saud (* 1983), Politiker Saad al-Harthi (* 1984), Fußballspieler Abdoh Otayf (* 1984), Fußballspieler Taisir al-Jassim (* 1984), Fußballspieler Badr bin Abdullah Al Saud (* 1985), Politiker Omar Hawsawi (* 1985), Fußballspieler Waleed Abdullah (* 1986), Fußballspieler Walid Atta (* 1986), äthiopisch-schwedischer Fußballspieler Abdulmalek al-Khaibri (* 1986), Fußballspieler Abdullah bin Bandar (* 1986), Politiker Abdullah al-Mayouf (* 1987), Fußballspieler Nawaf al-Abed (* 1990), Fußballspieler Omar Abdulrahman (* 1991), Fußballspieler Abdullah Otayf (* 1992), Fußballspieler Riyadh Sharahili (* 1993), Fußballspieler Abdulmajeed al-Sulayhem (* 1994), Fußballspieler Abdullah al-Khaibari (* 1996), Fußballspieler Ali Lajami (* 1996), Fußballspieler Zaid al-Bawardi (* 1997), Fußballspieler Sami al-Najei (* 1997), Fußballspieler Nasser al-Omran (* 1997), Fußballspieler Nasser al-Dawsari (* 1998), Fußballspieler Michael Mmoh (* 1998), US-amerikanischer Tennisspieler Waleed al-Ahmed (* 1999), Fußballspieler Rhys Norrington-Davies (* 1999), walisisch-saudi-arabischer Fußballspieler Firas al-Buraikan (* 2000), Fußballspieler Ayman Yahya (* 2001), Fußballspieler Hussain Besou (* 2011), deutscher Schachspieler Literatur William Facey: Dir I'yya, and the first Saudi State. Stacey International, London 1997, ISBN 0-905743-80-6. William Facey: Riyadh. The Old City, from its origins until the 1950s. Immel, London 1992, ISBN 0-907151-32-9. Heinz Pape: Er Riad. Stadtgeographie und Stadtkartographie der Hauptstadt Saudi-Arabiens. Geographisches Institut der Ruhr-Universität Bochum, Bochum 1977, ISBN 3-506-71227-6. Guido Steinberg: Saudi-Arabien. Politik Geschichte Religion. C.H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51112-0. Ionis Thompson: Riyadh Handbook. Stacey International, London 2000, ISBN 0-900988-22-3. Einzelnachweise Weblinks Ort in Saudi-Arabien Hauptstadt in Asien Millionenstadt Hochschul- oder Universitätsstadt Hauptort einer Verwaltungseinheit
Q3692
655.860714